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Grüne Abstimmungspanne in SachsenDie Mühen der Brandmauer lohnen sich – immer noch

Tobias Schulze

Kommentar von

Tobias Schulze

Ein Antrag der sächsischen Grünen ist mit den Stimmen der AfD durchgekommen – und so zu einem hässlichen Erfolg geworden. Was lässt sich daraus lernen?

Unübersichtliche Verhältnisse: Der Landtag von Sachsen Foto: dpa/Robert Michael

I n der Theorie klingt die Brandmauer nach einer eindeutigen Sache: Rechts von ihr steht die AfD, links von ihr stehen die demokratischen Parteien. Bleiben sie unter sich, machen sie alles richtig. Bricht jemand ein Loch in die Mauer hinein und reicht die Hand, ist das falsch.

Die Praxis ist ambivalenter. Richtig und falsch gibt es zwar tatsächlich. Aber dazwischen, das haben die verschiedenen Durchbrüche der vergangenen Jahre gezeigt, finden sich zig Abstufungen. Daher reichen auch drei Sätze nicht aus, um den Abstimmungserfolg zu bewerten, den die Grünen am Mittwoch im sächsischen Landtag erlitten haben. Dafür braucht es zumindest neun Absätze.

Um die Geschehnisse noch mal zusammenfassen: Die oppositionellen Grünen hatten einen Antrag zur Unterstützung kleiner Schlachthöfe eingereicht und mit dessen Ablehnung gerechnet, da sie die in Sachsen regierende schwarz-rote Minderheitskoalition ebenso gegen sich wähnten wie BSW und AfD. Bei CDU und SPD fehlten aber Abgeordnete und die anderen beiden Fraktionen stimmten wider Erwarten zu. Mit einer grün-lila-braunen Mehrheit ging der Antrag zum Entsetzen der Antragsteller durch.

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In einer rasch veröffentlichten Erklärung machen es sich die Grünen hinterher an einer Stelle zu einfach. AfD und BSW haben die Grünen demnach in eine Falle gelockt, indem sie erst Ablehnung signalisierten und dann hinterrücks mit Ja stimmten. Für die Wagenknecht-Partei gilt das höchstens teilweise: Deren Redner in der Landtagsdebatte hatte dem Grünen-Antrag im Kern zugestimmt, ihn nur als zu unkonkret kritisiert und mit der Aufforderung geschlossen, über „Schatten und auch über Mauern zu springen“. Man hätte es also kommen sehen können.

Angemessene Zerknirschung

Abgesehen davon zeigen sich die sächsischen Grünen in ihrer Erklärung jedoch angemessen zerknirscht: Man wolle solche Mehrheiten noch nicht mal aus Versehen erzielen, habe seit Beginn der Legislatur alles gegen solche Resultate getan und werde sich in Zukunft noch mehr Mühe geben.

Damit zeigt die Fraktion mehr Problembewusstsein als im Januar die Spitze der Linkspartei. Im EU-Parlament hatte ein Antrag zum Mercosur-Freihandelsabkommen eine Mehrheit bekommen – unter anderem durch Stimmen deutscher Linker, deutscher Grüner und der AfD. Die Linke bedauerte das hinterher ausdrücklich nicht. Sie habe nicht mit den Rechten zusammengearbeitet und sich nicht um deren Stimmen bemüht, von einem Bruch der Brandmauer könnte also keine Rede sein.

Damit wiederum machte es sich die Linke zu einfach. Es macht zwar in der Tat einen Unterschied, ob man aus Fahrlässigkeit zu Mehrheiten mit der AfD kommt (wie jetzt in Sachsen), deren Stimmen bewusst einkalkuliert (wie die Union kurz vor der letzten Wahl im Bundestag bei einem Abschiebeantrag) oder gar aktiv mit ihnen verhandelt (wie die EVP im Europaparlament). Konservative rütteln stärker an der Brandmauer als andere. Sie können aber linke und grüne Zufallsmehrheiten mit der AfD argumentativ nutzen und behaupten: Machen die doch auch.

Schon deshalb sollten alle penibel auf die Brandmauer achten. Das ist, zugegeben, kompliziert. Vor allem in Parlamenten mit wechselnden Mehrheiten. Dazu zählen das Europaparlament, Sachsen wegen seiner Minderheitsregierung und aus dem gleichen Grund ab dem Herbst womöglich auch Sachsen-Anhalt. Für klarere Verhältnisse könnte dort die CDU sorgen, indem sie sich für eine Notkoalition einschließlich der Linken öffnet. Wird sie aber nicht.

Aufwendiges Prozedere

Daher bleibt die Brandmauer aufwendig. Die demokratischen Fraktionen müssen sich ununterbrochen absprechen, Strichlisten über Anwesenheiten und Stimmverhalten führen. Das bindet Kapazitäten und bietet trotzdem keine Garantie vor gelegentlichen Pannen.

Lohnt es sich dann überhaupt noch? Die Frage liegt nahe, für die Antwort empfiehlt sich allerdings ein Blick auf die sächsische AfD. Feixend stellten sich ihre Abgeordneten am Mittwoch hin, nachdem sie den Schlachthof-Antrag durchgebracht hatten, den sie inhaltlich doch eigentlich ablehnten: Die Brandmauer ist gefallen, danke an die Grünen!

