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LadenöffnungszeitenSollten Läden auch am Sonntag geöffnet sein?

Das Land ist mal wieder gespalten. Diesmal geht es um die Öffnungszeiten von Geschäften am Sonntag. Ein Pro & Contra.

M ehr Modernität oder mehr Me-Time am Wochenende – darüber kann man sich streiten. Hier machen es zwei taz-Redakteur:innen.

Ja, Läden sollten sonntags öffnen,

weil sich selbst Ladungsöffnungszeiten dem Leben anpassen sollten. Ein Laden, der sonntags öffnen möchte, sollte das auch tun können, der Bedarf ist da. In der jahrzehntealten Debatte wird meist vergessen, dass es bereits sehr viele Branchen gibt, für die Sonntagsdienste die Regel sind: Pflegedienste, Krankenhäuser, Bahn, Gastronomie, Polizei, Feuerwehr, Theater, Kino, Zoos, Museen, Medien, … Wer am Wochenende mit dem Auto an den Badesee will, kann selbstverständlich am Sonntag tanken und später mit den Kindern an einem Stand ein Eis essen. Oh mein Gott, den Geburtstag von Tante Erna vergessen? Kein Problem, rasch zum Blumenladen geflitzt, der hat am Sonntag auf. Abends spontan ein Bier zum Fußball? Kein Ding, der Späti hat alles.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Wer jetzt mit dem katholischen Sonntag-ist-Familientag kommt, dem sei gesagt: Pfar­re­r:in­nen haben nie einen Familiensonntag, weil sie an diesem Tag brav auf der Kanzel stehen. Wer das Argument der sonntags geöffneten Shopping-Malls anführt, die kleine Läden verdrängen, sollte aufhören, im Internet zu bestellen. Kleine Läden gehen nicht zuvorderst wegen der großen Ketten kaputt, sondern weil Online-Shopping boomt.

Gewerkschaftlicher Einsatz fürs Verkaufspersonal ist immer richtig, könnte bei der Sonntagsfrage das Ziel womöglich verfehlen: Die meisten Läden in den Malls würden am Sonntag erfahrungsgemäß gar nicht öffnen. Und ja, Ar­beit­ge­be­r:in­nen könnten Angestellte zwingen, sonntags zu arbeiten. Kostet mitunter aber Sonntagszuschläge und produziert fehlendes Personal an anderen Tagen – Stichwort Fachkräftemangel. Wer sonntags arbeitet, hat an anderen Tagen nämlich frei, es wäre auch nicht jeder Sonntag ein Pflichtarbeitstag. Es würde sich also gar nicht so viel ändern, aber die wilde Aufregung könnte sich endlich mal legen.

Simone Schmollack

Nein, Läden sollten sonntags geschlossen bleiben,

weil Arbeit nicht alles sein darf. Längst ist die Sonntagsschließung fragwürdig geworden. Warum soll der Supermarkt an der Ecke dicht sein, gleichzeitig Powershopping bei Shein, Amazon, Rewe-Online erlaubt sein? 24/7, Weihnachten, Karfreitag. Kein Wunder, wenn der stationäre Handel lahmt, die Online-Absätze boomen. Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen schwächelndem Absatz in den Läden und dem Aufstieg des Internethandels gar nicht so eindeutig. Häufig liegt es an öden Geschäften und Malls – oder dreisten Preisen.

Wenn aber DIHK-Präsident Peter Adrian nun die „seelische Erhebung“ der Sonntagsruhe diskreditiert, zeigt das eine schäbige Doppelmoral. Bitte ehrlich bleiben, Herr Adrian! Der Lobbyist der Deutschen Industrie- und Handelskammer argumentiert, das Bedürfnis, einen Tag der Woche pausieren zu wollen, sei nicht mehr modern.

Tatsächlich kommt die grundgesetzlich geschützte Sonntagsruhe aus der Weimarer Verfassung von 1919: Sie sei zur „seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“, heißt es. Klingt oldschool, ist aber topaktuell. Abspannen, Me-Time, Zeit für die Kids dürfen kein Luxus sein. Sie sind das Elixier des Lebens, das nicht von launigen Chefs abhängen darf. Am siebten Tag muss auch niemand in die Kirche gehen.

Deshalb sollte Herr Adrian das Seelische nicht kleinmachen, um Konzernen, die von lockeren Öffnungszeiten allein profitieren würden, nach dem Mund zu reden. Für kleinere Läden ist die Sonntagsöffnung vielfach unmöglich. Adrians Verweis auf freiwilliges Öffnen ist angesichts der Konkurrenz mit den Ketten zynisch. Und ja, Bäckerei-Verkäufer*innen arbeiten bereits sonntags. Dass die Koalition angekündigt hat, hier die Öffnungszeiten liberalisieren zu wollen, ist ein Indiz dafür, dass sie einmal mehr Leuten wie Herr Adrian auf den Leim gegangen ist.

