piwik no script img

Danger Dan, Antifaschismus und das ZDF Mit Legalismus gegen Rechtsextremismus?

Andreas Fanizadeh

Kommentar von

Andreas Fanizadeh

Im ZDF geht die Angst um. Die Musiker Danger Dan und Igor Levit dürfen nicht in der Satiresendung „Die Anstalt“ auftreten.

D ie Frage, wie weit man beim antifaschistischen Selbstschutz gehen darf und sollte, ist eine alte. Sie beschäftigte die Szenen bereits in der alten Bundesrepublik, als viele von gewalttätigen Rechtsextremisten allein wegen Herkunft, Aussehens, Lebenswandels oder sexueller Orientierung angegriffen wurden.

Aus einer Erfahrung, dass Verfassungsschutz und Polizei nicht unbedingt immer hilfreich zur Stelle waren, resultierte die Selbstorganisierung in zumeist losen Antifagruppen. Mit dem Zusammenbruch der DDR und der darauf folgenden Offensive der völkischen Rechten wurde der praktische Antifaschismus in den 1990ern noch drängender. Was tun, wenn ganze Bevölkerungsgruppen unmittelbar angegriffen werden, kein Staat Willens oder in der Lage ist, sie zu schützen?

Darüber singen seit jeher verschiedene Undergroundbands wie auch Danger Dan und die Antilopen Gang. Für die antiautoritäre Linke sind kulturelle Ausdrucksformen Teil der Lebens- und der Aushandlungsprozesse. Und diese finden zumeist eher keinen Eingang in den Mainstream des deutschen Fernsehens.

Danger Dan und Igor Levit traten dennoch bereits 2021 gemeinsam mit dem Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ in der TV-Sendung „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann auf. Die Klavierballade bespöttelt die AfD und einzelne führende Rechtsextremisten. Danger Dan appelliert in Wilhelm Tell’scher Weise an eine republikanisch-antifaschistische Grundhaltung. Und lotete ironisch dabei „juristisch die Grauzonen aus“, worüber man gerade noch so singen darf.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Song gegen Faschisierung

Mit dem am Freitag veröffentlichten Song „Keine Angst“ gehen Danger Dan und die Antilopen Gang noch etwas weiter. Hintergrund ist die bevorstehende Übernahme ganzer Bundesländer durch die AfD. Danger Dan sollte den Song zusammen mit Igor Levit in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ am Dienstag präsentieren. Die Leitung des TV-Senders untersagte kurzfristig den Auftritt, der Song sei gewaltverherrlichend.

„Keine Angst“ ist also nun, anders als „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, nicht mehr Teil des öffentlich-rechtlich Präsentierbaren. Doch warum?

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Tatsächlich hört sich die Ballade als eine Zuspitzung bisheriger Danger-Dan- und Antilopen-Gang-Lyrics an. Allerdings weiterhin im künstlerischen Kontext eines Lieds, was manche Politkommentatoren eilfertig übersehen.

In einem performativ-künstlerischen Akt spricht Danger Dan (auch humoristisch interpretierbar) zu Jüngeren. Über das, was sie tun könnten und über das, was sie tunlichst vermeiden sollten, um die kulturelle Hegemonie über soziale Räume erfolgreich zu verteidigen. Der Song bleibt dabei als Kunstprodukt selbst Teil dieser Strategie, ist keine blanke Handlungsanweisung wie fälschlich behauptet.

Erweitertes Demokratieverständnis

„Helft euren Lokalzeitung’n mit Information’n / Wenn sie nicht schon von selbst dahinterkomm’n / Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt / Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach / Mit etwas Glück kriegen sie Post oder geh’n in den Knast / Doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst / Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil / Es gibt so viele Faschos bei der Polizei“.

Danger Dan setzt prinzipiell auf den Konspiration-als-Fun-Faktor. Und darauf, die Eintrittshürden dafür niedrig zu halten, keine Aufnahmerituale oder Hierarchien wie bei der autoritären Linken. Er ist Demokrat, aber skeptisch gegenüber der real existierenden Demokratie, wie die zitierten Zeilen oben zeigen. Prinzipiell geht es um die demokratische Vertiefung und ein hedonistisches linkes Politikverständnis.

