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US-Angriff auf VenezuelaEine Supermacht Europa ist keine Alternative zum US-Bündnis

Pauline Jäckels

Kommentar von

Pauline Jäckels

Europa kann sich von Trumps Drohungen erpressen lassen oder die offene Konfrontation riskieren. Militärisches Hochrüsten ist aber auch keine Lösung.

Noch von Dänemark kontrolliert: In Kangerlussuaq (Grönland) nehmen dänische Sol­da­t*in­nen an einer europäischen Nato-Übung teil Foto: Ebrahim Noroozi/ap

W er sich die Bundespressekonferenz nach dem US-Schlag in Venezuela angeschaut hat, bekam ein erstklassiges Theaterstück geboten. In den Hauptrollen: der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille, ihm gegenüber die versammelte Hauptstadtpresse. Eine halbe Stunde lang wiederholten die Jour­na­lis­t*in­nen Variationen derselben Frage: Wie kann die Bundesregierung behaupten, die rechtliche Lage bezüglich des US-Angriffs auf Venezuela sei komplex, wenn alle Völ­ker­recht­le­r*in­nen sagen, sie sei eindeutig?

Jedes Mal folgten Variationen derselben Nichtantwort. Den Jour­na­lis­t*in­nen war derweil bewusst, dass und warum sie keine bessere Antwort bekommen würden. Genauso, wie Hille wusste, dass und warum er keine andere Antwort geben kann: Die Bundesregierung will ihre Abhängigkeitsbeziehung zu den USA nicht gefährden.

Die Empörung über die hier offengelegten kommunikativen Doppelstandards war erwartungsgemäß groß – zu Recht. Doch übertönte sie zuweilen die viel essenziellere Frage: Aus welchem Interesse halten Deutschland und seine europäischen Partner an dieser totalen Abhängigkeitsbeziehung mit den USA fest? Und was müsste geschehen, um sie zu beenden?

Europa ist nicht nur Opfer der bösen Imperialmacht USA. Der Transatlantismus bedient die eigenen Machtansprüche

Beginnen wir bei den Interessen: Die USA sind und bleiben Europas wichtigster Handelspartner. 17 Prozent der europäischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Solange Europa den dem Kapitalismus innewohnenden Wachstumszwang bedienen will, um im globalen Kampf um den Weltmarkt zu bestehen, ist man auf gute transatlantische Beziehungen angewiesen. Dazu kommt: Europa ist von den USA und ihren auf dem Kontinent verteilten Langstreckenraketensystemen als militärische Schutzmacht gegenüber Russland und für den Erhalt der Ukraine als europäische Einflusssphäre abhängig.

Europa ist keineswegs nur Opfer der bösen Imperialmacht USA. Man ist diese Beziehung willentlich eingegangen, um den eigenen Anspruch auf eine Partnerweltmacht aufrechtzuerhalten. Auch die Aussage, das Trump’sche Vorgehen markiere einen Epochenbruch, ist geschichtsvergessen. Die USA setzen ihre globalen Machtinteressen seit jeher entweder unter Einsatz ihrer wirtschaftlichen oder ihrer militärischen Dominanz durch. So funktioniert das Supermachtsein. Man denke an die Invasionen im Irak und in Afghanistan, an die vielen US-Regimewechsel in Südamerika.

Von dieser Tradition unterscheidet sich das, was Trump macht, nur in zweierlei Hinsicht: Frühere Präsidenten hüllten ihre Politik noch in eine Moralerzählung. Trump dagegen gibt ganz offen zu, worum es ihm geht: das venezolanische Öl. Aber viel wichtiger noch: Dominanz über die amerikanische Hemisphäre. Das macht es den europäischen Regierungen nun verdammt schwer, ihre eigene Moralerzählung glaubhaft zu verkaufen.

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Der zweite Unterschied: Das Land, dessen militärische Dominanz bislang europäische Machtansprüche schützte, droht nun damit, jene Militärgewalt gegen uns und unsere Machtansprüche zu richten – etwa gegen das für Europa strategisch wichtige Grönland, dessen Bevölkerung seinerseits von Dänemark fremdkontrolliert wird und das EU-Land als Kolonialmacht ansieht.

Europa steht vor der Wahl: sich von Trumps Drohungen erpressen zu lassen und sich im Ernstfall zu beugen oder eine offene Konfrontation zu riskieren, die man sicher verliert. Der Weg aus diesem Dilemma scheint für viele linksliberale Kom­men­ta­to­r*in­nen offensichtlich: Auf Trumps America-first-Politik könne nur ein „starkes, geeintes Europa“ die Antwort sein, das sich wirtschaftlich wie militärisch sowohl gegen China und Russland als auch gegen die USA behaupten kann. Eine solche hyperkapitalistische und hochgerüstete Supermacht Europa mag zwar eine vorstellbare, vielleicht sogar umsetzbare Alternative sein. Aber mit Sicherheit ist sie keine linke – erst recht nicht in Anbetracht der derzeitigen europäischen Regierungen.

Der Politologe Daniel Marwecki bringt in seinem Buch „Die Welt nach dem Westen“ eine andere Idee ins Spiel: Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement. Links gedacht müsste dies beinhalten, die eigene Wirtschafts- und Verteidigungsinfrastruktur radikal an den ökonomischen und sicherheitspolitischen Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten, statt Kapitalinteressen zu bedienen, wie es für den Weltmachtanspruch nötig ist. Dass das nicht im Interesse der Gewinner des Status quo und auch nicht der meisten europäischen Regierungen wäre, ist klar. Der notwendige Wandel – so schwer vorstellbar er ist – kann nur von unten kommen.

