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Linke, SPD und Grüne verlassen XDer Rückzug in die Bubble ist ein strategischer Fehler

Pauline Jäckels

Kommentar von

Pauline Jäckels

X ist eine der wenigen Plattformen, wo man Menschen jenseits des eigenen politischen Spektrums erreicht. Ein Boykott nutzt Linken nichts.

Natürlich ist es scheiße, dass ein rechter Milliardär eine Plattform mit einer solchen Meinungsmacht besitzt und kontrolliert Foto: Noah Berger/ap

L inke, SPD und Grüne haben am Montag in einer gemeinsamen Aktion die Musk-Plattform X verlassen. Die Plattform sei in den vergangenen Jahren im Chaos versunken und fördere Desinformation, begründen die Parteien diesen Schritt. Diese Erklärung ist nicht nur wenig überzeugend – auch strategisch tun sich Rot, Rot und Grün mit dieser Entscheidung keinen Gefallen.

Natürlich ist es scheiße, dass ein rechter Milliardär eine Plattform mit einer solchen Meinungsmacht besitzt und kontrolliert. Nur ändert der Boykott zum einen nichts daran und zum anderen bedeutet er schlicht den Rückzug in die eigene Bubble. Denn was sind die Alternativen? Auf Bluesky tummeln sich ohnehin größtenteils User*innen, die eine der drei Parteien wählen. Und bei den Meta-Plattformen Instagram, Threads und Facebook versinkt man qua Algorithmus im Sumpf des eigenen Meinungsumfeldes. Ganz zu schweigen davon, dass das Unternehmen Meta und sein CEO Mark Zuckerberg nicht weniger schrecklich sind als X und Elon Musk – nur einfach nicht ganz so exzentrisch.

X ist zwar voll mit Rechten, Konservativen, Trolls und Bots, Desinformation und AI-Slop – wie andere Plattformen auch. Aber es ist eine der wenigen Plattformen, wo Austausch und Konfrontation über das eigene politische Spektrum hinweg stattfindet. Wer Meinungsmacht aufbauen will – und das haben Linke dringend nötig, wenn sie etwas bewirken wollen –, muss Andersdenkenden dort begegnen, wo sie sind. Muss wissen, wie sie argumentieren, ihnen Paroli bieten und sie von der eigenen Sache überzeugen.

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Klar, noch idealer wäre ein soziales Medium, das von einem breiten Spektrum an Menschen genutzt wird und in der Hand von Linken ist. In Sibylle Bergs utopischer Grime-Trilogie ist genau das einer der Schlüssel zur linken Revolution: Eine Gruppe revolutionärer Ha­cke­r*in­nen schafft eine Plattform, die alle benutzen, und baut dadurch linke Meinungsmacht auf. Bis das geschieht, bleibt Linken nichts anderes übrig, als mit den Plattformen zu arbeiten, die da sind. Auch wenn es nervt.

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Pauline Jäckels
Meinungsredakteurin
Redakteurin im Meinungsressort seit April 2025. Zuvor zuständig für die parlamentarische Berichterstattung und die Linkspartei beim nd. Legt sich in der Bundespressekonferenz gerne mit Regierungssprecher:innen an – und stellt manchmal auch nette Fragen. Studierte Politikwissenschaft im Bachelor und Internationale Beziehungen im Master in Berlin und London.
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52 Kommentare

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  • Wer der Desinformation, Manipulation, Verblödung & Indoktrination, unkritisch und aufgeschlossen gegenübersteht, für den sind diese, wie X und Eion Musk Plattformen doch unverzichtbar, oder ?



    Zudem, wie und warum will man denn die massenhaften Trolle dort überzeugen ?



    Sisyphusarbeit !



    Mehr Aufklärung in Schulen und in der Öffentlichkeit über die Funktion von Algorithmen wäre dringlichst notwendig. Da unsere Regierung aber diesbezüglich scheinbar wenig bis keinen Handlungsbedarf sieht, lässt doch tief blicken, oder ?

  • Warum das Argument, man müsse in sozialen Netzwerken bleiben, um Opposition zu leisten, völliger Unsinn ist, kann man hier nachlesen:



    www.kuketz-blog.de...lliger-unsinn-ist/

  • Der Rückzug ist überfällig. Soziale Medien und diejenigen, die die Algorithmen kontrollieren, haben in unserer heutigen Gesellschaft viel zu viel Macht.