Den in dem Song zum Ende hin formulierten Gruß an inhaftierte Antifas kann man als einen etwas koketten künstlerischen Appell an eine allgemeine Solidarität verstehen. Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen Gewaltanwendung ist es nicht. Zumal er sich an Akteure richtet, die in den Augen vieler subkulturell und antifaschistisch orientierter Menschen eindeutig zu weit gingen.

Menschenrechtlich orientiertes Handeln mag manchmal die Brechung von Regeln erfordern. Außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral steht man deswegen jedoch nicht. In diesem Sinne: „Keine Angst / Keine Angst / keine Angst / keine Angst“.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Andreas Fanizadeh

Andreas Fanizadeh Chefkorrespondent Kultur

Andreas Fanizadeh, geb. 1963 in St.Johann i.Pg. (Österreich). Kulturpolitischer Chefkorrespondent der taz. Von Oktober 2007 bis August 2024 Leiter des Kulturressorts der taz. War von 2000 bis 2007 Auslandsredakteur von „Die Wochenzeitung“ in Zürich. Arbeitete in den 1990ern in Berlin für den ID Verlag und die Edition ID-Archiv, gab dort u.a. die Zeitschrift "Die Beute" mit heraus. Studierte in Frankfurt/M. Germanistik und Politikwissenschaften.
Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

48 Kommentare

 / 
  • Pongratz und Levit haben alles richtig gemacht. Spätestens mit der Reminiszenz an die Hammerbande am Ende des Liedes, wussten sie, dass sie aus der Sendung fliegen. Jetzt werden sie diskutiert.

    Ein stattgefundener Auftritt im linearen Fernsehen hätte doch höchst Springer et al zu einem Artikel motiviert. Bin solcher Medienspiele müde. Traurig, dabei geht es um wichtige Dinge.

  • Ja, Ja, wenn im im öffentlch-rechtlichen Rundfunk die Angst vor Satire umgeht!



    Eine Menge handfester Skandale prägt die Geschichte der BRD-TV-Satire, weil Senderhierachen in Satiresendungen eingriffen.



    Darunter war auch die in der Nachwendezeit in der DDR enstandene später preisgekrönte Sendung "Kaos" auf 3sat. "Abgewickelt" von 3sat, angeblich aus finanziellen Gründen.

    Vorgeschobene Gründe auch beim Urgestein der BRD-TV-Satire extra drei, die nach einem politischen Aufreger "umgebaut" wurde. Satire wanderte aus dem politischen Bereich in die Unterhaltung. Folge: Satire findet bis heute im ÖR nicht in TV-Nachrichtensendungen wie Heute Journal oder Tagesthemen statt, obwohl Satire "Verarbeitung von journalstischen Wissen" (Bernd Gäbler) ist.



    Denn politische Redakteure und die sie kontrollierenden Poliker haben zu viel Angst vor der Schärfe, Freiheit der Satiriker, wie taz-Autor Wiglaf Droste einer war.



    Der wehrte sich gegen Zensur, indem er in live ankündigte, dass der WDR seinen Text "Ratzinger will Jesus werden" verbieten wolle. Die zuständige WDR-Redakteurin drehte Droste daraufhin den Ton ab. Der Schrifzug "Tonstörung" wurde eingeblendet.

    • @Lindenberg:

      Wo ist denn das Angst-Lied Satire? – Am ehesten sind noch die Rechtfertigungsversuche Realsatire, im Sinne von "Das wird man ja noch sagen dürfen!"

  • In der Sendung, inzwischen bereits zu finden in der ZDF-Mediathek, haben die Kabarettisten einen m.E. ganz guten Weg gefunden, diese Zeilen einzuordnen, zu besprechen und dabei auch dem ZDF einen kleinen Hieb mitzugeben.



    Das Oberthema ist wehrhafte, militante Demokratie im Sinne von Verboten und Engagement, weil - cf. Löwenstein - nur mit Argumenten Demagogie _nicht beizukommen ist.

    • @Janix:

      Sehe ich genauso. Sehr gut die Passage, in der Politiker aus den Weimarer Republik zu Wort kommen, u. a. der jüdische emigrierte deutsche Politiker Karl Löwenstein, dessen Aufsatz zur militanten Demokratie laut Anstalt bis HEUTE! nicht ins Deutsche übersetzt wurde!