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Pauline Jäckels
Meinungsredakteurin
Redakteurin im Meinungsressort seit April 2025. Zuvor zuständig für die parlamentarische Berichterstattung und die Linkspartei beim nd. Legt sich in der Bundespressekonferenz gerne mit Regierungssprecher:innen an – und stellt manchmal auch nette Fragen. Studierte Politikwissenschaft im Bachelor und Internationale Beziehungen im Master in Berlin und London.
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52 Kommentare

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  • Es geht viel weniger um eine neue Supermacht Europa, als daß Europa lernt endlich mal mit einer Stimme zu sprechen und sich mittel- und langfristig um seine eigenen Probleme zu kümmern.



    Da hat sich Europa viel zu sehr - und hier hat Trump Recht - auf das Kümmern der USA verlassen. Nur: das macht abhängig und der Preis dafür wird jetzt abverlangt.



    Das Beispiel Ukraine, aber auch Grönland zeigt, daß Europa seine vorhandene Stärke bündeln muss, ohne Großmannsstreben wie bei CDU Politikern, die nach der stärksten Armee Europas jaulen.



    Wir müssen aber auch dringend im wirtschaftlichen Bereich uns mehr um unsere Interessen kümmern. Rohstoff - und Lieferketten ebenso absichern, wie Märkte.



    Insbesondere mit weniger entwickelten Märkten, wie in Lateinamerika und in Afrika ist mehr Engagement auf Augenhöhe wichtig.



    Die USA und China verkolonisieren dort kräftig und fördern damit viele der lokalen Konflikte.

  • Herfried Münkler, Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politische Theorie, als Prof. tätig an der HU sieht die absolute Notwendigkeit für das demokratische Europa darin, das wenn die EU nicht zerrieben werden möchte als Spielball zwischen USA, China und der Russischen Förderation sollte die EU endlich damit beginnen sich eigenständig erfolgreich verteidigen zu können und sich mit seiner wirtschaftlichen Macht Gehör und Respekt zu verschaffen.

    Nicht nur Münklers Eigenschaft ohne dicke Lippen auszukommen (Grossmannssucht) ist hier sympathisch sondern auch seine These, das militärische Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Macht Europas zusammen mit anderen die Eigenschaften sind die notwendig wären um Frieden zu sichern - da Schwäche derzeit als Einladung gilt Konflikte in welcher Form auch immer auszulösen oder zu verschlimmern.

    Münkler geht von einer latenten Kriegsgefahr aus sollte es XI, Trump und Putin gelingen die Welt unter sich aufzuteilen. Das ist das stärkste Argument weil Pauline Jäckels Unterwerfungsgeste, mit Sicherheit nicht zu mehr Frieden führt sondern zu mehr Krieg.

  • Zum Tenor eines Teils der Kommentare möchte ich doch die Frage einwerfen, ob da nicht ein verbreiteter Fehlschluss vorliegt: Nämlich die Annahme einer Kausalität von Macht in den Internationalen Beziehungen, innerem Wohlstandsniveau und sozialem Ausgleich. Das ist m.E. durchaus nicht so. Als die englische Kapitalistenklasse im frühen 19. Jahrhundert endgültig den Weltmarkt eroberte, war das mit dem Ruin inländischer Kleinproduzenten und dem viel beklagten Phänomen des "Pauperismus" verbunden. Demgegenüber war auch die relative Stellung der britischen Arbeiter in der Zeit des britischen "Abstiegs" als Weltmacht zweifellos besser als ein Jahrhundert zuvor, zudem stieg England nach dem Verlust des Imperiums mit den Beatles u.a. sozusagen zur "kulturellen Weltmacht" auf.

    Anderes Beispiel: Der Höhepunkt der amerikanischen Weltmacht und der Triumph der "Pax Americana" gingen einher mit weitgehender Deindustrialisierung im Land selbst, mit dem Zunehmen sozialer Ungleichheit und übrigens auch mit dem stetigen Anstieg der Einsperrungsrate bis hin zur Erreichung eines traurigen Weltrekordes.

  • Da ist ziemlich viel Aufstoßendes in diesem Artikel. Zum Einen geht es bei der Hilfe an die Ukraine nicht darum, Einfluss zu erhalten, sondern die Ukraine selbst (als Staat, der selbst entscheidet, wem er Einfluss gewährt). Komisch, dass man manche Leute auf diese "Feinheit" immer noch hinweisen muss.

    Gleichermaßen ist es nicht großmannssüchtig, das eigene Territorium vor den imperialistischen Aktivitäten anderer Mächte zu schützen - egal ob Grönland, Baltikum oder Polen. Dies hat in der Tat bislang eine Weltmacht übernommen, die nie so altruisitsch und wertebasiert agiert hat, wie sie das uns und sich selbst gern einredet, aber doch um WELTEN respektvoller als alle anderen Weltmächte vor ihr oder auch jene Aspiranten, die sie gern ablösen würden. Die will nun nicht mehr.

    Aber ein Subkontinent, der 400 Millionen der produktivsten Menschen der Welt umfasst, ist für diese abenteuerliche Leistung auch gar nicht auf "hyperkapitalistische" Formen des Wirtschaftens angewiesen. Nur wird es immer sehr hohe Produktivität UND politische Souveränität brauchen, um "den ökonomischen und sicherheitspolitischen Bedürfnissen" dieser 400 Mio. gerecht zu werden. Ohne die ist alles Linke nichts.

  • Ein Punkt stimmt in dem Artikel "Militärisches Hochrüsten ist keine Lösung".



    Ein Punkt wird bei alldem vergessen. Auch wenn Trump im Augenblick den großen Macker spielt - und damit sogar oft durchkommt.



