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Ökonom Fratzscher warnt vor AfD-Sieg„Viele werden sich keinen Urlaub mehr leisten können“

In Sachsen-Anhalt droht ein Wahlsieg der AfD. Deren Politik dürften vor allem deren Wäh­le­r*in­nen spüren, warnt der Ökonom Marcel Fratzscher.

Simon Poelchau

Interview von

Simon Poelchau

taz: Herr Fratzscher, am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Die AfD ist dort laut Umfragen bei Weitem die stärkste Kraft. Auch in bundesweiten Befragungen ist sie deutlich vor der Union. Wie ist Ihnen da zumute?

Fratzscher: Mich besorgt der Erfolg der AfD sehr. Ein Wahlsieg dieser gesichert rechtsextremen Partei in Sachsen-Anhalt würde nicht nur die Demokratie empfindlich schwächen. Auch wirtschaftlich wäre der Schaden extrem hoch.

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taz: Sie sprechen bezüglich der wirtschaftlichen Schäden von einem AfD-Paradoxon. Was bedeutet das?

Fratzscher: Unter einer AfD-Politik würden vor allem jene Regionen wirtschaftlich leiden, in denen die AfD besonderes stark ist. Das trifft besonders für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu. Es lässt sich aber schon länger auch für das gesamte Bundesgebiet beobachten.

Im Interview: Marcel Fratzscher

ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Der Ökonom lehrt zudem Makroökonomie an der Humboldt-Universität in Berlin.

taz: Warum ist das so?

Fratzscher: Die AfD ist vor allem in strukturschwachen Regionen stark. Diese Regionen haben bereits mit einer stark schrumpfenden und alternden Bevölkerung zu kämpfen. Diese Gegenden haben eine verletzliche Wirtschaftsstruktur ohne große Konzerne. In dieser Situation jagt die AfD den Menschen dort Angst ein, dass alles nur noch schlimmer werde, wenn sie die AfD nicht wählen würden. Doch das Perfide ist, das ausgerechnet die von der AfD geforderte Abschottung alles nur noch schlimmer machen würde.

taz: Inwiefern ist eine Abschottung schlecht für die deutsche Wirtschaft?

Fratzscher: Die AfD will keine Zuwanderung mehr und massenhaft Menschen abschieben. Dabei braucht das Land nicht weniger, sondern mehr Migrant*innen, wenn sich der Arbeitskräftemangel und die Überalterung der Gesellschaft nicht verschärfen sollen. Gleichzeitig sind deutsche Unternehmen auf offene Grenzen angewiesen. Fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung hängt am Export, vor allem ins europäische Ausland. Das wäre bei einem Euro-Aus, wie ihn AfD-Chefin Alice Weidel fordert, massiv gefährdet. Hinzu kommt die rückwärtsgewandte AfD-Klima- und Energiepolitik der AfD.

taz: Wie schadet die AfD-Klimapolitik der Wirtschaft?

Fratzscher: Die AfD ist gegen die Antriebs- und Energiewende. Doch wenn nicht in neue, klimafreundliche Technologien investiert wird, dann gehen Arbeitsplätze verloren, weil andere Länder Deutschland technologisch überholen. Bei der Elektromobilität kann man das derzeit gut sehen. Außerdem sind erneuerbare Energien bereits jetzt günstiger als fossile Energieträger und Atomkraft. Ein Rollback in der Energiepolitik würde der energieintensiven Industrie, etwa der Chemieindustrie in Sachsen-Anhalt, sehr schaden.

taz: Sie haben in einer Studie berechnet, dass eine AfD-Politik in Sachsen-Anhalt zu Einkommensverlusten in Höhe von durchschnittlich 1.600 Euro pro Person und Jahr führen würde …

Fratzscher: Der Schaden wäre damit in Sachsen-Anhalt ungefähr anderthalbmal so hoch wie im gesamten Bundesgebiet. Meine Schätzungen ergaben für das Bundesland einen Verlust bei den verfügbaren Einkommen von im Schnitt rund 6,2 Prozent. In Mansfeld-Südharz, Burgenlandkreis, Salzlandkreis, also den Landkreisen Sachsen-Anhalts mit den höchsten AfD-Anteilen, liegen die Einkommensverluste sogar bei 7 bis 8 Prozent. Das werden die Menschen dort empfindlich spüren. Viele werden sich bei einem AfD-Sieg keinen Urlaub mehr leisten können.

taz: Warum verfängt dann die Wahlwerbung der AfD?

