piwik no script img

ARD-Sommerinterview mit Merz Der Kanzler macht Wahlkampf für die AfD

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Weder mit seiner Art noch mit seiner Wirtschaftspolitik kann Friedrich Merz der rechten Konkurrenz etwas entgegensetzen. Im Gegenteil – er stärkt sie.

W em hilft der Kanzler eigentlich in Sachsen-Anhalt beim Wahlkampf? Dass es seine CDU oder irgendeine andere demokratische Partei ist, darf stark bezweifelt werden. Zu sehr wischte Friedrich Merz allein beim ARD-Sommerinterview die Sorgen, Bedürfnisse und Nöte der Menschen weg.

In Deutschland könne ein Ölpreis von 100 US-Dollar nicht „wegsubventioniert“ werden, antwortete Merz, auf die hohen Tankstellenpreise angesprochen. Und auch das „schönste Elterngeld“ nütze nichts, wenn Freiheit und Frieden in Gefahr sind, verteidigte er hohe Rüstungsausgaben auf Kosten von Sozialem.

Die AfD-Wahlkämpfer*innen werden sicherlich nicht nur die Aussagen des Kanzlers zum Spritpreis als Steilvorlage nutzen. Sie werden genüsslich darauf verweisen können, dass ihre rechtsextreme Partei ein landeseigenes Kindergeld im Wahlprogramm habe. Dass Elterngeld und Kindergeld nicht dasselbe und ein Extra-Kindergeld für Sachsen-Anhalt nicht finanzierbar ist, weil die AfD viel verspricht, wenn der Tag lang ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Auch ihr Rassismus und all ihre anderen menschenverachtenden Ansichten.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Doch wird dies am Ende des Tages beim kontrafaktischen Geraune am Wahlstand untergehen. Zu gut passen die Aussagen von Merz in die Erzählung der AfD, dass die Bundesregierung angeblich lieber Kriege im Ausland finanziert, als der eigenen Bevölkerung zu helfen.

Merz hätte besser in Geschichte aufpassen sollen

Mit seiner Wirtschaftspolitik hilft der Kanzler der AfD beim Wahlkampf. Dabei wollte er die Rechtsextremen einst halbieren. Doch dafür hätte er in Geschichte aufpassen müssen. Denn immer, wenn in Krisenzeiten gespart wird, stärkt das rechtsextreme Parteien.

So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnet, wie die Sparmaßnahmen von Hungerkanzler Heinrich Brüning einst den Aufstieg der NSDAP begünstigten. Und auch die jüngere Geschichte sollte der Politik ein abschreckendes Beispiel sein: Als zum Beispiel die Troika Gläubiger Griechenland während der Eurokrise zu harten Sparmaßnahmen zwang, konnten auch die Faschisten der Goldenen Morgenröte große Wahlerfolge feiern.

Was Merz nicht kapiert: Es geht den Menschen nicht in erster Linie ums Wirtschaftswachstum. Es geht ihnen darum, was bei ihnen ankommt, ob sie Angst haben müssen, etwas zu verlieren. Solange dies nicht durch eine antifaschistische Wirtschaftspolitik beherzigt wird, die den Menschen ihre Ängste vor der Zukunft nimmt, den Alltag bezahlbar macht und wieder Leben in strukturschwache Regionen bringt, werden es die rechten Rattenfänger einfach haben. Und deswegen wird Merz die Demokratie nicht retten. Das werden andere machen müssen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

54 Kommentare

 / 
  • Biblebrooks

    Trägt die Diskussion zu Einzelpersonen oder Parteien wirklich zu einer Lösung bei? Wenn ich mich in allen Bereichen des Lebens umschaue, sehe ich extrem viele Bullshitter. (de.wikipedia.org/wiki/On_Bullshit) Und ich sehe sie in allen Bereichen. Menschen denen es nicht mehr um die Sache geht, für die sie stehen oder für die sie einstehen sollten, sie interessieren sich nur noch für sich selbst, ihre Selbstoptimierung und ihren Machterhalt. Und leider sehe ich das in allen Parteien. Jede öffentliche Diskussion um eine bestimmte Partei und deren Vorgehen, gibt ihr Öffentlichkeit. Die USA sind das beste Beispiel.



