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Danger Dan, Antifaschismus und das ZDF Mit Legalismus gegen Rechtsextremismus?

Andreas Fanizadeh

Kommentar von

Andreas Fanizadeh

Im ZDF geht die Angst um. Die Musiker Danger Dan und Igor Levit dürfen nicht in der Satriesendung „Die Anstalt“ auftreten.

D ie Frage, wie weit man beim antifaschistischen Selbstschutz gehen darf und sollte, ist eine alte. Sie beschäftigte die Szenen bereits in der alten Bundesrepublik, als viele von gewalttätigen Rechtsextremisten allein wegen Herkunft, Aussehens, Lebenswandels oder sexueller Orientierung angegriffen wurden.

Aus einer Erfahrung, dass Verfassungsschutz und Polizei nicht unbedingt immer hilfreich zur Stelle waren, resultierte die Selbstorganisierung in zumeist losen Antifagruppen. Mit dem Zusammenbruch der DDR und der darauf folgenden Offensive der völkischen Rechten wurde der praktische Antifaschismus in den 1990ern noch drängender. Was tun, wenn ganze Bevölkerungsgruppen unmittelbar angegriffen werden, kein Staat Willens oder in der Lage ist, sie zu schützen?

Darüber singen seit jeher verschiedene Undergroundbands wie auch Danger Dan und die Antilopen Gang. Für die antiautoritäre Linke sind kulturelle Ausdrucksformen Teil der Lebens- und der Aushandlungsprozesse. Und diese finden zumeist eher keinen Eingang in den Mainstream des deutschen Fernsehens.

Danger Dan und Igor Levit traten dennoch bereits 2021 gemeinsam mit dem Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ in der TV-Sendung „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann auf. Die Klavierballade bespöttelt die AfD und einzelne führende Rechtsextremisten. Danger Dan appelliert in Wilhelm Tell’scher Weise an eine republikanisch-antifaschistische Grundhaltung. Und lotete ironisch dabei „juristisch die Grauzonen aus“, worüber man gerade noch so singen darf.

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Song gegen Faschisierung

Mit dem am Freitag veröffentlichten Song „Keine Angst“ gehen Danger Dan und die Antilopen Gang noch etwas weiter. Hintergrund ist die bevorstehende Übernahme ganzer Bundesländer durch die AfD. Danger Dan sollte den Song zusammen mit Igor Levit in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ am Dienstag präsentieren. Die Leitung des TV-Senders untersagte kurzfristig den Auftritt, der Song sei gewaltverherrlichend.

„Keine Angst“ ist also nun, anders als „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, nicht mehr Teil des öffentlich-rechtlich Präsentierbaren. Doch warum?

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Tatsächlich hört sich die Ballade als eine Zuspitzung bisheriger Danger-Dan- und Antilopen-Gang-Lyrics an. Allerdings weiterhin im künstlerischen Kontext eines Lieds, was manche Politkommentatoren eilfertig übersehen.

In einem performativ-künstlerischen Akt spricht Danger Dan (auch humoristisch interpretierbar) zu Jüngeren. Über das, was sie tun könnten und über das, was sie tunlichst vermeiden sollten, um die kulturelle Hegemonie über soziale Räume erfolgreich zu verteidigen. Der Song bleibt dabei als Kunstprodukt selbst Teil dieser Strategie, ist keine blanke Handlungsanweisung wie fälschlich behauptet.

Erweitertes Demokratieverständnis

„Helft euren Lokalzeitung'n mit Information'n / Wenn sie nicht schon von selbst dahinterkomm'n / Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt / Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach / Mit etwas Glück kriegen sie Post oder geh'n in den Knast / Doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst / Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil / Es gibt so viele Faschos bei der Polizei“.

Danger Dan setzt prinzipiell auf den Konspirations- als Fun-Faktor. Und darauf, die Eintrittshürden dafür niedrig zu halten, keine Aufnahmerituale oder Hierarchien wie bei der autoritären Linken. Er ist Demokrat, aber skeptisch gegenüber der real existierenden Demokratie, wie die zitierten Zeilen oben zeigen. Prinzipiell geht es um die demokratische Vertiefung und ein hedonistisches linkes Politikverständnis.

