piwik no script img

Nach der Debatte um Jens Spahn Legalize Leihmutterschaft!

Lotte Laloire

Kommentar von

Lotte Laloire

Das Verbot ist verlogen, paternalistisch und oft wirkungslos. Frauen sollten selbst entscheiden, ob sie für andere ein Kind austragen wollen.

J ens Spahn ist als Unionsfraktionschef weg, aber die Debatte über Leihmutterschaft kocht weiter. Erstaunlich, wie einig sich viele über das hierzulande geltende Verbot sind: Von Rechtsextremen über Konservative bis hin zu Teilen der Linken wird das Austragen von Kindern für andere geframt als „Ausbeutung“ des weiblichen Körpers, vor der Frauen geschützt werden müssten.

Doch das Verbot schützt Frauen nicht vor ökonomischen Zwängen, es nimmt ihnen lediglich die Freiheit zu entscheiden, auf welche Weise sie sich im Kapitalismus ausbeuten lassen. Wenn eine Frau lieber ein Kind austragen möchte, als Klos zu putzen, wieso sollte sie das nicht dürfen? Weil ein Kind zu gebären etwas anderes ist, argumentieren Paternalisten.

Stimmt. Vielen Frauen wäre es zu krass, ein Kind auszutragen und direkt nach der Entbindung abzugeben. Wer das nicht will, muss es nicht tun. Genauso wie bei Sexarbeit und Abtreibung sollte das jede Frau selbst entscheiden können. Frauen sind mündige Wesen, sie wissen selbst, was gut für sie ist und was nicht. Und es gibt Leihmütter, die gerne schwanger sind und diese Tätigkeit mögen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Würde es der Regierung tatsächlich um den Schutz von Frauen vor Ausbeutung gehen, müsste sie Lohnabhängige und den Sozialstaat stärken, etwa ein Grundeinkommen einführen oder wenigstens ein ordentliches Bürgergeld. Dann müsste keine Frau ihren Körper für Geld zu einem „Brutkasten“ machen, wie Geg­ne­r:in­nen gern formulieren. Eine Wortwahl, die Leihmütter zu Tieren herabwürdigt.

Wie viele Verbote unterbindet auch dieses nicht das Phänomen, sondern verlagert es – in Länder, in den Leihmutterschaft erlaubt ist, oder in die Illegalität. Das ist das eigentlich Gefährliche, denn Auf­trag­ge­be­r:in­nen sind in der Tat oft reicher und mächtiger. Gerade deshalb braucht es klare Regeln, transparente Verträge und soziale Absicherung. Legalize Leihmutterschaft!

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Lotte Laloire

Lotte Laloire

Lotte Laloire ist Mitte 30 und immer noch links. Als taz-Redakteurin im Ressort "taz.eins" sowie im Online-Ressort "Regie" interessiert sie sich besonders für politische Strategien, Feminismus, Antifa, Die Linke und die Türkei. Sie ist Herausgeberin des Buchs "Trouble on the Far Right: Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe" (Transcript, 2016) und ausgebildete Surflehrerin.
Mehr zum Thema

44 Kommentare

 / 
  • Genau das ist der Sinn von Gesetzgebung insbesondere von Sozialgesetzgebung: "nimmt ihnen lediglich die Freiheit zu entscheiden, auf welche Weise sie sich im Kapitalismus ausbeuten lassen." Ein weiteres Totschlagargument ist nicht nur relevant bei Frauen: Niemand sollte daran gehindert werden eine seiner Nieren zu verkaufen, wo ist der Fehler?

  • Die Doppelmoral, dass Leihmutterschaft hier in D verboten ist, aber im Ausland durch Leihmutterschaft entstandene Kinder, wenn sie genetisch verwandt sind, anerkannt werden, könnte man ja ändern. Ist nicht ganz einfach, weil man das Kindeswohl bedenken muss, aber zumindest könnte man die Eltern, meist den genetischen Vater, rechtlich in irgendeiner Form belangen. So dass jemand wie Spahn sich nicht einfach herausreden kann, es sei ja im Prinzip alles legal.

