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Streit um Rente mit 63 Passgenauer Populismus

Kommentar von

Gunnar Hinck

Plötzlich wollen prominente Teile von CDU und SPD die abschlagsfreie Rente erhalten. Doch von ihr profitieren nicht die, die es eher nötig hätten.

D ie Debatte um die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren, die inzwischen eine Rente mit 64,5 ist, bekommt eine ungeahnte Dynamik. Den Beginn machten in der vergangenen Woche die fünf ostdeutschen MinisterpräsidentInnen. Ein äußerst seltener Vorgang: Von Schwerins SPD-Regierungschefin Manuela Schwesig bis zu ihrem CDU-Kollegen Michael Kretschmer in Dresden rückten alle fünf vom geplanten Ende der abschlagsfreien Rente ab, was die Rentenkommission im Frühsommer empfahl und die Bundesregierung auch umsetzen will.

Dass Schwesig mit ihrem Hang zum passgenauen Populismus und Opportunismus – als Russlandverbindungen noch okay waren, boxte sie ihre Gas-Stiftung durch, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ließ sie Ukrainefahnen hissen – jetzt damit um die Ecke kommt, war zu erwarten. Im September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Man tritt der Ministerpräsidentin nicht zu nahe mit der Vermutung, dass sie sich für das Thema Rente öffentlich eher weniger interessieren würde, wenn gerade keine Wahlen bevorstünden.

Und natürlich spielte sie die ostdeutsche Karte: In der DDR habe man früher angefangen zu arbeiten, deshalb gebiete es der „Respekt vor der Lebensleistung“, dass die Rente mit 63 erhalten bleibt. Was zu der Frage führt, wie lange eigentlich noch, 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, der Faktor „Ost“ bei sozialpolitischen Themen eine besondere Rolle spielen soll. Diejenigen, die heute in Rente gehen, sind in den frühen sechziger Jahre geboren und haben damit den größten Teil ihres Berufslebens in der Bundesrepublik zugebracht.

Von der Rente profitieren nicht die, die man meinte. Es ist nicht der penetrant zitierte Dachdecker

Nach den Wortmeldungen der drei CDU-Regierungschefs Mario Voigt, Sven Schulze und Kretschmer wurde es richtig bizarr: SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas, die tapfer immer von einem „Gesamtkunstwerk“ sprach, aus dem man nicht wieder einzelne Teile herausnehmen dürfe, erklärte listig: Die CDU müsse ihre Position in der Frage jetzt mal klären. Und, reichlich nonchalant: „Die SPD wird sicherlich nicht dagegen sein.“ Als ob es um irgendeine Terminfrage ginge und nicht um eine wichtige politische Entscheidung, hinter die sie sich lange gestellt hatte. Politische Führung sieht anders aus.

Warum wird die vorgezogene Rente plötzlich wieder in die politische Arena gezerrt? Wie wohl keine andere sozialpolitische Leistung ist sie zu einem emotional aufgeladenen Gerechtigkeitssymbol geworden. Und die meisten Menschen werden eines Tages in Rente gehen und von ihr leben müssen.

2014 als Wahlversprechen der SPD in der damaligen Großen Koalition umgesetzt, gab es damals wohl keinen SPD-Politiker, der nicht mit bebender Stimme von der „Lebensleistung der Menschen“ sprach, die „anerkannt“ werden müsse. Federführend damals dabei: die damalige Sozialministerin Andrea Nahles. Nur: Die gesetzliche Rente kennt nicht den diffusen Begriff „Lebensleistung“ (abgesehen davon, dass auch Hausmänner und -frauen, Lebenskünstler oder Langzeitarbeitslose etwas in ihrem Leben leisten oder geleistet haben).

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Die Rentenformel kennt unter anderem die Faktoren Entgeltpunkte – die sich aus dem Gesamteinkommen während des Berufslebens ergeben – und Rentenwert, also wie viel Euro sie bedeuten. Dazu kommt das Renteneintrittsalter, das gerade bei etwas über 66 Jahren liegt. Der Faktor Beitragsjahre spielt für sich genommen keine Rolle. Die Rente nach 45 Jahren passt also nicht ins System – und privilegiert eine bestimmte Gruppe. Es sind, wie die Rentenkommission schreibt, „Besserverdienende, Gesündere und Männer“ – und damit solche mit geradlinigen Berufsbiografien.

Altersarmut ist das eigentliche Problem

Von der Rente profitieren nicht die, die man meinte. Es ist eben nicht der damals von Andrea Nahles penetrant zitierte Dachdecker (der es kaum noch schafft, mit 60 noch aufs Dach zu steigen). Das räumt inzwischen sogar die SPD-Linke Annika Klose ein, die in der Kommission saß. Das bedeutet mit anderen Worten: Die Rente mit 63 müssen die anderen BeitragszahlerInnen mitfinanzieren, von der sie selbst nicht profitieren.

