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Skandal um WalTimmy ist einer von uns

Uli Hannemann

Kommentar von

Uli Hannemann

Wal Timmy spaltet das Land wie einst Corona: Misstrauen gegen Experten, Wut auf „die da oben“. Der Rettungsversuch mit Luftkissen könnte einen Aufstand verhindern.

Timmy! Foto: Florian Manz/greenpeace germany/dpa

V ielleicht sind es, flankiert vom Bayernsieg trotz Neuer-Patzer und dem Einzug des Frühlings, vor allem die jüngsten Geschehnisse in Ungarn, die uns Deutschen frischen Mut einflößen – die Frohbotschaft lautet: Wal kann auch gut ausgehen.

Und so gibt es nun endlich wieder Anstalten, das aktuelle Herzenstier der Deutschen zu retten. Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz wird gemeinsam mit einer nicht weiter genannten Unternehmerin einen neuen Rettungsversuch des erst in der Lübecker und nun in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwals Timmy finanzieren.

Davor hieß es ja nur noch: Die Qual der Wal muss endlich enden. Man wollte ihn zur Linderung mit Salzwasser besprenkeln und langsam einschlafen lassen. Weitere ins Auge gefasste Rettungsmethoden wurden als zu strapaziös für das kranke Tier verworfen.

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„Ich kann nicht verstehen, warum man nicht von Anfang an mehr versucht hat“, sagt denn auch Gunz, und er ist mit dieser Meinung nicht allein. Im Gegenteil: Es geht hoch her, speziell auf Social Media wurden Behörden, Retter und Experten von Anfang an mit Hass überschüttet.

Timmy ist einer von uns

„Auf dem Steg Fischbrötchen kauend“ (El Hotzo) beurteilten unsere Tierfreunde die bisherigen Maßnahmen besserwisserisch und aggressiv: „Die machen alles falsch“. Dazu garniert mit Beschimpfungen und Morddrohungen gegen die echten Experten – das alles erinnert fatal an den Umgang mit den Coronamaßnahmen: Wissenschaftler sind scheiße, „die da oben“ hassen uns und Wale, und kümmern sich lieber um die Ukraine oder die angebliche Klimakrise.

Nur für den Wal wird nichts getan. Dessen ist sich das Volk ganz sicher. Dabei müsste man doch nur mal richtig Geld in die Hand nehmen. Wie wäre es damit, die ganze Ostsee auszubaggern, damit der Hirni gar nicht mehr auf die Idee kommt, noch mal irgendwo zu stranden? Oder Pioniere der Bundeswehr könnten endlich mal was Sinnvolles tun, anstatt immer nur harmlose Russen zu bedrohen. Eine Unterwasserbehelfswalbrücke oder so. Klar, das kostet alles, aber für Geflüchtete, Queere, und unverständliche Quatschkultur (Theater!), die kein „normaler Mensch“ braucht, ist doch offenbar auch genug Kohle da.

Timmy ist nämlich einer von uns, ein reiner Charakter, leidensfähig und stolz, und in der Seele (Ost-)Deutscher, deshalb hat es unsere Walverwandtschaft zuletzt auch nach Wismar hingezogen, dieses schöne, aber strukturschwache UNESCO-Weltkulturerbe. Kein Wunder, dass die Wessis ihn umbringen wollten, aber jetzt, da die ganze Welt darauf blickt, geht das nicht mehr so einfach – ellabätsch.

Die dummen Scheißexperten

Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mischte sich nun ein, ein unmissverständliches Zeichen für den Ernst der Lage. Im NDR ermahnte er das Walvolk, dass es „die Anfeindungen, so wie wir sie gerade erleben, bitte schleunigst unterlassen“ möge. Und er habe aus der Ferne den Eindruck, die Landesregierung tue, was sie könne – die Experten wüssten mehr über „die Navigation, die Wale steuern lässt“.

Nein! Nein, Herr Bundespräsident, Einspruch! O Gott, die Knalltüte hat ja fast genauso wenig Ahnung, wie die sogenannten Walforscher. Der deutsche Michel weiß viel mehr darüber als die dummen Scheißexperten. Einfach nur ziehen den Wal, und dabei ein aufmunterndes Lied singen: „Fünf kleine Fische, die schwammen im Meer, blub blub blub blub, da sagt der eine: ‚Ich kann nicht mehr‘, blub blub blub blub …“

Ein Glück, dass das mit Walter Gunz nun ein wahrer Fachmann in die Hand nimmt. Denn wer Toaster verkauft, ist für die Walrettung geradezu prädestiniert. Schon am Donnerstag sollte, so war es bis Redaktionsschluss geplant, der Buckelwal schonend auf Luftkissen gehoben und von einem Schlepper auf einer zwischen zwei Pontons gespannten Plane in die Nordsee gezogen werden. Blub, blub, blub.

