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Nein zum Zivildienst Hinterlistiger Schritt der Bundesregierung

Lotte Laloire

Kommentar von

Lotte Laloire

Zivildienst hat viele Vorteile: Junge Männer leisten Care-Arbeit und erweitern ihren Horizont. Trotzdem sollte er nicht wiedereingeführt werden.

D er Vorschlag der Bundesregierung, den Zivildienst wieder einzuführen, ist komplett abzulehnen. Wer noch vor der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 Ersatzdienst geleistet hat, erinnert sich oft gern zurück: durchfeierte Nächte und viel Schabernack. Was Zivis auch trieben, rausschmeißen konnte man sie nicht, erinnert sich ein Ex-Zivi im Gespräch mit der taz nostalgisch. Es war schließlich ein Pflichtdienst.

Während die einen in Altenheimen und andere in Krankenhäusern tätig waren, wurde dieser Mann in einer Tagesstätte für Kinder mit Behinderung eingesetzt. Dort beaufsichtigte er unter anderem einen 6-jährigen Autisten, was den damals 18-Jährigen erklärtermaßen deutlich überforderte. Doch die ausgebildeten Hauptamtlichen, die unter permanentem Personalmangel litten, hätten die besonders anstrengenden Kinder gern den Zivis aufgedrückt. Aber er habe viel gelernt, betont er.

Nicht nur, dass man irgendwann aufhören müsse zu saufen, um morgens wieder fit zu sein. Auch habe er Menschen getroffen, mit denen er sonst kaum in Berührung gekommen wäre – also nicht nur die behinderten Kinder, sondern auch seine Zivikollegen, die anders als er von der Hauptschule kamen. Klingt das alles nicht super?

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Auch rich kids müssen mal Scheißjobs machen

Junge Menschen tun etwas Soziales fürs Land – diese Idee dürfte vielen gefallen, von rechts bis links. Zivildienst heißt, dass auch rich kids mal sehen, was schlechte Arbeitsbedingungen bedeuten. Männer schauen über den Tellerrand, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, und leisten – teilweise das einzige Mal in ihrem Leben – richtig Care-Arbeit. Auch aus feministischer Sicht sollten wir die Pläne zur Wiedereinführung des Zivildiensts also begrüßen, oder nicht?

Nein. Denn all die positiven Effekte ließen sich auch anders erreichen. Manche fordern ein verpflichtendes soziales oder ökologisches Jahr. Eine andere Option wäre, dass Männer ein Care-Arbeitsjahr leisten, als gesellschaftlichen Ausgleich dafür, dass (viele) Frauen Kinder austragen und großziehen. Oder – es mag in diesen Zeiten fast verrückt klingen – der Staat bezahlt genug ausgebildete Menschen für die Arbeit in diesen Pflegebereichen. Es gibt viele Möglichkeiten.

Nicht zu unterstützen ist jedoch der untrennbar mit dem Wehrdienst verbundene Zivildienst. Diese Idee jetzt im Sommerloch zu verbreiten, ist ein hinterlistiger Versuch der Bundesregierung, Akzeptanz für die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu schaffen. Also für das staatlich organisierte Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger alter Männer.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Lotte Laloire

Lotte Laloire

Lotte Laloire ist Mitte 30 und immer noch links. Als taz-Redakteurin im Ressort "taz.eins" sowie im Online-Ressort "Regie" interessiert sie sich besonders für politische Strategien, Feminismus, Antifa, Die Linke und die Türkei. Sie ist Herausgeberin des Buchs "Trouble on the Far Right: Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe" (Transcript, 2016) und ausgebildete Surflehrerin.
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53 Kommentare

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  • David Lejdar

    Ich selbst bin eher Fan von professioneller Armee, mit den Reservisten hauptsächlich bei der Landwehr (auch um den Reservedienst schmackhafter zu machen, weil es dort generell nur um Einsatz bei direkter Verteidigung dessen geht, wo selber wohnen), und auch Fremdenlegion (wo z.B. AfghanCorps aufgestellt, in Tradition dessen als z.B. finnische Militärs Teil preußischer Armee waren, und heutzutage auch mit wie politischer Vertretung der hier lebenden Diaspora).

