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Mietenpolitik in BerlinDer Deckel soll's richten

Ein SPD-Vorschlag für einen neuen Mietendeckel ist heftig umstritten. Kann er eine Vergesellschaftung ersetzen? Oder ist er ein Wahlkampfmanöver?

Schweißperlen auf dem Mietendeckel Foto: imago
Uwe Rada
Erik Peter

Aus Berlin

Uwe Rada und Erik Peter

Die SPD-Fraktion hat auf ihrer Klausur in Rostock einen Neuanlauf zum Mietendeckel beschlossen. Wie soll der funktionieren?

Die Mieten sollten ab einem bestimmten Stichtag eingefroren werden und danach nur noch in Höhe der Inflation steigen dürfen. Gleichzeitig sollen die Gewinne der Eigentümer auf maximal 4 Prozent der Einnahmen aus der Jahresnettokaltmiete begrenzt werden, der Rest muss für Instandhaltung, energetische Modernisierung und Neubau verwendet werden. Betroffen wären alle Vermieter mit mehr als zwei Wohnungen, die SPD spricht von 1,4 Millionen Wohnungen.

Diesmal soll er mit dem Vergesellschaftungsparagrafen 15 im Grundgesetz begründet werden. Wie realistisch ist das?

Die SPD sagt, die Anwendung des Paragrafen sei der Auftrag aus dem Volksbegehren. Zugleich will sie einen Schutzstatus für alle Mieter:innen, nicht nur für jene, die von einer Vergesellschaftung profitieren würden. Die Meinungen darüber gehen wenig überraschend auseinander. Der Bielefelder Verfassungsrechtler Simon Kempny sieht dafür gute Chancen. Bis Frühjahr will er dies in einem Gutachten belegen. Kempny sagt aber auch, dass nur etwa 10 Prozent aller Fragen, die den Paragrafen 15 betreffen, durch Rechtssprechung geklärt sind. Jeder Vorstoß, der sich darauf bezieht, wird beim Landesverfassungsgericht oder auch beim Bundesverfassungsgericht landen.

Andere Experten sind skeptischer.

Der Verfassungsrechtler Ullrich Battis argumentiert, dass auch der Verweis auf das Grundgesetz die Gesetzgebungskompetenz des Bundes beim Mietrecht nicht außer Kraft setzen könne, und erinnert an den 2021 an Karlsruhe gescheiterten Mietendeckel. „Das Bundesverfassungsgericht hat klar gesagt, für soziales Mietrecht ist der Bund zuständig, nicht Berlin“, sagte Battis dem Tagesspiegel.

Und was sagt die Expertenkommission zum Vorstoß der SPD?

Isabel Feichtner von der Universität Würzburg zum Beispiel sieht in dem Vorschlag „ein gutes Instrument“, wie sie im Gespräch mit der taz sagt. Sie spricht von einer „gebotenen Regulierung der Wohnraumbewirtschaftung“, für die das Land die Kompetenz habe und die „nicht entschädigungspflichtig“ sei. Dies müsste offensiv begründet werden, etwa mit der „starken Sozialbindung“, die für das Eigentum an Wohnraum existiere. Den argumentativen Weg über Artikel 15 empfindet Feichtner als „Etikettenschwindel“. Damit wolle die Partei den Anschein erwecken, dem Volksentscheid gerecht zu werden, ohne allerdings tatsächlich zu vergesellschaften und darüber Mitbestimmungsrechte für Mie­te­r:in­nen herzustellen.

Dieses hohle Wahlkampfmanöver lassen wir der SPD nicht durchgehen

Ida Mühlhaus, Sprecherin DW enteignen

Die SPD hat auch eine Sozialquote und ein Mietenkataster in einem verschärften Wohnraumsicherungsgesetz gefordert und will das noch in dieser Legislaturperiode umsetzen. Was heißt das?

Die Idee ist eine gesetzliche Sozialquote, die nicht nur den Neubau, sondern auch Bestandswohnungen betrifft. Zudem soll jede Wohnung vollständig erfasst werden, um die Rechtmäßigkeit von Mieten überprüfen zu können. Für Ersteres fehlt bislang das Konzept, bei Zweiterem müsste die CDU mitziehen. Bislang waren sowohl Christdemokraten als auch SPD-Bausenator Christian Gaebler der Meinung, dass ein Mietenkataster bundesrechtlich geregelt sein müsse und nicht von einem Bundesland geschaffen werden kann. Offenbar hat da die Fraktion Druck auf den eigenen Bausenator ausgeübt.