Greenpeace und das Deutsche Meeresmuseum sind in die von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern genehmigte Aktion übrigens nicht eingebunden worden. Selber schuld, diese unfähigen Mordgesellen hätten ja eh keine Ruhe gegeben, bis unser armer Timmy endlich tot ist.

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Uli Hannemann
Seit 2001 freier Schreibmann für verschiedene Ressorts. Mitglied der Berliner Lesebühne "LSD - Liebe statt Drogen" und Autor zahlreicher Bücher.
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38 Kommentare

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  • Warum wird das Tier so gequält? Lasst es doch einfach in Ruhe.

  • Hört endlich mit dieser Tierquälerei auf und lasst ihn in Ruhe sterben oder erlöst ihn.

  • Hier stehe ich und kann nicht anders, ich wünsche diesem Tier, dass es frei kommt, weiterhin lebt, gerne lebt, gerne Wal ist und immer gerne bleiben wird. Das wünsche ich auch dem Menschen in seinen humanen noblen Momenten.

  • Man hätte den Wal auch "Knut" nennen können ... Wer erinnert sich noch an das verstoßene Eisbärjunge, den Medienstar, die Projektionsfläche aus Berlin? Während gleichzeitig den freien Eisbären der Lebensraum wegschmilzt und die Nahrung genommen wird, und Meeressäuger weltweit in großen Mengen gejagt, geschlachtet und u.a. zu Tierfutter verarbeitet werden.



    Dem hier in den Medien gestrandeten Wal hing ein Stück Fischernetz aus dem Maul, hieß es. Demnach sind Menschen verantwortlich für sein Leiden, sein Sterben. Da finde ich es zynisch, jetzt vom Kreislauf der Natur zu sprechen, und irgendwann sterbe doch jeder Wal mal.



    Wir müssen endlich Schluß machen mit unserem ganz alltäglichen Krieg gegen die Natur, den wir mit Zivilisation verwechseln. Auch dieser sentimentale Medienhype um "Timmy" dient wohl eher dem Geschäft. Wann kommen die ersten Plüsch-Timmys auf den Markt? Oder spenden jetzt alle für Greenpeace, Sea Shepherd, und wollen Mitglieder werden?

  • Timmy, der Kampf geht weiter!!!

  • Na bravo.



    Nachdem der selbst ernannte Walexperte und Walflüsterer und vor allem Wichtigtuer und Selbstdarsteller Robert Marc Lehmann eben wegen seiner Selbstdarstellung von weiteren



    Aktionen ausgeschlossen wurde , kommt jetzt Selbsdarstellerin Janine Bahr van Gemmert , die auf der ganzen Insel ( Föhr) dafür bekannt ist ,dass sie sich nur tierlieb verhält und einsetzt wenn genügend Öffentlichkeit und wenigstens ein Beitrag im NDR dabei rauskommt.

  • Gibt es denn so viele Walexperten? Das bezweifle ich irgendwie. Und so oft wird ja auch nicht versucht, Wale in eine bestimmte Richtung zu steuern. Mit anderen Worten: Das ist doch trial and error. Der Autor scheint sich aber am meisten dran zu stören, das Greenpeace nicht einbezogen wurde und jetzt ein blöder Millionär Geld gibt. Zwei Fragen: Wenn es klappen sollte, kann man sich dann nicht einfach freuen? Und wenn es nicht klappt, hat es soviel geschadet?

    In Deutschland wird relativ wenig gespendet von reichen Menschen, wenn ich dem Handelsblatt glauben darf. Wenn ich reich wäre, was ich leider oder zum Glück nicht bin, würde ich auch nicht spenden. Zumindest nicht in Deutschland. Es käme im Zweifel nur Einwände, Missgunst und Neid. Ein einfaches: Cool, dass der sein Geld dafür einsetzt, gibt es nicht.

    • @Strolch:

      Ich meine, der Wal hat bereits Wasser in der Lunge und atmet flach. Wenn er jetzt in tieferes Wasser geschleppt wird und nicht mehr genug Kraft hat, um zum Atmen aufzutauchen?



      Ich glaube, viele Leute, darunter auch ich, stören sich an dem Aktionismus bei dem einen Tier. Und grade die Schwurbler leugnen im Prinzip alles, was die Umwelt dieses Planeten erst zerstört. Anscheinend wurde der Wal verwirrt durch den zunehmend russischen Schiffsverkehr, hauptsächlich Öl und Gas. Dass der Klimawandel Tiere bedroht, ist auch schon lange bekannt. Gleichzeitig werden mit deutschen Waffen überall auf der Welt Konflikte ausgetragen. Hört man dazu was von den Wal-Fans? Nö.

