CDU-Männer in BaWü: Was für Mimosen
Die Südwest-CDU gibt im Umgang mit dem Rehaugen-Video und der Niederlage ein jämmerliches Bild ab. Gruppenseminar statt Regierung wäre angebracht.
D en Typen aus der baden-württembergischen CDU würde ein gemeinsames Retreat guttun. Nach der Wahlniederlage vom Sonntag sollten sie sich für ein paar Tage aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Keine Interviews mehr, dafür ab in eine Blockhütte im Schwarzwald zum Gruppenseminar: Moderne Männlichkeit für Anfänger.
Denn so jämmerlich wie in den vergangenen 14 Tagen kann es nicht weitergehen. Schon das acht Jahre alte Rehaugen-Video gab Hinweise auf ein fragiles Selbstwertgefühl: Ein erwachsener Mann hat es nötig, Bestätigung aus der Illusion zu ziehen, Teenagerinnen würden ihn anhimmeln. Das allein hätte man noch abtun können. Videoschnipsel sind eine schlechte Basis für Ferndiagnosen, und im Verlauf eines knappen Jahrzehnts könnte auch ein CDU-Politiker charakterlich gereift sein.
Ist er aber nicht, und seine Parteifreunde sind es ebenso wenig. Hagel selbst, sein Generalsekretär Tobias Vogt, CDU-Innenminister Thomas Strobl und sogar Friedrich Merz finden weder mit dem Video selbst noch mit ihrer Wahlniederlage einen gesunden Umgang. Schon vor dem Wahlsonntag war das Unions-Geschrei von einer „Schmutzkampagne“ skurril: Führten diese Leute den ersten Wahlkampf ihres Lebens? Haben sie selbst noch nie gegen Gegner und Gegnerinnen ausgeteilt? Ist es ihnen echt nicht zuzumuten, ein einziges Mal an der eigenen Medizin zu schnüffeln?
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Endgültig würdelos wurde es aber ab Sonntag um 18 Uhr: Die CDU-Männer wollen den Wahlsiegern eine „Entgiftungskur“ verschreiben, jammern pausenlos über einen vermeintlichen „MAGA-Stil“ und „Hass und Hetze“. Dann schieben sie auch noch Hagels Frau und Kinder vor und werfen den Grünen die Belastung für seine Familie vor, anstatt dazu zu stehen, was ihr Kandidat ihnen eingebrockt hat.
Ein kollektiver Nervenzusammenbruch in der Partei. Misslich, dass sich ohne die Union keine Regierung bilden lässt: Solchen zarten Gemütern kann man ein Land eigentlich nicht anvertrauen.
[Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Titels war „Was für Memmen“ getitelt. Diese Beschreibung für eine schwache oder nicht belastbare Person ist etymologisch unschwer erkennbar verwandt mit „Mamma“ und „Mamme“ und stellt somit einen falschen Zusammenhang her. Wir haben den Titel geändert.]
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