Ist die SPD plötzlich wieder Mieterpartei?

Die SPD hat vor allem Angst. Angst, dass die Linkspartei mit dem Mietenthema und der Forderung nach Vergesellschaftung ins Rote Rathaus einzieht. Weil die SPD nicht enteignen will, setzt sie nun auf den Mietendeckel 2.0. Das ist natürlich auch der Versuch, Boden gegenüber der Linkspartei gutzumachen, die in Umfragen vor der SPD liegt.

Sowohl bei Enteignung als auch bei flächendeckenden Sozialquoten, womöglich auch bei einem neuen Mietendeckel, müssten die privaten Wohnungskonzerne entschädigt werden. Gleichzeitig wird eine neue Landesregierung massiv sparen müssen. Wie geht das zusammen?

In der SPD kursiert immer noch eine alte Zahl des Landesrechnungshofs, nach der eine Vergesellschaftung 40 Milliarden Euro kosten würde. In einem Gutachten der Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen vom November wird die Entschädigungssumme auf zwischen 10 bis 17 Milliarden Euro beziffert. Diese könnte eine noch zu gründende Anstalt des öffentlichen Rechts über Kredite finanzieren, ohne dass dies den Landeshaushalt belastet.

Und was würde eine Entschädigung für eine Sozialquote sowie einen Mieten- und Gewinndeckel kosten?

Darüber schweigt die SPD-Fraktion bislang. Eine Verpflichtung für Sozialquoten für 1,4 Millionen Wohnungen wird nicht kostenneutral zu haben sein. Wenn, wie von der SPD gefordert, nur 4 Prozent der jährlichen Mieteinnahmen an die Eigentümer ausgeschüttet werden dürfen, habe der Eigentümer nichts mehr von seiner Wohnung, sagt der Düsseldorfer Verfassungsrechtler Martin Morlok dem Tagesspiegel: „Das wird horrend teuer.“

Und was sagt die Linkspartei?

Spitzenkandidatin Elif Eralp spricht von einer „Scheinlösung“. „Statt leerer Versprechungen sollte die SPD besser einen Mietendeckel umsetzen, wo es sofort möglich ist, nämlich bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen“, sagt sie.

Und die Initiative DW enteignen?

Sie besteht, auch das wenig überraschend, auf Vergesellschaftung. Die Vorschläge der SPD seien kein Weg in die Gemeinwirtschaft, wie sie der Paragraf 15 vorsehe, sondern eine bloße und teure Regulierung von Marktwirtschaft, bei der die Wohnungen bei den Konzernen verblieben. „Dieses hohle Wahlkampfmanöver lassen wir der SPD nicht durchgehen“, sagt Initiativensprecherin Ida Mühlhaus.

Wäre eine Enteignung privater Wohnungskonzerne nicht auch ein Fall für Karlsruhe?

Natürlich. Aber in diesem Fall geht es nicht um einen Eingriff in die Bewirtschaftung von Wohnungen privater Konzerne, sondern um deren Vergesellschaftung. Die Expertenkommission, die der Senat nach dem Volksentscheid Deutsche Wohnen & Co enteignen eingesetzt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass eine solche Vergesellschaftung verfassungskonform ist.

Was sagt der Mieterverein?

Geschäftsführerin Wibke Werner: „Jeder Versuch, der eine funktionierende Mietenregulierung zum Ziel hat, ist zu begrüßen.“ Den Ansatz der SPD, einen Mietendeckel auf der Grundlage des Grundgesetzes einzuführen, findet sie interessant. Zudem hofft Werner, dass das Thema Mieten im Wahlkampf nicht zu einem Streit zwischen Linken, SPD und Grünen führt.

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33 Kommentare

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  • Gewinne auf maximal 4% deckeln wollen. Na klar, da bringt ja selbst Tagesgeld mehr, von ETFs und Aktien will ich erst gar nicht anfangen.



    Die Idee, das höhere Mietgewinne zwar erzielt werden dürfen, aber in Instandhaltung und energetische Modernisierung fließen müssen, ist das Krönchen des Paralleluniversums.