    Aber wenn halt jede Hand an Deck gefragt ist, da hilft man sich nicht, wenn also Verweigerung (wegen Gewissen oder Religion) mit viel Freizeit einhergeht, während andere ihr Leben auch für den Schutz dieser Personen geben. Und von daher sehe ich das so, dass der "neue Zivildienst" mit Dienst bei Berufsfeuerwehr einhergehen würde (wobei sowieso je Landkreis Berufsfeuerwehr aufgestellt, und entsprechend also "vor Ort" der Zivildienstleistenden halt wo sich zu melden).

  • axiom

    "Also für das staatlich organisierte Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger alter Männer."

    Zitat aus "Lawrence von Arabien" zitiert in "Troja" ?

    Ich habe die Nase von diesem neuen Klischee der "(weißen) alten Männer" gestrichen voll.

  • PartyChampignons

    "Eine andere Option wäre, dass Männer ein Care-Arbeitsjahr leisten, als gesellschaftlichen Ausgleich dafür, dass (viele) Frauen Kinder austragen und großziehen"

    Sollten Frauen dann ein verpflichtendes Baustellenjahr absolvieren für die harte körperliche Arbeit die überdurchschnittlich viel von Männern gemacht wird?

    Immer diese Neiddebatten.....

  • Hitchhiker

    "teilweise das einzige Mal in ihrem Leben – richtig Care-Arbeit"

    Wenn man mal etwas mit Zahlen und nicht mit narrativen unterlegen möchte. Kann man mal ein Blick in die Statistik werfen.

    www.bmbfsfj.bund.d...er-care-gap-236794

    Dann kann man sich um die Ungerechtigkeit komplett machen zu wollen auch mal die bezahlte Arbeitszeitsverteilung anschauen.

    Aber gut man kann es auch lassen.

  • FtznFrtz

    Ich habe Zivildienst geleistet, es war nicht wirklich toll. Natürlich wurde man als billige Arbeitskraft im medizinischen Bereich ausgebeutet, es war oft langweilig, wirkliche Wertschätzung gab es nicht.



    Man kann über die Wiederienführung des Wehrdienstes geteilter Meinung sein, bis 2022 war die Idee eines konventionellen Krieges in Europa absurd, dann griffen die Russen in der Ukraine an. Wenn es die Bedrohung gibt muss man ihr auch begegnen. Dass die Betroffenen nicht Hurra rufen vestehe ich, habe ich damals auch nicht. Wenn es sein muss, wobei ich noch Zweifel habe, bin ich für die Wiedereinführung von Wehr- und Zivildienst. Es allerdings als Selbsterfahrungsprogramm zu sehen, das einen aus der eigenen Blase bringt, dafür dauert es zu lange und ist auch ein zu schwerer Eingriff.

    • Donni

      @FtznFrtz:

      das einen aus der eigenen Blase bringt, dafür dauert es zu lange und ist auch ein zu schwerer Eingriff.

      Dauert zu lange? Wie meinen Sie? Zwei drei Jahre oder ala W15 (Monate). Um aus der Blase zu kommen braucht es Monate, so schnell sind alte Gewohnheiten nicht zu überwinden.

  • Michael Josef Rittel

    Ich habe Zivildienst in einem Jugendwohnheim in Köln geleistet. Dort wohnten Jugendliche mit einem Handicap, Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten waren und Jugendliche, die in Köln ihre Ausbildungsstelle hatten. Für einen Zivi war das eine anspruchsvolle Arbeit. Es war eine wichtige Zeit in meinem Leben. Ich habe viel gelernt.

  • si tacuisses

    "Also für das staatlich organisierte Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger alter Männer."

    Mhhh, "selten so einen Unsinn gehört", wollte ich schreiben, doch man kann nur sagen, "ständig dieser Unsinn bei dem Thema".