Über dieses Triumphgeheul kann man sich nun grämen, genauso gut kann man sich aber auch darüber freuen: Im Umkehrschluss zeigt es doch, wie sehr es die AfD trifft, dass die Brandmauer in der großen Mehrzahl der Fälle doch noch hält – zumindest jenseits der Kommunen. Die Rechtsextremen mögen Diskursmacht gewonnen haben. Aber sie leiden darunter, dass sie an vielen Stellen weiterhin keinen direkten Zugriff auf staatliche Entscheidungen haben. Die Mühen der Brandmauer lohnen sich deswegen immer noch.

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Tobias Schulze
Parlamentskorrespondent
Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen sowie Sozial- und Arbeitspolitik. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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65 Kommentare

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  • "Die Mühen der Brandmauer lohnen sich – immer noch"

    Ja und zwar für die AfD.

  • Parlamentarismus könnte so einfach sein: Einem Antrag, den man richtig findet, stimmt man zu, egal wer diesen eingebracht hat oder sonst noch zustimmt.



    Alles andere ist Kindergarten. Die aktuellen Umfragen zeigen, dass immer weniger Wähler parlamentarischen Kindergarten wollen.

  • Leicht verlogen, oder? Es wurde 2x abgestimmt, das erste Mal durch Handzeichen, dann wiederholt durch aufstehen. Nach der ersten Runde wussten die Grünen sehr genau wer zustimmt....

  • Und natürlich wird alles, was die kleinen Schlachthöfe von dieser überraschenden Parlamentsmehrheit zu ihren Gunsten hätten haben können, in der nächsten Debatte um die AfD zerrieben werden. Niemals im Leben wird da Sachpolitik draus.

    Wirklich ein Rätsel, wieso die demokratischen Parteien gerade so unter Druck stehen.

  • Die Grünen waren angemessen zerknirscht? Das waren sie nach der Abstimmung im Europaparlament über Mercosur auch schon. Wie oft wollen sie eigentlich noch Abbitte leisten? Zumal, das erwähnt der Artikel nicht, über den Antrag in Sachsen zweimal hintereinander abgestimmt wurde. Nach dem ersten Mal war klar, dass die AFD zustimmt. Beim zweiten Mal hätten die Grünen also anders abstimmen können. Haben sie aber nicht. Und mussten sie auch nicht. Wie will man denn die Leute für die Demokratie begeistern, wenn man sich über eine gewonnene Abstimmung ärgert? Und umgekehrt: Hätten die Grünen gejubelt, hätte sich die AfD geärgert.

  • ... hm. Unabhängig von den vielen im Kommentarbereich aufgezählten Argumente etc. möchte ich einen Punkt erwähnen, der bisher ignoriert wurde: die AFD hat etwas zugestimmt, was sie eigentlich nicht wollen und haben dem Grünen-Antrag durchgebracht:



    Müsste das nicht ihre Wähler ärgern?

    Ach, nein? Die afd-wähler wollen gar nicht sachthemen behandelt sondern nur Chaos verursachen und Sand ins Getriebe streuen?

  • "Daher reichen auch drei Sätze nicht aus, um den Abstimmungserfolg zu bewerten, den die Grünen am Mittwoch im sächsischen Landtag erlitten haben"

    1. Niemand "erleidet" einen Abstimmungserfolg. Das ist einfach absurd.

    2. Man hat also eine Abstimmung eingebracht und hat mit mit deren Ablehnung gerechnet, obwohl die Stimmen der AfD für eine Zustimmung reichen würden. Das ist entweder nicht glaubwürdig oder unfassbar inkompetent.

    3. Und dann ist man das Opfer, dass "in eine Falle gelockt" wurde? Das ist dann echt die Kirsche auf der Doppelmoraltorte. Das hätte man z.B. der Union selbst niemals abgenommen, bzw. durchgehen lassen.

    Ich bin völlig beim Autor, dass es eine rein schwarz/weiße Auslegung dessen, was Zusammenarbeit oder Brandmauer bedeutet, nicht geben sollte. Damit gibt man der AfD die Macht, sämtliche Abstimmungen zu untergraben oder zu sabotieren. Man sollte sich z.Bsp. darauf beschränken, keinen Anträgen der AfD zuzustimmen und nur Anträge einbringen, bei denen man auch mit demokratischen Mehrheiten rechnen kann. Der Antrag war grüne Politik, keine Blaue. Darum gehts. Und man sollte keine moralischen Messlatten aufllegen, die man selbst nicht überwinden kann.

  • Das Abstimmungsverhalten von AfD und BSW war keineswegs "unvorhersehbar".



    Es wurde zu TOP8 2x abgestimmt.



    1. Per Handzeichen: Grüne, AfD und BSW stimmten zu.



    Die Abstimmung wurde wiederholt, da Ausgang unklar



    2. Per aufstehen/sich erheben



    Erneut haben Grüne, AfD und BSW mit "Ja" gestimmt.



