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Öffnungszeiten am SonntagSpätibesitzer plant Volksbegehren

Spätis kämpfen seit Jahren ums Überleben. Nun soll ein Volksbegehren weiter helfen: Der Spätverkauf soll auch an Sonn- und Feiertagen öffnen dürfen.

Es ist ruhig im Späti von Alper Baba in Neukölln. Wenn man in den Laden hineingeht, steht einer seiner Mitarbeiter hinter der Theke des kleinen, aber sehr aufgeräumten Ladens in der Silbersteinstraße. Seitlich gibt es Bierbänke, denn wie viele Kiezspätis lädt auch dieser zum Verweilen ein – jedoch nur montags bis samstags. Genau das möchte Baba ändern, der auch Vorsitzender des Berliner Späti-Vereins ist: Er fordert mit seinen Kollegen, dass Spätis auch sonntags öffnen dürfen, genauso wie Tankstellen oder auch Bahnhofsgeschäfte. Dafür planen sie ein Volksbegehren.

„Wir sehen uns nicht als Einzelhandel, sondern als eine Kultur, die sich Berlin hart erarbeitet hat“, sagt er der taz, wer Berlin sagt, denkt sofort an Spätis.“ Die – offiziell Spätverkaufsstellen genannt – wurden in der DDR überwiegend von Schichtarbeitern genutzt, um sich zu jeder Tageszeit mit Lebensmitteln versorgen zu können. Das gab es damals in Westberlin nicht. Heute müssen sie aufgrund des Ladenöffnungsgesetzes an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben.

Etwas versteckt in einer Seitenstraße sitzen auf einer Bank des Spätis eine Frau und ein Mann. Sie unterhalten sich, rauchen und trinken etwas. Sie arbeitet in Babas Späti, er schaut gerne vorbei. Sie haben auch schon vom geplanten Volksbegehren des Späti-Vereins gehört. „Das ist ein sozialer Treffpunkt“, so die Frau. Sie kenne den Laden seit 2016. Alleinstehende und ältere Menschen kämen häufiger her, schon wegen der Begegnungen dort: Finanziell schlechter aufgestellte Personen wie Bür­ger­geld­emp­fän­ge­r*in­nen oder auch Rent­ne­r*in­nen hätten kaum noch Möglichkeiten, an einem Sozialleben teilzunehmen, das Geld kostet.

Manchmal würden auch Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, sogar die Preise verschiedener Spätis vergleichen und für einen günstigeren den anstrengenderen längeren Weg in Kauf nehmen. Den Unterschiede gebe es schon,, „manchmal bei 20 Cent pro Flasche“, meint die Frau sie. Die Nachfrage aber, ob es ein hohes Konkurrenzdenken unter den Spätis gibt, verneint sie. Es gebe unter den Be­sit­ze­r*in­nen ein solidarisches Miteinander. „Wir nennen uns auch liebevoll Kiezfamilie.“

Hohe Lebensmittelpreise für den Spätverkauf

Spätis seien ein Familienbetrieb, sagt auch Volksbegehren-Planer Baba. Die hohen Lebensmittel-, Energie- sowie Gaspreise würden ihnen stark zu schaffen machen. „Wir sind mit vielen Menschen in Kontakt, die bereits ihre Läden schließen mussten“, sagt er. „Auch jetzt habe ich im Verein mit Menschen zu tun, die darüber nachdenken, ihr Geschäft aufzugeben.“ Daher sei es wichtig, dass ihre Betriebe auch sonntags öffnen könnten. Denn Sonntage seien die verkaufsstärksten Tage.

Bisher können Spätis zwar am Sonntag öffnen – aber nur, wenn sie als „Mischbetriebe“ gelten. Das ist der Fall, wenn sie mit entsprechender Erlaubnis als Einzelhandel Brötchen verkaufen und Bier als Gaststätte. Beide Betriebe können nach der aktuellen Rechtslage auf der gleichen Gewerbefläche sein. Entscheidend ist, dass – wie in einer Gaststätte – Getränke und Speisen zum sofortigen Verzehr bestimmt sind.

Angemeldet hat der Späti-Chef und Vereinsvorsitzende Baba das Volksbegehren noch nicht. Man stimme sich im Verein noch mit Rechts­an­wäl­t*in­nen über die Sonntagsöffnung ab, sagt er. Vor seinem Geschäft sitzen währenddessen die Kunden weiter in der Sonne – es ist schließlich Donnerstag und nicht Sonntag.

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