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Buckelwal in der OstseeDer übergriffige Mensch

Kommentar von

Gunnar Hinck

Penetrant wird dem Wal hinterhergestiegen. Wenn es um Empathie für leidende Tiere geht, wäre ein Besuch in einem Schlachthof empfehlenswerter.

Empathie für leidende Tiere endet im Schlachthof: Dort fragt niemand „Wie geht es Friederike, der Kuh?“ Foto: Norman Krauß/picture alliance

W ie geht es Timmy?, fragen die TV-Morgenmagazine seit Tagen und schalten live an die Ostseeküste. Er atme, zeige aber ansonsten wenig Reaktionen, sagt im Ton einer Notärztin der Humanmedizin die Greenpeace-Expertin. Schwerins SPD-Umweltminister Till Backhaus verkündet großzügig, dass man den Buckelwal – dem irgendeiner einen Namen gab, damit es mit der Emotionalisierung auch ganz bestimmt klappt – jetzt in Ruhe lasse, damit „er Kraft tankt“.

Am „Wal-Drama“ lässt sich das übergriffige Wesen des Menschen gegenüber Tieren eindrucksvoll studieren: Der Mensch weiß angeblich am besten, was für ein (Säuge)-Tier gut ist, das keinem gehört, sondern in der Natur lebt. Ein kranker Wal liegt auf einer Sandbank, dann kommen selbsternannte menschliche Retter mit Helfersyndrom mit einem Bagger an, um ihm den Weg in die Freiheit zu ebnen. Eine Nacht später liegt der Wal wieder auf einer Sandbank. Kann es sein, dass sich der kranke Wal zum Sterben zurückzieht – und mit einem offensichtlich nicht mehr funktionierenden Navigationssystem ohnehin keine Überlebenschance hat? Oder, abstrakter formuliert, ist es nicht einfach der Kreislauf der Natur? Gestorben wird in der Tierwelt ständig, ohne dass der Mensch Notiz davon nimmt.

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Apropos Sterben: Wenn der Mensch seine Empathie für Tiere trainieren möchte, sei ihm der Besuch deutscher Schlachthöfe empfohlen, wo täglich knapp 2 Millionen Hühner, Puten und anderes Federvieh, 120.000 Schweine und 8.000 Rinder getötet werden. Der Anblick weit aufgerissener, angsterfüllter Kuhaugen beim Hineintreiben in die Schlachthalle oder die Schmerzensschreie der Schweine beim „Entblutungsstich“, wenn das mit der Betäubung mal wieder nicht geklappt hat, dürften auch dem vernageltsten Menschen klarmachen, dass Tiere fühlende Lebewesen sind. Auch Live-Schalten aus einem Schlachthof fürs Morgenmagazin hätten einen heilsamen pädagogischen Effekt, dann aber bitte mit der Moderatorenfrage: Wie geht es Friederike, der Kuh?

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es irrtümlich, Schweine würden mit einem Bolzenschuss getötet, dies ist aber eine – bei Schweinen grundsätzlich verbotene – Betäubungsart. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

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ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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56 Kommentare

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  • Was ich bisher noch nicht gelesen habe ist, der Wal ist allein, er tritt durch sein Schicksal aus der Masse seiner Spezies und wird zum Individuum. Das trifft durchaus gelegentlich auch auf Nutztiere zu, gerade ein paar Kühe haben dahingehend Schlagzeilen gemacht. Allerdings scheinen das weniger Menschen zu bemerken, daher auch weniger Aufhebens.



    Und natürlich ist es deutlich schwieriger, einem Individuum gleichgültig bis grausam zu begegnen, als einer anonymen Masse und Menschen sind da generell schon gern mal hilfsbereit.



    Dazu ist so ein Wal unbenommen auch eine ganze Menge Fleisch am Stück, das ist so schon mal schwer zu ignorieren. Das gibt im Fall seines Todes in den flachen Gewässern schon auch Probleme, die Hilfsbereitschaft ist also nicht ausschließlich altruistisch.

  • danke danke danke für diesen Beitrag. Lasst das arme Viech in Ruhe. Und esst kein Fleisch.

  • Danke für den Kommentar. Das waren exakt auch meine ersten Gedanken, als ich das erste Mal von der Walgeschichte im Radio hörte.