    Die Hoheit über die eigene Präsenz erhält man nur zurück, indem man solche Plattformen konsequent meidet. Und zwar alle!

  • Ich kann jede Privatperson verstehen, die sagt, sie will sich X nicht mehr geben und X daher boykottiert und dies auch öffentlich verkündet, was natürlich umso relevanter ist, je prominenter diese Person ist.



    Aber ich denke, dass Parteien die Pflicht haben, sich auch in feindseligen Umfeld zu positionieren. Sich daraus zurückziehen und nur noch auf ihnen wohlgesonnenen Plattformen aktiv zu sein, finde ich feige. Ich denke, da müssen Parteien durch, zumindest wenn es sich um ein Medium dieser Reichweite handelt.



    Die Hoffnung, die Reichweite von X würde durch diese Aktion nachhaltig kleiner werden, halte ich für illusorisch und selbstüberschätzend.

  • Es ist zweifellos richtig, Räume nicht den Feinden der Demokratie zu überlassen.



    Aber ich fürchte im Falle von Twitter ist das Thema seit dem Kauf durch Musk durch.



    Es wird dort kaum jemand erreicht, dafür erreicht die Gegenseite alle die es trotzdem versuchen und binden damit Ressourcen und verschleißen Personal.



    Es brächte mehr würden die Menschen in den SPD-Ortsvereinen wieder aktiver und direkter mit anderen einzelnen Menschen vor Ort interagieren. Ohne fremdbetriebenes Social Media dazwischen. Zurück in die Betriebe, Kneipen und Vereine quasi.

    • @metalhead86:

      Es muss nicht die SPD sein. Aber die Rückkehr ins analoge Leben ist durchaus eine richtige Entscheidung.

      Digitale Technologie muss ein Werkzeug sein. Kein politischer Selbstzweck.

  • Das linke Portal das von allen benutzt wird hieß Twitter, deren unneutralität wurde von linken nicht problematisiert.

    Ein gewisser Donald hat daraufhin Truth Social gegründet, bis auf einen Account ist die Plattform so irrelevant wie BlueSky.

    • @Tim Hartmann:

      Das war und ist wohl so: Medien, die nur die eigene Blase bedienen, verlieren an Reiz.

      Das TAZ- Forum lebt ja auch stark davon, dass hier immer wieder Meinungen außerhalb der Linken Bubble gepostet und entsprechend diskutiert werden.

      Nur Hardcore Fans und Freaks lieben die Selbstbeschallung.

  • Ich stimme der Autorin zu. Ich nutze selbst X, und nach meinen Erfahrungen ist es ein Märchen, dass einem da zwangsläufig rechtsextreme Propaganda und/oder Pornoseiten in die Timeline gespült werden. Man kann mit eigenem Nutzerverhalten sehr gut beeinflussen, was man dort sieht. Was man likt, reposted, wem man folgt, welche Follower man entfernt, wen man blockt, wem man antwortet etc. Wenn man da konsequent ist, bekommt man solches Zeug nach einiger Zeit praktisch nicht mehr zu sehen. Anfangs wurden meine Posts ständig von irgendwelchen Sexbots gelikt, und die "folgten" mir teilweise auch. Ich habe alle diese "Follower" entfernt, konsequent nicht geantwortet und das Zeug nicht angeklickt, und seit einiger Zeit habe ich meine Ruhe vor diesen Bots. Gleiches gilt für rechtsextreme Propaganda. Wer hingegen seine Zeit damit verschwendet, auf X mit Nazis, Verschwörungsmythikern, Putin-Fans o. ä. zu "diskutieren", darf sich nicht wundern, wenn er das Zeug immer wieder in die Timeline bekommt.

    Wenn, wie im Artikel angeregt, Linke eine (Non-Profit-)Plattform schüfen, die alle benutzen, wäre das sicher besser. Aber ob dadurch "linke Meinungsmacht" aufgebaut werden könnte, ist fraglich.

  • "Klar, noch idealer wäre ein soziales Medium, das von einem breiten Spektrum an Menschen genutzt wird und in der Hand von Linken ist." - Warum? Ehrlich, warum?

