Forderungen nach längeren AKW-Laufzeiten: Atomkraft löst Energiekrise nicht

Die Debatte um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten schwelt weiter. Dabei sollte auch der themenarmen FDP klar sein, dass Atomkraftwerke Teil des Problems sind.

Atomkraftgegner mit Fahne im Gegenlicht

Mit rationalen Argumenten scheinen die Liberalen nicht zu überzeugen zu sein Foto: Maya Hitij/ap

Die An­hän­ge­r:in­nen der Atomenergie lassen nicht locker. Sie nutzen jede Gelegenheit, über eine Laufzeitverlängerung der drei verbliebenen deutschen AKWs eine öffentliche Diskussion anzuzetteln. Atomkraft-Kritiker:innen, auch in der Regierung, geraten immer mehr unter Druck.

Der von CDU-Mann Jens Spahn geforderte Kuhhandel AKW-Laufzeitverlängerung gegen Tempolimit wird in die Regierung getragen und ins Absurde verdreht. Denn der kleine Koalitionspartner greift es sofort auf: Die Laufzeitverlängerung will die FDP, das Tempolimit aber auf gar keinen Fall. Die Liberalen haben bislang in der Ampelregierung kein eigenes Projekt, sie können nur blockieren.

Schon wegen ihrer politischen Themenarmut werden sie in den kommenden Wochen versuchen, sich mit der Durchsetzung der Laufzeitverlängerung zu profilieren. Das zeigt: Die Geg­ne­r:in­nen einer Laufzeitverlängerung müssen sehr gut aufpassen, dass sie nicht an die Wand gedrängt werden. Ihre rein pragmatischen Argumente, dass die Verlängerung nicht möglich sei, weil es kein Personal und keine Brennstäbe mehr gebe, ziehen nicht.

Denn natürlich wird es notfalls Fachkräfte geben, die angesichts eines Energienotstands später in Rente gehen oder aus dem Ruhestand zurückkommen. Und dass Brennstäbe nicht von einem auf den anderen Tag ausgehen, liegt auch auf der Hand. Deshalb ist es wichtig, grundsätzlich zu argumentieren. Deutschland hat sich nach Jahrzehnten erbitterter Auseinandersetzungen aus guten Gründen gegen Atomkraft entschieden. Und dabei sollte es ohne Wenn und Aber bleiben.

Probleme mit Kühlwasser

Dass Atomkraftwerke Teil des Problems und nicht der Lösung sind, zeigt der Blick nach Frankreich: Gas, das ursprünglich für die Speicherung hierzulande vorgesehen war, fließt derzeit zwecks Stromgewinnung an die Nachbarn, weil sie derzeit ihre Atomkraftwerke aus Sicherheitsgründen in großem Stil herunterfahren müssen.

Wegen der – auch klimakrisenbedingten – Hitze gibt es zudem Probleme mit dem Kühlwasser. In der Schweiz muss wegen der hohen Temperaturen ein Reaktor gedrosselt werden. Atomenergie ist prekär, nicht nur wegen der immensen Gefährlichkeit und der nicht gelösten Endlagerfrage, sondern auch wegen der eben nicht vorhandenen Versorgungssicherheit.

Vor allem wird sie in Deutschland nicht gebraucht, weil der Weiterbetrieb von drei Meilern nicht die fehlende Wärme und erst recht nicht den Rohstoff für die Industrie ersetzen würde. Die Gaskrise ist mit Atomkraft definitiv nicht zu lösen, und das sollte auch niemand behaupten.

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