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Aufstieg der NeofaschistenSie sind wieder da

81 Jahre ist das Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland her. Wie erklärt man da den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der „gesichert Rechtsextremen“?

J a, was sage ich, Myriam. Nun sind sie also wieder da. Sie greifen nach der Macht, und das Volk, jedenfalls genug davon, jubelt ihnen zu. Sie brüllen, bedrohen, jagen, korrumpieren und verletzen. Sie sind sich ihres Sieges gewiss. Faschisten soll man nicht sagen, aus politischen und historischen Gründen. Vielleicht glaubt man bei den Liberalen, dass Faschisten weniger faschistisch sind, wenn man sie nicht Faschisten nennt. Der offizielle Name, lach nicht, Myriam, ist „gesichert Rechtsextreme“. Es sind also keine Nazis, i bewahre, es sind „Gesirems“.

Die Gesirems sind in unserer Nachbarschaft, die Gesirems sind im Fernsehen, die Gesirems beherrschen die Schlagzeilen in den noch verbliebenen Zeitungen, die Gesirems bringen es mithilfe ihrer „konservativen“ Verbündeten fertig, dass das Finanzamt der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ die Gemeinnützigkeit aberkennen will. Und wenn du ein Theaterstück besuchen möchtest, musst du vorher nachschauen, ob die Gesirems nicht die Aufführung verhindert haben.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Die Gesirems sind keine Faschisten. Sie haben bloß dieselben Worte, dieselben Taktiken, dieselben Anschauungen, dieselben Symbole, dieselben Ziele und dieselbe offene Unmenschlichkeit. Du darfst die Gesirems nicht verbieten, weil das sie einerseits nur stärker macht. Denn die Gesirems zeigen sich immer zuerst als Opfer, bevor sie zu Tätern werden. Und natürlich wegen der Demokratie. Die Gesirems haben halt eine andere Meinung über Menschlichkeit, über Wahrheit, über Gewalt, über Recht und Gerechtigkeit. Das freut den amerikanischen wie den russischen Präsidenten, dass es in Deutschland noch eine Meinungsfreiheit gibt.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Oh ja, Myriam. Es gibt auch Widerstand, es gibt sie, die mutigen Menschen. Viele aber versuchen, den Gesirems nur auszuweichen, entweder nach innen, in die Städte vielleicht, wo es zwar weniger Gesirems zu geben scheint, aber die Miete nicht zu bezahlen ist. Oder nach außen, in irgendein Gesirem-freies Land. Aber wo gibt es so eines noch? Und wo würde man aufgenommen? Als Anti-Gesirem, wenn nicht gar als Antifaschist?

Keine demokratische Instanz wird sie verhindern

Aber es gibt doch eine politische, es gibt eine kulturelle „Klasse“, eine verwaltende Klasse, deren Legitimation in nichts anderem als in der Verteidigung von Humanismus, Liberalismus und Demokratie bestehen soll, oder etwa nicht? Der Mut von einzelnen, Myriam, und die opportunistische Feigheit dieser „Klassen“ stehen in scharfem Kontrast zueinander. Nein, nichts und niemand mit Prestige und Status, keine demokratische Instanz scheint in diesem Land willens oder in der Lage, die Übermacht der Gesirems zu verhindern. Keine Polizei, keine Justiz, keine Regierung, keine Verwaltung, keine Bildung und auch keine Kultur. Die, Myriam, war doch immer unsere Hoffnung.

Aber wenn du sie siehst, diese willfährigen Redaktionen, diese engärschigen Direktoren, diese Kleinkünstler auf den Gesirem-Veranstaltungen, diese Gremien, diese Verlage, die Vernissage-Besucher, diese Bayreuth-Pilger, diese Blubberer, die sich selbst genug sind, weil sie ja die Guten sind, die Sprachwarte und ewigen Besserwisser, die Opportunisten und Ignoranten … Sie würden eher (verzeih mir die Wortwahl, Myriam, aber ich bin wirklich wütend) in ihren eigenen Latte Macchiato pissen, als ihre Komfortzonen und Blasen verlassen. Die Faschisten vor hundert Jahren hatten stärkere kulturelle Gegner als die Gesirems von heute.

Den Menschen, die den Gesirems nachlaufen, geht es nicht besonders schlecht. Sie leiden keinen Hunger. Sie werden nicht verfolgt. Sie müssen nicht Tag für Tag um ihr Leben fürchten, und sie werden nicht gedemütigt wie so viele Menschen auf dieser Welt. Im deutschen Parlament schreit einer von den Gesirems, dass der Preis für Sprit an der Tankstelle schon Grund genug wäre, die Gesirems zu wählen. Wie ein Kind, das aufschreit, weil es nicht die doppelte Portion Pudding bekommt, und das dafür das andere schlagen will, das nicht einmal eine halbe Portion bekam.

Die Grenzen sollen dichtgemacht werden und endlich soll es wieder Menschenjagden geben dürfen

Sie fühlen sich nicht mitgenommen, sie fühlen sich nicht verstanden, sie fühlen sich irgendwie gekränkt. Sie neiden noch den Ärmsten die Zuwendung, sie fordern das Recht der Stärkeren, sie verlangen Härte gegen alle, denen es schlechter geht als ihnen. Die Grenzen sollen dicht gemacht werden und endlich soll es wieder Menschenjagden geben dürfen. Man wird, hat eine prominente Gesirem einmal gesagt, auch auf Kinder schießen. Wer gegen die Gesirems ist, sagt das Finanzamt, ist nicht gemeinnützig. Wie gemein muss man sein, um dieser Herrschaft noch nützlich zu sein?

Das Grauen in Deutschland

Die Gesirems bekommen nicht nur Aufmerksamkeit, sie können nicht nur die Angst genießen, die sie verbreiten, nein, es gibt auch niemanden in dieser Gesellschaft, der so viel Zuwendung, so viel Verständnis bekommt. Sie suchen ja nur nach einem Ausdruck für ihr sozialpsychologisches Leid, und sie müssen ja zu den Gesirems laufen, wenn ihnen das Fernsehprogramm nicht passt und die Smartphones teurer werden.