    Wenn es wirklich zu einem Krieg kommen sollte, was niemand hofft, dann werden immer junge, körperlich fitte Menschen als Soldaten eingezogen. Zu jung geht nicht, zu alt auch nicht. Aus logischen Gründen. Wenn das Ende naht, dann wurden aber sogar die in einem "Volkssturm" dann wirklich verheizt.



    Damit es aber gar nicht zu einem Krieg kommt, muss man denen, die keinen Frieden wollen, zeigen, dass man sich wehren kann. Das haben wir die letzten Jahre zu sehr schleifen lassen.



    Ich bin klar pro Wehrdienst mit der Möglichkeit einen Ersatzdienst zu leisten. Nicht nur, weil es den Feinden des Friedens klar zeigt, wir lassen uns nicht einfach überfallen, sondern auch weil die Gesellschaft zusammenrücken muss. Dazu gehört auch ein Zivildienst. Ich habe den gemacht und bin auch stolz drauf, dass ich den gemacht habe. Alten Menschen den Hintern abzuwischen war am Anfang echt nicht schön, aber hat Menschen geholfen.

  • Filou

    Wenn der verpflichtende Wehrdienst kommt, muss auch der verpflichtende Zivildienst kommen, schon aus Gerechtigkeitsgründen.



    Allerdings sollte dies für alle Geschlechter gelten, nur Männer einzubeziehen ist in der heutigen Zeit und der Emanzipation nicht mehr zu begründen.

  • Powpowerpow

    Sehr schlauer Artikel, der genau das auslöst was gewollt ist. Eine kontroverse Diskussion.

  • Markus Steitz

    Der Begriff "care-Dienst" wird in Fachkreisen eher für die Palliativ Pflege verwendet, nicht für allgemeine Pflege- oder Betreuungsleistungen.



    Manchmal wird der Begriff im Englischen verwendet, meist aber genauer verwendet, z.B. Home Care oder Healthcare.



    Selbst mit einem durchschnittlichen Einkommen gehört man in Deutschland zu den 5% der reichsten Menschen auf der Welt, sind wir nicht alle "rich kids"?

    • Axel Schäfer

      @Markus Steitz:

      Warum gleich die ganze Welt, mir würde reichen zu den 5% der reichsten Menschen in Deutschland zu gehören.

      Es ist schon absurd wie einem in Deutschland immer eingeredet wird es gäbe hier keine absurde Ungleichheit auch und gerade vor dem Gesetz und der Steuer.

    • Fränzchen

      @Markus Steitz:

      "Selbst mit einem durchschnittlichen Einkommen gehört man in Deutschland ..."



      Durchschnitt, kennste?



      Millionär und Obdachloser haben durchschnittlich je eine halbe Million. Ein Obdachloser in Deutschland dürfte sich über Ihre Einordnung als "rich kid" wohl wundern.

  • wintermute

    Das Recht auf Zivildienst ergibt sich aus dem Grundgesetz. Niemand darf zum Dienst an der Waffe gezwungen werden. Kommt die Wehrpflicht, kommt zwangsläufig der Zivildienst. Nichts gegen Meinungsbeiträge, aber ein Mindestmaß an Recherche sollte man als Leser erwarten dürfen.

    • Detlev Beutner

      @wintermute:

      Verstehe das Problem nicht. Der Artikel spricht sich mit guten Gründen gegen die Einführung des Zivildienstes aus. Es ist nur ein kleiner logischer Schluss, dass er sich aus den von dir genannten Gründen damit implizit gegen die Wehrpflicht ausspricht...

      • Encantado

        @Detlev Beutner:

        "Es ist nur ein kleiner logischer Schluss, dass er sich aus den von dir genannten Gründen damit implizit gegen die Wehrpflicht ausspricht..."



        Von hinten durch die Brust ins Auge, wie man so schön sagt.



        Wenn man argumentativ nichts gegen einen Wehrdienst vorbringen kann, versucht man ihn auf diese Weise zu Fall zu bringen? Ist es das, was Sie sagen wollen?

  • Philippo1000

    Noch eine kleine Bemerkung zur Bildunterschrift:



    diese „ Übung“ ist glücklicherweise nicht mit dem Zivi beendet worden.