Kai Schöneberg

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Kai Schöneberg

Kai Schöneberg Redakteur

Wirtschaftshistoriker, Ausbildung bei der Burda Journalistenschule. Von 2001 bis 2009 Redakteur in Bremen und Niedersachsen-Korrespondent der taz. Dann Financial Times Deutschland, unter anderem als Redakteur der Seite 1. Von 2012 bis 2024 Leiter des Ressorts Wirtschaft und Umwelt.
Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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54 Kommentare

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  • Ein bisschen mehr Gestaltungsfreiheit wäre klasse. In Frankreich konnte ich mich gestern früh noch im lokalen Carrefour für mein "14 juillet"-Picknick eindecken, bevor der Inhaber auch alles zumachte. Und dafür ist dann an normalen Werktagen in der Mittagszeit ganz viel dicht, bei den Kleinen länger als bei den Großen.



    Ich sehe das so: Wenn ich in meiner Branche von montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar sein muss, weil das eben so erwartet wird, dann gehöre ich anschließend erstmal meiner Familie, meinen Freund:innen und mir selbst. Dann ballen sich alle Aktivitäten am Samstag und Einkaufen gehört irgendwie dazu. (Ich kann schließlich nicht erwarten, dass ich das NIE machen muss, oder?) Sonntags erledige ich die Reste und bin dann selbst völlig erledigt von dem Samstagsstress. Wenn ich sonntags einkaufen gehen und einen Teil meiner Arbeit sonntags erledigen dürfte, wäre das Leben viel entspannter.

  • Dann sollten die entsprechend auch Kindertagesstätten sonntags geöffnet haben.

    Denn für viele beschäftigte Eltern ist es ohnehin so schon schwierig, wenn Spätschicht ansteht.



    Oder samstags gearbeitet werden muss.

    Warum sollten Behörden auf freitags ab 12:00 Uhr nicht mehr erreichbar sein?

    Harmoniert auch nicht mit meiner Arbeitszeit, also auch bitte auch auf die Wochenenden ausdehnen.

    Ich meide die hiesige Innenstadt. Anstatt diese von Montag bis Samstag zu meiden, würde ich diese eben von Montag bis Sonntag meiden.

    Es würde an meinen Konsumgewohnheiten nichts ändern.

  • Nö, ein Tag die Woche mal weniger Verkehr, mehr Ruhe, man kann erwarten, dass viele Verwandte und Freunde Zeit haben...



    Viele Vorteile.

    Wer glaubt, nach einer Abkehr vom arbeitsfreien Sonntag würden nicht schnell auch Dinge wie die Sonntags-Zuschläge (der Sonntag ist ja nichts besonderes mehr) oder auch das Sonntagsfahrverbot für LKW (Läden brauchen auch Sonntags Ware) gekippt, der träumt. Das wäre der Einstieg in die Normalisierung der Sonntagsarbeit, das Verschwinden des Wochenendes. Wer einkaufen muss, kann das an 6 Tagen in der Woche und bei Panik gibts noch Läden im Bahnhof etc.

    Im Gegenteil: Man sollte den Samstag wieder nachmittags enden lassen.

  • Unter der Woche den Wocheneinkauf zu erledigen ist halt ein bisschen weniger bequem als planlos in die Woche hineinzuleben, aber selbst dann sollte mensch einen einkaufensfreien Tag konsumlos überleben können. Und: Freiheit ist immer auch die Freiheit der Anderen (die ja aus welchen Zwängen auch immer eben dann noch am Sonntag arbeiten müssten), daher: Nein!

  • Menschen, die Sonntags frei haben, können tanken, mit der Bahn oder mit dem Öffi fahren, irgendwohin fliegen, in einem Hotel wohnen, allein, mit Freunden oder Familie essen gehen, einen Gottesdienst , Museen oder Sehenswürdigkeiten besuchen, erhalten Hilfe bei gesundheitlichen Problemen und sogar Feuerwehr und Polizei wären im Notfall verfügbar. Und in Urlaubsregionen haben ( Ostsee ) Supermärkte ohnehin geöffnet. All das wird abgesichert durch Menschen, die am Sonntag eben NICHT frei haben. Oder nicht jeden Sonntag, oder dafür an einem anderen Tag. Ehrlich gesagt verstehe ich nach dieser ganz sicher unvollständigen Aufzählung das Problem nicht wirklich. Wo kein Bedarf besteht, wird sich das von alleine lösen. So what ?

