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Berlin will Mietenkataster einführenErstmals pocht der Staat auf Einhaltung der Mietgesetze

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Das von Schwarz-Rot geplante Mietenkataster ist so überfällig wie revolutionär. Bei einem Erfolg wird das bundesweit Modellcharakter haben.

Verstöße gegen geltendes Mietrecht sollen per KI ermittelt werden und an zuständige Wohnungsämter gehen Foto: T.Seeliger/snapshot-photography/imago

E ins vorweg, um das Problem zu illustrieren. In einem gerade erst abgeschlossenen Mietvertrag verlangt eins der den Berliner Wohnungsmarkt dominierenden Unternehmen 13,50 Euro pro Quadratmeter für eine einfache Zwei-Zimmer-Wohnung. Im Vertrag hat sie gleich 20 weitere Wohnungen aufgelistet, die, offenbar aus eigenem Bestand, zum gleichen Preis vermietet werden – zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichmiete. Dabei liegt die laut Berliner Mietspiegel bei nicht einmal 7 Euro.

Das ist schon keine Frechheit mehr. Mit solchen Wucherverträgen zeigen Wohnungseigentümern den ausgestreckten Mittelfinger – ihren Kun­d:in­nen und auch der Politik. Die Rechtslage beachten? Aber wieso denn im rechtsfreien Raum?

Nichts anderes ist der Wohnungsmarkt bisher. Selbst gegen nur rabiat klingende Gesetzchen wie die Mietpreisbremse wird massiv verstoßen. Weil die Mie­te­r:in­nen aus Angst vor Repressalien Klagen scheuen. Und weil der Staat sich bisher komplett aus der Kontrolle raushält.

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Dass sich die in Berlin regierende schwarz-rote Koalition nun auf die Einführung eines Mietenkatasters für die Hauptstadt geeinigt hat, ist damit gleichermaßen überfällig wie revolutionär. Künftig sollen alle Ver­mie­te­r:in­nen Mietpreise und Mietpreiserhöhungen, Wohnungsgrößen etc. an staatliche Stellen melden müssen. Verstöße gegen geltendes Mietrecht sollen per KI ermittelt werden und an zuständige Wohnungsämter gehen. Wucherfälle gleich zur Staatsanwaltschaft.

Erstmals will der Staat sich so ernst nehmen, dass er auf die Einhaltung seiner Mietengesetze pocht. Dass sich selbst die CDU zu so einer Maßnahme hinreißen lässt, zeigt, wie drängend das Problem ist. Mehr als 2 Millionen Ber­li­ne­r:in­nen wohnen zur Miete. Und im September stehen Neuwahlen an.

Klar, es gibt ein paar Haken. Die mehr schlecht als recht regierende Berliner Koalition kann das Mietenkataster zwar noch als Wahlkampfschlager durchpeitschen. Ob das dann aber auch technisch umgesetzt wird, ob es genug Personal in den Wohnungsämtern gibt, die die erwartbare Flut von Verstößen dann auch abmahnen und ob die Gerichte die Welle der Klagen bearbeiten kann, wird sich frühestens im nächsten Jahr zeigen – also weit nach der Wahl.

Aber immerhin macht sich ein Bundesland erstmals dazu auf, die Lage am Wohnungsmarkt komplett zu erfassen. Bei einem Erfolg in Berlin wird das bundesweit Modellcharakter haben.

Erwartbar ist, dass die Spekulanten unter den Wohnungsverwertern laut aufheulen – was ja nichts anderes ist als ein Eingeständnis, dass sie bisher auf das Mietrecht mit Desinteresse herabschauen. Aber hier gilt tatsächlich mal das stets von Rechten beim Ausbau von Überwachung vorgebrachte Argument: Wer sich an die Gesetze hält, hat nichts zu befürchten.

Die CDU rechnet damit, dass die Neuregelung nur sehr wenige Vermieter betreffen wird. Damit dürfte sie sich gehörig verrechnet haben.

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Gereon Asmuth
Ressortleiter taz-Regie
Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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60 Kommentare

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  • Heute Morgen im MoMa. In Spandau entstehen mehrere Wohnungen durch Berliner Wohnungsbaugenossenschaften. Kaltmiete für eine 5 Zimmer Whg um die 1800€ und für eine 2 Zimmer Wohnung, wenn ich richtig verstanden habe, um die 1100€. Und hier baut kein Miethai. Was aber auch zeigt, das die dringend benötigten Neubauten nicht für die in Berlin noch üblichen 7-10 €/qm im sozialen Wohnungsbau machbar sind. das Thema ist durch.