    Die altruistische Leihmutterschaft in D wiederum zu erlauben, wäre überlegenswert, aber auch hier gibt es wirklich verschiedene Aspekte, z.b. inwieweit Druck ausgeübt wird (bei Verwandtschaft) oder finanzielle Motive doch eine Rolle spielen. (Man könnte jedoch Regeln aufstellen und z. B. eine Ethikkommission ähnlich wie bei einer Organspende unter Verwandten oder Freunden).

  • Mein Alptraumszenario:



    Wenn es am Ende der aktuellen Debatte zu einer Gesetzesänderung kommen sollte so wird das neue/geänderte Gesetz völlig unverdient "Spahngesetz" heißen und einige Jahre danach würde er stolz verkünden, dass wir Verbesserungen ihm zu verdanken hätten weil er ja alles ins Rollen gebracht hätte. Und die dann Jungen wüßten es nicht besser und fänden izn auch gut.

    Ich bin froh, dass er endlich weg ist. Wenn jetzt noch die Wirtschaftministerin ausgetauscht wird und zu denen geht die sowieso schon immer durch ihre Politik begünstigt wurden wird langsam besser. Jemand der "zum Wohle des Volkes" geschworen hat, gleich danach verkündet wieder in die Wirtschaft zu gehen um dann aber doch lieber noch 4 Jahre Klientelpolitik zu betreiben um seinen Marktwert zu steigern hat in einem Kabinett (und eigentlich in der gesamten Politik) eh nichts zu suchen.

    Eine liberaleres Leihmutterschaftsgesetz ist bei uns schon lange fällig. Es passt nicht zu Deuschland hier die Betroffenen im Regen stehen zu lassen und die Augen zuzumachen während das Problem im Ausland gelöst wird. Wenn wir hier etwas mehr elauben würden dann hätten es ja auch Beratungsstellen einfacher.

  • www.tagesspiegel.d...bild-15866222.html

    Hier argumentiert die Autorin aus feministischer Sicht GEGEN Leihmutterschaft.

  • ""Das Verbot ist verlogen, paternalistisch und oft wirkungslos.""



    =



    Seltsam. In der Diskussion über die Leihmutterschaft habe ich keinen einzigen Artikel entdecken können der das Kindeswohl als Messlatte voran stellt - egal welche Meinung in dieser Frage vertreten wird.



    =

  • Kennen Sie den UN report zu surrogacy? docs.un.org/en/A/80/158



    Die UN hat sich das schnell wachsende business von surrogacy angeschaut und die Schicksale der surrogacy mothers in den Blick genommen. Ich finde es weniger patriarchalisch, wenn die UN surrogacy bannen möchte, als ein Schutz der Menschenwürde. Sklaverei und Kinderarbeit sind in Deutschland verboten auch für die Erwachsenen und Kinder, die ihre Rechte freiwillig abtreten wollen würden zugunsten von Einnahmen. Dieser Artikel scheint mir wenig zur Kenntnis zu nehmen, was surrogacy heisst für surrogacy mothers.

  • Es gibt tausende von Vollwaisen in Deutschland. Warum einen Kinderwunsch nicht mittels Adaption erfüllen?

    • @Ahnungsloser:

      Ältere Kinder zu erziehen ist wohl schwieriger. Auf unsichere Pflegeelternschaft haben wenige Lust und die Prüfungen durch das Jugendamt sind schwierig. Ausserdem sind richtige Adoptionen heute selten , weil man auf die Rechte der natürlichen Eltern Rücksicht nimmt. Das war in den 1970ger Jahren noch anders.

    • @Ahnungsloser:

      Auf ein Kind, das in Deutschland zur Adoption freigegeben ist, kommen vier bis fünf Paare, die einen Antrag auf Adoption gestellt haben. Deshalb adoptieren einige Leute Kinder im Ausland, was zum Teil auch zu sehr fragwürdigen Formen des Menschenhandels geführt hat. Eine Option wäre noch die Aufnahme eines Pflegekindes, aber da bleibt stets die Angst, dass das Kind eines Tages vielleicht den leiblichen Eltern zurückgegeben werden muss.