    Schon jetzt wartet man auf viele Handwerker ein halbes Jahr und länger. Es gibt überhaupt keine Kapazitäten im Handwerk einen plötzlichen Run auf Sanierungen abzufedern. Es herrscht Fachkräftemangel. Das Handwerk hat weder leere Auftragsbücher noch einen Personalüberschuss.



    Und wenn dann tatsächlich einige Wohnungen komplett energetisch saniert sind - wer soll die sich dann leisten können...?



    Energetische Sanierungen sind sehr teuer. Eigenheimbesitzer kennen das, es liegt nicht oft am Willen aber sehr oft am Geld...



    Aber selbst wenn jemand so irre wäre, diese Kosten sich hinterher mit nur 4% Mietzins veredeln zu lassen, reden wir da immer noch über Mietpreise von 20€ der qm minimum.



    Die komplette Idee ist völlig an der Realität vorbei.



    Andererseits kennt man aus Berlin ja nichts anderes🤷

  • Ein weiterer Versuch sich davor zu drücken dem Wähler reinen Wein einzuschenken, und ebenso offensichtlich verfassungswidrig wie die Vorstellungen der DWE.



    Es einfach absurd zu glauben, dass man günstiges Wohnen irgendwie verordnen könne - der Bau und Erhalt von Wohngebäuden ist schlicht sehr Resourcen- und Arbeitsintensiv. Irgendeiner muss das am Ende bezahlen. Dass das die Nutzer der Wohnungen sind ist naheliegend und gerecht. Der Umstand, dass die landeseigenen Gesellschaften auch kein Wohnen zu Wunschpreisen ermöglichen können, sollte Beweis genug sein.

  • Wenn in Deutschland auch nur halb soviel Geld für Wohnen, Gesundheit und Pflege ausgegeben worden wäre (es ist nur EINE Nachkriegsgeneration, die mit überflüssigem Konsumismus geimpft wurde, der Nachwuchs muss sehen, wo er bleibt) wie für das private Auto, hätten wir kein Wohnungsproblem mehr und bei einer gerechten Verteilung des erarbeiteten Fortschritts keine Armut ! Wer kümmert sich um die Schäden der falschen Ernährung , an dem Konzerne und Supermarktketten verdienen ? Dass Geschäftemacher den Gewerkschaften und Kommunen einmal die genossenschaftlich gebauten Siedlungen, die heute Vonovia und anderen Abzockern überlassen hatten, war -das wissen wir heute- verantwortungslos und asozial, genauso wie der Verkauf von Coop oder die Abschaffung von Strassenbahnen zugunsten 'freier Fahrt' auf heute kaum noch zu finanzierbarem Verkehr. Haben wir nicht aufgepasst auf 'unsere' Politiker und Gewerkschaftler, wenn wir heute zwar 400 € für die Haltung eines PKW bezahlen dürfen, aber keinen Wohnraum mehr finden ? Zuviel ist zu viel und schadet dem Klima, nur Börsianer hatten gut davon, wir müssen sie von ihrer 'Last' befreien, ganz demokratisch!

  • Ein Mietendeckel, der rechtlichen Bestand hat, wäre natürlich dringend nötig. Die 4%-Gewinnregel scheint mir aber etwas undurchdacht. Zu Neubau dürften viele nicht in der Lage sein wegen der horrenden Grundstückspreise. Und Kosten energetischer Modernisierung können auf die Miete umgelegt werden (§559 BGB). Mithin würden Vermieter genau zu jenem Instrument gedrängt, mit dem sich ein Mietendeckel umgehen ließe.

  • "Die Mieten sollten ab einem bestimmten Stichtag eingefroren werden und danach nur noch in Höhe der Inflation steigen dürfen. "

    Wenn das nicht ein offener Aufruf an die Vermieter ist, unverzüglich die Mieten bis zum Anschlag zu erhöhen. ;-)

    • @Black & White:

      Jeder Deckel kann umgangen werden.



      Untervermieten, möbliert vermieten, minimal sanieren (weiseln, Bodenbeläge tauschen, etc) - das waren die Ideen bisher.



      Ein neuer Deckel wird neue Ideen hervorbringen. Die Nachfrage bestimmt den Preis🤷



      Das war im kapitalistischen Westen so, das war im sozialistischen Osten so.