Das Grauen in Deutschland, Myriam, geht nicht von den Gesirems aus, sondern von denen, die sie wählen. Da hat ein alter Komiker (ich weiß, nicht deine Art von Humor) nicht zu Unrecht gesagt, dass man das russische Volk nicht mit dem Kriegsverbrecher an der Spitze seines Staates verwechseln darf. Aber was ist, wenn die Hälfte des russischen Volkes sich mit Wladimir Putin verwechselt, wenn sich die Hälfte des israelischen Volkes mit Netanjahu verwechselt, wenn sich die Hälfte des US-amerikanischen Volkes mit Donald Trump verwechselt? Was ist, wenn sich das deutsche Volk mit den Gesirems verwechselt? Wohin sollte man da mit seiner demokratischen Hoffnung?

Ich könnte deinen Rat gebrauchen, Myriam. Aber du bist schon lange tot. Ermordet von den Vorläufern der Gesirems, denen die deutschen Herzen zufliegen, je mehr sie ihnen gleichen wollen.

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71 Kommentare

  • FtznFrtz

    Gesirem, klingt fast niedlich, wie eine Familie aus Hobbingen.

    Es ist die große Verführung, die immer wieder klappt, deprimierenderweise. Mache eine hohle Show wie Siegmund, mache aus der Menschenfeindlichkeit eine Party, Bratwurst, Bier, Selfies mit dem Raumduftverkäufer aus der Hölle der ja so ein netter "Uli" ist. Die Leute stürmen die Wahllokale, begierig, ihr Kreuzchen bei der "Alternative" zum machen.



    Die Gesirems haben sich von allem gelöst, Inhalte zählen kein bißchen, die CDU pfeift auf den Rechtsstaat und macht mit den Flüchtlingen, was eine AfD am Ende auch tun würde. Eine SPD verrät zum x-ten Mal den kleinen Mann und die kleine Frau, was wählen die? Natürlich die Gesirems.



    Es bleibt der Rausch, Weidel verkündet schon das Kanzleramt, die Mehrheit im Bundestag, während die Kettenhunde schon an Ketten rasseln, um auf die Altparteien, das "System" und die Linkswoken loszugehen. Man zeigt es allen, das Grauen, der Tabubruch als Abenteuer, als Spaß, Selfie mit Siegmund. Vor knapp 100 Jahren hat es schonmal geklappt, ist genug Zeit vergangen für das zweite Grauen? Die Hoffnung bleibt, dass der Kater auf den Rausch folgt, das Nachdenken darüber wird wohl mal wieder ausfallen.

  • Warim Wilke

    Wer verstanden hat, dass wir im Kapitalismus leben und es Grenzen des Wachstums gibt, die Geschichte und menschliche Kultur ansatzweise verstanden hat, den überrascht an dieser Entwicklung nichts. Sie ist deshalb nicht weniger schockierend, im Gegenteil. Persönlich angemerkt: nie habe ich mich stärker von dieser Gesellschaft entfremdet gefühlt als momentan.

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Sie sind immer wieder noch, und viel zu viel da!



    Wehret den Anfängen ist zu spät.



    Deshalb muss ich mich wiederholen:



    AFD-VERBOT JETZT ❗️ ❗️ ❗️ ❗️ ❗️ ❗️ ❗️ ❗️



    Besser spät als nie ❗️



    Leute in Bundesregierung, Bundestag und oder Bundesrat:



    "ARSCH HUH, ZÄNG USSENANDER ❗️❗️❗️"

    • FtznFrtz

      @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Völlig richtig, ich befürchte die Union wird es bis zum St.-Nimmerleinstag verschieben, leider.

  • Wanderin

    Sie waren nie weg, das muss man sich klarmachen. Tausendjähriges Reich haben es die Nazis genannt. Der Fall der USA unter Maga hat rechtsextreme Schläferzellen wieder Morgenluft schnuppern lassen. Dass man das Problem besiegt hat, hat man sich lange als Gute- Nachtgeschichte erzählt. Elementar zu dieser Einschlafgeschichte gehörte die Gesellschaftslüge, dass Rassismus ein Relikt der NS Vergangenheit oder ein Problem der USA oder allenfalls abgehängter ostdeutscher Jugendlicher sei. Zeitlich wie geografisch schob man den Gedanken weit von sich. Dass sich, weitgehend unbeachtet, in der Geschichte der BRD eine kontinuierliche Chronologie der Hetze abzeichnete, mit den vertrauten alten Untertönen von Untermenschen und Ballastexistenzen (Gastarbeiter, Südeuropäer, EU Länder, Sozialhilfe-Bezieher, Flüchtlinge) blieb unbeachtet im Schatten der monumentalen, scheuklappenartigen Erinnerungskultur, die immer mehr als Deck-Identität zur Abwehr von Tatsachen fungierte und jegliches Transferdenken vermissen ließ. Dass die Rolle des Verfassungsschutzes beim NSU nie aufgeklärt wurde, vergaß man sofort. 'Schlagende Verbindungen' unter angehenden Juristen, rechte Unternehmer- medial unbeachtet.

    • Wanderin

      @Wanderin:

      Ebenso unbeachtet- viele bestehende autoritäre Strukturen in Institutionen, die dem Individuum demokratische Eigenschaften wieder aberziehen und vorauseilende Gefügigkeit und die Bereitschaft zur stillen Komplizenschaft fördern. Bekannte Eigenschaften, die nie ausstarben und damals die Funktion des Systems ermöglichten.

  • Land of plenty

    Das große Problem ist, dass es ein faschistisches Verhalten gibt (nach Robert O. Paxton ist dieses maßgeblich) im Alltag: antisolidarisch, antirücksicht, nur egomanisch, sofort Faustrecht.