    Bullshitter, ihre Parteien und die Plattformen, in denen sich ihr Blödsinn wie ein Echoeffekt verstärkt, sind das eigentliche Problem. Für mich unterscheiden sich März, Weidel und Trump nur marginal und wenn, dann im Level der Frechheit mit der sie vorgehen. Die Ziele sind die gleichen: Selbstoptimierung und Macht, über alle Parteien hinweg.



    Schuld an der Misere die sich abzeichnet, sind wir wohl alle selbst. Es reicht nicht sich Kabarett anzuschauen, zu meckern oder Kommentare zu schreiben. Tätig werden und ihnen proaktiv begegnen. Ich muss los.

  • Tom Tailor

    "Es geht ihnen darum, was bei ihnen ankommt, ob sie Angst haben müssen, etwas zu verlieren. Solange dies nicht durch eine antifaschistische Wirtschaftspolitik beherzigt wird, die den Menschen ihre Ängste vor der Zukunft nimmt...."

    Keine Ahnung was eine "antifaschistische Wirtschaftspolitik" so zu bieten hat, aber mir würde folgendes reichen: (Lohn)steuern reduzieren, gleiches für die Sozialvers.beiträge, keine Rentenkürzungen bzw. Rückkehr zu "Rente mit 65". Senkung der Strom- und Treibstoffkosten, Stärkung der Bürgerentscheide bzw. direkte Demokratie. Mehr brauchts nicht, aber damit werden die meisten "Protestwähler" erreicht.

  • PeterArt

    Statt über die Motive der AgD Wähler zu spekulieren und das Klagelied der ewig Abgehängten zu wiederholen, mal lieber die Statistik zu Rate ziehen (als Beispiel bundestagwahlumfra...-waehlerstruktur/).



    Etwa 50% bezeichnen sich als Protestwähler. Die anderen wählen AgD aus Überzeugung. Davon etwa die Hälfte aus überzeugt rechtsextremen Motiven, die anderen als Konservative, die zu Strauß' und Dreggers Zeiten noch von der CDU/CSU gehalten worden wären, seit Merkel nicht mehr. Merz scheint diese Letzteren und einen Teil der ersteren zurückgewinnen zu wollen.

  • Walter Bald

    Merz wäre nur von 30% der Bürger zum Kanzler gewählt worden. Jetzt wären es noch 15%.

  • Selbstauslöser

    Berliner Wahlplakat: „Wirtschaft gut, alles gut“ Ist von der FDP, könnte aber auch aus Merzens Kabinett stammen. Wirtschaftspolitik wird dort ausschließlich betriebswirtschaftlich verstanden, hauptsächlich iSv Entlastung und Stütze für Großunternehmen, Weltkonzerne und ihre Aktionäre. Aber Politiker werden gewählt, um Volkswirtschaft zu betreiben: Umweltschutz und Tierschutz, ÖPNV und Transport, Bildung und Wissenschaft, Medizin und gesunde Nahrung, Wohnung und Fürsorge, Kommunikation und politische Teilhabe, überhaupt Menschenrechte, ... sind der Reichtum eines Volkes. Aus Merzens Aktionärssicht sind das nur Kosten. So wird es uns ins Hirn getrichtert, und doch ahnt jeder, daß an dieser Botschaft etwas nicht stimmt.



    Die Deutschen (Ost) gingen mit Begeisterung den Versprechungen vom westlichen Kapitalismus H. Kohls (Begrüßungsgeld, Solidaritätszuschlag und blühende Landschaften) auf den Leim, wurden von der Treuhand an westliche Investoren und Immobilienhaien verkauft, gaben die wenigen sozialen Fortschritte der DDR bereitwillig auf, um dem Geltungsbereich des West-GG beizutreten, -- und nun gehen sie wütend westlichen Demagogen in die Falle.



    Vernunft und Empathie täten gut!

  • behr Behr

    Die Überschrift des Artikels suggeriert, dass die AFD ein



    tragfähiges Wirtschaftskonzept hätte. Dabei baut sie nur



    Luftschlösser

    • Tom Tailor

      @behr Behr:

      Diese bauen andere - die AfD hatte noch keine Gelegenheit dazu ;-)

  • zartbitter

    ""Was Merz nicht kapiert: Es geht den Menschen nicht in erster Linie ums Wirtschaftswachstum. Es geht ihnen darum, (...) ob sie Angst haben müssen, etwas zu verlieren. ""



    =



    Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Sachsen-Anhalt sank um 0,2 Prozent - und die Arbeitslosenrate in SA ist mit 8% eine der höchsten im Vergleich mit anderen Bundesländern. Seit 2022 sind im verarbeitenden Gewerbe über 11.000 Arbeitsplätze verloren gegangen; acht von zehn zentralen Branchen – vor allem der Maschinenbau – sind dabei Personal abzubauen.



