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Anschläge mit Autos„Wir können Software entwickeln, die so eine Tat verhindert“

Lassen sich Auto-Anschläge und Amokfahrten verhindern? Ja, sagt ein Unfallforscher. Aber das könne dauern.

Interview von

Raoul Spada

taz: Herr Brockmann, bei Anschlägen und Amokfahrten wird das Auto zur Waffe. Neben den islamistischen Anschlägen fast vergessen sind die zahlreichen Amokfahrten, bei denen die Täter ohne politisches Motiv handelten. Lässt sich das verhindern?

Siegfried Brockmann: Ja. Wir könnten ohne Weiteres eine Software entwickeln, die solche Taten komplett verhindert.

taz: Wie sähe so ein System aus?

Brockmann: Zuerst braucht es moderne Sensorik, also mindestens eine Kamera und mehrere Sensoren mit verschiedenen Reichweiten, Radar und Infrarot. Dann braucht es die passende Software.

taz: Und die gibt es noch nicht.

Brockmann: Ab 2026 ist laut der General Safety Regulation (Verordnung zur allgemeinen Fahrzeugsicherheit, Anm. d. Red.) der EU bereits ein System für alle neu zugelassenen Fahrzeuge verpflichtend, das reagiert, wenn es einen Fußgänger erkennt. Die Software des Notbremsassistenten wertet die Sensorik aus, erkennt einen Fußgänger und sogar seine Laufrichtung. Aber es gibt immer einen Unterschied zwischen Sehen und Verstehen. Auf Menschenmengen sind die Systeme etwa nicht trainiert, sie erkennen darin nur eine amorphe Masse. Das lässt sich aber ändern.

Im Interview: Siegfried Brockmann

Siegfried Brockmann, Jahrgang 1959, ist Leiter der Unfallforschung bei der Björn Steiger Stiftung. Zuvor leitete er fast zwei Jahrzehnte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

taz: Und das könnte Todesfahrten wie die am letzten Samstag in Berlin aufhalten?

Brockmann: Ich halte es für denkbar, dass das Fahrzeug, das der Attentäter jetzt benutzt hat, schon auf Fußgänger reagiert hat. Dass es vergleichsweise wenige Opfer gegeben hat, könnte daran gelegen haben, dass so ein System immer wieder heruntergebremst hat. Die heutigen Systeme lassen sich aber alle noch übersteuern. Es kann sein, dass der Täter immer wieder beschleunigen und nachlenken musste und keine Ahnung hatte, was da vor sich geht. In der Zukunft könnten wir das Auto vielleicht nicht immer zum Stillstand bremsen, aber mindestens tödliche Energie herausnehmen.

taz: Schränkt das die fahrende Person nicht zu stark ein?

Brockmann: Wenn ich ein Fahrzeug kaufe und niemanden umbringen möchte, dann ist ein Bremsassistent doch eine Bereicherung.

taz: Und wenn das System mal falsch liegt?

Brockmann: Diese Angst ist unbegründet. Im Zweifel wird es immer die sichere Variante wählen. Falls es sich nicht ganz sicher ist, wird es nicht bremsen. Das ist schon bei aktuellen Systemen der Fall.

GPS-Systeme haben teilweise Abweichungen von mehreren Metern, da kann viel schiefgehen mit fatalen Auswirkungen.

Siegfried Brockmann, Unfallforscher

taz: Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, Autos mittels Software in gesperrten Zonen zum Stehen zu bringen oder eine reduzierte Geschwindigkeit zu erzwingen?

Brockmann: Im Fachjargon heißt das Geofencing und es hat einen großen Nachteil: Es ist einfach nicht gut genug. GPS-Systeme haben teilweise Abweichungen von mehreren Metern, da kann viel schiefgehen, mit fatalen Auswirkungen.

taz: Auch für größere Areale wäre das keine Option?

Brockmann: Für einen Weihnachtsmarkt zum Beispiel? Nein. So eine Sperrzone müsste immer gesperrt sein. Wenn das nicht ständig aktualisiert wird, weiß das System am Ende noch gar nichts von der morgendlichen Sperrung. Mal ganz abgesehen von den Datenschutzproblemen.

taz: … die es bei automatischen Bremssystemen nicht gibt?

Brockmann: Nein, überhaupt nicht. Weil ich keine personenbezogenen Daten erhebe. Das System erkennt Fußgänger und macht eine Notbremsung. Ein Datenschutzproblem entsteht erst, wenn das Fahrzeug mit dem Hersteller verbunden ist, der in jeder Sekunde weiß, wo ich mich befinde.

taz: Dauert es nicht zu lange, bis wir so zu irgendeiner Art von Gefahrenabwehr kommen?