    Es geht weniger um das „ Handling“, sondern um einen Perspektivwechsel.



    Wie sieht die Welt vom Rollstuhl aus aus?



    Wo liegen die Hürden?



    Werde ich noch angesprochen, oder nur der, der mich schiebt?



    Eine gute Erfahrung.



    Perspektiven zu wechseln ist das ja eigentlich immer.

  • Simon Lübbers

    Ein verpflichtendes soziales Jahr wäre verfassungswidrig, weil das Grundgesetz aus gutem Grund Zwangsarbeit verbietet. Eine Ausnahme gilt nur für die Wehrpflicht für Männer und den damit verbundenen Zivildienst. Daher wäre auch die oft geforderte Wehrpflicht für beide Geschlechter unmöglich.

    • Birger Gerling

      @Simon Lübbers:

      Warum wäre Ihrer Meinung nach die Wehrpflicht, unabhängig vom Geschlecht, nicht möglich?

      • Francesco

        @Birger Gerling:

        Man müsste halt das GG ändern. So wie damals, aks die Möglichkeit der Wehrpflicht ins GG geschrieben wurde.

  • Chris McZott

    Den letzten Absatz finde ich daneben.

    1. Als ob die Verteidigung eines demokratischen Staates ein "Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger alter Männer" sei.



    Wäre der Kampf gegen die AfD dann auch das "Verheizen junger Menschen im Interesse weniger alter Frauen?"

    2. "Hinterlistig" ich bitte Sie.... Die Sommerloch-Argumentation ist bei jedem Thema albern. Sollen politische Diskussionen in der sitzungsfreien Zeit eingestellt werden? Wenn ja, warum hört die taz dann nicht im Sommer auf über Innenpolitik zu berichten?



    Generell ist das eine Denkweise von Journalisten und Spindoktoren.

  • Hartmut Wolff

    Im Krieg sterben überwiegend junge Männer.



    Für alte weiße Männer und deren Macht und Besitz.



    Und für junge und alte weiße Frauen.



    Kann man alles irgendwie aufrechnen und rechtfertigen.



    Aber tot ist tot.



    Also lieber keine Wehrpflicht, keinen Krieg sondern Frieden.

    • DerLurch

      @Hartmut Wolff:

      Gute Idee. Und wenn die anderen keinen Frieden möchten? Weil das ist ja nun offenbar die Realität. Ich bin sicher, der Gemüseverkäufer aus den Nachrichten, der von einer russischen Drohne gejagt und verletzt wurde, wollte auch gern in Frieden sein Gemüse verkaufen.

    • Encantado

      @Hartmut Wolff:

      "Also lieber keine Wehrpflicht, keinen Krieg sondern Frieden."



      Amen.



      Blöd nur, dass das nicht nur in den eigenen Händen liegt. Fragen Sie z. B. mal in Kiew nach.

      • T-Rom

        @Encantado:

        ES leigt mehr in den eigenen Händen als uns manche glauben machen möchten. Fragen Sie mal Ghandi, oder nach der baltischen ("singenden") Revolution.

        • DerLurch

          @T-Rom:

          In Anbetracht der Tatsache, dass nur wenige Stunden entfernt Menschen im Raketenhagel in den Trümmern ihrer Häuser sterben, Alte, Kranke und Kinder ermordet werden ist Ihre Einstellung meiner Meinung nach nur blanker Hohn und moralisch verwerflich.



          Es ist schlimm, dass selbst in den linksakademischen Kreisen hier solche Aussagen ernsthaft getroffen werden

  • Cristoph Petersen

    " Zivildienst heißt, dass auch rich kids mal Scheißjobs machen müssen. " Den muss ich wiedersprechen. Ich kenne einige Wohlhabende Personen die vor 2011 sich schon da rausgekauft haben. Vati kennt die richtigen Personen.

    • Birger Gerling

      @Cristoph Petersen:

      Da muss ich wiederum widersprechen.



      Abi 1996, Privatschule, die Jungs haben fast alle (wenige Ausnahmen gibt es immer und überall) Bund oder Zivildienst gemacht.