    Dazu gibt es ein Video auf der Seite des Sächsischen Landtags: www.landtag.sachse...itzung/2558#agenda



    Plenarvideo > TOP8 (ab Zeitindex 10:02:00)

  • Ich kann mich den meisten hier nur anschließen. Das was da vorgefallen ist, stellt keinen Bruch der Brandmauer dar und die Reaktion darauf nützt nur einem, der AfD. Da bringen die Grünen einen Antrag ein, von dem sie ja wohl überzeugt sind. Es wird mit einer Ablehnung gerechnet, die dann aber doch nicht zustande kommt, weil BSW und AfD halt doch zustimmen. Was soll daran ein Brandmauerbruch sein? Und hinterher reagiert man noch so, dass es die AfD als solchen verkaufen kann.

  • Anders als der Autor meint, macht das Verhalten der Grünen jetzt und der CDU vor der Wahl überhaupt keinen Unterschied. Und der Vergleich mit der EVP taugt nicht, den auf der Ebene der EU gibt es keine Brandmauer.

  • Anstatt bei der Brandmauer einfach nur über Ja und Nein zu streiten, sollte man vielleicht einfach mal überdenken, wie man sie ggf. anders gestalten kann. Die strikte Auslegung, dass nur Mehrheiten ohne die AfD legitim seien, ist absurd, wie dieser Fall zeigt. Würde es nicht reichen, die AfD weder in die Entwicklung noch in die Umsetzung erfolgreicher Anträge einzubinden? Sollen die doch stimmen wie sie wollen, mitmachen dürfen sie darüber hinaus nicht.

    Die strikte Auslegung ist mittlerweile ja sogar für das betont progressive Lager zum Problem geworden. Meiner Meinung nach gibt man der AfD damit mehr Macht, als sie eigentlich hätte.

  • Was bedeutet Brandmauer.?







    Es gibt zwei Ebenen.

    1. die afd trachtet danach, an die Macht der Instutionen zu kommen. Würde die afd z.B. die Kontrolle über ein Innenministerium bekommen, wäre das ein Katastrophe. Hier ist eine Brandmauer absolut notwendig.



    2. In parlamentarischen Diskussionen und Entscheidungen, sollten allerdings alle gewählten Volksvertreter gleiche Rechte haben.







    Eigentlich sollte es also kein Problem darstellen, wenn die afd einem Antrag zur Geltung verhilft.

    Und jetzt wird es kompliziert, denn wie der Artikel gut beschreibt, läuft da so einiges hinter den Kulissen. Geheime Absprachen etwa (polemisch: *der Pakt mit dem Teufel*)..







    Andererseits: die afd aus dem Diskurs auszuschließen, gleicht dem Versuch ein angeschimmeltes Stück Käse unter dem Teppich zu verscharren (das Ergebnis ist bekannt).







    Was nun diese Konkrete Abstimmung anbetrifft, so sehe ich kein Problem darin, daß die afd einen Antrag der Grünen durchgebracht hat. Zumal sie sich mit ihrem Gefeixe ja prompt selbst entlarvt hat.







    Anyway: natürlich ist das Thema eine Gratwanderung. Wobei ein kluger und etwas entspannterer Umgang, der Sache wohl kaum, der afd aber sehr wohl schaden könnte..

  • Ich fand den Antrag der Grünen gut und gebe offen zu, dass es mir als Wählerin egal ist, mit wessen Stimmen der Antrag angenommen wurde.

    Inwieweit es im politischen Tagesgeschäft praktikabel ist, dass die u.a. Grünen, bevor sie einen Antrag stellen, versuchen herauszubekommen, wie die politische Konkurrenz abstimmen wird, kann ich nicht einschätzen. Es sind ja auch immer Krankheitsabwesenheiten, Abweichler usw. zu berücksichtigen.

    Und wäre es für die kleineren Schlachthöfe besser gewesen, der Antrag wäre abgelehnt bzw. erst gar nicht gestellt worden? Ob Politik so verstanden gut für die Wähler und Wählerinnen m/w/d funktionieren kann, weiß ich nicht.

  • Der Antrag war sinnvolle Realpolitik die dem kleinen Unternehmer hilft

    Sollen wir aufhören mit guter Politik weil ein AFD ler zustimmen könnte?



    Wer hier ja antwortet, ist der grund warum AFD diesen Sonntag bei 29% liegt....

  • Die Brandmauer lohnt sich schon, aber auf Dauer hält sie die AfD nicht auf. Sie nutzt sogar der AfD die diese ja bewusst ausspielt (vorangekündigte Zustimmung zu Anträgen verhindert diese, überraschende Zustimmung führt die Antragstellende Partei als Problem vor). Stärke und Handlungsfähigkeit FÜR die Demokratie sieht anders aus. Und angesichts der aktuellen Umfragewerte muss man die AfD mit einem Prüfverfahren ausbremsen. Auch wenn ein Verbotsverfahren lange dauert, wird schon das Prüfverfahren die Lust der AfD auf Abschaffung der Demokratie durch ständige Grenzübertretung einhegen. Dreiste Übertretung um sich als Macker zu stilisieren funktioniert nur, wenn die anderen Spieler:innen weiter mitspielen. Aktuell läuft es ja so, dass die demokratischen Parteien ängstlich auf die AfD schielen, schlechte Koalitiionen aufrechterhalten aus Angst vor AfD Wahlerfolgen oder gar ihre Forderungen teilweise erfüllen und damit die AfD immer weiter stärken. Die Kommunen mit hohem AfD-Anteil sind nicht verantwortlich, wenn die Brandmauer und Einheigung der AfD nicht funktioniert. Die Parteien auf Bundesebene sind verantwortlich endlich ein starkes Stoppschild zu setzen mit einem Prüfverfahren.