      Aktuelle Schlagzeile: Laut Zeit drangen in Bad Frankenhausen im Kyffhäuserkreis Unbekannte nach Polizeiangaben am vergangenen Wochenende auf das Gelände einer Grundschule ein. Sie warfen eine Fensterscheibe ein, stießen Tische und Bänke auf dem Schulhof um und sprühten mit weißer Farbe ein Hakenkreuz auf eine Holzhütte.



      Eben diesen Ort besuchte ich vor über fünf Jahren und wäre fast in einer Nazipension gelandet, weil sie unscheinbar für sich warb!



      Vort Ort stellte ich fest, dass Nazis in tiefergelegten PKW Streife fuhren. Gespenstische, bedohliche Atmosphäre in dem Kurort. in den pro Jahr Hunderte Bürger aus der ganzen BRD zur Rhea in die örtliche Klinik kommen.



      Kein Konzept von Justiz, Polizei und Politik vertrieb die massive rechtsextreme Naziszene im ganzen Landkreis bisher! Im Gegenteil: die AFD wird mittlerweile hier flächendeckend gewählt!

      • @Lindenberg:

        Die Polizei wäre dort als Streife wohl besser aufgehoben als in Reichenvierteln oder gar an der deutsch-österreichischen Grenze zum Strenggucken am Bahnhof.

        Ansonsten reichen bereits ein paar Leute, um gegen Bullies Widerstand denkbar zu machen und auch durchzuführen.

  • Und wenn jetzt ein unbedarfter Jugendlicher die klebrige Bürgerkriegsromatik des Gefährlichen Daniels wörtlich nimmt, und seinen AfD-Nachbarn mit dem Hammer erschlägt. Was sagt er dann, der Daniel? – Das war doch gar nicht so gemeint, nur ein Lied, zudem von der Kunstfreiheit gedeckt? – Oder schickt er ihm die komplette Merch-Edition von "Keine Angst" in den Jugendknast? – Lieben Dank?

    • @jan ü.:

      Wörtlich kommt in dem Lied nirgends ein Hammer vor. Und auch implizit wird lediglich zu Recherche- und Kompromittierungsaktionen aufgerufen. Gewaltbereitschaft wird, wenn überhaupt, im Subtext als Selbstschutz empfohlen, sobald die erfolgten Aktionen zu Übergriffen seitens der Faschist*innen führen.

      • @The Melvin:

        Aber jeder versteht was gemeint ist. Deshalb ist das Lied und die ganze Diskussion darüber ziemlich verlogen!

  • Danke Herr Fanizadeh!



    und auf dass alle Menschen in der Welt keine Angst mehr haben vor den ganzen autoritären Gewaltregimes!

  • Mit Legalismus gegen Rechtsextremismus? Natürlich, was denn sonst? Hier geht es nicht um ein bisschen zivilen Ungehorsam, hier geht es um militante Gewalt. Wer die Ablehnung dieser Gewalt als Legalismus verspottet, spielt mit dem Feuer.

  • Überzeugt mich nicht.



    Sehr überzeugend finde ich allerdings den Text von Daniel Bax zu dem Thema.



    Schade, dass man*frau DEN nicht per Kommentar direkt Supporten kann.

  • Die Zeilen, was man tun soll, sich nicht erwischen zu lassen und später, das man sie hinlegen werde, auch wenn sie gefährlich aussehen - bis zum Fazit, dass man die Inhaftierten grüßt, die genaud das getan haben, was hier propagiert wird....

    ...welchen anderen Schluss sollen sie zulassen, als dass hier Selbstjustiz propagiert wird, konkret die Straftat der gefährlichen Körperverletzung (begangen durch gemeinschaftliches Handeln, § 224 StGB)?

    Man kann doch nicht ersthaft erwarten, dass man damit im ö-r-Rundfunk auftreten kann (oder man müsste davon ausgehen, dass dieserr sich sehr weit von seinem Sendeauftrag entfernt hat, was nicht viel besser wäre).

  • Die europäische Kulturtradition der bürgerlichen und Menschenrechte erlaubt den gewaltsamen Widerstand nicht nur, sie fordert ihn. Und auch der Aufruf dazu ist legal. Oder stehen Lockes "Two Treatises of Government" auf der Liste verbotener Schriften?