Fratzscher: Die Partei schürt Angst vor der Zukunft und verklärt die Vergangenheit. Als ob in den 1990ern mit der Deutschen Mark alles besser war! Damals herrschte in Sachsen-Anhalt und anderswo in Ostdeutschland Massenarbeitslosigkeit. Die Menschen sind montags früh in den Westen gefahren und freitags erst spät nach Hause gekommen, weil im Westen die Arbeit war.

taz: Auch 36 Jahre nach der Wende sind die Vermögen in den Bundesländern der ehemaligen DDR noch immer um 50 Prozent niedriger als in den westlichen Bundesländern. Die Einkommen sind um 30 Prozent niedriger. Spielt die Ungleichheit nicht auch eine Rolle?

Fratzscher: Die wirtschaftlichen Faktoren spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Den AfD-Wähler*innen geht es wirtschaftlich oft sehr gut. Berücksichtigt man staatliche Leistungen wie die Rente, dann sind die Einkommensunterschiede auch deutlich geringer. Und vor allem gibt es auch in Ostdeutschland Erfolgsgeschichten. In Städten wie Leipzig, Jena, Dresden oder Magdeburg wird mehr verdient als in vielen Städten in Westdeutschland.

taz: Was ist dann das Problem?

Fratzscher: Das Problem ist die Perspektivlosigkeit. Wenn junge Menschen wegziehen, dann geht auch wichtige soziale Infrastruktur verloren. Dann machen Kneipen und Gaststätten zu, der öffentliche Nahverkehr funktioniert nicht mehr, Sportvereine haben keine Mannschaften mehr, Schulen werden zusammengelegt, Krankenhäuser geschlossen. Das ist der Teufelskreis, in dem strukturschwache Regionen stecken. Und AfD-Wahlerfolge verschärfen ihn nur. Nicht nur Mi­gran­t*in­nen wollen nicht in Gegenden ziehen, wo sie nicht willkommen sind. Auch viele gut gebildete Einheimische ziehen weg. Und Unternehmen siedeln sich nirgendwo an, wo Fachkräfte fehlen.

taz: Wie kann dieser Teufelskreis aufgebrochen werden?

Fratzscher: Es braucht gezielte wirtschaftliche Impulse in strukturschwachen Regionen. Zum Beispiel war der Versuch richtig, bei Magdeburg eine Chip-Fabrik anzusiedeln. Das hat zwar nicht geklappt, aber der Plan war gut. Ein weiteres positives Beispiel ist Cottbus. Dort entsteht ein neuer Wissenschaftsstandort, um dem Strukturwandel in der Lausitz zu begegnen. Solche Initiativen sind wichtig, um strukturschwache Regionen wieder attraktiv für jungen Menschen zu machen. Denn es ist vor allem eine demografische Trendwende notwendig. Und dafür braucht es Zuwanderung. Dafür muss sich das Land wieder attraktiver machen. Insbesondere für Menschen aus den europäischen Nachbarländern.

taz: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat stattdessen die Grenzkontrollen bis März kommenden Jahres verlängert.

Fratzscher: Es braucht eine neue Willkommenskultur. Ganz Deutschland profitiert von Zuwanderung. Es geht nicht nur um Fachkräfte. Die Bundesregierung muss wieder mehr für Integration und Zuwanderung machen. Jeder Mensch, der hier arbeitet, ist ein Gewinn für die Gesellschaft.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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51 Kommentare

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  • Nachtsonne

    "Ganz Deutschland profitiert von Zuwanderung. Es geht nicht nur um Fachkräfte." Diese Aussage ist so pauschal schlicht absurd. Volkswirtschaftlich hält sie einer Betrachtung offensichtlich nicht stand, wenn man die Anzahl und die Zusammensetzung der Bürgergeldempfänger betrachtet. Darüber hinaus ist das Erstarken der AFD als eine der Folgen der Zuwanderung ebenfalls nicht gerade ein Bonus. Wer so einseitig argumentiert ist von einer Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes sehr weit entfernt oder interessiert sich nicht dafür.