  • 9G
    90781 (Profil gelöscht)

    Auch hier fehlt wieder ein wichtiger Aspekt: Abtreibung bei Leihmutterschaft, wenn eine Behinderung festgestellt wird trotz Korrekturen an der DNA. Wer sich eine Leihmutter leisten kann, wird sich auch weitere gentechnische Maßnahmen leisten können und sie nutzen. Problematisch erscheint mir auch, dass beim Babykauf sicherlich Vertraulichkeitsvereinbarungen unterschrieben werden. Sollte die Leihmutter ihre Entscheidung ändern wollen, stünden ihr wohl kaum die gleichen rechtlichen und ökonomischen Ressourcen zur Verfügung wie den Bestellern. Das ist ein höchst missbrauchsanfällige Situation. Wer weiß, wie viele Föten gestorben sind oder abgetrieben wurden (es gibt Bundesstaaten ohne Fristen für Abtreibungen), bevor das perfekte Baby für die Paare Spahn und Streeck zur Abholung bereit lag.



    Ich bin für das Recht auf Abtreibung, aber nicht in einem kommerziellen Setting, wo es nicht um die Bedürfnisse der Schwangeren geht, sondern um die Dritter.



    Mal abgesehen davon wäre es schön, wenn die taz nicht nur Meinung zu dem Thema liefern würde, sondern eine Recherche zu den Leihmutterschafts-Verträgen. Um nachvollziehen zu können, wie viel "Freiheit" einer Leihmutter tatsächlich bleibt.

    • @90781 (Profil gelöscht):

      Eben genau wegen dieser Fälle, die Sie ansprechen, muss es eine Gesetzgebung zur Leihmutterschaft geben, die den Frauen Rechte einräumt. Denn so, wie es im Moment ist, suchen sich die Leute einfach eine Leihmutter in einem Land, in dem diese überhaupt nicht geschützt wird. Im Übrigen - ich mag Spahn wirklich nicht - finde ich es nicht richtig, ihm und seinem Mann zu unterstellen, sie hätten mehrere Abtreibungen erzwungen, um ein perfektes Baby zu bekommen. Das ist frei erfundene üble Nachrede.

  • Solange Frauen in Deutschland in solche wirtschaftliche Zwangslagen kommen können, dass eine Leihmutterschaft der letzte Ausweg ist, hat eine Leihmutterschaft nichts mit einer freien Entscheidung zu tun.

    Das ist dann nur eine Option mehr, Frauen versklaven zu können.

    Nur Frauen, die selbst finanziell so gut abgesichert sind, dass sie sich gar nicht vorstellen können, dass sie in solche finanzielle Notlage geraten könnten, dass sie das aus purer Not tun, empfinden es dann als Freiheit, das tun zu können.

  • "Genauso wie bei Sexarbeit und Abtreibung sollte das jede Frau selbst entscheiden können."



    Der Satz ist mir schwer aufgestossen, im Prinzip ist er richtig und "my body my choice" unterstütze ich voll.



    Aber wirtschafltiche Abhängkeiten heben die freie Entscheidung vieler Frauen auf und bei der Leihmutterschaft läuft es ähnlich. Reiche kaufen sich eben mit ihrem Geld den Körper der Frauen ob für Sex oder für ein Kind.



    Schwierig oder ?

  • Die ganze Debatte greift an mehreren Punkten zu kurz



    Was ist mit dem Kind? Werden dem Kind nicht grundlegende Rechte verwehrt, wenn es so als „Ware“ gehandelt wird? Zb bei der leiblichen Mutter aufzuwachsen.



    Was ist wenn die Leihmutter das Baby nach der Geburt nicht abgeben möchte, zb weil der Mutterinstinkt doch zu stark wird?



    Alles sehr ernste Gründe die dagegen sprechen

    • @T-Rom:

      Oder alles sehr ernste Gründe, die in einer gesetzlichen Regelung berücksichtigt werden müssten und könnten. Z.B. wäre es durchaus möglich, wenn gesetzlich geregelt würde, dass die Leihmutter sich nach der Geburt entscheiden könnte, das Kind zu behalten.