  • Sorry, noch vor wenigen Jahren waren es gefeierte Helden der Grünen, als man Wale gerettet hat, Greenpeace und WWF waren Vorbilder. Jetzt haben sie erreicht, dass es Mainstream ist - jetzt ist auch nicht richtig!

    Oder ist das Feindbild BILD das Problem, die unterstützen etwas, also ist es schlecht!

  • Der Bolzenschuss ist die Betäubung. Wenn er nicht richtig sitzt, schreien die Tiere, weil sie bei Bewusstsein sind. Das als Argument gegen die Hilfe für einen Wal zu verwenden, ist ein klassischer Whataboutism. Das Leid der Nutztiere wird dadurch nicht kleiner, und dem Wal hilft es auch nicht. Man kann beides ernst nehmen, ohne das eine gegen das andere auszuspielen.

    Wenn wir erst alle Probleme lösen müssen, bevor wir einem Wal helfen dürfen, können wir die Menschheit direkt abmelden.

    • @Falanyel:

      Aber wer bitte legt denn fest, dass der Wal überhaupt Hilfe gebraucht hätte?!

  • Mir gefällt der Artikel leider nicht, obwohl er richtige Dinge aufgreift.

    Der Wal war beeinträchtigt durch Netze und Leinen, und er hat sich festgeschwommen. Ich finde es absolut angebracht, dem Tier in der Situation erstmal Hilfe zukommen zu lassen. Zumal niemand hellsehen kann, ob es ein Unfall war, dass er gestrandet ist, oder ob er wirklich schon seinen Platz zum Sterben gesucht hat. Wie überall in der Fürsorge für Kranke Wesen ist man hinterher, wenn man den Verlauf gesehen hat, klüger, und dann kommen gerne die Kritiker aus den Löchern und haben es von Anfang an besser gewusst. Aber der Weg entsteht immer erst beim Gehen unter den Füßen.

    Den Kommentar von Angela Schulz finde ich sehr zutreffend und beachtenswert.

    Und natürlich ist die Massentierhaltung eine nicht hinnehmbare Katastrophe, trotzdem kann man den Wal und die Massentierhaltung nicht gegeneinander ausspielen.

    Ich wünsche dem Wal seinen Weg in Frieden. Hoffentlich hat er verstanden, dass es die verrückten kleinen Zweibeiner in seinem Falle gut mit ihm gemeint haben.

  • Ein Walforscher hat in der FAZ ausgeführt, dass es für ihn ein typisches Verhalten von Tieren sei, die sterben wollen, was ich für durchaus plausibel halte.



    Zudem befremdet die Aufmerksamkeit für das Naturphänomen des Sterbens, wenn vergleichbare Empathie für das menschliche Elend wie wintertote Obdachlose bzw. deren Unterbringungszustände in "Verfügungswohnungen" etc. oder die Zustände in diversen "Verwahrungseinrichtungen", ganz zu schweigen von den Umständen unter denen Flüchtende leiden müssen und sterben, beinahe schon als zwar bedauernswert aber vermeintlich alltäglich hingenommen werden.



    Da stellt sich schon die Frage, wo/wie wir die Würde von Leben und ihren Grenzen wahrnehmen

    • @Ein Unterfranke:

      Die FAZ hat irgendeinen Walforscher rausgepickt, der unter den Kollegen mehr oder weniger unbeliebt ist.

      Die Taktik der konservativen FAZ: Einen Walforscher suchen, der nicht den Menschen für die Strandung verantwortlich macht.

      Denn seien wir mal ehrlich: Schiffsmotoren stören die Orientierung. Wir Menschen haben El Nino verstärkt und demzufolge gibt es mehr Strandungen. Wikipedia nennt auch "toxische Kontaminationen", und es gibt nur ein Lebewesen, welches die Meere kontaminiert.

      In der jetzigen, autoritären Welt, in den späten 2020er-Jahren, soll der Mensch nicht mehr Schuld an klimatischen Veränderungen sein.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Nach meinem Wissensstand ist Peter Teglberg Madsen von der Universität Aarhus ein durchaus ernstzubehmender Wissenschaftler, egal wie man zur FAZ stehen mag. Und natürlich mögen die auch von Menschen verursachten Lebensbedingungen für Buckelwale nicht ideal sein, aber das ändert nichts an der Tatsache warum man ein offensichtlich krankes Tier nicht einfach "in Ruhe" sterben lässt? Für die diversen fehlgeschlagenen Rettungsversuche muss es ja Gründe geben, ganz zu schweigen, dass sie für extrem lärmempfindliche Tiere wie Wale eine zusätzliche evtl. unnötige zusätzliche Belastung darstellen

  • Den Walrettern pauschal Übergriffigkeit vorzuwerfen, geht vermutlich zu weit. Aber mit seiner Frage nach Friederike, der Kuh, hat der Autor einen Punkt, finde ich. Denn die kriegt, anders als Timmy, keine mehrtägige Berichterstattung in der BILD.

