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Zwei Jahre Bezahlkarte für GeflüchteteEndlich wieder mehr Solidarität

Gastkommentar von

Martin Sökefeld

Das Ziel, geflüchtete Menschen abzuschrecken, haben die Erfinder der Bezahlkarte klar verpasst. Im Gegenteil: Das unsägliche Vorgehen hat die Bereitschaft zur Hilfe nur vergrößert.

Z wei Jahre Bezahlkarte für Geflüchtete, das sind zwei Jahre weitere Einschränkung der ohnehin stark reduzierten Teilhabe von Asyl­be­wer­be­r:in­nen in Deutschland. Die Politik wollte mit der Einführung der Karte das Leben von Geflüchteten schwieriger machen, und das Ziel hat sie zweifellos grandios erreicht. Die Idee, dass dies auch der Abschreckung von Migration dienen würde, kann man aber getrost ins Reich der Fantasie verweisen.

Martin Sökefeld

ist Professor am Institut für Ethnologie der Ludwig-­Maxi­milians-­Uni­ver­si­tät München.

Kein Mensch nimmt den gefährlichen „irregulären“ Weg nach Deutschland auf sich, um hier 455 Euro im Monat zu kassieren, und niemand lässt sich per Bezahlkarte davon abbringen, selbst wenn man nur 50 Euro in bar davon abheben darf. Wenn sie erst einmal hier sind, wollen die allermeisten Geflüchteten arbeiten, sie werden aber viel zu oft vom repressiven Asylsystem daran gehindert. So schafft die Politik Zuwanderung in die Sozialsysteme statt in den Arbeitsmarkt.

Was die Bezahlkarte aber auch zeigt: Repression nährt Solidarität und Widerstand. Seit zwei Jahren gibt es bundesweit zahlreiche Initiativen, die die Einschränkungen durch die Bezahlkarte lindern, so gut es geht. Geflüchtete kaufen mit ihrer Karte Gutscheine bei Supermärkten, Discountern oder Drogerien und tauschen diese bei den Initiativen gegen Bargeld ein. In Cafés, Buchläden und bei zivilgesellschaftlichen Organisationen kann man die Gutscheine kaufen. So kommt ständig wieder Bargeld in den Gutscheintausch.

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Man könnte sagen, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Geld reicht nie und nicht alle Geflüchteten können vom Kartentausch profitieren. Es zeigt aber: Es gibt sie noch, die Bürger:innen, die sich für Geflüchtete einsetzen. Jahrzehntelange repressive Politik gegenüber Geflüchteten hat die Solidarität nicht zerstört. Im Gegenteil, viele Menschen machen beim durchaus mühsamen Geschäft des Kartentauschs mit, und das seit zwei Jahren. Repression bringt Solidarität hervor – das ist doch fast eine positive Folge der Bezahlkarte.

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86 Kommentare

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  • Ich habe gelesen, dass die Bezahlkarte nur in Läden funktioniert, die VISA akzeptieren. taz.de/Leistungen-...uechtete/!6030480/



    Somit könnten Asylsuchende bei kleineren , günstigeren Läden gar nicht erst einkaufen. Umgekehrt landet der Gegenwert des Gutscheins sicher auf dem Konto des Ausstellers des Gutscheins, wenn die Gutschein gegen Geld - Tauschpartner dort eingekauft haben. Die Absicht der Einführung der Bezahlkarte ist also ziemlich durchsichtig.

    Es gibt außerdem viele, die zum Mietrichtwert vermieten, obwohl sie anders höhere Mieten erzielen könnten. Es gibt also Solidarität, nicht nur wegen oder durch die Bezahlkarte.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Ach deswegen sind Aldi und Lidl immer leer, weil die Menschen alle in den "kleinen, günstigeren Läden" sind. Ja so ist das, endlich weiss ich mal bescheid. Und dass das Sterben der Tante-Emma-Läden gar nicht stattgefunden hat, weiss ich jetzt auch endlich.

      • @stiller:

        Habe ich unten beantwortet. Aldi Lidl Norma sind deswegen nicht leer weil sie u.a. alle Arten von Karten akzeptieren, und bei mir im Dorf macht auch gerade der EDEKA zu, obwohl er alle Karten akzeptiert hat. Ursachen für "Erfolge und Misserfolge im Einzelhandel" gehört aber nicht zum Thema des Artikels.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Wo gibt es eigentlich diese kleinen, günstigen Läden, von denen man immer wieder liest?

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "Die Karte werde aber oft nicht akzeptiert, berichtet Zahra: nicht in kleinen Läden, die afghanische Lebensmittel oder gebrauchte Kleidung anbieten, im Café nicht und auch nicht bei der Post" steht im TAZ - Artikel , den ich zitiert habe, weil ich mir erlaubt habe zu glauben was berichtet wurde.

        Jeder/ich kennt/e mindestens einen kleineren Lebensmittelladen, der kein Kartenterminal hat.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Arabische Supermärkte z.B. sind teilweise günstiger als Aldi &Co.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Aldi 😁😁😁😁

  • Diejenigen die vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen werden dennoch kommen, weil es ihnen auch mit der Bezahlkarte immer noch viel besser geht, als in ihrem Herkunftsland.

    Diese stehen hier auch nicht im Fokus!!!

    Im Fokus stehen diejenige, die in die Sozialsyteme einwandern. Die von kriminellen Banden nach Deutschland gebracht werden, klar mit dem Hintergrund Geld aus unserem Sozialsystem zu ziehen.



    An alle die dabei helfen diesen dann Bargeld zu beschaffen und sich dafür feiern lassen: „überlegt mal, wen ihr da unterstützt und wo dieses Geld dann schlussendlich hin geht“

    • @Sole Mio:

      Die Bezahlkarte sollte verhindern, dass Geflüchtete Geld ins Ausland transferieren, selber hier weiter verarmen, Kinder dann nicht richtig versorgen. Außerdem sollten die Kassen in den Ämtern möglichst überflüssig werden. Der Grund, die Zuwanderung nach Deutschland über die Bezahlkarte zu verringern, ist nicht ernsthaft in Erwägung gezogen worden. Und die Geflüchteten kommen in der Regel mit Ziel, in Deutschland zu arbeiten. Es kommen auch sehr selten mal syrische Rentner oder afghanische Großmütter hierher, die dann tatsächlich meist nicht arbeiten können, aber das sind weniger als 1 Prozent. Ich finde es ein wenig schade, dass dieses Gefühl, es gebe eine gezielte Einwanderung ins Sozialsystem, so eine große Rolle spielt und so wenig Menschen, sich mit Geflüchteten wirklich mal unterhalten. Übringens wander auch marokkanische oder tunesische Krankenpfleger in das Sozialsystem ein, weil Deutschland ein Sozialstaat ist, wandert eigentlich jeder, der hier länger bleibt, in das Sozialsystem ein.