  • Das Mietproblem ist einfach nur ein selbst verursachtes Luxusproblem in Deutschland.



    - Wohnfläche pro Person Deutschland (2024) : 94 qm



    - Wohnfläche pro Person EU-Durchschnitt : 49 qm



    Vor allem im Sozialen Wohnungsbau muss die Qm Zahl runtergehen, übertragen auf die EU Zahlen könnte man so beim Bauen auf der gleichen Grundfläche das doppelte an Wohnungen bereitstellen. Es sind (mit) die hohe qm Zahl welche die Mieten in die höhe treiben (Mehr qm = mehr Miete), das ist genauso wenn jetzt jemand über die hohen Spritpreise jammert weil seine Karre 15 L säuft.

    • @Günter Witte:

      94 Quadratmetern sind die durchschnittliche Wohnfläche von Wohungen. Die Wohnfläche pro Person lag bei 49,2 Quadratmetern.

      www.umweltbundesam...ohnungen-gestiegen

  • Sorry, mein Optimismus hält sich sehr in Grenzen. Leerstand und vor allem missbräuchlicher Leerstand, Vergammel-Lassen, Wuchermieten, Raussarnieren - die Mietvereine können da noch viele weitere Methoden dazuschreiben, mit denen Vermieter und Immobilienbesitzer gegen Mieter und Mietinteressenten vorgehen. Das Wort legal und illegal kennen diese Vermieter und Immobilienbesitzer nicht, die machen das seit Jahrzehnten. Wirklich in den Griff krieg man solche Leute nur vor Gericht, aber da landen die meist nicht. Und damit dieses hier wirklich funktioniert, müsste sich dahinter eine Bewegung versammeln und das überall erzwingen. Aber wird das in Itzehoe, Passau, Reutlingen, Ulm oder Detmold machen? Der Leidensdruck in Berlin ist inzwischen extrem, das ist nicht überall in der Form vorhanden, wenn es m.M. aber den Missbrauch und den Gesetzesübertritt seitens der Vermieter überall gibt.

  • "Die CDU rechnet damit, dass die Neuregelung nur sehr wenige Vermieter betreffen wird. Damit dürfte sie sich gehörig verrechnet haben." - Der Autor hat offenbar schon ein Kataster...



    Ansonsten: Bringt auch keinen Wohnraum, macht Bauen nicht wirtschaftlicher, kostet nur Geld. Alles wie immer in Berlin.

  • Ich glaube nicht, dass es sich lohnt über diese Mietenkataster-Ankündigung zu diskutieren. Wer die Veranstaltung im Fernsehen gesehen oder auch nur den Wortlaut mitbekommen hat, stimmt mir vielleicht eher zu, wenn ich das Ganze für Wahlkampfgetöse halte, für einen übrigens recht dreisten gemeinsamen Versuch von CDU und SPD, im Sinne ihrer sowieso nur gemeinsam möglichen nächsten Regierung andere Parteien schon mal auszubooten.

    • @Christine_Winterabend:

      Was ist daran dreist?

      Auf Konkurrenz zwischen den Parteien - Sie nennen es "ausbooten wollen" - basiert die parlamentarische Demokratie.

      Wenn angesichts der kommenden Wahl die regierenden Parteien sich was überlegen, um das Thema Mieten vom Tisch zu kriegen, ist das doch super.

      Wäre es anders, würde ich ein Problem sehen.

    • @Christine_Winterabend:

      ""Einrichtung eines Miet- und Wohnungskatasters für Berlin – Transparenz auf dem Wohnungsmarkt herstellen und wohnungspolitische Missstände effektiver



      bekämpfen""



      =



      Siehe Anfrage im Parlament im Jahr 2024 --



      pardok.parlament-b...Anfr/S19-18200.pdf



      =



      Die Bemühungen zur Mietkatastereinführung existieren bereits seit 2024 --- und nicht erst seit gestern.



      Der Unterschied zu den heutigen Aktivitäten im Vergleich zu 2024: Ursprünglich wollte der Berliner Senat auf ein Kataster für die gesamte Bundesrepublik aufbauen - da aber von der Bundesregierung diesbezüglich nichts kommt ist der Senat dabei das Kataster für das Land Berlin aufzubauen.