  • In einem Nachbarartikel hat eine Diskussionsteilnehmerin darauf hingewiesen, dass "Leihschwangerschaft" insbesondere nach Eizellspende, eine (deutlich) höhere Müttersterblichkeit als eine natürliche Schwangerschaft hat. Das ist richtig.

    Die natürliche Müttersterblichkeit ist in Deutschland international eine der niedrigsten mit etwa 1:20.000.

    Wer die "Leihschwangerschaft" legalisiert, legalisiert, dass eine Frau sich für Geld und Glück der Auftraggeber in überdurchschnittliche Lebensgefahr begibt. Das ist hier so und in anderen Ländern auch, in den meisten schlimmer.

    Das ist in der Diskussion denen, die sich mit den naturwissenschaftlich- medizinischen Zusammenhängen nicht beschäftigen nicht ganz klar. Deswegen wollte ich das hier veröffentlichen.

    Ich persönlich würde nie von einem Menschen verlangen, dass er sich für mein Glück in außergewöhnliche Lebensgefahr begibt.

  • Leihmutterschaft zu erlauben ist keine Emanzipation. Es geht hier am Ende um den Kauf eines fertigen Kind-Produktes. Gegen Geld!!



    Wer glaubt, dass das ein Weg ist zur rechtlichen und gesellschaftlichen Besserstellung der Frau ist muss in meinen Augen schon eine recht schräge Sicht auf die Welt haben.

    In meinen Augen sollte die Nutzung einer Leihmutter im Ausland auch rechtlich innerhalb Deutschlands belangbar sein. Klar, hakelig, aber ich denke, das wäre umsetzbar.

    Ich finde es ziemlich entsetzlich, wie hier manche eine Form der menschenverachtenden Ausbeutung als Fortschritt darstellen wollen. Das ist schwer zu ertragen.

  • Das Verbot von Prostitution führt dazu, dass die Szene abtaucht. Bei Leihmutterschaft ist das schwer möglich. Hier sollen Frauen der Ausbeutung preisgegeben werden und natürlich wird das, wie schon beim rotgrünen Zuhälterschutzgesetz, als besonders feministisch verkauft.

    • @Claude Nuage:

      Die Weigerung Deutschlands, sich mit dem Thema gründlicher auseinanderzusetzen führt aber doch gerade dazu, dass die "Szene Abgetaucht" ist.



      Wer es sich leisten kann, geht ins Ausland. Mit genug Geld nach Kanada oder in die USA, wo man zumindest daran glauben kann, dass die Leihmütter das nicht aus Verzweiflung machen. Wer nur mittelviel Geld hat, geht in die Ukraine, wo die Leihmütter gezwungen sind, im Kriegsgebiet wohnen zu bleiben, solange der Vertrag läuft oder die Kinder monatelang nicht abgeholt werden können, weil man nicht hinkommt. (Ja, anfänglich war das eine Katastrophe, die die Wunscheltern nicht vorhersehen konnten, aber das Geschäft läuft dort noch immer)



      Solange Deutschland bei der bisherigen Regelung bleibt, akzeptiert diese Regierung die Ausbeutung von Leihmüttern im Ausland. Entweder hier freigeben und einen guten Schutz aufbauen oder ganz verbieten, für jeden, der in Deutschland wohnen bleiben will. (Wie dieses Verbot aber umgesetzt werden soll, weiß ich auch nicht. Was ist, wenn die Eltern mit einem Dreijährigen zurückkommen?)

      • @Herma Huhn:

        Hohe Geldstrafe, gemessen an Einkommen und weiteren Zugewinnen der Eltern und monatlich zu zahlen bis zur Volljährigkeit des Kindes. Vorbestrafung. Ggf. Gefängnis nach Auszug des Kindes / 21. Lebensjahr der Kinder im Haushalt.

  • Vorab: Ich bin für eine Legalisierung auch als Einkommensquelle.

