Frankreich lernt aus Waldbränden : Die Botschaft der „Megafeuer“
Ganze Landstriche könnten durch die „Megafeuer“ in Frankreich unbewohnbar werden. Da helfen keine Pflaster, sondern nur eine neue Art von Solidarität.
Foto: Florion Goga/reuters
W enn die Brände gelöscht und die Rauchwolken mit dem Wind verzogen sind, bleiben im französischen Südwesten neben den Ruinen, den dezimierten und verkohlten Wäldern die Schrecken über eine Katastrophe der neuen Art. Auch bleibt die Angst, dass der nächste Brand noch schlimmer wird. Dass er, befeuert durch die Klimakatastrophe, noch weiter eskaliert.
Fatalismus macht sich breit: Das Klima ist schuld, und die Behörden und Regierenden waschen sich – geduldet durch einen guten Teil der Bevölkerung – die Hände in Unschuld. Ohnmächtig vertrösten sie die Bürger mit dem Versprechen, ein paar zusätzliche Löschflugzeuge zu kaufen. Sobald es wieder kälter wird, kommen die wenigen guten Vorsätze aufs Altpapier. Und die Rechte, die in Frankreich nach der Macht greift, will das Rad sogar ganz zurückdrehen.
Aber es gibt keinen Anlass, vor den neuen Aufgaben zu resignieren, die mit klimabedingten Katastrophen einhergehen. Die Umweltpolitik muss sich ändern. Auch braucht es eine Zukunftsvision, die solidarisches Zusammenleben weiter ermöglicht. Wie passen wir uns an die neuen Umstände an? Wie schaffen wir trotz der erschwerten Bedingungen soziale Fortschritte?
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Bei den katastrophalen „Hundstagen“ im Jahr 2003, die rund 15.000 Menschenleben forderten, habe man in Frankreich begriffen, dass „man an der Hitze sterben kann“, schreibt die Philosophin Cynthia Fleury in einem gemeinsamen Beitrag in Le Monde mit dem Bürgermeister eines von der Feuerbrunst betroffenen Dorfs in der Gironde. Die Lektion des Sommers 2026 aber sei eine andere: „Nicht nur Individuen sind bedroht, sondern Territorien und ganze Landstriche“. Die „Megafeuer“ würfen die Frage nach der „Bewohnbarkeit“ und der menschlichen Umgestaltung der Natur auf.
Katastrophale Monokulturen
Die Feuer zeigen, welche verheerende Rolle Monokulturen einer bestimmten – und angeblich sehr wirtschaftlichen – Kiefernart spielen. Was in der Gironde im Département Landes großflächig verbrennt, ist kein Naturwald. Der Wald ist von Menschen gemacht. Und der Anbau nach forstwirtschaftlichen Kriterien befeuert die Brandkatastrophe.
Reicht es, vermehrt andere Baumarten anzupflanzen als die im französischen Südwesten seit Jahrzehnten bevorzugten Kiefern, wie dies Präsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch in der Gironde empfohlen hat? Dieses provisorische Pflaster wäre das absolute Minimum.
Die bereits jetzt extremen Auswirkungen des Klimawandels zwingen uns aber, längerfristiger zu planen. Es reicht nicht mehr, bloß nach dem unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen zu handeln. Nicht der Profit einiger Unternehmen, sondern das gemeinsame Interesse und die Solidarität, wie sie die Brandopfer bei ihren Notsituationen erfahren durften, müssen in den Vordergrund rücken. Es klingt so simpel und dennoch weiterhin wie eine Utopie.
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