    Die USA stehen auf ganz dünnem Eis. Und dieses Eis wird in spätestens 2-3 Jahren brechen. Und dann werden die USA eine Menge damit zu tun haben, um auch nur über Wasser zu bleiben. Und werden jeden Freund brauchen, den sie dann noch in der Welt haben.



    Denn schon jetzt bezahlen die USA für ihre Schulden von ca 36.000 Mrd. $ ca. 800 Mrd. $ pro Jahr nur an Zinsen und haben ein Budget-Defizit von ca. 2 Billionen, also 2.000 Mrd. $ pro Jahr. Jetzt hat Trump noch die Steuersenkungen aus seiner ersten Amtszeit verlängert, was zu ein paar tausenden Mrd. € weiteren Schulden führt und will nächstes Jahr das Militär-Budget um ca. 600 Mrd. $ erhöhen. Und das alles finanzieren mit den Zöllen, die er einnimmt. Das sind bisher aber nur ca 200 Mrd. € pro Jahr und die werden abnehmen, auch weil sie der MAGA-Basis schaden. Vielleicht war das sogar mit ein Grund für Venezuela - die Hoffnung, dass man dort noch Geld her bekommt.



    Das alles wird in den nächsten 2-3 Jahren zusammenbrechen.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Ob die Prognose in der Präzision richtig ist, weiß ich natürlich auch nicht.

      Aber das mit Venezuela finde ich sehr interessant. Auch die Nazi-Wirtschaft war ja nur durch eine ausgeprägte Kleptomanie aufrechtzuerhalten gewesen; zuerst viele, viele Menschen im eigenen Land, die man enteignet und weggesperrt und zur Zwangsarbeit bis zum Tode verdammt hatte, später ging der Raubzug dann quer durch Europa. Hab da mal eine interessante Doku drüber gesehen. Das ging nur so weit, weil man sich den Wohlstand von so vielen eroberten Gebieten angeeignet hatte.

      Etwas Ähnliches könnte hier tatsächlich auch vorliegen. Sollten die Parallelen tatsächlich so weit gehen, so könnte das tatsächlich schnell zu Ende gehen, aber erst mal: Viel Krieg. Das Nazi-Reich war ja 1937 durchaus relativ solvent und in einem guten wirtschaftlichen Zustand, finanziert durch die Mefo-Wechsel. Wirtschaftsminister, Reichsbank-Chef und früherer DVP-Politiker Hjamlar Schacht war gegen Isolitianismus und wollte die Wirtschaft stabilisieren, woraufhin Hitler ihn feuerte. Auch hier gewisse Parallelen zu Powell.

      Die folgende Kriegswirtschaft war nur noch finanzierbar durch Zwangsarbeit und Raubzüge durch Europa.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Mit Verlaub, aber dass das Zwillingsdefizit (Haushalt und Zahlungsbilanz) der USA nicht tragfähig sei, und dass das Kartenhaus in den nächsten 2-3 Jahren einstürzen werde, habe ich so schon vor 20 Jahren hier und da immer wieder mal gelesen. :-) Wahrscheinlich stimmt es "in the very long run", aber Wetten auf den Zeitpunkt würde ich nicht eingehen. Im Übrigen ist es m.E. eine Illusion zu glauben, dass der Rest der Weltwirtschaft dann ungeschoren davonkommt.

  • "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement."

    In Zeiten, wo sich die großen Machtblöcke dazu entschieden haben, die Reste jegliche regelbasierte Weltordnung über Board zu werfen, die Demokratie zu beseitigen und sich rücksichtslos zu nehmen, was einem gerade gefällt, soll die große Idee sein, sich außenpolitisch, wirtschaftlich und strategisch ins globale off zu schießen? Spannend, solche "klugen" Ideen.



    Na zumindest, bräuchten wir dann über Klimaschutz oder Völkerrecht kein Wort mehr verlieren.

  • Es gibt nur zwei mögliche Ausgänge:

    - Kleinstaaterei (und darauf laufen die nationalistischen Bestrebungen der extremen Rechten hinaus) und Niedergang.

    oder

    - Aufgabe der nationalen Unabhängigkeit zugunsten einer politisch und militärisch starken EU.

    Man stelle nur mal ein paar Rechnungen auf, Summe der Soldaten in den EU-Ländern, Summe der Verteidigungsausgaben, um zu verstehen, wie verschwenderisch die nationale Ausrichtung im Angesicht der Supermächte ist. Die EU könnte eine Supermacht sein, ohne auch nur einen Cent mehr auszugeben, wenn nur der politische Wille da wäre. Andererseits ist die heterogene Natur der EU und ihrer Völker praktisch ein Garant gegen neokoloniale Bestrebungen, so daß die EU für andere Länder und Kontinente ein guter Partner wäre.

  • Keine drei Artikel weiter unten wird in der taz gefordert, dass es internationalen Druck brauche, um den Menschen im Iran beizustehen.



    Daraus folgt - entweder:



    1. die EU rüstet massiv auf - nuklear, neue Trägerraketen und deren permanente aktive Bereithaltung, Flugzeugträger, Tarnkappenbomber, EU weite Wehrpflicht, etc - oder



    2. wir kuschen und kuscheln weiterhin wie bisher mit und vor den USA, egal welchen politischen Kurs die gerade fahren, oder



    3. wir versinken in der Bedeutungslosigkeit und werden Beute der USA, Russlands, Chinas, Indiens, oder wer sonst gerade Lust auf Erweiterung seines Machtbereichs hat.



    Internationale Politik und Diplomatie wurde leider schon immer größtenteils durch Waffengewalt durchgesetzt - und gerade die letzten Jahre zeigen, dass es wieder ganz massiv in diese Richtung geht.