      • @Andreas_2020:

        "Übringens wander auch marokkanische oder tunesische Krankenpfleger in das Sozialsystem ein, weil Deutschland ein Sozialstaat ist, wandert eigentlich jeder, der hier länger bleibt, in das Sozialsystem ein."

        Das finde ich gut formuliert .

        Man könnte ergänzen: ...weil Deutschland ein Sozialstaat - mit einer gesetzlichen Sozialversicherungspflicht für alle - ist, ...

        • @Hans - Friedrich Bär:

          Klar wandern diese ein. Das ist auch gut so! Diese Menschen wandern ein um sich zu integrieren und zu arbeiten. Sind also auch bereit und in der Lage einen Beitrag zu leisten.

  • Das ist aufmunternd diese Nachricht zu lesen.



    Selbstverständlich wandern keine Armen in die Sozialsysteme ein.



    Der Satz ist immer nur demagogisch benutzbar.



    unsere Sozialsysteme denkt eine Nation in Abgrenzung zu Welthandel - sich einreden, dass nur Deutsche einzahlen und Nichtdeutsche nur bekommen ist der Kern der Verleumdung.



    Hier gibt es Richtigstellungen:

    VVP 8. Mai 2026: Bärbel Bas hat RECHT: Aber Tagesthemen stimmen NIUS, BILD & AfD zu!?



    www.volksverpetzer...hemen-faktencheck/



    VVP 15.12.2025: Wir brauchen MEHR Einwanderung in unsere Sozialsysteme!



    www.volksverpetzer...ung-sozialsysteme/



    Migranten werden a) als Arbeitskräfte angeworben oder kommen b) als Geflüchtete.



    In beiden Fällen zahlen sie mehr Abgaben ein, als sie bekommen, wenn sie im Fall b) arbeiten dürfen.



    Die Abschottung ist eine Illusion. Nun, seit bald 100 Jahren streiten sich Rassisten darüber ob sie Arbeit ausbeuten wollen oder ob ihnen die völkische Reinigung und Bestrafung wichtiger ist.



    Wie können diese Ideen nur so verfangen?

    • @Land of plenty:

      Niemand behauptet ernsthaft, „nur Deutsche zahlen ein und Nichtdeutsche kassieren“. Das ist ein Strohmann. Die reale Debatte dreht sich um Tempo, Steuerung und Belastbarkeit von Staat, Kommunen und Verwaltung – nicht um ethnische Abgrenzung.

      Ja, Migration kann Sozialsysteme stabilisieren. Aber eben nur dann, wenn Integration, Spracherwerb, Qualifikation und Arbeitsmarktzugang funktionieren. Genau hier liegt das Problem: zu langsame Verfahren, fehlender Wohnraum, überforderte Schulen, Kommunen am Limit. Diese Realität mit dem Etikett „rassistisch“ abzuräumen, ist bequem – aber unehrlich.

      Das zeigt sich exemplarisch bei syrischen Geflüchteten: Auch nach rund zehn Jahren Aufenthalt bezieht etwa die Hälfte weiterhin ganz oder teilweise Sozialleistungen. Die Beschäftigungsquote ist gestiegen, ja – aber vielfach in Niedriglohn, Teilzeit oder prekären Jobs, die nicht aus der Grundsicherung herausführen. Das ist kein moralisches Versagen der Betroffenen, sondern der Beleg dafür, dass ungesteuerte Zuwanderung und mangelhafte Integration ökonomische Realität haben.

    • @Land of plenty:

      Der Kommentar arbeitet mit einer Behauptung, die für Deutschland so schlicht nicht belastbar ist: dass Migration im Regelfall mehr in die Sozialsysteme einzahle, als sie koste. Genau das hängt massiv von Bildungsstand, Qualifikation, Alter, Sprachkompetenz und Integrationsgeschwindigkeit ab.

      Selbst migrationsfreundliche Institute unterscheiden deshalb klar zwischen qualifizierter Erwerbsmigration und Fluchtmigration. Deutschland braucht vor allem Menschen, die schnell produktiv in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Ein erheblicher Teil der Asylmigration erfüllt diese Voraussetzung gerade nicht.

      Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen seit Jahren deutlich niedrigere Beschäftigungsquoten und gleichzeitig hohe Transferleistungsanteile bei vielen Asylherkunftsgruppen. Parallel steigen kommunale Kosten für Wohnraum, Schulen, Kitas, Verwaltung und Gesundheitsversorgung massiv. Das ist keine rechte Erzählung, sondern fiskalische Realität.

      Problematisch ist deshalb vor allem die moralische Überhöhung der Debatte. Wer auf Belastungsgrenzen oder Integrationsprobleme hinweist, wird sofort in die Nähe von „Rassismus“ oder „völkischem Denken“ gerückt.

      • @Luisa mit a:

        Waren Sie in der letzten Zeit mal im Krankenhaus? Wissen Sie, wer von der Reinigungskraft bis zu den Ärzten dort arbeitet?



        Und kennen Sie das deutsche Geburtendefizit 2025? Es starben 352000 mehr Menschen als geboren wurden.



        Wenn es „Belastungsgrenzen“, sprich: fehlende Kitaplätze oder Wohnungen gibt, ist das nicht eine Frage von zu hoher Zuwanderung, sondern von Staatsversagen.

        • @Klabauta:

          Kommentare wie den Ihren finde ich etwas ärgerlich: Ihre Vorrednerin hat explizit nicht behauptet, D würde keine Migration brauchen (tut außer der AfD niemand, auch kein Friedrich Merz). Sie hat lediglich darauf hingewiesen, dass der Qualifikationsstand der Migranten einen Unterschied macht. Aber damit wollen Sie sich anscheinend nicht auseinandersetzen und das ist schade, denn es ist schlicht Realitätsverweigerung so zu tun als würde wirklich jede Art der Migration benötigt. Diese Weigerung Realitäten anzuerkennen ist doch das, was es solchen Rattenfängern wie der AfD einfach macht jene die sagen es gäbe keine Probleme Lüge zu strafen und für ihre dumpfen, xenophoben Slogans zu gewinnen. Für mich ist Realisierungsversagen.

        • @Klabauta:

          Natürlich arbeiten Menschen mit Migrationsgeschichte längst zentral in Krankenhäusern, Pflege oder Logistik. Das bestreitet niemand. Aber daraus folgt nicht, dass jede Form von Migration automatisch den Sozialstaat stabilisiert.

          Gerade die Ökonomisierung der Debatte ist doch interessant: Migration wird fast nur noch danach bewertet, ob sie dem Arbeitsmarkt dient. Gleichzeitig profitieren von hoher und dauerhafter Zuwanderung oft genau jene Märkte, die ohnehin schon aus dem Gleichgewicht geraten sind. Arbeitgeber erhalten ein größeres Arbeitskräfteangebot im unteren Lohnsegment. Vermieter profitieren von wachsender Nachfrage bei knappem Wohnraum. Die unteren und mittleren Schichten konkurrieren stärker um Wohnungen, Kitaplätze und Infrastruktur.