Brockmann: Dazu muss ich immer wieder sagen: Der Einwand ist korrekt. Aber für Abbiegeassistenten und ähnliche Systeme brauchten wir ebenso lange. Aber wenn das das Argument ist: Wenn wir jetzt nicht darüber sprechen, sind wir auch in zehn Jahren noch nicht weiter. Im Übrigen wird auch kein Hersteller daran gehindert, zu sagen: Ich mache hier sowieso automatisiertes Fahren. Da nehme ich die Funktion gleich mit rein.

taz: Beim Anschlag wurde ein 40.000 Euro teurer Mietwagen genutzt. Bei Mietwagen und beim Carsharing ginge das sicher schneller?

Brockmann: Ja, insofern die Anbieter das freiwillig umsetzen. Wenn Sie privat ein Auto haben, dann fährt das Ding mindestens zehn Jahre im zweiten oder dritten Besitz. Carsharing-Anbieter erneuern ihre Flotten dagegen oft. Das heißt, wenn es diese Technik erst mal gäbe, wäre es dort natürlich in allen Mietwagen, in allen Carsharing-Systemen sehr schnell verfügbar.

taz: Auch in älteren Autos?

Brockmann: Großflächig? Keine Chance. Vielleicht bei einzelnen Herstellern, aber das wäre ein komplizierter Eingriff ins Betriebssystem.

taz: Und von denen kommt da nichts?

Brockmann: Es ist mir total rätselhaft, warum die Hersteller damit nicht punkten wollen. Gerade die, die Sicherheit in ihrer DNA haben. Wenn ich die Sensorik sowieso einbaue, kostet mich das kein halbes Jahr. Das verstehe ich überhaupt nicht.

taz: So eine Einschränkung des Fahrvergnügens verkauft sich bestimmt schlecht.

Brockmann: Aber die Entscheidung, in eine Fußgängergruppe zu rasen, die will man ja einschränken. Wer da was dagegen hat, ehrlich, dem müsste man eine Behandlung verordnen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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52 Kommentare

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  • Nicht noch so ein überflüssiges und fehleranfälliges Assistenzsystem im Auto! Sinnfreie Zwangsbremsungen beim Rangieren, heftiger Lenkeingriff in Autobahnkurven und Notbremsungen vor Hindernissen, die es nicht gibt. Zum Glück kann man einen Teil davon abschalten, den Rest erledigt die Werkstatt meines Vertrauens mit einem tieferen Einstig in die Software.



    Terrorismus bekämpft man jedenfalls nicht mit einem Assistenzsystem im Auto, sondern mit geeigneten politischen und strafrechtlichen Mitteln.

  • Wie schon unter einem anderen Artikel geschrieben mag ich grundsätzlich Assistenzsysteme und erfahrungsgemäß funktionieren die auch Jahr für Jahr besser. Aber auch jetzt noch erkennt mein Auto hin und wieder fälschlicherweise Schilder die z.B. führ die Abfahrt statt für die Autobahn gedacht sind oder die eine Zeitbegrenzung haben. Warnton geschenkt, aber wenn das Fahrzeug dann eigenständig ein hartes Limit für die Geschwindigkeit setzen würde wäre das sowohl gefährlich als auch unpraktisch.

    Das Automatic Emergency Braking funktioniert mittlerweile gut, und gibt nur extrem selten Fehlalarm, aber das einfachste wird in meinen Augen übersehen: Ein Stück Klebeband über der Kamera. Soll das Auto dann vollständig die Fahrt verweigern? Das greift dann nämlich auch ganz schnell bei unverfänglichen Einschränkungen.

  • Das könnte man weiterdenken bis hin zu autofreien Innenstädten. Mittels Geofencing lassen sich übrigens heute schon die E-Roller einbremsen, das wäre vielleicht auch etwas - Schrittgeschwindigkeit in bestimmten Bereichen, dann ist Autofahren in der Innenstadt auch plötzlich gar nicht mehr so attraktiv, und einem Attentäter könnte man recht bequem davonlaufen.

  • "Wer da was dagegen hat, ehrlich, dem müsste man eine Behandlung verordnen."



    Den müsste man !überzeugen, vielleicht mit noch besseren Argumenten oder einer praktischen Übung.



    "Behandlung verordnen" ist an dieser Stelle übergriffig.