    Die Schwachen werden zugrunde gehen oder Beute. Gerade wenn sich Progressive gerne auf die Fahne schreiben, als Schutzmacht für Bedürftige und Schwache fungieren zu wollen, müssen wir ganz wehement aufrüsten.



    Eine Supermacht Europa ist die einzige Chance einen unabhängigen Kurs fahren zu können und weltweiten Einfluss zu haben.



    Love & Peace ist leider endgültig vorbei.

  • Und wer, wenn nicht Europa verteidigt dann linke Errungenschaften gegen das faschistische Russland in der Nachbarschaft, die faschistischen USA auf der anderen Seite des Antlatik und das autoritäre China?



    Was machen wir ohne Machtmittel dagegen, wenn die USA US Zustände auf dem europäischen Arbeitsmarkt fordern zwecks fairen Wettbewerbs (Man denke hier an Musk)? Oder den Rückbau des Verbraucherschutzes? Von Lebensmittelstandards? Breitere Straßen damit sich US PKW hierzulande verkaufen?

    Wollen wir wirklich alle Menschen östlich der Oder Russland ausliefern? Und dann russischen Vorgaben hinterherhecheln, damit wir im Winter auch genug Gas kaufen dürfen? Wie wollen wir gegen dieses Russland die Energiewende vollziehen?

  • Ein Aufstand für den Abstieg?



    Wenn man die Linke aus der ernstzunehmenden Politik abmelden möchte, kann man das so machen ...



    Doch zur Beschreibung der Situation:



    Zu behaupten, US-Politik sei schon immer "wie Trump, nur anders" gewesen, ist seinerseits geschichtsvergessen, oder gar verblendet.



    Die USA haben sicher keine weiße Weste. Allerdings haben sie die regelbasierte Weltordnung aufgebaut und verteidigt, die ein hohes Maß an Sicherheit gerade auch für schwächere Länder bedeutete.



    Die USA selbst haben sich zweifelsohne nicht immer, jedoch oft selbst auch gegen kurzfristige Versuchungen daran gehalten.



    Das liegt auch daran, dass die regelbasierte Welt im US-Interesse war: Sie erlaubte wirtschaftliches Wachstum; vor allem aber erlaubte sie die feste Bindung von Verbündeten. Schließlich gab der universelle Anspruch von internationalen Regeln, Menschenrechten und Demokratie die Möglichkeit zu Allianzen, die rein machtpolitisch nie denkbar gewesen wären.



    Die Aufgabe dieser Prinzipien schon durch Bush junior und ganz extensiv unter Trump bedeutet daher langfristig einen großen Machtverlust für die USA. Wer Amerika geschwächt wissen wollte, hat in Trump seinen Mann gefunden.

    • @Frauke Z:

      "Zu behaupten, US-Politik sei schon immer "wie Trump, nur anders" gewesen, ist seinerseits geschichtsvergessen, oder gar verblendet"

      Da sprechen die historischen Fakten eine andere Sprache. Afghanistan, Syrien, Irak, Libyen, Somalia, Jemen sind nur einige Beispiele aus den letzten beiden Jahrzehnten bei denen die USA gegen internationales Recht militärische Operationen gegen Staaten und Einzelpersonen durchgeführt haben.

      "Die USA selbst haben sich zweifelsohne nicht immer, jedoch oft selbst auch gegen kurzfristige Versuchungen daran gehalten."

      Auch hier kommen die Ereignisse der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts zu einem anderen Ergebnis. Nur ein Auszug 90er Jahre Panama, 80er Jahre Nicaragua sowie von den 60er bis 80er Jahren über die Hälfte der Staaten des südamerikanischen Kontinents. Unerwähnt der Nahe Osten, würde den Rahmen sprengen.

      US Hegemonialpolitik in sämtlichen Facetten mit Interventionen durch CIA, Militär oder Milizen. Die meisten davon weder mit internationalen Gepflogenheiten und Recht zu vereinbaren.

      Und auch die "regelbasierte Welt" war nur solange im US Interesse, wie es der US Politik diente. Wurde sie beeinträchtigt sah das dann schon ganz anders aus.

      • @Sam Spade:

        Dann betrachten Sie einmal den internationalen Handel - dort haben die USA grundsätzlich die Regeln befolgt. Natürlich, weil es langfristig in ihrem Interesse ist.



        Oder schauen Sie sich internationale Organisationen an. Auch diese haben die USA immer gestützt. Natürlich auch in der Hoffnung, damit im Wesentlichen ihre Linie durchzusetzen.



        Gegen Interessen ist kein Kraut gewachsen. Der springenden Punkt ist jedoch, dass diese Art internationaler Politik, die die USA seit dem 2. Weltkrieg betrieben hatten, eben für die meisten etwas bietet - ganz im Gegensatz zur reinen Interessenpolitik von Russland oder China, der Sowjetunion oder der imperialistischen Großmächte vor dem 1. Weltkrieg.



        Rechtsstaatlichkeit im Inneren als Grundlage der Außenpolitik ist ein weiterer Aspekt.



        Trump hat alle drei Bereiche abgeräumt bzw. in sein Gegenteil verkehrt. Bei den militärischen Eingriffen hat er in einem Jahr so viele öffentlich angedroht wie andere Präsidenten in den Jahrzehnten davor.



        Wer da noch sagt, "so ähnlich war's ja schon vorher", hat den Faden verloren.

  • Das ist tatsächlich schwer vorstellbar, Frau Jäckels. Wie wäre es also mit einer etwas realistischeren Perspektive? Statt entweder Weltgroßmacht oder Abstiegsgleis... Beispielsweise neue Partner suchen: Brasilien, Kolumbien, Indien, Australien, Südafrika, Marokko... um ein paar Länder zu nennen, die noch keine Diktaturen sind.