  • Warum sollten Einzelhandelskassen am Sonntag stillstehen? Schließlich leben die Menschen doch um zu arbeiten, damit sie konsumieren können. Jeder Tag, an dem die Kassen nicht klingeln, ist ein schlechter Tag für den Kapitalismus. Außerdem geht es der Wirtschaft schlecht. Jede/r muss sein Scherflein auch am Sonntag beitragen können, damit es wieder aufwärts geht. Gerne auch mit einem überzogenen Dispo! Auch den Menschen in unserem Land geht es schlecht. So ist zu hören. Konsum macht sie glücklich! Warum sich sonntags langweilen, wenn man shoppen könnte? Warum nicht seinen Liebeskummer (besonders schlimm an Sonntagen), den Stress am Arbeitsplatz oder mit dem Jobcenter durch den Kauf einer neuen Bluse, einem Hemd oder einem 1-Euro Gadget an einem Sonntag vertreiben? Nicht tröstet mehr, nicht hilft besser gegen das elende Leben als ein Trostpflästerchen, das man an einem Sonntag auf seine Wunden kleben kann.



    Mir ist es ein Rätsel, wie ich überleben konnte, als die Läden Mo. – Fr. von 9:00-13:00 und 15 -18:30Uhr geöffnet waren und Sa. von 8:00-14:00 Uhr. Zufriedener jedenfalls, war damals nicht nur ich. Die Müllberge waren aber auch damals schon groß.

  • Als fauler (Schlecht-) Einkaufsplaner fand ich es im (katholischen!) Irrland zugegebenermassen gut, dass alle Läden Sonntags auf haben.



    Trotzdem bin ich dagegen.



    Ein Tag verhältnismässiger Ruhe in der Stadt ist schon erholsam (inkl. weniger Verkehrslärm!). Das sollte auch für die im Einzelhandel Beschäftigten gelten.



    Sonntage sollten Feiertage bleiben.

  • Samstag gehört "Mutti & Vati" MIR!



    ----



    Erinnert sich noch wer an diesen Slogan?



    Lang, lang ist her dieser Kampf um die "5 Tage Woche"!



    Kontischicht ist "Scheiße"! Lässt sich aber in einigen Arbeitsfeldern nicht vermeiden. Krankenhaus, Hochöfen, auch Rettungsdienst oder "WE-Bereitschaft lässt sich in vielen Berufen wirklich nicht vermeiden. Da muss 24/7 eine Grundversorgung, Notdienste, usw. gewährleistet sein.



    Doch was hat "Einzelhandel" damit zu tun?



    Bei den meisten Familien ist das Bugett in diesem Bereich ziemlich festgelegt, ausgegeben wird DAS im Monat, in der Woche. Es ändert sich nichts daran, wir höchstens auf jetzt 6 dann auf 7 Tage verteilt & wird nicht mehr!



    Was verspricht sich der Einzelhandel also von dieser Änderung! Mehr Umsatz, mehr Gewinn?



    Schon die "Ausweitung" der Ladenöffnungszeiten" auf 7:00 bis 22:00 sechs Tage in der Woche hat nicht viel gebracht! Einzig der SB der kostengünstig sowas organisieren konnte, hatte da Vorteile. DER beratungsintensive Facheinzelhandel hat DAMIT NUR verloren!



    Btw. Die Behauptung damit besser auf den Onlinehandel reagieren zu können, scheint mMn. reine Schutzbehauptung zu sein!



    Mein Fazit: Was soll das, wem nützt das? :-(

    • @Sikasuu:

      Dieses Ladenschlussgesetzt,das für alle Ausländer völlig befremdlich ist, ist schon superschräg.



      Wird als Familienfreundlich bezeichnet aber am Ende ist der Sonntag der Horrortag aller Familien. Alles völlig überlaufen und voll. Ich oder meine Frau würden Sonntags gerne arbeiten, aber eine merkwürdige Allianz aus Kirche (und das in einem zu 80% atheistischen Land) und Gewerkschaften verhindern das verbissen.

    • @Sikasuu:

      "Was verspricht sich der Einzelhandel also von dieser Änderung! Mehr Umsatz, mehr Gewinn?"



      Sie denken zu kurz... wenn Wochenendarbeit zunehmend normal wird, wird einem Lohnzuschlag wegen Wochenendarbeit zunehmend die argumentative Grundlage entzogen. Da liegt der Nutzen. Also, für die Arbeitgeberseite.