      Da können Linke noch so sehr von Vergesellschaftung träumen, so lange hunderttausende Menschen mehr in Berlin leben wollen als Wohnraum da ist, wird Wohnraum umkämpft bleiben.



      Es ist ja schon jetzt so, dass sehr viele in den hippen Quartieren wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain oder Kreuzberg ihre Wohnung behalten und heimlich Untervermieten oder einzelne Zimmer vermieten um abzukassieren. Gerade da wo angeblich die Progressiven wohnen wird am meisten Reibach gemacht...



      Das sollte der eigenen Szene mal zu denken geben - aber daran haben die noch nie Interesse gezeigt, viel lieber schimpft man auf das Kapital und die schnöden Bonzen...



      Selbstgefälligkeit par execellence

  • Vier Prozent? Alles klar, das führt zu folgendem: Als erstes werden ALLE Mieten auf das Maximum erhöht, denn ab dem Stichtag ist dann das Vermieten keine vernünftige Einnahmequelle mehr. Zweitens werden sämtliche Mieter, egal wie groß die Wohnungen sind, in diesen wohnen bleiben. Das geht dann zu Lasten junger Familien, die es NOCH schwerer haben eine passende Wohnung zu finden. Und natürlich kann ich auch weiterhin die Miete über die Nebenkosten (Hausmeisterservice etc) hochtreiben. Es braucht vor allem MEHR Wohnraum, das haben aber weder die SPD, noch die LINKE hinbekommen. Und Zeit genug hatten sie, das Ganze auf die CDU/CSU zu schieben kann ich auf dem bayrischen Land machen, in Berlin, München etc. zieht die Schuldzuweisung nicht...

  • Die Mieten in Deutschland müssten sich an den Berechnungsgrundlagen, der für als ein menschenwürdiges Überleben erachtetes / von politischen Akteueren verabschiedeten Höhe der Grundsicherung richten. Bedeutet bei ca. 1.000 Euro für eine Einzelperson inklusive Mietkostenübernahme , bei einer zulässigen Wohnungsgröße von ca. 50 qm, und der Berücksichtigung einer Berechnungsgrundlage von, bei der durchschnittlichen Bevölkerung, ein Drittel des Einkommen für die Mietkosten aufgebracht werden, 1.000 Euro durch 3 , macht 333,33 Euro für 50 qm Wohnraum, Also 333,33 geteilt durch 50 qm , macht 6,66 Euro Warmmiete, bedeutet in der Konsequenz, über 6,66 Euro Warmmiete dürfte Wohnraum in Deutschland nicht angeboten werden. Gesetz erlassen und die Parlamentarier hätte mal eine vernünftige Arbeit geleistet.



    Wohnraum gehört zu den essentiellen, lebeserhaltenden Grundlagen in einem Staat. Hier mit Angebot und Nachfrage zu argumentieren verstößt eklatant gegen unser GG Artikel 3 Abs. 1 :



    " Alle Menschen sind gleich zu behandeln ".

    • @Alex_der_Wunderer:

      Und nach 10 Jahren in denen niemand gebaut hat, nicht saniert wurde haben wir dann eine Wohnsituation die absolut katastrophal ist. Selbst Genossenschaften können nicht für 6.66€ warm vermieten. Woher kommt überhaupt dieses Anspruchdenken nicht mehr als ein Drittel des Gehaltes für Wohnen ausgeben zu müssen und 50qm² wohnfläche zu haben?

      • @Machiavelli:

        Das Konzept, ein Drittel des Netto-Einkommens für das Wohnen auszugeben, ist als "30-Prozent-Regel" eine klassische Orientierungshilfe für eine gesunde Haushaltsführung.

        Warum nennen Sie sich eigentlich Machiavelli? Finden Sie den so gut? Der Machiavellismus bezeichnet eine rücksichtslose, manipulative Machtpolitik oder Charaktereigenschaft, bei der persönliche oder staatliche Ziele (Staatsraison) moralische Bedenken überlagern.

      • @Machiavelli:

        @Machiavelli



        Ein Drittel vom Monatseinkommen für Wohnkosten, beruht auf einem statistischem Durchschnittswert.