    • @Lothar Heusch:

      Wie stellen Sie sich ein (Sicherheits-) Bündnis mit den genannten Staaten denn vor? Als Beispiel sei ein tatsächlicher Angriff bzw. Zugriff der USA oder von Russland auf europäisches Territorium genannt - aus welchen Gründen auch immer: sollen die von Ihnen genannten Staaten (Südafrika, Kolumbien, Indien, ...) dann Truppen schicken oder den USA mit Seeblockade oder Abbruch der Handelsbeziehungen drohen?

  • Ein kluger Denkanstoß. Eine europäische Großmacht als vierter Pol neben Russland, China, USA ist ziemlich illusorisch und auch gar nicht wünschenswert.

  • Was genau soll das nun konkret bedeuten?

  • Die Autorin verkennt vollkommen, dass uns das stabile transatlantische Bündnis 80 Jahre Frieden beschert hat - Ost wie West.



    Und Wohlstand, der aus Frieden wächst.



    Natürlich streift man das nicht binnen Stunden ab - und natürlich hofft man in drei Jahren auf Besserung (vermutlich vergeblich auch unter demokratischer Ägide - aber die Erkenntnis muss reifen).



    Politik ist nicht moralisch und war es nie.



    Was für eine Erkenntnis!



    Und was für eine Befreiung!



    Letzteres ist die Pille, die Europa zu schlucken hat: Das moralische Mäntelchen in den Schrank zu hängen und endlich tatsächlich in den unterstellten Kategorien von Macht- und Einflussdenken zu handeln.



    In der Ukraine zuerst und bitte bald.



    Dafür braucht man auch keine amerikanischen Langstreckenraketen - die es nie gab und nicht gibt - auch die kleinere Variante seit 20 Jahren nicht - soviel zu linken Märchen.

  • Wie wäre es, wenn man sich einfach darauf beschränkt, das eigene Territorium zu verteidigen? Dafür würden die heutigen Militärausgaben der EU fast schon reichen, wenn man diese klüger für eine EU-Armee managt. Nach der Transformation unseres Energiesystems sind wir auch nicht mehr abhängig von irgendwelchen Diktaturen in Nahen Osten oder sonst wo.

    • @Semon:

      Ja, die vom Klimawandel erzwungene Energiewende könnte auch durchaus eine Chance sein.



      Übrigens auch als Antwort an Russland.



      Davon müsste man dann nur noch die Union und SPD überzeugen, die für die Fossilindustrie lobbyieren…

  • Selbstbehauptung soll jetzt kapitalistisch sein? Warum es in einem nicht-kapitalistischen System keine Größeneffekte geben soll, müssten Sie mal bitte erklären. Eine 50-Rentner-Kommune hat logischerweise und demokratisch völlig richtigerweise weniger Einfluss als ein sozialistischer Staat mit 100 Mio. Einwohnern.

    "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement. Links gedacht müsste dies beinhalten, die eigene Wirtschafts- und Verteidigungsinfrastruktur radikal an den ökonomischen und sicherheitspolitischen Bedürfnissen der Bevölkerung auszurichten"

    Das ist ein Widerspruch in sich. Sich in völliger politischer Abhängigkeit turbokapitalistischer Länder begeben und hoffen das dabei noch Sozialstaat übrigbleibt ist schon extrem naiv. Siehe zum Beispiel die jüngste Einwürfe aus den USA zu unserem Gesundheitssystem.

    Wenn Sie wenigsten so ehrlich wären die Folgen für dezidiert linke Politik darzustellen:



    Weniger Zugriff auf (gerechten Handel mit) Rohstoffe heißt weniger Industrie/Wirtschaft = weniger Sozialstaat = weniger Umverteilung. Eine Folge wäre zum Beispiel dass wir keine freie Bildung oder weniger Flüchtlinge versorgen könnte.

  • Wer die BPK öfter verfolgt, weiß: die Nicht-Antworten von Hille waren der Normalfall. Die gleiche Situation gibt es mit den Fragen nach Gaza seit vielen Monaten.



    Ich frage mich, was damals passiert wäre, wenn große Teile der Welt von Hitler-Deutschland so stark abhängig gewesen wären. Ich glaube, genau das gleiche wäre passiert: die Staaten hätten vor Hitler gekuscht bis das Blut spritzt und sich und der Welt vorgemacht, dass es ja so schlimm nicht sei usw.



    Denn der jetzige Zustand der USA, in dem der Teil der Bevölkerung, der nicht mit Trumps Meinung übereinstimmt, explizit zu Terroristen erklärt wurde, ist Faschismus. Viele der wissenschaftlichen Kritierien dafür sind längt erfüllt.



    Aber unsere PolitikerInnen wollen es einfach entweder nicht einsehen, oder nicht zugeben, wen sie da noch hofieren. Weil wir bisher nicht Ziel der völkerrechtswidrigen Politik der USA in den Jahren seit dem zweiten Weltkrieg waren und uns wie Geier an den Leichen des Wirtschaftsimperialismus gelabt haben.



    Wird Zeit, sich andere Verbündete zu suchen. Aber wir sind ja selbst auf dem Weg in den Abgrund. Politiker, wie Jens Spahn, die schon Trumpianer sind, sind unsere dunkle Zukunft. Währet den Anfängen!

  • "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement."



    Inwieweit es klug ist, z. B. Russlands Satellit zu sein, müsste man mir spätestens nach Butscha noch erklären.

  • Abstiegsmanagement.



    Wie schön. Man macht sich also selbst zum Spielball fremder Mächte.



    Kann man machen.