    Es drückt sich nun auch in dem Streben nach politischer Herrschaft aus, aber seit langem gibt es autoritäres Verhalten in allen Bereichen.



    Habituselemente zeigen ihre offene Unmenschlichkeit - nicht primär auf der Bühne politischer Debatten. Im Gegenteil, das Grundrauschen ist schon lange erlebbar, vor Gründung einer rechtsradikalen Partei.

  • aujau

    Ja, leider wahr. Weiter dagegen halten. Weitere Widerstandsformen überlegen.

  • Andreas_2020

    Noch gibt es ein wehrhaftes, demokratisches Regierungssystem und eine starke, bunte, wehrhafte Gesellschaft. Aber an vielen Orten sind Rechtsextreme, Neonazis auf dem Vormarsch. Jetzt kann man sie (noch) stoppen, sie verbieten.

  • Worgt Michael

    Die Nazis waren nie weg !!!

  • Land of plenty

    Guter Text - im Vergleich zu dem Ausruf "Lasst sie doch mal regieren!" von Barbara Dribbusch.

    • Willi Müller alias Jupp Schmitz

      @Land of plenty:

      Stimmt - und:



      Auch in der Opposition können die Blaunen viel Schaden anrichten.



      Deshalb:



      AFD-VERBOT JETZT ❗️ ❗️ ❗️

  • Wanderin

    "Denn die Gesirems zeigen sich immer zuerst als Opfer, bevor sie zu Tätern werden. "

    Sehr guter Artikel. Und ja, die Beiträge der männlichen AfD ler erkennt man oft an "Mann, hetero, sucht Opferrolle" - was natürlich im direkten Gegensatz zum maskulin traditionellen Rollenbild steht, das die vertreten wollen. Die verachten Linke, wollen aber vorher noch Mitleid als Ressource abpressen.

    Auch das passt zum Narzissmus, der alles beansprucht, was ihm dienlich ist. Und leider verhalten sich ganz viele "Linke" komplementär als ko-abhängige Wegbereiter und Beihelfer, indem sie ständig Ausreden für die Faschisten machen und alles kleinreden, um den seligen Zustand der Verdrängung zu erhalten.

    Die Geschichte vom Bauern, der eine bemitleidenswerte Schlange findet und sie bei sich aufwärmt, ging auch nicht gut aus.

    • Wanderin

      @Wanderin:

      Typisch Kommentarspalte. Sie regen sich alle grundlos auf, weil Sie über ihr schlechtes Leseverständnis stolpern. Nochmal ganz langsam: In dem Kommentar geht es spezifisch um die männliche Opferrolle, die theoretisch im Gegensatz zum faschistischen "Kult der Härte" steht. Interessant ist, dass sowohl die Opferrolle als auch Täterfantasien kein Widerspruch sind, wenn man das Motiv des Opportunismus und Narzissmus bedenkt, der alles beansprucht, was situativ dienlich ist.



      .



      In dem Kommentar ging es nicht: um die Zusammensetzung der Wählerschaft.

    • rero

      @Wanderin:

      Mit einem manichäischen Weltbild kommen Sie nur in eine Sackgasse.

      Wer wissen will, wie man eine AfD-Regierung abwendet, muss sich damit befassen, was die Leute anzieht.

    • Westlahn

      @Wanderin:

      Wenn die GesiRems vornehmlich Männer wären, dann hätten praktisch alle Männer in Sachsen-Anhalt AfD gewählt. AfD als allgemeines frauen Defizit zu übersetzen, ist aber eine Fehlwahrnehmung. Schon im Faschismus 1.0 waren wesentliche Anteile der Bewegung weiblich -nur die vornehmlich schwarz-weiß in unsere Wahrnehmung eingespeisten "Zeitzeugnisse" zeigen vornehmlich Männer. Man wird wohl auch die Wortschöpfung GesiRem irgendwie gendern müssen. Denn ausgerechnet dabei haben die Frauen geschafft, was damals auf den Pappschildern stand: "50% von allem". Wer die Wahldaten aus Sachsen-Anhalt ordentlich analysiert findet in fast allen Altersgruppen etwa 50% Frauen, in einigen sogar mehr. Nur bei Ü70 kam 1. eine vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung und 2. eine knappe 3viertel Mehrheit gegen die AfD. Das, immerhin, hat die absolute Mehrheit an Sitzen verhindert.



      Das wird auf Dauer nicht reichen. Denn auch Faschistinnen werden schließlich älter...

      • sociajizzm

        @Westlahn:

        Es haben erschreckend viele Frauen die AFD gewählt. Nur bei weitem nicht 50/50. Über alle Altersgruppen hinweg ist der Unterschied rund 20.4%.



        .



        Das ist nicht so groß wie bei den eher linken Parteien. Frauen haben 26.6% häufiger den Grünen ihre Stimme gegeben, 31.57% den Linken und ganze 36.3% häufiger der SPD!



        .



        Hätten nur Frauen gewählt, wäre die AFD zwar noch immer stärkste Kraft. Aber die Regierung wäre Rot-Rot-Grün mit einer Minister:in der Linken. Und die AFD + BSW in der Opposition.



        .



        Das ist schon ein signifikant anderes Ergebnis.

  • Benzo

    Die Forschung zeigt ziemlich klar: Einstellungen zur Migration gehören zu den stärksten Faktoren beim Aufstieg neofaschistischer Parteien. Dazu kommen wirtschaftliche Unsicherheit, Verlustängste und Krisen, die solchen Kräften zusätzliche Chancen und ein Zeitfenster eröffnen.

    Wer den Aufstieg der Neofaschisten wirklich stoppen will, muss diese Ursachen ernst nehmen und sich mit ihnen auseinandersetzen.

    Wäre das der Rat von Myriam?