  • Kann man machen, klar. Wir dwohl auch irgendwann einigermaßen funktionieren.



    Ich frage mich alerdings wieviel Energie wir hier rein stecken müssen.



    Wer eine lebenswerte Stadt möchte wird den motorisierten Individualverkehr nahezu abschaffen.



    Auch aus Klimaschutzgründen empfiehlt sich das.

  • Theoretisch braucht es gar nicht viel Software. Jeder alte Roomba hatte mit den "Lasertürmen" ein wirksames Geofencing. Das, kombiniert mit einem durch genau diese Frequenz und das Durchqueren einer Lichtschranke aktivierten Unterbrechen der Motorfunktion im so abgesperrten Bereich sollte doch ausreichen. Quasi eine unsichtbare Schranke.

    Ist allerdings keine KI-basierte High-Tech-Software-Lösung, und eventuell dadurch zu einfach.

    Ich bin sowieso dafür, dass man die Assistenten wie den Geschwindigkeitswarner und Co nicht mehr abschalten kann und nur begrenzt überschreiben. Mich interessiert der sogenannte "Fahrspaß" einiger weniger männlicher (und noch weniger weiblicher) Autofreaks weniger als dass ein paar Kinder mehr bis ins Erwachsenenalter leben dürfen, ohne dass sie von genannten Freaks aus dem Leben gerast werden.

  • Die Autos von allen wären dann jederzeit zu orten. Ich finde diese Vorstellung auch im Anbetracht der Tatsache, das diese Technik den Faschisten in die Hände fallen würde, wenn diese an die Macht kämen, am Ende beängstigender als die Gefahr von Anschlägen.

    Außerdem: wenn es mein Ziel wäre, als Märtyrer einen Anschlag zu verüben und dabei soviel Menschen wie möglich zu töten, dann würden mir ganz spontan einige Möglichkeiten einfallen. Ich schreibe das jetzt nicht nieder, man weiß ja nie wer mitliest.



    Wenn es Terroristen und Fanatikern in der Konsequenz egal ist, ob sie selbst dabei sterben, dann werden sie einen Weg finden.

    Deshalb halte ich diese Sicherheitsdiksussion die nach jedem Anschlag aufs Neue folgt für wenig zielführend.

    Wie kriegt man es gesellschaftlich hin, dieses fanatische Mindset im Vorfeld zu bekämpfen, einzudämmen oder desen Verbreitung zu verhindern, bevor es so weit kommt?- das ist doch die eigentliche Frage, die sich gestellt werden sollte

  • Man kann eine solche Notbremse auch entwickeln, um versehentliches Umfahren von Fußgängern/Menschenmengen zu verhindern. Gibt ja noch mehr Verkehrstote so übers Jahr. Und wenn die Software gut genug ist, kann man sie irgendwann auch nicht mehr „overrulen“. Der rasche Tritt aufs Vollgas schützt ja extrem selten vor irgendeinem Unfall.

  • An sich ist die Idee gut und sollte auch umgesetzt werden. Allerdings macht mich ein Satz stutzig:

    "Wir könnten ohne Weiteres eine Software entwickeln, die solche Taten komplett verhindert."

    Es gibt keine 100% sichere Technik. Das ist unmöglich.

  • Warum verlieh der Autoverleih das Fahrzeug? Man muss dazu Führerschein und Personalausweis vorzeigen.



    Warum nicht überprüfen, ob die Person untergetaucht / zur Fahndung ausgeschrieben ist (viele Nazis sind untergetaucht) oder als Gefährder gelistet ist?



    => Kein Verleih an solche. Besser mal durchrufen. Er wurde doch noch kurz zuvor gefilmt. Seltsam.

  • Technische Lösungen für mehr Sicherheit sind sicher immer eine Überlegung wert, muss man halt rational abwägen.



    Wieviele Anschläge mit Autos gibt es jährlich, und wären komplizierte technische Lösungen da dann eine angemessene Lösung? Ober wäre das Geld (denn so etwas wird ja etwas kosten) besser an anderer Stelle investiert, wo man mit der gleichen Investition mehr Wirksamkeit erzielen würden? (Haushaltsunfälle, Krankenhauskeime, was auch immer)



    Davon abgesehen ist die beste Prävention immer noch zu verhindern, dass es überhaupt Menschen gibt, die bereit sind solche Anschläge zu verüben.

  • "Es ist mir total rätselhaft, warum die Hersteller damit nicht punkten wollen. Gerade die, die Sicherheit in ihrer DNA haben."



