Israelischer Vorstoß in die Stadt Gaza : Wie lange will die Welt noch zusehen?
Trotz aller Warnungen schickt Israels Premier Benjamin Netanjahu die Armee nach Gaza-Stadt. Und nichts passiert, um den Genozid zu beenden.
Foto: Jaras/Anadolu Agency/imago
D ie internationale Kritik an Israels Kriegsführung im Gazastreifen wird immer lauter. Eine UN-Kommission spricht von Genozid, auf einem Sondergipfel in Katar fordern Dutzende arabische und islamische Staaten die Bestrafung Israels für begangene Verbrechen. Und in New York positionieren sich nahezu alle UN-Mitgliedstaaten für die Gründung eines palästinensischen Staats. Auch in Israel treten rund drei Viertel der Bevölkerung für sofortige Verhandlungen mit der Hamas ein, aus Sorge um die noch immer in den Händen der Islamisten befindlichen Geiseln. Selbst die Armeeführung stellt sich inzwischen gegen die politische Führung. Und was passiert? Regierungschef Benjamin Netanjahu schickt allen Warnungen zum Trotz seine Truppen in die Stadt Gaza.
Wann ist es genug? Und was genau ist Netanjahus Ziel? Nach fast zwei Jahren Krieg bleiben diese Fragen noch immer unbeantwortet. Die Befreiung der Geiseln kann es nicht sein, denn gerade, als es Fortschritte der Verhandlungen zu geben schien, befahl Netanjahu die Exekution führender Hamas-Funktionäre in Katar. Letztlich getroffen wurden fünf rangniedere Hamas-Mitglieder. Die Zerschlagung der Hamas, die der israelische Regierungschef immer wieder betont, erscheint nach zwei Jahren intensiver Kampfhandlungen auf militärischem Weg als offensichtlich nicht machbar. Und selbst wenn die Hamas-Milizen mit weißen Fahnen aus den Tunneln gekrochen kämen – was dann?
Netanjahus rassistischen Koalitionspartnern schweben ganz unverblümt Massenevakuierungen vor. Schon geht unter den einst aus dem Gazastreifen vertriebenen jüdischen Siedlern die Planung zum Wiederaufbau des einstigen Siedlungsblocks Gusch Katif voran, wo einst fast 10.000 Israelis lebten. Doch wo sollen die Palästinenser hin? Die Grenzen sind dicht. Die Menschen fliehen ziellos, sie sterben bei den Angriffen oder vor Hunger.
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Wie lange noch – und das ist die eigentliche Frage – will die Welt dabei zusehen? Die Gründung Palästinas zu befürworten, rettet kein einziges Kind vor dem Hungertod. Den Völkermord beim Namen zu nennen, ist eine Sache. Was aber passiert konkret, um den Genozid zu beenden? Es bräuchte nicht viel, um die knappe Regierungsmehrheit ins Wanken zu bringen. Eine konzertierte Aktion westlicher Länder, ein Waffenembargo, die Einstellung von Hilfszahlungen, gepaart mit Wirtschaftssanktionen vonseiten der neuen Partner Israels am Golf, könnten den einen oder anderen Abgeordneten im Likud vielleicht umstimmen. Einen Versuch wäre es wert.
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