      Anekdotische Erfahrungen gibt es eben in alle möglichen Richtungen, deshalb sagt das wenig aus.

  • Mendou

    „staatlich organisierte Verheizen vieler junger Männer im Interesse einiger weniger alter Männer.“ Ist der Autorin bewusst, das dass eine Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine ist und das sich eine Demokratie sich nicht selbst verteidigt?



    Auch sonst ist der Artikel vollgestopft mit Vorurteilen und schlecht Recherchiert.



    Praktisch alle Männer die ich kenne und die in den letzten 10 Jahren Vater geworden sind, haben Elternzeit genommen. Andere sind getrennt und der Teil wo sich die Kinder die meiste Zeit aufhalten.



    Mann wurde auch nicht irgendwo eingesetzt beim Zivildienst, sondern hat sich den Platz normalerweise selbst gesucht. Ich habe Zivildienst bei der Nachbargemeinde gemacht und da alle möglichen handwerklichen Dinge. Das wir alle in Pflegeberufen gearbeitet hätten ist ein Märchen.

  • Astrid Sehnefeld

    Ich bin klar für die Wiedereinführung der Wehrpflicht - für ALLE Geschlechter!



    Und ich würde mich freuen, wenn eine große Mehrzahl den Dienst verweigert und ihn stattdessen zivil ableistet.



    Die Entkopplung zwischen jung und alt ist ein zunehmendes Problem im Land. Auch Kinder- und Jugendfeindlichkeit nimmt zu.



    Ein verpflichtender Dienst brächte Jung und Alt zusammen, die sonst nie aufeinanderträfen.



    Das schafft Verständnis füreinander.



    Konfrontation ist etwas, dass wir zunehmend umgehen - online (Bubble) wie offline (spontan allein irgendwohin und Fremde treffen, früher normal, macht heute kaum einer mehr...)



    Wir brauchen wieder mehr füreinander Einstehen.



    Der Zivildienst ist ein hervorragendes Mittel das zu schaffen.



    Gleichzeitig könnte er den Notstand in Pflege, bei THW, freiwilligen Feuerwehren oder Rettungsschwimmermangel in Freibädern ein bisschen lindern - oder gar diese Mangelberufe und Ehrenämter für einige attraktiv machen.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    "Eine andere Option wäre, dass Männer ein Care-Arbeitsjahr leisten, als gesellschaftlichen Ausgleich dafür, dass (viele) Frauen Kinder austragen und großziehen."

    Ganz schlechte Idee. Dann verlangen die Männer eine Pflichtanzahl von Kindern, die Frauen austragen müssen.

  • Lee Ma

    Militärdienst hat viele Vorteile: Junge Frauen leisten Dienst an der Waffel, erweitern ihren Horizont und lernen neue Länder kennen.

    Oder anderes formuliert: Was ihr – zurecht – für die Frauen nicht wollt, solltet ihr für die Männer nicht als Bonus darstellen, obwohl Zwangsverpflichtungen jetzt auch für Männer nicht so der Hit sind.

  • SanktNiklas

    Es ist ja nicht so, dass der Zivildienst gesellschaftlich nicht sinnig gewesen wäre. Ich möchte sogar behaupten: so attraktiv für Staat und Gesellschaft, dass man die ansonsten teure Wehrpflicht gerne beibehielt, jahrelang über ihre Haltbarkeitsdauer hinaus.

    In diesem Kommentar sind einige verwunderliche Vorschläge enthalten:

    Ein Jahr Carearbeit für Männer. OK. Und was wenn der Mann seine Zeit doch lieber bei Bundeswehr, Polizei oder Feuerwehr absitzen wollte? Wie genau soll das funktionieren? Grundgesetzänderung? Also bitte.

    Was soll dieses der Lächerlichkeit preisgeben dessen, was die Zivis geleistet haben? Musste einen Autisten betreuen, war überfordert, hat zuviel gesoffen aber gelernt, nicht ganz so viel zu saufen. Ich finde es wenig angemessen, das so zu verkürzen. Das wär vielleicht einen recherchierten Artikel ihrerseits wert.