    Nach meinem Empfinden haben Autohersteller nur eines in ihrer DNA: Gewinn und Absatz. Weswegen teure Systeme, die auch Fußgänger und Radfahrer schützen, nur sehr zögerlich eingesetzt werden. Und weswegen man gerade in großem Stil Arbeitsplätze abbaut...

    • @Der olle Onn:

      "Es ist mir total rätselhaft, warum die Hersteller damit nicht punkten wollen. Gerade die, die Sicherheit in ihrer DNA haben."

      Weil es nicht so einfach ist wie Brockmann sich das vorstellt. Grundsätzlich müssen Autos auch dann fahren können, wenn sie keinen GPS-Empfang (z.B. in Tunneln) und auch kein Signal vom Frontradar (z.B. wegen einer dicken Schneeschicht) haben. Für einen Angreifer ist es ein leichtes, diese Systeme zu stören, und schon ist es vorbei mit Geofencing und Notbremssystem.

      Abgesehen davon wird es noch jahrzehntelang Fahrzeuge geben, die solche Systeme gar nicht an Bord haben.

  • Also, mein Kollisionsschutz hat jedenfalls noch etliche Probleme mit alltäglichen und doch nicht ganz alltäglichen Situationen. Da wäre zum Beispiel die Auffahrt auf einen Kipp-Parker. Das System "ist sich ganz sicher", dass da ein Hindernis ist und latscht voll auf die Bremse. Das ist natürlich noch einigermaßen ungefährlich, weil die Vollbremsung nicht im laufenden Verkehr passiert, aber ob man wirklich vor solchen Missverständnissen so gefeit ist, dass ein nicht überwindbarer Notbremsassistent (wobei: on "assistieren" kann man eigentlich dann nicht mehr reden...) in der Praxis taugt?



    Ich bin noch nicht so überzeugt, wie es Herr Brockmann aufgenscheinlich ist.

  • Das kann natürlich in der Zukunft ein Teil von Sicherheit sein. Es ist trotz Allem erstaunlich, welche -zumindest kurzfristig- wenig hilfreichen Ideen hier so debattiert werden, während man die einfachsten Mittel, die es im vorliegenden Fall gegeben hätte, zerredet.



    Vorbewährung für Jemanden, der sich extrem radikalisiert hat, sich mehrfach dem IS anschließen wollte und erst vor 2 Monaten wegen einer geplanten Terrortat verurteilt wurde. Er darf einen Führerschein haben, kann problemlos ein Fahrzeug mieten, wird nicht konsequent überwacht.



    Gegen die Fußfessel wird mit Persönlichkeitsrechten und "falschen Sicherheitsversprechen" argumentiert. Aber klar, eine technische Lösung, die noch nicht einmal entwickelt ist, "kann eine solche Tat verhindern."

  • Beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche wurde der LKW durch das Notbremssystem gestoppt ...

  • Schon der LKW, mit dem auf dem Breitscheidtplatz Menschen totgefahren wurden, hat durch sein Notbremssystem immer wieder abgebremst, und damit noch mehr Tote verhindert.

    Es macht absolut Sinn, solche Systeme weiter zu verbessen und einzusetzen, auch wenn sich (noch) nicht perfekt sind.

  • Wenig Sinn in der Aussage



    Ihnen ist aber schon klar, dass es die nächsten 30 Jahre noch Youngtimer und Oldtimer völlig ohne Assistenten geben wird. Dann nimmt der Täter halt ein solches Auto.

    • @Hans Dampf:

      Genau das sagt er doch: Es braucht Zeit, bis das großflächig umgesetzt ist, gerade deswegen muss man damit anfangen.

  • Halte ich für einen sehr optimistischen Beitrag.



    Also fraglos kann man so eine Software entwickeln, aber wie lange dauert es, bis die fehlerfrei ist...



    Und wie hoch ist der Kostenfaktor für die Entwicklung...



    Und wird das dann wirklich in jedem Auto, Lieferwagen, etc verbaut...



    Spätestens da habe ich große Zweifel. Das ist ja heute nicht anders - extrem teure Technik wird nur in Fahrzeugen verbaut die einen wirtschaftlichen Erlös dafür hergeben.



    Beispiel Kameras als Außenspiegel zur Minimierung von Unfällen im toten Winkel. Die Technik ist fertig und funktioniert, verbaut wird sie aber nur in LKWs und nobelsten Karossen - weil sie sehr teuer sind.