  • Es zählt der Mensch am End



    Nur als Konsument.



    Wer nur noch „Shoppen" kennt,



    Steht am Sonntag planlos da...



    --



    Nix planen und nicht warten...



    Heut geh'n wir in den Garten.



    Was Mensch zum Grillen braucht,



    Gibt's im Automaten. 🐰🦬

  • Zwiegespalten.



    Einerseits kann Wochenendarbeit ok sein. Zumindest in manchen Berufen. Gerne mal einen ruhigen 24h Dienst am WE mitgenommen, inkl. der Zuschläge. Auch der Einzelhandel müsste dann Sonntagszuschläge zahlen. Das Samstags bis 20h offen ist, wird als gegeben hingenommen, war aber nicht immer so. Da war Samstags um 12h Schluss. Wo ist also die Grenze?

    Anderseits, ein Tag von dem weiss, dass viele frei haben ist auch nicht schlecht. Dann sind aber auch die Freibäder voller.

    Das Entscheidende für den kapitalistischen Einzelhandel müssten aber die Zahlen sein. Werden durch zusätzliche Stunden erhöhte Umsätze generiert? Angesichts der knappen Kassen erscheint das Unwahrscheinlich. Vielleicht sollten nur die Boutiquen öffnen, damit die Reichen nicht am Flughafen shoppen müssen.

    • @fly:

      Ich denke mal, je mehr sich Wochenends-/Sonn-/Feiertagsarbeit normalisiert wird, desto weniger stark wären die Argumente für entsprechende Zuschläge. Gefährlich.

  • Es ist in dieser viel zu hektischen und lauten Welt mehr als begrüzenswert, dass es wenigstens mal einen Tag in der Woche gibt, an dem es etwas ruhiger zu geht.

    • @PartyChampignons:

      Dann Versuch Sonntags mal was zu machen mit Familie. Ruhig ist was anderes. Alles völlig überlaufen

  • Alle Jahre wieder... So wie die Diskussion über die Sonntagsöffnungszeiten regelmäßig aufploppt, kommt eben alle sieben Tage ein Tag, der anders ist als die anderen Tage: reduzierter, gemilderter in Lärm und Geschwindigkeit, eben eine Auszeit aus dem Alltag, die das Leben aller, das heißt der Gesellschaft als Ganzer, strukturiert. Es geht hier um weit mehr als ums Festhalten an hist. "Zwangsmaßnahmen" oder die Befriedigung christl. Bedürfnisse. Diese verordnete Atempause ist um so notwendiger in einer Gesellschaft, deren Mitglieder selbst permanent über zuviel Stress und Hektik klagen.



    Keine individuelle Struktur könnte diesen Sonntag ersetzen!



    Die Liste der Branchen (s.o.), die "bereits" keine freien Sonntage kennen, zeigt: Es geht meist (mal ab von Gastro, Fitnessstudios u.a.) um Lebensnotwendiges. Diese Branchen waren schon vor 20 und 50 Jahren "betroffen".



    Niemand, auch Schichtarbeiter, müssen nicht an Sonn- oder Feiertagen einkaufen (oder "shoppen") gehen. Ich würde eher nicht notwendige Läden wie "Spätis" schließen, also weiter reduzieren.



    Letztlich sollte es darum gehen, so vielen Menschen wie möglich die "Sonntagsruhe" zu gewähren und nicht, so vielen wie möglich zu nehmen.

  • Es gibt Zeit und Aus-Zeit. Der geschlossene Sonntag ist der Kern des Wochenendes. Er gibt der Woche Struktur. Was ist das Wochenende, wenn alles Alltage sind?! Der Sonntag ist kein Tag wie alle, kein All-Tag. Man muss dort etwas anders machen, weil in der Außenwelt etwas anders ist: Die Läden sind zu. Als ich Kind war, war schon sonnabends mittags Schluss. Man musste richtig aufpassen, rechtzeitig einzukaufen. (Zugleich kauften die Leute nicht solche Massen.) Und dann begann die Aus-Zeit. Ich finde das schön.

  • Ja gerne auch am Sonntag geöffnet.



    Anscheinend sehen einige damit eine Verpflichtung auch Sonntags geöffnet zu haben.



    Mittlerweile kann man fast alles für den täglichen Bedarf auch Sonntags kaufen, so mach Tankstelle ist Lebensmittelmarkt mit Treibstoffverkauf.



    Für alle Branchen sicherlich kein Anstieg des Umsatz zu erwarten, aber andererseits hat einige der arbeitenden Bevölkerung die zu "normalen" Arbeitszeiten arbeiten müssen so die Chance in Einzelhanden statt im Onlinehandel zu kaufen.

