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Reform des GesundheitssystemsSchwarz-Rot doktert an den Symptomen rum

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken meint es ernst mit ihren Vorschlägen. Doch die reichen nicht aus, um die Kosten der Krankenkassen gerechter zu verteilen.

Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit, stellt ihre Sparvorschläge für das deutsche Gesundheitssystem vor Foto: Sebastian Gollnow/dpa

G esundheitsministerin Nina Warken steht mal wieder in der Kritik – diesmal für ihr Tun statt fürs Nichtstun. Das ist immerhin erfreulich und kam so überraschend, dass sich manche Medien zu Lobeshymnen hinreißen ließen. Auf die CDU-Ministerin, die gerade ihre Sparvorschläge für das deutsche Gesundheitssystem vorstellt, prasselt Unmut von allen Seiten ein: von Krankenkassen, Apotheker:innen, Ärzt:innen, Krankenhauslobby, Patientenvertreter:innen. Auch das ist kein schlechtes Zeichen, Warken legt sich tatsächlich mit (fast) allen der zahlreichen Interessengruppen an. Und dennoch doktert sie mit ihren Reformen nur an den Symptomen, aber nicht an den Ursachen der Probleme herum.

Das deutsche Gesundheitssystem kostet, mehr als 350 Milliarden Euro gaben die Krankenkassen im vergangenen Jahr aus. Im EU-Vergleich ist Deutschland mit seinen Gesundheitsausgaben Spitze, nicht aber mit den Gesundheitsdaten. Unsere Lebenserwartung etwa ist leicht unterdurchschnittlich, in Italien oder Schweden leben die Menschen im Durchschnitt fast drei Jahre länger. Das deutsche Gesundheitssystem ist besonders teuer, aber nicht besonders gut.

Dass Warken die wachsenden Ausgaben nun an die Einnahmen koppeln will, so dass die Beiträge nicht weiter steigen, ist richtig. Folgerichtig ist auch, dass sich Warken alle Sektoren vornimmt. Aber am Ende sind es doch wieder die Versicherten, die überproportional zahlen sollen. Mit höheren Zuzahlungen für Medikamente und einige auch bald mit höheren Beiträgen, weil die kostenlose Mitversicherung für Ehepartner wegfallen soll. Wer das okay findet, übersieht, dass auch die Zusatzbeiträge in den vergangenen Monaten gestiegen sind, die Menschen bezahlen also bereits mehr, bekommen dafür in Zukunft aber weniger. Das erzeugt eine soziale Schieflage zu Lasten derer, die ohnehin jeden Euro umdrehen müssen, eine Schieflage, die auch die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro nicht ausgleichen kann.

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Auffällig ist, wer sich im Konzert der Kri­ti­ke­r:in­nen gerade zurückhält: Die Pharmaindustrie nämlich. Dabei sind Medikamente in Deutschland überdurchschnittlich teuer und die Ausgaben der zweitgrößte Kostenblock. Es wäre nur recht und für die Versicherten billiger gewesen, wenn Warken deren Aktienkurse und Gewinnmargen, die munter nach oben streben, etwas gebremst hätte.

Die Koalition hat nicht den Mut, die ursächlichen Probleme anzugehen

Aber so konfliktfreudig ist Warken dann doch nicht. Und ebenso wenig haben sie und die schwarz-rote Koalition den Mut und den Willen, die ursächlichen systemischen Probleme im Gesundheitswesen anzugehen: die teure Doppelstruktur der ambulanten und stationären Facharztversorgung, das unsolidarische Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung und die generelle Möglichkeit, aus den von der Allgemeinheit finanzierten Strukturen private Profite zu schlagen. Das wären echte Reformen für die Mehrheit der Menschen.

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Anna Lehmann
Leiterin Parlamentsbüro
Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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68 Kommentare

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  • Das deutsche Gesundheitssystem funktioniert, das hat einen Preis und über einige Dinge lässt sich streiten. Ich kann aus ein paar Jahren längeres Leben in Italien und Schweden nicht ableiten, dass unser Gesundheitssystem so schlecht ist, dass es radikal geändert werden müsste.



    Wenn ich die Vorschläge richtig verstehe, müssen die Versicherten in Zukunft mehr aus ihrer privaten Kasse zahlen. Das wird vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen treffen. Und es wird die Volksgesundheit nicht automatisch verbessern.

  • “Im EU-Vergleich ist Deutschland mit seinen Gesundheitsausgaben Spitze, nicht aber mit den Gesundheitsdaten. Unsere Lebenserwartung etwa ist leicht unterdurchschnittlich […] Das deutsche Gesundheitssystem ist besonders teuer, aber nicht besonders gut.”

    Ich wundere mich immer über diesen schnelleren Rückschluss.



    Wie unterscheidet sich denn das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung in diesen Ländern? Wie sind Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten? Wie stark ist Rauchen verbreitet und welchen Stellenwert hat übermäßIger Alkoholgenuss in der Gesellschaft? Das alles muss man doch erstmal erörtern bevor man dem Gesundheitswesen den Stempel “ineffizient” aufdrückt.



    Eine Gesellschaft, die sich selbst weniger gut gesund hält, gesund zu halten, ist eben teurer und aufwendiger als eine Gesellschaft gesund zu halten, die selbst etwas mehr darauf achtet.



    Der Fassanstich zum Massenbesäufnis von Politikern ist dabei nicht Ursache, sondern Folge einer gesellschaftlichen Haltung. Wir verteidigen Bier, Schnaps, Eisbein und Autos im Übermaß als deutsche Traditionen und erwarten oftmals Genesung ohne große Eigenleistung.