  • Gerhard Krause

    Ich möchte schon einmal streitig stellen, dass es den 🤡fD-Wähler: innen (wirtschaftlich) oft sehr gut ginge. Was ist denn hier "oft" und was ist denn hier "sehr gut"?! Solch eine Schönheitswortauswahl ist hier völlig fehl am Platz. Neid am öffentlichen Dienst ist mir völlig fremd, im Gegenteil, das sind auch Menschen, die sich abrackern und zu Unrecht Kritik begegnen, aber wenn wir üner Einkommenserfolgsgeschichten zum Beispiel in Dresden und Magdeburg sprechen, dann sind sie entweder dort zu finden, wo Mangel undoder gesetzliche Vorgaben zu finden sind, beispielsweise Arztberufe, Ingenieure und in der Verwaltung; logisch, dass es in Magdeburg und Dresden ebenfalls Ministerialrät: innen, wie in München gibt. Der "Durchschnittsossi" ist daran bislang selbst sehr wenig beteiligt. Und daneben muss man selbstverständlich auch die Preisentwicklung stellen.

  • Wirrwicht

    Nur mit Bezug zur Überschrift.

    Das können viele eh schon nicht. Nichteinmal innerhalb Deutschlands, dass ist nämlich oft teurer als ins Ausland zu reisen.

  • Adan

    Das Kind ist jetzt in den Brunnen gefallen. Egal was man macht, es nutzt der AfD.



    Widerlegt man sie argumentativ, dann wählt man sie aus trotz. Hört man den Wählern zu, dann bestätigt man deren Haltung. Bekämpft man sie, heißt es jetzt erst recht. Ignoriert man sie, dann machen die da oben ja eh was sie wollen. Nimmt man deren Ideen auf und setzt sie selbst um, wie bei den Grenzkontrollen, dann heißt es die AfD wirkt.

    Keine Ahnung was man jetzt noch machen soll.

    • Anna Bell

      @Adan:

      Das Bundesverfsssungsgericht über ein Verbot urteilen lassen?

  • Okay

    Wahlumfrage der Migranten

    Vielleicht wird es langsam Zeit für eine eigene Partei der Migranten. Denn in den etablierten Parteien mitzumachen und dort auf Veränderung zu hoffen, scheint immer weniger zu funktionieren – siehe Özdemir.

    Wer politisch etwas bewegen will, sollte es vielleicht, wie der New Yorker Bürgermeister versuchen: ehrlich, offen und ohne politische Nebelkerzen. Fakten auf den Tisch, Probleme benennen und Lösungen anbieten – statt ständig um den heißen Brei herumzureden.

  • Land of plenty

    "Den AfD-Wähler*innen geht es wirtschaftlich oft sehr gut."



    Eben:



    Deshalb tragen auch die vielen Veröffentlichungen der verschwörungstheoretischen Mittelständler besonders stark zur Verschiebung nach rechts bei, was sich in Afd-Prozenten ausdrückt:



    -Carlos A. Gebauer: Autor bei eigentümlich frei, Achse des Guten, bei Cicero, mit Frank Schäffler FDP, „Raus aus dem Euro!“, Vors. des 2026 gegründeten Javier-Milei-Instituts für Deregulierung in Europa.



    -Norbert Häring - "Wie die Konzerne die Macht übernahmen und wie wir sie zurückholen." & "Der Wahrheitskomplex: gegen die NGOs wie Campact" für das Volk



    -Ken Jebsen/ Kayvan Soufi-Siavash gab eine Afd-Wahlempfehlung ab



    -Daniele Ganser



    -Constantin Schreiber und seine youtube-Auftritte: mit Manuel Ostermann oder "Warum Heidi Reichinnek die gefährlichste Frau Deutschlands ist"



    - Peter Hahne - bei Tichys Einblick sieht er die BRD im Endstadium.



    -Ben ungeskriptet und seine Höcke-Interviews.



    -und ein Großteil der Bücher des Westendverlags, der seit 2014 auf die Invasionspolitik Russlands eingeschwenkt ist und Verschwörungstheorien verbreitet.



    -Ebenso Markus Krall und die Freunde Rothbards, die das Wahlrecht für Erwerbslose beenden wollen.

  • Nickalsname

    Gibt es vielleicht Gründe dafür, dass Menschen nicht die etablierten Parteien wählen, kann es vielleicht sein, dass das versagen der Politik, die diese Strukturen haben entstehen lassen, Gründe für das Erstarken der AFD sind? Warum wird die AFD im Westen gleichermaßen gewählt? Oder gibt es gar einen Virus in Deutschland, der einen nach einer Nacht mit steifem Arm und strengen Scheitel aufwachen lässt?



    Ich kann verstehen warum man müde von den jetzigen Parteien ist, aber wenn dass Bett im Hotel nicht passt, muss man nicht gleich in der Gosse pennen.