  • Danke an die Kommentatorin. Dads sehe ich auch so. Auch wenn eine platte Plattform wie X inzwischen mehr oder weniger unerträglich ist. Bluesky habe ich ausprobiert - da kam wirklich alles nur aus der Bubble. Das braucht kein Mensch, so viel selbstbezügliches und schulterklopfendes.

  • Boykottiere und rede darüber! Ich weigere mich, Dienste dieser Tech-Bros zu nutzen, und begründe das auch gegenüber Jeder/Jedem, die/der sich darüber wundert oder mich überreden will, z.B. WhatsApp zu nutzen. Kann man im Kleinen tun, aber auch im Großen, sprich, als Einzelmensch genauso wie als Partei etc.



    Wir sind nicht ausgeliefert, wir liefern uns höchstens selbst aus.

  • X ist in erster Linie eine Porno-Seite. Es ist keine Social-Media -Plattform, die man mit Facebook oder Instagram vergleichen kann, auch nicht, wenn die Algorithmen ähnlich funktionieren und der Besitzer genauso rechtsextrem ist. Aber Porno ist nun mal noch einmal eine ganz andere Ebene der Manipulation.

    Stattdessen wäre der Vergleich mit Pornhub angemessener, denn kurze Nachrichten absetzen kann man da auch.

    Man könnte auch mal auf die Top aufgerufenen Websites schauen, wie viel Porno da drin steckt und das mal auf das Nutzerverhalten der X-Nutzer übertragen, dazu auch die Abonnentenzahlen entsprechend pornografischer Accounts zählen (Obacht, die meisten Darstellerinnen betreiben gleich ein ganzes Dutzend Accounts, dazu sollte man außerdem eine Dunkelfeldstudie machen, denn wer abonniert das schon), man wird zu keinem anderen Schluss kommen als das X eine Pornoseite ist.

    Sorry aber da hat die Politik einfach nichts zu suchen. Das beschädigt die Demokratie, Politiker auf einer Seite mit zu nicht unerheblichen Anteilen auch Extremfetisches wie Gewalt oder Körpermodifikation..

    Der Gesetzgeber sollte grundsätzlich regeln, dass Politiker nicht auf solchen Internetseiten auftreten.

  • Ich finde, Strategie und Taktik in diesem Bereich ist völlig überbewertet und dient letztlich nur dem (Markt-)Machterhalt.



    Ich wünsche mir, dass konkret mehr Leute etwas nicht unterstützen, was sie nicht gut finden.

    • @Kay Brockmann:

      So sehe ich das auch. X wird auch bei Aufruf als unsicher bezeichnet. Ich habe mir einmal im Internet einen Sasser-Virus eingefangen, das hat viel Arbeit des Nachbarn gekostet, den wieder wegzubekommen.

  • Nicht wenige aus diesen Parteien haben erklärt, X weiterhin nutzen zu wollen, allerdings als MdB oder in anderen Positionen/Funktion. Das spricht nicht unbedingt für Einigkeit in dieser Frage.

  • Da schon viele Leute hier in meinen Augen richtig angemerkt haben, daß die Argumentation von PJ nicht trifft, weil sie wichtige Punkte außer acht läßt, von mir nur: Sehe ich wie aktuell die meisten hier. Damit ich nicht bei der schweigenden Mehrheit bleibe 🤓



    (Daß die Parteien sich in die Gated Community BlueSky begeben, wo Konten schon gesperrt wurden, weil die Betreiber es können, halte ich für, freundlich gesagt, kurzsichtig.)

  • Copium, um Social-Media-Sucht zu rationalisieren.

    • @nihilist:

      "Copium" ist auch ein 4chan-Slang, der es mittlerweile in die normale Bevölkerung geschafft hat. Und wir wissen alle, dass alles, was von dort stammt, automatisch falsch ist.

      Zum Beispiel: Wo ist der Beweis bezüglich der Social-Media-Sucht?

      • @Troll Eulenspiegel:

        Jeder hier kennt mindestens einen lebenden Beweis für Social-Media-Sucht.



        Und warum sollte man die dreiste Aneignung subkultureller Codes den rechten Trollen überlassen?