    Parallel warnen Ökonomen und Unternehmen vor einem potenziellen Wahlsieg der agd, da dies Investoren abschreckt und den Fachkräftemangel durch eine faschistische Migrationspolitik der agd sich weiter verschärfen wird.



    =



    Rund 70,5 % der gesamten sachsen-anhaltischen Exporte entfallen auf die EU - wobei die Irren aus der Sachsen - anhaltinischen agd einen Austieg aus der Europäischen Union planen.



    =



    Die agd sägt an dem Ast auf dem Sachsen-Anhalt sitzt - es geht also nicht um Verlustängste - sondern um Weichenstellung hin zu einer Transformation die wirtschaftlichen Stärken der Region auch zu nutzen.



    =



    Unfägigkeit zur Differenzierung hilft niemanden.

  • Chris McZott

    "Solange dies nicht durch eine antifaschistische Wirtschaftspolitik beherzigt wird, die den Menschen ihre Ängste vor der Zukunft nimmt, den Alltag bezahlbar macht und wieder Leben in strukturschwache Regionen bringt, werden es die rechten Rattenfänger einfach haben. "

    Ok wenn das tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, warum kommt dann nicht die Linkspartei auf 40+x%. Warum hat dann die CDU die letzte Bundestagswahl gewonnen?

    • Sole Mio

      @Chris McZott:

      Weil dich die meisten Menschen die nicht die AFD wählen wollten dort am ehesten gefunden haben. Jedoch nun nicht das realisiert wird was damals die Themen waren. Wie so oft in Koalitionen auf Bundesebene.

  • shitstormcowboy

    Solche Artikel hinterlassen meist den Eindruck als müsse man nur die richtigen Hebel, das richtige Maß an "Bestechung" finden, um die Bürger von der AFD zurück zu holen. Und natürlich ist Merz politisch nicht der große Renner. Aber - im Grunde geht es um die Zustimmung zu unserer Demokratie, um die Akzeptanz des GG und den daraus folgenden Gesetzen. Und das ist was ganz anderes. Will man das tolerieren? Sollte man die politischen Organisationen, die gegen Demokratie und gegen das GG sind verbieten, wie es das GG ja vorsieht? CDU/CSU drücken sich bisher darum und das kann uns allen schwer auf die Füße fallen. Merz und Freunde ziehen dann bequem um, mit Familie und Jet. Und das Volk soll dann sehen, wie es damit zurecht kommt.

  • Deep South

    "In Deutschland könne ein Ölpreis von 100 US-Dollar nicht „wegsubventioniert“ werden, antwortete Merz, auf die hohen Tankstellenpreise angesprochen....Die AfD-Wahlkämpfer*innen werden sicherlich nicht nur die Aussagen des Kanzlers zum Spritpreis als Steilvorlage nutzen"

    Achso, eine staatliche Senkung der horrenden Spritpreise würde also der AfD Wind aus den Segeln nehmen?



    Ich könnte jetzt mal die ganzen Artikel auflisten, die die taz gegen Tankrabatt und Spritsubventionen hier im letzten Jahr so veröffentlicht hat.



    Mir reicht aber mal der eine hier, weil er vom gleichen Autor stammt.

    taz.de/Kaufpraemie...nkrabatt/!6175721/

  • Warim Wilke

    Merz ist eine Katastrophe das ist keine Neuigkeit. Nur muss man auch klar benennen, dass jede "Enthüllung" über die "wahren Absichten" der AfD, den Faschisten nur noch mehr Stimmen gebracht hat. Es ist eben so, wie Wiglaf Droste vor Jahrzehnten schrieb: Nazis sind Nazis, weil sie Nazis sein wollen.

  • J_CGN

    Das kommt davon, wenn jemand, der in den 1980ern mit Reagan's Ansichten politisch sozialisiert würde, heute Politik nach denselben Maßstäben macht.