    • Westlahn

      @Benzo:

      Eine Frage steht dem Konzept "Ängste wg Migration und Zukunft ernst nehmen, dann wird's schon" im Weg:



      Im Westen gab's Einwanderung von Arbeitskräften auf weit höherem Niveau als es die "Neuen Länder" je hatten. Es gab Phasen von Massenarbeitslosigkeit, Zukunftsängste unter Stichworten wie Waldsterben und Ozonloch. Das Grummeln im Wahlvolk nach rechtsaußen nahm zu blieb aber sehr überschaubar. Ergebnis der Krisen und Ängste waren letztlich die einigermaßen fest in der Demokratie verankerten Grünen.



      Die stehen als Alternative zu den SchwarzRoten ja im Regal. Aber Männer Frauen wenden sich den GesiRemierenden zu. Kleiner Versuch , das Phänomen zu gendern ...

  • test_name

    > Die Grenzen sollen dicht gemacht werden... Was ist, wenn sich das deutsche Volk mit den Gesirems verwechselt? Wohin sollte man da mit seiner demokratischen Hoffnung?<







    Als Wähler hat man halt die Wahl zwischen Gesirem und openborder. Noch kann man sich frei entscheiden, was schlimmer ist und dann das andere wählen. Ist wohl auch eine Form von Demokratie.

    • nihilist

      @test_name:

      Natürlich. Alle Parteien außer der gesichert rechtsextremen vertreten offene Grenzen und Bleiberecht für alle. Da kann der Wähler quasi gar nicht anders.

      • Flix

        @nihilist:

        Davon haben Merz und Dobrindt mit ihren illegalen Grenzkontrollen wohl noch nichts mitbekommen.



        Nicht alles, was Putin verbreiten lässt, stimmt; im Zweifel ist das Gegenteil richtig.



        Der Wähler kann immer anders als Nazis zu wählen, noch zumindest.

      • test_name

        @nihilist:

        Es gibt ja nicht nur Asyl sondern z.B. auch Zuwanderung aus Osteuropa. Mir ist nicht bekannt, dass z.B. die cdu das einschränken oder kontrollieren will.







        Bei der Asyl-Zuwanderung gibt es Alibi-Grenzkontrollen - aber eigentlich ist der Staat hier machtlos. Der Staat ist nicht berechtigt, Asylsuchende abzuweisen =>taz-Artikel "Rechtswidrig, aber Dobrindt macht trotzdem weiter".

        • nihilist

          @test_name:

          Zuwanderung aus Osteuropa fällt entweder unter EU-Freizügigkeit oder unterliegt den selben Einschränkungen wie von sonst wo.



          Und zu echten, flächendeckenden Kontrollen: wie lang wollen wir die Staus an den Grenzen für die sonst so geplagten Berufspendler denn haben, damit auch der letzte Ausländer draußen bleibt?

  • ja wirklich?

    Leute, lasst uns klar sehen: "Sie" waren nie wirklich weg. Im Westen an prominenter Stelle, in der Justiz, in der Regierung, in den Schulen, lange nochEnde der 50er habe ich noch Nazi-Lehrer und Nazi-Lehrerinnen gehabt. Auf der Volksschule und auf dem Gymnasium. Im Osten: offiziell gab es sie nicht, war dieser Bilderbuch Staat antifaschistisch, sozialistisch. Interessanterweise waren sie nach 1989 / 1990 auf dem Land, wo ich dann lebte, sofort und massenhaft da. Nicht nur alte, auch junge Männer.

    • Westlahn

      @ja wirklich?:

      Die "alten" Nazis -Männer wie Frauen- der 50er und 60er hatten noch eine frische eigene Erinnerung daran, das und wie Faschismus schief gegangen ist. Und mussten nicht Protestwählen weil es leicht viel, sich mit der einigerm erfolgreichen Demokratie zu arrangieren. Das schlich sich demographisch aus. Der Nachwuchs ist aber in den folgenden Krisen (Ölkrise 1 und 2, Waldsterben, Massenarbeitslosigkeit, Ozonloch, NATO-Doppelbeschluß, Pershing - Demos, Anti-Atom-Kraft -Bewegung ). nicht nach rechtsaußen abgebogen. Was ist anders?

    • rero

      @ja wirklich?:

      Der Staat war in der DDR nicht nur offiziell antifaschistisch und sozialistisch.

      Er war es wirklich.

      Weil seine Vertreter davon wirklich überzeugt waren.

      Nur waren seine Staatsbürger halt nicht alle davon überzeugt.

      Scheint gerade in der BRD ähnlich zu sein, finden Sie nicht?

      „Ende der 50er“ ist schon ein paar Tage her.

      Offensichtlich waren sie dann schon mehrheitlich irgendwie weg.

      Ende der 80er gab es keine mit der AfD vergleichbare Partei, die diese Erfolge hatte.

  • Sam Spade

    "Sie sind wieder da"

    Dem würde ich entgegnen "Sie waren nie weg". Sie sind heute nur öffentlich sichtbarer geworden, vergleichbar in der Wahrnehmung mit der Entstehung der rechtsextremen Skinhead Jugendkultur in der BRD der 80er Jahre oder den Baseballschlägerjahren in Ostdeutschland der 90er.

    Seit den 80er Jahren versucht der Rechtsextremismus in Deutschland Anschluss an die Bevölkerung zu finden. In der AfD hat er jetzt die Struktur gefunden, die das ermöglicht. Basierend auf der offiziellen Abkehr von Militanz und psychischer Gewalt hin zur Suggestion und verschleierter verbaler Gewalt, ist das völkische Gedankengut jetzt in breiten Schichten der Bevölkerung wieder anschlussfähig. Die Leisung der AfD bestand darin das schlummernde Potenzial für rechtsradikales Gedankengut in der Bevölkerung wieder zu erwecken. Dank digitaler Multiplikatoren verbreitet es sich seitdem wie ein Virus. Die Mitte ist nach rechts gerückt, ein erklärtes Ziel der Rechtsextremen um den Platz der konservativen Parteien einzunehmen und durch das Etablieren rechten Gedankenguts Mehrheiten bei den Wählern zu generieren. Die Saat scheint in Deutschland aufzugehen.