    • @Jochen Laun:

      Was hatte denn das jetzt mit der Bildzeitung zutun? Das ist doch in diesem Fall sinnlose Polemik. Der Wahl bekommt seit Tagen Sendezeit (in Ton und Bewegtbild) in den Hauptnachrichten des ÖRR. Und auch hier in der Taz wird darüber berichtet und, siehe unten, ausführlich debattiert.

      • @Vigoleis:

        Die vergibt Walnamen und hat seit Tagen einen Liveticker.

        • @Momo33:

          Was dann aber auch nur die Schwundstufe eines grassierenden Anthropomorphismus ist, der die gesamte Debatte beherrscht. Als wüsste tatsächlich jemand, was das Tier „will“. Eigentlich warten alle darauf, dass der Wal endlich, umgeben und angeleitet von den Booten der WaPo, des Küstenschutzes und der „Tierschützer“, vulgo: Experten den Großen Belt ansteuert, ein letztes Mal zum Abschied und Dank (nicht metaphorisch gemeint) mit der Fluke winkt und frohen Herzens Richtung Skaggerak abdüst.

      • @Vigoleis:

        Korrektur: Wer den Wal hat, hat die Qual.

  • Großstadtmenschkommentar den ich nicht wirklich ernst nehmen kann. Der Mensch ist verpflichtet, die von Menschen verursachten schlechten Zustände in der Natur zu korrigieren.

    Gilt auch für den Beistand kranker Tiere in der Natur, deren Leid eben meistens nicht durch die Gesetze der Natur sondern durch Menschen verursacht wurden. Das vom Autor bevorzugte Prinzip des "Kreislauf der Natur" greift hier also nicht.

    Hier an der Küste in Nordnorwegen, wächst man quasi mit Walen auf und jedes Kind hier weiß, daß Unterwasserlärm eine der Hauptursachen dafür ist das Wale die Orientierung verlieren und auch stranden. Ein weiterer Punkt ist die Meeresverschmutzung, betrifft allerdings mehr die Nahrungsaufnahme als die Orientierungsfähigkeit und natürlich Geisternetze die für Wale oftmals lebensbedrohlich sind, wenn sie sich in ihnen verfangen oder sie gar verschlucken.

    Menschlich verursachtes Leid an der Tierwelt haben wir hier seit ewigen Zeiten schon zu lindern versucht und von Robben über Seeadler bis zum Rentier im Laufe der Jahrzehnte an unserem kleinen Küstenstreifen gesundgepflegt. Das schließt nicht aus sich für das Wohl von Nutztieren in der Massentierhaltung einzusetzen.

    • @Sam Spade:

      Nun, es gibt auch Wale die sterben eines natürliches Todes aufgrund ihres Alters. Vermutlich wird sich ein Veterinär des Kadavers annehmen und einen Bericht schreiben. Wir dürfen gespannt sein.

    • @Sam Spade:

      Da fällt mir doch gleich Freya ein. In Norweger gibt's nur Schafe, jedes wilde Tier ist eine Katastrophe und jeder männliche friluftlivfan meint, er müsse ein Gewehr dabei haben oder wenigstens ein Messer. Und was alles in die Fjorde gekippt wird und wie Abwasser geregelt ist, sieht man zum Glück nicht, alles unter der Wasseroberfläche.



      Hier ist jetzt Osterputz am Bootshafen, die Ölschlieren nehmen zu.

      • @Momo33:

        Abgesehen davon das es friluftsliv heisst und der Begriff auf Ibsen zurückgeht, verstehe ich nicht so ganz, was diese Ausführungen mit dem Thema und mit meinem Kommentar zu tun haben, ausser vielleicht ihre eigenen Vorurteile zu pflegen.

  • ich kenne mich mit Walen überhaupt nicht aus, aber ich fand die Bilder des gestrandeten Tiers, das von Booten voller "Retter" umkreist wurde beklemmend, und es stellte sich mir die Frage nach der Sinnhaftigkeit - vor allem, weil der Wal nicht nur einmal strandete.