  • Dietmar Rauter

    Langsam merzt es wohl der Letzte: Es ist nicht die Offensive einer mit Schlägern und Verschwörern antretenden 'Partei', die viele WählerInnen überzeugt. Es sind die nur noch wenig überzeugenden, angeblich demokratischen, aber von den Sorgen und Nöten der Menschen viel zu entfernten 'Parteien', die den Rechts- (oder Links-) Ruck befördert. Wer hat eine überzeugende Antwort auf die Klimakrise (alles wird aufgrund des der kommenden Mangels teurer, ohne wirksam gegenzusteuern) oder die Wirtschaftsflaute (wer soll die ganzen Autos denn noch kaufen und wieviel Platz haben wir denn noch in Städten oder auf Autobahnen) oder den Verlust an Solidarität, wenn alle Probleme zusammenwirken ? Eigentlich sollten die Reichtümer grundsätzlich Allen nützen und zur Verfügung stehen, aber selbst die eigentlich wie Fortschritt wirkenden Errungenschaften machen nur Wenige scheinbar reicher, wenn neue Medien nur deshalb entstehen, damit über 'Werbung' eine Rendite eingefordert wird, die die 'Nutzer' bezahlen. Da aber alles wird über Schulden finanziert wird, muss dieses Wirtschaftssystem kollabieren., weil es so nicht funktionieren kann. Niemand will es wahrhaben, da helfen weder CDU/SPD oder Höckes AfD.

  • R.I.P.

    Merz hat verstanden:

    Erst gestern warnte er ausdrücklich vor einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt.

    • Perkele

      @R.I.P.:

      Verstanden? Nix hat der verstanden, sonst würde er nicht fortwährend den Duktus der AgD übernehmen und somit salonfähig machen. Es ist längst Binsenweisheit, dass solches Vorgehen immer nur dem Urheber -hier also der Agd- zugute kommt und nicht den Nachäffern.

    • Jalella

      @R.I.P.:

      Merz hat aber auch gar nichts verstanden. Dass er keine AfD-Regierung will, ist klar. Er will auch keine Grüne oder Linke Regierung. Alles egal, Hauptsache cdU an der Macht.

      Was er dafür tun müsste, die AfD dort kleinzubekommen, hat er entweder nicht verstanden, oder er will es nicht verstehen weil es dem Markenkern der cdU/csU widerspricht, der da lautet: Bevölkerung spalten, Ausländer raus und Umverteilung von unten nach oben.



      Und das ist sein Problem mit der AfD: die wollen das gleiche.

  • Perkele

    Diese These vertrete ich in diesem Forum seit Monaten. Wäre die AgD eine aufrichtige Organisation, so müsste sie tief in die Tasche greifen um die Honorare an csDU und spD zu bezahlen, denn diese beiden Parteien liefern eine wirksame Non-Stop Kampagne die bei einer professionellen Marketingagentur Millionen kosten würde und dabei kaum so wirkungsvoll sein könnte....

  • Peter Schütt

    Auch ich würde gerne einmal eine Definition von antifaschistischer wirtschaftspolitik lesen

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Peter Schütt:

      Hier die Definition: "Eine Wirtschaftspolitik, die nicht dazu führt, dass immer mehr Menschen rechtsextreme Parteien wählen - sondern sogar dazu führt, dass Wähler rechtsextremer Parteien wieder etablierte Parteien wählen"

      Beispielsweise könnte man die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren bestehen lassen, das Gesundheitssystem nicht verschlechtern, die Mehrwertsteuer senken, Klimaschutzmaßnahmen durch Milliardäre und Superreiche (> 100 Miio. €) bezahlen lassen, Sozialabgaben verringern, damit Menschen mehr in der Lohntüte haben, die Stromsteuer für Privatpersonen senken, ein 9-€ Deutschlandticket einführen, günstige Wohnung im großen Stil bauen, Mietendeckel einführen, Schulen wieder sanieren, Bildung besser und kostenlos machen etc. Alles Maßnahmen, die peu a peu dafür sorgen werden, dass weniger Menschen rechtsextrem wählen. Nicht alle, denn manche sind in ihrem ganzen Weltbild rechtsextrem, aber doch 50-70% der bisherigen Wähler.