    Dass mit der möglichen Wiedereinführung des verpflichtenden Wehrdienstes auch die Wiedereinführung des verpflichtenden Ersatzdienstes einhergehen muss halte ich für unerlässlich.

    Insgesamt bin ich etwas verständnislos, was die Richtung ihres Kommentares angeht.

    Achso, was die Rich Kids angeht: die werden sowieso in Ruhe gelassen.

  • Encantado

    "Der Vorschlag der Bundesregierung, den Zivildienst wieder einzuführen, ist komplett abzulehnen."



    Sie wären demnach für einen Wehrdienst ohne Möglichkeit der Verweigerung mit Ersatzdienst?



    Also, wenn ein Wehrdienst kommt. Denn kommt er nicht, kommt auch kein Zivildienst. Das sind zwei Seiten derselben Medaille.

  • Ramaz

    12 Monate für den Staat, von jedem deutschen Bürger-in.



    Der Staat ist schließlich das ganze Leben da.



    Ist das zuviel verlangt? 12 Monate Wehrdienst, Feuerwehr, Wälder schützen . . . . usw. Es geht nicht nur um alten Menschen den Hintern zu putzen.



    Europa existierte seit Jahrzehnten in einem Wattebausch und konnte nur zusehen als Jugoslawien zerfiel. Seit dem kommt die Welt mit ihrem verhalten das der stärkere recht behält uns immer näher. Daher Wehrdient für alle junge deutsche Menschen, oder eben den Ersatzdienst. Es ist so einfach zu sagen das es die Aufgabe des Staates ist sich um Land und Leute zu kümmern. Nun ja, wir sind der Staat. Und wer anführt von wegen "freiheitliche Entscheidung über sich selbst etwas zu tun oder nicht" redet seine Faulheit etwas für irgendjemanden zu nur schön. Immer haben haben will und blos nichts geben

  • pablo

    Und wieder sollen die Kinder die scheiße der Erwachsenen ausbaden.

  • Philippo1000

    Kennenlernen ist der erste Schritt zur Erkenntnis.



    Der freiwillige Wehrdienst bleibt so lange freiwillig, wie sich eine ausreichende Anzahl meldet.



    Ansonsten kann die Wehrpflicht wieder eingeführt werden.



    Genauso, wie die Bundeswehr ihre Kapazitäten für Musterung und Unterbringung aufstockt, wird für einen möglichen Zivildienst voraus geplant.



    Es erschließt sich nicht, was daran hinterlistig sein soll.



    Hinzu kommt der "Erfahrungsbericht eines Einzelnen, der über Hörensagen wiedergegeben wird".



    Das ist dann ja schon fast eine repräsentative Umfrage.



    Ich bleibe dabei: gemeinsam arbeiten schafft Gemeinsinn.



    Die gesellschaftliche Entwicklung geht in eine andere Richtung.



    Es wäre gut, wenn junge Menschen, von überall her, wieder zusammen gewürfelt würden und zusammen arbeiten "müssen".



    Da kommen Vorurteile auf den Tisch, können aber auch abgebaut werden.



    Es bestünde eine zweite Chance für "Abgehängte", die z.B. keinen Schulabschluss haben.



    Es gibt in Deutschland derzeit bedenkenswerte Entwicklungen.



    Hier gäbe es eine Möglichkeit, jungen Erwachsenen positive Beispiele anzubieten.



    Diese Gelegenheit sollten Demokrat*Innen zu schätzen wissen.