    • @Nick riviera:

      >Wie stark ist Rauchen verbreitet und welchen Stellenwert hat übermäßIger Alkoholgenuss in der Gesellschaft?<

      Wird es dadurch teurer oder billiger?

      Raucher sind häufiger krank => kostet Geld



      Raucher sterben früher => weniger Rente, kürzere Demenz etc.

      Gesünderes Leben wird möglicherweise - wahrscheinlich - gar nicht billiger.

    • @Nick riviera:

      "Eine Gesellschaft, die sich selbst weniger gut gesund hält, gesund zu halten, ist eben teurer und aufwendiger als eine Gesellschaft gesund zu halten, die selbst etwas mehr darauf achtet."



      Zustimmung, denn genau da liegt der Hase im Pfeffer. Das wird gern ausgeblendet, nicht zuletzt von Politikern, die (wieder-)gewählt werden wollen.



      Nur mal die zurzeit erhobenen Steuern auf Tabak und Alkohol, aber 1:1 in die Finanzierung des Gesundheitswesens (dürfen gerne steigen) umgelenkt, dazu noch die unumstritten erforderliche Übernahme der Gesundheitskosten von BG-Empfängern durch den Bund, und man wäre den entscheidenden Schritt weiter.



      Andere sinnvolle Maßnahmen (die kann sich jeder je nach seiner Ringecke dazu denken) wären dann nicht mehr erforderlich, um den Durchnittsbeitragssatz von zurzeit knapp 18 % nur für die Krankenkasse, ohne Pflegekasse) merklich zu senken.

    • @Nick riviera:

      "Das alles muss man doch erstmal erörtern"

      Nein. Muss man nicht. Dazu gibt es längst offizielle Statistiken.

      "Im Schnitt rauchen rund 23 % der EU-Bürger ab 15 Jahren, wobei Männer häufiger rauchen als Frauen. Deutschland liegt mit etwa 16 % täglichen Rauchern im unteren Mittelfeld"

      " Deutschland verzeichnete bei Fleischkonsum einen deutlichen Rückgang und liegt mit etwa 53–55 kg deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Nur in Bulgarien und der Slowakei wird weniger Fleisch konsumiert."

      "Deutschland liegt beim Pro-Kopf-Konsum von Alkohol (umgerechnet in reinen Alkohol) mit 10,6 Litern in Europa im oberen Mittelfeld. Der Pro-Kopf-Konsum alkoholischer Getränke ist in Deutschland seit Jahren rückläufig, was zum einen auf ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein und zum anderen auf die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung zurückzuführen sein dürfte"

      (statista)

      Spanien und Portugal beispielsweise, liegt in allen drei Kategorien vor Deutschland, weißen aber mit durchschnittlich 84 bzw 81,5 Jahren eine höhere Lebenserwartung auf.



      Die Ursachen finden sich dann vielleicht doch eher im Gesundheitssystem als in irgendwelchen Klischees.

      • @Deep South:

        Ich bin auch für Statistik.



        Wenn wir uns auf Alkohol beschränken stimmen die absoluten Zahlen von Statista. "Oberes Mittelfeld" und



        "Rückläufikgeit" ist aber schön geredet:



        11,7 liter in 2012 ,10,5 in 2024 sind weiter ein Hochkonsumland.



        "In einer aktuellen Untersuchung beziffert der Gesundheitsökonom Dr. Tobias Effertz die direkten und indirekten Kosten des Alkoholkonsums in Deutschland auf rund 57,04 Milliarden Euro. Davon entfallen 16,59 Milliarden Euro auf direkte Kosten für das Gesundheitssystem."



        steht bei:



        www.dhs.de/suechte...hlen-daten-fakten/



        Die Berichte des Bundesdrogenbeauftragten



        www.bundesdrogenbeauftragter.de/



        haben sich in den letzten Jahren zu Neuen Drogen hin verschoben.

        Was schön geredet, verharmlost und relativiert wird liegt am kulturellen Kontext, somit auch am Gesundheitssystem.

        • @Hans - Friedrich Bär:

          Darum gehts doch überhaupt nicht. Ich hab nie behauptet, dass in Deutschland wenig getrunken wird. Aber man kann doch nicht den Tabak-, Alkohol- und Fleischkonsum für die geringere Lebenserwartung verantwortlich machen, wenn Statistiken klar belegen, dass andere Länder in allen Kategorien mehr konsumieren und dabei trotzdem eine höhere Lebenserwartung haben. Wenn man die These vom zu teuren und dabei nicht genug effizienten Gesundheitssystem entkräften möchte, dann muss man das halt auch irgendwie glaubhaft untermauern und nicht einfach wild was in die Gegend behaupten.

    • @Nick riviera:

      Ich habe das Verhältnis Lebenserwartung / Kosten im internationalen Vergleich kürzlich bei einem Fachvortrag von Prof. Knichwitz auch gehört. Das ist eher unbestritten. Liegt´s am Gesundheitssystem? Das Gesundheitssystem wird von der Gesellschaft hervorgebracht und wirkt dann zurück. Wir sind Spitzenreiter im Alkoholkonsum/Kopf + wir haben z.B. keine nennenswerte Gesundheitsbildung in den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen, Prävention und funktionale Gesundheit haben in den 66 Vorschlägen einen schweren Stand, obwohl rationale Prävention gesünder ist und Kosten spart . So hängt das zusammen. Das geht aber über Generationen, ich kenne ältere Menschen, die Bier und Zigaretten für gesund halten, weil das früher mal Lehrmeinung des Hausarztes war. Wenn ein Gesundheitswesen den Auftrag hat auf die Gesellschaft einzuwirken und dabei nicht effektiv liegt´s nicht nur am Gesundheitswesen, die führenden Funktionäre äußern sich schon deutlich. Es ist aber nicht jede/r eine Nightingale, ein Virchow, ein Biesalski, ein Pettenkofer oder ein Pirogow...