    • @Alexander Vollmer:

      "gewaltsamen Widerstand ... der Aufruf dazu ist legal."



      Könnten Sie das näher ausführen? Meines Wissens ist der Aufruf zu Straftaten _nicht_ legal.

  • Der augenzwinkernde Gruß an eine Schlägertruppe ist ein koketter künstlerischer Appell. Süß. Konspiration als Fun Factor. Es muss ja nicht immer alles so bierernst sein, ein bisschen Spaß darf schon sein. Tja, die hedonistische Linke. Warum sollen sich nur Fußball-Hooligans oder rechte Glatzen am Gewaltrausch erfreuen dürfen? Oder süddeutsche Dorftrottel bei der traditionellen sonntäglichen Wirtshausschlägerei? Mit dem richtigen Virtue Signalling kann schließlich jeder seine dumpfen Triebe ausleben. Andersdenkende zu verprügeln ist dann eben antiautoriär. Danke für die demokratische Vertiefung, ich hätte das ohne diesen Song und obige Interpretationshilfe nicht verstanden.

  • Naja, der Autor ist da schon selektiv in der Auswahl der Textstellen.

    Ich weiß nicht, ob dass „Outen“ wirklich ein Weg ist, den eine Gesellschaft gehen muss. Spätestens wenn’s jemand ungerechtfertigtes erwischt, will es wieder keiner gewesen sein oder war doch alles nicht so gemeint.

    Und ein Gruß an Menschen, die andere überfallen und mit Hämmern verletzt haben, geht einfach gar nicht…

  • Super Lied und tolle Werbung vom ZDF!

    • @PartyChampignons:

      Eigentlich wollte ich mich zu dieser Geschichte überhaupt nicht äußern, angesichts der vielen positiven Resonanzen auf den Liedtext und der Empörung über Danger Ausladung durch das ZDF muss ich es doch.



      Was soll eigentlich so toll an der Empfehlung sein, seine ‚lieben‘ Nazi-Nachbarn, Arbeitskollegen oder gar Familienangehörige öffentlich bloß zu stellen und bei Arbeitgebern oder den Strafverfolgungsbehörden anzuschwärzen? Angesichts der Tatsache, dass Rechts das neue Normal ist, die AfD in vielen Regionen die politische Hegemonie errungen hat, Polizei und staatliche Institutionen längst von der AfD infiltriert wurden? Währenddessen die Antifa dank Springer, Unionsparteien und AfD immer weiter an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und kriminalisiert wird? Macht doch überhaupt keinen Sinn.



      Um nicht missverstanden zu werden: hinter antifaschistischer Recherche steckt ein Haufen Arbeit und ungefährlich ist es auch nicht, aber man muss schon sehr genau überlegen, mit welchen staatlichen Behörden man als Antifa kooperieren kann.



      Ach ja, die Ausladung durch die ZDF-Oberen betrachte ich trotzdem auch als eine feige Entscheidung.

  • „ Menschenrechtlich orientiertes Handeln mag manchmal die Brechung von Regeln erfordern. Außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral steht man deswegen jedoch nicht.“ —> Doch, ganz eindeutig dann, wenn die gebrochenen „Regeln“ die Menschenrechte anderer sind. Dann steht man ganz eindeutig „außerhalb menschenrechtlicher Normen und Moral“.

    Denn universelle Menschenrechte differenzieren gerade nicht zwischen guten Menschen oder schlechten Menschen, sondern kommen eben universell allen Menschen zugute. Dazu gehört sehr prominent eben auch die körperliche Unversehrtheit, die nur in sehr wenigen Kontexten berechtigt verletzt werden darf. Diese Kontexte spricht aber weder danger dan im Text an, noch lagen sie bei Lina E. & Co. auch nur im Ansatz vor.

    Wer sich außerhalb der Moral stellt, sollte hinterher nicht jammern.

    Oder wir lassen viel besser das ewige gecancele und besinnen uns wieder darauf, was in einer Demokratie tatsächlich für solche Fälle vorgesehen ist: Rede und Gegenrede. Dann aber für alle Seiten gleichermaßen. Die Grenze ist dann nicht die der Moral, sondern die der Strafbarkeit.