Schon 2014 sagte Ulrich Schneider, als Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes lange Jahre so etwas wie das soziale Gewissen der Republik: „Die Rente mit 63 … stellt eine Lösung dar, für die es überhaupt kein Problem gibt. Weder vermag sie die Härten auszugleichen bei der Rente mit 67 – wenn es nämlich jemand nicht schafft bis 67, weil er gesundheitlich nicht mehr mitmacht –, noch wird irgendwie das Problem der auf uns zukommenden Altersarmut behandelt.“

Genau so ist es: Die Hauptaufgabe ist es, eine faire und auskömmliche Rente für alle zu garantieren – und die Altersarmut zu bekämpfen. Von der sind Langzeitarbeitslose, Hilfs- und GelegenheitsarbeiterInnen und Alleinerziehende am meisten betroffen. Die jetzige Debatte ist völlig unnötig und lenkt von den eigentlichen Problemen ab.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gunnar Hinck

ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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74 Kommentare

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  • Hans - Friedrich Bär

    Den penetrant zitierten Dachdecker hat Andrea Nahles karrierebedingt nämlich selbst mit verursacht. Durch ihre Mitwirkung an der ersatzlosen Abschaffung der gesetzlichen Beurufsunfähigkeitsrentenversicherung zum 31.12.2000 im Rahmen der Agenda 2010. Bis dahin war der Dachdecker mit einem Rentenartfaktor von 0,66 in Bezug auf seine zu erwartenden Altersrente versichert. Mit dieser Rente + eine geringfügige oder Teilzeittätigkeit im Baumarktverkauf kam er damals hin, so wurde das in den Sozialdiensten vor 2000 beraten, bei den Rentenversicherungen beantragt und genehmigt. Wer etwas jünger war und beruflich noch etwas Ehrgeiz hatte beantragte eine Umstiegs- / Aufstiegs(nicht wörtlich beim Dachdecker)qualifikation, wenn´s nicht klappte hatte er seine Rente. Man redet u.a. dauernd drüber um abzulenken, weil man weiß, dass man´s war und weil man weiß, dass das mit dem jetzigen System nicht abzusichern ist.

    Wenn die Union nicht versteht, dass 50% derer , denen sie die Rente jetzt kürzen will 50 Jahre Union gewählt haben was versteht sie überhaupt ?

  • Jörg Lodemann

    Wenn ich als MP vorschlage die Regelung zu behalten, muss ich auch sagen wo ich die10 Mrd Kosten p.a. an anderer Stelle einsparen kann. Und dann wird es spannend..

  • moonwatcher

    Danke für die vernünftigen Worte! Die Floskeln der Politiker*innen, die gerade die Rente mit 63 für sich entdeckt haben, sind schwer zu ertragen.

  • Tiene Wiecherts

    Dieses immer wieder zitierte "Gesamtkunstwerk" war schon nach wenigen Tagen keines mehr, denn die darin enthaltene Abschaffung der Minijobs wurde von Söder gestrichen und ist raus.

    • Deep South

      @Tiene Wiecherts:

      Absolut zu Recht und das, obwohl es Söder sehr sicher nicht um diejenigen geht, die es am Meisten trifft. Man will Selbstsändige dazu zwingen, 20% ihres Gewinns in die Rentenkasse einzahlen zu lassen und gleichzeitig Minijobs abschaffen. Das würde den Großteil aller Soloselbständigen im Veranstaltungs- und Kulturbereich und damit auch für viele kleinere Einrichtungen das Aus bedeuten. Kaum jemand kann es sich leisten, Tontechniker, Bühnenbauer, Stage Hands, Rigger, Caterer, etc. auf Vollzeit einzustellen, wenn Veranstaltungen nur am Wochende laufen. Und deshalb arbeiten viele neben ihrer selbständigen Tätigkeit am Wochende, noch in einem Minijob. Ähnlich ist es bei kleinen Gastronomen. Minijobs so pauschal und ausnahmslos zu streichen, würde Zigtausende erstmal zu Aufstockern oder gleich Grundsicherungsbeziehern machen.

      • Hugo

        @Deep South:

        Bis auf nen Bagatellbereich (wasweißich 1500/annum oderso) sind "Minijobs" unfair gegenüber den Festangestellten und eher ne Gewinnmitnahme durch den Lohnzahler. Die Stunde Arbeit incl. Nebenkosten kostet Betrag X und der muß halt auch dem/der Stagehand oder Teilzeitdixitechniker gezahlt werden. Und natürlich auch der sams- und sonntäglichen Bedienung zur Weißwurschdbrotzeit.

        • Deep South

          @Hugo:

          Das kann man so sehen, wenn keine Ahnung von der Realität kleiner Kulturbetriebe, Jugenzentren abseits relevanter staalicher Förderungen hat. Da gibts überhaupt keine "Gewinnmitnahme", sondern bereits jetzt Existenzkampf, Club- und Festivalsterben, ohne Ehrenamt geht jetzt schon kaum noch etwas. Würde diese Einrichtungen/Veranstalter/saisonalen Kleinbetriebe, etc. gezwungen ihre Mitarbeiten fest anzustellen und wie in der Industrie zu bezahlen, würde das Preise einfordern, die die Zielgruppe gar nicht zahlen kann.



          Das sind ganz andere Dinge, als die Minijobber, die von großen, kommerziellen Unternehmen eingestellt werden, um sich vor gerechten Löhnen und Sozialbeiträgen zu drücken. Mir isses absolut schleierhaft, weshalb man diese unterschiedlichen Verhältnisse durch eine völlig unpassende Schablone drücke muss.

  • Ricky-13

    taz: *Plötzlich wollen prominente Teile von CDU und SPD die abschlagsfreie Rente erhalten.*

    Das ist nur eine theatermäßige Inszenierung von einigen aus der CDU und SPD, um ihren Wählern vorzugaukeln, dass sie immer noch ein Herz für das arbeitende Volk haben. Letztendlich werden aber auch diese CDU/SPD-"Volksvertreter" brav sein und wieder alles abnicken was die Regierung (also Friedrich Merz) möchte, denn das sind alles Berufspolitiker, die Angst um ihren schönen und lukrativen "Arbeitsplatz" haben.

  • Christian Lange

    "Die Rente mit 63 … stellt eine Lösung dar, für die es überhaupt kein Problem gibt."



    Wunderbar die "Verarsche" auf den Punkt gebracht.



