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Bundesbehörde darf nicht kündigenGendern umschifft

Einer Chemikerin, die sich weigerte, einen amtlichen Text zu gendern, darf nicht gekündigt werden. Sie bekam allerdings bloß aus formalen Gründen Recht.

Gendern sei nicht mit ihrem christlichen Werteverständnis vereinbar, findet die Klägerin Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) darf einer Mitarbeiterin nicht kündigen, weil sie sich weigerte, ein amtliches Dokument durchgehend zu gendern. Das Landesarbeitsgericht Hamburg begründete dies mit dem formalen Status der Mitarbeiterin. Zugleich ließ das Gericht durchblicken, dass Arbeitgeber wohl grundsätzlich von ihren Mitarbeitern verlangen könnten, in dienstlichen Dokumenten zu gendern.

Der kleine Gerichtsaal im Landesarbeitsgericht war am Donnerstagmorgen so voll, dass mindestens ein Viertel der Besucher stehen musste. Mobilisiert hatten die Whistleblowing-Plattform „Stoppt Gendern“ und der Verein Deutsche Sprache, der die Klage der BSH-Mitarbeiterin Stefanie Sch. gegen zwei Abmahnungen und eine schriftliche Kündigung unterstützt hatte.

Beim Gendern gehe es darum, eine Weltanschauung sprachlich durchzusetzen, erläuterte Sabine Mertens von „Stoppt Gendern“ vor dem Saal. „Man kann das von den Leuten nicht per Verordnung verlangen.“

Stefanie Sch., promovierte Chemikerin und Strahlenschutzbeauftragte des BSH, hatte den Auftrag bekommen, die Strahlenschutzanweisung des Amtes zu überarbeiten und im Zuge dessen zu gendern, indem sie neutrale Formulierungen wählen oder beide Geschlechter nennen sollte.

Besonderheit des Strahlenschutzrechts

Sch. genderte, allerdings nicht durchgehend – wie sie selbst sagt, nicht den Begriff des „Strahlenschutzbeauftragten“. Auf die Frage „Warum?“ sagt sie: „Weil es die Regelung nicht hergab.“ Dabei habe es sich um eine interne Anweisung des damaligen Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) gehandelt.

Aus Sicht des Gerichts kam es darauf an, ob Stefanie Sch. den Auftrag in ihrer besonderen Rolle als Strahlenschutzbeauftragte bekam, nicht schlicht als Arbeitnehmerin. Die Aufgabe, die Strahlenschutzanweisung zu überarbeiten, hätte der Strahlenschutzverantwortliche der Strahlenschutzbeauftragten demnach in schriftlicher Form zuweisen müssen – was nicht geschah.

Dabei handele es sich um eine Besonderheit im Strahlenschutzrecht, erläuterte Esko Horn, der Präsident des Arbeitsgerichtes. Beim Strahlenschutz sei eine klare Übertragung von Aufgaben erforderlich.

Der Anwalt des BSH, Matthias Ginkel, hatte ebenfalls argumentiert, die Überarbeitung einer Strahlenschutzanweisung gehöre nicht zum Pflichtenkanon einer Strahlenschutzbeauftragten. Er zog daraus aber einen anderen Schluss: „Beim Abfassen der Vorschrift hatte sie den Hut eines normalen Arbeitnehmers auf.“ Als solcher könne sie angewiesen werden zu gendern.

Die Klägerin wird nicht gezwungen, sie kann ihre E-Mails schreiben, wie sie möchte

Matthias Ginkel, Anwalt des BSH

Dabei steht dem BSH-Anwalt zufolge das Recht des Arbeitgebers auf dem Spiel, seine Dokumente nach eigenem Gusto zu gestalten. „Wer hier gendert, ist der Arbeitgeber“, sagte Ginkel. „Die Klägerin wird nicht gezwungen, sie kann ihre E-Mails schreiben, wie sie möchte.“ Mit Ausnahmen zu gendern, reiche nicht, sagte Ginkel. Wer sein Auto rot lackiert sehen möchte, wolle auch nicht mit einer blauen Tür leben.

Auch das Argument der Klägerin, durch das Gendern werde der Text unverständlich, ließ Ginkel nicht gelten. Stefanie Sch. hatte angegeben, das Gendern sei nicht mit ihrem christlichen Werteverständnis vereinbar, weil es manchen Leuten, etwa Legasthenikern, das Lesen erschwere. „Die Klägerin begibt sich auf eine Position, wo sie sich über ihren Weisungsgeber stellt“, kritisierte der Anwalt. Im Übrigen müsse der Arbeitgeber nicht begründen, was er anweise. Es müsse bloß rechtens sein.

Die Anwältin der Klägerin, Wiltrud Fromm, versuchte stark zu machen, dass auch das Gendern inhaltliche und nicht bloß redaktionelle Arbeit sei, also etwas mit der besonderen Fachkompetenz zu tun habe: „Wie wirke ich auf den Text ein, dass er inhaltlich nicht verfälscht wird und verständlich bleibt?“ Ob man „ermächtigender Arzt“ schreibe oder „fachärztliche Person“ mache eben einen Unterschied.

Keine Entscheidung übers Gendern

Der Vorsitzende Richter Oliver Krieg bot den Parteien zur gütlichen Lösung ein gerichtliches Mediationsverfahren an. Anwältin Fromm lehnte das ab: „Es geht der Klägerin um den Kern ihrer Aufgaben“, sagte sie. „Für uns muss das Urteil geschrieben werden.“

Am Ende wies das Gericht die Berufung des BSH gegen das erstinstanzliche Urteil, das bereits zugunsten von Stefanie Sch. ausgefallen war, zurück und ließ keine Revision zu. Eine Beschwerde dagegen ist möglich.

Richtig zufrieden ist Stefanie Sch. nach dem Urteil nicht. „Ich habe schon befürchtet, dass das Gericht nicht über das allgemeine Thema entscheiden wird“, sagte sie der taz. Warum sie sich dem Risiko ausgesetzt habe, einen sicheren Arbeitsplatz zu verlieren? „Weil ich nichts falsch gemacht habe.“

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51 Kommentare

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  • Gendern ist Klassenkampf von oben. Da geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um das Distinktionsbedürfnis der Mittelschicht in der sich verhärtenden Klassengesellschaft. Angeblich möchte man etwas für Frauen tun. Dazu hat man jetzt erst einmal einer Frau gekündigt. Darüber sollten die höheren Töchter, die sich mit ungeheurer Dreistigkeit anmaßen, für alle Frauen zu sprechen, mal nachdenken. Der Kulturkampf ist ein Nebenkriegsschauplatz, auf dem Linke nur verlieren kann und er verhindert zuverlässig Mehrheiten für progressive Politik. Solche Steilvorlagen kann auch ein Würstchen wie Söder verwandeln.

  • Was mir hier wieder auffällt, ist dass gendern sicherlich gut gemeint ist, die Gesellschaft aber eher spaltet, als es der Gesellschaft insgesamt hilft. Es wirkt halt sehr akademischen und aufgesetzt, hilft aber den meisten Menschen, den es helfen soll, im wahren Leben nicht wirklich weiter. Zumal es Länder gibt, die zwar eine geschlechtsneutrale Sprache haben, die aber keinen Einfluss auf die "Sichtbarkeit" von Frauen oder Nonbinären Menschen hat. Gefühlt ist es eher ein Code, wer es macht gehört zu den Guten, die Verstanden haben, wer nicht mitziehen will, der oder die dann halt nicht. Ich glaube, dass Gendern etwas ist, was uns als Gesellschaft aktuell überhaupt nicht gut tut. Ist aber nur meine Meinung, muss man nicht teilen.

  • Aus meinem Arbeitsleben kann ich mich erinnern, dass insbesondere KollegInnen aus der ehemaligen DDR ihre Berufsbezeichnungen stets im generischen Maskulinum ausgedrückten. Ich persönlich fand das immer schon merkwürdig.



    Noch merkwürdiger ist es, dass im Arbeitsrecht unterschieden wird, ob man im Angestelltenverhältnis Sonderfunktionen übernimmt oder nicht und wiederum davon abhängt, ob Weisungen mündlich oder schriftlich erfolgen müssen. Meinem Eindruck nach zerfranst eine solche Rechtssprechung immer mehr, was im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses geboten oder verboten ist. Damit entfernt sie sich immer weiter aus dem gelebten Alltag. Das ist das eigentlich Problematische.

  • Früher waren Behörden stolz darauf, ihre Texte einfach für Alle zu schreiben. Heute werden die durch gendern so aufgebläht, dass Nicht-Muttersprachler und Nicht-C3-Leveler echte Probleme bekommen.

    Wie immer gilt, alle Personen sind w/m/d,

  • Ich "will" eine ordentliche Rechtschreib-Sprachreform, in der alle Geschlechter (und Nicht-Geschlechter, gibt es das?) berücksichtigt werden. Und das muss dann so auch im Duden stehen. Bis dahin hangle ich mich halt so durch (mal mit Sternchen, Binnen-I, Doppelpunkten usw.) und versuche, niemanden vor den Kopf zu stoßen und möglichst alle zu berücksichtigen. Wobei "niemanden" vermutlich auch falsch ist.

    • @*Sabine*:

      Das ist doch höchst subjektiv und hilft niemanden. Damit ersetzt persönliche oder vermeintliche Betroffenheit Verständlichkeit.

      Indem Sie Gendern, stoßen Sie automatisch nichtgendernde Personen vor den Kopf. Sie können es niemandem Recht machen, nur das kleinere Übel wählen.

      Das Dilemma ist vor eund 25 Jahren entstanden, weil jemand beschloss, sich betroffen zu fühlen.

      In Wirklichkeit ist Gendern eine radikale Subjektivität, die die Form in den Vordergrund zulasten des Inhalts rückt und pseudo-wissenschaftlich begründet. weil es immer leicht widerlegt werden kann.

      Gendern startete einst mit dem Anspruch für mehr Gerechtigkeit. Sprachen ohne Geschlecht wie das Ungarische widerlegten diesen Anspruch von Anbeginn.

      Heute ist Gendern ein Elitenprojekt, bei dem es vor allem um Deutungshoheit und Macht geht.

      Mehr noch fühlen sich Zweitsprachler als Sprecher zweiter Klasse durch das Gendern diskriminiert, weil es keine Logik darin gibt und fortwährend kommuniziert, dass Ausländer keine vollwertigen Sprecher sind.

      Ich behaupte, Gendern diskrimiert mehr als es für Sprachgerechtigkeit sorgt. Da muss ich auch keinen Glauben heranziehen, um zu dieser Einschätzung zu gelangen.

  • Mindestens beide Geschlechter zu nennen ist einfach nur ein minimaler Akt der Höflichkeit.

  • Gendern in behördlichen Dokumenten kostet übrigens nicht wenig Geld. Entwürfe sind oftmals nicht perfekt gegendert und werden in meiner Behörde dann von der "Gleib" zurückgewiesen. Das es sich häufig um Inhaltlich komplexe und voluminöse Dokumente handelt schafft man die Korrektur nicht zwischen 12:00 und Mittag. Sondern wir sprechen über viele Stunden. Sicher, nur ein Puzzleteil in langsamen Behörden, aber eben eines von vielen.

  • Die üblichen Verdächtigen, die hier unentwegt eine nach der anderen mit dem „Soso, ich dachte niemand wird zum Gendern gezwungen!!!!11!!elf!“ kommen, sollten den Artikel nochmal en detail lesen.

    Als Einstieg besonderes Augenmerk auf dieses Zitat: „“Wer hier gendert, ist der Arbeitgeber“, sagte Ginkel. „Die Klägerin wird nicht gezwungen, sie kann ihre E-Mails schreiben, wie sie möchte.““

    Es ging nicht um persönliche Kommunikation, sondern um den konkreten Arbeitsauftrag, ein amtliches Dokument in einer bestimmten Weise zu überarbeiten. Dem hat die Klägerin sich verweigert, das führte zu der Kündigung (die Vermutung liegt nahe, dass es im Hintergrund noch weitere Konflikte gab. Aber wir kennen doch alle die auf eine entsprechende Weise dickköpfig-zickigen Kollegen. Wenn nicht, sind wir vermutlich selbst genau der- oder diejenige).

    Äpfel und hinkende Birnen, Sie wissen schon…

    • @Kawabunga:

      Der Arbeitgeber hat aber gerade nicht selbst gegendert, sondern er hat die Angestellte angewiesen, dies zu tun. Wenn Sie bei einer Behörde arbeiten und es Ihr Job ist, behördliche Texte zu verfassen, dann werden Sie zum Gendern gezwungen, wenn die Behördenleitung für ihre amtlichen Texte die Gendersprache vorgibt. Gleiches gilt in privaten Unternehmen, wenn die Betriebsleitung die Verwendung von Gendersprache vorschreibt. Das ist in Arbeitsverhältnissen ein alltäglicher Vorgang, und ich verstehe nicht, weswegen das immer noch geleugnet wird. Und: Es kann in diesen Zusammenhängen keine Rede davon sein, dass sich "die Sprache entwickelt". Die "Entwicklung" wird vielmehr von oben vorgegeben. Das ist sicherlich vom Direktionsrecht der Behörden- und Betriebsleitungen gedeckt. Aber das ändert nichts daran, dass es sich eben nicht um eine Weiterentwicklung der Sprache durch den Alltagssprachgebrauch der Bevölkerung handelt.

      Und es bleibt dabei: Wenn Fußgänger als "Zufußgehende" bezeichnet werden, verbessern sich dadurch für niemanden die Lebensverhältnisse, und auch auf das Geschlechterverhältnis hat das nicht den geringsten Einfluss.

  • Ich habe mich in meiner Firma auch geweigert zu gendern - für diesen Blödsinn bin ich zu alt. Ausserdem ist es den Frauen, die ich kenne, wirklich egal, ob nun Ingenieur oder Ingenieurin auf der Visitenkarte steht. Einerseits will man einfache Sprache, um z.B. Migranten nicht auszuschliessen, und dann soll man alles gendern? Wie soll das gehen?

    • @Sandra Becker:

      Sie sprechen die wohl wichtigsten Punkt an: Gendern diskriminiert Ausländer, Zweitsprachler, Bildungsferne. Gendern ist ein Elitenprojekt. Es geht um Deutungshoheit und Macht. Und die Politik hat sich leider bei der Behördensprache ins Bockshorn jagen lassen wie viele Firmen auch.

      Gerade bei Arbeitgebern bkeommt Gendern noch einen unangenehmen Beigeschmack mehr: Es ist deutlich billiger als den Gender-Pay-Gap einzuebenen. Gendern ist auch Augenwischerei - wie so viele Kulturkämpfe.

    • @Sandra Becker:

      Kindern und Jugendlichen ist es anscheinend nicht egal, ob „gegendert“ wird. Es gibt Studienergebnisse, die nahelegen, dass bei Mädchen eine höhere Neigung besteht klassischerweise eher männlich konnotierte Berufe in Betracht zu ziehen für den späteren Lebensweg, wenn diese auch in weiblicher Form benannt werden.

      Aber okay, anekdotische Evidenz und „dafür bin ich eh zu alt“…

      • @Kawabunga:

        Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

  • Ich glaube nicht, dass sich das Gendern durchsetzen wird. Dazu wirkt es einfach zu gestelzt. Außerhalb des beruflichen Umfelds wird es doch höchstens mal ironisch verwendet, jedenfalls habe ich das bisher nur so erlebt. Schließlich will niemand betulich rüberkommen.



    Klar entwickelt sich Sprache weiter, aber das lässt sich nicht so einfach steuern, gute Absicht hin oder her.

  • Dass ein Arbeitgeber oder Dienstherr sprachliche Vorgaben machen kann, sollte eigentlich klar sein. Wann und wie das sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage.



    Wie in aller Welt jedoch kommt ausgerechnet ein Amt darauf, deshalb jemandem zu kündigen?



    Da scheint ein ziemlich mieses Gehabe bei der BSH-Führung vorhanden zu sein.

  • Wie jetze, die Bundesämter / Behörden



    & Verwaltungen haben noch kein adäquates Genderprogramm installiert ?



    Wer finanziert die uneffektive Arbreitszeit der Mitarbeiter ? Steuergeldverschwendung auf Kosten der Steuerzahler.



    Es sollten endlich die Deiche zum Schutz der Vorsindflutlichkeit in den deutschen Verwaltungen eingerissen werden.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Gibt es denn eines?

  • In diesem Fall und der Berichterstattung sieht man mal wieder, wie alle wunderbar aneinander vorbeireden.

    Von der Frau wurde gar nicht zwangsläufig "Gendern" verlangt, sondern sie hätte auch die Beidnennung verwenden können. Also ist schon die Überschrift falsch. Denn Beidnennung ist kein Gendern, im Gegenteil: Non-Binäre werden bei der Beidnennung komplett ausgeschlossen, wohingegen sie beim Generischen Maskulinum wenigstens in der Theorie noch "mitgemeint" sind.

    Auch die CDU tappt regelmäßig in die Falle, wenn sie gegen das Gendern wettert, aber dann sagt, dass "Patientinnen und Patienten" zu "Apothekerinnen oder Apothekern und Ärztinnen und Ärzten" gehen - sowas wird dann nämlich doch als Gendern empfunden, auch wenn es formal keines ist.

    Machen wir es uns doch einfacher: Der ganze Streit dreht sich eigentlich nicht um "Gendern oder nicht Gendern", sondern es geht um das Generische Maskulinum.

    Und da ist das Problem, dass es die Mehrheit der Bevölkerung liebt, und scheinbar hat das niemand außer der AfD kapiert.

    • @Peter Müller:

      Von Liebe zum generischen Maskulinum kann wahrscheinlich nicht die Rede sein. Man ist es halt gewohnt und deswegen klingt es einfach auch besser.

    • @Peter Müller:

      Es gibt viele Möglichkeiten, geschlechterneutral zu formulieren. Umgangssprachlich: Gendern.

      Die Nennung beider Geschlechter, wie im althergebrachten "Damen und Herren", zählt auch dazu. Was den Vorgang von Ihrer Rede und meinem Kommentar zu fast so einer atemberaubenden Transaktion macht, wie ein Verwaltungsakt, oder einem Änderungsantrag auf einem Parteitag der Grünen-Partei. In den Augen mancher, sehr, sehr volksnahen Politkern* zumindest.

  • Wer privat will soll gendern, wer nicht will soll es bleiben lassen. Wenn ein Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechtes vorschreibt zu gendern, dann mache ich das, fertig. Das ganze Theater um das gendern halte ich persönlich für Blödsinn. Privat kann jeder machen was er will.

  • Und jetzt stellen wir uns mal vor, nur ein paar Sekunden, was im Blätterwald dieses Landes los gewesen wäre, wenn eine Mitarbeiterin einer - sagen wir mal - bayerischen Behörde - entgegen der Vorgaben des bayerischen Genderverbotes - darauf bestanden hätte, zu gendern.



    Aaaaber Hallo!

    • @Kaboom:

      Was meinen Sie denn, was dann los gewesen wäre?



      Ich vermute, es wäre rein gar nichts los gewesen, außer dass sich vermutlich darüber aufgeregt worden wäre, wenn die jeweilige Amtsleitung darauf bestanden hätte, dass Schreiben gemäß den gültigen Rechtschreibregeln zu verfassen sind.

    • @Kaboom:

      Spannend scheint zu sein, dass es die umgekehrte Variante als Fall bei einem Arbeitsgericht anscheinend nicht gibt.

      Widerstand in die eine wie die andere Richtung wird es mit Sicherheit geben.

      Wenn es um Identität geht, ist schnell Schluss mit Kompromissen.

      Sind die bayrischen Behörden da toleranter?

    • @Kaboom:

      Es gibt halt im Moment nur eine amtliche Schreibweise. Und etliche Geschlechtergerechte Schreibweisen.

      Vllt könnte sich die Gesellschaft mehr damit anfreunden,wenn man sich auf eine Geschlechtergerechte Schreibweise einigen könnte.

      Gibt es dahingehend eigentlich eine Entwicklung oder möchten sich da auch einige durchsetzen,wie die Befürworter des gegnerischen Maskulinums?

  • Wenn man "gendergerechte Sprache" dazu nimmt, um über die 'immer noch nicht erfolgte' Gleichberechtigung von Frau und Mann nachzudenken, dann bin ich sofort dabei. Aber jetzt die Sprache nur mit ---:innen zu unterfüttern, ohne auf das wirkliche Problem einzugehen, hat für mich nichts mit Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun, denn damit liefert man den Konservativen nur etwas, worüber sie sich "künstlich" in ihren Mainstreammedien aufregen und damit das kleine naive Bürgerlein auf ihre Seite ziehen können.

    Es gibt noch viel zu tun, damit die Frau endlich einmal in dieser Männerwelt Gleichberechtigung erfährt, aber nur durch das ---:innen-Gendern wird sich sicherlich nichts für die Frauen in dieser Welt zum besseren verändern.

    Mit Gendern hat man den Konservativen nur etwas 'frei Haus' geliefert, damit sie eine 'übertriebene Empörung' oder eine 'gespielte Wut' nach draußen tragen können, um damit dann geschickt von ihren Sauereien ablenken zu können - aber das scheint noch keiner bemerkt zu haben. Die Linken haben das Gendern erfunden und die Konservativen haben sich vor Freude auf die Schenkel geklopft. Na toll 😡

    • @Ricky-13:

      "Es gibt noch viel zu tun, damit die Frau endlich einmal in dieser Männerwelt Gleichberechtigung erfährt"



      Tja, wo soll man anfangen? Welche Rechte haben Frauen in unserer Gesellschaft nicht, die Männer haben? Da müsste man ansetzen.

  • Gute und resolute Chemikerin. In heutigen Zeiten zeugt es von Größe, nicht jegliche Fragwürdigkeit zu bedienen. Respekt!



    Das Urteil dagegen wirkt für mich eher als „Glück gehabt“.

  • "beide Geschlechter" - Was ist mit dem Rest?

    • @Chris McZott:

      Welcher Rest?

  • "Gendern ist freiwillig. Niemand hat Nachteile zu befuerchten, wenn er nicht gendert. Schlechtere Noten, Arbeitsplatzverlust, verwehrte Antraege im Studiparlament, gibts alles nicht"

    • @elektrozwerg:

      Eine juristische Person (Unternehmen, Behörden etc.) kann Richtlinien festsetzen, an die sich die Mitarbeiter zu halten haben. Ich beispielsweise würde gefeuert (ggf. nach Abmahnung) , wenn ich Kunden in Meetings anpöbeln würde.



      Aber wenn's um Gendern geht, bekommt der eine oder die andere ganz prinzipiell Schnappatmung, gell?



      Und nein, wenn die Mitarbeiterin diese Richtlinien nicht mag, es existiert keine Pflicht, bei ihrem aktuellen Arbeitgeber zu verbleiben.

      • @Kaboom:

        Die Pflicht besteht sicherlich nicht, aber in dem vorliegenden Fall wurde die Frau deswegen rausgeworfen.



        Und spätestens damit ist evident, dass eben doch nicht stimmt, dass niemand zum Gendern gezwungen wird.

        Dass man Sie abmahnen und ggf. kündigen würde, wenn Sie Kunden anpöbeln, wäre ein völlig anderer Sachverhalt.

      • @Kaboom:

        Da haben Sie vollkommen Recht. Zumindest im ersten Teil Ihres Kommentars. Derzeit lautet die ganz spannende Frage - wer werden die kommenden Behördenleiter sein, davon hängt nämlich auch ab, was die dann so alles anweisen werden. Und wer wäre dann nicht froh, einiges davon, mit Berufung auf geltendes Recht nicht mitmachen zu müssen.

      • @Kaboom:

        Das stimmt zwar für die freie Wirtschaft, nicht aber für staatliche, Landes oder städtische Behörde. Die darf das schlicht nicht. Und genau das ist auch richtig so.



        Genauso wie keine Schulen oder Hochschulen einen Genderzwang einführen dürfen.

        Das hat nichts mit Schnappatmung zu tun, aber öffentliche Anstalten müssen neutral sein!



        Andernfalls muss auch ich den Politikern recht geben, die sich für ein Genderverbot einsetzen, auch wenn ich selber kein Problem damit habe und auch selber ab und an anwende.



        Aber wenn sich eine Behörde dazu ermächtigt, das zu erzwingen, dann muss man es leider per Gesetz verbieten!

  • Da wäre jetzt die Nennung von Rossin und Reiterin nicht schlecht: Welche Vorgesetzten in Behörden weisen an, gegen gültige Rechtschreibregeln zu verstoßen? Dort liegt meiner Ansicht nach das Dienstvergehen. Ein amtlicher Text sollte auch von Nichtmuttersprachlern eindeutig lesbar sein.

  • So viel dazu, dass angeblich niemand dazu gezwungen wird, zu gendern. Dass einer Person überhaupt deswegen gekündigt wurde zeigt, unabhängig davon, wie jetzt dieser konkrete Rechtsstreit ausgegangen ist, dass sich da etwas Schlechtes entwickelt. Man mag Gutes wollen, geht es jedoch diesen Weg, wird das in nichts Gutem enden.

  • "Zugleich ließ das Gericht durchblicken, dass Arbeitgeber wohl grundsätzlich von ihren Mitarbeitern verlangen könnten, in dienstlichen Dokumenten zu gendern."



    Wie war das? Niemand wird zum Gendern gezwungen?

    • @Encantado:

      Nicht per Gesetz. Aber ein Vorgesetzter hat das "Direktionsrecht" - er sagt was, ich mach was. Ist nicht ungewöhnlich.

      • @Optimist:

        Und gerade weil es nicht ungewöhnlich ist, dass das Direktionsrecht ausgeübt wird, ist es erstaunlich, wie lange und wie oft behauptet wurde, dass niemand zum Gendern gezwungen werde. "Sprache entwickelt sich" hieß es bisher ständig, und jeglicher Zwang wurde hartnäckig geleugnet.

      • @Optimist:

        Gilt vlt. für die freie Wirtschaft, aber im öffentlichen Sektor, da darf das nicht verlangt werden.

  • "Ob man „ermächtigender Arzt“ schreibe oder „fachärztliche Person“ mache eben einen Unterschied."



    Ja, macht es. Nämlich das ich weiß was gemeint ist.



    Das erste ist klar benennend, das zweite völlig offen.



    Warum schreiben wir nicht Gesetze, Sicherheitsanweisungen, etc jährlich abwechselnd einmal männlich und einmal weiblich.



    Beim Wetter mit der Namensgebung für Hoch- und Tiefdruckgebiete klappt das doch auch🤷



    Im Falle eines Notfalls, beispielsweise eines Feuers, vor einem Plan zu stehen und die Legende nicht lesen zu können, weil Sternchen und Doppelpunkte jeglichen Lesefluss zerstören ist lebensgefährlich.



    Bei Notfällen geht es um Sekunden, nicht um Inklusion. Klar, verständlich, einfach ist hier die Prämisse.

  • Da steckt garantiert mehr dahinter. Die wollten diese Frau loswerden und das Gendern war der Vorwand.

    • @Suryo:

      Naja, die Attitüde, die die Betreffende an den Tag legt (ablesbar an ihrer Argumentation) , spricht Bände darüber, wie wohl das Arbeits-/Dienstverhältnis mit ihr ausgesehen haben mag.

  • Was mich etwas wundert, das BSH untersteht dem Verkehrsministerium, und die Verkehrsminister sind und waren jetzt nicht gerade dafür bekannt, das Gendern der Sprache voran zu treiben. Der konkrete Fall hat sich in der Zeit von Herrn Wissing zugetragen, war dieser oder seine damalige Partei, die FDP denn so für das Gendern? Der jetzige Verkehrsminister Herr Schnieder ist von der CDU, da dürfte das Gendern auch keine hohe Priorität haben.



    Es könnte sein, dass sich im BSH längerfristige Strukturen in der Amtsleitung durchgesetzt haben, die fürs Gendern sind. Aber wenn ich mir die Vorgängerminister so anschaue, alle aus der CSU, für die ist Gendern was, wogegen nur noch Weihwasser hilft. Oder kann sich jemand die Herren Ramsauer, Dobrindt oder gar den Scheuer Andi mit Glottisschlag vorstellen?

    • @Offebacher:

      .... aber sowas ähnliches machen die da in BAyern doch seit Jahren.

      sie sprechen das hochdeutsche "ch" wie ein "k" aus. Kina statt China, Kemie stat Chemie.

      Und die meisten hierzulande sagen auch Ukra-Ine statt, Ukraine,



      wie es Herr Merz macht.



      Da haben sie den sogenannten Glottisschlag dann drauf ohne es zu merken.

    • @Offebacher:

      Der Gedanke, dass sich der Minister mit jeder Personalentscheidung der ihm unterstellten Ämter persönlich befasst, ist wohl auch nicht ganz realistisch. Wissing hat im Zweifel frühestens davon erfahren, als das Kind in den Brunnen gefallen war und die Klage lief.

      Davon abgesehen hat @Suryo weiter oben wahrscheinlich Recht: Das Gendern war wahrscheinlich nur der Zankapfel, mit dem eine Mitarbeiterin abgeräumt werden sollte, die der Amtsleitung aus völlig anderen, NICHT "kündigungswürdigen" Gründen ein Dorn im Auge war. Ansonsten wäre es schon SEHR verbohrt von der Amtsleitung, es wegen einer solch oberflächlichen Nebensächlichkeit (es ging um das Gendern oder Nicht-Ganz-Gendern der Strahlenschutzanweisung des BSH - nicht z. B. die des Familienministeriums oder des KKW Brunsbüttel und auch nicht um ihre grobe fachliche Falschheit) zum Äußersten kommen zu lassen.

  • Doppelplusgut.

    • @Kelkin:

      +1 Finde ich deinen Kommentar auch.



      Meiner war leider zu edgy.

      • @Genosse Luzifer:

        +2



        In der Kuerze liegt die Wuerze.