    Wirtschaftlichkeit kommt vor Menschenleben - muss man nüchtern feststellen.



    Mit einer Software gegen Amokfahrten wäre es wohl ähnlich.



    Außerdem kann man JEDE Software abschalten. Meist sind Videos von Hackern über neue Programme schon im Netz bevor die Programme offiziell verkauft werden...



    Aber weiterforschen auf alle Fälle, nur die Erwartungshaltung würde ich zurückschrauben.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Das hat nichts mit dem Preis zu tun. Ich habe eine solche Kamera als Rückspiegel, in einem Kompaktfahrzeug und auch in der Mittelklasse kann man das bekommen, z.B. Hyundai Ioniq 6. Allerdings wollte ich das nicht als Außenspiegel. Bei normalen Spiegeln kann man das Blickfeld ändern je nachdem wie man den Kopf dreht, bei der Kamera hat man das nicht. Da hat man einen starren Ausschnitt.

  • Wenn so ein Täter einen gestohlenen LKW mit Benzin, Flüssiggas oder noch gefährlicheren Chemikalien benutzt, ist es eigentlich egal, ob die Tat dann in einem abgesperrten Bereich oder irgendwo in einer Innenstadt passiert.

    In einer idealen Welt stelle ich mir vor, daß solche Fahrzeuge ihre Fahrroute anmelden müssen und eine Sicherheitsbehörde jede Abweichung sofort erkennt und entsprechende Maßnahmen einleiten kann.

    Aber ich fürchte eher, niemand weiß, wie viele solcher Fahrzeuge wann wo unterwegs sind.



    1978 starben in Spanien bei der Explosion eines Gaslasters 217 Menschen auf einem Campingplatz.

    • @Don Geraldo:

      "Aber ich fürchte eher, niemand weiß, wie viele solcher Fahrzeuge wann wo unterwegs sind"



      Das stimmt so nicht, es ist aber unmöglich alle so zu überwachen wie Ihnen das vorschwebt wegen ihrer schieren Anzahl.



      Mal kurz gegoogelt: in Deutschland werden 300 bis 315 Millionen Tonnen Gefahrgut jährlich transportiert, davon 140 bis 150 Millionen Tonnen auf der Straße.



      Bei einer typischen netto-Nutzlast eines Lkw von 25 Tonnen entspricht das 6 Millionen Fahrten jährlich.



      Wenn sie das nun noch auf Arbeitstage herunterrechnen landen sie irgendwo bei circa 20.000 Gefahrgut-Fahrten täglich, wochentags eher mehr, da samstags nur 30-50% des Lkw-Verkehrs herrscht.



      Es würde enorme Kräfte binden, all diese Fahrten von Beginn bis Ende lückenlos zu überwachen.



      Außerdem bewies der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, dass ein normaler Lkw völlig ausreichend ist zum Töten von Menschen, Nizza bewies, dass ein Kleinlaster völlig ausreichend ist und Magdeburg bewies, dass selbst ein Auto völlig ausreichend ist...🫤

    • @Don Geraldo:

      Bei solchen Fahrzeugen sehe ich auch kein Gegenargument aus der Richtung Datenschutz.

  • Die "normalen" Sicherheitssystem die aufgrund gesetzlicher Standards jetzt schon einzusetzen sind kann man vielleicht hinsichtlich der Erkennung von Personengruppen etc. nachrüsten. Aber das schafft doch nur mehr Sicherheit im Alltagsbetrieb.



    Technik lässt sich manipulieren und im Notfall holt der Terrorist sich eine elektronikfreie Karre vom Schrotzplatz mit ein paar geklauten Nummernschildern.



    So lange man noch nicht mal die ganzen Idioten eingefangen bekommt, die bei ihren Autos illegale Auspuffklappen einbauen, dürfte es utopisch sein die Manipulationsfreiheit dieser Sicherheitssysteme zu überwachen.

  • Ich weiß ja nicht für wen dieser Spezialexperte arbeitet, aber es scheint mit wohl ein windiges KI-Startup zu sein.



    Software die Situationen gut erkennt ist und bleibt noch lange ein Ding der Forschung. Tesla zeigt in erschreckendem Maße, wie schwer das ist.



    Geofencing ist da viel einfacher zu implementieren und über OTA-Updates aktualisierbar (Over the Air). Und in welcher Form es ein Datenschutzproblem sein soll einen Weihnachtsmarkt zu sperren weiß ich auch nicht.