    • @Kriebs:

      Eine wichtige Frage scheint mir außer acht zu bleiben: Wie ist die Wirkung von Gewaltaufrufen in der jeweiligen Zielgruppe? Und wie ist sie historisch einzuordnen?



      Zum ersten Teil kann man festhalten, dass auf der rechten Seite es mit dem NSU Mörder gab, die ganz ohne große Aufrufe so gewalttätig geworden sind wie es eben ging: Mord halt. Hat der AfD-Flügel jemals öffentlich gesagt, dass das Unrecht war? Oder gar der gezielte Mord an Muslim:innen rechtsextrem und deshalb besonders verwerflich? Ich glaube nicht; im Gegenteil: Der Verfassungsschutz hat die Partei in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuft. Und in der Diskussion über ein Verbot dieser Partei wird oftmals auf den menschenverachtenden Hass auf Muslim:innen abgestellt.



      Auf der anderen Seite sind sich die meisten Linken einig, dass körperliche Gewalt kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein sollte, was aber nicht bedeutet, dass verurteilte Straftäter:innen nicht verständliche Beweggründe haben und rehabilitiert werden können.



      Und zum zweiten hat die deutsche Linke kein einmaliges Menschheitsverbrechen zu verantworten. Auch hier im Gegenteil: Ich kenne keine Linken, die den Schießbefehl rechtfertigen.

  • Mensch kann auch inhaltlich auf der richtigen Seite stehen und bei der Wahl der Mittel nicht so ganz. Aufmerksamkeitshaschen mit "Tabubruch" ist nicht immer das beste Mittel.



    Antifas dürfen sich zugleich auch gegen die Fas wehren.

  • "Den in dem Song zum Ende hin formulierten Gruß an inhaftierte Antifas kann man als einen etwas koketten künstlerischen Appell an eine allgemeine Solidarität verstehen. Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen Gewaltanwendung ist es nicht."

    Man stelle sich einfach vor, ein bekanntermaßen mit dem Rechtsextremismus sympathisierender Künstler hätte ein Lied geschrieben, das mit:



    "Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrappt

    Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant

    Ist eh klar was zu tun ist, ich sag’ nichts mehr dazu

    Liebe Grüße an Beate, die Uwes und Ralf" geendet hätte.

    Wäre dann ernsthaft irgendjemand auf die Idee gekommen, darin KEINE stumpfe Gewaltaufforderung zu sehen? Danger Dan hat nicht einfach irgendwelche Antifas gegrüßt, sondern die Hammerbande und Maja T. Wer das als Aufruf zur "allgemeinen Solidarität" verstanden sehen will, bei dem habe ich, offen gesagt, den Eindruck, er will mich für dumm verkaufen. Man darf Lieder schreiben, die Gewalttäter anhimmeln (hat ja in beiden politischen Lagern durchaus auch Tradition). Aber man sollte dann nicht noch versuchen, den Leuten ein X für ein U vorzumachen und so zu tun, als wäre das reiner Zufall.

    • @Agarack:

      Sorry, aber Maja T. konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie sich an einem gewalttätigen Überfall beteiligt hätte. In dem einzigen Video, in dem sie zweifelsfrei zu erkennen ist, entfernt sie sich von der Demo. Trotzdem sitzt sie im Knast in Ungarn, wohin sie niemals hätte ausgeliefert werden dürfen, unter immer noch unmenschlichen Bedingungen. DAS ist ein Skandal!

      • @maria2:

        Ich kenne die Urteilgründe nicht - aber ganz abstrakt kann man festhalten, dass für Mittäterschaft oder Beteiligung nicht erforderlich ist, dass man selbst zuschlägt oder auch nur bei allen Angriffen dabei ist. Es reicht, in die Planung eingebunden zu sein, Material besorgt zu haben, Tatorte auszuspähen usw....als Mittäterschaft oder Beihilfe. Warum das Gericht in Ungarn von der Täterschaft überzeugt war, wird sich aus dem Urteil ergeben.