      =



      Wer diesem Kataster nicht zustimmt vertritt nicht die Interessen der Berliner - ca. 87 % der Berliner Haushalte nutzen eine gemietete Wohnung.

  • Danke für diesen Artikel!



    Hiermit wird die Position der Mieter*Innen gestärkt, das ist zu begrüßen.



    Ich begrüße weiterhin, dass es auch Berliner Journalisten noch möglich ist, eine Nachricht unabhängig von der Parteizugehörigkeit und somit der anstehenden Wahl, zu bewerten.



    Eine gute Entscheidung bleibt eine gute Entscheidung,



    auch wenn sie nicht in den eigenen Parteifarben angestrichen ist.



    Für die Wähler*Innen Berlins, wird hier außerdem deutlich, dass die "afd" keine Sozialpolitik macht und Gerechtigkeit nicht zu Ihren Zielen gehört.



    Die Leser*Innen, die auch an die taz Briefe schreiben, müssen sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass ihre vermieterfreundliche Position einzig und allein von der "afd" geteilt wird.

    • @Philippo1000:

      Ich glaube nicht, dass vermieterfreundliche Positionen nur von der Afd geteilt werden. Was aber die vielen Plädoyers für anständige kleine Vermieter angeht, die sich um ihre Altersvorsorge Gedanken machen, habe ich schon den Verdacht, dass derartige teilweise anderen Interessengruppen entstammen und hoffe, dass anständige Vermieter verstehen haben, dass sie eher nicht gemeint sind. Ob sich ihre Altersvorsorge damit retten lässt, ist aber eine andere Frage angesichts des massiven Rückfalls in das Berlin der Spekulanten und Baulöwen, die die Sozialbauquoten unterlaufen. Auch anständige Vermieter sind ja abhängig von Stadtplanung, Wohnumfeld, sozialer und Verkehrs-Infrastruktur, Investitionen ins Statdklima, funktionierender Ver- und Entsorgung und anderen Dingen, vor denen die Abräumer in ihrer Geldgier eben auch nicht halt machen.

      • @Christine_Winterabend:

        Motive für die Einrichtung eines Mietwohnungskatasters zur Ermittlung des Zustands des Mietmarktes:



        =



        Statistische Daten und staatliche Aufklärung,



        • Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete,



        • Verfolgen von Ordnungswidrigkeiten (OWIG), u.a. Erfassung von Leerstand,



        • Gewerberechtliche Gefahrenabwehr,



        • bodenrechtliche Belange,



        • Eigentumskonzentration,



        • Geldwäscheprävention und –verfolgung,



        • Grund und Grunderwerbssteuer,



        • öffentliches Informationsinteresse.



        =

  • Ich bin ja mal gespannt, wann mich das erste Schreiben aus Berlin mit Fragen zur Höhe der Mieten erreicht.

    • @Aurego:

      ich fiebere mit Ihnen.



      Lassen Sie uns wissen wann es soweit ist.

      • @Petros:

        Schreiben einer Berliner Arbeitsagentur zum Thema Höhe der Miete und der Nebenkosten eines Mieters haben mich schon erreicht. Prinzipiell funktioniert das also ...

  • Warum wird einem von staatlicher Seite eigentlich vorgeschrieben, zu welchem Preis man seine Wohnung vermieten darf? Wenn zu teuer, dann wird man keinen Mieter finden, wenn zu günstig, dann ist es vielleicht das falsche Mieterklientel. Letztendlich regelt das der Markt, genau wie beim Spritpreis.

    • @Die_Mitte_machts:

      Es gab ca. 2012 einen recht interessanten Artikel im Handelsblatt (!) in dem ein SCHWEIZER (!) Experte forderte, dass der deutsche Mietzins um 250% (!) Prozent erhöht werden müsse, damit sich ein PROFIT (!) daraus ergäbe.

      Die Forderung wurde explizit von Luxemburger Konzernen aufgenommen und mitgetragen.

      Das Resultat setze ich als bekannt voraus!

      *

      In München wurden privaten Vermieter vom Finanzamt angeschrieben, die zu sozial vermietet hatten, damit sich gerade auch langjährige Mieter noch Ihre Wohnung leisten konnten.

      Ich denke die Antwort ist Ihnen daher gegeben.

    • @Die_Mitte_machts:

      Gesetze gegen Wucher gibt es schon lange.