  • Brandmauer schädigt die Demokratie

    Eine Mehrheit der Volksvertreter war dafür also ist der Entscheid demokratisch legitim gefällt geworden.

  • Fazit des Artikels: Wenn Linkspartei und/oder Grüne einen Antrag einbringen, der mithilfe der Stimmen der AfD-Abgeordneten eine Mehrheit bekommt, ist das eine "Zufallsmehrheit", wenn die CDU dasselbe tut, ist das perfide Absicht.

    Als in Thüringen der FDP-Kandidat Kemmerich im 3. Wahlgang mithilfe der Stimmen der AfD-Abgeordneten, die in diesem Wahlgang ihren eigenen Kandidaten aufgestellt, aber nicht gewählt haben, zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, gab es bundesweite Empörung, die in scharfem Kontrast zu dem milden Verständnis steht, das den Grünen bei solchen "Zufallsmehrheiten" entgegengebracht wird.

    • @Budzylein:

      Es muss bei der Brandmauer immer um Themen gehen, nicht um Parteien. Wenn etwa die CDU wie Anfang 2025 Gesetzesvorhaben bei Themen wie Migration einbringt, die auch von der AfD kommen könnten und von der Intention her rassistisch-fremdenfeindlich sind, dann ist Empörung angebracht.

      Mir ist es dagegen egal, wenn die CDU einen Beschluss für eine Steuersenkung oder ein neues Rathaus mit der AfD durchbringt.

      Ministerpräsidentenwahlen sind noch mal ein anderes Kaliber, da es um das höchste Amt der Exekutive in einem Bundesland geht. Dort sollte die Parlamentsmehrheit auch von denen kommen, die eine Regierung auch stützen. Und wenn da die AfD dabei ist, ist Empörung durchaus angebracht - übrigens auch von Konservativen, die sich durch solche Manöver austricksen lassen.

      • @argie:

        1. "Hätte auch von der AfD kommen können" ist kein taugliches Unterscheidungsmerkmal. Die von Ihnen als Beispiel genannten Steuersenkungen liegen voll auf der Linie der AfD. Gleiches gilt für die von der Linksfraktion im Europäischen Parlament eingebrachte Prüfung des Mercosur-Abkommens (die nur mithilfe der AfD- und der deutschen Grünen-Abgeordneten mehrheitlich beschlossen werden konnte).



        2. Bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen kam die Parlamentsmehrheit gerade nicht von den Parteien, die die Ramelow-Regierung stützten. Dessen Koalition war in der parlamentarischen Minderheit, was übrigens schon in der Legislaturperiode zuvor nach dem Wechsel einer SPD-Abgeordneten zur CDU Ende April 2017 der Fall gewesen wäre, wenn nicht der AfD-Landtagsabgeordnete Oskar Helmerich (der bei der Landtagswahl 2014 auf der AfD-Landesliste hinter Höcke auf Listenplatz 2 gestanden hatte) zur SPD übergetreten wäre.

    • @Budzylein:

      Das ist das Dilemma, denn die perfide Absicht liegt eigentlich bei der AFD, die sich mal die CDU, mal die Grünen oder andere vor den Karren spannt, indem sie aufzeigt, dass die Brandmauer wirkungslos ist und sich jedes Mal feiern lässt, wenn Sie etablierten Parteien wieder mal ausgetrickst hat.







      Aber auch perfide ist das Draufschlagen auf die ausgetrickste Partei, sei es Grün, Schwarz, Gelb oder Rot, nur um sich einen vermeintlich moralischen Vorteil zu verschaffen, weil die Moralisten eigentlich genau wissen, dass die AFD immer für den einen oder anderen stimmen wird, egal ob per Zustimmung oder Ablehnung eines Antrag.







      Wenn etwas wiederholt nicht funktioniert (Brandmauer), muss man es sein lassen und sich was anderes ausdenken.

  • In Sachsen gibt es eine Minderheitsregierung, unübersichtliche Mehrheitsverhältnisse und Grüne in der Opposition. Wollen die Grünen da versuchen, mit 100%-iger Sicherheit zu verhindern, daß von den Grünen gestellte und für richtig gehaltene Anträge mit Zustimmung aus AfD pder BSW angenommen werden, bleibt nur eines: Einfach gar keine Anträge mehr stellen.



    Aber wozu soll man dann noch die Grünen wählen, wenn diese gar nicht mehr versuchen, die von ihnen für richtig gehaltenen Anträge durchzusetzen?

  • Neues aus der Parlamentskita: "Die Gruenen wollen ihr Foermchen nicht mehr".