    • @Tilo Wolkenreiter:

      Wer es bei aktuell möglichen 84 Stunden erlaubter Öffnungszeiten pro Woche und einer 40 Stunden Arbeitswoche bei i.d.R. 5 Arbeitstagen nicht schafft, analog einzukaufen, hat ein Organisationsproblem.



      Da geht es nicht um Chancen sondern um Bequemlichkeit und Auswahl.

  • Ich musste früher auch Sonntags arbeiten. Ich fand es Scheiße. Das Wochenende ist die Zeit für gesellschaftliche Aktivitäten. Man ist mit der Familie zusammen, trifft Freunde, hat gemeinschaftliche Aktivitäten, geht auf Feste oder Partys. Das ist wichtig für das eigene Wohlbefinden und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vereinsamung ist ein großes Problem unserer Gesellschaft. Das muss man nicht auch noch unnötig forcieren.

  • Höhere Kosten für den Einzelhandel und sonst..... kaufen die meisten auch am Sonntag bei Amazon und co. ein.

  • Es gibt nicht mehr viel, was diese Gesellschaft miteinander verbindet und von daher wird es auch keine Möglichkeit geben, allgemeine freie Tage (wieder) neu einzuführen. Wer da jetzt aus kurzsichtigem kommerziellen Interesse den Sonntag opfern möchte, sollte das bedenken - und sich nicht wundern, wenn dann auch alle anderen Betriebe einen „ganz normalen“ zusätzlichen Werktag fordern. Wie sagte ein chinesischer Freund schon vor Jahren: Ihr wisst gar nicht, wie gut es ist, zuverlässige staatlich geregelte Ruhezeiten zu haben. In unseren Metropolen läuft einfach alles rund um die Uhr, jeden Tag.

  • Einen Tag in der Woche pausieren zu wollen, ist ja nicht verwerflich. Was ein bißchen blöd ist, ist von einer ganzen Gemeinschaft von 83 Millionen Menschen zu fordern, dass alle am gleichen Tag Pause machen sollen. Nur nicht Ärztinnen und Krankenpfleger, Notfallsanitäter, Polizistinnen und Soldaten, Tankstellenwärterinnen, Lokführer, Zugbegleiterinnen usw., usw.

    Es gibt so viele Leute, die heute schon Teilzeit dahingehend arbeiten, dass sie auch unter der Woche einen Tag frei bekommen können. Es gibt - mit Ausnahme theologischer Beharrungskräfte - eigentlich keinen überzeugenden Grund, weshalb regelmäßig freie Tage nicht arbeitsrechtlich verhandelbar sein sollten.

    In den Niederlanden haben Läden die Möglichkeit, Sonntags zu öffnen. Sie müssen auch nicht an einem Tag in der Woche zu haben. Das Niederländische Arbeitszeitgesetz sieht folgendes vor:



    Maximale tägliche Arbeitszeit: 12h



    Maximale wöchentliche Arbeitszeit: 60h



    Maximale wöchentliche Arbeitszeit über 4 Wochen: 55h



    Maximale wöchentliche Arbeitszeit über 16 Wochen: 48h



    Minimale Ruhezeit nach einem Arbeitstag: 11h



    Wöchentliche ununterbrochene Ruhezeit: 36h

    Der Rest ist verhandelbar.

    • @Metallkopf:

      "Der Rest ist verhandelbar."

      sehr blauäugig. Viel öfter als Gewerkschaften verhandelt dies der Arbeitnehmer mit seinem Chef. Vielleicht sogar jeden Tag aufs neue. Welchen Verhandlungsspielraum hat denn der Arbeitende außer sich einen anderen Job zu suchen?



      Wenns es einen selbst nicht betrifft kann man alles toll finden...

    • @Metallkopf:

      Tatsächlich sind es ja überwiegend Frauen, die im Einzelhandel arbeiten. Viel Spaß dann dabei eine Kita zu finden, die sonntags geöffnet ist.



      Und wenn jetzt das Argument kommt, dass ja die Väter sonntags frei haben - s. Ihre eigene Argumentation. Die sollen ja auch jederzeit in Sonntagsschichten gezwungen werden.



      Was es für eine Familie bedeutet, wenn mindestens ein Elternteil am Wochenende arbeiten muss, wissen diejenigen, die das aktuell bereits leben (müssen).



      Und by the way: Wenn Frau Kinder hat ist ein freier Wochentag eben nicht dasselbe wie ein freier Sonntag, denn der Alltag der Kinder hat in der Woche eben keinen Ruhetag.