    Oder im Werbesprech:



    Wenn Wahlen anstehen kann man mit diesem emotionalen Thema den Wähler zwar ganz toll "abholen", aber weiter als bis zur Wahlurne wird man ihn auch nicht bringen wollen ...

  • Malnachdenken

    Wer mit 15 oder 16 angefangen hat, fremdbestimmt zu arbeiten, und nach 45, oft aber auch 47 oder 48 Arbeitsjahren zwei Jahre vorzeitig in Rente geht, ist in aller Regel kein Gutverdienender mit langer Ausbildung. Er kommt allenfalls auf eine halbwegs ordentliche Rente, weil er so lange eingezahlt hat. Manchmal handelt es sich auch um Frauen, die fast durchgängig berufstätig waren und sich keine langen Erziehungspausen leisten konnten. Ich finde es schwer erträglich, wenn so genannte Experten und Journalisten - in aller Regel Akademiker - diesem Personenkreis zum Vorwurf machen, im Alter auch mal ein bisschen selbstbestimmt leben zu wollen. Wirkliche Gutverdiener, soweit rentenversichert, gehen nach 35 Jahren mit 63 in Rente und stecken die Abschläge locker weg. Ich finde es arrogant und überheblich, die bewusst so genannte „Rente mit 63“ (aktuell eine Rente mit 64 und 6 Monaten) abschaffen zu wollen und zu behaupten, ihre Bezieher lägen der Solidargemeinschaft auf der Tasche.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Malnachdenken:

      Seien Sie unbesorgt, ich kenne mich herkunftsmäßig mit Nicht-AkademikerInnen, die mit 16 zu arbeiten angefangen haben, ganz gut aus.



      Freundliche Grüße, Gunnar Hinck

    • Deep South

      @Malnachdenken:

      Absolute Zustimmung. Die geradlinige Berufsbiografie meines Vaters bestand darin, mit Ausbildung vom 16. Lebensjahr bis 63 in einem Handwerksberuf zu arbeiten und dafür die letzten 15 Jahre auch noch täglich insgesamt 200 km Wegstrecke aufsichzunehmen. Und das über viele Jahre zu einem Lohn, der nach heutigem Maßstab unter Mindestlohn lag.



      Solche Behauptungen, wie dass es sich bei Frühverrenteten um Priviligierte handelt, zeigen mir ziemlich deutlich, dass bei Weitem nicht nur die Politik weit weg ist von den Lebensrealtitäten vieler Menschen.

    • V. Ohneland

      @Malnachdenken:

      Schneider hatte Recht: Die Rente mit 63 ist eine Lösung ohne Problem.



      Weil: Wenn man im Alter noch arbeiten kann, sollte man arbeiten.



      Aber vor allem: Wenn man im Alter nicht mehr arbeiten kann, sollte man nicht bitten und betteln müssen um eine auskömmliche Rente.



      Ob man noch arbeiten kann hängt nicht davon ab, wieviele Jahre man schon ins Rentensystem eingezahlt hat.



      Viel wichtiger als diese Diskussion wären zwei andere Aspekte:



      1. Abhängige Arbeit sollte Menschen nicht zurichten und kaputt machen! Die Regierung hingegen diskutiert z.B. ernsthaft sogenannte "Karenztage" und andere Verschärfungen bei Arbeitsunfähigkeit, statt sich für bessere, gesündere Arbeitsbedingungen einzusetzen.



      2. Alte Menschen sollten nicht zu Bittstellerinnen um ihren Lebensunterhalt degradiert werden, und auch nicht zum "Sozialfall" werden weil sie in die Pflegebedürftigkeit rutschen! Stattdessen werden gerade die kleinen und mittleren Rücklagen im Alter aufgebraucht, während die Betuchteren, Gesünderen auf Kreuzfahrt gehen und in zu großen Häusern leben.



      Ihre "Rente mit 63" hilft weder beim einen noch beim anderen, stärkt im Gegenteil eher noch die ungute Erzählung von Arbeit als Zumutung.

    • Sole Mio

      @Malnachdenken:

      Auch ich bin einer derjenigen die mit 16 eine Ausbildung starteten. Durch Eigeninitiative konnte ich mich so weiterentwickeln dass ich mir einen guten Lebensstandard leisten kann. War aber in 90% meiner Jobs weit von einer 40h Woche entfernt. Das Mittel liegt eher bei 60h/Woche wenn man die Zeit im Auto, Bahn und Flugzeug mit dazu zählt.



      Wenn ich also nach dann gut 50 Jahren Einzahlung ins System in Rente gehe, werde ich, wenn man einen Industriejob mit 35h Woche vergleicht, etwa 70% mehr Arbeitszeit geleistet haben als diese. Jedoch nicht 70% mehr verdient haben.

      So geht es vielen, die sich beruflich sehr engagieren sich dann aber auch immer wieder vorhalten lassen müssen, dass man einen Firmenwagen (mit dem man wirklich beruflich reist und nicht nur ins Büro fährt) fahren und auch mal länger in den Urlaub fährt.

      Meine zu erwartende Rente verglichen mit einer Pension eines Beamten mit vergleichbarem Verdienst wird ungefähr 40-50% niedriger ausfallen

      Lebensleistung muss berücksichtigt werden. Bei geringverdienenden bspw durch einen Bonus für jene, die lange eingezahlt haben. Ebenso wie es für Rentner max. ca €3.800€ gibt, muss auch beim Pensionär eines in ähnlicher Höhe her

    • migra

      @Malnachdenken:

      So ist es!



      Ich habe eigentlich 2034 auf die Rente nach 45 Jahren gehofft (werde dann 65). Sollte das nichts werden hole ich mir mehr Freizeit auf anderem Wege.