    Allerdings ist der „ Eine Wortwahl, die Leihmütter zu Tieren herabwürdigt.“ so nicht passend. Denn zum einen ist ein Brutkasten kein Tier. Zum anderen entmenschlichen sich Leihmütter gewissermaßen ein Stück weit, wenn sie ihren Uterus als Ware bzw. Dienstleistung zur Verfügung stellen. Von daher ist eine Zuspitzung der Kontra-Seite ebenso zulässig, wie die Zuspitzung hier im Artikel.

    • @Kriebs:

      Nein, die Leihmütter entmenschlichen sich nicht. Die sind verzweifelt und brauchen Geld. Die "Käufer" sind die, die entmenschlichen.



      Die Täter sind die Täter. Bitte keine Opfer-Umkehr.

  • Momentan sieht es politisch nicht so aus, als würde in absehbarer Zukunft ein Grundeinkommen o.ä. eingeführt.



    Was bleibt, ist eben das Ausmaß der Ausbeutung gesetzlich zu begrenzen.



    Mehr Ausbeutungsmöglichkeiten zu schaffen, damit Menschen in Not mehr Entscheidungsfreiheit haben, wie sie sich ausbeuten lassen, spielt ja den den Ausbeutern zu.



    Ich beobachte in meinem Umfeld, dass sich Frauen nach einer Schwangerschaft teilweise sehr stark für den Rest des Lebens körperlich verändern. Ein hoher Preis.



    Ich befürchte, dass bei einer Erlaubnis, viele Frauen in Not sich darauf einlassen, obwohl sie es nicht wirklich wollen.

  • Ich bin immer wieder überrascht, in welcher Intensität und Selbstverständlichkeit der Kapitalismus die Debatte über Leihmutterschaft dominiert. Ja, Frauen sollten über ihren Körper entscheiden dürfen. Aber ohne wirtschaftliche Zwänge. Das ist ein Faktor. Zudem stellt sich aber auch die Frage, ob ein derart extremer Kinderwunsch nur auf diese Weise erfüllt werden kann. Stichwort Co-Parenting. Und es geht eben nicht um die beteiligten Frauen, sondern insbesondere um das Wohl der Kinder. "Hat mich die Frau, die Du bezahlt hast um mich zu bekommen, lieb gehabt?" "Nein, sie war nur für mich schwanger und dafür haben wir Dich jetzt lieb".



    Es stellt sich mir auch die Frage, ob ein extremer, nicht erfüllbarer Kinderwunsch nicht schwerwiegendere Probleme maskiert.

  • Logik des Artikels: Es gibt Ausbeutung im Kapitalismus. Daher: Plädieren für die Entfesselung von mehr Formen der Ausbeutung, denn das ist "emanzipiert" und "freiheitlich" und nutzt besonders finanziell Bessergestellten.

    Ich halte nichts davon, sich hinter Identitäten zu verschanzen und jeder Meinung, die mir nicht passt, paternalistische Absicht zu unterstellen. Es ist auch arg herbeikonstruiert, die Gegner der Leihmutterschaft als scheinheilige und verlogene Gegner einer besseren sozialen Absicherung von Frauen darzustellen, um sich an einem imaginären Feindbild abzuarbeiten.

    Ich bin Feministin und für eine bessere Absicherung von Frauen aber ich bin auch gegen Leihmutterschaft und Prostitution.

    Es ist keine "Beleidigung" zu benennen, dass die Leihmutter Brutkörper - Funktion für das Eigentum der Zahlenden hat. Juristisch wird das im Problemfall so verhandelt werden. Gesetzlich definiert ist sie keine Mutter. Wenn sich die Autorin empört, dass die Benennung des Sachverhaltes "entwürdigend" ist, sollte ihr das evtl Aufschluss darüber geben, dass die Praxis dies ist. Nettere Worte zu erfinden, um jur. Tatsachen zu verschleiern, ist Selbstbetrug.

    • @Babsolina:

      "Es ist keine "Beleidigung" zu benennen, dass die Leihmutter Brutkörper - Funktion für das Eigentum der Zahlenden hat."



      Bravo!