  • Man kann das ja nachlesen bei :



    www.bundesgesundhe...richt_20260330.pdf

    Das Einsparpotential pro Versicherter/Jahr:



    z.B.



    Streichung der vollen Tarifrefinanzierung in der medizinischen



    Behandlungspflege und Vorsorge/Rehabilitation ca. 8€



    Hautkrebsfrüherkennung : 2€



    Die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie soll eingeschränkt werden. Dadurch sollen 5 Mio€ / Jahr = 10 Eurocent / Versicherten gespart werden. "Es sind positive Effekte auf die Qualität der Versorgung zu erwarten, da die Regelung Leistungen betrifft, die klinisch nicht indiziert sind." " Klinisch indiziert" heißt: Ausgaben sind erst sinnvoll, wenn der Mensch darniederliegt (gr. klinien=liegen), also schon krank ist.



    Die Kinderärzte sollen auch weniger bekommen.

    Die beitragsfreie Mitversicherung des Ehepartners soll 4 Mrd. einsparen , das ist bei 50 Mio Versicherten ca. 80 € / Jahr. Das ist nicht einmal ökonomisch okay.

    Fazit : Es wird heute gespart, an dem was morgen gebraucht wird.

    Der Bericht hat 483 Seiten. Wer hat die Zeit, Konsequenzen zu erschließen ?

  • Wieso sollte sich aus heiteren Himmel, die Politik vom aussitzen und in die nächste Legislaturperiode zu verschieben sich irgendetwas ändern, so sieht die Politik aus wie sie seit 30 Jahren praktiziert wird, eine Politik nach dem Motto, den letzten beißen die Hunde. Das ist die selbe Politik die uns genau an dem Punkt gebracht hat, wo wir heute sind. Die jetzigen Änderungen im Gesundheitssystem entsprechen wieder dem besagten Pflaster was man seit 30 Jahren immer wieder in allen Bereichen erlebt, also business as usual! Wieso wird z.b. die private Krankenversicherung und die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) nicht einfach abgeschafft? Das schlimmste das sind die Krankenkassen in ihren Glaspaläste, die das Geld nur von A den Beitragszahler nach B ins System Überweisen, ohne die Heilungsprozesse und die ärztlische Qualität der Behandlung von den Beitragszahler zu kontrollieren. Die ganzen Pharmafirmen im Gesundheitswesen sind auch eine ganz eigene Spezies, die eigentlich einen sehr besonderen Umgang und einer genauen Behandlung bedürfen.

    • @taz.manien:

      “Wieso wird z.b. die private Krankenversicherung und die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) nicht einfach abgeschafft?“

      Weil das eben nicht einfach ist. Da gibt es sehr hohe verfassungsrechtliche Hürden.

      Sinnvoll wäre es auch nur in Kombination mit der Abschaffung der privaten Krankenversicherung, da ohne Beitragsbemessungsgrenze das Abwandern freiwillig gesetzlich Versicherter in die private Krankenversicherung deutlich attraktiver würde. Auch eine solche Abschaffung der PKV ist ganz sicher nicht einfach.

      • @Nick riviera:

        Es gibt noch mindstens zwei andere Gründe als die Beitragsbemessungsgrenze als Besserverdiener freiwillig gesetzlich versichert zu bleiben: 1) die beitragsfreie Mitversicherung der Famliienangehörigen über einen langen Zeitraum. Das soll ja bald anders werden, manche finden´s okay, wir haben verstanden 2) Der Schutz vor jährlichen Beitragserhöhungen im zweistelligen Bereich bei den privaten Krankenversicherungen jenseits der Rückwechselgrenze bei 55 ggf. 66 Jahren.

    • @taz.manien:

      "Das schlimmste das sind die Krankenkassen in ihren Glaspaläste, die das Geld nur von A den Beitragszahler nach B ins System Überweisen, ohne die Heilungsprozesse und die ärztlische Qualität der Behandlung von den Beitragszahler zu kontrollieren."

      Das stimmt nicht ganz:



      Die Versicherten sind über die Sozialwahl an der Aufsicht über die Krankenkassen beteiligt :



      z.B:



      patientenvertretun...a-und-ihre-rechte/



      In



      netzwerk-sozialrec...r-sozialwahl-2023/



      wird das genauer erklärt.



      Das Grundproblem ist die niedrige Wahlbeteiligung der Versicherten, deswegen gibt es bei vielen Krankenkassen nur noch "Friedenswahlen".



      Beitragsbemessungsgrenze : Einkommensteile, die diese Grenze übersteigen, sind beitragsfrei = das Gegenteil von Sozialstaat. Das ist seit dem Evangelium nach Matthäus so : Wer da hat dem wird gegeben, Matthäus wusste was er schrieb, er war im Zivilberuf Zolleinnehmer.



      "Die Private Krankenversicherung gehört abgeschafft" : Das werden Sie nicht schaffen, sie ist ein Lizenz zum Gelddrucken ohne Wechselmöglichkeit der Versicherten.