    Ich finde auch den Verweis auf den Umgang mit Nutztieren legitim, bei denen es den meisten Menschen ziemlich egal ist, wie sie leben, bis sie auf dem Teller (oder im Müll) landen.

    Ich frage mich jedoch, wie eine Alternative aussieht? Wie würde eine Gesellschaft, die tierische Einzelindividuen benamt und intensiv medial begleitet, verkraften, wenn man einen Wal unmittelbar vor der Küste einfach sterben lässt? Würde sie eine solche Entscheidung des letztendlich zuständigen Ministers tolerieren, oder würde sich der Volkszorn breitmachen wie sonst nur bei den Spritpreisen?

    es ist doch so, dass wir einzelne Exemplare, die in den medialen Fokus gerieten, überindividualisieren bis zur Vermenschlichung, damit uns die anderen Expemplare. ob in der Massentierhaltung oder in ihrem natürlichen Habitat von der menschlichen Gier bedroht, vergessen können, damit uns bloß nichts in unserem gewohnten Lebensstil inkommodiert.

  • Der Kommentar geht davon aus, dass diejenigen die jetzt den Wal bemitleiden, exakt diejenigen sind, denen das Tierleid in Schlachthöfen egal ist. Das ist eine starke Annahme.

    Generell ist das ein Kommentar von und für die Medienblase. Wie für die meisten emotionalen Aufreger-Themen gilt: Höchstens 50% der Bevölkerung haben davon etwas mitbekommen. Und davon ist den meisten das Thema egal.

    • @Chris McZott:

      Naja, sowohl Medienblase als auch Fleischtheke richten sich nach dem Geschmack des Publikums, nicht zu 100%, klar, aber es gibt durchaus Überlappung

      • @derzwerg:

        Klar gibt es ein Publikum für solche Meldungen. Aber das ist meiner Meinung nach nicht groß genug um daraus Schlussfolgerungen über den Zustand der Gesellschaft zu ziehen.

  • Der nächste "Wildtier"-Hype folgt doch schon: "Wolf greift Frau mitten in der Hamburger Innenstadt an" (Stern). Diesmal kein verirrter Wal, sondern ein verirrter Wolf, - in einen Laden gelaufen, wo jemand versuchte, das panische Tier wieder aus der Tür zu scheuchen. Wer griff hier wen an? Und wo sind wohl diesmal die Sympathien?



    Wildtiere, ob schwimmend, laufend, fliegend, brauchen Lebensräume. Und sichere Wege dazwischen, um von A nach B zu kommen. Leider will unsere Art immer noch mehr und alles ausschließlich für sich und seine Haus- und Nutztiere. Das Artensterben geht weiter.



    Der Wal in der Ostsee zeigt in der Tat des Menschen Übergriffigkeit: In ein Fischernetz verheddert, vom Lärm menschlicher Tätigkeit im Meer beeinträchtigt, in der Ostsee gestrandet, die durch die Klimakatastrophe von Todeszonen durchzogen und viel zu salzarm ist. Demnächst vielleicht noch ölverpestet.



    Dass wir sie nicht quälen, um sie zu essen, bedeutet nicht, dass es Wildtieren besser geht.

  • Was für ein seltsamer Kommentar.

    Na klar, der Wal legt sich auf eine Sandbank um zu sterben und wird von den bösen Menschen mit Helfer-Syndrom am sterben gehindert. Welch Arroganz gegenüber den Menschen, die im Gegensatz zum Autoren den Hintern hochbewegen, um einem Exemplar einer gefährdeten Tierart, das sich ganz offensichtlich in viel zu flache Gewässer verirrt hat, eine Chance zum überleben zu geben. Man könnte sich die Frage stellen, welche Ursachen die immer häufigeren Walstrandungen haben. Ist natürlich alles Gruppen-Suizid.

    Dass unser Fleischkonsum und das dahinterstehende System problematisch sind, widerspricht überhaupt nicht dem Fakt, dass unsere Meere überfischt, überbenutzt, zu laut und verdreckt. Bei Walen zählt übrigens jedes Exemplar.

    Ich habe das Gefühl, der Autor wollte einfach seine moralische Überlegenheit ausdrücken. Herzlichen Glückwunsch.

    • @Turban:

      Der Autor betrachtet das Ganze aus Tierschutzsicht, Sie aus Artenschutzsicht. Da können Sie nicht zusammenkommen.