      Ich bin nicht gar so eindeutig mit meiner Meinung, da mag es durchaus Aspekte und Umstände geben, die anderes nahelegen, aber dass das im auslösenden Fall z. B. ganz sicher so war, ist offensichtlich.



      Es gibt eben doch Bereiche, die nicht nur als Verdienstmöglichkeit angesehen werden sollten.

  • Bravo, Frau Laloire.



    Ich ergänze:



    1) Kinder brauchen unbedingte Liebe und Vertrauen und zuverlässige Beziehungen. Das kann gern auch eine eine Ehrliche Patchworkfamilie sein, zu der natürlich auch die Leihmutter, wie eine Verwandte gehört. Kinder verstehen und akzeptieren das.



    Nur Erwachsene haben ein Problem damit.



    2) Die Vater-Mutter-Kind-Familie wird von Leihmuttergegnern über alle maßen idealisiert und ist keine Garantie dafür, dass ein Kind ein Wunschkind ist und geliebt wird.



    3) Es müssen natürlich Gesetze zum Schutz von Mutter und Kind geschaffen werden: Die Leihmutter darf niemals zu einer Abtreibung gezwungen werden können. Es muss außerdem klar sein, dass Zwillinge / Mehrlinge entstehen können. Es muss klar sein, dass auch behinderte Kinder ein Lebensrecht haben usw.



    4) Es lebe die Autonomie der Frauen und nicht der uralte Neid der Männer auf die Fähigkeit, Kinder zur Welt zu bringen, welches ein Hauptmotiv für patriarchale Gewalt und Herrschaftsansprüche darstellt.



    Das sage ich als Mann.

    • @Raumzeitgenosse:

      Wenn die Leihmutter Teil der Familie sein soll, braucht es keine Leihmutterschaft.



      Freunde sind heute schon in der Lage, miteinander Kinder zu zeugen. Künstliche Befruchtung steht jedem offen, der dafür bereit ist zu bezahlen. Stiefkindadoptionen erlauben die rechtliche Einordnung der Elternschaft durch die Wunscheltern.



      Man könnte hier einiges etwas einfacher und moderner gestalten. Bei der Eizellspende könnten wir eventuell ein paar Verbesserungen sehen. Alles möglich, ohne vertraglich vereinbarte Leihmutterschaft, solange die Beteiligten Erwachsenen sich verstehen und einig sind.

      • @Herma Huhn:

        Eben. Das Idealistische geht bereits. Das Vertragliche gegen Geld ist verwerflicher Kapitalismus. Fertig.

  • Es ist an Doppelmoral kaum zu überbieten bei jeder Gelegenheit sich damit zu brüsten das die Anteile an Frauen in der Politik oder in Großen Firmen als eine Art Marketing mißbraucht werden, große Teile der Gesellschaft dann noch immer den betreffenden Menschen Vorschriften machen will und das auf Grundlage von Märchenbüchern....

    Wird die Frau nicht gerade von der Kirche und ihrem Vasallen in der Politik schon wieder mit dem angeblich benötigtem Schutzmantel gegenüber einem Mann kleiner gemacht und in ihren Rechten beschnitten?

    • @Retsudo:

      "Wird die Frau nicht gerade von der Kirche und ihrem Vasallen in der Politik schon wieder mit dem angeblich benötigtem Schutzmantel gegenüber einem Mann kleiner gemacht und in ihren Rechten beschnitten?"

      Kurz. Nein.

      Ich finde es spannend wie einige Frauen und ihre Vasallen in der Männerwelt meinen die Deutungshoheit über alle Frauen zu haben. Es gibt Frauen die Abtreibung als Recht sehen und andere als Mord. Welche hat jetzt Recht? Die die Ihre Meinung teilt?

      Wissen Sie was das Schöne ist? Möchte ich kein religiöses Weltbild vertreten haben, wähle ich keine Partei die dieses vertritt (wobei mir keine einfällt die wirklich religiöse Politik macht ausser vielleicht DAVA).

  • Nein, es ist wie mit Prostitution, ein System in dem es immer Zwang, Sklaverei und Menschenhandel geben wird. Es geht nicht nur um Frauen, die "selbst entscheiden", es wird auch immer welche geben, die es unfreiwilig machen und nur ein Verbot (das sollte auch für Prostitution gelten) schützt diese Frauen.