  • Maira567

    Zwei meiner Angehörigen sind nach ca. 45 Versicherungsjahren in die Altersrente für besonders langjährig bzw. langjährig Versicherte gegangen - beide sind im Alter von ungefähr 17 in den Beruf gestartet, der eine war in verschiedenen Bereichen der Krankenpflege, der andere in mehreren Berufen und zuletzt als Außendienstler tätig. Ich finde, wer dem zunehmendem Druck, der immer stärkeren Arbeitsverdichtung überhaupt 45 Jahre standhält, verdient alle Hochachtung, und ja, wessen Gesundheit das überhaupt mitmacht, der sollte dann auch das Recht haben, nach diesen 45 Versicherungsjahren als 'Eckrentner' abschlagsfrei in Rente zu gehen. Das Modell wird ohnehin in absehbarer Zeit auslaufen.

  • Wolfgang Schorn

    Wer 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, wird nicht von anderen „mitfinanziert“. Sie/Er hat ja eine Anwartschaft erworben oder genauer gesagt, die eigene Rente vorfinanziert.

    Insofern ist es auch kein „Privileg“, für die gezahlten Beiträge eine verlässliche Rente zu bekommen, sondern ein gesetzlich geschützter Anspruch.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Wolfgang Schorn:

      Hallo, das ist so nicht richtig. Wir haben ja ein Umlagesystem - die Beiträge werden sofort in die Auszahlungen für die Rentner umgeleitet. Es ist eben keine Vorfinanzierung. Die Höhe der eigenen Rente hängt stark von den politischen Stellschrauben ab. Und der Faktor "45 Jahre" ist natürlich eine Privilegierung, weil der Rentner/in eigentlich erst mit 66,x Jahren ohne Abschläge in Rente gehen dürfte.



      Viele Grüße, Gunnar Hinck, Autor und Redakteur

      • Sole Mio

        @Gunnar Hinck:

        Wenn Sie es Privileg nennen wollen, dann bitte es als „erarbeitetes Privileg“ bezeichnen.

      • test_name

        @Gunnar Hinck:

        >Wir haben ja ein Umlagesystem<



        .



        Der Fakt:



        36 Jahre durchschnittliche Beitragszeit - 20,5 Jahre durchschnittlicher Rentenbezug.



        .



        Egal wie man es machen will - das kann im Umlagesystem nicht funktionieren.

      • Dr. McSchreck

        @Gunnar Hinck:

        Ich möchte das etwas präzisieren. Wenn man mit 45 Beitrags-Jahren noch nicht das Rentenalter erreicht hat, würde nach der aktuellen Regelung - die abgeschafft werden soll - die Rentenkasse einen Zuschlag leisten, so dass man abschlagsfrei in Rente gehen kann.

        Was ich allerdings nicht verstehe, wieso ausgerechnet in Ostdeutschland dagegen protestiert wird und das - so heute ein Interview - wegen der oft gebrochenen Erwerbsbiografien. Gerade dann hat man ja nicht so leicht die 45 Jahre Beitragszeit und finanziert damit eherr Leute im Westen mit (wenn man diesen Konflikt schon aufmachen will).

      • Life is Life

        @Gunnar Hinck:

        Diejenigen, die die jetzt nach 45 Beitragsjahren mit 65 Jahren in Rente gehen, haben im Umlageverfahren langjährig die Renten der Vorgängergeneration gezahlt, die massenhaft ohne Abschläge mit 58, 60 oder 63 in Rente gegangen ist.



        Als sie mit ihrer Beitragszahlung begannen, lag das gesetzliche Renteneintrittsalster für Frauen bei 60 Jahren. Sie selbst haben also schon mehrfach eine deutliche Steigerung des eigenen Renteneintrittsalters erleben und entsprechend neu planen müssen, während gleichzeitig eine extrem steigende Arbeitsverdichtung das Erwerbsleben total verändert hat.



        Als Privilegierung kann ich das nicht erkennen.

        • Hans - Friedrich Bär

          @Life is Life:

          So ist es.



          Die Übertreibungen der 90er Jahre ( Missbrauch der BU Rentenversicherung als Instrument der Arbeitsmarktpolitik) wurden von den damalig Jungen bezahlt.



          Es sind auch keine "Stellschrauben". Das ist eine Untertreibung.



          Die Berufsunfähigkeitsversicherung in Bezug auf die erlernte oder langjährig ausgeübte Tätigkeit ist für einen handwerklich, gewerblich tätigen Menschen unverzichtbar. Wer 1980 begonnen hat zu arbeiten stand wegen AGENDA 2010 ab 2000 ohne Berufsunfähigkeitsversicherung da und konnte sich altersbedingt nicht mehr leisten dieses Risiko privat zu versichern. Die 58er Regelung nach §428 SGB III, die das mit abgepuffert hat wurde 2007 auch ersatzlos abgeschafft.



          Wer vor 2000 eingezahlt hat, hat andere finanziert und wurde/wird über das getäuscht was er mit seinen Einzahlungen selbst erwarten kann.

          Denn das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes "Generationenvertrag" : Was du für ältere leistest bekommst auch du wenn du älter bist.

        • Deep South

          @Life is Life:

          Genau so ist es!

  • Astrid Sehnefeld

    "Und natürlich spielte sie die ostdeutsche Karte"



    Ich weiß nicht ob es diesen unterschwelligen Tadel braucht.



    Ansonsten trifft es der Artikel sehr genau, dass unser Rentensystem generell falsch aufgestellt ist. Einzelne Stellschrauben zu drehen wird hier nie helfen, egal in welcher Form.



    Dazu noch das horrende Ungleichgewicht mit den Pensionen.



    Auch wahr ist allerdings: wird die Rente mit 63, die gar keine Rente mit 63 ist, abgeschafft, wird die AfD die Mehrheiten stellen in Ostdeutschland.



    Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen - überall liegt die AfD jenseits der 40%.



    Im restlichen Osten sieht's kaum besser aus.



    Länger arbeiten zu müssen ist hier ein Riesenthema. Das die Rente nicht reicht, damit hat man sich abgefunden. Auf dem Land lebt man hier günstig, die Häuser schustern wir seit jeher selbst zusammen. Dank Mangel weiß und wusste der Ossi schon immer zu improvisieren.



    Aber das die Rente die nicht reicht jetzt auch noch später kommen soll, wird wieder als Affront aufgenommenen.



    Alles was aus Berlin kommt und nicht passt ist der böse Westen.



    Das ist dumm und nicht mehr zeitgemäß.



    Trotzdem ist es so.



    Fällt die Rente mit 63 und der Minijob, regiert hier flächendeckend die AfD.

    • Der olle Onn

      @Astrid Sehnefeld:

      "Auch wahr ist allerdings: wird die Rente mit 63, die gar keine Rente mit 63 ist, abgeschafft, wird die AfD die Mehrheiten stellen in Ostdeutschland."



      Es passt mir persönlich überhaupt nicht - aber ich fürchte ich muss Ihnen bezüglich dieser Befürchtung vollumfänglich zustimmen. - Wenn es nicht bereits ausgereicht hat, dass unsere Regierung bei der Strompreissenkung nur die Konzerne im Blick hatte...



      Schleierhaft ist mir dabei vor allem, wie das den Berliner Großkopferten derartig egal sein kann.

      • Astrid Sehnefeld

        @Der olle Onn:

        "Schleierhaft ist mir dabei vor allem, wie das den Berliner Großkopferten derartig egal sein kann."



        Die legen es drauf an. Ich kann es nicht anders sagen.



        Bei Spahn und vllt noch Dobrindt und Söder lässt sich aus meiner Sicht erraten warum, auch vllt bei einem Amthor.



        Aber was Klingbeil, Bas etc dazu treibt - es ist und bleibt mir unbegreiflich.



        Das sind ja alles keine Idioten.



        Entweder macht Macht blind, oder man braucht zur Machterlangung so dermaßen Scheuklappen oder ein gottgleiches Ego oder oder oder🤷



        Irgendwas muss es sein - andererseits, wenn ich da an mein Behördenleben der letzten Jahrzehnte denke, dann wundert mich wenig - Scheuklappen, gottgleiches Ego oder Herrschsucht gehört da zur Kinderstube wenn du über die A11 wachsen willst...

    • nihilist

      @Astrid Sehnefeld:

      Aber was, wenn dann die AfD regiert und die Rente trotzdem nicht früher kommt?

      • Astrid Sehnefeld

        @nihilist:

        Keine Ahnung.



        Ganz ehrlich.



        Ich bin auch alles andere als zuversichtlich, dass sich dieser Zug noch aufhalten lässt...



        Masse ist träge. Bremsen benötigt Zeit.



        Ich glaube das Ding ist durch🤷



        Wir werden es zeitnah sehen.

      • Der olle Onn

        @nihilist:

        ...dann ändert sich jedenfalls nichts mehr an der Zusammensetzung des Landesparlaments - zumindest vorläufig...



        Und dafür kann sich absolut keiner was kaufen.

    • behr Behr

      @Astrid Sehnefeld:

      Dann regiert eben die AFD diesen Kleinstaat mit seinen



      30 % Rentnern u. Sachsen-Anhalt wird „paradiesische Verhältnisse“ erleben - die wenigen verbliebenen



      junge Menschen werden auch noch das Weite suchen.

      • Der olle Onn

        @behr Behr:

        Ach du meine Güte! Die von Ihnen benannten jungen Menschen, die dann angeblich das Weite suchen, wählen überproportional AfD...

      • Astrid Sehnefeld

        @behr Behr:

        Sie meinen diese fünf Bundesländer?



        Die 40% in Sachsen-Anhalt sind ja kein Alleinstellungsmerkmal...



        Schon mal an den Bundesrat gedacht, was da dann los ist...?

        • Tiene Wiecherts

          @Astrid Sehnefeld:

          Die Stimmen im Bundesrat werden nach Einwohnerzahl vergeben, nicht nach Bundesländern!

          • Astrid Sehnefeld

            @Tiene Wiecherts:

            Was soll sich da tun?



            Sachsen-Anhalt und Thüringen können zeitnah unter die 2 Millionen Grenze rutschen, okay - das ist je 1 Stimme weniger im Bundesrat, aber der Grundstock an Stimmen ist gesichert.



            Mecklenburg-Vorpommern ist schon unter 2 Mio, da passiert nix mehr und Sachsen und Brandenburg haben mit 4 und 2,5 Mio noch so weit Futter, dass da auch nix passiert.

            • Tiene Wiecherts

              @Astrid Sehnefeld:

              Darum ging's: "Schon mal an den Bundesrat gedacht, was da dann los ist...?"



              Die Bundesratsvertreter der Ost-Bundesländer sind schlicht zu wenige, um dort messbaren Einfluss zu nehmen und außerdem werden sie von der jeweiligen Parlamentsmehrheit gewählt.



              Die AfD muss also schon mal die absolute Mehrheit (oder genug Deppen bei der CDU finden) erhalten, um max. 7 von 69 Stimmen im Bundesrat zu haben.

              • Astrid Sehnefeld

                @Tiene Wiecherts:

                Das ganz gleiche hat man über die AfD anfangs auch im Parlament gesagt - heute besitzen sie Sperrminoritäten und zwingen die restlichen Parteien zu Bündnissen, die deren endgültigen Niedergang besiegeln - denn das sich die SPD immer öfter als Knecht der Union verdingen musste, damit es noch stabile Mehrheiten gab, tat beiden Parteien nicht gut und wenns jetzt eine Öffnung der Union zur Linken braucht, dann ist das definitiv das letzte Gift auf dem Weg ins Grab.