    • @Turban:

      Naja, eine gewisse Doppelmoral ist hier definitiv zu erkennen, in diesem Punkt stimme ich dem Autoren zu. Die Schlussfolgerung, dass der Wahl emotionalisiert werde, stimmt auch zu einem gewissen Anteil (siehe z.B. die Bild-Berichterstattung). Die Helfer, wie z.B. die Greenpeace-Expertin, anzugehen, finde ich allerdings nicht in Ordnung. Ich hoffe, der Autor reflektiert sich in diesem Punkt.

  • Wie geht es Friederike, der Kuh?



    Wie soll es einem Wesen schon gehen, dass hochgezüchtet und ausgemolken als Wurst auf irgendeinem Teller landet oder dessen Haut später als schicker Schuh oder Aktentasche dient. Einfach nur besch ... eiden!

  • manchmal wird hier so ein hanebüchener Unsinn geschrieben, ja es gibt eine Ambivalenz des Menschen gegenüber Nutztieren und Haustieren ect., das wars aber auch schon und wenn man das schon beleuchten möchte geht das doch bitte etwas differenzierter und weniger plakativ, es ist nämlich ein Komplexes Thema. Ich habe keine Zweifel daran, das Tiere Gefühle haben und gerade Kühe sind sehr intelligente und gutmütige Tiere und mir ans Herz gewachsen (hatten selbst Kühe). Und trotzdem esse ich gern mal ein Steak. Nicht jeder Widerspruch muss aufgelöst werden. Die Fähigkeit zu verdrängen ist eben eine sehr wichtige und überlebenssichernde Eigenschaft des Menschen - ohne könnten wir solche Ambivalenzen überhaupt nicht aushalten, könnten kein Eis genießen im Sommer da andere Menschen nicht mal genug Grundnahrungsmittel haben ect. Und auch ich als Fleischesser bin für eine nachhaltigere Ernährung und Landwirtschaft, aber dieses Schwarz - Weiß Denken blockiert eher das Menschen sich offen darüber austauschen und nachdenken, es produziert eher Kultur- und Grabenkämpfe. So schmiedet man keine Mehrheiten für irgendwas. Einfach zu behaupten der Wal wollte sterben, starkes Stück. lecko mio

    • @Edgar Endmann:

      „Es ist nämlich ein Komplexes Thema.“ Inzwischen ist ja alles ein komplexes Thema, ob Maduro entführt wird, ob Friederike ohne Betäubung in die Bolzenschussanlage gezerrt wird. E-Autos, Frauenrechte, Wärmepumpen, alles so furchtbar komplex, wo sind die einfachen Wahrheiten geblieben

    • @Edgar Endmann:

      Da schließ ich mich komplett an. Bin kein Fleischesser und trotzdem von solchen schiefen Vergleichen genervt.



      Ich finds auch völlig vermessen, mit unfundierten Spekulationen ("Kann es sein, dass sich der kranke Wal zum Sterben zurückzieht – und mit einem offensichtlich nicht mehr funktionierenden Navigationssystem ohnehin keine Überlebenschance hat?") zu arbeiten und gleichzeitig Helfern "Übergriffigkeit" zu attestieren.

  • Was hier verkauft wird ist nicht Tierliebe, sondern Hoffnung. Das muss man dabei bedenken. Die Menschen fiebern nicht in das Leben des Wales, sie sind einfach nur geil auf ein Happy End. Und das am Ende weil ihnen klar ist, wie kaputt unsere Welt ist. Daher klammern sie sich in den Medien an alle Storys, wo es um Hoffnung geht - egal ob ein Wal, ein verschwundenes Kind oder was auch immer.



    Im Schlachthof gibt es keine Hoffnung, daher ist das Interesse daran gering.



    Hoffnung ist wichtig für den Menschen. Es treibt ihn an und hindert ihn daran den Verstand zu verlieren. Darum verfolgen die Menschen Storys, wo sie hoffen können und ignorieren Umstände, an denen sie glauben nichts ändern zu können. Das ist alles, was dahinter steckt. Hat überhaupt nichts mit Doppelmoral zu tun, sondern ist ein normaler psychischer Prozess.

    • @Angela Schulz:

      Danke für diese weise Einschätzung!