    Die AFD auf der einen Seite, dieses infantile Foermchentheater auf der anderen. Da wird die Drohung, die AFD wuerde die Demokratie abschaffen, fuer immer mehr zur Verheissung. Denn wenn das die Demokratie sein soll, die es zu verteidigen gilt, ist der Kampf schon verloren.

    • @elektrozwerg:

      Immerhin können sie sich völlig frei und ungeniert so despektierlich über die Regierenden äußern, ohne dabei Repressalien, Inhaftierung, Folter oder Tod fürchten zu müssen. Das allein sollte doch schon Grund genug sein den Kampf nicht aufzugeben.

  • Es reicht mit der Verharmlosung und Relativierung der AfD! Die demokratische Gesellschaft muss endlich aufwachen.

    Die AfD würde politische Macht gegen unsere demokratische Ordnung nutzen und einen autoritären Staat anstreben. Deshalb muss ihre Verfassungsmäßigkeit geprüft werden. Andernfalls stellt sich die Frage, welche Funktion das Parteienverbot im Grundgesetz hat. Bislang wurden in Deutschland ausschließlich linke Parteien verboten.

    Die Brandmauer kann nur ein Teil der Strategie gegen eine weitere Normalisierung sein. Entscheidend ist, die Netzwerke und Strukturen dahinter offenzulegen – von Boulevardmedien bis zur gezielten Verstärkung rechter Narrative durch einflussreiche Akteure und Plattformen. Dass diese systematisch verbreitet werden, ist kein Zufall.



    Diese Entwicklungen müssen von allen Demokraten bekämpft werden – ausdrücklich auch von konservativen Kräften. Andernfalls drohen sie erneut zu Steigbügelhaltern einer antidemokratischen Entwicklung zu werden. Genau danach sieht es derzeit leider aus – etwa beim Beispiel der EVP, in Teilen der der Politik des Innenministeriums oder auch in der Rhetorik des Bundeskanzlers.

    Danke für den Artikel.

  • „Die oppositionellen Grünen hatten einen Antrag zur Unterstützung kleiner Schlachthöfe eingereicht und mit dessen Ablehnung gerechnet.“ Absurd.

    • @Friedel Castrop:

      Darüber bin ich auch gestolpert. Als Nicht-Politikerin kann ich nicht verstehen, dass Politiker mit "so etwas" dann Zeit, Energie und (Steuer-)Geld verschwenden. Oder es entspricht nicht der Wahrheit, auch möglich (und meiner Meinung nach in Ordnung).

    • @Friedel Castrop:

      "Der Pessimist ist derjenige, der vorzeitig die Wahrheit sagt."; ist doch völlig menschlich, sowie politisch in Ordnung, Anträge um ihrer selbst willen und nicht um deren Aussicht auf Erfolg, einzubringen. War nun eben erfolgreich. 🤷

  • Auf jeden fall abstimmung wiederholen. Geht ja gar nicht sowas...

    • @Hannes Petersen:

      So lange demokratisch Abstimmen, bis das gewünschte Ergebnis passt? Ist nicht gerade demokratisch, oder?

      • @Müller Christian:

        Wieso mit dem gedanken spielen doch erste gruene bundestagsabgeordnete schon



        'Beispielsweise sofortige Abstimmungswiederholungen als Option einführen.'



        Kann man sich das ganze wählen halt auf lange sicht auch einfach sparen...

    • @Hannes Petersen:

      Ja, und dann gegen den eigenen Antrag stimmen, um nicht mit den Nazis zu stimmen. Absurdes Theater.

      • @Querbeet:

        Wuerde mich nicht wundern, wenn sowas kommt. :-D

  • Volksvertretung ist doch genau die eigentliche Funktion eines Parlaments.



    Wenn kleinere Schlachthöfe unterstützt werden sollen und CDU sowie SPD dafür keine Mehrheit organisieren, ist es zunächst einmal Aufgabe anderer Parteien, Mehrheiten dafür zu finden.

    Hätte die sogenannte Brandmauer in diesem Fall bedeutet, dass man den Antrag allein wegen der Zustimmung der AfD scheitern lässt, dann wären am Ende genau die kleinen Betriebe gegen diese ideologische Mauer gefahren.

    Wenn die AfD dabei nur taktisch abgestimmt hat und inhaltlich eigentlich dagegen war, wäre das doch eher ein Beleg für opportunistische Fähnchenpolitik. Genau das müsste man dann politisch thematisieren und ausschlachten, statt reflexhaft jede Zustimmung automatisch zu skandalisieren.

    Die Brandmauer hat für mich dort ihre Berechtigung, wo es um menschenfeindliche, nationalistische oder demokratiegefährdende Inhalte geht — etwa in Asylfragen oder identitätspolitischer Ausgrenzung. Und ehrlich gesagt sehe ich da inzwischen teilweise auch bei CSU und CDU problematische Entwicklungen.