    • @Agarack:

      Ihr Vergleich hinkt. Auf einer Seite eine über ein Jahrzehnt hinweg agierenden Terrorgruppe mit über 10 Mordopfern, die allein aufgrund ihrer Herkunft getötet. Auf der anderen eine Gruppe, die sich zu einer einmaligen Aktion gegen politisch aktive Gegner verschworen hat, und dabei mutmaßlich Todesfolgen in Kauf genommen hat? Steht das so auf Ihrem Hufeisen?

      • @Hymynameis:

        Bitte informieren Sie sich etwas ausführlicher über die sogenannte Hammerbande.



        Das war keine einmalige Aktion. Mehrere Überfälle auf vermeintlich Rechtsextreme (wobei es auch Personen traf die nichts mit Rechten am Hut haben) haben diese Leute durchgeführt. Dabei wurden einige Lebensgefährlich verletzt. z.B. Schädelbruch etc.



        Bei den Taten wurden tödliche Verletzungen in Kauf genommen. Das niemand gestorben ist, war reines Glück. Ja, es wurden mögliche Todesfolgen in Kauf genommen. Es wurden Waffen eingesetzt. Der Name Hammerbande kommt nicht von ungefähr.



        Verharmlosen Sie hier nicht.

      • @Hymynameis:

        Die Hammerbande hat eine Reihe von Angriffen verübt, ein Opfer wäre fast tot gewesen und hat noch heute bleibende Schäden, ich meine der Bauarbeiter mit der "Nazi-Mütze". Die hat gereicht.

      • @Hymynameis:

        Bis zu welchem Schweregrad eines Gewaltverbrechens ist denn der gezielte und explizite Gruß an die Täter mit einem "Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant



        Ist eh klar was zu tun ist, ich sag’ nichts mehr dazu" davor NICHT als Gewaltaufruf zu verstehen? Wenn Sie mir einfach nur sagen wollten, dass der NSU schlimmer ist als die Hammerbande, ist das offensichtlich wahr, hat aber mit dem inhaltlichen Kern des Kommentars, nämlich, das hier eindeutig ein Gewaltaufruf vorliegt, den man in ähnlicher Formulierung im anderen politischen Lager auch problemlos als solchen identifizieren würde, absolut nichts zu tun.

    • @Agarack:

      Nun stellt der Vergleich der unter "Antifa-Ost" Zusammengefassten mit Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt usw. einen Kategorienfehler dar. Mord und gefährliche Körperverletzung sind schon zwei ziemlich unterschiedliche und zu unterscheidende Dinge.

      • @Harmonie ist eine Strategie:

        Diese "zwei ziemlich unterschiedlichen Dinge" haben allerdings was gemeinsam: Sie sind ein direkter Angriff auf die körperliche Unversehrtheit und die Menschenwürde.



        Jetzt können Sie natürlich erwidern, dass Nazis (bzw. Menschen, die Sie zu Nazis erklären) auf Beides kein Recht hätten. Bin gespannt.

      • @Harmonie ist eine Strategie:

        Sprich, wenn der hypothetische Rechtsradikale keine Mörder, sondern ein paar verurteilte Nazischläger gegrüßt hätte, dann wäre aus dem hypothetischen Lied Ihrer Ansicht nach kein klarer Gewaltaufruf herauszulesen?

        Wenn dies nicht Ihrer Ansicht entspräche, wäre Ihr Einwurf nämlich irrelevant.

  • Ich frage mich ja, ob das Lied überhaupt hätte gespielt werden sollen, oder ob die Absage nicht teil einer ausgefuchsten Medienstrategie ist?



    Das Album steht in den Startlöchern, die Tour mit 60€ / Karte möchte auch ausgebucht werden.

  • Ich hoffe, die Jugend kommt selbst darauf, wie sie antifaschistische Zellen bilden kann. Ist doch eigentlich ganz banal, wovon er singt. Reiht sich auch ein in die anderen Lieder wie "Das ist alles..."



    ZDF stellt sich mal wieder an. Also auch da nichts neues.

  • >Song gegen Faschisierung<



    .



    Song für Antifaschisierung...



    ...was auch nicht viel anderes ist.

    • @test_name:

      Sehen Sie keinen Unterschied? Wie sollen wir das verstehen?