  • Philipp Lobinger

    Was seit Jahrzehnten übertüncht, aber nun offen sichtbar: Die Gesiwoms, die gesichert Wohlstandsextremen sind nur solange demokratiegesichert, wie ihr Wohlstand gesichert ist.. Grundlagen aller etablierten Parteiprogramme waren nach dem 2. Weltkrieg und sind bis heute die Wohlstandsorientierungen, als oberste Maxime und Leitbild weit vor Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Demokratieorientierungen dienten bestenfalls Sonntagsreden und sind feigenblattbewehr. Wehrhafte Demokratie? Nein: die real existierende BRD ist primär eine Wohlokratie. Die Bückbürger:Innen sind gesichert wohlstandsextrem und sind in der Mehrheit. Was hilft? Die Fightbürgerin Scheswig und Grün:Innen wie Palmer, Özdemir, Kretschmann, Habeck und Baerbock sind Lichtblicke die ein Abgleiten von der Wohlokratie in die Faschokratie verhindern können. Und danach? Der lange Marsch von der Wohlokratie zur Demokratie. Wird gelingen: 2033 wird die AFD wieder einstellig sein.

    • test_name

      @Philipp Lobinger:

      >Wohlokratie<







      Darum geht es. Die Demokratie sollte immer die Regierungsform sein, die die materiellen Ansprüche des Wahlvolks am Besten befriedigt. Eine Regierung, die die materiellen Interessen des Wahlvolkes vernachlässigt, wird abgewählt.







      Traurig für Merz - aber das ist Demokratie.

    • Westlahn

      @Philipp Lobinger:

      Ihr Wort in Volkes Ohr. Allein, mir fehlt der Glaube.

  • Müller Christian

    Erstmal vielen Dank an die TAZ, dass auf die Gefahr der Faschos aufmerksam gemacht wird. Diesen Schwerpunkt findet sich nicht bei anderen Zeitungen bzw. Nachrichten Portalen.

    Was mich aber immer wieder verbittert zurück lässt, sind die, aus meiner Sicht, viel zu wenig Artikel, der sich mit den Antisemitismus der Linken beschäftigt.

    Ist man hier bewusst oder gezwungen auf dem linken Auge blind, was Antisemitismus betrifft?

    Gerade wenn ich Artikel in anderen Zeitungen lese, hätte ich gerne Artikel azs der Sicht der TAZ, um diese besser einordnen zu können.

  • Il_Leopardo

    Wie erklärt man da den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der „gesichert Rechtsextremen“?



    Eine Antwort auf diese Frage gibt der Autor des Artikels aber auch nicht - er versucht es nicht einmal.



    Ich fürchte, selbst wenn die ersten Lastwagen vorführen, um missliebige Gruppen in Lager zu überführen, würde in diesem Land niemand aufmucken. Das "Nicht-Aufmucken" hat in diesem Land eine lange Tradition. Nur schade, dass die, die da abgeholt werden, wenig Besitz haben. Ansonsten könnte man sich doch noch ein wenig bereichern.

    • Wanderin

      @Il_Leopardo:

      Die Taz hat berichtet, dass in München ein Abschiebeterminal gebaut wird, verknüpft mit der Frage, für wen die bleibende Infrastruktur sein soll, denn die Zahlen der Asylsuchenden sind rückläufig und rechtfertigen den Bau nicht.

      Es ist kein Geheimnis, dass die Rechtsextremen sich wünschen, dass auf der einen Seite des Flughafens biodeutsche Familien gut gelaunt in den Urlaub fliegen, während enteignete "ehemalige" Deutsche, -denen man die Staatsbürgerschaft aberkannt hat-, am anderen "Terminal" in Flieger eskortiert werden, die in einem außereuropäischem Land (wie Ruanda) landen werden, von wo aus der Transport in Lager erfolgt.

      Nur hoffe ich, dass die gesamte Gesellschaft aus der Geschichte gelernt hat und wehrhafter ist als die denken.

      • Wanderin

        @Wanderin:

        * Zahlen der abgelehnten Asylsuchenden und Geflüchteten

    • rero

      @Il_Leopardo:

      Mal ehrlich:

      Haben Sie gerade das Gefühl, dass Nicht-Aufmucken gerade sehr verbreitet ist?

      Ich würde ja eher sagen, dass ein fundamentalistisches Querulantentum total total Mainstream ist.

      Verbunden mit einer enormen Kompromislosigkeit.

      Ein grundsätzliches Dagegensein.

      Wir können ja mal unseren Kanzler fragen.

      Irgendwie habe ich das Gefühl, er könnte eher meiner Meinung sein.

      Heimlich wünscht er sich wohl mehr Duckmäusertum.

      • Il_Leopardo

        @rero:

        Ich meinte das "Nicht-Aufmucken" im Zusammenhang mit möglichen "Maßnahmen" der AfD hinsichtlich der Migranten. Der Großteil der Bevölkerung würde sich nicht rühren, wenn diese in Lager verbracht würden.

        • Maja Kero

          @Il_Leopardo:

          Ich weiß, es ist linke Tradition die BRD schlecht zu reden und seine Bürger immer nur einen Handstreich davon entfernt zu sehen, vom Faschismus übermannt zu werden.

          Scheiß auf die liberalen gesellschaftlichen Errungenschaften seit der Gründung der BRD.

          Scheiss auf die großen Anti AfD-Proteste die letzten Jahre, die zu den größten gehört haben, die dieses Land jemals gesehen hat.

          Die ignorieren wir mal schön, würde ja auch nur stören beim Doomsday-Geschwafel oder ?