    • Grenzgänger

      @Peter Schütt:

      Unter antifaschistischer Wirtschaftspolitik verstehe ich, nicht die Grosskonzerne (VW, Intel, die Schwarz-Gruppe etc.) zu priorisieren sondern die sogenannten KMU's - das sind kleine, mittelständische Unternehmen (der Bäcker um die Ecke, der Tischler, der kleine Einzelhändler, der Dönerladen gegenüber) - zu unterstützen. SIE sind es, die 90% der Arbeitsplätze in der Wirtschaft schaffen, es sind nicht die ALDI's, BMW oder die grossen Mineralölkonzerne!



      Die grosse Politik in den Metropolen ist maximal weit weg von der Lebensrealität vieler Menschen, auch und gerade der, die auf dem Land leben, wo der Bus nur 3mal am Tag fährt.

  • Duplozug

    Der Kommentar mangelt an Lösungsmöglichkeiten. Finanzielle Realitäten wegen abgebügelt mit dem Argument die AfD verspricht ja auch unbezahlbare Luftschlösser. Und die Lösung dieser Krise ist dann, die anderen sollen das auch tun? Ja dann kann man Demokratie ja auch wirklich gleich abschaffen.



    Ich wäre auch gern Millionär, 1,90 groß und würde aussehen wie George Clooney. Und ach ja, 20 wäre ich auch gern wieder. Wie? Die SPD kann mir das nicht versprechen, dann gehe ich halt zur AfD. Was ein Unsinn.

    Und ich halte auch nichts davon, jetzt die Anhaltiner mit Geld zuzuschütten um sie von der AfD = wegzusubventionieren. Erstens glaube ich nicht dass dies funktioniert. Und zweitens ist das eine steile Treppe in den Abgrund.

  • Philippo1000

    Na-ja!?



    Es bedarf keiner besonderer Erläuterung mehr, dass Merz die falsche Wahl war.



    Ihm allerdings die Verantwortung für rechtsextreme Wahlerfolge anzudichten, ist auch nicht so ganz fair.



    So möchten Arbeiter gerne "afd" wählen, obwohl sich deren Politik überhaupt nicht an Arbeiterinteressen orientiert.



    Es geht diesen Menschen überhaupt nicht mehr um Inhalte!



    Da sind Argumente fehl am Platz.



    Nationalismus bedeutet stolz auf Etwas zu sein, für das man nichts kann. Wer nichts kann, kann immer noch deutsch sein und sich was drauf einbilden.



    Einbildung ist bekanntlich ja auch eine Bildung und damit hat es sich.



    Dass die Rechtsextremen immer die Schuld bei "den Anderen" suchen, sollte keine Schule machen.



    Merz mag ungeschickt sein, ein Nazi ist er nicht.



    Zum Gegenwärtigen Zeitpunkt müssen Demokrat*Innen zusammenstehen.



    Wer da meint, mit Klugscheißerei sei im Osten noch ein Blumentopf zu gewinnen, ist offenbar kein Gärtner.



    Die Demokratie ist allerdings ein bunter Strauß von Parteien und Meinungen.



    Heute müssen wir Alle Gärtner sein, die vielen Meinungen und Menschen bündeln und unter einem schönen Gärtnerhut dafür sorgen, dass hier Keine*r einen Sonnenstich bekommt...

  • Carsten S.

    Wenn man einfach nur Geld verteilt, ohne dass ein Gegenwert vorhanden wäre, werden nur die Zahlen grösser, aber nicht die Kaufkraft.



    Die Inflation hatte seinerzeit auch die Weimarer Republik untergraben. Das wird hier leichtfertig unterschlagen.

  • AlterFritz

    "antifaschistische Wirtschaftspolitik" à la DDR oder ...???

    "Rattenfänger" - also sind alle AfD-Wähler Ratten???

    Artikel ist völlig ohne konkreten Inhalt!

    Er zeigt weder allgemeine Lösungsansätze auf, noch zeigt er welche Partei in den Programmen Wirtschaft- und Sozialpolitik für die Masse der Beschäftigten anbietet!

  • Andreas Flaig

    Merz ist gerade dabei Geschichte zu schreiben.



    Eiskalt erwischt wie er gerade versucht seinen Beliebtheitswert nochmals zu verschlechtern.



    Wie kann jemand öffentlich sich dermaßen selbst demontieren.



    Merz kann's.



    Das hat er auf jeden Fall drauf.



    Die Wirtschaft gähnt-



    Den Faschisten überlassen.



    Dann wird es tatsächlich das Ende sein.