      Der Millionär hätte sein Geld auch an Umweltschutzverbände spenden können. Oder Privatleuten die Sanierung ihres Hauses bezahlen. Stattdessen gibt er jetzt Geld, um EINEN (1) Wal zu retten. Und in den nächsten Urlaub fliegt er wieder mit Privatjet. Grade deswegen mögen die Leute keine Reichen. "Philantropie" ist leider meistens nicht mehr als Symbolpolitik.

      • @Klempschwester:

        Ich glaube das diese Person nun angegriffen wird geht hauptsächlich auf seine vier schlechten Attribute zurück. Die Person ist alt, weiß, männlich, reich. Das ist schonmal das erste.



        Was ich mich auch frage, warum hat vorher niemand versucht mit Luftkissen , oder diesem dänischen Katamaran den Wal zu bergen? Vielleicht wäre das vor einer Woche alles noch sinnvoller gewesen? Oder liegt es vielleicht daran das Greenpeace bei einem toten Wal bessere Chancen auf Spenden sieht? Das man den töten Wal besser ausschlachten kann. Ich glaube nicht das der technische Fortschritt in diesen Wochen soweit vorangekommen ist, das diese Hilfsmittel am Timmendorfer Strand noch nicht zur Verfügung standen.

  • Wal Ter Gunz und Frank Wal Ter Steinmeier... Und auch Mike Krüger hat sich geäußert: „Mein Gott Wal Ter"

  • Ich drücke dem Wal die Daumen, dass er überlebt. Und nicht sterbend im Tiefwasser ersäuft, weil man ihn mit Gewalt von seinem selbst gewählten Sterbeplatz im Flachwasser wegschafft.

  • Ich frage mich, wo diese "Empathie" - ich würde dieses Gefühl im Fall des Wals eher Sentimentalität und Kitsch (im Sinne Milan Kunderas) nennen - für Jene bleibt, die Tag für Tag verhungern, im Mittelmeer ertrinken oder in grausamen Kriegen sterben.

    Ich will damit wohlgemerkt nicht das Leid des Tiers kleinreden, aber ich will es ins Verhältnis setzen.

    • @Klabauta:

      Ich finde diese Vergleiche schief. Gabs hier auch mit Weidekühen, etc. Buckelwale sind nunmal eine sehr bedrohte Spezies. Natürlich zählt auch jedes Menschenleben und auch genereller Tierschutz ist wichtig.



      Es gibt über 8 Mrd Menschen und allein in Deutschland Millionen von Schlachtvieh. Aber nur etwa 120000 Buckelwale weltweit. Man könnte auch Sea-Shepperd vorwerfen, sich lieber um Menschen zu kümmern. Ist aber Quatsch. Es gibt viele Gründe, den Wahl zu retten und viel Gründe wo andes hinzuschauen. Die Wal Situation ist nunmal etwas eher Außergewöhnliches und in erster Linie ein Medienthema quer durch alle Gazetten/Nachrichten. Bringt eben Klicks. Auch die taz mischt dabei gehörig mit und seis mit solchen Artikeln hier.

      • @Deep South:

        " Natürlich zählt auch jedes Menschenleben und auch genereller Tierschutz ist wichtig."



        Nee: "Ein einzelner Todesfall ist eine Tragödie, eine Million Todesfälle sind eine Statistik." (Josef W. S.)

      • @Deep South:

        „Weltweit gibt es schätzungsweise zwischen 80.000 und über 140.000 Buckelwale. Nach dem Verbot des kommerziellen Walfangs 1986 haben sich die Bestände erholt, weshalb die Art heute als "nicht gefährdet" gilt."

        • @Thomas Böttcher:

          Na und jetzt? Wenn der Buckelwal mit 80 bis 140 Tausend Tieren nicht gefährdet ist, was soll dann irgendein Vergleich mit Menschen aussagen?

  • Nach dem Urlaub, den man in den Tropen auf der "Aida" verbracht hat und in dem man jeden Tag seine frischen Thunfisch-Teile verzehrt hat (man gönnt sich ja sonst nichts), und auf dem Rückweg einem kleinen Abstecher ins Alpincenter Bottrop inklusive Apres-Ski passte der Ausflug an die Ostsee zwecks Walbesichtigung ganz gut ins Programm. Die Protest-Schildchen waren schnell gemalt.



    Und natürlich ersetzt eine Viertelstunde Google-"Recherche" – wie immer – das jahrelange Studium der sogenannten "Fachleute".



    Bei der Gelegenheit noch ein paar Leuten, die es wagen, anderer Meinung zu sein, ordentlich per Social Media "den Marsch geblasen", und die Woche ist gerettet.

    Und ja, ich weiß, dass das flach war.



    Aber treffend.

  • Ähnlich viel Empathie für krebskranke Alleinerziehende, die GKV-versichert sind: das wäre der Turbo für die Reform des Gesundheitswesens

  • Dieser Kommentar ist an Uninformiertheit kaum zu überbieten. Ich komme aus Stuttgart - