Inflation durch den Irankrieg: Indexmietverträge gehören abgeschafft
An die Inflation gebundene neue Mietverträge sind für Immobilienbesitzer enorm lukrativ. Vielen droht nun erneut eine gravierende Mieterhöhung.
D as Problem ist mal wieder der FDP zuzuschreiben. Als die Deutschen 2022 infolge der Corona-Pandemie und des russischen Angriffs auf die Ukraine erstmals seit über zwei Jahrzehnten wieder mit einer gravierenden Inflation konfrontiert waren, sahen Vermieter direkt eine Chance auf noch viel üppigere Mieteinnahmen. Denn es gibt so etwas wie Indexmietverträge.
Durch sie können Vermieter die Kaltmiete an die Entwicklung der Verbraucherpreise anpassen. Ergo: Wenn alles teurer wird – weil zum Beispiel Energie teurer wird – kann der Vermieter nochmal zusätzlich die Kassen klingeln lassen, obwohl er selbst gar nicht unbedingt höhere Kosten hat. Bis 2022 hatten wohl die meisten Menschen das Wort Indexmietvertrag noch nie gehört. Solche Mietverträge waren bis dahin eine Randerscheinung im vorderen einstelligen Prozentbereich. Durch andere Vertragsarten war für Vermieter nämlich mehr zu holen.
Dann beobachteten Mieterschutzvereine einen deutlichen Anstieg neu abgeschlossener Indexmietverträge. Allein 2022 wurde in Metropolen rund ein Drittel aller neuen Wohnungsmietverträge an die Inflation gekoppelt, in Berlin sogar bis zu 70 Prozent. Der Wohnungsriese Vonovia warb damals in einer Geschäftspräsentation damit, welch enormes Potenzial für eine Profitmaximierung in Indexmieten stecke. Trotzdem sah der damalige Justizminister der FDP, Marco Buschmann, keinen Handlungsbedarf.
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Buschmann bezeichnete Indexmieten als Randphänomen, die zudem lange Zeit deutlich langsamer gestiegen seien als reguläre Mieten. Dabei ignorierte er komplett, dass das große Problem gerade erst in der Entstehung war. Vielen Wohnungssuchenden wurde nämlich nur noch ein solcher Vertrag vorgelegt. Ganz abgesehen davon, dass die neuen Indexmieten den Mietpreisspiegel noch weiter nach oben treiben – und damit die Mieten für alle.
Der Krieg treibt die Preise hoch
Nun kommt es infolge des Irankriegs, der Blockade der Straße von Hormus, aber auch durch eine konservative Energie- und Verkehrspolitik erneut zu einer hohen Inflation. Im März stiegen die Preise im Durchschnitt um 2,7 Prozent, Energie verteuerte sich um 7,2 Prozent. Unternehmen werden die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben, ergo werden sich die Lebenshaltungskosten erneut stark erhöhen. Viele Mieten dürften dementsprechend ansteigen.
Justizminister Buschmann ist glücklicherweise Geschichte. Die Indexmieten sind es seinetwegen leider nicht. Immerhin: Die jetzige Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat den Handlungsbedarf erkannt. Im Frühjahr legte sie einen Gesetzesentwurf vor, der die jährlichen Steigerungen der Indexmieten auf 3,5 Prozent begrenzen soll. Das ist schon mal erfreulich, aber nicht genug. Indexmieten müssen komplett verboten werden. Denn sie sind einzig und allein im Interesse von Vermietern, deren Vermögen damit gesichert werden soll, wohingegen die Mieter immer nur verlieren.
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