    • @Metallkopf:

      Als die Arbeitszeit in den Abend bzw. in die Nacht hinein verlängert wurde, auch am Samstag, da gab es schon die gleichen Argumente pro und kontra. Ich stand dem Ganzen damals sehr gleichgültig gegenüber. Meine Zeit zum Einkaufen war und ist frühmorgens, bummeln durch die Stadt ist eh nicht mein Ding, und ich kannte niemanden, der im Einzelhandel arbeitete. Es wurde damals argumentiert, dass ja keiner gezwungen würde, in der Spätschicht zu arbeiten, aber viele ja sehr froh wären über eine solche Änderung der Arbeitszeit. Davon habe ich nie jemanden getroffen. Dafür mehrere Leute, die in Supermärkten mit Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr arbeiten und ächzen und stöhnen. Und - na sowas - keiner wird gefragt, ob er das so will, sondern es werden immer strammere Daumenschrauben angelegt. Es gibt nicht nur kaum mehr Zeit für Familien, es gibt auch kaum mehr Zeit für jegliches soziales Leben, denn dass mehrere Leute am gleichen Tag frei haben, kommt nur noch selten vor. Kann man zu diesem Zweck vielleicht den Sonntag mal außen vor lassen? Es ist wirklich wie in dem alten Spruch: Gibst du den kleinen Finger, nehmen sie die ganze Hand. Also gebt ihnen gar nichts!

  • Für den Einzelnen ist Schichtarbeit im Schichtwechsel, mit Nachtschichten, ein viel größeres Problem als Sonntagsarbeit tagsüber. Sowohl gesundheitlich als auch in Bezug auf Erholung und Familienleben.

    • @T-Rom:

      Weswegen auch diese nur mit sehr guter Begründung möglich sein sollte.



      Das Argument, dass die Maschinen durchlaufen "wollen" hat sich mir noch nicht so ganz erschlossen. Aber immerhin wird hier mit entsprechenden Zuschlägen ausgeglichen.

      • @Herma Huhn:

        Es gibt Produktionsprozesse, wie Hochöfen, Papier- und Glasherstellung, die sich nur kontinuierlich betreiben lassen.

      • @Herma Huhn:

        Schichtarbeit ist schon notwendig, wenn es sich zum Beispiel um verkettete Anlagen handelt. Da kann das Hochfahren schon mal zwei bis drei Stunden dauern, bis alles so läuft wie es soll. Da wäre eine Arbeitswoche mit Normalschicht sowohl Zeit- als auch Materialverschwendung.

  • Als ich jünger war, fand ich die Sonntagsruhe anachronistisch und einfach nur doof.

    Mit der Reife des Älterwerdens und der Erkenntnis, dass eben nicht alle eine Lebensrealität haben, in der sie nur sich selbst verpflichtet sind und dass nicht alle Chefs das Beste für ihre Mitarbeitenden wünschen (ich hatte bisher sehr viel Glück im Berufsleben) finde ich die Sonntagsruhe gut und wichtig und würde sie eigentlich gern auf alles außer Notfallversorgung erweitern. Es gibt mMn zu viele empathiebefreite Menschen um sie aufzuheben.

  • Die meisten Läden in Malls würden gar nicht erst öffnen? Nicht, wenn die Mall das in den Mietvertrag aufnimmt.



    Also noch schwieriger für kleine Läden, einen der begehrten Plätze in der Mall halten zu können. Denn wer geht schon gerne sonntags in die Mall, wenn ohnehin die meisten Läden geschlossen bleiben?

    • @Herma Huhn:

      Wer geht überhaupt noch in die Mall, die sterben überall aus und haben große Leerstände....

      • @PartyChampignons:

        Kommt wohl auf die Planung an. Hier stehen zwei direkt nebeneinander und die Straße dazwischen wird von Handyhüllenläden dominiert.



        Aber wir haben hier ja auch den letzten noch funktionierenden Kaufhof. Sind wohl komisch in dieser Gegend.

        • @Herma Huhn:

          Wir haben bei uns tatsächlich auch noch einen Kaufhof der gut besucht wird ....die nächstgelegenen Malls haben aber alle ca. 50-60% Leerstand und warten auf ihren langsamen aber sicheren Tod

  • In den größeren Städten Italiens sind viele Supermärkte am Sonntag geöffnet. Beschwerden hört man darüber nicht.

    • @Aurego:

      Und Mittags, wenn man die Sonnenmilch braucht, sind alle zu.