    Ich sehe den Sinn darin aber nicht.

  • Danke für diese Klarstellung…



    Ja, Europa hat seinen Wohlstand eben auch der Tatsache zu verdanken, das wir ganz gerne und gut im wirtschaftlich-milititärischen Windschatten dieser gewälttätigen Nation gesegelt sind.



    Und dabei ja auch selber gerne mal gewalttätig werden, wenn es uns opportun erscheint.



    Trotzdem gibt es ja deutliche Unterschiede zwischen Europa und den USA. Die EU selbst ist ja, trotz der Dominanz neoliberaler Wirtschaftsmächte mit Deutschland, Frankreich und England AUCH ein liberales Projekt, das nationale Handlungsspielräume zugunsten einer gemeinschaftlichen Politik einschränkt.



    Und auch wenn es hierzulande immer schwieriger wird, öffentlich über bestimmte Themen zu reden oder zu schreiben, gibt es da durchaus etwa zu verteidigen.



    Auch militärisch. Nicht als Supermacht mit imperialen Anspüchen. Sondern als gut gerüstete Defensivmacht.



    Dazu haben wir, im Gegensatz zu vielen anderen schutzlosen Ländern auf dieser Welt, eine eigene Industrie, die hier sicherlich gerne „hilfreich“ einspringt.



    Der Gedanke eine gemeinsamen wirtschaftlichen Abstiegs, um Abhängigkeiten zu vermindern, folgt den Thesen von Fr Herrman.

    D‘accord.

    • @hsqmyp:

      Das liberale Projekt Europa erodiert aber: Orban und manch andere Ausscherer aus der europäischen Einigkeit schert es einen Dreck, ob Europa von einem Ostblock 2.0 geschluckt wird, Hauptsache die Subventionen aus Brüssel fließen in ihre Länder, Merz fängt mit verfassungsrechtsprechungsbrechender Hartz4 2.0-Politik bei den Schwächsten an mit dem "kontrollierten Abstiegsmanagement", Frankreich kommt ins Schwimmen als kleinste aller Atommächte wie Kevin allein zuhause einen EU-Schutzschirm bereitzustellen.

      Andererseits stellen EU-Parlament und UvdL bisweilen noch Weichen für mehr Regelungen zur Festigung von liberalem Europa, angesichts der zuvor genannten "realeuropäischen" Zustände droht das leider mehr und mehr zur Don-Quichoterie zu werden.

      Gemeinsam in den Abstieg ist für die EU keine Alternative, gerade für die führenden EU-Nationen und die skandinavischen Wohlstandsländer, die EU braucht erstmal neue Regeln für innere Stabilität, inklusive Rauswurf von Ungarn und anderen Anti-EU-Extremisten.



      Ist der Krieg zuende, dann ist Russland hilfsbedürftig. Ungarn kann dann auch ohne EU florieren, als Russlandaufbauhelfer. Szenario Kernländer-EU, z.B.eher mit Portugal, eher ohne Ungarn.

  • Wie interessant. Linke Ideologie (Politik) sollte es nach der Autorin sein einen geordneten "Linken" Abstieg zu wählen.

    Das heißt militärisch... Wir müssen uns halt Daten gewöhnen und es akzeptieren das die Amis, Russen und Chinesen bestimmen.. Und wir sollen nur fragen: wie hoch sondern wir springen?

    Und zweitens, linke Politik sollte also soll sein wie die "bürgerlichen" immer behaupten? Also linke Politik sollte bedeuten alle sind gleich. Gleich Arm. Denn nichts anderes bedeutet dieser Text.

  • „Europa ist von den USA und ihren auf dem Kontinent verteilten Langstreckenraketensystemen als militärische Schutzmacht gegenüber Russland und für den Erhalt der Ukraine als europäische Einflusssphäre abhängig.“

    Welcher Kontinent ist da gemeint? Nordamerika? Europa ja nicht, hier gibt es schon lange keine US-Atomraketen mehr, Langstrecken gab es wimre nie. Kurz- und Mittelstreckenraketen sind schon seit dem letzten Jahrtausend weg. Die einzigen amerikanischen Atomwaffen in Europa sind A-Bomben, die von Flugzeugen abgeworfen werden müssen.

    • @Martin Bochmann:

      Auch wenn Fr. Jäckels hier vielleicht etwas ungenau argumentiert, wissen sie schon, was gemeint ist, oder?

      • @hsqmyp:

        Nein, denn es ist einfach: Der (mögliche) Schutzmachtstatus der USA beruht in Europa überhaupt nicht auf imaginierten hier stationierten Raketen, sondern auf denen, die sie sowieso haben, als ICBM in den USA stationiert, auf U-Booten und Bomben von Langstreckenbombern.

        Europa ist da vollkommen wurscht. Ob hier in .de 20 kleine Bömbchen in Büchel rumliegen, die dann von (deutschen) Kampfflugzeugen gerade mal so weit geflogen werden können, dass sie Russland erreichen, ist so irrelevant, dass sich nicht mal Putain darüber aufregt.

        Europa ist leider irgendwie auf die USA als Schutzmacht angewiesen, das ist richtig. Aber das ist es auch, wenn die USA noch nicht mal mehr hier ein paar Soldaten hätten.

      • @hsqmyp:

        Jetzt bezeichnen sie kontrafaktisch etwas ungenau als "ungenau". Man versteht, was Fr. Jäckels meint, aber man kann sich auch fragen, auf welchem Fundament ihre Meinung basiert, wenn ihre wesentlichen Argumente auf alternativen Fakten aufbauen.

  • Danke,



    interessanter und wichtiger Artikel.

  • "Aber mit Sicherheit ist sie keine linke – erst recht nicht in Anbetracht der derzeitigen europäischen Regierungen."