                Der Bundesrat ist wie das Meer. Wesentlich träger als die Tagespolitik. Dennoch wird auch die AfD im Bundesrat ihre Duftmarken setzen wenn sie erstmal drin ist.



                Schleichendes Gift

          • Der olle Onn

            @Tiene Wiecherts:

            Also alles kein Problem?

    • Thomas Böttcher

      @Astrid Sehnefeld:

      Ich stimme ihnen ja nicht oft zu. Aber hier: Voll auf den Punkt.

  • Altbayer

    Ca. 2018 war Deutschland auf dem drittletzten Platz in der Lohnentwicklung der letzten 20 Jahre (!) - Experten aus anderen Ländern meldeten sich an, um die Expertenriege um Mutti Merkel zu fragen, wie man dies denn schaffe - um dies für das eigene Land zu übernehmen.

  • Altbayer

    Die Rente mit 63 ist nur jetzt so ein großes Thema, da Frauen mit 63 gehen dürfen - Männer mit 67. Wenn man die Frau zum Wählen bekommt, bekommt man auch den Mann zum Wählen.

    Und wenn die SPD nicht endlich einmal wieder beweist, dass es eine Nach-Esken-Ära gibt, war diese Partei wirklich die längste Zeit gewesen.

    Ich bin jetzt noch überzeugt davon, dass Herr Brandt, oder Herr Schmidt, mit der lieben Saskia ordentlichst Schlitten gefahren wären, auch noch die letzte Schlappe als Sieg verkaufen zu wollen!

    • Barbara Falk

      @Altbayer:

      „ Die Rente mit 63 ist nur jetzt so ein großes Thema, da Frauen mit 63 gehen dürfen - Männer mit 67. “



      Das Renteneintrittsalter von Männern und Frauen wurde schon vor über 25 Jahren angeglichen (Rentenreform von 1999).

    • Life is Life

      @Altbayer:

      Frauen dürfen mit 63 gehen? Wo? Wie? Hab´ ich was verpasst?

  • Evi Holtendorp

    Oh heilige Logik!



    "Diejenigen, die heute in Rente gehen, sind in den frühen sechziger Jahre geboren und haben damit den größten Teil ihres Berufslebens in der Bundesrepublik zugebracht." als Argument gegen die Darstellung "In der DDR habe man früher angefangen zu arbeiten, deshalb gebiete es der „Respekt vor der Lebensleistung“, dass die Rente mit 63 erhalten bleibt." zu gebrauchen, wirkt nicht sehr durchdacht.



    (Zur Erklärung, falls wirklich nötig: es geht in Schwesigs Darstellung um den Beginn der Arbeitstätigkeit, nicht darum, wo der größte Teil des Berufslebens zugebracht wurde.)

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Evi Holtendorp:

      Hallo Frau Holtendorp,



      in der BRD haben die Nicht-AkademikerInnen auch mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten, manche sogar mit 15. Das Ost-Argument von Frau Schwesig trägt hier nicht.



      Was ich meinte, ist, dass es beim früheren - berechtigten - Streit um Ost-Renten um die Anerkennung von Berufs- und Ausbildungsjahren in der DDR ging. Die sind - meist - schon längst in Rente.



      Herzliche Grüße aus der taz, Gunnar Hinck

  • nutzer

    mag ja sein, dass das nicht passgenau für die ist, für die es sein soll. Aber wer liest sich das Kleingedruckte durch? Sehr wenige. Die Botschaft aber ist einfach und kommt an, Politik im Wahlkampf ist letztlich immer mehr Schlagwort als Argument und schon gar nicht ging es jemals ums Detail...

  • Lichtenhofer

    "... die Altersarmut zu bekämpfen. Von der sind Langzeitarbeitslose, Hilfs- und GelegenheitsarbeiterInnen und Alleinerziehende am meisten betroffen."



    U. a. auch viele Selbständige, die - entgegen landläufiger Klischees - trotz engagierter Arbeit wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig kamen.

    • test_name

      @Lichtenhofer:

      >viele Selbständige<

      ... die haben aber dann auch nichts eingezahlt - stehen aber über die Grundsicherung rentenmäßig nicht schlechter als Geringverdiener, die ihr Leben lang von der GRV geschröpft wurden. Kein Mitleid.

  • Bürger L.

    "Dass Schwesig mit ihrem Hang zum passgenauen Populismus und Opportunismus – als Russlandverbindungen noch okay waren, boxte sie ihre Gas-Stiftung durch, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ließ sie Ukrainefahnen hissen – jetzt damit um die Ecke kommt, war zu erwarten."



    Aus welcher politischen Ecke der Verfasser kommt, lässt sich nur erahnen.



    Auf alle Fälle scheint er davon auszugehen, dass sich so eine (opportunistische "Russland - Versteherin") keinesfalls ernsthaft für ihre benachteiligten Mitbürger*innen interessieren kann. Obwohl.... der direkte Zusammenhang zwischen Gas-Stiftung und Haltung zur Rentenfrage will sich mir nicht so recht erschließen.

    Unabhängig von einzelnen inhaltlichen Fragen zur sogenannten Rentenreform fehlt mir eine breite, öffentliche, die Bürger*innen einbeziehende Debatte.



    Mir fehlt eine ergebnisoffene Auseinandersetzung mit Rentenmodellen anderer EU-Länder.



    Die Zukunft des Rentensystems von einer Expertengruppe erarbeiten zu lassen und dann pauschal abzunicken ist der falsche Weg.