    • @der_bjoern:

      Ja, Geofencing wäre einfach zu implementieren – aber fast genauso einfach zu stören. Herausfinden, wo das Auto seine GPS-Antenne hat, ein Stück Alufolie drauf, fertig.

      Selbst die Ausrüstung für echtes GPS-Spoofing im Nahbereich kostet heute keine 300 Euro mehr. Schon einfache akademische Lernplattformen, die auch vielfach von Hobbyelektronikern genutzt werden, können das.

      Und selbst wenn man dafür einen narrensicheren Weg fände und zusätzlich in jedem Wagen die im Artikel beschriebene Software liefe – dann leiht/kauft/klaut sich der Täter eben ein 10, 20, 30 oder 40 Jahre altes Fahrzeug. Oder er fährt mit dem Fahrrad zum Veranstaltungsort, Machete im Rucksack, und nutzt nur diese.

      Nein, der Weg über die Tatmittel ist ein Irrweg, solange es sich dabei nicht um Massenvernichtungswaffen handelt – einfach weil es zu viele potenzielle Varianten gibt.

      Die Täter müssen von der Straße!

    • @der_bjoern:

      Tesla ist da ja ein schlechtes Beispiel "... Zuerst braucht es moderne Sensorik, also mindestens eine Kamera und mehrere Sensoren mit verschiedenen Reichweiten, Radar und Infrarot. ...." Denn Großmaul Musk tönte ja immer rum, dass Sensorik wie LIDAR was für Deppen wäre und seine Software das schon regelt, was man ja an den autonomen Taxen anderer Hersteller in Kalifornien sehen kann, da funktioniert es besser.



      Ja und Geofencing ist auch so eine Sache, das kann klappen muss aber nicht, die letzten Dienstwagen von Mercedes hatten bei lockerer Bebauung und auf der Autobahn auch schon mal über viele Kilometer eine Abweichung von vielleicht 50m nach rechts, der wollte einen dann immer von den Feldwegen neben der Autobahn wieder dorthin lotsen wo man war.



      Wo der Experte arbeitet und woher die Expertise stammt kann man auch lesen, klingt für mich seriös.

      • @Axel Schäfer:

        In der Luftfahrt ist Jamming und Spoofing ein kritisches Thema, besonders beliebt bei unseren östlichen "Freunden". Also stören des GPS Signals oder -schlimmer noch- falsche Signale werden übermittelt. Das wäre dann sicherlich auch ein Thema bei Autos. Man erhält also keine oder falsche Signale.

    • @der_bjoern:

      Was ich auf die Schnelle über Geofencing gelesen habe wird dabei GPS benötigt. Mein Auto fährt mit eingeklappten Spiegeln aus der Garage und nach ca. 40 m klappen die erst aus. Da würde für mich GPS als sicheres System zur Vermeidung schon ausfallen. Und wie im Beitrag Kameras, Sensoren, Radar und Infrarot zu nennen, naja. Viel hilft nicht immer viel, ein paar Autohersteller gehen jetzt schon von Lidar weg, weil die Zusammenführung der Daten der verschiedenen Systeme sich möglicherweise behindern.

      • @Exilberliner:

        Nur mal so fürs Protokoll, was haben ausgeklappte Spiegel mit GPS zu tun?

      • @Exilberliner:

        Spiegel über GPS gesteuert?



        Da muß schon ein gewisser Spieltrieb im Ingenieur*Innen-Team vorhanden gewesen sein.

  • „Wir können Software entwickeln, die so eine Tat verhindert“



    .



    Ja - dauert nur 30 Jahre bis die heute verfügbaren Fahrzeuge ohne diese Software vom Markt sind. Dann gehen solche Attentate nur noch mit Oldtimern.



    .



    Ein überflüssiger Debattenbeitrag.

  • Wenn es mit Autos nicht mehr möglich ist, finden Täter eben andere Wege so ein Attentat zu verüben, der Mensch ist kreativ.....

  • > taz: Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, Autos mittels Software



    > in gesperrten Zonen zum Stehen zu bringen oder eine reduzierte



    > Geschwindigkeit zu erzwingen?



    >



    > ... Mal ganz abgesehen von den Datenschutzproblemen.



    > ... Ein Datenschutzproblem entsteht erst, wenn das Fahrzeug mit



    > dem Hersteller verbunden ist, der in jeder Sekunde weiß, wo ich



    > mich befinde.



    >



    Eine solche Software müsste wissen (über GPS), wo sich das Auto befindet und aktuelle Informationen über Sperrzonen haben. Die Koordinaten des Autos müssen nicht notwendigerweise an den Hersteller übertragen werden. Die Software könnte sogar ohne Verbindung zum Hersteller funktionieren.