  • Alle Versicherungen (Kranken, Renten, Pflege, und Arbeitslosen) sollten sich selber tragen. Der Staat sollte alle Versicherungsfremden Leistungen übernehmen und dann haben die Versicherungen sich zu 100% selber zu tragen. Wenn das Geld nicht reicht werden Leistungen gekürzt oder Beiträge erhöht. Darüber stimmen dann alle Versicherten ab. Dann kann der Staat Versicherungen nicht mehr für populistische Projekte missbrauchen und Rentenerhöhungen, etc. liegen in der Hand der Beitragszahler. Dann schafft man noch den Taschenspielertrick des Arbeitgebernanteils ab. Der Staat konentriert sich dann auf seine Kernaufgaben.

    • @Machiavelli:

      Nur, dass die Kostenstruktur von Kranken- und Pflegeversicherungen nicht der einfachen Logik von Leistungsumfang und Beiträgen folgt. wer stimmt denn zB über die Preise von Medikamenten ab? Oder über die Honorare von Ärzten und Krankenhäusern?

    • @Machiavelli:

      "Darüber stimmen dann alle Versicherten ab." Kennen Sie die Wahlbeteiligung der Versicherten bei den Sozialwahlen ?

      • @Hans - Friedrich Bär:

        Die müsste dann steigen.

        • @Machiavelli:

          Habe ich in der Antwort an "rero" beantwortet.

      • @Hans - Friedrich Bär:

        Dann wird die Wahlbeteiligung sprunghaft steigen.

        • @rero:

          Ich verstehe: Sie meinen, dass die Wahlteiligung nach der Reform sprunghaft steigen wird. Ich meine, dass es eine Reform im Sinn der Wahlberechtigten nur mit einer höheren Wahlbeteiligung der Wahlberechtigten geben wird.



          Die Wahlbeteiligun ist deswegen so niedrig:



          weil die meisten Wahlberechtigten nicht wissen welchen Effekt sie wählen,



          weil die Wahlperiode mit 6 Jahren zu lange ist um sich an die letzte Wahl zu erinnern und



          keine bekanten Personen, sondern nur ebenfalls weitgehend unbekannte (Funktionärs)Listen kandidieren.



          Es ist, kurz zusammengefast zu kompliziert für die meisten Wahlberechtigten.



          Es gab 2023 eine große Kampagne zu wählen, das nützte aber nichts, da die Gewählten während der (vorherigen) Wahlperiode dem Wähler nicht aktiv präsent waren (sind), auch wenn etliche Sitzungen/ Sitzungsergebnisse öffentlich sind.



          Deswegen stimmt die o.g. Formulierung vom "Glaspalast". Die dorthin gewählten Versicherten sind zu inaktiv sobald sie ihren Sitz errungen haben.

          • @Hans - Friedrich Bär:

            Eben.

            Sobald es in den Wahlen um die Prioritätensetzung der Krankenkassen geht, werden die Leute nach 1- 2 Wahlen es begriffen haben.

            Ich kann nicht beurteilen, ob Macchiavellis Vorschlag nicht noch irgendeinen Pferdefuß hat.

            Aber die geringe Wahlbeteiligung kann sich ändern, sobald die Leute verstehen, dass es wichtig ist.

            • @rero:

              Bei den Wahlen geht es schon immer um die Prioritätensetzung der Krankenkassen dadurch, dass die gewählten Vertreter der Versicherten einer Krankenkasse z.B. in den Gemeinsamen Bundesausschuss (Ärzte - Krankenkassen) entsendet werden und dort z.B. die Budgets der Kassenärzte, Richtlinien für Arzneimittel etc. festlegen. Das verstehen die meisten Versicherten aber nicht auf den ersten Blick. Würde ich auch sagen , dass die Wahlbeteiligung besser wird, wenn die Versicherten verstehen, dass es darum geht.

  • "... gerechter zu verteilen" ist nicht Sinn und Zweck dieser Übung!



    Es ist einfach eine weitere Runde in der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach ganz oben.



    Dieser Aufgabe haben sich diese Bundesregierung und alle ihre Minister als Erfüllungsgehilfen des Kapitals (in diesem Teilbereich z.B. die Besitzer der Pharmaindustrie) nun mal verschrieben; dafür werden sie persönlich fürstlich entlohnt.



    Das ist alles, worum es hier geht - Gesundheit spielt keine Rolle!

    • @Tiene Wiecherts:

      >Es ist einfach eine weitere Runde in der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach ganz oben.<

      Unten/oben/Mitte

      unten - Bürgergeldempfänger - muss irgendwie von irgendwem bezahlt werden.

      Oben - cdu/spd-Klientel - will nicht bezahlen.

      Also bleibt nur die HAM - hart arbeitende Mitte - die bezahlen muss weil sonst niemand bezahlen will und die HAM keine Lobby hat.

      Es ist Umverteilung von der HAM nach Unten.

    • @Tiene Wiecherts:

      Besser kann man es nicht sagen !

    • @Tiene Wiecherts:

      ""... gerechter zu verteilen" ist nicht Sinn und Zweck dieser Übung!"

      Es war nie Sinn und Zweck irgend einer Regierung irgendetwas gerecht zu verteilen. Das ist doch genau der Grund wieso wir in dieser Misere stecken, die fehlende faire und gerechte Verteilung von Vermögen und staatlicher Belastungen!

  • 12 Milliarden müssten für die Bürgergeldempfänger*innen seitens des Bundes in die GKV eingezahlt werden. Warum geschieht das nicht? Es ist eine Gesamtaufgabe und eben KEINE Aufgabe der Versicherten dieses Geld aufzubringen.