    • @Stefan Schmitt:

      "dass man den Antrag allein wegen der Zustimmung der AfD scheitern lässt"



      Das ist ein falsches Verständnis der Brandmauer. Es geht dabei keineswegs darum völlig plump immer anders stimmen zu müssen wie die AfD und wenn die dann behauptet, dass die Erde eine Kugel sei, mit Nachdruck für die Scheibe streiten zu müssen. Es geht darum der AfD keine Macht und Gestaltungsmöglichkeiten zuzugestehen, also demokratische(!) Mehrheiten organisieren zu müssen. Wenn es die gibt ist es für das Ergebnis völlig unerheblich ob die AfD zustimmt oder nicht. Was aber vermieden werden muss, sind Beschlüsse die nur(!) mit deren Stimmen zustande kommen und mit einer Mehrheit im demokratischen Spektrum allein nicht möglich wären, weil das bedeutet, ihnen Macht über unser Zusammenleben und unsere Gesellschaft zu überlassen.

      • @Ingo Bernable:

        Ich verstehe den Gedanken hinter Ihrer Definition der Brandmauer durchaus. Praktisch führt die Debatte aber zunehmend dazu, dass sich alles nur noch um symbolische Abgrenzung dreht, statt um konkrete Sachpolitik.

        Und genau das halte ich langfristig für problematisch. Denn für viele Menschen — gerade im Osten — entsteht dadurch der Eindruck, ihre Stimmen seien demokratisch zwar formal erlaubt, politisch aber moralisch entwertet. Damit stärkt man das Opfer- und Außenseiternarrativ der AfD oft eher, als dass man es schwächt.

        Demokratie muss aus meiner Sicht auch aushalten, dass Mehrheiten in Einzelfragen zustande kommen, ohne dass daraus sofort eine ideologische Kontamination konstruiert wird. Entscheidend ist doch der Inhalt einer Entscheidung und nicht die automatische mathematische Vermeidung gleicher Abstimmungen.



        Die etablierten Parteien werden ohnehin an ihrer Realpolitik gemessen werden — bei Migration, Wirtschaft, sozialer Spaltung oder Vertrauen in Institutionen. Dort entscheidet sich letztlich, ob die AfD wächst oder nicht, nicht an parlamentarischen Ritualen.

        • @Stefan Schmitt:

          Der AfD keine Entscheidungen über reale Gesetzgebung zuzugestehen ist keine symbolische Abgrenzung sondern ganz praktisch reale.



          Die AfD ist eine rechtsextrem Partei, die für einen ethnisch homogenen, völkisch-autoritären Nationalismus steht und etwa im letzten Bundestagswahlkampf bundesweit mit einem Slogan warb der bewusst und absichtsvoll an eine verbotene SA-Parole angelehnt war. Dass eine solche Partei politisch-moralisch (noch) ausgegrenzt werden kann sollte man als Demokrat durchaus begrüßen.

  • Die Brandmauer lässt die AfD fröhlich wachsen und gedeihen, während sie die CDU blockiert und den Wählerwillen ignoriert. Das nennen Sie lohnenswert?

  • Warum stellt ein Partei einen Antrag von dem Sie davon ausgeht, dass er nicht durchkommt und beschwert sich dann, dass er dann doch durchkommt?

    • @J. G.:

      Sie haben Recht, dies ist einer der Gründe, warum viele Menschen über die Politik nur noch die Köpfe schütteln. Im besten Fall.

  • Was soll das Theater, einen Antrag zu stellen, dessen Ablehnung man sich eigentlich wünscht? Kindergarten.

    • @PeterArt:

      "Kindergarten". Genau das dachte ich auch. So verhalten sich Politiker/Personen die keine anderen Sorgen haben. Beneidenswert.

    • @PeterArt:

      Nicht wünscht? Bitte noch einmal lesen.

      • @Gerhard Krause:

        Das muss Herr Art wohl nicht.



        Man kann sich durch eine Ablehnung wünschen, um den pol. Gegner bloßzustellen, im Sinne:



        Schaut her, wir haben den Antrag eingebracht und ihr habt ihm nicht zugestimmt.



        So etwas nennt man pol. Kalkül oder Grabenkämpfe oder wie Herr Art das treffend bezeichnet: Kindergarten.

  • An diesem Fall zeigt sich der Unsinn der Brandmauerrethorik.



    Man gibt sich völlig in die Hand derer, die man vermeint zu bekämpfen. Man gibt ihnen die Macht zu Spielchen und zur Vermeidung von politischen Entscheidungen.

    • @Querbeet:

      Jetzt hören wir dann wohl mit Abstimmungen auf?

  • "...und so zu einem hässlichen Erfolg geworden."



    /



    Bei kirche-im-rbb.de



    "...„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“ - Verfasser unbekannt. Könnte bedrohlich klingen, als Mahnung, mit erhobenem Zeigefinger. Oder auch als Mut-Macher an diesem Abend."



    Die Sprache im allgemeinen Gebrauch sieht allerdings auch für "hässlich" vor, dass es polarisiert und anders als "unerwünscht" oder "stillos" wahrgenommen wird.



    Auch "abscheulich" wäre ein Kraftwort gewesen, vielleicht träfe es für den Geschmack einiger Altgrüner und ihrer Entourage tatsächlich schon wegen der mitschwingenden Aversion in Scheu.