          Ernsthafte Frage: Was bleibt einem da übrig außer sich in die erlernte Hilflosigkeit zu begeben ?

          Das ist mir zu bequem. Da führe ich lieber Diskussion, kämpfe für eine bessere Gesellschaft und muss dabei vielleicht auch kompromissbereit sein. Das ist deutlich anstrengender ich weiß!

          Es könnte sich aber lohnen…

          • Thomas Böttcher

            @Maja Kero:

            „Ich weiß, es ist linke Tradition die BRD schlecht zu reden....."

            Diese „Tradition", wie Sie es nennen, haben sich mittlerweile, seit nunmehr 5-6 Jahren, die Blaunen auf ihre Fahnen geschrieben und sind damit offensichtlich sehr erfolgreich. Im Gegensatz waren die Linken mit „BRD schlechtreden" nie erfolgreich. Da kann irgendwas in ihrer Aussage nicht stimmen.



            Kann es sein, das die Linken auch Lösungen angeboten haben -- die auch für ein Großteil der Bevölkerung unbequem waren, oder sind?



            Die Blaunen bieten keine Lösungen.

            • rero

              @Thomas Böttcher:

              Ich befürchte, die gesellschaftliche Linke war im "BRD schlechtreden" verdammt gut.

              So gut, dass viele es glaubten.

              Die AfD ist eine Defizitpartei.

              Sie greift populistisch die Stimmungen auf, die in der schon vorhanden sind.

              Dazu gehört insbesondere das "Alles geht den Bach runter".

              Das existiert nämlich deutlich länger als 5-6 Jahre.

              Insofern kann die Aussage von Maja Kero nicht falsch sein.

              Frau Mertins hat dazu was Lesenswertes geschrieben:



              taz.de/Landtagswah...=sachsen%2Banhalt/

              Die Alles-geht den Bach-runter-Stimmung muss irgendwo herkommen.

              Welche Lösungsangebote der Linken meinen Sie?

              Mir fallen wenig realistische ein.



              Ich würde Sie da gerne verstehen.

          • Il_Leopardo

            @Maja Kero:

            Ich fürchte, (vorläufig) im Osten werden die braven Bürger nicht "vom Faschismus übermannt", sondern lechzen geradezu nach diesem.

  • Desti

    Manchmal möchte man bei solchen Analysen sagen: Schauen Sie sich einfach die Startseite der Tageszeitung an, die Sie gerade lesen. Welche Themen werden dort wie gewichtet, welche gesellschaftlichen Fragen für relevant gehalten und aus welcher Perspektive werden sie bewertet? Und dann gehen Sie einmal zu Woolworth, an eine Tankstelle oder setzen sich in ein ganz normales Wartezimmer und unterhalten sich mit den Menschen dort. Das sind Orte, an denen ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen, abseits von abstrakten Kategorien die "bildungsfern" oder "Arbeiterklasse" .



    Möglicherweise fällt Ihnen eine gewisse Diskrepanz auf.

    • Altbayer

      @Desti:

      Top!

  • Elke Weyel

    Sehr bewegender Artikel. Eine Anmerkung:



    In Israel verwechselt sich die Hälfte der Bevölkerung mit Netanyahu, aber mindestens weitere 30 % für eine Politik, die sich von der Netanyahus kaum unterscheidet , bzw. in Richtung Ben Gvir und Smotrich geht. Mindestens.

    • Westlahn

      @Elke Weyel:

      Netanyahu, Smotrich Ben Gvir et al unterscheiden sich in ihrer Ruchlosigkeit kaum von den Ayatollahs im Iran.



      Aber wir haben eigene, näher liegende Fragen: wollen wir wirklich in den aufgegeben VW-Werken für diese Leute die Drohnen produzieren, die sie dann in den Gaza, den Libanon, nach Syrien und in den Iran schießen? Nicht nur die lokalen sondern auch die nationalen Wirtschaftspolitikerinnen (ja, es sind Frauen...) wirken geradezu glücklich über israelische Rüstungskonzerne mit Investitionsabsichten. Fällt uns nichts Besseres als Nachfolgeindustrie ein als das?

    • rero

      @Elke Weyel:

      Mmmh.

      Was soll mir das jetzt sagen?

      Wenn in Deutschland proportional zur Bevölkerungszahl 12.000 Menschen so massakriert werden und die Videos davon im Internet zu sehen.

      Dazu dann die Freudentänze in den Nachbarstaaten.

      Dann werden auch hierzulande die Wähler die AfD für eine tendenziell linke Partei halten.

      Und wo bringt Sie das jetzt in der Argumentation weiter?

      • Westlahn

        @rero:

        Haben Sie auch die Freudentänzer mit übergehängtem Schnellfeuergewehr und Kippa, die im Kreis stehen und singen: "Es gibt keine unbeteiligten Zivilisten, es gibt keine unbeteiligten...." ? 20.000 tote Kinder und weitere 20.000 tote Frauen sind ganz sicher kein Weg zu friedlicher Nachbarschaft mit und für Israel.

        • rero

          @Westlahn:

          Was meinen Sie denn, was die Leute machen werden, die dann die AfD für eine linke Partei halten werden?

          Auch an Sie die Frage:



          Wo bringt es Sie in der Argumentation bezüglich der Gesirem weiter?

          Gibt Ihnen das die demokratische Hoffnung, von der der Autor spricht?

          Mir nicht.

  • Martin Rees

    "81 Jahre ist das Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland her."



    "Sie sind wieder da"



    Sie waren nie wirklich weg...