  • Alex_der_Wunderer

    Wieso denn Urlaub, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt gewinnt, wird den Sachsen ersteinmal dat richtige Arbeiten beigebracht, aber ganz fixe geht dat.



    Dann is auch keine Zeit mehr für dat rum gezicke da.

  • Land of plenty

    "Den AfD-Wähler*innen geht es wirtschaftlich oft sehr gut."



    besser als in bestimmten westdeutschen Städten: wie im Ruhrpott.



    -- Dann ist es also nur völkischer Wahn, der die Selbstzerstörung beginnt und in der der Prozess endet.



    - aber diese Selbstzerstörung ist ja der große Hype aktuell - v.a. von der BReg mit Merz - das Programm der Verachtung aller Verlierer.

  • derzwerg

    AfD-Diskussionen, in denen die Rolle sozialer Medien (X, Facebook usw) ausgeklammert wird, führen zu nichts. Die Leute lesen keine taz.

  • Nansen

    Wenn das zutreffen sollte, was die AfD verzapfen kann, wird sich das nicht groß auswirken. Die Ausrede wird ganz klar sein: Die Altparteien haben die versprochenen AfD-Erfolge auf dem Rücken der Bürger verhindert.

    • Heideblüte

      @Nansen:

      Leider haben Sie Recht! Die “Gläubigen“ der AfD können und werden jede Realität entweder leugnen, oder die Verantwortung für die Nichteinhaltung von AfD-Versprechen anderen Parteien, Immigranten und dunklen Mächten zuschieben.



      Darin ähneln sich deutsche AfD und amerikanische MAGA-Bewegung sehr. Es sind weniger politische Bewegungen, sondern eher Sekten bzw. Glaubenskongregationen. Das macht Aufklärung durch Gespräche und Diskussionen quasi unmöglich.

    • Flix

      @Nansen:

      Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. „Schuld sind immer die Anderen,“ darauf beruht doch das Konzept der AfD zu einhundert Prozent.

  • Aurego

    Man kann nur hoffen, dass auch die AfD-Verblendeten in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern diese Aspekte mitbekommen, aber wahrscheinlich lesen zu wenige davon die taz.

    • B. Trübt

      @Aurego:

      Ich würde eher sagen, dass diese seit Wochen andauernde, mit Belehrungen und Drohungen verbundene mediale Breitseite dazu führen wird, dass die sachsen-anhaltischen Wahlbürger sagen: Jetzt erst recht. Und ehrlich - das kann ich nachvollziehen.

  • Šarru-kīnu

    Die abgehängten Regionen in Ost und West gleichermaßen müssten Sonderwirtschaftszonen werden. Es müssten Dinge möglich sein rechtlich und steuerlich die anderswo nicht gehen. Wir bräuchten einen echten harten Standortvorteil aus Solidarität. Danach müssten wir die Jugend zurückbekommen. Eine Verlegung mittelfristig aller Universitäten in die AfD-Hochburgen wäre zum Beispiel ein Gamechanger. Das würde hier gleich so viele Probleme auf einmal lösen und in den Ballungsräumen gibt es wieder mehr freie Wohnungen.

    • Anna Bell

      @Šarru-kīnu:

      Hört sich nach nem vielversprechenden Konzept an: In AfD-Hochburgen die Leute für weniger als den Mindestlohn 70h die Woche arbeiten und die Kommunen ausbluten lassen, weil die Betriebe in der Sondernwirtschaftszone keine Steuern zahlen. Könnte glatt aus dem Wahlprogramm der AfD sein..

    • Wirrwicht

      @Šarru-kīnu:

      Die Unis werden auch umgebaut. Wollen sie dort Kaderschmieden schaffen?

    • rero

      @Šarru-kīnu:

      Dürften Sie recht haben.

    • Machiavelli

      @Šarru-kīnu:

      Oder man löst die Strukturschwachen Gebiete auf siedelt die Menschen um und macht daraus Naturschutzgebiete.

  • shitstormcowboy

    Seh ich ganz genau so, nur - viele sehen in einem völkischen Leben ihr Heil. Die Moderne gruselt sie und sie wollen zurück in die völkische Gemeinschaft, wo die Frauen den Männern ergeben sind, Kinder vollständig entmündigt sind und Schwache kein Lebensrecht haben. Na, dann viel Spaß damit.

  • realnessuno

    Schöne Argumente :-)



    Doch diejenigen, welches ihre Gegend wieder ins Tal der Ahnungslosen katapultieren wollen, achten nicht auf Argumente.