    • @Pico :

      Weil sie leider im Staatshaushalt kein Geld dafür (eingeplant) haben. Deshalb setzen sie nur um, was unsere Haushaltskassen belastet. Ob wir dafür Geld haben oder nicht, ist dabei irrelevant.

      • @Nick riviera:

        Was Klingbeil macht, wird böse enden, denn es läuft eine Klage gegen die Unterfinanzierung.

        • @Emsch:

          Ist doch perfekt für die SPD wir wollten ja noch so viel gutes Tun aber die bösen Bürgergeldempfänger und die bösen Krankenkassen...

    • @Pico :

      Das erklären Sie mal Herrn Klingbeil.

  • So ist das mit dem Einfluss der Lobbys und der entsprechenden Kampagnen gegen den Sozialstaat. Man stelle sich mal vor die " Regierenden" würden mal konsequent gegen Steuerhinterziehung vorgehen. Es gibt keinen mehrheitsfähigen politischen Willen bzgl. einer gerechteren Steuer- und Verteilungspolitik. Dafür wollen sich viel zuviele der einflussreichen Herrschaften weiter bereichern.

  • Viel gespart würde schon, wenn die Krankheitskosten der Bürgergeldempfänger, hiervon nach meiner Kenntnis 47 % ohne deutschen Pass, von uns allen über Steuern bezahlt würde und nicht alleinig durch die Mitglieder der gesetzlichen Kassen. Die Regierung bedient sich hier schamlos bei den gesetzlich Versicherten.



    Beamte und privat Versicherte lachen sich einen.

    • @Filou:

      Da haben Sie ja wunderbar den Focus Artikel wieder gegeben! Wo wollen Sie denn die 12 Milliarden denn her Zaubern ohne denen die Krankenversicherungen zu entziehen, was rechtlich nicht geht weil eine Versicherungspflicht existiert. Beim Focus Artikel wäre die Lösung alle in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen zu lassen, viel Spaß dabei das wird schon seit 30 Jahren versucht, und Steuererhöhungen ist in den Augen der Union Teufelszeug! Also nochmals wo wollen Sie realistisch die 12 Milliarden her holen!

      • @taz.manien:

        Entschuldigung, aber bei Geld, das bereits regelmäßig gezahlt wird, ist "das Geld gibt es gar nicht, wo wollen Sie das herzaubern" ein sehr seltsames Argument. Der Unterschied ist nur, wer die Zeche zahlt - die gesetzlich Versicherten oder alle Steuerzahler.

        Ich habe da eine klare Präferenz.

      • @taz.manien:

        Das ist das Problem der Bundesregierung, aber doch nicht der gesetzlich Versicherten.



        Ungerechter wie um Moment geht es wohl nicht mehr.



        Sollen doch auch die Beamten und die Privatversicherten einen Obulus für die Krankheitskosten der Bürgergeldempfänger entrichten.

      • @taz.manien:

        Deutschland hat die Ausgaben für Subventionen in den letzten 10 Jahren um 40 Milliarden erhöht,( dafür ist Geld da) würde man davon 50 % in das Krankensystem umleiten wären alle Probleme gelöst. Nur ist es hier halt auch wie bei den Steuereinnahmen, es gibt keine Summe/Grenze wo gesagt wird : mit diesem Geld reichen wir. Was da ist wird ausgegeben +X.

    • @Filou:

      So ist es.



      Und beinahe hätten sie, fast unbemerkt, sich eine satte "Gehaltserhöhung", beim Kanzler so "lächerliche 62.500 € / Jahr", genehmigt. Das wird nichts werden mit dieser Regierung. Schlimm ist, dass viele ihr Kreuz stattdessen bei der AfD machen.



      Aber kann's eigentlich noch schlimmer werden?

      • @Pico :

        Es wird Zeit, dass die Bundes- und Landesregierungen endlich aufhören die Beamten zu pampern. Die Beamten waren die ersten, die nach den 1000,--€ Energiebonus schreien, wie soll das bezahlt werden ? Die Krankheitskosten der Bürgergeldempfänger sollen aber weiterhin nur die geserzlich Versicherten bezahlen. Gerecht ist anders.

      • @Pico :

        Letzteres frage ich mich auch. Und zwar von Tag zu Tag mehr...



        Wenns nicht so endgültig sein könnte: Was kann die blaue Truppe eigentlich noch verschlimmern? Hat das alles noch Sinn, wenn uns die Regierenden ja ohnehin den Bach runterschicken wollen?

  • Entscheidend ist leider in Deutschland immer wer die Lobby hat. Auf jeden Fall die Pharmaindustrie und die Chefärzte in der Krankenhausindustrie incl. Ärztebund. Ohne Lobby schultern die Bürger natürlich wieder den Hauptlast der Kosteneinsparungen. Und bei der Reform des Rentenversicherungssystem wehrt sich die Lobby der Politiker und Beamten vehement gegen jede Streichung in ihrem Pensionsparadies. Wie grotesk das staatliche Selbstversorgungssystem aus dem Ruder gelaufen ist, zeigt die Posse um Innenminister Dobrindt,CSU der Kanzler Friedrich Merz, CDU fast eine Gehaltserhöhung von 65.000 € pro Jahr genehmigt hätte. Die Rentenkommission der Bundesregierung prüft ja jetzt den Vorschlag auch Politiker und neue Beamte in die Rentenversicherung einzubeziehen.Wird aber auch höchste Zeit. Das ganze Pensionssystem muß im Jahr der Reformen 2026 mit auf den Prüfstand.