          Der Hinweis auf „Staatsversagen“ erklärt deshalb nur die halbe Realität. Natürlich wurde zu wenig gebaut und investiert. Aber Kapazitäten wachsen nicht beliebig mit.



          Eine Gesellschaft braucht nicht einfach möglichst viel Migration, sondern tragfähige Integration, Qualifikation und soziale Kohärenz. Sonst stabilisiert man nicht den Sozialstaat, sondern vor allem billige Arbeitsmärkte. Wollen wir Linke uns ausgerechnet vor den Karren spannen?

        • @Klabauta:

          das widerlegt doch Luisa gerade nicht, die nämlich nicht behauptet, dass es nicht die qualifizierten Migranten gäbe (die Sie hier beispielhaft benennen), sondern dass deren Quote im Verhältnis zu denen zu gering ist, die nichts oder nur wenig einzahlen, sondern über sehr lange Zeiträume Leistungen empfangen.

  • Wieviele Mitarbeiter sind denn bisher durch den Bürokratieabbau in unseren Sozialbehörden, durch die Einführung der Bezahlkarte, der Rationalisierungswelle von Personal im öffentlichen Dienst zum Opfer gefallen ? Die Zahlen sollten einmal dringend zeitnah veröffentlicht werden, damit sich die Steuerzahler, die schließlich diese Umstellung auf Kartenzahlung finanzieren, ein Bild über die Initiatoren dieser Karte machen können. Steigen durch die Einsparungen durch die Karten jetzt wenigsten die Leistungen der Kartenbezieher oder wo versickert hier wieder Steuergeld, was zur Umverteilung und zum Erhalt des sozialen Frieden im Land dienen soll ?

    • @Alex_der_Wunderer:

      Es ging um die Schließung von Kassen bzw. die Reduzierung der Arbeit dort. Alle anderen müssen ja weiterhin Bescheide erstellen, überprüfen, beraten und in den Gerichten gegebenenfalls überprüfen bzw. verhandeln. Die Einsparung bei den Mitarbeitern war übrigens nicht das Ziel, sondern die Geflüchteten sollten das Geld nur vor Ort ausgeben können, sie sollten nicht mehr in der Lage sein, diese Gelder in ihre Heimat oder zu anderen Orten zu transferieren.

      • @Andreas_2020:

        @ Andreas_2020



        Geflüchte müssen sowieso andere Geldquellen erschließen, ist doch eh viel zu knapp berechnet. Sollen die das Geld dann auf die Karte einzahlen, oder was denken sich die Erfinder dieser glorreichen Bezahlkate - dümmer geht's nimmer....

  • Wir haben inzwischen über 3 Millionen Arbeitslose, und die Wirtschaftslage wird schlechter, nicht besser. Von diesen 3 Millionen dürften die meisten arbeiten wollen, zumindest meiner subjektiven Vermutung nach. Sie finden aber aus unterschiedlichsten Gründen keinen für sie passenden Arbeitsplatz. Wie sollen dann Migranten ohne deutsche Sprachkenntnisse, ohne bzw. den falschen Qualifikationen einen Arbeitsplatz finden?



    Mir ist übrigens aufgefallen, dass die Arbeitslosenanzahl immer seltener in den Medien genannt wird. Früher war dies am Montsanfang immer großes Thema in den Nachrichtensendungen, heute werden die Berichte dazu immer kürzer oder fallen ganz weg.

    • @Offebacher:

      "Von diesen 3 Millionen dürften die meisten arbeiten wollen, zumindest meiner subjektiven Vermutung nach."

      in der Tat, Sie haben eine subjektive Vermutung. Ich kenne etliche Leute die lieber nicht arbeiten, weil sie dann nämlich ihre Ruhe haben und machen können was sie wollen. Das geht natürlich mit einer gewissen Geringschätzung der Arbeit bzw der Leute die arbeiten um einen selbst zu finanzieren einher, man könne es auch Arroganz nennen. Arbeit ist nicht für jedermann der Sinn des Lebens. Sie kennen anscheinend die Psyche der Menschen nicht sehr gut..

      • @Gerald Müller:

        Ja, ich kenne, wenn überhaupt, nur die Psyche der Menschen in meinem Umfeld. Und die Erwachsenen, ich kenne, sind entweder in Arbeit, in Rente (so lange dauert es bei mir auch nicht mehr, als Ü60er) oder können aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten.



        Der Sinn des Lebens ist übrigens auch für mich nicht die Arbeit, aber meine Arbeit bzw. das Gehalt, das ich dafür bekomme, ermöglicht mir das Leben, wie ich es mag.

      • @Gerald Müller:

        „Ich kenne etliche Leute…“

        Das ist dann nicht subjektiv?

    • @Offebacher:

      Geh mal zu Amazon Logistik, da erhält momentan noch fast jeder einen Arbeitsvertrag und oft genug nach ein paar Wochen auch wieder eine Kündigung. Arbeit ist gleich Arbeit ist m.M. etwas zu einfach gedacht. Es macht schon einen Unterschied, ob jemand einfach nur arbeitet oder eine Qualifikation erwirbt und dann arbeitet. Und wenn Merz den 8-Stunden-Tag knackt und Arbeitszeiten von 45 oder 48 Stunden gesetzlich möglich macht, wird die Arbeitslosigkeit wahrscheinlich in kurzer Zeit um 10 bis 15 Prozent ansteiegen, einfach weil weniger Arbeitskräfte die gleiche Arbeitsleistung legal erzeugen können. Natürlich wird der schwarze Arbeitsmarkt nochmals einen Schub erhalten, aber dazu muss es den auch geben, das ist in einigen Landkreisen aber nicht mal der Fall. Ihre Argumentation bezieht sich doch auf die Regierung Merz nicht auf Geflüchtete, denn die verlangen nach Schutz, nicht nach Arbeitsplätzen.

    • @Offebacher:

      Von den 3 Mio. Arbeitslosen sind ein Viertel Ausländer.

      • @Chris McZott:

        Und?

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Wenn in den Arbeitlosenzahlen Ausländer inkludiert sind, kann man schlecht sagen "Wie sollen dann Migranten einen Job finden wenn wir so viele Arbeitslose haben"

          • @Chris McZott:

            Die stehen einfach mit in der Reihe. Und sie werden bei der Vergabe von Jobs seltener bedacht. Manchmal wegen der Sprache und oft auch, weil sie anders ansehen...

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Weil diese Zahl ein strukturelles Problem sichtbar macht – kein moralisches, sondern ein arbeitsmarktpolitisches. Wenn rund ein Viertel der Arbeitslosen Ausländer sind, dann heißt das nicht „Ausländer sind schuld“, sondern: Integration in Arbeit funktioniert unzureichend.