    Von daher, danke an die Wahlkämpfenden - man wird doch wohl mal fragen dürfen... oder?

    • fly

      @Bürger L.:

      „ Mir fehlt eine ergebnisoffene Auseinandersetzung…. von einer Expertengruppe erarbeiten… ist der falsche Weg.“

      Das ist witzig, dass bei einem Thema, wo jeder mitreden möchte und meist gegen andere wettert, keine Experten dabei sein sollen. Ein Konsens dürfte schwierig werden.

    • test_name

      @Bürger L.:

      >Zusammenhang zwischen Gas-Stiftung und Haltung zur Rentenfrage<



      .



      Ging es dabei nicht um die Altersversorgung altgedienter Sozialdemokraten?

      • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

        @test_name:

        Nein, sondern um Schwesigs Neigung, ihr Fähnchen nach dem Wind auszurichten. Als die Kommission ihre Ergebnisse vorstellte, sagte sie zur Rente mit 63 nichts.

    • VDST

      @Bürger L.:

      @Bürger L.

      Sie schrieben: "Mir fehlt eine ergebnisoffene Auseinandersetzung mit Rentenmodellen anderer EU-Länder."

      Unten mein Beispiel für Sie, um selbst darüber zu sinnen, aus welchem Grunde die Rentenhöhe in der BRD so niedrig ist, daß Alte, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet und in die staatliche Vorsorge einzahlt haben, was gefordert wurde, nun in die Armut abgleiten.

      Österreich:



      Als Angestellter in der Privatwirtschaft, mit 62 erstmals arbeitslos und ergo zwangsweise in Rente, da es für so Alte keinen Job mehr gibt.



      Habe 47 Jahre lang und meist den vom Staat vorgegebenen Höchstbeitrag eingezahlt. Keine private Rente.

      Der Abschlag beträgt je Jahr vor dem 65. hier 3,5%, also



      10,5% für mich.

      Ja und trotzdem bin ich für einen Abschlag. Die alte 45 - Jahre Regel ist ja längst völlig obsolet.

      Was hier in Österreich geregelt werden muß, ist die ungleiche Pensionshöhe von Beamten im Vergleich zu Angestellten in der Privatwirtschaft. Das sparte dem Staat sehr viel Geld. Beamte erhalten meist 80 %.

      Die offene Frage:



      Meine reduzierte Rente beträgt dzt. netto ca. 46.000,-- p.a..



      Kein akad. Abschluß (Autodidakt). Ausgeübte Tätigkeit - vollverantwortlicher Projektleiter.

      • Der olle Onn

        @VDST:

        "Meine reduzierte Rente beträgt dzt. netto ca. 46.000,-- p.a.."



        Damit können Sie freilich gur für Abschläge plädieren. Ich komme als ostdeutscher Arbeitnehmer nach 46 Beitragsjahren bei Weitem nicht auf die Hälfte davon. Abschlagsfrei... Und damit liege ich vermutlich noch nicht einmal schlecht.

        • Tiene Wiecherts

          @Der olle Onn:

          Bei einem Umlageverfahren, das die deutsche Rentenversicherung anwendet, spielt die Zeit der Einzahlungen in die Rentenkasse eine Rolle bei der Höhe der Rente und da wird es schwierig, die "Einzahlungen" in der DDR gerecht zu erfassen.



          Aus Einzahlersicht recht einfach, da das Geld ja gezahlt wurde; aus Kassensicht nicht einfach, da das Geld weg bzw. weniger wert ist.



          Als westdeutscher Rentner hätte ich heute eine wesentlich höhere Rente, wenn das DDR-Rentensystem zumindest für dessen Einzahler von vor 1990 fortbestanden hätte.

    • Mondschaf26

      @Bürger L.:

      Volle Zustimmung. Mit der polemischen Abwertung der Motive von Manuela Schwesig fällt Gunnar Hinck weit unter sein übliches Niveau.

  • Janix

    Genau. Scheindiskussion - wer im Osten helfen will, stellt z.B. die Handlungsfähigkeit des Staats besser her. Die Rentenkasse kann auch solidarischer laufen als jetzt. Und Minijobs sind eine Zeitbombe auf Kosten des Rentensystems.

    Weg wohl gleich auch mit der seltsam ziellosen CSU-Mütterrente, weg auch mit der Bevorzugung einiger putzgesunder gutverdienender Facharbeiter, deren Erfahrung wir dringend noch brauchen, nebenbei.

  • doofi

    Nur so der Vollständigkeit halber: Arbeitsjahre sind Beitragsjahre (die Rente heißt nicht nur so, sie ist immer noch eine Versicherung) wer heute 45 Beitragsjahre gearbeitet hat und 64,5 Jahre alt ist, hat mit 19 begonnen einzuzahlen. Es sind daher schon eher Arbeiter, die 45 Jahre durch gearbeitet haben. Da kann manfraukind ruhig mal den Hut ziehen.



    Mit der "Gewährung" genausowenig wie mit der Nicht-Gewährung werden sicher keine grundsätzlichen Rentenprobleme gelöst. Individuelle Arbeitsbiographien aber anerkannt. So what?



    Das Problem der heute geringen Zahl von Rentenbeitragszahlern liegt doch viel eher darin, dass Ich-AGs (erinnert sich noch jmd?), Minijobs und Schwarzarbeit als anerkannt effektiver sanktioniert sind. Mit den paar 64,5jährigen, die noch weiter zahlen sollen, wird das auch nix.