  • Und der Tanz um das goldene Pharmaindustriekalb inklusive Pharmaaktien geht weiter...

  • Ich würde auch die Honorare für niedergelassene Ärzte hinterfragen wollen, sowie das Apotheken-Privileg,

    • @Samvim:

      Wenn die Gehälter für MFA um 5% steigen, die Arzthonorare aber nur um 1,8% können sie sich ausrechnen, wie lange das funktioniert.

    • @Samvim:

      Wenn Sie wollen, dass KEIN niedergelassener Arzt mehr einen Nachfolger findet (es sind jetzt Schon erschreckend Viele) und die Notfallapotheke künftig in der nächsten Großstadt sitzt und man da die halbe Nacht vor Schlange steht...



      Kennen Sie die betriebswirtschaftliche Kalkulation einer jeden Land- oder Augenarztpraxis oder auch einer Kleinstadtapotheke (im Unterschied zu zu einer Centerlage oder einer Netzapotheke)? Nein?



      Nun, die meisten von denen, die diese Honorare zu "hinterfragen" hätten, leider auch nicht. Letztlich wird da Gießkannen-Planwirtschaft betrieben. Und die führt halt dazu, dass langfristig die beplanten Leistungen nur noch von einem kleinen Teil Idealisten aus purem Verantwortungsgefühl heraus und einem großen Teil Schlaufüchse erbracht werden, die vielleicht nicht mehr so genau wissen, wie man einem Patienten richtig hilft, aber umso besser sagen können, mit welchen Tricks sie ihn am umsatzstärsten behandeln können. Das System wird dadurch natürlich auch nach der fünfzehnten Sparrunde ganz erstaunlicherweise wieder nur teurer...

      • @Normalo:

        Nunja, so eine Radiologie-Praxis macht laut aktuellen Zahlen 1,2 Mio Reingewinn im Jahr. Im Wesentlichen auf Kosten der Beitragszahler. Bei Zahnärzten geht es Richtung 300k, etc. Und der Sinn unserer Apotheken war es mal, die Medikamente herzustellen. Diese Zeiten sind aber lange vorbei, heute sind sie eine Doppelstruktur um die Verschreibungen der Ärzte zu kontrollieren. Kann man sich alles leisten wenn zu viel Geld da ist

        • @Samvim:

          Das ist genau das Problem, die Verteilung von dem Kuchen der aus der Beitragszahlung der Versicherten entsteht! Die Kassenärztliche Vereinigung sollte man das Privileg entziehen das Geld falsch unter den Medizinern sprich Ihren eigenen Klientel zu verteilen! Ein Apparate Mediziner bekommt das größte Stück vom Kuchen während Kinderärzte wortwörtlich am Hungertuch nagen!

          • @taz.manien:

            Auch Kinderärzte gehen im Schnitt beim Reinertrag Richtung 300k. Das Hungertuch ist also sehr solide

          • @taz.manien:

            Sie glaube doch nich tetwa, bei den KVen sitzen irgendwelche kleinen Fürsten, die jedes Quartal einen Sack Geld auf den Tisch geknallt bekommen und den dann nach Guitdünken verteilen, oder? Da gelten strikte Schlüssel, die ihnen das Gesetz und der Gemeinsame Bundesausschuss ( de.wikipedia.org/w...er_Bundesausschuss ) vorgeben. Sie führen zwar auch Verhandlungen mit den Kassen, aber die Grenzen, in denen sie da eigene Positionen aufbauen können, sind eng. Ihre öffentliche Rolle als "Feind der Effizienz im Gesundheitswesen" geht auf Karl Lauterbach zurück, aber den störte eigentlich nur, dass die Kassenärzte überhaupt mitreden dürfen, wenn es um ihre Arbeitsverhältnisse geht.

            Das eigentliche Problem heißt "Planwirtschaft". Das ist gerade der niedergelassene Bereich des Gesundheitswesens nämlich: Die Vergütungsmodelle sind auf recht stereotypen wirschaftlichen Annahmen aufgebaut, "wie so eine Praxis läuft" und was sie abwirft. Dass die selten mit der Realität übereinstimmen, und die Praxisinhaber ihrerseits nichts unversucht lassen, um das darauf basierte Vergütungszielschießen ins Leere laufen zu lassen, ist irgendwie jedemal abseh- aber leider nicht planbar...

        • @Samvim:

          Wo haben Sie die Zahlen denn her?



          Meinen Sie Reinertrag? Wieviel Steuern, Vorsorge und Betriebskosten gehen davon denn noch ab? Und sind die 6-stelligen Kredite für den Kassensitz und/oder die 2 Millionen Euro, die das MRT-Gerät kostet schon mit einberechnet? Plus Anschaffung eines Röntgengerätes und mindestens eines Ultraschallgerätes natürlich.

          • @Nick riviera:

            Die Zahlen kommen u.a. vom stat. Bundesamt. Und sie haben recht, es ist der Reinertrag gemeint, also Gewinn vor Steuer. Die Abzahlung der teuren Maschinen ist da schon mit drin.

        • @Samvim:

          Und wie repräsentativ sind die millionenschweren Radiologiepraxen (Spoiler: es sind knapp 1800 von ca. 60-70.000 Facharztpraxen)? Wissen Sie, wie hoch das Investionsvolumen ist, um so eine "Maschinenpraxis" zu betreiben (ein MRT kostet z. B. eine runde Million)? Womit verdienen die Zahnärzte ihr Geld? Ein Großteil ihrer Leistungen wird allenfalls teilweise von den Kassen bezahlt.