  • Axel Schäfer

    Ich muss demnächst auch mal Heizöl für den Winter einkaufen, glaube allerdings nicht, dass mir die AgD dabei für eine Hilfe wäre. Grüne und Sozen haben in der letzten Krise ja auch nur den Gaskunden grosszügig geholfen und von der Union erwarte ich mir da ebenfalls nix. Wegen der Arschlochigkeit gegenüber Heizölverbrauchern würde ich jetzt allerdings nicht einfach so die Demokratie drangeben wollen.

  • Otto Mohl

    Wenn man zahlreichen hier veröffentlichten Analysen folgt, sind die Nachwehen der DDR untrennbar mit dem Aufstieg der AfD in den neuen Bundesländern verbunden, und da gab es nun wirklich eine antifaschistische Wirtschaftspolitik.

  • axiom

    Solange noch der Mythos herrscht, daß Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger den Wohlstand gefährden, werden die Rattenfänger steten Zulauf erhalten.

  • Kohlrabi

    Nun ja ... Es ist nun mal so, dass Deutschland allein auf bilateraler Ebene bislang 57 Milliarden € allein für militärische (nicht zivile) Unterstützung der Ukraine eingesetzt hat. Zu finden auf offiziellen Seiten u.a. des AA. Gewiss ließen sich damit, auf mehrere Haushalte verteilt, nicht alle Lücken im Bereich Gesundheit, Pflege, Rente, Bildung stopfen.

    Aber es ist doch klar, dass, wenn die Kriegsfinanzierung so weitergeht und gleichzeitig Sozialabbau betrieben wird, irgendeine politische Konkurrenz diese Verbindung herstellt. Da die Linke sich hier leider zurückhält aus der historischen Angst, als vaterlandslose Gesellen zu gebrandmarkt zu werden, macht es eben die Rechte. Selbst bin ich qua politischer Sozialisation dagegen imprägniert, das Kreuz deshalb bei einer ethno-nationalistischen Partei zu machen. Aber ich kann verstehen, wenn Leute ohne derlei Imprägnierung andere Konsequenzen ziehen. ("verstehen" hier ausdrücklich nicht im Sinne von "zustimmen" oder "wertschätzen".)

  • Hans Dampf

    Man kann der AfD auch helfen indem man ständig die Koalition und Merz schlechtredet. Und nichts anderes macht leider auch die taz ständig. Wobei - gut finde ich sie auch nicht, wenngleich aus ganz anderen Gründen.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Endlich kapiert das hier mal einer bei der taz und spricht es deutlich aus. Wenn man bei Menschen, die sowieso schon um jeden Euro kämpfen müssen oder die zumindest Angst davor haben, dass das irgendwann der Fall sein wird, spart, werden ein Teil davon rechtsextreme Parteien wie die AfD wählen.

    Das ist so selbstverständlich wie dass die wenigsten, die man auf die rechte Wange schlägt, dann die linke Wange hinhalten. Viele schlagen zurück.

    Und dass es nicht um ein abstraktes Wirtschaftswachstum geht, sondern darum, was bei den einzelnen Menschen ankommt. Das hat Biden und haben die Demokraten in den USA nicht kapiert und damit Trump groß gemacht. Und auch Merz und Klingbeil kapieren das nicht und auch Habeck und Lindner haben das nicht kapiert und damit die AfD immer größer gemacht.

    Nein, Merz wird die Demokratie nicht retten, Klingbeil und Bas leider auch nicht. Die FDP sowieso nicht. Und die Grünen haben auch versagt. Stellt sich also die Frage, wer das machen wird. Den Linken traue ich das leider auch nicht zu. Vielleicht ein paar Politiker aus der zweiten Reihe von SPD und Grünen? Ich kenne leider niemanden, der dazu fähig wäre.

  • DiMa

    Ja, die Politik des Kanzlers ist Mist.

    Nur glaubt der Autor, dass es irgendeine Partei besser macht? Die Frage ist doch derzeit nicht, wer gute Politik macht, sondern wer das geringste Übel ist.

    Wer die AFD verhindern möchte, sollte 15 Jahre in die Vergangenheit reisen und die Politik aus dieser Zeit revidieren.

  • DanPan

    „Es geht ihnen darum, was bei ihnen ankommt, ob sie Angst haben müssen, etwas zu verlieren.“

    Vom Bruttolohn gehen drei große Ausgaben ab.