    Adenauer und sein Vertrauter im Kanzleramt:



    "Hans Globke: Des Kanzlers rechte Hand



    Obwohl Globke (1898–1973) als Beamter im Dienst des NS-Regimes antisemitische Gesetze erarbeitet hat, stufen die Alliierten den Juristen nach Kriegsende als "unbelastet" ein. 1949 holt ihn Konrad Adenauer ins Bundeskanzleramt, das er ab 1953 leitet. Als einer von Adenauers engsten Vertrauten gehört der Staatssekretär bis zu seinem Rücktritt 1963 zu den einflussreichsten Männern der Republik. Weil er vielen als Symbolfigur für die unaufgearbeitete NS-Vergangenheit der jungen BRD gilt, strengt die DDR 1963 einen Schauprozess gegen ihn an, in dem er in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wird (Globke, r., 1963 mit Adenauer in Rom)"



    Quelle:



    www.geo.de/wissen/...esen-35092956.html



    So wie in Spitzenpositionen und an Schaltstellen war es auf den anderen Ebenen auch, nur nicht so prominent und offiziell reingewaschen.



    Das "Gedankengut" der Gesirems gedeiht wieder, gerade in Europa sehen es viele mit Sorge.

    • Wanderin

      @Martin Rees:

      Thilo Sarrazin ( Geburtsjahr 1945) ist in den 70ern ausgebildet worden.



      Die Bücher (Deutschland schafft sich ab, Europa braucht den Euro nicht, Der neue Tugendterror) bearbeiten alle Themen, aus denen die AfD bis heute schöpft.

      Wie man sieht, das Gedankengut musste gar nicht über so viele Generationen springen.

      • Westlahn

        @Wanderin:

        Aber das"Gedankengut" hat 50 Jahre lang nicht gezündet. War ein grummeln schräger Vögel am Rand. Die gibt's immer und überall.



        Jetzt wollen plötzlich sehr viele dazugehören.

        • Wanderin

          @Westlahn:

          Ich habe dieses Beispiel nicht grundlos gewählt. Das Buch "Deutschland schafft sich ab" gehört zu den meistverkauften Sachbüchern seit Gründung der BRD. Es wurde 13 Mal neu aufgelegt und war Bestseller des Jahrzehnts. Es folgten viele andere ähnlich gestrickte Bücher, die die Stimmung des Abstiegs bewirtschafteten.



          .



          Dieses Buch hat die tiefe Verunsicherung in der Bevölkerung nach dem Pisa- Schock genutzt und entscheidend dazu beigetragen, Rassentheorie wieder salonfähig zu machen. Das Pisa- Debakel war jahrelang Thema - damals hatte man keine anderen Probleme! Insbesondere die Bildungsbürgerlichen, die Kinder im Schulalter haben, haben also nach diesem Buch gegriffen.



          .



          Neben Nazi-Devotionalien und den üblichen einschlägigen Büchern wie "Mein Kampf" etc. wurde das Buch "Deutschland schafft sich ab" auch beim Neonazi- Brandstifter in Bremen gefunden. Da ist die Verbindung von bürgerlich bis rechtsextrem.

        • Captain Hornblower

          @Westlahn:

          Ja, dann kam aber so Mitte der 2010 Input von außen,



          ein gewisser Steve Bannon half mit das Rechte Lager



          wieder auf die Beine in ganz Europa zu stellen mit freundlicher Unterstützung aus Moskau. Nur sind die



          Rechten in Europa ein wenig unterschiedlich aber die Saat ging auf.



          Man sollte den Rechtsruck global betrachten, er fand überall einen Nährboden.

    • nihilist

      @Martin Rees:

      Hans Globke ist seit über 50 Jahren tot. An dem wird es nicht liegen.

    • Lowandorder

      @Martin Rees:

      Ol Conny zu Globke



      “Man schüttet kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines hat!“



      Adenauer äußerte diesen Satz am 2. April 1952 im Rahmen eines Teegesprächs mit Journalisten. Er reagierte damit auf die massive öffentliche Kritik an der Beschäftigung von ehemals NS-belasteten Spitzenbeamten beim Aufbau der jungen Bundesrepublik.Für Adenauer stand fest: Um einen funktionierenden Staat und eine effiziente Verwaltung aufzubauen, war er auf erfahrene Fachleute und Juristen angewiesen – selbst wenn diese, wie Globke, eine tief verstrickte Vergangenheit im Dritten Reich aufwiesen. Da es in seinen Augen an unbelastetem, qualifiziertem Personal mangelte („reines Wasser“), hielt er pragmatisch und kompromisslos an den erfahrenen Kräften fest („dreckiges Wasser“). 🤖



      Vgl auch Ingo Müller Furchtbare Juristen



      www.ecchr.eu/filea...echt_subversiv.pdf

      • Westlahn

        @Lowandorder:

        Die 500 bis 1000 "Fachleute" und "Juristen" die Adenauer für Führungsaufgaben in seiner Regierung gebraucht hätte, hätten sich finden lassen ohne auf Nazis zurück zu greifen. Wenn man sie denn hätte haben und suchen wollen. Sie kamen aus dem Exil zurück oder waren nie weg. Aber Adenauer wusste: die Altnazis beriefen sich alle darauf, nur Befehle befolgt zu haben. Also würden sie auch seine Befehle befolgen. Und wenn nicht, konnte er sie mit Verweis auf ihre Verstrickung jederzeit loswerden. Und die Delinquenten wussten das.

      • Klabauta

        @Lowandorder:

        Es gab auch reines Wasser. In dem Zusammenhang möchte ich an Fritz Bauer erinnern. Der schaffte es immerhin bis zum hessischen Generalstaatsanwalt und sorgte in dieser Funktion dafür, dass trotz starker Widerstände der Auschwitz-Prozess stattfand.

      • Martin Rees

        @Lowandorder:

        Dankeschön, es gibt immer etwas hinzuzulernen.