          Arbeitslosigkeit ist kein homogener Zustand. Die Bundesagentur für Arbeit zeigt seit Jahren, dass Migranten im Schnitt länger arbeitslos, seltener qualifikationsadäquat beschäftigt und häufiger im Niedriglohnsektor landen. Sprachdefizite, fehlende Anerkennung von Abschlüssen und segmentierte Arbeitsmärkte wirken hier zusammen – und verschärfen sich, wenn die Konjunktur kippt.

          In einer Phase steigender Arbeitslosigkeit konkurrieren die Schwächsten zuerst miteinander: Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose, Neuankömmlinge. Das erhöht nicht nur Sozialausgaben, sondern verfestigt Abhängigkeit, statt sie abzubauen. Wer dann so tut, als sei jede zusätzliche Migration automatisch ein Gewinn für Sozialsysteme, ignoriert die Realität des Arbeitsmarkts.

          Problematisch ist die Zahl also, weil sie zeigt: Ohne funktionierende Integration wird Migration nicht zur Lösung, sondern zum Verstärker bestehender Probleme.

          • @Zippism:

            Na dann machen wir uns mal an die Arbeit, anstatt die Mittel für Integrations- und Sprachkurse zu kürzen oder Lehrer*innenstellen zu streichen !

            • @Klabauta:

              Integration ist notwendig – aber sie ist kein Allheilmittel und kein Selbstläufer. Auch gut ausgestattete Integrations- und Sprachkurse ändern nichts daran, dass der Arbeitsmarkt begrenzt aufnahmefähig ist, besonders für gering Qualifizierte. Wer steigende Arbeitslosigkeit allein mit „mehr Kursen“ beantworten will, blendet aus, dass Nachfrage nach Arbeit, Qualifikationsstruktur und Konjunktur entscheidend sind. Integration kann nur funktionieren, wenn Migration, Arbeitsmarkt und Bildungsniveau zusammenpassen – sonst wird sie zur Daueraufgabe ohne Wirkung.

  • Ist das so? In unserem Landkreis sind die Zahlen nach Einführung der Bezahlkarte drastisch gesunken. Und natürlich wollen die Menschen hier arbeiten, was fehlt ist häufig die Qualifikation.

  • "Wenn sie erst einmal hier sind, wollen die allermeisten Geflüchteten arbeiten, sie werden aber viel zu oft vom repressiven Asylsystem daran gehindert."



    "Arbeiten wollen" heißt aber nicht: "sinnvoll eingesetzt werden können". Schon vor 20 Jahren gab es in Deutschland die Diskussion, dass niedrig qualifizierte Tätigkeiten (klassische Fließband- oder Hilfsarbeit) zukünftig kaum noch gebraucht werden könnten - die Problematik hat eher zugenommen und wird sich angesichts des industriellen Arbeitsplatzabbaus eher verstärken. Wer ohne gerade benötigte Qualifikation und ohne Sprachkenntnisse hier herkommt, der wird so schnell so oder so keinen Arbeitsplatz finden können - auch deshalb, weil niemand einen Asylbewerber mit fraglichen Erfolgsaussichten langfristig ausbilden will, weil das Risiko zu groß ist. Die Sprachbarriere kommt hinzu.

    Das Problem ist nicht monokausal, und es nervt, dass Populist*innen von links und rechts es immer wieder als monokausal darstellen.

    • @Agarack:

      Menschen können ohne Qualifikation und Sprachkenntnisse in Deutschland arbeiten und sich parallel in Sprachkursen Sprachkenntnisse aneignen. Es gibt in vielen Gebieten Deutschlands eine Nachfrage nach nicht-qualifizierten Arbeitskräften. Sogar ohne Deutsch-Kenntnisse...

    • @Agarack:

      In der Pflege werden unendlich viel Menschen benötigt von unserer alternden Gesellschaft. Daher besser die Hindernisse für Asyl-Bewerber beseitigen, Sprachkurse anbieten und Bleiberecht für die Ausbildungszeit + mindestens 3 Jahre danach. Endlich mal pragmatische Lösungen, statt das ganze Qualifikations-Gerangel. Anerkennung von Ärzten und Ingenieuren dauert hier jahrelang. Wird woanders denn anders Methematik, Physik und Medizin gelehrt? Nein.

      • @Hatespeech_is_not_an_opinion:

        Zu Ihrer letzten Frage,ein klares Ja. Selbst an Universitäten in Deutschland ist schon ein großer Unterschied.



        In manchen Ländern ist Näherin ein Studium oder die Betreuung von Menschen, welche mehr Unterstützung benötigen.

      • @Hatespeech_is_not_an_opinion:

        Asyl ist nicht dasselbe wie Arbeitsmigration.

        Einfach mal so vielen Leuten wie möglich Asyl bieten, in der Hoffnung, dass darunter schon genug Menschen sind, die willens sind, in der Pflege zu arbeiten, ist keine migrationspolitik. Kein Einwanderungsland verfährt so. Man sucht sich die Leute VOR der Einwanderung nach Qualifikation aus.

  • „ Endlich wieder mehr Solidarität“

    Könnte eine Illusion sein. Es sind wohl eher die Leute mit schon etwas ausgebleichten „Refugee welcome“ Stickern, die sich auch dort engagieren. Aber nicht die breite Willkommenskultur, die 2015 zu beobachten war.

    • @fly:

      Hat auch niemand behauptet.

  • Bei allen (allen!!!) Diskussionen zum Theme Migration wird und wurde schon immer das Thema der Fluchtursache ausgeklammert, von Regierungen, der EU Kommission und allen Parteien und leider zu oft auch von den Medien. Es sind die prekären Verhältnisse in den Ursprungsländern, die die Menschen veranlassen, für sich und ihre Familen ein einigemaßen auslömmliches Leben in Sicherheit führen zu können, irgendwo. Unsere "Frei"handelsverträge zerstören genau diese Möglichkeit in den Ländern, indem etwa hochsubventionierte EU-Landwirtschaftsprodukte den dortigen Märkten aufgezwungen werden und genau damit die Grundlagen für viele Menschen zerstören. Dafür gibt es reichlich Beispiele. Zudem exportieren wir ungebremst alles Mögliche an Waffen. die Unruhen und gar Kriege unterstützen. An alledem verdienen wir prächtig und jammern dann zynisch über die Bemühungen der Menschen ihrem -von uns heftig mitverschuldten- Elend zu entkommen. Wir sollten bei unserem eigenen Verhalten mit Kritik anfangen und nicht den Splitter im Auge der anderen suchen und den Balken in unserem Auge ignorieren.

    • @Perkele:

      Die größten Fluchtgruppen in Deutschland sind Ukrainer, Syrer, Afghanen, die nicht vor Freihandel, sondern vor Krieg fliehen; dann gibt es Eritrea: Da ist die Fluchtursache die Diktatur.