Den in dem Song zum Ende hin formulierten Gruß an inhaftierte Antifas kann man als einen etwas koketten künstlerischen Appell an eine allgemeine Solidarität verstehen. Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen Gewaltanwendung ist es nicht. Zumal er sich an Akteure richtet, die in den Augen vieler subkulturell und antifaschistisch orientierter Menschen eindeutig zu weit gingen.

Menschenrechtlich orientiertes Handeln mag manchmal die Brechung von Regeln erfordern. Außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral steht man deswegen jedoch nicht. In diesem Sinne: „Keine Angst / Keine Angst / keine Angst / keine Angst“.

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Andreas Fanizadeh

Andreas Fanizadeh Chefkorrespondent Kultur

Andreas Fanizadeh, geb. 1963 in St.Johann i.Pg. (Österreich). Kulturpolitischer Chefkorrespondent der taz. Von Oktober 2007 bis August 2024 Leiter des Kulturressorts der taz. War von 2000 bis 2007 Auslandsredakteur von „Die Wochenzeitung“ in Zürich. Arbeitete in den 1990ern in Berlin für den ID Verlag und die Edition ID-Archiv, gab dort u.a. die Zeitschrift "Die Beute" mit heraus. Studierte in Frankfurt/M. Germanistik und Politikwissenschaften.
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16 Kommentare

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  • Super Lied und tolle Werbung vom ZDF!

  • „ Menschenrechtlich orientiertes Handeln mag manchmal die Brechung von Regeln erfordern. Außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral steht man deswegen jedoch nicht.“ —> Doch, ganz eindeutig dann, wenn die gebrochenen „Regeln“ die Menschenrechte anderer sind. Dann steht man ganz eindeutig „außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral“.

    Denn universelle Menschenrechte differenzieren gerade nicht zwischen guten Menschen oder schlechten Menschen, sondern kommen eben universell allen Menschen zugute. Dazu gehört sehr prominent eben auch die körperliche Unversehrtheit, die nur in sehr wenigen Kontexten berechtigt verletzt werden darf. Diese Kontexte spricht aber weder danger dan im Text an, noch lagen sie bei Lina E. & Co. auch nur im Ansatz vor.

    Wer sich außerhalb der Moral stellt, sollte hinterher nicht jammern.

    Oder wir lassen viel besser das ewige gecancele und besinnen uns wieder darauf, was in einer Demokratie tatsächlich für solche Fälle vorgesehen ist: Rede und Gegenrede. Dann aber für alle Seiten gleichermaßen. Die Grenze ist dann nicht die der Moral, sondern die der Strafbarkeit.

  • Mensch kann auch inhaltlich auf der richtigen Seite stehen und bei der Wahl der Mittel nicht so ganz. Aufmerksamkeitshaschen mit "Tabubruch" ist nicht immer das beste Mittel.



    Antifas dürfen sich zugleich auch gegen die Fas wehren.

  • "Den in dem Song zum Ende hin formulierten Gruß an inhaftierte Antifas kann man als einen etwas koketten künstlerischen Appell an eine allgemeine Solidarität verstehen. Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen Gewaltanwendung ist es nicht."

    Man stelle sich einfach vor, ein bekanntermaßen mit dem Rechtsextremismus sympathisierender Künstler hätte ein Lied geschrieben, das mit:



    "Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrappt

    Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant

    Ist eh klar was zu tun ist, ich sag’ nichts mehr dazu

    Liebe Grüße an Beate, die Uwes und Ralf" geendet hätte.

    Wäre dann ernsthaft irgendjemand auf die Idee gekommen, darin KEINE stumpfe Gewaltaufforderung zu sehen? Danger Dan hat nicht einfach irgendwelche Antifas gegrüßt, sondern die Hammerbande und Maja T. Wer das als Aufruf zur "allgemeinen Solidarität" verstanden sehen will, bei dem habe ich, offen gesagt, den Eindruck, er will mich für dumm verkaufen. Man darf Lieder schreiben, die Gewalttäter anhimmeln (hat ja in beiden politischen Lagern durchaus auch Tradition). Aber man sollte dann nicht noch versuchen, den Leuten ein X für ein U vorzumachen und so zu tun, als wäre das reiner Zufall.