  • Bauvorschriften die nicht der Sicherheit oder Wohnqualität dienen streichen. Mindestanzahl an Stockwerken innerhalb des S-Bahn Rings und dann bauen und gleichzeitig den Mietmarkt zunehmend befreien. Steigen die Mieten ziehen Menschen weg und andere ziehen hin, das ist eine gesunde Dynamik und tut der Stadt gut. Langfristig wird durch viel bauen, Wegzug ein Überschuss erzeugt und die Mieten fallen wieder. Gleichzeitig müssen Arbeitgeber entweder höhere Löhne zahlen oder in andere Städte ziehen um Mitarbeiter zu bekommen/zu halten. Das ist ein win-win für alle. Eine lebendige Stadt heißt das Gegenden teurer und günstiger werden, Menschen umziehen und die Stadt sich verändert. Gentrifizierung und Verfall gehören zu einer gesunden Stadt wie Geburt und Tod zum Leben gehören.

  • Anstatt SPD sollte man 'Die Linke' wählen, dann klappt es auch mal wieder mit sozialer Politik in Deutschland.

    Wir haben seit vielen Jahren in Deutschland Rentnerarmut, Kinderarmut, Hartz4/Bürgergeld-Armut, Millionen schlecht bezahlte Jobs (Arbeitnehmer die vom Amt zusätzlich Geld erhalten, da ihr Lohn nicht ausreicht) und ca. 1000 Tafeln, an denen mittlerweile jeden Monat schon 2 Millionen arme Menschen anstehen müssen um nicht zu hungern.

    Darüber hinaus haben wir ca. 450.000 Wohnungslose und ca. 50.000 reale Obdachlose (Menschen die schon auf der Straße "leben" müssen), weil es kaum noch bezahlbare Wohnungen gibt.

    Ist das nicht toll, dass in diesem Land teure Eigentumswohnungen seit Jahren gebaut werden, die armen Menschen, die sich aber keine Wohnung zwischen 400.000 und ein paar Million Euro leisten können, auf der Straße oder in einer kommunalen Einrichtung übernachten müssen? Was wir brauchen sind bezahlbare Wohnungen (Sozialwohnungen) und nicht noch mehr "Schickimicki"-Eigentumswohnungen.

    Die SPD redet gerne "sozial" daher, sie handelt aber seit Gerhard Schröder nur noch neoliberal. Und jetzt als Steigbügelhalter der Merz-Union ist es unerträglich mit der SPD geworden.

  • Zunächst sollte wertfrei zur Kenntnis genommen werden, dass sich die Kosten für die Schaffung von Wohnraum nicht mehr mit dem durchschnittlichen Gehaltsgefüge in Einklang bringen lassen.



    Dies betrifft sowohl die öffentlichen Wohnbaugesellschaften als auch die freie Wohnungswirtschaft.



    Die Frage ist, wie Wohnraum künftig für alle Mieter bezahlbar realisiert werden kann.



    Eine wirkliche Antwort habe ich noch nicht gefunden.



    Die Vorstellung, Wohnraum könnte durch börsenorientierte Unternehmen oder private Investitionen, die nur auf eine höhere Rendite abzielen, erschwinglich realisiert werden, hat sich als falsch erwiesen.



    Wir haben einen sozialen Konflikt mit Sprengstoffpotenzial.



    Es braucht kluge Köpfe und kluge Antworten.



    Ohne Subventionen aus öffentlichen Mitteln wird sich das Problem nicht lösen lassen.

  • "Die Idee ist eine gesetzliche Sozialquote, die nicht nur den Neubau, sondern auch Bestandswohnungen betrifft. Zudem soll jede Wohnung vollständig erfasst werden, um die Rechtmäßigkeit von Mieten überprüfen zu können."



    Das bedeutet viel Arbeit und deshalb viel Personal, selbst wenn der Hauptteil über 100-Seitige Fragebogen auf die Vermieter abgewälzt wird, und es wird lange Dauern und viele Prozesse nach sich ziehen.



    Folglich schiebt die Politik das Problem auf die lange Bank.



    Die übliche Praxis der Politik, wenn sie ein Problem nicht lösen will.



    Auf die Vereine der Mieter und Vermieter sowie auf Rechtsanwälte kommt viel Arbeit zu und deshalb viel Geld.



    Die Mitgliederzahlen werden steigen.