      • @Donni:

        Nein, sind sie nicht. Viele Supermärkte in den Großstädten (z. B. Bologna) sind dort am Sonntag von 09:00 bis 20:00 geöffnet.

        • @Aurego:

          Und weil Sie keine Beschwerden hören finden es dort alle toll?



          Liegt wohl eher daran, dass man es dort nicht anders kennt.



          Wenn wir diesen "Luxus" eines (für die meisten) freien Wochentags haben dann sollten wir ihn so lang wie möglich verteidigen!



          Mich betrifft das auch nicht und ich kann mir schöneres vorstellen als zukünftig samstags und sonntags zu shoppen...

  • Vielleicht liegt Fortschritt darin, Grenzen zu akzeptieren. Zu erkennen, dass nicht alles jederzeit verfügbar sein muss. Dass eine Gesellschaft auch von gemeinsamen Pausen lebt – von Zeiten, in denen Familien zusammenkommen, Vereine stattfinden, Ehrenamt gelebt wird oder Menschen einfach nichts leisten müssen.



    Ironischerweise sind es oft diejenigen, die den freien Sonntag verteidigen würden, wenn es um ihre eigene Branche ginge, die ihn im Einzelhandel als überholtes Relikt abtun. Offenbar ist Freizeit ein hohes Gut – solange andere sie opfern.

    • @Stefan Schmitt:

      Sie unterliegen dem Irrtum, dass es nur zwei Alternativen gibt. Das "nicht dürfen" und das "müssen".

      Tertium non datur: Wie wäre es mit "dürfen, aber nicht müssen"?

      Das ist der gleiche Irrtum, der immer in den Debatten über Tempolimits hochkommt. Die Befürworter eines Tempolimits unterstellen den Gegnern häufig, diese wollten, dass alle Leute schneller fahren als 120km/h. Das ist natürlich Unsinn. Schneller fahren zu _dürfen_ begründet ja auch keine Raserpflicht...

      • @Metallkopf:

        Weil ein Dürfen in diesem Fall für viele schnell zu einem Müssen ausarten wird.



        Wenn die Geschäftsführer dürfen, dann müssen die Angestellten. Die haben da keine Wahl mehr.



        Und wenn Familien einen gemeinsamen freien Tag in der Wochen haben wollen, dann ist das mit dem "dürfen" eine Hürde, die für viele nicht mehr zu überwinden ist.

    • @Stefan Schmitt:

      Welche sichtbaren Vorteile ergeben sich nun daraus? Wir können ja mit Ländern, wo es Sonntags offene Läden gibt, vergleichen. Haben zB Kanada oder Italien da gesellschaftliche Nachteile. Sichtbare, nicht herbeifabulierte?

      • @Davin_112:

        So weit muss man gar nicht schauen, ein Blick auf einige unmittelbare Nachbarländer reicht: In Dänemark oder den Niederlanden dürfen Läden auch am Sonntag geöffnet sein. Meines Wissens hat das nicht zum Weltuntergang geführt, die Sozialstandards dort sind weiterhin hoch und die Work-Life-Balance sicher nicht schlechter als in Deutschland.

  • Die Ausuferung der Öffnungszeiten - anfangs durch lange Donnerstage, dann an weiteren Wochentagen - hat zu einer "Zerfaserung" der Arbeitsverhältnisse und -zeiten geführt. Die meisten Minijobs sind im Einzelhandel angesiedelt. Die Kund*innen selbst haben nicht mehr Geld als vorher; der Umsatz wird auch durch eine Sonntagsöffnung nicht höher. Wenn wir den Beschäftigten noch den Sonntag nehmen, der als freier Tag gegenüber einem normalen Werktag immer noch als etwas Besonderes angesehen wird, finde ich das nicht gut. Ich spreche mich sogar für eine generelle Verringerung der Öffnungszeiten aus. Ich schließe mich deshalb Schönebergs Kontra an: Der Sonntag gehört der Familie!

  • Einen Tag Ruhe in der Woche, Pause machen, weniger Geschäftigkeit, weniger Verkehr, das tut allen gut. Die Bewohnenden der Innenstädte sind auch dankbar dafür.

    • @Fabiola:

      Regelmäßiger Sport tut auch grundsätzlich allen gut. Trotzdem zwingen wir die Menschen nicht staatlicherseits dazu... und schon gar nicht, alle am gleichen Tag!

      Sie haben doch selbst Einfluss auf Ihre Geschäftigkeit, ob Sie das Auto am Sonntag nehmen oder nicht, usw.