    Tja, aber was wäre dann eine linke, die Überlebensfähig ist? Eine hier als "Abstiegsmanagement" benannte Ausrichtung an ökologischen Aspekten und dem Wohlergehen der Bevölkerung wiederspricht ja nicht einem starken Europa. Ein schwaches Europa würde "geschluckt", und dann wars das auch schon mit der Ausrichtung.

    Ein starkes Europa. Da gibts keine Alternative. Das *ist* derzeit die linke Alternative. Die anderen führen zum Albtraum.

  • Schluss mit der rosa Brille:

    - Ein US-Einmarsch in Grönland ist eine Kriegserklärung an die EU



    - Die USA sind damit nicht mehr NATO Partner



    - Die in der EU stationierten US-Truppen mussen die EU verlassen



    oder bleiben unter NATO-Flagge und neuem Kommando



    dem Rest-Bündnis erhalten.

    Oder wie sollte man damit sonst umgehen?

    • @Rainer Bauer:

      Und wie wollen sie das gegen die USA durchsetzen?

      Wenn eine Seite das Recht des Stärkeren favorisiert und auch noch über die Mittel verfügt es durchzusetzen, was bleibt dann der anderen Seite?

  • "... Europa gibt seine Großmachtansprüche auf ..." Welche Großmachtansprüche?



    Eine europäische Rüstung um verteidigungsfähig gegenüber Russland und technisch unabhängiger gegenüber den USA zu werden stellt ja keinen Großmachtanspruch da. Aufgrund der Bevölkerungszahl und der Wirtschaftskraft ist Europa eine Großmacht aber ohne "Ansprüche". Ich habe jetzt noch nicht mitbekommen, dass die Europäischen Staaten sich andere Länder einverleiben wollen.

  • "Europa gibt seine Großmachtansprüche auf und konzentriert sich auf ein kluges Abstiegsmanagement."



    Klüger fände ich: "Europa gibt sowohl Großmachtansprüche als auch seinen US-Vasallenstatus auf und konzentriert sich auf ein kluges Wiederaufstiegsmanagement."

  • Militärisches Hochrüsten ist zwar keine Lösung, aber die EU muss zeigen, dass sie zur Supermacht taugt, wenn man sie herausfordert. Und das muss möglichst bald geschehen!



    Das Erste wäre also, die Idee eines europäischen Verteidigungsbündnisses wiederzubeleben und eine Rüstungsindustrie zu organisieren, die in der Lage ist, dieses Bündnis umfänglich zu versorgen und dazu ist eine enge Zusammenarbeit von Deutschland mit Frankreich und UK notwendig. Über UK gibt es auch einen direkten historisch-politischen Zugang zu Kanada.



    Und immer dran denken: In der EU+UK leben genauso viele Menschen wie in den USA und Russland zusammen. Es wäre also nicht abwegig, selbst zur militärischen Großmacht zu werden, wirtschaftlich sind wir es ja schon.

    • @Aurego:

      "Militärisches Hochrüsten ist zwar keine Lösung ... Das Erste wäre also, die Idee eines europäischen Verteidigungsbündnisses wiederzubeleben und eine Rüstungsindustrie zu organisieren... Es wäre also nicht abwegig, selbst zur militärischen Großmacht zu werden..."



      Ich komme mit Ihrer Argumentation nicht mit, sorry. Das scheint mir zu widersprechen.

      • @Encantado:

        Wenn Sie mit der Argumentation nicht mitkommen, können Sie gerne noch eine Weile darüber nachdenken. Allzu viel Zeit haben Sie dafür aber nicht mehr.

    • @Aurego:

      Also der Aufbau einer Doppel-Supermacht (USA als Supermacht plus EU als Supermacht) bzw. triple Supermacht, wenn AUKUS dazugenommen wird, soll die Welt zu einem besseren Ort machen?



      Eine absurde Militarismus-Phantasie, und zudem



      ein ziemlich ultimativer Alptraum für den Rest der Welt.



      Der Weg in die maximale militärische Überlegenheit, wie sie in Zeiten des klass. Kolonialismus bestand, würde wohl kaum weniger Verheerungen über den Globus bringen, als es bei den zahlreichen Genoziden und der unmenschlichen Ausbeutung und Landnahme seitens der damaligen 'Supermächte' des technologisch überlegenen Nordens der Fall war.



      Es sei denn man ginge davon aus, dass 'wir' die 'Guten' seien, wie es zB die Briten während des Aufbaus ihres Empires oder die europäische Ableger 'USA' und Kanada beim Abschlachten der Indigenen für sich definierten.



      Nein, 'wir' sind mitnichten 'Die Guten'.



      Die immer weiter nach rechts rückende Meloni/v.d.Leyen EU steht ebenso wie die USA knapp an der Schwelle zur erneuten faschistischen Barbarei.



      Wem nutzt es dieses längst überrüstete Militärmonster noch stärker zu überrüsten?



      Klar, AfD und Konsorten würde sich freuen, aber ist das positiv?

      • @Anne in Pink:

        Sie übersehen ein wichtiges Detail: Es geht jetzt nicht darum, wer die Guten sind.

  • Abstiegmanagement, schon das Wort klingt schrecklich. Zu Verzwergung oder Supermachtstreben gibt es eine Alternative: Die verstärkte politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit blockfreien, demokratischen Ländern, die selbst auch nicht unter die Räder kommen wollen (Brasilien, Indien, Südafrika...).

  • Europa muß sich inzwischen gegen drei Schurkengroßmächte verteidigen können, Putins Russland, das China von Pi und nicht zuletzt die USA unter Trump. Folgerung daraus ist, daß Europa natürlich massiv aufrüsten muß und nicht auf bessere Zeiten warten darf.