  • Bei allem notwendigen Respekt, aber welche "Diskussion" soll denn da noch stattfinden?



    Elmos Faschorampe sortiert alles, was nicht seiner Meinung oder der seiner Bubble (rechte libertäre Faschos) gefällt, nach gaaaaaaanz unten und spült jedem den Faschodr@ck in die Timeline. Botarmeen agieren nach dem "Flood the zone with shit!" Prinzip und jeder halbwegs sinnvolle „Diskurs“ wird nach fünf Minuten unter Hass, Spam und Brüllrethorik erstickt.



    Man sieht ja gerade, dass es das ist, was sie brauchen. Aktuell fluten die Bots und Hater Bluesky und werden direkt weggeblockt.



    Das triggert die Schneeflöckchen dermaßen, dass sie ihren Fanbots mit "Oh, wir leisten hier Widerstand in der linkswoken Bubble" Screenshots bei jedem Block „Haltung“ suggerieren wollen.



    LÄCHERLICH!!!!!



    Einzig richtige Reaktion: dem Shitstorm den Rücken zu kehren.

    • @Hans-Peter Bruns:

      Da der Code der "for you" Seite open source ist macht es Ihnen sicher nichts aus einen Beleg für Ihre Behauptung zu bringen, dass nicht rechtsextreme Beiträge nach unten "gespült" werden, oder?



      Sonst käme es noch so rüber, als ob sie einfach unhinterfragt Falschinformationen verbreiten.

    • @Hans-Peter Bruns:

      Mensch kann seine/ihre Zeit sicher besser verschwenden.

  • Welcher "Meinungsaustausch" soll denn dort stattfinden? Reichweite hat dort, wer Hass und Hetze verbreitet im Sinne von Elons Weltsicht verbreitet, weil das den Algorithmus triggert. Moderate Stimmen werden automatisch nach unten sortiert. Die Verbliebenen dort sind an Austausch auch nicht interessiert, es ist für Parteiene wie die Grünen oder Linke völlig sinnlos. Dass gerade kritische Journlisten die Spielchen unverdrossen mitmachen, ist trsurig mitanzusehen. Manche haben es auch einfach nicht begriffen und leben eben weiter in ihrer Bubble - die es auf X natürlich schon noch gibt.

    • @Birken:

      Auf welcher Plattform sind die Nutzer tatsächlich an einem sachlichen Austausch mit dem politischen "Gegner" interessiert? Ich empfinde das überall als sehr toxisch und die Leute werden beleidigt und blockiert.



      Für Politiker und Parteien sehe ich solche Plattformen eher als Werbefläche und nicht zum Austausch. Und wie im Artikel gesagt empfinde ich X auch als die Plattform auf der man ehesten gemischte politische Richtungen angezeigt bekommt, so dass es sich lohnen könnte dort zu bleiben.

  • Ich stimme dem Artikel voll zu. Vor allem weil sie in der linken Nischen Social Media wie Bluesky noch voll aktiv sind.

    Das bringt 0 ausser das noch viel weniger wiedersprochen wird und jeder Durchschnittsschlaue in seiner bubble Fürsprecher für seine Polemik findet.

  • Das ist Quatsch:



    Ein rechtsextremes privates Werbe- und Propaganda-Portal, in dem angebliche Meinungsfreiheit darin besteht, über den Algorithmus Jedem rechtsextremen Kontent in die timeline zu spülen und demokratischen Kontent zu unterdrücken oder blockieren, ist nach Art18 Grundgesetz dem Stürmer gleichzusetzen.



    Wer da mitmacht, dient lediglich als Feigenblatt einer angeblichen Meinungsvielfalt und vor allem als Zielscheibe.



    Die Menschen, die dort mitmachen, haben genug Intellekt, zu anderen Portalen zu wechseln, sobald sie bemerken: Es gibt keine Stimme der Vernunft sondern nur noch Sumpf.



    Dieses Portal trägt sich nur über prominente Teilnehmer.



    Wenn die gehen, bricht das Konstrukt in sich zusammen, es wird bedeutungslos.



    Erste Anzeichen dafür sind Fluchtbewegungen sogar von Nius und Konsorten.



    Modernere Foren sind aber viel breiter aufgestellt, haben mehr Eigentümer und mächtigere Werkzeuge der Kontrolle.