      Woher kommt die merkwürdige Genugtuung, dass alle anderen ebenso am gleichen Tag erzwungenermaßen nichts tun dürfen? Online kann ich ja theoretisch auch weitershoppen bis das Konto glüht.

      Ich verrate mal ein Geheimnis: Es verändert sich gar nicht so viel. Der eine oder andere Supermarkt wird öffnen und alle anderen bleiben sowieso zu, weil die ohnehin nicht das Personal haben, um 24/7 geöffnet zu bleiben.

      Aber es knubbeln sich nicht mehr alle zugleich auf dem Parkplatz der Supermärkte, weil man auf Deubel komm' raus alles Samstag erledigt haben muss!

      • @Metallkopf:

        "Regelmäßiger Sport tut auch grundsätzlich allen gut. Trotzdem zwingen wir die Menschen nicht staatlicherseits dazu... und schon gar nicht, alle am gleichen Tag!"



        Es zwingt Sie doch niemand Sonntags frei zu haben. Wenn Sie da gern arbeiten wollen finden Sie bestimmt einen Job.



        Es geht doch nicht um das zwingen sondern um eine errungene Freiheit, die manchen viel Wert ist, die man nicht leichtfertig opfert.



        Also ich gehe nie samstags einkaufen. Und den Sonntag auch noch zu öffnen weil samstags der Parkplatz zu voll ist erscheint mir ein mehr als fragliches Argument zu sein.



        Vielleicht sollte man eher die urteilen lassen die es auch betrifft.

      • @Metallkopf:

        weil man auf Deubel komm' raus alles Samstag erledigt haben muss!

        Warum sich so viele den Samstag-Vormittag antun verstehe ich nicht, bei meinem letzten Samstagvormittagseinkauf waren 2/3 der anwesenden Menschen Ü70, warum die das machen ist für mich noch unverständlicher.

      • @Metallkopf:

        Bei Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr wäre das Geknubbel jetzt schon nicht notwendig.



        Eine Stunde nach der Rush-Hour ist in den meisten Supermärkten schon wieder Ruhe eingekehrt.

  • Hier muss ich Mal der "Linken" Position vollends zustimmen. Nein. Wir brauchen Sonntags nicht auch geöffnete Läden.



    Ja es gibt Branchen bei denen ist es unumgänglich. Die meisten davon ( öffentlich/Gesundheit) bekommen dafür wenigstens "faire" Zuschläge. Bei Bäckern hört das schon auf. Und die Gastro genauso. Und der Einzelhandel ist ja eh schon bekannt dafür schlecht zu bezahlen. Und die Zahlen an Mitarbeitern sind halt ganz andere wenn man alles öffnet



    Es ist den Leuten zuzumuten am Samstag sich alles zu holen. Und wem das Bier ausgegangen ist, sollte einfach entweder vorher mehr kaufen. Weniger trinken, oder dann in den sauren Apfel beißen und entweder in die Kneipe gehen oder an die Tanke.



    Wer im Einzelhandel schon Mal gearbeitet hat. Weiß, 95% der Leute die nach 20 Uhr einkaufen gehen sind entweder junge Leute wegen Alkohol. Oder gelangweilte Personen die nichts mit sich anzufangen wissen.



    Der Sonntag ist für die meisten Familien der einzige Tag wo Kinder und Eltern zusammen frei haben. Das noch weiter zu beschränken und dafür noch erbärmliche Zuschläge zu zahlen. Nein danke.

  • Tja, was bleibt uns in Zeiten der Hirnschmelze durch Soziale und sonstige private Medien auch übrig, als unsere Bedürfnisse über Konsum an Sonntagen zu stillen? Wozu noch ein weitgehend ruhiger Sonntag, wenn er genauso grau und sinnlos erscheinen könnte wie die restlichen Werktage? Am besten gleich 24/7, die Wirtschaft muss schließlich wachsen und wir möchten doch modern sein

  • Ein Hinweis: Ich bin Pastor und habe einen freien Sonntag im Monat garantiert. In der Regel versuche ich mir noch einen zweiten freizuschaufeln – meine Kinder danken es mir. Meine Sonntagsarbeit umfasst an Gottesdiensttagen vielleicht 2 bis 3 relativ entspannte Stunden, die mich mit Freude und Sinn erfüllen und für die ich viel Geld bekomme. Meine Frau hingegen möchte als Einzelhandelskauffrau ungern auch noch am Sonntag ausgebeutet werden (samstags reicht ihr auch schon).

    • @JBK0:

      Danke für den Beitrag!

      Interessanterweise sind die meisten, die FÜR Sonntagarbeit sind nur die Konsumenten. Die Sonntags arbeitenden hört man viel zu selten.