  • Der Hauptrivale der USA im Kampf um die globale Hegemonie ist China. Russland ist da eher das Mittel zum Zweck, dessen Bindung an China Zrump zu kappen sucht. Man sollte also daran denken, das eine Groß- oder Mittelmacht Europa schnell zwischen zwei Fronten gerät, wobei der eine "Gegener" vor der Haustür steht und der andere die Sicherheit eines großen, trennenden Ozeans genießt.



    Dass so eine Konstellation äußerst problemtisch ist, wußte schon Bismark.

  • Dem Artikel von Frau Jäckels möchte ich ganz überwiegend zustimmen und geradezu Beifall spenden. Auch das Buch von Daniel Marwecki werde ich mir zulegen.

    "Abstiegsmanagement" scheint mir die richtige Formel. Man ist nur noch einer unter vielen und nicht der Stärkste. Man muss sich mit allen anderen in fluiden Konstellationen von Partnerschaft und Rivalität arrangieren. Ein neuer Wilhelminismus, auf die europäische Ebene gehoben, wird dagegen geradewegs in die Merde führen.

    Einen Einwand habe ich dennoch. Außenpolitik entzieht sich m.E. dem Links-Rechts-Gegensatz. Eine vernünftige, selbstbeschränkende Außenpolitik benötigt Unterstützung durch diejenigen Kapitalfraktionen, die kein Interesse an "Weltmacht" haben.

  • Oh, so geht das also mit dem Abstieg die Regionalliga. Aber wer kann sich dann noch hauptberufliche Schreiberinnen leisten, wenn man und frau keinen wirtschaftlichen Mehrwert mehr erwirtschaften kann?Es lebe der wahre revolutionäre Geist aus der warmen Stube, so lang er oder sie noch frei reden und denken kann, ohne existenziell an reale Grenzen zu stoßen. Die Utopie stirbt ja erst kurz vor dem Ende der Kreisklasse.

  • Europa sollte unbedingt der wirtschaftlichen Stärke auch eine militärische Stärke hinzufügen. Es gibt einfach zuviel verrückte Despoten. Die "Vereinigten demokratischen Staaten von Europa" sollten einen autonom Gegenpol von China, Russland und Amerika bilden.

  • Da Pauline Jäckels zwar auf das Buch von Daniel Marwecki hinweist, aber anscheinend zu bescheiden ist auf ihren eigenen Podcast zum Thema zu verweisen, hole ich das hiermit nach, da es sich um einen hörenswerten Beitrag handelt.

    Link mit Hörbeitrag via SoundCloud.

    Rosa Luxemburg Stiftung



    Podcast vom 25.09.2025



    Geht der Westen unter, Daniel Marwecki?



    Pauline Jäckels spricht mit dem Politikwissenschaftler Daniel Marwecki über das Bröckeln der alten Weltordnung.

    www.rosalux.de/med...64bffe84905dca2ba0

  • Statt deutsche Völkerrechtler anzuführen, wäre es sinnvoller gewesen einen US Verfassungsrechtler zu befragen.

    Afghanistan, Irak, Syrien, Jemen, Somalia, Libyen sind nur einige Länder in denen die USA in den letzten Jahrzehnten genauso vorgegangen sind wie jetzt in Venezuela.

    Völkerrechtskonform war dabei keiner der Militäreinsätze, rechtskonform nach US Recht waren sie allesamt, auf Grundlage des AUMF und im Rahmen des US law enforcements.

    Wer jetzt nur weil Trump im Gegensatz zu seinen Vorgängern aus seinen wahren Absichten keinen Hehl macht, dieses extrateritoriale Handeln der USA als juristisches Novum ansieht, an dem sind viele außenpolitische Ereignisse der USA seit mindestens 1961 vorbeigegangen.

    Ein US Verfassungsrechtler könnte Aufschluss darüber geben, warum angelsächsisches Recht nicht immer deckungsgleich mit dem Völkerrecht sein muss.

    Auch die Rechtshistorie hält jede Menge Informationen darüber bereit, das dieser Konflikt der Rechtssysteme schon bei der Konzeption des Völkerrechts mitgedacht wurde.

    Die Empörung über die Aussage der Bundesregierung greift daher zu kurz. Es ist komplex aus rechtlicher Sicht und die besteht nunmal nicht nur aus der UN Charta.

  • "Auf Trumps America-first-Politik könne nur ein „starkes, geeintes Europa“ die Antwort sein, das sich wirtschaftlich wie militärisch sowohl gegen China und Russland als auch gegen die USA behaupten kann. Eine solche hyperkapitalistische und hochgerüstete Supermacht Europa mag zwar eine vorstellbare, vielleicht sogar umsetzbare Alternative sein."



    Herfried Münkler sieht, jüngst wieder in Interviews geäußert, Optionen in insgesamt mindestens 5 Supermächten, neben Europa m. Partnern wie Australien, Japan u. Kanada als Player Indien.



    Holger Stark sieht als mögl. nukleare Schutzmacht neben Frankreich Großbritannien, aber auch die Möglichkeit, andere Waffen als die amerikanischen für die Bundeswehr zu berücksichtigen.



    www.sr.de/sr/srkul...den_autor_100.html



    Die Angelegenheiten in Büchel u. Ramstein, in Grafenwöhr etc sind nicht nur allein Sache d. Schutzmacht.



    Überflugrechte u. medizinische Versorgung sind ebenfalls eingepreist in die Sicherheitsstrategie.



    Die europäische Kriegstüchtigkeit, speziell in Deutschland, ist somit ein besonderer Fokus der amerikan. Waffenindustrie.