  • Bluewater

    Zivildienst beinhaltete früher auch 10 Jahre Ersatzdienst beim KatSchutz. Seitdem dieser weggefallen ist, sind die Zahlen bei den KatSchutz-Einheiten rückläufig. Die wenigsten jungen Menschen kommen mit Hilfsorganisationen in Berührung. Zivildienst war eine Möglichkeit diese kennenzulernen. Ich bin eher für ein Soziales Jahr für alle, bei dem sich die Teilnehmenden aussuchen können, ob sie zur Armee gehen oder zum Zivildienst. Ein Care-Jahr für Männer als Ausgleich für Schwangerschaften ist abzulehnen. Finde schon interessant, dass die Autorin Zwangsdienst ablehnt, bitte weder zivil noch militärisch, weil böse alte Männer gute junge Männer in einem Krieg verheizen (oder im Altersheim?). Dann aber ein Zwangsjahr von Männern verlangt, weil nur Frauen schwanger werden (können) und Männer, keine Ahnung, grundsätzlich faul sind? Kann man sich da dann auch von befreien lassen, so durch Wehrdienst und/oder Ehrenamt? Wie viele Stunden im Jahr über wie viele Jahre sind da nötig und abzuleisten? Oder darf auch ausgemustert werden? Gibbet einen fünf Kilo-Schein?

  • Stefan Haker

    Der Artikel wirkt mir wenig durchdacht, eher kurz vor Feierabend noch was raushauen.



    Der Zivildienst war meines Wissens ja schon immer für die Männer gedacht , die aus Gewissensgründen keinen Wehrdienst geleistet haben. Er diente nicht dazu um Männer zu zeigen, wie Care-Arbeit funktioniert oder sie vom Saufen abzuhalten.

    Auch wenn die Musterung mit 18 erfolgt werden wohl die meisten eher Männer älter sein, wenn sie eingezogen werden, z.B. nach der Ausbildung. Ich war so 23 und damit etwas älter als mein Uffz in der Grundausbildung.

    Das verpflichtende soziale oder ökologisches Jahr grenzt für mich an Zwangsarbeit und wäre damit illegal , das gleiche gilt für diesen grenzdebilen Vorschlag für einen Schwangerschafts-Ersatzdienst.

    Ich dachte in den 1990er Jahren …Wozu brauchen wir noch eine Armee?! Heute bin ich vermutlich nicht der einzige, der seine Meinung dazu revidiert hat.

    Es gab ja zur Wehrpflicht immer das Argument vom Staatsbürgern in Uniform und glaube das es nicht ganz falsch war und der Zustrom von Zivilisten diesen militärischen „Pling Pling“ und Korpsgeist abgemildert hat. Da lagen in den Kasernen teilweise noch Wehrmachtsdevotionalien in den Andachts-Vitrinen.

  • Anne Pipenbrinck

    Ehrlich gesagt, verstehe ich den Kommentar nicht so recht. Zivildienst ist der zivile Zwilling des Wehrdiensts. Insofern ist eine Diskussion über Sinn oder Unsinn des Zivildienst zwangsläufig an eine entsprechende Diskussion über Wehrdienst gekoppelt. Kurz gesagt: Kommt die Wehrpflicht, kommt auch der Zivildienst wieder. Denn Wehrdienst oder gar nichts tun ist nun mal keine Option. Dass die Geschichte des Ersatzdiensts eine holprige ist, mit bizarren Religons-Gewissensprüfungen und zunächst nur für Kirchenmitlgieder verfügbar, Dies zeigt, dass der Zivildienst eine hart erstrittene zivilgesellschaftliche Errungenschaft ist.

    Es ist klar, dass Krankenhäuser, Altenheime, Kitas und andere eigentlch qualifizierte Kräfte brauchen und dass Zivildienstleistende das nicht leisten können. Aber Zivildienst auf Care-Arbeit zu verengen, ist einfach falsch. Es gibt auch Dienstmöglichkeiten abseits von Pflege und Betreuung, z. B. im Unweltsektor oder im Katastrophenschutz.

    Daher finde ich die Betrachtung einfach zu verengt, auch wenn einige Kritikpunkte sicherlich bedenkenswert sind.

  • hedele

    Ich verstehe es nicht ganz. Was soll man denn sonst tun außer Zivildienst, wenn man den Wehrdienst verweigert? Und das würde ich heute wieder tun. Das verpflichtende soziale Jahr wäre doch nur ein anderer Name für dieselbe Sache?



    Ich finde die Voruteile auch unangebracht.



    Ich war damals im Altenheim die ersten drei Monate der allseits bemutterte Hahn im Korb, wurde dann aber plötzlich wie eine Pflegevollzeitkraft eingesetzt - Party war da kaum mehr möglich.