    X ist im Vergleich zu Mastodon oder Bluesky die Dampfmaschine unter Social-Media Plattformen. Fortschritt lässt sich nicht verhindern. Und Musk verliert sein Publikum und Einnahmen.

    • @Unvernunft:

      Das stimmt nicht. Also die Prominenten sind total egal. Ich könnte hier eine Liste mit Links posten, welche Accounts eigentlich Twitter neuerdings X tragen.

      Aber das ist alles nicht jugendfrei. Alles Porno.

      Sind auch dieselben Akteure die die anderen Pornoseiten tragen und das die klicken wie eine Bombe ist bekannt. Warum sollte also ernsthaft jemand hauptsächlich wegen der Politik X aufsuchen? Die Leute machen da was anderes...

      Wieso versteht keiner was hier abgeht? Elon Musk ist nicht nur ein Rechtsextremist vom Schlage eines Henry Fords, sondern auch der größte Pornokönig der Menschheitsgeschichte und keiner bekommt es mit, weil über Pornos im 21. Jahrhundert sprechen ist Sünde???

      Elon Musk ist de facto ein Zuhälter, der Frauen in die Sexarbeit auf seiner Plattform zwingt. Ich hab im Übrigen nichts gegen Sexarbeit, aber es ist nicht so als könnten sich die Darstellerinnen aussuchen, auf welchen Plattformen sie erscheinen. Ohne X und Reddit läuft das Onlyfans nicht.

      Dunkle Aufklärung bekämpft man mit echter Aufklärung. Es wäre richtig, die Website in allen Medienberichten vorrangig (!) als "Erotikportal" oder "Pornographie-Plattform" zu bezeichnen.

  • Es macht keinen Sinn, sich über Elon Musk und seine faschistoiden Bemühungen aufzuregen und ihn gleichzeitig mit der Nutzung seiner "Dienste" zu untersützen. Alle Welt (zumindest die nicht rechtsextremistische) fordert den Boykott seiner Produkte und das ist auch richtig. Auch der Verzicht auf eine Hetzbühne ist richtig - Argumente aus der nichtfaschistischen Ecke werden dort entweder gleich unterdrückt und wenn nicht, dann ignoriert und die Verfasser beleidigt oider bedroht. Es ist gut das nicht mehr mitzumachen.

    • @Perkele:

      So sehe ich das auch. Und wer tatsächlich glaubt, man könne auf der Plattform eines rechten Milliardärs dort mit seinen rechten Fans vernünftig diskutieren, der lebt in einer Traumwelt.

      Demokratische Politiker sollten sich ohnehin von X fernhalten. Die AfD ist übrigens sehr aktiv auf X unterwegs und erzielt dort im Vergleich zu anderen deutschen Parteien eine überproportional hohe Reichweite.

    • @Perkele:

      Ich finde die Argumentation der Autorin auch widersinnig. Der aktuell reichste Mensch der Welt, der zu weit rechts abgebogen ist, hat sich Twitter gekauft um Macht auszuüben und diese Macht soll man durch das Nutzen weiter unterstützen. Weil man sonst die Anhänger von Trump und Musk und anderen Rechten nicht mehr argumentativ erreichen könnte?



      Die kann man sowieso in so einem Medium nicht erreichen. Was soll man dort "diskutieren"?



      Raus aus X. Weniger Macht für Musk.

  • Twitter oder nun eben X sollte eigentlich nicht von Politikern genutzt werden.



    Die meisten "Nachrichten" an die ich mich erinnern kann, die da jemand mit politischer Verantwortung abgesetzt hat, waren unterirdisch, unreflektiert, möglicherweise nach ein, zwei Bier oder Wein verfasst, im Affekt geschrieben und haben viel mehr geschadet als geholfen.



    Nun, vielleicht haben sich auch besonders diese Nachrichten, äh tweets oder wie sie jetzt heißen, in mein Gedächtnis eingebrannt. Vielleicht gibt es ja auch sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten und Fälle in denen es im politischen Alltag ein X braucht, ich persönlich bezweifle das jedoch. Gute politische Arbeit hat sich noch nie in effektheischenden, selbst darstellerischen Verlautbarungen ausgedrückt.