    Das stand vor einigen Wochen hier in der taz...

  • Martin Sauer

    Firmen gehen da hin wo es die besten Möglichkeiten gibt.

    Stahlkonzerne oder Teile von BASF haben sich nach China oder Indien verabschiedet. Da ist Energie billig. Strom wird in China aus 60 % Kohle erzeugt. Stahlbaufirmen gehen nach Indien, da wird Strom zu 72 % aus Kohle produziert. Wir haben die zweithöchsten Strompreise in Europa. In China habenZwangsarbeiter VW PKW gebaut. VW ist immer noch in China. Es gibt deutsche Firmen die liefern über Drittländer waffenfähiges Material nach Iran

    Obwohl in Sachsen 42 % AfD wählen wollen hat Infenion jetzt in Dresden eine 5 Miliarden teure Chip Fabrik eröffnet. Dafür gab es fast eine Miliarde Subventionen. Für eine Miliarde € vergisst man schon mal das 43 % der Sachsen "Nazis" sind.

    Deutsche kaufen Zb. billig Kleidung aus Bangladesh, aus China kommen täglich 400000 Pakete nach Deutschland. Aber die AfD vernichtet Arbeitsplätze. Genau mein Humor. In Deutschland gibt es nur noch eine Firma die Bekleidung herstellt. Elektoartikel so gut wie keine. Bei E Bay und Amazon kann man bei Händlern in Polen Möbel made in China bestelllen. Und alles was ich geschildet habe obwohl die AfD hie nie regiert hat.

    • Snoopy038

      @Martin Sauer:

      Ein großes Problem der Ostländer ist schon immer die Fremdenfeindlichkeit. Das ist ein massiver Standortnachteil. Deshalb ist der Osten ausgeblutet.



      Ich selbst habe nach der Wende für einen DAX-Konzern an Standortentscheidungen und Werkübernahmen als Projektleiter mitgearbeitet. Neben vielen Problemen wie maroder Infrastruktur und nicht adäquat ausgebildetem Fachpersonal, die man hätte lösen können, gab es einen entscheidenden Punkt, an dem es fast immer gescheitert ist.



      Kein Manager, keine Führungskraft und keine hochqualifizierte Fachkraft, mit Migrationshintergrund war bereit, den Lebensmittelpunkt in die Ostländer zu verlegen.



      Sie hatten tatsächlich Angst vor Anfeindungen, Übergriffen und Mobbing. Die Integrationsleistung war ja selbst gegenüber Westdeutschen sehr begrenzt.



      Das Ergebnis war, man kauft das Werk, schließt es um Kapazitäten zu begrenzen und investiert in die Standorte im Westen.



      Wenn die AFD meint, mit Fremdenhass ließen sich deutsche Fachkräfte wieder ansiedeln irrt sie. Die sind weg weil es keine Migration gibt und deshalb Investitionen woanders getätigt wurden. Internationale Konzerne haben internationale Belegschaften.

    • Kaboom

      @Martin Sauer:

      Wir kennen das Verharmlosen und Kleinreden der Effekte rechtsradikaler Regierungen und Stimmungen. In der realen Welt allerdings muss man nur die Entwicklung des Tourismus in den letzten 20 Jahren in München mit der von Dresden vergleichen. Dann sieht man sehr genau, wie sich sowas auswirkt.



      Achja, und was die Ansiedlung ausländischer Industrien angeht: Wenn das nicht ohne Milliarden Subventionen geht, dann ist das Thema schon durch. Dass keine ausländischen Fachkräfte in ein braun regiertes Gebiet ziehen werden, versteht sich von selbst.

    • Gerhard Krause

      @Martin Sauer:

      Schon einmal eine Frage dessen, was die sog. "besten Möglichkeiten" sind und warum, oder welche solche werden können und warum. Möchten Sie darüber reden?

    • 2Cents more

      @Martin Sauer:

      Schön wie sie die Folgen des angeblichen Sieges des Kapitalismus nach 1989 beschreiben. Sozialdemokratische Parteien in Europa schafften sich selbst ab, indem sie in die vermeintliche Mitte abdrifteten.



      Die bräsige Mehrheit der Bevölkerung hatte und hat kein Problem damit in Diktaturen Urlaub zu machen und Kreuzfahrten zu buchen, bei dem Menschen zu bei uns unakzeptablen Bedingungen arbeiten, Hauptsache billig.



      Geiz fanden viele Geil, denn sie wollten ja nicht "Blöd" sein und so wählten sie auch, in Ost wie West.