    • Dr. McSchreck

      @doofi:

      Der Gedanke war mal so, wie Sie es beschreiben - dass es um Einzahlung durch Arbeit ging. Die SPD war aber so sozial (allerdings kam das bei vielen Arbeitnehmern nicht so gut an), dass auch eine Reihe von Ersatzzeiten auf die 45 Jahre angerechnet werden, zum Beispiel die Mütterrente. Genau so war es aber eben nicht gedacht und dadurch wurde es natürlich auch noch mal deutlich teurer.

    • Francesco

      @doofi:

      Ich verstehe das Problem nicht: Wer länger gearbeiter und eingezahlt hat, hat mehr Rentenpunkte erworben und bekommt auch eine höhere Rente. Bei den Abschlägen bei früherem Rentenbeginn geht es aber um die Zahl der Jahre, in denen man Rente bekommt. Wer zwei Jahre früher in Rente geht, bekommt 24 Monate länger Rente als der, der zum regulären Zeitpunkt in Rente geht. Ohne Abschläge bekommt er insgesamt also mehr Rente. Was soll daran gerecht sein?

      • Der olle Onn

        @Francesco:

        "Wer zwei Jahre früher in Rente geht, bekommt 24 Monate länger Rente als der, der zum regulären Zeitpunkt in Rente geht."



        Vorausgesetzt freilich: Er lebt überhaupt so lange wie der Andere. Das aber ist eine Lotterie, in der jeder das kürzere Streichholz ziehen kann. - Wie kommt man auf so krude Schlüsse?

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Francesco:

        "Wer zwei Jahre früher in Rente geht, bekommt 24 Monate länger Rente als der, der zum regulären Zeitpunkt in Rente geht. "

        Das geht nur, wenn für beide ein verbindliches Sterbedatum gilt. Aktuell wissen wir nicht, wer wann sterben wird. Und das ist auch gut so.

        • test_name

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          >Aktuell wissen wir nicht, wer wann sterben wird.<



          .



          Doch - das wissen wir sehr genau. Zumindest für einzelne Bevölkerungsgruppen und nur das interessiert bei Versicherungen.

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @test_name:

            Natürlich wissen wir das nicht. Auch innerhalb von Gruppen ist die Bandbreite groß. Man kann lediglich Wahrscheinlichkeiten ermitteln. Es geht aber um Menschen. Nicht einfach um statistische Größen.

            • test_name

              @warum_denkt_keiner_nach?:

              >Es geht aber um Menschen. Nicht einfach um statistische Größen.<

              Bei einem Renten-"System" interessiert der einzelne Mensch nicht. Es geht nur um statistische Größen.

      • Altbayer

        @Francesco:

        Wer sagt Ihnen dass? Es gibt genug Frührentner, die aus gesundheitlichen Gründen, ein Jahrzehnt später schon 8 Jahre tot sind...

      • nutzer

        @Francesco:

        wenn jemand mit 19 begann in die Rentenkasse einzuzahlen hat erimmer noch mehr gearbeitet als jemand der mit 35 anfing ins Berufsleben zu gehen. Da sind 2 Jahre keine Ungerechtigkeit, zumal der 35 Jährige auch sehr wahrscheinlich eine höhere Rente bekommen wird als der Frührentner

      • Mondschaf26

        @Francesco:

        „Ohne Abschläge bekommt er insgesamt also mehr Rente. Was soll daran gerecht sein?"



        Stellen Sie sich mal vor, die/der würde noch 24 Monate lang weitere Rentenpunkte ansammeln... Dann wird's ja unbezahlbar. Die alten, erfahrenen Arbeitnehmer:innen erhalten doch in den letzten Dienstjahren unglaublich hohe Löhne/Gehälter. [/Ironie? weiß nicht.]

  • intergo

    Ich frage mich schon seit geraumer Zeit, warum man die Rente hauptsächlich am Lebensalter festmacht. Mindestalter 63, Mindestbeitragsmonate (46*12). Wer das erreicht kann mit der Basisrente in den Ruhestand gehen. Über die nächsten Jahre werden die nötigen Beitragsmonate erhöht. Besonders herausfordernde Berufgruppen könnten so mehr oder weniger Beitragsmonate benötigen um an die Basisrente zu kommen. Dies alles unabhängig davon, wer die Beiträge bezahlt oder bezahlt hat.

    Und schafft endlich diese vermaledeiten versicherungsbeitragsfreien Minijobs ab. Jeder bezahlt in das System ein. Vom ersten Euro bis zum letzten. Ohne mindest und ohne maximal. Egal aus welcher Quelle sein Einkommen kommt. No Limits. Das würde für alle die Beitragshöhe senken und wäre gerecht.

    • Altbayer

      @intergo:

      Weil es immer nur um eine Rentenkürzung geht, um nichts anderes!

    • nutzer

      @intergo:

      ja und wären die Löhne in den letzten Jahrzehnten entsprechend dem Produktivitätsanstieg mit gestiegen, hätten wir heute nicht so ein Problem.



      Die Demografie ist eine Blendgranate, mit der verdeckt wird, dass die Löhne in Dtl unterdurchschnittlich sind, weil sie fortwährend unterhalb des Produktivitätsanstiegs gehalten wurden, die Kosten aber adäqaut zum Produktivitätsanstieg geklettert sind.



      Die Lohnentwicklung der letzten Jahrzehnte liegt bis zu 14% unterhalb des zu erwartenden Anstiegs.



      Es ist eine Binse, das geringere Löhne zu weniger Beitragseinnahmen führen und ergo die Rentenbeiträge steigen müssen um ein immer niedrigeres Rentenniveau zu finanzieren.

      • nihilist

        @nutzer:

        Höhere Löhne bedeuten auch höhere Rentenansprüche.



        Ohne Kapitaldeckung hängt es sehr wohl an der Demografie.

  • M_Kli

    Danke, so ist es !