    Anderseits sieht man erst wie manche Politiker ticken, wenn sie erstmal ungefiltert einen raushauen. Und sich dann im Nachhinein erklären müssen, es wäre ja alles ganz anders zu verstehen und ...

    Zum zurückziehen in die Bubble: X ist nur so wichtig wie es die Menschen machen. Ich war noch nie dort, bin es nicht und werde es nicht sein. Das der Besitzer so ist wie er ist, ist noch ein Grund das auf jeden Fall auch wirklich nie zu tun.

  • Nun, dass eine Journalistin so denkt, verwundert nicht. JournalistInnen und Politikerinnen waren Profiteure der Plattform. PolitikerInnen konnten Kommentare zu allem und jedem absetzen und JournalistInnen kamen an Originalzitate ohne auf Pressekonferenzen abhängen zu müssen.



    Das ist aus meiner Sicht einer der Hauptgründe, warum sich diese kleine Plattform so lange im öffentlichen Bewusstsein halten konnte. Die beste Statistik für Deutschlan, die ich finden konnte: 15,60 Millionen "Monthly Active Recipients" - also Leute die mindestens einmal im Monat auf der Plattform waren.

  • Stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine nennenswerte Reichweite gibt, die es rechtfertigt, das Geschäftsmodel eines Faschisten zu unterstützen. Mit Rechtsextremen auf Sozial Media zu diskutieren ist eh Zeitverschwendung . Zu 95% wird man, komplett frei von sachlichen Argumenten, beleidigt. Ich habe keinen Bock mehr, mir ständig diesen dummen Hass reinzuziehen. Scheiß auf X.

  • Naja, nee, die Argumente gegen ein Verbleiben auf dieser Deepfake-Nazi-KI-verseuchten Bubble wurden bereits genannt.

    Um dort ernsthaft mit den bestens finanzierten rechten Hetzwerken und Botarmeen mithalten zu können, müsste man materiell und personell massiv aufstocken und ich wüsste nicht, wie sich eine Partei oder NGO das leisten können soll.

    Es war der richtige Schritt dort abzuhauen, wenn auch ein paar Jahre zu spät.

  • Zwitscher (heute X) war einmal Sportplatz für Meinungsübungen nach dem Motto "Fasse dich kurz". Dieser scheinbar karrierekommunikationsförderliche Sport begeisterte in Deutschland junge Leute in einem Maße wie sonst nur noch Fußball und Fitnesscenter. Viele vormals vernünftig Internetaktive gingen leider absolut total restlos verloren auf Twitter, verloren für andere Internetprojekte von weitaus höherem kulturellen Wert und Freizeitwert! Teilweise waren es die Gründer und Hosts wirklich wichtiger und/oder wesentlicher Internetprojekte, etwa Wikis, Blogs etc., die vollkommen, ganz und total im Twittersumpf versanken und ihre Verantwortung für Weiterführung oder Übergabe ihres eigenen Internetprojektes seither 100% vernachlässigten, die zumeist im luftleeren Raum ein trauriges Ende fanden.

    Twitter war insofern die schlimmste Blase überhaupt. Die Übernahme durch Musk unterstrich das nochmal mit unendlich vielen Ausrufezeichen. Wer schon bei Twitter war und immer noch bei X aktiv ist, ist eigentlich selber schuld!

  • Sorry, aber X ist ja bereits eine Bubble. War es auch als twitter schon. Gemessen an der Bevölkerung sind es doch recht wenige Menschen, die da unterwegs sind.

  • Ihre Argumentation hat einen Haken: Sie geht davon aus, dass auf Twitter Konversation stattfindet. Tatsächlich bietet die Plattformen das allenfalls noch für Rechte, dem Rest wird keinerlei Reichweite mehr geboten. Zwei Untersuchungen von Netzpolitik.org und dem Zentrum für Digitalrechte und Demokratie haben das in den letzten Monaten erst bestätigt.



    Wer für vierstellige Views und Hasskommentare auf der Plattform bleiben will, möge es tun. Der Rest sucht sich eben Alternativen.

  • "Wer Meinungsmacht aufbauen will – und das haben Linke dringend nötig, wenn sie etwas bewirken wollen – muss Andersdenkenden dort begegnen, wo sie sind. Muss wissen, wie sie argumentieren, ihnen Paroli bieten und sie von der eigenen Sache überzeugen."