    • @Die_Mitte_machts:

      Nein tut er nicht. Man hat ja nicht selten eine Wahl und kann das wohnen einfach verschieben. Weil man wegen Studium, Job an den Ort ziehen muss, weil man sich trennt, weil man vom Vermieter gekündigt wird (Eigenbedarf)...und dann braucht man eine Wohnung. Und das führt dazu daß man nimmt was da ist, auch wenn es eigentlich zu teuer ist. Verhandeln über den Preis kann man auch nicht. Die freie Preisbildung funktioniert nicht hier nicht, weil es eine klare machtasymetrie gibt. Das Angebot ist zu gering um ausweichen zu können.



      Und es wird nicht in ausreichendem Mass gebaut, aber das würde auch die Preise drücken. Da haben große Unternehmen auch kein Interesse dran. Ergo es braucht Regulierung, der Markt funktioniert hier nicht.

      • @Timo Kwiatkowski:

        Ganz so groß ist das Machtgefälle nicht. Man kann durchaus selbst beeinflussen wo man sich eine Arbeit sucht. Auch eine Trennung und der Umgang damit liegt im eigenen Verantwortungsbereich. Und die Unternehmen bauen nicht, weil es wirtschaftlich einfach nicht darstellbar ist. Bei den derzeitigen Baupreisen müssten selbst die einfachsten Butzen in schlechtlage mind. 25€ pro qm Miete bringen.



        In Argentinien hat übrigens 2024 ein gewisser Milei den wohnungsmarkt dereguliert, was zu einem drastischen Absinken der Mieten führte. Man staune

        • @Samvim:

          Träumen Sie weiter!



          Die hohen Baukosten haben wenig mit der Gestaltung der Bestandsmieten zu tun. Wenig Bautätigkeit hatten wir bei hohen Zinsen auch früher schon, da der Immobilienmarkt sehr zinssensitiv ist.



          Und Argentinien als Argument? Klar, wenn die Leute gar kein Geld mehr haben, sinken die Mieten. Es ist immer noch besser, schlecht als gar nicht zu vermieten.



          Auf Deutschland ist das so nicht übertragbar, denn gerade unsere Regelungen sorgen dafür, dass der Markt stabil und attraktiv für Investoren bleibt.

        • @Samvim:

          Man staune auch über den brutalen Anstieg der Obdachlosen in Buenos Aires, seitdem die Mieten dort in Dollar statt in der Landeswährung entrichtet werden.



          Gemessen an der Inflationsrate sind die Mietpreise nämlich massiv gestiegen.



          Glauben Sie mir, die Politik eines Milei möchten Sie hier ganz bestimmt nicht haben.

          • @Arafna:

            Im Gegenteil: Rechnet man die Inflation heraus, sind die Angebotsmieten um 40% gefallen.

    • @Die_Mitte_machts:

      Mein Kanzler im taz-Forum? Welche Ehre.

    • @Die_Mitte_machts:

      Da der Mensch wohnen muss und auch der Arbeitsplatz erreichbar sein muss, funktioniert der Markt nicht von allein. Wer den Mangel besitzt, kann (fast) verlangen, was er will. Ist ähnlich wie mit den Kartoffeln nach dem Krieg...

  • Das Ding kann auch Gewaltig nach Hinten losgehen, viele private "Altvermieter" , die bisher kaum Preisanpassungen durchgeführt haben, könnten dann auch sehen, das sie viel zu günstig sind und ihre Mieten anheben, was den Durchschnitt dann wieder erhöht.



    Davon ab, das Berlin als Hauptstadt international gesehen sehr sehr günstig ist.

    • @Reinero66:

      Das mit dem sehr sehr günstig ist Blödsinn.



      Und warum sollen die privaten "Altvermieter" - was genau soll das eigentlich sein? - erst jetzt sehen, dass sie viel zu günstig sind? Der Mietenspiegel ist und war noch nie geheim.

      • @Petros:

        Ein Teil der Privatvermieter will einfach nur seine Ruhe haben.



        Das Mietenkataster zwingt diese Vermieter die mietspiegelrelevanten Daten zu bewerten. Da ist der Weg mal alles in den Mietspiegel einzugeben kurz (oder gibt sogar das Eingabetool den Mietspiegelwert aus). Da werden einige dieser Vermieter merken, dass sie deutlich zu wenig verlangen. Einige werden dann aktiv werden.