  • Irgendwann wird es albern mit der Brandmauer.







    Wenn die demokratischen Parteien jetzt ihre Politik nicht mehr durchsetzen wollen und Anträge zurückziehen, wenn die AFD zustimmen könnte, hat die AFD auf ganzer Linie gewonnen.







    Wenn die AFD jetzt beispielsweise verlauten würde, zukünftig bundesweit jedem Antrag für einen neuen Fahrradweg zuzustimmen, haben wir ab morgen keine neuen Fahrradwege mehr, weil die Grünen keine mehr beantragen dürfen.







    Es reicht vollkommen aus, den Anträgen der AFD aus Prinzip nicht zuzustimmen. Sollte ausnahmsweise mal seitens der AFD irgendetwas vernünftiges vorgeschlagen werden, könnte man ablehnen und einen eigenen Vorschlag zum Thema einbringen. Damit wird ausreichend deutlich gemacht, dass die AFD nicht als demokratische Partei akzeptiert wird. Aber wegducken, weil die AFD zustimmen könnte, ist selbstmörderisch. Und dieses zerknirschte Entschuldigen hinterher, obwohl gerade ein doch hoffentlich wohlbegründeter Antrag erfolgreich durchkam, ist doch lächerlich.

    • @Sisone:

      Genau das hab ich mir auch gedacht!



      Waa Tobias Schulze da im letzten Absatz seines Kommentar vorschlägt (Strichlisten über Abstimmungsvehalten,…) - bedeutet eine Blockade jeder kreativen Debatte und Entscheidungsfindung, die es in Parlamenten noch geben mag.



      Eine Kastration aller Abgeordneten.

      • @Rainer Klose:

        "Waa Tobias Schulze da im letzten Absatz seines Kommentar vorschlägt (Strichlisten über Abstimmungsvehalten,…) - bedeutet eine Blockade ..."

        Und meiner Meinung nach auch Zeit- und (Steuer-)Geldverschwendung, die die Abgeordneten "uns" Wählern "eigentlich" schulden.

  • Die Brandmauer undemokratisch, denn sie verhindert doch jede sinnvolle Opposition. Im Grund stimmt man ja auch bei jeder Ablehnung gegen einen Regierungsantrag „mit der AfD“ und nicht nur bei positiven Voten.

    Wie auch in anderen Situationen gilt in Parlamenten: Mehrheit ist Mehrheit. Eine Brandmauer gibt es in der Geschäftsordnung nicht.

  • Alle brechen ab und zu die Brandmauer.

    Heuchlerisch ist es aber, und das wird von den linken Parteien immer wieder gemacht, wenn es einseitig problematisiert wird, wenn die konservativen es machen.

  • Die Brandmauer sollte auf Themen beschränkt bleiben, bei denen die AfD-Position aus ethischen Gründen als unannehmbar aufgefasst wird. Das ist etwa bei den meisten Vorhaben zum Thema Migration der Fall.

    Allerdings wird dann die konservative Fraktion sagen: Moderate Verschärfungen der Migrationspolitik sind doch unsere eigene Position. Wenn die AfD dann mit stimmt, stärkt sie nur unsere, nicht ihre eigenen Vorstellungen.

    Doch dagegen kann man wieder von Seiten der Brandmauer-Befürworter gut kontern, wenn die konservative Position sich in den letzten Monaten aus strategischen Gründen verschärft hat ("um rechte Wähler zurück zu gewinnen"). Sonst öffnet man einem weiteren Rechtsruck von Parteien wie CDU und Freien Wählern Tür und Tor.

    Würde die AfD dagegen für eine Migrationspolitik stimmen, die die CDU auch unter Merkel noch befürwortet hätte (aber vom Mitte-Links-Lager abgelehnt wird), wäre die Kritik schwieriger und aus meiner Sicht unangebracht.

    Fazit: Ja, es bleibt schwierig.

  • "Mit einer grün-lila-braunen Mehrheit ging der Antrag zum Entsetzen der Antragsteller durch."

    Es wäre so einfach.einfach keine eigene Anträge mehr einbringen,dann steht auch die Brandmauer.

    Oder alternativ hinter seinem Vorschlag stehen und ihn für gut befunden,egal von wem die Stimmen kommen.

    Alles andere ist absurd.

  • Was für eine Farce! Geht es dieser Art von Plitik und Parlamentarismus noch um die Sache, um vernünftige oder zumindest opportune Sachverhalte, die zur Abstimmung gestellt werden oder nur noch um kindisches Verhalten wie: "Wenn der/die mitspielt, dann will ich aber nicht mehr mitspielen? Sandkasten-Parlamentarier!

  • "Für klarere Verhältnisse könnte dort die CDU sorgen, indem sie sich für eine Notkoalition einschließlich der Linken öffnet. Wird sie aber nicht."

    Ist vielleicht auch besser so. Der Tag an dem sich die CDU mit der ehemaligen SED zusammen schließt um eine neue NSDAP an der Macht zu verhindern, könnte man vermutlich Methaphorisch als letzten Tag der Bundesrepublik ansehen.