      Wirkliche Änderungen, also Veränderung und Weiterentwicklung waren bei der Mehrheit auch nicht gefragt.



      Vermisse Politiker wie Herrn Habeck, der Ziele und Wege erklärt statt Basta und Alternativlos.



      Als ein von überbordender und disfunktionaler Politik und Bürokratie genervter Boomer in Rente erklärt sich mir trotzdem nicht, welch guten Grund ich haben sollte eine noch rückwärtsgewandtere Partei zu wählen.



      Nebenbei frage ich mich wer oder was nach der Abschiebung von 200000 - 20000000 Menschen ("Ausländern°), dem Austritt aus NATO, Schengen und EURO, dem Verbot von Gendern, der Ausgrenzung von LGBTxxx der, die oder das nächste Objekt der Ausgrenzung wird.

      • Gerhard Krause

        @2Cents more :

        Für two Dollars more möchte ich Ihnen mitteilen, dass auch Sie die "bräsige Mitte" abbilden. Anstatt Vorwürfe auszugießen systemisch analysieren. Zumindest für mich ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel, dass es zu dem Zeitpunkt, als die bräsige Mitte jung war, nicht die heutigen Informationsquellen (zB zu Produkteigenschaften, über bestehenden undoder fehlenden Umweltschutz, wissenschaftliche Beiträge in sozialen Medien) und vergleichsweise engagierte Jugend gab, sowie die Mitte in einem anderen politischen und moralischen Kontext gelebt hat (leben musste). Das ändert sich eben leider nur sehr langsam.

    • sociajizzm

      @Martin Sauer:

      Strom wurde in China 2025 zu 50-55% aus Kohle generiert. Anfang 2026 das erste Mal weniger als 50%.

      Neue Nachfrage nach Energie wurde bereits 2024 zu 84% mir neuen EE abgedeckt.

      Zieht eine Energiehungrige Firma nach China, wird diese also vor allem mit günstiger EE versorgt.

      Würde Deutschland ähnlich ambitioniert EE und Speicher ausbauen, wäre der Strom auch hier bereits günstiger.

  • Karl Heinz

    „Jeder Mensch, der hier arbeitet, ist ein Gewinn für die Gesellschaft.“



    Ich glaube, dass diese These auch vom marktliberalen und konservativen politischen Spektrum unterstützt wird.

    • Altbayer

      @Karl Heinz:

      Karl Heinz seit geraumer Zeit hatte man lediglich das Gefühl: Jeder Mensch der hier arbeitet ist ein zu großer Kostenfaktor für die Gesellschaft! Mag neoliberal sein, wurde uns aber gerade von den Konservativen immer wieder vorgebetet.



      1992: Wir 5 produktive - und 1 Manager



      2022: Ich produktiver - und 5 Manager. 75% der Zeit in Besprechungen, Erklärungen und Belehrungen, warum ich nicht produktiver sei. Arbeitsplatzsicherung von Nieten in Nadelstreifen at its best ( oder eben worst )

  • Kabelbrand Höllenfeuer

    "Es braucht eine neue Willkommenskultur. Ganz Deutschland profitiert von Zuwanderung. Es geht nicht nur um Fachkräfte."

    Ich kann diesen unrealistischen und ignoranten Unsinn einfach nicht mehr ertragen. Die Skandinavier sind trotz restriktiver Migrationspolitik deutlich besser für die Zukunft aufgestellt als wir.



    Man hätte übrigens die ostsdeutschen Wähler mal darauf aufmerksam machen können, was ein Gewinn der AFD z.B. für die Mieten bedeuten wird: Abschaffung des Milieuschutzes, Änderung der Bauordnung hin zu weniger Umweltschutz und niedrigeren Wohnstandards und Verweigerung des Vorkaufsrechts.



    Aber inhaltlich wollen die Altparteien die AFD gar nicht stellen, weil insbesondere deren rechte Flügel ganz ähnliche Ideen haben.

    • sociajizzm

      @Kabelbrand Höllenfeuer:

      Auch in Skandinavien gibt es einen Mangel an Migration. Man mag besser aufgestellt sein, aber das Land würde wirtschaftlich von mehr Migration profitieren.