  • Das stimmt wieder ein Mal nur, bei sehr oberflächlicher Betrachtung. Ob die Schaulustigen, die dort stehen, ehrlich anteilnehmen oder einfach nur gaffen wollen - wie bei einem Autounfall, kann doch gar nicht gesagt werden.



    Und wie groß das Interesse in der Gesellschaft ist, kann man auch nicht sagen. Das Thema wird durch die Medien hoch gepuscht ohne Ende. Und wie viele von den wirklich Interessierten bereits vegan leben, ist auch nicht bekannt.



    Im Übrigen: bei irgendwelchen war das Interesse und Entsetzen ähnlich groß.

    Und was das Thema für die Menschen interessant macht, ist einfach die Ausdauer des Tieres, was Tage kämpft. Das geht wohl mit einer gewissen Bewunderung einer. In Australien sind tausende Meerestiere nach dem Sturm an Land gespült, ein großes Korallenriff scheint kaputt zu sein - aber das ist passiert, man kann nichts machen. Der Wal gibt den Menschen Hoffnung. Er steht als Sinnbild dafür, dass man was machen kann, wenn es ausweglos erscheint. Hoffnung ist das, was die Menschen stets antreibt - auch wenn sie sinnlos ist.

    Die Hoffnung, dass die Menschen zur Besinnung kommen und mit Umwelt und Mitgeschöpfen anständig umgehen ist hingegen bereits gestorben

  • Eine große Ambivalenz, manche Tiere werden verhätschelt und dienen als Kindersatz, andere werden gnadenlos in Massen geschlachtet und zu Wurst verarbeitet.



    Der Mensch hat große Macht, es fehlt ihm aber offensichtlich an der Verantwortung und Reife, diese ethisch einwandfrei zu nutzen.



    Ist dabei jeder Konflikt aufzulösen? Tiere wie den Wal sich selbst überlassen, kein Eingriff in Mutter Natur? Keine Hunde und Katzen mehr? Vielleicht sollte man auch mit dem Mensch nicht zu streng ins Gericht gehen, auch wenn natürlich die industrielle Ausbeutung von Tieren so nicht geht.

  • Was ist die Quintessenz?

    Tiere sind egal, also behandelt den Wal wie jedes Tier und mach Schnitzel draus?

    Das wäre doch ein Moment um empathisch die Welle von Mitgefühl zu nutzen und nicht den Vorschlaghammer auszupacken.

    Wer sich etwas mit der Thematik auseinandersetzt ( und das setze ich bei einem derartigen Artikel voraus)

    Diese „Ecke“ vom Meer ist eine halbe Sackgasse wegen zu niedrigem Wasser für diese gigantischen Tiere . Der Wal sollte gar nicht in die Nähe dieser Inseln kommen.

    Man vermutet das das us daran liegt, dass ältere Leittiere weggejagt wurden und daher das Training bei den Jungen fehlt. Bei der Lebensdauer von Walen ist das jetzt noch relevant.

    Die Navigation ist nicht kaputt. Er braucht aber eine entsprechende Tiefe um navigieren zu können weil er via Echo navigiert, und die hat das Meer da schlicht nicht ! Daher ist er dort quasi blind unterwegs. Er hat nicht die Sandbank gesehen und sich gedacht: super ich setze wieder auf !

    Daher ist es fraglich ob der Wal sterben wollte…. Das es im zwischenzeitlich echt mies ging, das ist ein anderes Blatt. Aber die Aktion war kaum ein suizidversuch

    Und und und

  • >täglich knapp 2 Millionen Hühner, Puten und anderes Federvieh, 120.000 Schweine und 8.000 Rinder getötet werden. Das mal 5 Werktage. Soviel kann man in Deutschland gar nicht essen! Logischerweise ist Massen-tierhaltung reine Profitsache.

  • Yep.!!







    Da "erbarmt" sich die halbe Welt eines Wals, der wahrscheinlich einfach nur sterben will, während gleichzeitig die Walfangflotten in Norwegen und Japan, Jagd auf gesunde Tiere machen.



    Und nach der medialen "Tierliebe" knallt man sich dann das Stück Fleisch von anderen geschundenen Tieren auf den Teller.







    Die industrialisierte Menschheit hat sich in ihrer *abgehobenen Bullerbümentalität* offenbar soweit von ihren eigentlichen Lebensgrundlagen entfernt, daß sie diese ungeheuerliche Heuchelei auch noch als großen Verdienst an der Tierwelt ansieht.