    Meine Wehrdienstkollegen hingegen wurden die ersten drei Monate sklavenmäßig geschunden und gedrillt, hatten danach aber nur noch sterbenslangweilige Wachdienste und waren praktisch ständig besoffen.

  • DiMa

    "Eine andere Option wäre, dass Männer ein Care-Arbeitsjahr leisten, als gesellschaftlichen Ausgleich dafür, dass (viele) Frauen Kinder austragen und großziehen."

    Noch offensichtlicher kann man kaum gegen das Grundgesetz verstoßen.

  • Puky

    Die Einführung der Wehrpflicht mit dem "verheizen" von jungen Männern zu vergleichen ist ein schräger Vergleich. Interessant wird es, wenn im Ausgleich für das Austragen von Kindern, Männer ein Care-Arbeitsjahr ableisten sollen. Keine Frau wird zum Austragen von Kindern gezwungen.

    • Powpowerpow

      @Puky:

      In Ihrem Beitrag schwingt ein patriarchalischer Unterton mit.

    • Hektor Rottweiler

      @Puky:

      “Und großziehen”



      Was soll man denn machen, wenn es den Vätern am Ende doch scheißegal ist, und sie sich weigern, Verantwortung zu übernehmen? Die Kinder dann aussetzen?

      Sorry, aber zeig mir eine Statistik zur Aufteilung von Care-Arbeit, die nicht belegt, dass Frauen deutlich überproportional in die Verantwortung genommen werden, die ausgetragenen Kinder auch zu versorgen.



      Manchmal wünschte ich, Frauen würden echt mal sagen, “na gut dann halt nicht”, aber das ist halt auch keine Lösung…

    • O.F.

      @Puky:

      Stimmt, Frauen werden nicht zum Austragen von Kindern gezwungen - es dürfte Männern allerdings schwerfallen, sich im Alleingang zu reproduzieren (Sie wissen vielleicht, die Bienchen und die Blümchen). Und wenn Sie dann einmal darüber nachdenken, was für einen Karriereknick Schwangerschaften noch heute bedeuten, könnte man ein Care-Jahr für Männer durchaus gerecht finden...

      • Encantado

        @O.F.:

        "...könnte man ein Care-Jahr für Männer durchaus gerecht finden..."



        Gedanken und Meinungen sind je bekanntlich frei. Und Gerechtigkeit ist sowieso ein nie endendes Thema. Da spielen derart viele Aspekte mit rein, dass Sie mit derartigen plakativen Aussagen ganz sicher immer irgendwo Unrecht haben...

    • pablo

      @Puky:

      Natürlich werden die verheizt sobald Krieg ist was macht man denn sonst mit Soldaten

      • DerLurch

        @pablo:

        Mh. Menschen beschützen? Damit die nicht "verheizt" werden?

    • hedele

      @Puky:

      Wer aber soll es denn machen, wenn nicht die Frau? Oder brauchen wir jetzt plötzlich keine Kinder mehr? Ich fände es da schon gut, wenn die Elternzeit besser verteilt wird. Denn als Mann hat man es erfahrungsgemäß schwer, seinem Chef das so zu erklären, dass kein Karriereknick nachfolgt. Wenn es da eine glasklare Unterstützung vom Staat gäbe, der einfach die hälftige Teilung vorgibt, wäre es einfacher.

      • Encantado

        @hedele:

        "Wenn es da eine glasklare Unterstützung vom Staat gäbe, der einfach die hälftige Teilung vorgibt, wäre es einfacher."



        Einfacher sicherlich. Aber was ist mit dem freien Willen der Beteiligten?



        Es ist halt nicht einfach...

        • sociajizzm

          @Encantado:

          Norwegen und Island zeigen das die richtige gesetzliche Regelung einiges verändern kann.

          Es ist halt doch rel einfach 😉

          • Encantado

            @sociajizzm:

            "Es ist halt doch rel einfach"



            Falsch. Man kann es sich einfach machen. Das ist ein Unterschied.