    • DerLurch

      @Kabelbrand Höllenfeuer:

      Milieuschutz... Naja, weniger Umweltschutz dürfte da auch kaum jemanden jucken vermutlich und mal ehrlich, Wohnstandards sind zum einen so hoch, dass sie vom bauen abhalten, zum anderen ist Wohnungsmangel jetzt kein unbedingtes Problem in den Regionen mit starker AFD-Wählerschaft

    • Ingo Bernable

      @Kabelbrand Höllenfeuer:

      Alternde Gesellschaft und Fachkräftemangel sind durchaus auch in den skandinavischen Ländern ein akut drängendes Problem. Dänemarks Lösung dafür hieß etwa Erhöhung der Arbeitszeit durch Streichung eines Feiertags. Und dann hat man dort eben noch den Vorteil eines so hohen Lohn- und Preisniveaus, dass man auch für Arbeitsmigration innerhalb der EU ein attraktives Ziel ist. Dennoch fordern die Wirtschaftsverbände dringend Erleichterungen bei der Einwanderung aber die Wähler wollen eben etwas Anderes.

  • Forist Grump

    »Die wirtschaftlichen Faktoren spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Den AfD-Wähler*innen geht es wirtschaftlich oft sehr gut.«

    Das ist auch genau die Fehlanalyse vieler Linker, dass es sich beim kometenhaften Aufstieg der AfD um soziale Probleme als Ursache handele. Es geht vielmehr um einen „Kulturkampf“ Kulturloser, so wie der Ausländerhass in den Regionen am größten ist, wo es davon die wenigsten gibt. Bezeichnend war, dass Tino Chrupalla auf entsprechende Nachfrage kein einziges deutsches Gedicht rezitieren konnte. Dabei hat Deutschland aufgrund seiner zentralen geografischen Lage in Europa ganz besonders von „fremdländischen“ Einflüssen in Kunst und Wissenschaft profitiert.

    • Wirrwicht

      @Forist Grump:

      Wenn nicht ein guter Teil der Unterschicht die AFD wählt, ist die Situation eigentlich noch schlimmer. Also strampelt da fasst der gesamte Mittelstand und wird von der Oberschicht vorgeführt? Es ist nämlich nicht einfach, ohne erhebliche Teile der Unterschicht auf solche Zahlen zu kommen.

      • Altbayer

        @Wirrwicht:

        Ich gehe sogar davon aus, dass fast nur Unterschicht die AfD wählt. Gerade in kleineren Orten war bereits 2000 wunderbar zu sehen, dass die "Parteien" die sich auch vor Ort zeigten, gerne auf 18% kamen. Dafür waren sich CDU und SPD halt oft zu popelig. Ist ja nur ein Kaff mit 2000 Einwohnern - ja aber eben auch 800 Wählern...

    • sociajizzm

      @Forist Grump:

      AFD Sektenmitglieder sind besonders häufig mit der eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden und von Abstiegsangst geplagt.



      .



      Schuld an allem sind aber "die Eliten" und "die Ausländer".



      .



      Ich würde sagen, es ist eine Mischung.

  • vieldenker

    Fakten sind ein schwieriges Feld, wenn die Betroffenen nur noch den Fakenews der VerFührer glauben. Insofern habe ich wenig Hoffnung, dass die Berechnungen des Ökonomen noch etwas am Wahlverhalten ändern. Statt schlechter Zahlen würden wohltut noch gute Vorbilder etwas bewegen können. Aber echte engagierte Hoffnungsträger mit gewinnendem Charisma sind in der fortschrittlichen Effizienzdemokratie ja leider eher selten zu finden. Sonst könnten die kompetenzbefreiten Alternativkandidaten nicht so leicht mit ihrem rückwörtsverbrannten Nationalgedröhne Wahlen gewinnen.

  • Martin Rees

    Der Kanzler besteht für die Bundesrepublik auf einer Neuordnung der Finanzen in Brüssel und ich verstehe es so, dass dabei u.a. auch ggfs Budgetkürzungen oder Umverteilungen in Regionalfonds auf der Liste der (schmerzhaften) Einschnitte stehen können, neben einer Reduzierung der überbordenden Subventionen, z.B. in der Landwirtschaft.



    europa.sachsen-anh...folgsprojekte-efre



    Vielleicht sollte das Bundesland Sachsen-Anhalt auch selbst durch seine Bürger:innen an seine gewachsene und vielleicht zukunftsweisende Attraktivität in Forschung und Entwicklung denken, schließlich tun sie das als Mitarbeitende bei Fraunhofer in Magdeburg auch mit Erfolg:



    "Komm in die Zukunft



    In der Elbfabrik verschmelzen die Grenzen zwischen virtueller Produktentwicklung und realen Produktionsprozessen. Ausgestattet mit modernster Technologie, dient die Elbfabrik nicht nur als Forschungs- und Experimentierstätte, sondern auch als Kooperationsplattform für Partner und Unternehmen."