    Aber wer sollte es ihr verdenken, wenn täglich eine ganze Gehirnwäscheindustrie an ihr herumwerkelt, um immer noch mehr Wirtschaft(-swachstum) und Konsum, als allein glücklich machendes Geheimrezept verkauft..







    Insofern läßt diese Story tief blicken..und steht geradezu symbolisch für den Umgang des entfremdeten Menschen mit der Natur und dem Leben schlechthin.







    Und da nimmt es dann auch nicht wunder, wenn die so eingelullten Massen, um jeden Preis an ihrer gewohnten Traumwelt festhalten- und nicht mehr erkennen wollen, daß auch die fossilen Energien (inklusive Verbrenner, Gasheizungen, etc.), längst im sterben begriffen sind.

  • Zuallererst stimme ich dem Autor absolut zu. Kaum zu ertragen, diese scheinheilige Tierliebe. Kleine Korrektur und Ergänzung zu den Schweinen. Diese werden in Schlachthöfen nicht mit dem Bolzenschuss betäubt. Dies erfolgt durch Kohlendioxidatmosphäre oder Elektrobetäubung. Ersteres geht mit aversiven Reaktionen einher, erkennbar an Lautäußerungen aufgrund Kohlendioxidbildung und ggf. auch Erstickungsangst. Bei letzterem wird häufig eine schlechte Betäubungsqualität in Kauf genommen für eine vermeintlich bessere Fleischqualität (hochfrequente Stromspannung statt 50 Hz). Dann kommt noch das Problem mit dem noch nicht eingetretenen Tod bevor es in die Brühanlage geht. Zu allem gibt es wissenschaftliche Paper, also keine Spinnerei von einem weitestgehend vegan lebenden.

  • Es ist keine Doppelmoral, die Herr Hinck in seinem Kommentar suggeriert, sondern Hilfe für ein verletztes Tier, dass man auch nicht gegen das abzulehnende Tierleid in Ställen und Schlachthöfen ausspielen braucht.



    Wenn ich mich nicht ganz irre, hatte sich der Wal zuerst in einem Netz verfangen, nicht zuletzt deshalb die Orientierung verloren und man hat ihn daraufhin (weitgehend) aus dem Netz befreit. Danach hat man versucht ihn aus dem Flachwasser der Ostsee Richtung Nordsee zu 'bewegen', und m.E. ist deshalb auch diese Aktion völlig nachvollziehbar.

  • Danke für den ehrlichen und treffenden Kommentar.

  • "Gestorben wird in der Tierwelt ständig, ohne dass der Mensch Notiz davon nimmt."



    Der Vergleich hinkt gewaltig, aber trotzdem ist die Schlussfolgerung zutreffend und auch der Inhalt der Beobachtung einer Diskussion wert.



    Wer jemals einen Begleiter als Haustier verloren hat, der mehr Empathie empfand als die meisten Menschen, weiß wovon die Rede ist. Hier kristallisiert sich beim Wal seine Funktion als Signal und Fanal heraus, final vielleicht fatal.



    Es kommen Menschen ins Machen, nachdem sie ins Nachdenken kamen.



    Das ist die eigentliche "Funktion" dieses Schicksals, womöglich der aktuellste Präzedenzfall eines Menetekels.



    Für alle, die es aushalten, gibt es bewegende Bilder aus Schlachthäusern.



    Ein Lied reicht auch:



    youtu.be/WtcWick5i...s=UYZJ5XckEGnWro-C



    Der Titel als Motto: Erbarme dich!



    Es wird keine Katharsis geben, aber vielleicht mehr Teilnehmende bei den NGOs.

  • Die heutigen Verbraucher haben keine Ahnung wie es auf einem landwirtschaftlichen Betrieb wirklich aussieht und natürlich nicht wie auf einem Schlachthof. Interessiert die überhaupt nicht. Einfachste Kochkenntnisse fehlen, es gibt ja Fertigessen in jedem Supermarkt, haufenweise Dönerbuden und Lieferdienste. Der Zug ist einfach abgefahren. Katzenvideos, Videos von irgendwelchen putzigen Tieren im Zoo und natürlich Walbilder werden in Massen konsumiert. Je dem neusten Trend wird penetrant hinterhergejagt, die Menschen verblöden komplett.

    • @KLaus Hartmann:

      Jede gute alte Zeit war mal ne schlechte neue Zeit!

    • @KLaus Hartmann:

      "Videos von irgendwelchen putzigen Tieren im Zoo..."