    Ja, aber nicht auf irgendwelchen Online Plattformen, wo irgendwelche Trolle sich eh nicht von anderen Meinungen überzeugen lassen, sondern draußen in der echten Welt!

    • @PartyChampignons:

      Genau mit dieser Strategie verlieren Politiker seit Jahrzehnten ihre Wähler:innen. Online Plattformen sind längst Teil unserer 'echten' Welt. Merkwürdig, dass man das immer noch sagen muss.

      • @Otto Buchmeier:

        Die einzigen Parteien die auf X vielleicht punkten können sind rechte Parteien, ein echter Diskurs findet hier auch überhaupt nicht statt. Dass Politiker seid Jahrzehnten Stimmen verlieren hat andere Gründe die durchaus ein bisschen komplexer sind ....

  • Ist doch gut - ich hoffe, das lenkt mehr Aufmerksamkeit auf Mastodon! ❤️

  • Twitter/X war nie eine Plattform, um Unbeteiligte oder Unentschlossene mit sachlichen Argumenten zu überzeugen. Alle PolitikerInnen nutzten die Plattform zur Selbstdarstellung, für Wahlkampf und Rage-Bait. Eine modernere aber ebenso gefährliche Variante der Politik-Talkshow, bei denen bis aufs Komma geübte Sätze verbreitet werden, jenseits der objektiven Faktenlage.

  • "Ganz zu schweigen davon, dass das Unternehmen Meta und sein CEO Mark Zuckerberg nicht weniger schrecklich sind als X und Elon Musk – nur einfach nicht ganz so exzentrisch."



    Nicht weniger schrecklich auf welcher Skala mit welchen Messpunkten?

    Austreten ist auch eine Meinung, das wissen politische Parteien sehr gut.



    Personalisierte Werbung zu verbreiten benötigt Daten, die wir den Tech-Bros frei Haus liefern.

    "tagesschau startet auf Mastodon: ARD sammelt Erfahrungen als eigene Digitalplattform



    Die Redaktion der tagesschau geht erste Schritte in eine dezentrale Digitalwelt jenseits von Twitter, Instagram und TikTok. Mit der Instanz tagesschau@ard.social will die Social-Media-Redaktion der tagesschau auf dem Microblogging-Dienst Mastodon Erfahrungen mit neuen, nutzerbetriebenen Plattformen sammeln. Das Experiment soll Erkenntnisse liefern, die auch in den Betrieb eigener ARD-weiter Digitalplattformen einfließen."



    ard.de Mai 23



    Kurznachrichten dort:



    "Das Besondere: Im Vergleich zu Twitter werden sie chronologisch dargestellt und unterliegen keinem Algorithmus."



    bei deutschlandfunkkultur.de 2023



    "ARD und ZDF auf Mastodon – öffentlich-rechtliches Engagement im Fediverse"



    Metaverse ade?

  • Ein Boykott nutzt Linken nichts, mag sein, dabei bleiben aber auch nicht. Solange Ihr Sozial Media Süchtigen nicht von eurer Droge lassen könnt, wird sich an ihrer destruktiven Macht nichts ändern.



    Mit freundlichen Grüßen



    Edgar Schmauch

  • Ist das so?



    Muss man*frau wirklich gegen Windmühlen kämpfen?



    Es ist ja noch nicht einmal sicher, ob die Diskussionen menschlich sind.



    Ist es notwendig, Respektlosigkeit zu ertragen?



    Ich glaube nicht.



    Um ein Zitat aus der Anmoderation des taz Podcasts zu nutzen:



    " mit Rechtsradikalen rede ich nicht!"



    Wer menschenverachtend redet, wer den Holocaust leugnet, wer respektlos in der Diskussion ist, ist mir die Mühe nicht wert.



    Im echten Leben begegne ich durchaus Menschen mit anderer Gesinnung.



    Ich denke auch, dass z.B. Zusammenarbeit mit rechtslastigen und Flüchtlingen ein Weg ist, Gemeinsamkeit zu schaffen ( habe ich selbst erlebt).



    trump und musk und die Massen, die ihnen folgen, erinnern mich an Kinder in der Trotzphase, die sich "wegschreien" und für Argumente nicht mehr zugänglich sind.