      Für das wirtschaftliche Elend ist auch nicht primär die EU verantwortlich sondern lokale Despoten mit ihrer Korruption.

      • @Machiavelli:

        Wer unterstützt diese lokalen Despoten, offen oder verdeckt? Die Kriege werden allenthalben mit Waffen geführt, die wir mehr oder weniger bedenkenlos verkaufen, bringt ja Profit.



        Es ist unverständlich, dass man solche Fakten einfach zu ignorieren versucht. Kein Mensch flieht mit der ganzen Familie nur deshalb, weil er bei uns eine "Bezahlkarte" bekommt. Wir MÜSSEN uns um die Fluchtursachem kümmern, alles andere ist ungenügend.

    • @Perkele:

      Welche Freihandelsverträge gibt es denn mit den Hauptherkunftsländern der in Deutschland lebenden Geflüchteten?

      Und wieso zerstört es die Grundlagen für Menschen, wenn sie billigere importierte Nahrungsmittel kaufen können als die aus einheimischer Produktion? Umgekehrt gab es diesen Effekt jedenfalls nicht: In Deutschland sind ganze Industriebranchen, z. B. die Textilindustrie, weitgehend verschwunden, weil die Waren in anderen Ländern billiger produziert werden und in Deutschland billiger verkauft werden können. Dadurch sind aber die wirtschaftlichen Grundlagen Deutschlands nicht zerstört worden, sondern die hiesige Bevölkerung profitiert von den niedrigen Preisen.

  • Das Ziel, geflüchtete Menschen abzuschrecken wurde -Gott sei Dank- verfehlt.

    Nicht aber das Ziel, einigen der Prozessbeteiligten die Taschen zu füllen.



    Ganz legal natürlich. Und ebenso natürlich der Not geschuldet.

    • @Bolzkopf:

      Wer glaubt mit der Bezahlkarte Menschen abzuschrecken, die vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen, der glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten.



      Aus der Not Anderer ein Geschäft zu machen ist im real existierenden Kapitalismus selbstverständlich, besonders wenn die Allgemeinheit zahlt.

      • @Xanyd:

        Wer vor Krieg, etc. flieht, fährt nicht durch die halbe Welt.

      • @Xanyd:

        Diejenigen die vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen werden dennoch kommen, weil es ihnen auch mit der Bezahlkarte immer noch viel besser geht, als in ihrem Herkunftsland.



        Diese stehen hier auch nicht im Fokus.

        Im Fokus stehen diejenige, die in die Sozialsyteme einwandern. Die von kriminellen Banden nach Deutschland gebracht werden, klar mit dem Hintergrund Geld aus unserem Sozialsystem zu ziehen.

        An alle die dabei helfen diesen dann Bargeld zu beschaffen und sich dafür feiern lassen: „überlegt mal, wen ihr da unterstützt und wo dieses Geld dann schlussendlich hin geht“

      • @Xanyd:

        "Wer glaubt mit der Bezahlkarte Menschen abzuschrecken, die vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen, der glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten. "



        Das glaubt niemand. Deshalb sollen diese ja auch nicht abgeschreckt werden, sondern diejenigen, die aus anderen (wirtschaftlichen) Gründen nach Deutschland flüchten.

        Im übrigen: Unser Asylsystem, so, wie es funktioniert, macht es vielen Leuten, die vor "Krieg, Verfolgung und Hunger" fliehen, ziemlich schwer, hierherzukommen - während Leute, die vor wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit flüchten, es teilweise leichter haben, weil sie eher die Möglichkeit haben, die Schlepper zu bezahlen, die sie überhaupt hierherbringen. Für diese ist aber das Asylsystem schlicht nicht gemacht.

  • Wenn alle arbeiten wollen, wie kommt es dann, dass von den anerkannten Flüchtlingen aus Syrien, die seit 10 Jahren hier sind, noch immer 2/3 zumindest ergänzenden Sozialleistungen benötigen und davon die Hälfte (als 1/3 von allen im arbeitsfähigen Alter) ganz auf solche angewiesen sind?

    Bei anderen Ländern sieht es nicht besser aus.

    • @Dr. McSchreck:

      Arbeiten wollen heißt auch Geld verdienen wollen. Das geht nicht mit Niedriglohn-jobs. Schon besser mit Bürgergeld und Schwarzarbeit - noch besser mit einem job im öffentlichen dienst oder als Politiker. Einheimische und Zugezogene unterscheiden sich da nicht wesentlich. Syrer haben vielleicht eher Netzwerke als Einheimische, die Schwarzarbeit ermöglichen.

      Legale Arbeit mit Niedriglohn und Sozialabgaben macht einfach keinen Spaß - weder für Zugezogene noch für Einheimische.

    • @Dr. McSchreck:

      Das hat unterschiedliche Ursachen.



      Die allermeisten durften bei Ankunft erstmal gar nicht arbeiten, für nicht wenige ein Schock, der sich auf die traumatisierenden Erlebnisse während des Kriegs und auf den Fluchtrouten noch oben drauf gesetzt hat. Ich kenne einige, denen das erst so richtig den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Die wurden hier in Schland quasi arbeitsunfähig gemacht.

      Da haben wir von den zu erbringenden "Anpassungsleistungen" (hier psychologisch gemeint, nicht im Sinne einer Assiminilierung) noch gar nicht gesprochen, das fängt schon bei so banalen Sachen wie Körpersprache an oder wie der Straßenverkehr funktioniert.



      Dazu kommt, dass Schland nun wirklich kein Vorzeigeland für Arbeitsmarktintegration und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie Berufserfahrung ist.Was sich dann auch wieder negativ auf den Spracherwerb auswirkt. In weniger verbürokratisierten Ländern arbeitet ein deutlich höherer Anteil der damals aus Syrien Geflüchteten.

      Auch nicht zu unterschätzen: "Im arbeitsfähigen Alter" sind auch nicht wenige Schüler*innen, Mütter von Babys und Kleinkindern sowie behinderte Menschen und Pflegende, die bitte auch rausrechnen!

      • @Beate Setzer:

        Die Leute fliehen vor Krieg, Folter, Massaker, durchqueren mehrere friedliche Länder bis Deutschland, aber dann "zieht es ihnen erst richtig den Boden unter den Füßen weg" weil sie hier nicht sofort arbeiten dürfen? Das erscheint mir, mit Verlaub, wenig glaubwürdig.

    • @Dr. McSchreck:

      Wollen und dürfen, sind zwei verschiedene Dinge.

    • @Dr. McSchreck:

      Tscha, wie mag das wohl kommen.



      Vielleicht haben ein paar hart Arbeitende, deren Einkommen jährlich siebenstellig ist, dafür eine Erklärung. Es sind ja nicht nur syrische Flüchtlinge, die ausgebeu...Tschuldigung, nicht so ganz angemessen entlohnt werden.