        Beim Aufbau der Bundeswehr waren auch nicht alle Protagonisten 'sauber' oder gar "blank":



        "Wie aus Hitlers General Adenauers Generalinspekteur wurde"



        Bei welt.de



        "General Hitlers und General Adenauers“, schreibt der Zeithistoriker Johannes Hürter, „Erfüllungsgehilfe kriegerischen Größenwahns und Gründungsvater der Bundeswehr – eine deutsche Karriere!“ Und er fügt hinzu: „In der deutschen Generalität gab es einige Wanderer zwischen den Welten der verbrecherischen Diktatur und des demokratischen Rechtsstaats. Nur ganz wenigen gelang es aber, sich hier wie dort im Zentrum der Macht zu positionieren. Der spektakulärste Fall war der Aufstieg Adolf Heusingers.“

    • Georg Sonntag

      @Martin Rees:

      Jetzt aber ruhig Blut. Auch die Guten haben ihren Globke.



      Quedlinburg in den 1990ern.



      Die Antifa warnt vor einem kahl geschorenen , der vor Heimen Gefluchteter wütet. Die Antifa als hoch seriöse Quelle.



      Der Name des Wüthrich: David Seidlitz, heute Funktionär der Grünen Sachsen Anhalt Mitte .



      Klar Herr Seidlitz ist ein paar Nummern kleiner als Globke, aber bei der ,, Entnazifizierung " der Grünen Partei ist er auch als unbelastet hervorgegangen.

      • Klabauta

        @Georg Sonntag:

        "Klar Herr Seidlitz ist ein paar Nummern kleiner als Globke"

        Das ist ja wohl der Euphemismus des Jahres! Zu Globke hier nochmal zum Nachlesen: fragdenstaat.de/dossier/globke/

        Wollen Sie ernsthaft einen Globke mit dem Ehemann der Grünen-Spitzenkandidatin vergleichen? Unfassbar.

      • sàmi2

        @Georg Sonntag:

        Es gibt viele Unterschiede zwischen Nazis, die sich ohne kritische Selbstreflexion neuen Gegebenheiten anpassen und eine neue Karriere starten (vielleicht auch noch parallel alte Netzwerke weiter pflegen) und (Neo)-Nazis, die sich aus dem alten Umfeld und der Ideologie lösen und in einem glaubhaften Prozess zu einer anderen Sicht auf die Welt kommen. Nicht dass es bei den Grünen nie politisch fragwürdige Gestalten gegeben hätte, aber der Fall Seidlitz ist dafür kein Beispiel.

  • Wunderwelt

    Alle Welt fragt sich wo plötzlich diese Welle spalterischer Menschenfeindlichkeit herkommt. Wobei ein Aspekt derzeit nur sehr wenig Aufmerksamkeit erfährt, nämlich der pädagogische.







    Der ist allerdings von maßgeblicher Bedeutung. Wer z.B. als Kind erlebt, daß seine/ihre Geschwister bevorzugt werden, wird als ErwachseneR weit eher der Lüge glauben schenken, die "Ausländer" würden gegenüber den Einheimischen bevorzugt. Wer von seinem Vater geprügelt wurde und einen Teil der Persönlichkeit abspalten mußte um das mental zu überleben, wird ein Leben lang nach anderen Opfern suchen auf die er sein/ihr Leid abwälzen (projizieren) kann.







    Die Aufarbeitung der Nazivergangenheit im Westen, war oft begleitet von Fragen nach den pädagogischen Hintergründen sowohl in den Familien wie den Bildungseinrichtungen.



    .



    Aber wie sah das im Osten aus.? Mit Prügelstrafe oder frühkindlicher Erziehung in Horten und Krippen.? Darüber würde ich wirklich gerne mehr erfahren..und auch darüber sollten wir reden.







    Denn ein besonders wichtiger Beitrag gegen spalterische Menschlichkeit, ist es den gedemütigten (inneren) Kindern einen "Anwalt" zu geben. Auch dann wenn sie schon in erwachsenen Körpern stecken..

    • aujau

      @Wunderwelt:

      Ein wichtiges Problem. Nazis bewirtschaften das seit Langem und es ist schwierig und langwierig dem entgegen zu wirken. Viele halten an den autoritären Problemproduzenten und ihren schädlichen Ideologien fest, gerade weil sie soviel gekostet haben, nicht weil sie als hilfreich angesehen werden.

  • Axel Schäfer

    Ist Myriam eine fiktive Figur?

  • Minderleister

    Erneut eine schöne Kolumne nach „AfD-Wählen als Triebabfuhr“.

  • dervogelmann

    ... man kriegt Gänsehaut beim Lesen dieses Textes.



    Und man schämt sich dafür, dass man nicht noch mehr dafür tut, dass die GESIREMS nicht noch weiter an Macht gewinnen. Zu Demos latschen, Händchen halten, Buttons kaufen - alles schön und gut.



    Aber reicht nicht mehr.



    Reicht nicht.

    • ja wirklich?

      @dervogelmann:

      Jap. Leier erreicht man die Neo-Nazis und die Alt-Nazis auf diese Weise nicht. Sie sind affektgetrieben, Da ist der Verstand ausgeschaltet, Ich erkenne im Vergleich zu den 70ern Deutschalnd nicht wieder.

      • Westlahn

        @ja wirklich?:

        Ich bezweifle dass die 70er und 80er Jugend mehrheitlich rationale Analytiker waren . Auf der Demo im Bonner Hofgarten waren die meisten durchaus "affektgetrieben" . Ich darf das sagen: ich war dabei. Und einer davon.

        • aujau

          @Westlahn:

          Harry Belafonte auf der Bühne, eine andere Atmosphäre und das Ziel war besser.

    • Volker Scheunert

      @dervogelmann:

      Tja, sehr traurig - ich nehme an, Sie wissen auch nicht, was "reicht".



      Meine Frau und ich haben unsere Tochter (hoffen wir jedenfalls) so erzogen, dass sie gegen rechtsextreme Verlockungen immun ist. Wir hoffen, dass sie dieses Erbe an ihre eigenen Kinder weitergibt ...

    • Klabauta

      @dervogelmann:

      "... man kriegt Gänsehaut beim Lesen dieses Textes."

      Ging mir genauso.