    • @Agarack:

      Sorry, aber Maja T. konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie sich an einem gewalttätigen Überfall beteiligt hätte. In dem einzigen Video, in dem sie zweifelsfrei zu erkennen ist, entfernt sie sich von der Demo. Trotzdem sitzt sie im Knast in Ungarn, wohin sie niemals hätte ausgeliefert werden dürfen, unter immer noch unmenschlichen Bedingungen. DAS ist ein Skandal!

    • @Agarack:

      Ihr Vergleich hinkt. Auf einer Seite eine über ein Jahrzehnt hinweg agierenden Terrorgruppe mit über 10 Mordopfern, die allein aufgrund ihrer Herkunft getötet. Auf der anderen eine Gruppe, die sich zu einer einmaligen Aktion gegen politisch aktive Gegner verschworen hat, und dabei mutmaßlich Todesfolgen in Kauf genommen hat? Steht das so auf Ihrem Hufeisen?

    • @Agarack:

      Nun stellt der Vergleich der unter "Antifa-Ost" Zusammengefassten mit Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt usw. einen Kategorienfehler dar. Mord und gefährliche Körperverletzung sind schon zwei ziemlich unterschiedliche und zu unterscheidende Dinge.

  • Ich frage mich ja, ob das Lied überhaupt hätte gespielt werden sollen, oder ob die Absage nicht teil einer ausgefuchsten Medienstrategie ist?



    Das Album steht in den Startlöchern, die Tour mit 60€ / Karte möchte auch ausgebucht werden.

  • Ich hoffe, die Jugend kommt selbst darauf, wie sie antifaschistische Zellen bilden kann. Ist doch eigentlich ganz banal, wovon er singt. Reiht sich auch ein in die anderen Lieder wie "Das ist alles..."



    ZDF stellt sich mal wieder an. Also auch da nichts neues.

  • >Song gegen Faschisierung<



    .



    Song für Antifaschisierung...



    ...was auch nicht viel anderes ist.

    • @test_name:

      Sehen Sie keinen Unterschied? Wie sollen wir das verstehen?

      • @Janix:

        Klar, es gibt einen Unterschied. Das Problem ist nur, dass, wenn Antifaschist:innen anfagen die gleichen Methoden wie Faschist:innen zu nutzen, sie genau diesen Unterschied selbst aufheben. Viele in dieser Szene glauben halt, dass ihre Moral, ihre Intention bereits Grund und Rechtfertigung genug sei, damit auch ihre Methoden legitimiert sind. Die theoretischen Pirouetten, die viele dafür zu ihrer eigenen Rechtfertigung drehen (müssen), sind z.T. schon sehr erstaunlich. Und es hat nichts mit einem Hufeisen zu tun, wenn man festhalten muss, dass die Entmenschlichung an den Enden des politischen Spektrums zum Konzept gehört.

  • Wie groß wäre wohl die Aufregung, wenn Danger Dan ein rechter Musiker wäre und Björn Höcke in seinem Song grüßen würde?



    Die linke Szene würde toben und dem ZDF mit Zerstörung drohen. Es ist also immer eine Frage der Perspektive.

    • @Dirk Osygus:

      Und was ist dabei verkehrt? Eine Perspektive haben? Eine Perspektive, die Menschen nur nach ihrer sozialen Haltung unterscheidet.

    • @Dirk Osygus:

      Nein, ist es nicht. Die Nazis haben eine menschenverachtende, herkunftsbezogene Ausschlussideologie. Die meisten Linken wollen soziale Gerechtigkeit für alle, ganz gewaltfrei, nur mit Worten. Wenn Sie das nicht verstehen wollen, dann ist Ihnen das Hufeisen wohl nicht gut bekommen - die Dinger haben Nebenwirkungen!

    • @Dirk Osygus:

      Das Stilmittel des Hufeisens ist ein argumentativer Fehlgriff. Muss ich jetzt erläutern, warum linke Kritik an rechte Musik gerechtfertigt ist, umgekehrt aber nicht? Hat was damit zu tun, dass eine Seite die Menschenrechte bewahren, die andere zerstören will.