    • @JSch:

      Ja. Die grossen finanziellen Gewinner der Legalisierung von Prostitution in D war die organisierte Kriminalität, die mit einem Schlag legalisiert wurde, die bestehenden Strukturen hoch skalieren konnte und mit Billigpreisen den Markt diktieren konnte.

      Der Gewinner der Legalisierung von Leihmutterschaft wird die Plattform sein, die am schnellsten den Markt monopolisiert und dann stückweise immer höhere Vermittlungsgebühren von den Leihmüttern einbehält.

      Und wieder wurde nichts gelernt.

  • Wie war das nochmal beim Organhandel. Er ist verboten! Die Organentnahme muss aus einer freiwilligen und unentgeltlichen Spende stammen.



    OK. Passt nicht so ganz. Aber ein wenig schon. Die Leihmütter geben ihre Gebärmutter nicht weg - aber sie verleihen sie. Wenn es also, wie die Autorin schreibt, Leihmütter gibt, die gerne schwanger sind und diese Tätigkeit mögen, warum tun sie es dann nur gegen Bezahlung?



    Aber vielleicht ist das auch nur mein Neid. Ich habe halt keine Gebärmutter, die ich hin und wieder mal ausleihen könnte und muss daher weiter malochen gehn'. Klar, ich könnte meinen Samen vermarkten. Aber die Aufwandsentschädigung von 80 bis 150 € lohnt den Aufwand nicht.



    Wie soll denn eigentlich die Zukunft der Leihmutterschaft ausschauen? Wird da ein Ei der Leihmutter befruchtet, oder kann ich mir ein Ei einer fremden Mutter aus einem Katalog aussuchen und in die Mutter verpflanzen lassen? Und der Samen? Muss es mein eigener sein oder kann ich mir den auch aus einem anderen Katalog aussuchen? OK. Ich hätte gern ein Ei von dieser gutaussehenden Brasilianerin und den Samen dieses Nobelpreisträgers - wie hieß er noch gleich?



    Wunderschöne neue Welt!

    • @Il_Leopardo:

      Wie war das nochmal bei der Erwerbsarbeit, die ist aber erlaubt, oder? Das muss man sich mal vorstellen: da ist es in so einem so zivilisierten Land wie Deutschland gang und gäbe, dass Menschen ihren Körper und ihre Lebenszeit an einen wohlhabenden "Leistungsträger" verkaufen müssen, um nicht zu verhungern. Denn das ist es ja letzten Endes - Zwang. Ich kenne zumindest niemanden, der freiwillig Arbeitet, und ich kann mir das auch ehrlich gesagt gar nicht vorstellen.

      Warum wird also über Leihmutterschaft debattiert, aber Erwerbsarbeit wird nicht nur einfach so hingenommen, sondern auch noch glorifiziert?

    • @Il_Leopardo:

      Die Eizelle kann durchaus von der Leihmutter stammen. Im Prinzip wäre sie sogar Leihmutter, wenn Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Also sie wäre biologische Mutter, Leihmutter und ggf. Prostituierte (oder Geliebte). Die extrakorporale Befruchtung ist im aktuellen Fall wegen der fehlenden Eizelle ungünstig, aber die Reproduktionsmedizin kann eines Tages aus männlichen Körperzellen, die zu pluripotenten Stammzellen zurückentwickelt werden per in-vitro-Gametogenese eine Eizelle bereitstellen. Bei Mäusen klappt das schon. Das Paar könnte sich sogar noch für einen dritten mitochondrialen Elternteil entscheiden.

  • Aus gutem Grund ist in Deutschland der Handel mit Organen, auch der eigenen, verboten. Anders als bei der Organspende gibt es beim Handel die Aussicht auf einen Gewinn (mit hoher Spanne). Der Missbrauch ist, wie bei allen Marktaktivitäten, letztlich nicht kontrollierbar.