    1. Steuern, kann man sich lange drüber streiten für WAS wir als Gesellschaft Geld ausgeben wollen. Führt in jedem Fall zur Angst etwas zu verlieren.



    2. Sozialversicherung, kann man sich über die Leistungen streiten und WER die Leistungen erhält. Führt auch zur Angst etwas zu verlieren.



    3. Wohnen, man kann versuchen die Miete zu deckeln oder zu senken. Senken geht mit einem Federstrich über den Flächennutzungsplan und Vereinfachung beim Bauen, wenn der politische Wille da wäre. Ganz ohne Enteignungen. Führt nur bei Denen, die von Mieteinkünften, überzogen teuren Bauprojekten und Bankzinsen leben zu Verlustängsten. 😂

    Ich denke, am Ende lassen sich alle Ideen unter den drei Nummern einordnen.

    • Selbstauslöser

      @DanPan:

      Darf ich ergänzen?



      4. Inflation, die nichts anderes ist als eine schleichende Enteignung. 2% gelten als ideal und erstrebenswert, erzählen uns die Banker. Ideal für wen? Sicher nicht für jene, die gezwungen sind, Geld zu sparen (um für besondere Anschaffungen oder Notfälle oder den Lebensabend vorzusorgen). Wer Immobilien, Rohstoffe, Produktionsmittel besitzt, profitiert von der Inflation, denn deren Eigentum wird durch die Inflation teurer, also wertvoller.



      Dieser permanente Verlust des Geldwertes macht weniger Angst, weil er schleichend stattfindet, und hin und wieder durch Tarifverhandlungen ausgeglichen wird.

  • Flix

    Bei Merz fragt man sich, in welchem Schulfach er überhaupt aufgepasst hat, neben Geschichte dürften Naturwissenschaften und Mathematik auch dazugehört haben. Gleiches gilt für sein Studium, manche seiner Aussagen lassen einem die Haare zu Berge stehen.



    Zumindest im Fach „Märchen erzählen“ scheint er besser aufgepasst zu haben.

  • Sole Mio

    Wer kann mir erklären wie eine „ antifaschistische Wirtschaftspolitik“ in der Praxis funktionieren soll?

    Hört sich theoretisch gut an, wird aber nicht zu finanzieren sein. Auch durch Enteignung nicht langfristig durchhalten können

    • sollndas

      @Sole Mio:

      Letztendlich muss realer Wert immer erarbeitet werden. "Antifaschistisch" könnte eine Wirtschaftspolitik sein, die diejenigen, die diesen Wert erarbeiten, nicht immer weiter belastet.



      Leider ist das, was uns als "linke" Wirtschaftspolitik verkauft wird, davon meilenweit entfernt: Sie zündet Nebelkerzen wie "tax the rich" und setzt real auf Umverteilung aus der produktiv arbeitenden Mitte zu ihrer vermeintlichen Klientel.

    • J_CGN

      @Sole Mio:

      Es sit eine Frage der Prioritäten.



      Und bei den Top3% liegt sehr viel Geld.



      An das wollen aber CxU, FDP, u d die Agitation-für-Dumme nicht ran. Im Gegenteil. Die sollen ja noch mehr entlastet werden.

    • Jalella

      @Sole Mio:

      Isabella Weber:



      www.genialokal.de/...l?storeID=lzvilbel



      Im Wesentliche aber ganz einfach: massive Ungleichheit treibt Rechtsextremismus => massive Ungleichheit ausgleichen. Gibt's viele Mittel, müsste halt politisch gewollt sein. Ist es aber von cdU/csU/AfDP/sPD nicht. Die Grünen sind da inzwischen leider auch zu sehr in der herrschenden Ego-nomics unterwegs.

    • Aquanoster

      @Sole Mio:

      zum Beispiel durch eine Vermögensteuer

    • Zhongli Quan

      @Sole Mio:

      Der verlinkte Artikel zeigt es so ungefähr: gemeint ist anscheinend "antikapitalistisch" - mit der guten, alt(backen)en Formel, dass der Faschismus der politische Arm des Kapitalismus sei. Es soll wohl etwas mehr übrig bleiben für die Leute - weniger Miete, weniger Krankenkassenkosten, weniger Pflegekosten, weniger Nachweispflichten im Gewerbe, etc. (in der Annahme, dass dies alles Auswüchse ausschließlich des Kapitalismus seien und nicht auch einer überbordenden Bürokratie). Ob die Leute bei Erfolg einer solchen Politik deshalb weniger AfD wählen, ist vielleicht eine zu einfache Annahme.