  • Jeder Abgeordnete ist seinem Gewissen verantwortlich und sonst niemandem. Ein imperatives Mandat und Fraktionszwang sind verboten und strafbar.



    Das Parlament ist ein Entscheidungsgremium und keine Showveranstaltung. Das Stellen von Anträgen nur zum Schein und gegen die eigene Überzeugung ist zutiefst undemokratisch. Wer in einer parlamentarischen Demokratie etwas beantragt, hofft, die anderen Abgeordneten mit Argumenten zu überzeugen. Wäre es anders, könnte man mehrere hundert überflüssige Abgeordnete nach Hause schicken und die Diäten einsparen. Es reichte, die Fraktionsvorsitzenden zu schicken, jeden mit seinem Stimmpaket verschiedener Größe. In Hauptversammlungen von AGs und in Eigentümerversammlungen von Wohngebäuden funktioniert es schließlich genauso.

  • Also ist ein Antrag nur gut, wenn die Richtigen zustimmen? Die Grünen wären also lieber gescheitert, als dass er mit den Stimmen der AfD durch kommt???

    Die Brandmauer existiert nur bei Politikern, dem Volk ist es total egal, hauptsache, Entscheidungen werden getroffen.

  • Frau Schubert von den sächsischen Grünen sei also "zerknirscht", dass ihre Initiative Erfolg hatte.



    Wie fühlen sich eigentlich die Betroffenen, also kleine Fleischverarbeiter?



    Besondere Aufrichtigkeit kann man der Aktion nicht unterstellen -



    es ging also nur um ein parlamentarisches Spiel als um die Sache.



    Wenn den Grünen ihre inhaltliche Arbeit wichtig ist, sollten sie zu ihrem Erfolg stehen. Die Brandmauer-Akrobatik ist sowieso längst eine Lachnummer.

    • @Frauke Z:

      Da stimme ich Ihnen zu.







      Die afd betreibt ein perfides Spiel mit den Ängsten, sowohl ihrer Anhänger, wie auch ihrer Gegner.







      Was in diesem konkreten Fall bedeutet, die Grünen sollten das Ergebnis anders kommunizieren.



      Nicht als "oh Gott die afd hat zugestimmt..wir ziehen den Antrag zurück"..sondern vielmehr in der Tonalität: "schön daß auch in der afd gelegentlich so etwas wie konstruktiver Sachverstand aufpoppt".. o.ä.







      ..also ganz im Sinne von Tai Chi Kämpfern, die den Schwung ihrer Angreifer so umlenken, daß diese am Ende darüber ins stolpern geraten..

    • @Frauke Z:

      "... - es ging also nur um ein parlamentarisches Spiel als um die Sache."

      Mich persönlich frustriert das erheblich: Politiker stecken Zeit, Energie und (Wähler-)Geld in Anträge, die gar nicht erfolgreich sein sollen oder theoretisch nicht erfolgreich sein können. Und wenn sie dann wider Erwarten doch erfolgreich sind, hätte man den Antrag lieber doch nicht gestellt.

      Eines wird für mich dadurch bestätigt: Politiker leben meiner Meinung nach wirklich in ihrer ganz eigenen, von der Durchschnitts-Bevölkerung entfernten Welt.

  • Es ist doch einigermaßen abwegig, immerzu "Strichlisten über Anwesenheiten und Stimmverhalten" führen zu wollen, nur um sicherzustellen, dass Mehrheiten bei der Abstimmung über Schlachthofsubventionen etc. nicht mit AfD-Stimmen zustande kommen. Solcherlei Brandmauerakrobatik versteht außerhalb einer kleinen Blase keine Sau mehr.

  • Der Antrag der Grünen war doch im Kern richtig. Genauso hatte es auch der Redner vom BSW so formuliert. Außerdem hat doch niemand es verboten, dass die CDU, die SPD oder die Linke oder alle drei zustimmen. Fragt die doch einmal warum die gegen eine Entlastung kleinerer Schlachbetriebe sind?



    Der Antrag ist angekommen und angenommen. So ist es in einer Demokratie. Alles andere wäre Absprache und tiefster Sumpf.

  • Sehr ernst kann es den Grünen mit ihrem Antrag nicht gewesen sein, wenn sie sich zerknirscht zeigen, wenn er durchkommt. Wenn es ihnen um die Sache gegangen wäre, wäre eher Jubel angebracht gewesen.



    Aber wir leben in einem freien Land. Da darf sich jeder so lächerlich machen, wie er will. Selbst wenn er damit der AFD in die Hände arbeitet.

  • An die kleinen Schlachthöfe und deren Wirtschaftlichkeit scheint hier niemand mehr zu denken oder besser wohl denken zu wollen. Der Nutzen er Entzscheidung wird hier komplett vernachlässigt. Dabei solllte man doch dieses Dilemma mal durchdenken: kann man die Brandmauer mal ignorieren damit die Bevölkerung einen Vorteil hat, oder soll man Nachteile und Kosten der WählerInnen ignorieren und dafür die reine Lehre aufrechterhalten? Damit verbunden ist die Frage wer diese Vertreter der reinen Lehre eigentlich bezahlt und wem die verpflichtet sind?