    • @Dr. McSchreck:

      Ich wohne seit 10 1/2 Jahren neben einer Erstaufnahmeeinrichtung, ich würde nicht sagen, dass alle hier ankommen wollen. Es gab die Gruppen, die sich sehr schnell integriert haben, vor allem am Anfang, was natürlich noch lange nicht heißt, dass sie es auf dem Arbeitsmarkt leicht hätten oder gleich eine Arbeitserlaubnis gehabt hätten. Es gab die Gruppen, die alles zugemüllt haben oder Leute angegangen sind von denen ich nicht den Eindruck habe, dass sie je hier ankommen oder arbeiten wollten. Und viel dazwischen. Und natürlich war es nie ganz einheitlich, nicht alle sind der Gruppendynamik gefolgt.



      Bei manchen waren die kulturellen Unterschiede wohl einfach zu groß, um schnell ankommen zu können, wenn ich mich daran erinnere, wie eine Gruppe hier ankam und mit den Gegebenheiten völlig überfordert war, da spielte z.B. eine Frau mit einem Kind mitten auf der Straße direkt am ersten Tag, und verstand nicht, was die Leute ihr sagen wollten. Ohne Sprachförderung haben es die Leute grundsätzlich schwer, überhaupt irgendwas zu finden.

    • @Dr. McSchreck:

      Was hat denn die Tatsache, dass Menschen Sozialleistungen beziehen, mit der Wunsch nach einer Arbeit zu tun?



      Wenn nach 10 Jahren so viele Menschen nach wie vor Ergänzungsleistungen beziehen müssen und sich nicht aus eigener Kraft finanzieren können, sagt das doch in erster Linie etwas über das System, die Löhne, die Bürokratie und die schlechten, strukturellen Bedienungen aus, als über die Menschen selbst. (Zumindest habe ich ihre Suggestiv-Frage in diese Richtung verstanden…)



      Das ist eine klassische Ablenkungsfalle: Statt, dass Lohnabhängige sich solidarisieren und die sozio-ökonomischen Bedingungen in Frage stellen, wird die Frage der Arbeitsmoral in den Raum gestellt. Genau dasselbe Spiel kennen wir vom Bürgergeld – nie die Frage, warum Jobs so schlecht bezahlt sind, dass man nicht davon leben kann, immer die Frage, warum die Leute scheinbar Unwillens sind zu arbeiten.

    • @Dr. McSchreck:

      Weil einfach nicht mehr sachlich argumentiert wird. Man muss die Extreme scheinbar grundlegend ins Gegenteil umdrehen. Behaupten die Einen, Flüchtlinge kommen alle nur, um "in die Sozialsysteme einzuwandern", ist die erwartbare Reaktion darauf, die Behauptung "Alle wollen arbeiten und niemand kommt wegen finazieller Anreize".



      Natürlich flieht niemand wegen 450 Euro über illegale Routen aus Syrien nach Deutschland. Aber es spielt natürlich eine Rolle, ob man z.Bsp. 50€ in Spanien, 75€ in Italien, 210€ in Frankreich bekommt. Das Gesamtpaket ist in Deutschland eben attraktiver als in anderen EU Staaten und natürlich werden viele dann nicht im Erstaufnahmeland bleiben bzw. sich dort schneller um eine Arbeit bemühen.



      Und die Bezahlkarte gibt es auch nicht, um "von Migration abzuschrecken". Die wurde eingeführt, um Transferleistungen ins Ausland zu unterbinden. Ob das notwenig ist, kann man sicher diskutierten, auch die Höhe des Bargeldsatzes. Aber unmenschlich ist es eben auch nicht. Ich selbst geb im Monat selten mehr als 50 € in bar aus.

      • @Deep South:

        Die Geflüchteten wissen gar nicht so gut Bescheid, wo sie welche Leistungen erhalten. Wenn Hamburg Geflüchtete im Winter in Zelte einquartiert, steigt die Zahl derer, die nach Schweden und Dänemark gehen, das ist richtig. Aber es gibt so viele Faktoren, es gibt viele Geflüchtete, die in Spanien, Italien, Frankreich sehr zufrieden sind und dort sind die Standards teilweise niedriger, aber dazu müsste man wirklich sehr viele Informationen heranzieh.

    • @Dr. McSchreck:

      "Von den rund 950.000 Syrern in Deutschland waren im August 2025 gut 260.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt – Tendenz steigend." Das sind immerhin 27%.



      Wenn Herr Merz u.a. es unterließen, ständig von der Rückführung von 80% der Syrer zu reden, würden sich vielleicht noch mehr Syrer um Arbeit bemühen.



      www.iwkoeln.de/pre...n-deutschland.html

      • @Il_Leopardo:

        Den Link finde ich sehr interessant. 80.000 der 950.000 Syrer arbeiten sogar in Engpassberufen , wären also mittelfristig gar nicht ersetzbar. 348.000 Syrer sind minderjährig, 120.000 könen alleine deswegen nicht arbeiten weil sie zwischen 0 und 6 Jahre alt sind ;-). Wo hat man das noch ? 10 % der Bevölkerung unter 6 Jahre, das IW reibt sich die Hände "ist diese Gruppe ein erhebliches Reservoir für den Arbeitsmarkt."



        245.000 Syrer, die zwischen 2015 und 2024 eingebürgert wurden zählennicht merh in dieser Statistik sondern schon als Deutsche, sind also noch besser integriert....



        Aleppo hat eine ziemlich renommiert alte med. Ausbildungsstätte historisch vergleichbar Salerno in Europa.. und ist mit 4.000 Jahren eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Menschheit - Menschen von dort, wollen wir nicht ?

      • @Il_Leopardo:

        Vielleicht noch ergänzen, was auch im Link zu finden ist: von den 950000 ist ca. 1/3 minderjährig. 250.000 Syrer sind längst (auch) Deutsche und tauchen in der Statistik nicht auf.

        Zur ergänzenden Sozialleistung: Auch deutsche Arbeitnehmer bekommen Wohngeld, Kinderzuschlag, ergänzende Grundsicherung, wenn z.B. das Einkommen des Mannes nicht allein für alle reicht

        • @hierbamala:

          Danke für den Hinweis, von dem hier nun alle Kontrahenten profitieren.

      • @Il_Leopardo:

        Herr Merz ist seit rund 1 Jahr im Amt.

        Vorher gab es eine andere Regierung, daher kann Herr Merz kaum für die 9 Jahre verantwortlich sein, in denen man auch schon keine Arbeit aufgenommen hat. 27 Prozent sind übrigens noch weniger als ich annahm, wenn Sie mal vergleichen.

        • @Dr. McSchreck:

          Das mit den Prozentzahlen ist mir schon bewusst. Aber man kann die Zahlen negativ oder wie ich positiv bewerten.