          Weiterhin arbeiten Kassenärzte im Schnitt(!) etwa 53 Stunden pro Woche und haben eine der schwersten und langwierigsten Ausbildungen, bis man sie tatsächlich auf Patienten loslässt. Dass die auch irgendwann mal was verdienen wollen, halte ich für verständlich. Früher gab es mal eine Altersbeschränkung auf 70 Lenze. Die ist heute Geschichte, weil deutlich weniger junge Ärzte sich das antun wollen als gebraucht würden.



          Apotheken sind heute einerseits Garanten für die kurzfristige Verfügbarkeit von Arzneimitteln - DocM... liefert nicht am selben Tag und macht auch keine Notdienste. Außerdem können Sie Sich ja mal fragen, ob es so vernünftig wäre, neben dem ewig wachsenden Wissen, das die (immer älteren) Ärzte als Mediziner im Kopf haben müssen, sie noch die Pharmazie komplett abdecken zu lassen.

          • @Normalo:

            Ich bin ganz bei Ihnen, was Ausbildung, Verantwortung und Arbeitszeit der Ärzte angeht, und sie dürfen und sollen deshalb auch deutlich mehr verdienen als der Durchschnittsbürger. Aber ein Reinertrag des Radiologen (Gewinn vor Steuer, da sind die Maschinen schon bezahlt) von 1,2 Mio auf im wesentlichen Beitragszahlerkosten darf man schon diskutieren. Und auch die anderen Ärzte gehen monatlich mit einem 5-stelligen Nettogehalt nach Hause (die Ausnahme sind Psychologen).



            Und Apotheken stammen aus einer Zeit, als das Rezept des Arztes noch eines war und der Apotheker das Medikament selbst herstellte. Heute greift er ins Regal und nimmt die Packung raus, das kann jeder Supermarkt.

            • @Samvim:

              "Ich bin ganz bei Ihnen, was Ausbildung, Verantwortung und Arbeitszeit der Ärzte angeht, und sie dürfen..."

              ...vor allem WÄHLEN, ob sie den Job "niedergelassener Arzt", noch dazu als Praxisinhaber, überhaupt ergreifen wollen. Und das tun jetzt schon deutlich zu wenige.

              Das war mein Punkt, als ich auf Arbeitszeiten und Ausbildung hinwies: Deutsche Mediziner sind viel zu gefragt, als dass sie sich den ganzen Sermon anhören müssen, der in "Sollen ruhig mehr verdienen, ABER..." nach dem "aber" kommt. Die sagen dazu "Dann steck Dir halt Dein patronisierendes Gesabbel sonstwohin und mach Deinen Kassensch... ohne mich!", eröffnen eine Privatpraxis, die in Teilzeit mehr abwirft als der volle Kassenarztsitz (geht, wenn man nicht so geräteintensiv arbeitet), oder gehen ins Ausland, ins Krankenhaus oder machen was Nichtärztliches in der freien Wirtschaft. SO sieht der Wettbewerb aus, in dem die Kassen künfitg eigentlich deutlich BESSER konkurrieren müssten. Den besiegt man nicht mit oktroyierten Preis-Leistungs-Vorstellungen (oder missgünstigem Scheren der gesamten Ärzteschaft über den Kamm der weit überragenden Umsatzkönige unter ihnen).

            • @Samvim:

              Ich wage zu bezweifeln, dass so viele niedergelassene Ärzte mit einem fünfstelligen "Gehalt" nachhause gehen, nicht zuletzt weil sie gar keine Gehaltsempfänger sind sondern auf eigene Kosten und eigenes Risiko arbeiten. Das wird von denen, die gerne den richtigen "Tariflohn" festlegen würden, gern übersehen. Auch kommt mir auch beim fünften Lesen dieser hohe Reinertrag spanisch vor. Da müssten ja mehrere Millionen Umsatz hinterstecken, ich würde aber eher denken dass der im Schnitt unter 2 Mio. liegt. Davon ab ist die reine Gerätenedizin eher ein Exot unter den Niedergelassenen.



              Das "Früher mal"-Argument bei Apotheken zählt nicht. Früher bestanden auch die Ausgaben der Kassen zu 90% aus Krankengeld, und das Wissen um die paar Wirkstoffe, die es in seinem Bereich gab, konnte jeder Arzt im Kopf behalten. Heute reicht das Rezept in vielen, nicht in allen Fällen nicht aus, um sagen zu können, welches Präparat das richtige ist, und allein die Bevorratung kostet hunderttausende. Den Personalaufwand allein für den Rezeptbereich könnte kein Supermarkt stemmen (wenn er daneben noch Supermarkt sein wollte), und bei Ihrer Einschätzung vom Wert einer pharmazeutischen Beratung schaudert's mir.

              • @Normalo:

                "Ich wage zu bezweifeln, dass so viele niedergelassene Ärzte mit einem fünfstelligen "Gehalt" nachhause gehen..."

                Genaueres steht hier :



                www.kbv.de/infothe...hgruppe-und-region

                Die Balken der Graphik beziehen sich m.E. auf ein Quuartal, also auf ein Vierteljahr.

                " Aus dem Honorarumsatz sind durch den Praxisinhaber/die Einrichtung alle Betriebsausgaben (wie Strom, Wasser, Miete, Personalkosten etc.) zu begleichen. Erst der nach Abzug dieser Aufwendungen vorhandene Betrag ist das Bruttoeinkommen des Arztes. Aus diesem sind dann noch Kranken- und Pflegeversicherung, die Altersvorsorge und Steuern zu begleichen."