    Auf einem derartigen Niveau lässt sich nicht diskutieren.



    Es ist gut, dass der Staat die juristische Handhabe gegen Illegale Machenschaften im Netz verstärkt.



    Da muss mit härteren Bandagen gegen Demokratiezerstörer gekämpft werden.



    Ein Boykott ist ein deutliches Signal und ich bedauere, dass dieser Artikel die gemeinsame Initiative demokratischer Parteien herabsetzt. Mitmachen wäre sinnvoller!

  • Danke! Gut getroffen der Artikel.

  • Auf der anderen Seite füttert man aber durch einen Ausstieg auch nicht mehr den Netzwerk-Effekt, welcher den Plattform-Monopolen erst ihre Macht gibt. Durch die Beteiligung halten wir diese Systeme lebendig. Ich persönlich würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen diese Plattformen verlassen.



    Als Gesellschaft brauchen wir andere Tools und Plattformen, mit anderen Algorithmen, die für eine konstruktivere Kommunikation sorgen und uns wachsen anstatt regredieren lassen...

  • Wo sollen die sich sonst noch rumtreiben? Wo alle Verstrahlten unterwegs sind, im Darknet, bei Telegram oder Truthsocial?



    Bitte mal Beispiele wo z.B. mit unseren heimischen Faschisten ein "Austausch" stattfinden soll.

  • So ein Quark. Sie gehen doch auch nicht in rechte Szenekneipen, nur, um nicht in der eigenen Bubble zu bleiben. Sie kaufen auch keine Müllermilch, die einem AfD Nazi gehört, nur weil alle es machen und der Typ eh reich ist. Sie kaufen auch nicht das Compact Magazin. Boykott ist das einzig Richtige und wichtig. Endlich ist es passiert. Es wird ein Zeichen gesetzt und ist ein wichtiges Symbol. Alle, die dieses System nicht weiter mittragen wollen und sich damit zu Mitläufer:inne machen, sollten diesen Schritt gehen.

    • @RosaProsa:

      "Sie gehen doch auch nicht in rechte Szenekneipen, nur, um nicht in der eigenen Bubble zu bleiben,"

      Vielleicht ist genau das der Fehler.



      Das sollte man tun.

      Mit Müller-Milch zu nd Compact haben Sie keinen Austausch.

      Compact könnte man mal lesen, um die Argumentation von Diskussionspartner_ innen kennenzulernen.

      Sich immer nur in der Innenstadt von Großstädten zu tummeln und gegenseitig in seiner richtigen Meinung zu bestätigen, scheint es gegen Rechte nicht zu bringen, wie die Wahlergebnisse zeigen.

      Dieses Zeichen-und-Symbole-Setzen geht mir immer mehr auf den Zünder, weil es meist was für den A. Ist und nur nach innen wirkt.

      Wieviele wurden davon abgehalten, nach rechts zu driften?

  • Dieser Beitrag macht aus meiner Sicht selbst als Polemik nur begrenzt Sinn. Ich finde, es ist genau richtig und überfällig, dass sich demokratische Parteien von X verabschieden. Schade ist in der Tat, dass die Parteien statt dessen nun vor allem bei Bluesky oder Threads sind, das ist in der Tat zu kurz gedacht. Aber es gibt diese utopische Platform, die nicht voller Rechter und AI-Slop ist, nämlich Mastodon / das Fediverse.

    Wer den Netzwerk-Effekt versteht, weiß, dass der Weggang von jedem zugkräftigen Account die Bedeutung von X schwächt. Und dass umgekehrt diese zugkräftigen Accounts notwendig sind, damit sich die Nutzenden dann auch zu sinnvollen Alternativen bewegen. Wichtig wäre also, dass die Parteien sich (auch) auf Mastodon mehr betätigen.

    Manches gibt es schon: Die Grünen und Linken haben sogar eigene Instanzen: linke.social/public/local und gruene.social/public/local, auch mit größeren Accounts, bspw.: gruene.social/@GrueneBundestag mit immerhin 21k Follower:innen.

    Klar, da geht noch mehr, aber es ist eben eine (auch politische) Entscheidung, wo man seine Social Media-Energien reinsteckt.