      • @Il_Leopardo:

        Ich würde die Erwerbsquote der Syrer nicht mit der Erwerbsquote der deutschen Durchschnittsbevölkerung vergleiche, weil es in vielen syrischen Familien nicht üblich ist, dass Frauen arbeiten, das verzerrt aber die Statistik, bzw. man könnte meinen die Syrer wollen gar nicht arbeiten, die schaffen das nicht. Außerdem kommen dann noch Sprachkurse, Maßnahmen etc. dazu. Wirklich gute Zahlen werden wir erst in 20 oder 40 Jahren haben.

        • @Andreas_2020:

          Dachte bis dahin gibt es keine Menschen mehr, klimabedingt

        • @Andreas_2020:

          Wirklich schlechte Zahlen werden wir erst in 20 oder 40 Jahren haben wenn die Zuwanderer im Rentenalter und auf Grundsicherung angewiesen sind.

        • @Andreas_2020:

          Die Erwerbsquoten kann man durchaus vergleichen. In Deutschland war es bis vor einigen Jahrzehnten ebenfalls in vielen Familien "nicht üblich", dass Frauen erwerbstätig waren. Das haben Linke und Progressive allerdings nicht als schicksalhaft hingenommen oder gar als verzerrte Statistik betrachtet. Die niedrige Erwerbsquote bei den (west-)deutschen Frauen lag nämlich nicht daran, dass die Frauen nicht arbeiten konnten, sondern daran, dass sie nicht arbeiten sollten. Und es gibt keinen Grund, zwischen den Nationalitäten zu unterscheiden. Wenn syrische Männer arbeiten können, dann können es auch die syrischen Frauen - wie bei den Deutschen.

        • @Andreas_2020:

          Ich stell mir immer vor, was mit mir wäre, wenn ich urplötzlich in einem fremden Land leben müsste. Sprache erlernen ist ein langer Prozess, eine angemessene Arbeit zu finden, ist auch nicht einfach. Und dann noch die Ablehnung der "Eingeborenen". Ich bewundere jeden, der unter allen diesen Umständen die Kurve kriegt und für sich selbst sorgen kann.

          • @Il_Leopardo:

            Das ist genau der Punkt, nehmen wir mal an, wir müssten spontan in Vietnam oder Südspanien leben, dort arbeiten, eine Wohnung suchen, anmieten. Es ist sehr sehr schwer. Und wir können vieles schaffen, aber wir wären irgendwie immer noch geprägt von unsereem Heimatstaat.

            • @Andreas_2020:

              Keiner, der aus Syrien, Afrika, etc. kommt, muss hier leben. Es ist erstmal seine Entscheidung hierherzukommen, dass es nicht leicht wird sollte jedem klar sein. Das letzte Wort sollten dann aber wir haben ob er unserem Land was bringt und bleiben darf

            • @Andreas_2020:

              vielleicht würden wir dann aber nicht nach Vietnam fliehen, sondern eher nach Südspanien, Österreich, ein englischsprachiges Land?

  • Die Behauptung, finanzielle Anreize spielten bei irregulärer Migration keine Rolle, ist mindestens naiv. Migration ist fast nie mono-kausal. Menschen treffen Entscheidungen auf Basis eines Bündels aus Faktoren – dazu gehören Sicherheit, Netzwerke, Perspektiven und sehr wohl auch soziale Absicherung. Wer das pauschal ausblendet, zeichnet ein unrealistisches Bild.

    Ebenso verkürzt ist die Aussage, die Bezahlkarte habe keinen steuernden Effekt. Natürlich wird niemand allein dadurch „abgehalten“, aber sie reduziert gezielt sekundäre Anreize und verhindert, dass staatliche Leistungen vollständig frei transferierbar sind. Genau das ist politisch gewollt und legitim.

    Der Hinweis, Geflüchtete wollten „alle arbeiten“, ignoriert strukturelle Realität: Arbeitsmarktintegration scheitert nicht nur an Bürokratie, sondern auch an Qualifikation, Sprachstand, Anerkennungsverfahren und rechtlichen Hürden. Diese Probleme sind komplexer als der Vorwurf eines „repressiven Systems“.

    Die Formulierung „Zuwanderung in die Sozialsysteme statt in den Arbeitsmarkt“ ist zwar zugespitzt, beschreibt aber einen realen Effekt, der entsteht, wenn Zuzug schneller erfolgt als Integrations- und Arbeitsmarktaufnahme.

    • @Zippism:

      Wenn Deutschland Afghanen Zusagen zur regulären Migration nach Deutschland gibt, die Leute dann aber sitzenlässt, dann scheinen die 'irregulären' Migranten ja deutlich klüger zu sein, wie dieses Land tatsächlich mit Asyl und Geflüchteten umgeht. Die Afghanen haben den USA, Deutschland und anderen NATO-Staaten keine Einladung zur militärischen Intervention gegeben, sondern das hat Bush damals einfach gemacht. Dass heute viele Afghanen in ihrer Heimat nicht mehr leben können, hat direkt was mit der Außenpolitik der USA aber auch der NATO bzw. der EU zu tun. Deswegen muss ich diese Floskel der irregulären Migration kritisieren. Das trifft es nicht, das Grundgesetz sieht darin eben nicht nur einen illegalen Grenzübertritt, sondern eine Möglichkeit, Schutz zu erhalten.



      Dann ist es so, dass Menschen aus Staaten, wo sie gar nicht verfolgt werden, nur sehr abgespeckt hier versorgt werden und sicherlich keine Perspektive erhalten. Selbst diese Menschen kommen, um hier zu arbeiten, nicht, um SGB2-Leistungen abzufragen. Das ist ein Bild, welches NDP (HEIMAT), AfD, CDU und CSU bedienen, aber es ist deren Erfindung. Aber wir zahlen für die, nein, wir verbieten denen oft, zu arbeiten.

      • @Andreas_2020:

        Mehrere Ebenen sollten sauber getrennt werden. Irreguläre Migration ist keine Floskel, sondern eine rechtliche Kategorie. Das Grundgesetz garantiert Schutz nach individueller Prüfung, hebt aber weder die Unterscheidung zwischen regulärer und irregulärer Einreise noch die Debatte über die Ausgestaltung staatlicher Leistungen auf.

        Dass Zusagen gegenüber Afghan:innen schleppend umgesetzt wurden, ist politisches Versagen. Daraus folgt jedoch nicht, dass irreguläre Migration „klüger“ sei oder analytisch nicht mehr benannt werden dürfe. Fehlsteuerung rechtfertigt keine begriffliche Unschärfe.

        Die Verantwortung westlicher Außenpolitik – etwa der USA, der NATO und der Europäische Union – erklärt Fluchtursachen, beantwortet aber nicht die Frage, wie Aufnahmestaaten Integration und Sozialsysteme steuern. Ursachenanalyse ersetzt keine Steuerungsdebatte.