      Wirklich?



      Nicht nur...



      Das Giraffen-Fohlen Marius



      "Dass die Empörung international war, hat wohl damit zu tun, dass der Kopenhagener Zoo Giraffe Marius vor Kindern und TV-Kameras zerlegte. Ärgert Sie das?



      Ich hätte die Giraffe nicht vor dem Publikum zerlegt. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man die Natur zeigen soll, so wie sie ist. Und in der Wildnis werden täglich Tiere gerissen. Ich denke, dass diese momentane Empörung eher ein gesellschaftliches Problem ist: Wir entfernen uns immer mehr von der Natur. Die Kinder glauben ja, das Fleisch käme aus der Migros. Es ist wichtig, dass man naturnah aufklärt, Tiere dürfen aber nicht leiden"



      Bei Watson.ch



      /



      "Nach der Tötung von zwölf Pavianen im Tiergarten Nürnberg erhält der Direktor Morddrohungen. Zehn Fälle hat der Zoo inzwischen angezeigt, hunderte Fälle liegen zur Prüfung bei der Polizei. Der Tiergarten geht auf WDR-Anfrage davon aus, dass noch die ganze Woche Proteste vor seinen Toren stattfinden. Die (nicht ganz neue) Debatte ist aufgeheizt. Doch warum töten Zoos überhaupt gesunde Tiere?"



      Quelle wdr.de 2025



      Zoo und Zirkus spalten die Zivilgesellschaft zunehmend mehr.

      • @Martin Rees:

        Wahrscheinlich nur die Zivilgesellschaft. Der überwiegende Teil der Bevölkerung hat wenig Probleme mit Zoo und Zirkus.

    • @KLaus Hartmann:

      O tempora, o mores.

    • @KLaus Hartmann:

      Etwas weniger herablassend wäre besser.

      Und warum glauben Sie eigentlich, dass Sie so viel schlauer sind als der Durchschnittsverbraucher?

      • @pumble:

        Ich bin in der Landwirtschaft und Fleischwirtschaft zu Hause. Und erlebe täglich, wie wenig sich die meisten Menschen für das Thema ernsthaft interessieren. Die meisten Menschen sind weit, weit weg vom Ort des Geschehens.

        • @KLaus Hartmann:

          Das was Sie sagen ist vollkommen richtig, nur ist es nicht von alleine dazu gekommen. Hier kommen zwei Sachen zusammen, Lebensmittel sind ein Milliarden Geschäft und unsere Bevölkerung ist so überversorgt das sie den Wert von Lebensmittel nicht mehr schätzen.



          Immer mehr, immer größere Spieler wollen ihre nicht Landwirtschaftlichen Produkte verkaufen und dazu müssen sie die traditionellen Lebensmittel vom Markt verdrängen. Da jetzt aber diese Produkte weder besser noch gesünder sind als bisherigen muss man diesen ein möglichst schlechtes Image verpassen. Jetzt sind wir wieder da was Sie sagen, da ja wirklich der größte Teil der Bevölkerung null Bezug zur Landwirtschaft hat ist sie halt leicht zu manipulieren.

      • @pumble:

        Ich nehme mal an, dass Klaus Hartmann mit den "heutigen Verbrauchern" nicht alle meint, aber ich nehme auch an, es betrifft die absolute Mehrheit.



        Deren Credo bezüglich Schlauheit heißt nun mal "Unterm Strich komm ich, Ich bin doch nicht blöd, Geiz ist geil, Ich will alles, und zwar sofort und umsonst, und es sollen erst mal die anderen...".



        Und wenn Rücksicht, Respekt, Menschlichkeit, Weitblick und andere Relikte aus der Vergangenheit als dumm gelten, bin ich eben lieber dumm.

        • @Erfahrungssammler:

          " und wenn Rücksicht, Respekt, Menschlichkeit, Weitblick und andere Relikte aus der Vergangenheit als dumm gelten, bin ich eben lieber dumm. "

          Schließe mich gerne an!



          Der Gesamtzustand von Welt und Gesellschaft ist nur noch traurig, aber alles kein Grund, solche wie die genannten Werte zu verlassen.

      • @pumble:

        Evtl. Hirnsuppe. Scherz. Im Guten gemeint. Quasi satirisch. Nicht böse gemeint. Zur Klarstellung: ich selbst bin nicht schlauer als alle anderen.