    Die Informationen über die aktuellen Sperrzonen könnte sich die Software von einem öffentlichen REST-Dienst herunterladen.

    So eine Software könnte übrigens auch die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen erzwingen.

    Ich vermisse im Artikel eine Erklärung, warum eine solche Software die aktuellen Koordinaten des Autos an den Hersteller übertragen müsste.

    • @the-void:

      Tja, und das Ganze wird dann ein Spielplatz für Hacker. Sicherer Computer, die eine Schnittstelle nach außen haben, existieren nicht.

      „Der einzige sichere Computer ist ein ausgeschalteter Computer in einem Tresor, meine Schwiegermutter bewacht ihn – und selbst dann ist er nicht sicher“ IT-Sicherheitsexperten Gene Spafford (vermutlich)

    • @the-void:

      GPS ist nicht genau genug. Viel eher bräuchte es eine digitale Wand, die vom System nicht durchquert werden darf, wie bei der Einzäunung von Robo-Rasenmähern.

      • @Herma Huhn:

        GPS war früher mal: Seit Januar 2023 stehen allen Nutzern drei Frequenzbänder des EU-Systems GALILEO kostenlos und unverschlüsselt zur Verfügung, womit eine weltweite Genauigkeit von wenigen Zentimetern erreicht werden kann. Die verbotenen Flächen könnte man auch gleich von den Satelliten mit übertragen lassen. Da wir sowieso gerade die Antriebsart wechsel: Alle E-Autos damit ausrüsten.

  • Nilay Patel von The Verge hat die Vorstellungen dieses Menschen mal als software brain bezeichnet. Also die Idee man könne alles in Software darstellen und so alle Probleme dieser Welt lösen oder so.

    Dass unsere Städte immer noch dafür gebaut sind, Autos möglichst viel Platz zu geben kommt nicht zu Sprache.

    • @tehabe:

      Das liegt daran, dass unsere Städte zu groß sind. Stellen Sie sich mal Berlin vor, ohne Autos. Wie soll das gehen?

      • @Donni:

        Fahrräder, Carsharing, Öffi's? Dann ist auch mehr Platz!

      • @Donni:

        Indem man zum Beispiel PKW in einem Innenstadtbereich verbietet? Dann wird es eine wohnliche Zone im Herzen Berlins geben, indem Menschen wieder eine Rolle spielen.

        Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, das ist nur ein Beispiel...

  • Die Autohersteller punkten bei ihren Kunden in der Werbung mit der Sicherheit der Fahrzeuginsassen, aber doch nicht mit der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer außerhalb des Autos. Sich freiwillig selbst einzuschränken und Kontrolle abzugeben ist doch kein Marketingzugpferd? Das müsste wenn dann vorgeschrieben werden. Freiwillig baut sich das keiner ein wenn die Konkurrenz nicht mitziehen muss. Die abschließende Pathologisierung Andersdenkender gehört ja leider inzwischen auch zum guten Ton ersetzt aber keine Debatte.



    Das Thema wird hoffentlich durch das autonome Fahren gelöst in den nächsten Jahrzehnten. Wie rückständig dann die Diskussionen in Deutschland ablaufen werden, ist hier im Dialog aber schon zu erahnen.

    • @Šarru-kīnu:

      Wer fühlt sich denn davon eingeschränkt, nicht in Fußgängergruppen brettern zu können???

      • @Herma Huhn:

        Es ist eine massive Einschränkung, wenn Sie nicht mehr dorthin fahren können, wo das System meint, eine Fußgängergruppe zu erkennen - auch wenn dort gar keine ist...

        Wie er ja selbst sagt: eine sich bewegende amorphe Masse zuverlässig als Fußgängergruppe zu erkennen, ist anspruchsvoll - quasi Champions League. Aktuell scheitern die Sensorik- und Auswertungssysteme daran zuverlässig(!) am Straßenrand stillstehende Runde Schilder und die Zahlen darauf zu erkennen. Das ist im Vergleich bestenfalls Bezirksliga 😇

  • Wär ja schon ein Fortschritt, wenn als gefährlich eingestufte Menschen nicht so ohne Weiteres ein Auto mieten könnten. In diesem Fall hat die Vorlage des Führerscheins gereicht.

    • @guzman:

      Solche Einschränkungen auf Verdacht sind halt ein sehr zweischneidiges Schwert. Zu Einen haben wir kein "thought crime" in Deutschland und sollten das auch nicht durch die Hintertür einführen.