  • Und was tut der Senat für die vielen Menschen, die verzweifelt eine



    Wohnung suchen? Attraktiver wird die Kapitalanlage für Private



    in Form von vermietbarem Wohneigentum durch staatliche Regulierungen, auch wenn sie aus anderem Grund notwendig sind,



    jedenfalls nicht. Schon garnicht, wenn durch die Zinsentwicklung



    sich die Fremdfinanzierungkosten plötzlich verdreifachen.

  • In einem Mangel- Markt steigt der Preis. Das ist normal. Wenn es zu wenig Reis gibt, isst man Kartoffeln oder zahlt für den Reis mehr. Wenn es in Berlin zu wenig Wohnungen gibt, zahlt man mehr oder sucht sich was im Outback von Brandenburg.



    Wenn der Vermieter nicht mehr über den Preis reden kann, kann er sich den Menschen genauer ansehen, ob der als Mieter zuverlässig sein wird. Oder es regiert der Zufall. Oder persönliche Beziehungen oder informelle Netzwerke. Oder die Wohnung wird via Untervermietung vom alten Mieter an den neuen weitergeleitet.



    Die nächste Frage ist, wie viel Mühe sich der Vermieter mit der Haustechnik gibt.

    • @Christoph Strebel:

      Oder der Mieter bietet frewillig mehr. Mieter aus der Mittelschicht haben damit kein Problem.

  • Niedrigere Mieten kann man leider nicht per Gesetz verordnen.

    Das einzige was hilft ist, das Angebot zu erhöhen. D.h. entweder sozialer Wohnbau oder bessere Bedingungen für Vermieter. Oder Beides.

    Neue Auflagen für Vermieter haben vermutlich eher den gegenteiligen Effekt, weil der Mehraufwand über kurz oder lang auf die Mieten draufgeschlagen wird und sich ein potentieller Vermieter vielleicht denkt: "oh, das sieht aber aufwendig aus. Dann vermiete ich lieber nicht."

    • @Generator:

      doch, niedrigere Mieten kann man per Gesetz verordnen.



      Warum denn nicht?



      Dann soll der Vermieter halt nicht vermieten. Spekulativer Leerstand ist strafbar. Auch so ein Gesetz.

      • @Petros:

        Dann kann der Vermieter seine Wohnungen eben an einem Konzern verkaufen, die ganz andere Möglichkeiten haben.

        Oder man zieht eben in die Stadt oder Region, in der man sich eine Wohnung leisten kann.

        • @Desti:

          Die Mieten sind typischerweise dort günstig, wo die Leute schlecht Arbeit finden.

          Und umgekehrt.

          Deshalb läuft das nicht.

          Ist ja nicht so, dass nur nach Berlin zieht, wer partout dort wohnen möchte.

      • @Petros:

        "doch, niedrigere Mieten kann man per Gesetz verordnen.

        Warum denn nicht?"

        Weil niedrige Preise durch ein größeres Angebot entstehen.

        Und wenn du niedrigere Mieten per Gesetz verordnest, dann machst du genau das Gegenteil. Du hältst potentielle Mieter davon ab zu vermieten und du hältst mögliche Wohnungsbauer davon ab zu bauen.

        Das Ergebnis ist weniger Angebot. Die haben dann zwar niedrigere Preise, aber der Rest der Mieter muss entweder den Schwarzmarkt bemühen oder halt woanders wohnen.

        • @Generator:

          Die Regelungen betreffen aber nur Bestandsmieten.



          .



          Neubau ist nicht betroffen und kann teuer vermietet werden.



          .



          Das eine hat mit dem Anderen somit schlicht nix zu tun.

          • @sociajizzm:

            Die Neubauten von heute sind die Altbauten von morgen. Wer in 20 Jahren sein Geld nicht mit hoher Miete reingehohlt hat, der sitzt in der Falle des Sozialstaates. Also gar nicht bauen oder richtig abkassieren.

  • Wäre es nicht am besten, die Mietwohnungen durch die Wohnungsämter zuweisen zu lassen und dabei auch die Mietverträge abzuschliessen ?Dadurch wäre sichergestellt, dass die Miethöhe und auch die sonstigen Mietbedingungen vorschriftsgemäss und den Ämtern bekannt sind.



    Ich habe gehört, dass dieses Verfahren irgendwo in der Vergangenheit schon mal ganz gut funktioniert hat.