      • @Janix:

        Klar, es gibt einen Unterschied. Das Problem ist nur, dass, wenn Antifaschist:innen anfagen die gleichen Methoden wie Faschist:innen zu nutzen, sie genau diesen Unterschied selbst aufheben. Viele in dieser Szene glauben halt, dass ihre Moral, ihre Intention bereits Grund und Rechtfertigung genug sei, damit auch ihre Methoden legitimiert sind. Die theoretischen Pirouetten, die viele dafür zu ihrer eigenen Rechtfertigung drehen (müssen), sind z.T. schon sehr erstaunlich. Und es hat nichts mit einem Hufeisen zu tun, wenn man festhalten muss, dass die Entmenschlichung an den Enden des politischen Spektrums zum Konzept gehört.

        • @White_Chocobo:

          Ja und nein. Zweck rechtfertigt nicht alle Mittel. Jeder, hoffe ich zumindest, wird zugleich die Wahl zwischen einem faschistischen und einem antifaschistischen Deutschland sofort zu treffen wissen. Wir sind mit Variante II (ich meine die westdeutsche Variante, bevor das jetzt kommt; und selbst die DDR war nicht so schrecklich wie das Dritte Reich), mit der (halbwegs) antifaschistischen Variante schon gut gefahren.

          • @Janix:

            Besser wäre aber keines von beidem. Und gerade was die DDR betrifft, ist es leider so, dass viele Ostdeutsche die noch in Erinnerung haben, während die letzten Opfer der Nazi-Zeit inzwischen fast alle tot sind.



            Wobei ja erstaunlicheweise die AfD sowohl DDR-Nostalgiker wie auch Anti-Kommunisten gut erreicht, eines der vielen Geheimnisse um diese Partei.

        • @White_Chocobo:

          sehr gut ausgedrückt. Allerdings hat diese Entmenschlichung immer auch ein Risiko, dass solche Gruppen auseinanderbrechen, weil die Ziele über allem stehen. Dann ist man ganz schnell außen vor, wenn man irgendwo mal etwas anders sieht oder wird sogar komplett rausgeworfen wegen Vorwürfen, gegen die man sich nicht wehren darf. So hat man ja den Kronzeugen gegen die Hammebande erst erschaffen.

  • Wie groß wäre wohl die Aufregung, wenn Danger Dan ein rechter Musiker wäre und Björn Höcke in seinem Song grüßen würde?



    Die linke Szene würde toben und dem ZDF mit Zerstörung drohen. Es ist also immer eine Frage der Perspektive.

    • @Dirk Osygus:

      Und was ist dabei verkehrt? Eine Perspektive haben? Eine Perspektive, die Menschen nur nach ihrer sozialen Haltung unterscheidet.

    • @Dirk Osygus:

      Nein, ist es nicht. Die Nazis haben eine menschenverachtende, herkunftsbezogene Ausschlussideologie. Die meisten Linken wollen soziale Gerechtigkeit für alle, ganz gewaltfrei, nur mit Worten. Wenn Sie das nicht verstehen wollen, dann ist Ihnen das Hufeisen wohl nicht gut bekommen - die Dinger haben Nebenwirkungen!

      • @Hymynameis:

        Ganz gewaltfrei - wie die am Ende des Liedes Gegrüssten ?

      • @Hymynameis:

        von Gewaltfreiheit ist der Text aber nun mal meílenweit entfernt, von daher passt der Vergleich durchaus.

    • @Dirk Osygus:

      Das Stilmittel des Hufeisens ist ein argumentativer Fehlgriff. Muss ich jetzt erläutern, warum linke Kritik an rechte Musik gerechtfertigt ist, umgekehrt aber nicht? Hat was damit zu tun, dass eine Seite die Menschenrechte bewahren, die andere zerstören will.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Dann sollen sich Antifaschisten nicht wie Faschisten benehmen, schon gibts keine Probleme mit dem Hufeisen. Es geht um Gewalt zur Durchsetzung der politischen Ziele. Wer das mit Verteidigung der Menschenrechte rechtfertigt ist an der Ideologie der Nazis mit ihren entrechteten Untermenschen naeher dran als ihm lieb sein sollte.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Kritik an linker Musik ist natürlich nie gerechtfertigt, ganz egal, wie krude sie ist. Und dass die Hammerbande und ihre Fans penibel auf Menschenrechte achten, ist sowieso klar.