    • nihilist

      @Sole Mio:

      Wirtschaftspolitik, die Faschisten zumindest nicht aktiv in die Hände spielt, wäre ja schon mal ein Anfang.

    • poweredpotatoe

      @Sole Mio:

      Ach ja, das liebe Geld. Daran wird als erstes gedacht. Und zwar von jedem Politikmenschen von Kommunal- bis Bundesvertretung. Immer, wirklich immer heisst es "das kann nicht finanziert werden". Rheinmetall kann da nur lächeln, denn da sind dann plötzlich 500 Milliarden da. Wenn die Politik nur mal will...; Achja, bezugnehmend auf diesen Kommentar: Wie phantasielos.

      • Machiavelli

        @poweredpotatoe:

        Die 500 Milliarden werden aber über Jahre hinweg ausgegeben. Im Vergleich zu dem was der Staat für soziales in der gleichen Zeit aufwenden wird peanuts.

    • Sonderzeichen

      @Sole Mio:

      Schön, dass sie etwas erklärt bekommen wollen, aber schon vorher wissen dass es nicht finanzierbar sein wird und sich auch durch Enteignung nicht langfristig halten kann...

      Man könnte ja mal mit folgendem anfangen (Zitat aus dem verlinkten Artikel):



      "Für Stützle geht jeder Schritt, der mehr Transparenz schafft, Ungleichheit abbaut oder die Macht der Reichen begrenzt, in die richtige Richtung. Es lohne sich, für weniger Ungleichheit zu kämpfen, findet Stützle: „Jeder Geländegewinn zählt“ – auch wenn die strukturelle Ungleichheit nicht sofort überwunden werde."

      Kann ich unterschreiben.

      Und da die Ausgestaltung uns überlassen bleibt, können wir es ja einfach so gestalten, dass es finanzierbar sein wird.



      Wir sind ja schließlich nicht blöd :)



      Vermögenssteuer wäre da ein Punkt.



      Erbschaftssteuer.



      Mittelfristig auch das Geldsystem. Freigeld oder Schwundgeld heißt es glaube ich, ohne Zinsen, stattdessen mit Strafe fürs horten usw.

      Es ist ja nicht so, als ob sich darüber noch nie jemand Gedanken gemacht hätte.

    • sociajizzm

      @Sole Mio:

      Natürlich lässt sich das finanzieren. BGE zum Beispiel wäre umsetzbar, so dass 83% der Menschen besser gestellt wären und nur 10% weniger Geld hätten als jetzt. Machbar wäre so einiges

    • So,so

      @Sole Mio:

      Gerechte Steuern auf alle Gewinne und Einkommen endlich eintreiben.



      Dann kann man die Gesellschaft zum Guten steuern.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Sole Mio:

      Natürlich ist das finanzierbar! Sogar easy!

      Daxu müsste die Steuern für die 5000 Milliardäre und Superreichen (>100Mio$) nur um 1,5-3,5% ihres Vermõgens höher sein. Da deren Vermögen 3400 Mrd. $ beträgt, wären dies 50-100 Mrd.€ pro Jahr.Genug um eine antufaschistische Wirtschaftspolitik zu machen.

      Und das wird die noch nicht mal ärmer machen, sondern nur etwas langsamer reicher, denn deren Vermögen wächst um 5-20% pro Jahr. Allein seit 2024 um 400 Mrd$. Da machen 50-100 Mrd€ die nicht arm.

      • sollndas

        @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        "... denn deren Vermögen wächst um 5-20% pro Jahr. "



        Überwiegend heiße Luft. Die geht bei Besteuerung entweder raus, oder wir importieren Geldentwertung aus der Finanzwirtschaft in die Realwirtschaft. Oder beides.

    • rero

      @Sole Mio:

      Antifaschistische Wirtschaftspolitik ist wirklich spannend.

      Mietendeckel, Kindergeld, Rentenzuschüsse, Schutz vor Wohnungsräumungen sind alles Maßnahmen, die die Nazis schon umgesetzt hatten. Das kann schon mal nicht gemeint sein.