      Zum Zweiten ist hier die Abwägung "öffentliche Sicherheit" vs. "Schutz vor staatlicher Willkür" an einem kritischen Punkt: Weil es unmöglich ist, einem Menschen hinter die Stirn zu schauen, ist jede "Gefährder"-Einstufung letztlich Mutmaßung und Unterstellung. Und die Möglichkeit, mit reinen Mutmaßungen über "gefährliches Gedankengut" handfeste Sanktionen zu begründen, ist für die Demokratie kreuzgefährlich.



      Zum Dritten hat man das Problem der Treffgenauigkeit: Natürlich hätte der Anschlag auf den CSD verhindert werden können, WENN man just diesen Täter mit gezielten Maßnahmen an seiner Ausführung gehindert hätte. Aber wie verhindert man den nächsten Anschlag? Wen muss man alles einschränken, von Teilen des Geschläftslebens ausschließen, am Ende vielleicht sogar wegsperren, um wirklich einen nicht nur unerheblichen Gewinn an Sicherheit zu erzielen?



      Kurz: Die Grenzen der Verhältnismäßigkeit sind schnell erreicht. Da sind Vorkehrungen an Autos, die generell Fußgänger schützen, schon besser.

    • @guzman:

      Dazu müsste die Polizei/Staatsanwaltschaft kurzfristig und dann ein Gericht dauerhaft den Führerschein einziehen, da diese Person ungeeignet für das Führen eines Kraftfahrzeugs wäre. Aber in dem konkreten Fall hätte das Jugendgericht statts der Vorbewährungsstrafe auch die von der Staatsanwaltschaft geforderte Haftstrafe ohne (Vor-)Bewährung verhängen können.



      Der Vermietungsfirma kann man da keine Vorwürfe machen, die kann nur die Gültigkeit des Führerscheins überprüfen. Wie soll die Firma feststellen, dass es sich um einen als gefärlich eingestuften Menschen handelt?

    • @guzman:

      Wenn man als Terrorist kein Auto mieten kann, ist es natürlcih vorbei mit der Mörderkarriere...



      Ist ja nicht so, dass man jemanden aus einem Auto zerren könnte und das klaut.

      • @migra:

        Migra - kein Witz: GTA 6 ( "Videospiel" ) steht "vor den Türen", nun raten Sie mal, wofür die Abkürzung steht. Grand Theft Auto. Tür auf, Fahrer raus, Avatar rein - Freie Fahrt.

        Die Reihe gibt es seit mindestens - diesem Jahrtausend.

        Die Polizei bat - vor ca. 18 Jahren darum, die Realität nicht mit dem Spiel zu verwechseln. Ein paar besonders schlaue Halbstarke, obwohl unter 18, wollten diese Praxis wohl mal im realen Verkehr ausprobieren. Und wurden zum Teil massiv verletzt. Warum? Weil der Fahrer, sobald die Tür aufging, einfach Gas gab...

      • @migra:

        Es gibt ja jetzt schon eine Reihe von möglichen Auflagen für sogenannte Gefährder. Halten sie die für sinnlos? Führerscheinentzug wäre angesichts der vielen Mordanschläge mit Kraftwagen eine nahe liegende Maßnahme. Man muss es dem Terror ja nicht leicht machen. Sich ein Auto illegal zu besorgen, ist immer noch aufwändiger, als es sich legal irgendwo zu leihen. Das bedeutet mindestens eine zusätzliche Chance einen Anschlag zu verhindern.

      • @migra:

        Natürlich kann man auch einfach alles zerreden. Nach der Logik könnte man Extremisten auch einen Waffenschein erlauben, weil sie sich natürlich auch eine illegale Waffe besorgen können.



        Natürlich erschwert es einem potentiellen Täter, ein Fahrzeug zu besitzen oder zu mieten. Man kann wegen kleinerer Verkehrsdelikte bereits seinen Führerschein verlieren, sogar wenn man nur mit dem Fahrrad unterwegs war. Das geschieht zur allgemeinen Sicherheit.



        Natürlich wäre es allein deshalb schon angezeigt, einem extremistischen Gefährder den Führerschein abzunehmen. Die schwersten Anschläge der letzten Jahre sind fast alle mit Fahrzeugen unternommen worden.



        Technische Lösungen zu entwickeln dauert und wird dann auch nicht in allen älteren Fahrezugen vorhanden sein.