        Viele Geflüchtete wollen arbeiten. Faktisch erfolgt Zuzug jedoch oft schneller als Sprach­erwerb, Anerkennung und Arbeitsmarktintegration. Das ist kein moralisches Urteil, sondern eine strukturelle Beobachtung. Arbeitsverbote sind problematisch – sie sprechen für Reformen, nicht gegen die Benennung von Fehlanreizen.

    • @Zippism:

      Es gibt keinerlei messbare Effekte der Bezahlkarte, außer dass sie den Leuten Probleme macht. Sie versuchen hier gefühlte Wahrheiten, die irgendwie plausibel wirken, als unterschlagene Fakten zu verkaufen. Insbesondere suggerieren Sie, es gebe da diese Leute, die nur hierher gekommen sind, um Sozialleistungen zu exportieren. Korrigieren Sie mich, wenn ich Sie falsch verstanden habe.

      • @T 1000:

        Ich habe weder behauptet, dass Menschen „wegen Sozialleistungsexport“ kommen, noch Migration monokausal erklärt. Das Gegenteil habe ich ausdrücklich betont.

        Dass es bislang nur begrenzt messbare Effekte der Bezahlkarte gibt, liegt auch daran, dass sie erst kurz existiert und sehr unterschiedlich umgesetzt wird. Fehlende Evidenz ist kein Beleg für Wirkungslosigkeit – genauso wenig ist sie ein Beweis für Wirksamkeit.

        Politische Steuerungsinstrumente unterstellen keine individuellen Motive, sondern verändern Rahmenbedingungen. Die Bezahlkarte soll sekundäre Anreize begrenzen und die vollständige freie Transferierbarkeit staatlicher Leistungen einschränken. Ob man das für sinnvoll hält, ist eine legitime politische Streitfrage, keine „gefühlte Wahrheit“.

        Migration entsteht aus einem Bündel von Faktoren: Sicherheit, Netzwerke, Perspektiven und auch soziale Absicherung. Das anzuerkennen ist keine Diffamierung, sondern Realismus.

        Wer jede Debatte über Steuerung sofort als moralische Unterstellung abtut, verhindert eine nüchterne Diskussion darüber, wie Integration, Arbeitsmarktzugang und Sozialstaat praktisch zusammengebracht werden können.

        • @Zippism:

          Es gab in den letzten 40 Jahren etliche Bezahlsysteme, die hatten immer so viele Nachteile, dass selbst rechtskonservative von der CDU und CSU die am Ende nicht mehr haben wollten. Es ist keine neue Sache. Neu ist nur, dass wieder ein Bezahlsystem eingeführt wurde, dieses System ist insofern neu, weil das über eine Webseite und einen Kartenanbieter jetzt läuft. Notauszahlung an der Kasse gibt es jetzt (meist) nicht mehr. Die Leistung steht aber laut Gesetz den betroffenen Menschen zur Verfügung, dies muss die Bezahlkarte gewährleisten.

          • @Andreas_2020:

            Dass frühere Gutschein- und Sachleistungssysteme oft gescheitert sind, ist unstrittig. Das spricht für Vorsicht bei der Ausgestaltung, aber nicht gegen jede Form von Steuerung an sich – auch Gesetzgeber mit CDU- und CSU-Beteiligung haben Leistungen stets unterschiedlich organisiert.

            Der Rechtsanspruch auf Leistungen steht außer Frage. Entscheidend ist die politische Frage, in welcher Form sie erbracht werden und welche Nebenwirkungen das hat. Steuerungsinstrumente unterstellen keine individuellen Motive, sondern verändern Rahmenbedingungen, etwa die freie Transferierbarkeit staatlicher Mittel.

            Man kann die Bezahlkarte für schlecht umgesetzt oder kontraproduktiv halten – ohne jede Debatte über Anreize und Steuerung als bloß „gefühlte Wahrheit“ abzutun.

    • @Zippism:

      Die meisten kennen keine soziale Absicherung aus ihren Herkunftsländern und wollen für ihr Geld arbeiten.

      • @Andreas J:

        Das bestreitet niemand. Viele Menschen kennen aus ihren Herkunftsländern keine soziale Absicherung und wollen hier arbeiten. Das steht auch nicht im Widerspruch zu der Feststellung, dass soziale Sicherungssysteme als Rahmenbedingung Teil von Migrationsentscheidungen sind.

  • Man hat alles bereits ausprobiert, die Idee war dann irgendwann, dass solche Bezahlsysteme mehr Probleme schaffen, als Probleme lösen. Dennoch musste die gleiche Sau wieder durchs Dorf getrieben werden. Die Folgen waren für die Asylbewerber durchweg negativ. Das lag vor allem daran, dass die Bezahlkarte aus zwei Stationen Behörde - Asylbewerber drei bzw. vier machte: Es gab dann den Anbieter der Karte und das Bezahlsystem.



    Das Drei- oder Viereck hat oftmals nicht funktioniert, wenn etwa der PIN nicht ging oder der PIN zur falschen Karte geschickt wurde. Es ist dann manchmal zu einer Unterversorgung gekommen, da aber per Brief oder mündlich keine Anweisung an die Kasse mehr gegeben werden konnte, mussten die Betroffenen alles probieren, um an Geld zu kommen. Da das als Existenzminimum konstruiert ist, war das oftmals ein Kraftakt.



    Und das hätte man wissen können, weil auch bei vorherigen Bezahlsystemen solche Probleme aufgetaucht sind. Es war ein alter Hut. Aber um einer Stimmung nachzugeben und Gegenanreize zu setzen, musste das eingeführt werden.



    Das ist schäbig und idiotisch, weil nach Verwaltungsrecht die System in diesem Segment funktionieren müssen. Abschrecken tun sie nie.

    • @Andreas_2020:

      Gibt es für deine Geschichte irgendeine Quelle? Ich habe noch nie davon gehört, dass Zahlungsdienstleister falsche PINs verschicken oder PINs aus anderen Gründen nicht funktionieren. Was ich aber kenne, sind Leute, die so oft eine falsche PIN eingeben, bis ihre Karte gesperrt wird. Passiert halt. Dafür wird es zur Problemlösung sicher ein geregeltes Verfahren geben. Wenn mir das bei einer normalen Bank passieren würde, wäre das ja auch kein Thema.

      • @Matt Olie:

        Erkundige dich mal bei CafeExil oder bestimmten Anwälten, was da teilweise nicht läuft. Ich kann zur direkten Herkunft meiner Informationen nichts sagen, aber es gab einen Mann, der mehr als sieben Wochen seine Leistung nicht abrufen konnte, trotz Hilfe, Vermittlung und Aufnahme des Anliegens durch die Behörde. Und eine direkte Auszahlung an der Kasse ist mit der Bezahlkarte eben nicht mehr möglich, d.h. Notlagen können ziemlich lange andauern, auch mit Wissen der entsprechenden Stellen. Und die Betroffenen sind sehr ängstlich, die gehen nicht zum Sozialgericht, die wollen kooperativ sein, auch wenn das hier nichts bringt.