    • @Franz Hofer:

      Wenn die Mietwohnung durch das Wohnungsamt zugewiesen würde, dann bestünde die erhebliche Gefahr, einen Mieter zu bekommen (ohne direkt an Mietnomaden, Studenten-WGs oder Drogenabhängige zu denken), mit dem man nicht "grün" wird. Abgesehen von möglichen Konflikten wäre ein solches Vorgehen doch eher Wasser auf die Mühlen derjenigen, welche nicht mehr vermieten werden (und den spekulativen Leerstand kann ein guter Anwalt locker aushebeln) oder die bisherige Mietwohnung in eine Eigentumswohnung umwandeln werden. Damit ist Wohnungssuchenden aber auch nicht geholfen.

    • @Franz Hofer:

      Das würde dann im Umkehrschluss bedeuten, dass das Wohnungsamt die Risiken von unzuverlässigen Mietern trägt. Wenn das Amt aussucht, muss es auch die Verantwortung tragen.

      • @MK:

        Plus das Amt muss dann auch zahlen wenn es keine Mieter findet. Das wird ein Mordsgeschäft in Strukturschwachen Gebieten.

  • ""Aber immerhin macht sich ein Bundesland erstmals dazu auf, die Lage am Wohnungsmarkt (durch ein Kataster) komplett zu erfassen.""



    =



    Durch das Kataster lässt sich ja nicht nur die Lage am gesamten Mietmarkt erfassen -- mit dem vorraussichtlichen Ergebnis das der Bestand an Wohnungen nicht im mindesten ausreicht den Bedarf zu decken. Nur deshalb können Vermieter Fantasiepreise aufrufen die für die Mehrzahl der Mieter schlichtweg bereits jetzt nicht mehr bezahlbar sind -- bzwh. in absehbarer Zeit unbezahlbar werden.



    =



    Ob das Kataster diese Entwicklung stoppen kann bleibt abzuwarten - zumindest wird den schwarzen Schafen unter den Vermietern durch den Kontakt mit dem Staatsanwalt hinsichtlich der Preistreiberei ein wirksames Stopschild aufgezeigt.

  • Ob das wirklich was bringt sei dahingestellt. Bürokratie Auf- statt Abbau. Die armen Staatsanwaltschaften, die kommen sowieso schon bei anderen Fällen nicht hinterher.

    • @Der Cleo Patra:

      Falls es nichts bringt wie sie unken werden die Staatsanwaltschaften ja auch nichts zu tun haben.



      Und falls Vermieter Verbrechen begehen warum sollen sie nicht dafür wie jeder andere bestraft werden?



      Nur aus Gewohnheitsrecht weil der Mietmarkt bis jetzt ein straffreier Raum war?

  • In Hamburg gibt es seit einem Jahr eine Meldestelle gegen Mietwucher. Laut einer NDR-Recherche wurde nach einem Jahr nicht ein einziger Fall bearbeitet.



    Vollkommenes Behörden- und Politikversagen also unter Rot-Grün!

    • @Lindenberg:

      "nicht ein einziger Fall bearbeitet." Ja, gab es denn Fälle?

      • @PeterArt:

        ja, 10.000e. Lesen Sie mal Zeitung.

        • @Petros:

          Es gab genau 1300 nicht bearbeitete Mietwucherverdachtsfälle innerhalb eines Jahres in Hamburg!



          Erst nachdem das Ganze öffentlich wurde, versprach Hamburgs Regierung eine Taskforce einzurichten.



          Der staaatliche Hamburger Mietenmelder wurde übrigens erst in Hamburg eingerichtet, nachdem die Linke das Ganz mit einer App sehr erfolgreich angeschoben hatte.



          SPD und Grüne sind immer mehr reine Funktionärsparteien. Wäre dem nicht so, hätte auffallen müssen, dass nicht eine Mietwuchermeldung von Hamburgs Behörden bearbeitet wurde.



          Politsche Stellungnahmen von rot-grün zum katastrophalen Missstand bei der amtlichen Verfolgung von Mietwucher in Hamburg keine!

          www.ndr.de/fernseh...tet,hamj-7096.html

          • @Lindenberg:

            @ Lindenberg



            Dankeschön für den guten Kommentar & den Link.



            Lässt doch sehr auf unsere Parteienlandschaft blicken.

  • Wegen der damit verbundenen Transparenz bin für die Einführung eines solchen Katasters.