  • Kann man alles machen, aber wer baut dann neue Wohnungen? Dass es der Staat nicht kann, wissen wir alle. Weder westdeutsche Großstädte noch die ex-DDR hat es hinbekommen.



    Und wenn der Anreiz des Gewinn machens wegfällt, suchen sich die Leute mit Geld neue Betätigungsfelder.



    Im übrigen ist die "Vergesellschaftung" eine zweispältige Sache. Warum soll der Bürger in z.B. Sachsen Wohnungen in Berlin Mitte finanzieren, wenn bei ihm zuhause weder eine ordentlicher PNV existiert noch genug Schulen und Krankenhäuser?

  • "Die SPD hat vor allem Angst. Angst, dass die Linkspartei mit dem Mietenthema und der Forderung nach Vergesellschaftung ins Rote Rathaus einzieht."

    Ja. Die sPD hat den Nachteil, dass jeder weiß, dass sie seit Jahrzehnten mit in der Regierungsverantwortung (Bund) ist. Es ist schwer, ihnen soziale Tendenzen zu glauben, nachdem sie auch in Regierungsverantwortung nie etwas gegen den Status "Freiwild" der MieterInnen in Deutschland getan habe. Ich bin strenggläubiger Atheist, aber ich würde mal sagen: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Ich lasse mich hier aber sehr gerne eines Besseren belehren.



    Wenn ich allerdings daran denke, was für Unmenschlichkeiten sie schon mit durchgewunken, oder sogar selbst initiiert haben, fehlt mir die Fantasie, dass sich das geändert haben könnte. Ich denke an "wir müssen im großen Stil abschieben" (Scholz) und an "wir werden (mit den Demütigungen der Bürgergeldempfänger) an die Grenzen dessen gehen, was das Grundgesetz zulässt" (Bas).

  • "Wenn [...] nur 4 Prozent der jährlichen Mieteinnahmen an die Eigentümer ausgeschüttet werden dürfen, habe der Eigentümer nichts mehr von seiner Wohnung" - DAS ist die "spätrömische Dekadenz", von der man früher mal so viel gehört hat.

    • @My Sharona:

      Joar, nur ist es so, dass selbst bei Neubauwohnungen min. 2% Instandhaltung pro Jahr gerechnet werden müssen. Da bleibt dann von der Miete weniger als beim Tagesgeldkonto, nur dass dieses vollkommen frei ist von Risiken und Arbeit. Ganz im Gegensatz zu Bau und Vermietung von Wohngebäuden.

    • @My Sharona:

      Für Tagesgeld gibts bis 3%, wer in eine Dividendenaktie wie Allianz investiert bekommt sicher mindestens 5 % pro Jahr. Plus Kursgewinn. Ich denke, für 4% wird sich keiner den Ärger mit Mietern und Hausverwaltungen einhandeln wollen. Da muß das Schmerzensgeld schon höher ausfallen. Ich würd als DW die Wohnungen sofort abgeben und das Geld in neue Projekte investieren, frei nach dem Motto des letzten sächsischen Königs: Macht doch euren Dreck alleene.

      • @Metulski:

        das wäre doch ein schöner Nebeneffekt wenn DW ihre Wohnung abstoßen würden weil sie keine Traumrendite auf Kosten der Mieter mehr einfahren würden. Dann würde man auch deutlich sehen was diese Häuser ohne die ganze Spekulation wirklich wert sind - da wäre man dann bestimmt auch deutlich unter den 7 Milliarden als bei den 40 (sic!) Milliarden.



        Sollen sie ihre Wohnungen doch verkaufen - wo ist da das Drohpotenzial?

      • @Metulski:

        Huch, jetzt soll man für "sein" Geld (für das faktisch andere schuften) auch noch arbeiten (oder sich wenigstens rumärgern, statt nur einzustreichen). Wenn es so käme wie von Ihnen prophezeit wäre es eine gute Sache. Negativ wäre höchstens, dass noch mehr Geld, statt produktiv investiert zu werden, Spekulationsblasen treibend (vielleicht diesmal ja mit Lebensmitteln oder Trinkwasser statt Wohnraum) dem globalen Finanzkasino zugeführt würde.

  • Mit dem "Mietendeckel" hat man sich ja schon einmal die Finger verbrannt. Viel einfacher wäre es, die Kappungsgrenze von 15%/20% Mieterhöhungen innerhalb von 3 Jahren (BGB §558) auf Werte abzusenken, die der Inflation entsprechen. Dafür benötigt man jedoch eine Mehrheit im Bundestag.