              • @Normalo:

                Die Zahlen hat u.a. das Bundesamt für Statistik. Der Durchschnittsumsatz einer Radiologie-Praxis liegt übrigens bei 3,3 Mio. Und tatsächlich erwarte ich, dass der Arzt weiß, was für ein Medikament er mir verschreibt und welche Neben- und Wechselwirkungen bestehen (grade bei dem Einkommen). Die Apotheken sind hier nur zweite Kontrollinstanz. Sehen die selbst auch so

            • @Samvim:

              "Heute greift er ins Regal und nimmt die Packung raus, das kann jeder Supermarkt." Stimmt für Pflaster und Verbandstaschen. Bei Prohormonen aus der Drogerie, z.B. D3 wird´s anspruchsvoller , da braucht der Supermarkt eine Verkaufsschulung der Mitrbeiter bei der IHK, den "Kräuterschein":

              Für den Verkauf von freiverkäuflichen Arzneimitteln (sogenannte OTC-Produkte oder „Over-the-Counter“) außerhalb von Apotheken – etwa in Drogerien, Supermärkten oder Reformhäusern – ist in Deutschland laut § 50 Arzneimittelgesetz (AMG) ein Sachkundenachweis erforderlich. Dieser wird umgangssprachlich oft als „Kräuterschein“ bezeichnet

  • Die arbeitende Bevölkerung und die Rentner sind an ihrer Belastungsgrenze angelangt.

    Daraus ergeben sich logischerweise folgende Möglichkeiten :

    1.An der Kostenseite arbeiten

    2.Der Staat der je Grundsicherungsempfänger lediglich pro Person 140€/Monat einzahlt, diese jedoch realen durchschnittlichen Kosten von 550€ im Monat gegenüberstehen muss auch handeln.

    3.Mehr Menschen dazu bewegen wieder zu arbeiten

    4.Prüfen und neu überdenken welche Leistungen wir an Menschen im Ausland noch erbringen wollen

    • @Sole Mio:

      Leistungen an Menschen im Ausland???

      • @portolkyz:

        Ja, die gibt es. Kann man nachlesen.

  • Sehe ich genauso -- es ist meiner Meinung nach an der Zeit für einen großen Umbau, nicht für kleine Herumzappeleien und minimale Änderungen.

  • "CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken meint es ernst mit ihren Vorschlägen. Doch die reichen nicht aus, um die Kosten der Krankenkassen gerechter zu verteilen." Ums "gerechter verteilen" ging's ja auch nie, nur ums sparen.

  • Leider erwähnt der Artikel nicht das größte Problem der GKV, die



    Kosten versicherungsfremder Leistungen, die den Versicherten



    statt dem Steuerzahler aufgebrummt werden, zB die Unterdeckung der Krankenversicherten Bürgergeldempfänger. Die Abwehrhaltung des Bundesfinanzministers mit der Begründung „ Linke Tasche, rechte Tasche“ ist doch grotesk daneben, den die Linke Tasche



    Sind die Versicherten der GKV, die Rechte Tasche alle Steuerzahler



    und damit würden die Kosten einen ganz anderen Kreis von Zahlern treffen.

    • @behr Behr:

      Sehr gut erkannt.



      Die Gesundheitskosten müssten von der Allgemeinheit und nicht nur von den gesetzlich Versicherten getragen werden. Dies würde den GKV 10-13 Mrd € ersparen. Auch würden dann auch Beamte, privat Versicherte an den Kosten beteiligt.

  • Eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze um 300€ ist, wenn man ehrlich ist, ein Witz. Ein paar Großverdiener:innen zahlen jetzt (sofern sie nicht privat versichert sind) also 40€ mehr im Monat. Bzw. 20€ mehr, der Rest geht auf die Firma.

    Die Zuzahlungen gelten für alle, ab dem ersten Euro, mit ein paar Ausnahmen. CDU macht sozusagen SPD-Politik (genauer gesagt: SPD-Realpolitik) und wird dann auch dort landen, wo die SPD jetzt steht.

    • @derzwerg:

      Es gibt da gewisse verfassungsrechtliche Grenzen, weil es eben bei aller Einkommensgebundenheit ein Versicherungsbeitrag ist, der in irgendeinem Verhältnis zum versicherten Risiko stehen muss. Das Risiko lässt sich ganz gut beziffern - es liegt bei etwa 550 € Kopf pro Monat, Höchstbeitrag bei etwa 1.260 €. Rechnet man hinzu, dass auf einen Beitragszahler knapp 1,3 Versicherte kommen, liegt der Höchstbetrag also bei etwa dem doppelten des durchnittlich (mit)versicherten Risikos, während es für den Einzelnen schon an den Faktor 2,5 heranreicht. Das dürfte die Grenze dessen sein, was man an (zwangs-)solidarischer Überbeteiligung verlangen kann. Mehr müsste dann schon in Form von Steuern erbracht werden.

    • @derzwerg:

      Man darfs aber auch nicht uebertreiben. Irgendwann wirds mir auch zu bloed und ich gehe als freiwillig gesetzlich Versicherter zu den Privaten. Dort bekomme ich bei geringeren Kosten deutlich bessere Versorgung - und nein, ich bin nicht 20, 30 oder 40.



      Unabhaengig davon muessen versicherungsfremde Leistung in den Haushalt, damit sich auch die Privatversicherten daran beteiligen. Und damit meine die Kosten fuer alle Nichteinzahler, also nicht nur Arbeitslose, sondern auch Kinder.