    Damit verbunden ist jedoch auch die Gefahr einer erheblichen Erhöhung. Bisher konnte das Ergebnis von Mietspiegeln durch die Auswahl der Grunddaten ganz gut gesteuert werden. Wenn jetzt alle Mieten (und Mieterhöhungen) bekannt werden, dann wird die tatsächliche Mietenentwicklung einen Niederschlag in künftigen Mietspiegeln finden.

    Im Übrigen ist ein Mietenkatatser durchaus auch geeignet, einen qualifizierten Mietspiegel anzugreifen und die Vermutungsfiktion des § 558d Abs. 3 BGB auszuhebeln.

    • @DiMa:

      Ihre These fusst auf der Annahme, das viele Vermieter nicht wissen, was andere Vermieter für ihre Wohnungen aufrufen. Ich bezweifle, dass das der Grund ist warum bisher doe Mieten nicht erhöht wurden. Da wird es andere Gründe geben, die jetzt nicht einfach wegfallen.

    • @DiMa:

      Zur Erstellung des Mietspiegels werden schon jetzt reale Mieten herangezogen, aber halt hauptsächlich solche aus der Vergangenheit. Das Problem werden dann evtl. möblierte Wohnungen etc. sein.

      • @Aurego:

        Zur Erstellung des Mietspiegels wird mangels Meldepflicht heute nur ein kleiner Teil der Wohnungen heran gezogen. Ein großer Teil bleibt außen vor. Das wird sich zukünftig dann ändern. Ausgang ungewiss.

        An der Vergangenheitsbezogenheit wird sich durch die Neuregelung nichts ändern, da die Länder hierfür keine Kompetenz haben.

        • @DiMa:

          Zur Erstellung eines qualifizierten Mietspiegels wird überall, nicht nur in Berlin, eine repräsentative Stichprobe verwendet.



          Ob die Länder die oben genannten Eingriffskompetenzen (z. B. Mietkataster zu erstellen etc.) haben oder nicht, ist nicht ganz klar, denn das "Wohnungswesen" ist Ländersache.



          Die Länder können lediglich nicht in Dinge eingreifen, die durch das BGB abschließend geregelt sind.

  • wähler*in, make no mistake! spätestens seit mitte der 2010er jahre haben zivilgesellschaftliche initiativen und parteien wie die linke und die grünen immer wieder die einführung eines solchen katasters gefordert, und immer wieder wurde es von der spd blockiert – zu teuer, zu bürokratisch, zu umständlich, nicht zielführend. jetzt, wo die luft mal wieder dünn wird für die berliner spezialdemokraten, kommt diese begrüßenswerte ankündigung. wann man allerdings will, dass das am ende auch umgesetzt und mit entsprechend personellen ressourcen hintersetzt wird, sollte man sich von cdu und spd nicht über den tisch ziehen lassen bei den wahlen im herbst...

    • @Pflasterstrand:

      Im Prinzip kann man das - außer der Adressensammlung - ziemlich gut automatisieren.

  • Wenn die CDU sich "gehörig verrechnet haben" dürfte, also sehr viele Mieten über der Vergleichsmiete liegen, könnte es dann dazu kommen, dass die Vergleichsmiete steigt, also an den realen Mieten angepasst werden muss?

    Spannend. Mal sehen, ob wirklich Mieten sinken. Aber natürlich mit mehr Bürokratie und mehr Personal erkauft.

    • @fly:

      So einfach ist es nicht mit der Erstellung des qualifizierten Berliner Mietspiegels.

    • @fly:

      davon ist eher nicht auszugehen. die überhöhten mieten, um die es hier in der hauptsache geht, stellen nämlcih vermutlich nicht "nur" einen verstoß gegen die gesetzlichen regelungen der mietpreisbremse dar und damit eine zivilrechtliche angelegenheit, sondern sind derart überzogen, dass sie nach dem mietwucherparagrafen des wirtschaftsstrafgesetzes als mögliche straftatsbestände behandelt werden müssen.

      • @Pflasterstrand:

        Sie argumentieren auf wackeliger Grundlage. Der Mietspiegel soll - wie der Name sagt - Miethöhen widerspiegeln und nicht definieren. Wenn sich herausstellen sollte, dass zu viele Mieten oberhalb der Vergleichsmiete laut Mietspiegel liegen, dann tut er genau nicht, was sein Name sagt. Dann bricht Ihre ganze Argumentation schneller zusammen als ein Kartenhaus.