    Bei elbfabrik-magdeburg.de



    Die besten Böden mit den höchsten Bodenbewertungen braucht man im Zusammenhang mit Magdeburg gar nicht zu erwähnen.

  • FtznFrtz

    Herr Fratzscher hat zu 100% recht, nur will ihm leider in der vergifteten Diskussion kaum jemand mehr zuhören.



    Dass sich die AfD-Wähler selbst schaden wissen wohl viele selbst, irrerweise ändert das aber ihre Wahlintention nicht. Es hat etwas von Lust an der Destruktivität, die auch sich selbst nicht schont.



    Wir Menschen sind schon manchmal extrem schräg drauf.

    • Martin Rees

      @FtznFrtz:

      Pegida, Wut, Enttäuschung...



      Es gibt Erklärungen:



      jurawelt.com/rechtslexikon/p/pegida/



      /



      taz.de Juli 2026



      "Möglicherweise liegt das daran, dass die AfD ab 2016 konsequent jede neue Protestbewegung im Land zu vereinnahmen versucht und Unzufriedene auf ihre Seite zieht.



      Erst sind es Demos gegen den Zuzug von Flüchtlingen, dann gegen die Coronapolitik und gegen steigende Energiepreise infolge des russischen Kriegs in der Ukraine. Egal wo sich Protest formiert – die AfD ist meistens schon da."

  • gyakusou

    Ich bin skeptisch, was diese Horrorszenarien angeht.

    Die Wirtschaft kann auch unter rechtsextremen Regierungen florieren. USA, Polen, Ungarn. Von autokratisch regierten Ländern wie China, Singapur, vielen Staaten im Nahen Osten usw. gar nicht erst zu reden.

    Genauso zweifle ich an der Aussage von Unternehmen und wirtschaftsnahen Ökonomen, dass Deutschland immer mehr Migration benötigt. Bereits jetzt gibt es Millionen Arbeitslose, die man als erstes aktivieren sollte. Die Folgen der KI-Revolution auf den Arbeitsmarkt sind vollkommen unklar. Und nicht jede Form von Migration hilft, einen möglichen Fachkräftemangel schnell auszugleichen. Dazu müsste man wirklich zielgerichtet ausschließlich gut ausgebildete Menschen anwerben.

    • sociajizzm

      @gyakusou:

      "Dazu müsste man wirklich zielgerichtet ausschließlich gut ausgebildete Menschen anwerben." Oder Menschen schneller integrieren + ausbilden. Ausreichend "aktivierbare" Arbeitslose gibt es nicht. Arbeitskraft fehlt vor allem in Berufen, welche die KI nicht übernehmen wird. Handwerk, Pflege, usw.

      • ToMuch

        @sociajizzm:

        Ich habe das ein Jahr in der Flüchtlingshilfe probiert. Aber wenn manche Menschen kaum die Schule besucht haben, und nun halt 25-40 Jahre alt sind, passieren halt auch keine Wunder mehr.



        Selbst bei angeblichen Fachkräften wie einem Elektroniker und einem KfZler war kein vorankommen, das ist bei weitem nicht das gleiche Niveau wie hier verlangt wird, vor Ort wurde repariert, mit allem, was halt grade da war. Hier war dann heillose Überforderung beim Auslesen, von E-Fahrzeugen ganz zu schweigen.

  • Il_Leopardo

    Na, was soll's! Dann machen die halt in der Sächsischen Schweiz ein paar Tage Urlaub - ist doch eh eine Hochburg der Völkisch-nationalen Partei. Und im Ausland sind doch nur Fremde - die mögen die doch sowieso nicht.

  • Suryo

    Sollen sie es ruhig zu spüren bekommen. Wer rechtsextrem wählt, hat nichts Gutes verdient. Gerade WENN man den AfD-Wähler und seine freie Wahl ernstnimmt, kann man Konsequenzen nur gutheißen.

    • Waldreamer

      @Suryo:

      Hatte ich bzgl. Trump bei den USA anfangs auch gesagt. Bis mir jemand entgegengehalten hat, dass es bedauerlich ist für die, die ihn nicht gewählt haben. Und das waren sowohl 2016 als auch 2024 immer noch viele, trotz Wahlsieg für Trump.

      Gleiches gilt für die hier gezeigten Statistiken für Sachsen-Anhalt.