    Auch die Leihmutter ist in gewisser Weise eine Organspenderin, indem sie ein bei jemandem anderem ein nicht vorhandenes oder voll funktionstüchtiges Organ ersetzt, wenn auch nur temporär.



    Und wie bei der Organspende gehört eben mein Körper in diesem Fall nicht mir, jedenfalls nicht im Sinne des Geld-damit-Verdienens.



    Es bestünde darüber hinaus auch die Gefahr, Menschen nur noch als Mittel zum Zweck zu benutzen, was der Menschenwürde im Sinn der Verfassung widerspricht.



    Richtig ist, dass bei der gegenwärtigen Gesetzeslage dieses Problem ins weniger kontrollierte Ausland verlagert wird. Ich bin deshalb für eine Gesetzesänderung, aber für eine Verschärfung, die Leihmutterschaft für deutsche Staatsbürger auch im Ausland so weit wie machbar verunmöglicht.



    Wer als Paar aus gesundheitlichen oder natürlichen Gründen keine Kinder bekommen kann, muss andere vorhandene Möglichkeiten nutzen, die ggf. zu erweitern wären.

  • Es geht nicht um die Frau. Es geht um das Kind.



    www.emma.de/artikel/das-kaufkind-340891

    • @J. G.:

      Emma - naja. Aber fein gesagt.



      (Eltern-Kind-Verhältnis - überbewertet & was sojet driss mehr is! Newahr



      Normal Schonn;((

  • Der Kommentar liest sich so: Wir leben im Kapitalismus, anything goes.

    Lass es uns machen.

    Muss jetzt Hyperkapitalismus auch noch als Akt der Befreiung geframet werden?

    • @Stavros:

      An dieser Stelle sei Karl Marx zitiert: „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“

      Profit kennt keine Moral.

      • @Leo Onlin:

        Sie haben absolut Recht - bzw. Marx ;-).

        Es ist genau die Dynamik des Kapitalismus, die Marx und Engels früh erkannt haben, dass jegliche Begrenzung des Profitstrebens, inklusive ethischer Begrenzungen, hinweggefegt werden.

        Das kann sogar emanzipatorische Aspekte haben, wie der "Befreiung" im Zuge der Integration bürgerlicher Frauen in Lohnarbeitsverhältnisse.

        Ich kann mich irren, aber bei der Legalisierung von Leihmutterschaft kann ich beim besten Willen nichts Emanzipatorisches erkennen:

        Wie einige Kommentare bemerkt haben, geht es hier auch um die Rechte der Kinder und um den Vergleich mit Organhandel: Was ist der Unterschied, wenn jemand aus wirtschaftlichen Gründen ein Organ verkauft oder es vermietet, mit potentiell großen körperlichen Schäden?

  • "Brutkasten"? Wer behauptet denn so einen Quatsch?



    "Schwangerschaft – ein dynamischer Prozess



    Der Prozess einer Schwangerschaft ist in seinem dynamischen Verlauf einzigartig. In Abhängigkeit vom Gestationszeitpunkt muss der mütterliche Organismus kontinuierlich neuen Anforderungen gerecht werden. Dies erfordert eine Anpassung der Organsysteme, beispielsweise des kardiovaskulären Systems [22]. Der Fetus bzw. die Plazenta exprimieren vom Vater ererbte Antigene und sind damit als „semiallogen“ zu beschreiben [24]. Folglich herrschte im Hinblick auf die Anpassung des mütterlichen Immunsystems an die Schwangerschaft lange Zeit das Paradigma – welches in manchen Köpfen oft dogmatisch verfestigt war – dass die Abstoßung des Fetus durch die über den gesamten Schwangerschaftsverlauf aufrecht erhaltene, konstante mütterliche Immunsuppression verhindert wird [26]."



    Quelle:



    www.springermedizi...schen-pro/23267926



    Weiter:



    "...da es sich nicht um eine konstante Immunsuppression handelt, sondern um eine aktive und gezielte Anpassung des Immunsystems während der Schwangerschaft"



    Mehr Information tut not!

  • Dass das Kind zur bloßen Ware wird, stört hierbei wohl gar nicht.