    • @Aurego:

      Die Mieten an die Inflation zu koppeln hätte man vor vielen Jahrzehnten machen müssen. Inzwischen sind die Mieten dermaßen unbezahlbar geworden, dass das alleine nicht reicht. Die Mieten müssten mindestens für eine gewisse Zeit komplett eingefroren werden, um den Rückstand aufzuholen.

      Außerdem muss zusätzlich ein solider Bestand an staatlich - alternativ genossenschaftlich - organisierten Wohnungen geschaffen werden. Wohnen ist Grundrecht und der Staat hat im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge die Pflicht, bezahlbaren Wohraum zu schaffen. Und das ist nicht "linksradikal", sondern konservativ. Denn so war es zum teil früher mal. Bevor unser Staat ein fundamentalistisch religöser Staat wurde, in dem die Mullahs des Neoliberalismus das Sagen haben.

      • @Jalella:

        Nö. War auch nie so.

      • @Jalella:

        Dass Wohnen ein Hrundrecht sei, finden Sie im Grundgesetz leider nicht. Dazu müssen Sie schon Art. 25 der UN-Menschenrechtscharta zu Rate ziehen.



        Besser, als die Mieten zu deckeln, wäre, für ordentliche Einkommenszuwächse für alle zu sorgen. Das Hauptproblem der Wohnkosten sind jedoch die hohen Grundstückspreise. Seit ich in Berlin investiert bin, ist der Bodenrichtwert dort teilweise auf das 10-Fache gestiegen.

      • @Jalella:

        Volle Zustimmung.

      • @Jalella:

        Super Idee: "Der Staat hat die Pflicht .."

        Nope. Hat er nicht.

  • "eine Vergesellschaftung 40 Milliarden Euro kosten würde. "



    Was für ein Unsinn.



    Denn das ist ja lediglich eine Umwandlung von "Geld" in "Grundbesitz". D.h. die Gesamtsumme bleibt gleich.

    Hinzu kommt dass die Gewinne aus der Vermietung nach einer gewissen Zeit (nämlich der Zeit die durch die "Entschädigungen" an die Alteigentümer abgefedert wird) der Allgemeinheit zu Gute kommen.

    Aber davon abgesehen:



    Unsere Politiker haben den Wohnungsmarkt kaputt gemacht.

    Wohlmeinend könnte man sagen aus Dummheit.



    Ehrlich betrachtet aus Klientelpolitik und Eigennutz.

    • @Bolzkopf:

      Welche Gewinne aus Vermietung?



      Wer den Zustand der Wohnungen von Vonovia und Konsorten, nicht nur in Berlin, kennt, der weiß, das hier massive Sanierungen notwendig sind. Auch wenn der neue Besitzer eine Genossenschaft wäre. Auch diese muß wenigstens kostendeckend arbeiten. Was nichts anderes heißt, das auf die Mieter der nun enteigneten Wohnungen erhebliche Mieterhöhungen zukommen müssen. Sonst wird das Ganze für den neuen Besitzer einfach nur zu einem Fass ohne Boden. Und damit wäre dann was erreicht?

      • @Oleg Fedotov:

        Ich habe durchaus ordentliche Gewinne aus Vermietung und das trotz regelmäßiger Instandhaltung und Einhaltens der gesetzlichen Vorschriften (Kappungsgrenze & Mietpreisbremse).

        • @Aurego:

          Da kann man Ihnen nur gratulieren. Sie haben die Mietobjekte offenbar geerbt oder geschenkt bekommen. Wer dagegen Wohnraum auf eigene Kosten schaffen will braucht es im Moment garnicht erst versuchen.

      • @Oleg Fedotov:

        Naja, die Entschädigung wird knapp den Marktwert betragen, wenn der sich in etwa hält, o.K. - aber was ist dann mit der energetischen Gebäudesanierung? Das müssen die Genossenschaften auch umlegen auf die Miete plus vielleicht einige Modernisierungen?

        Die allgemeine Erfahrung bei Großprojekten ist bisher: Kosten stimmen selten, es wird immer viel teurer und dauert sowieso viel länger.

        Berlin???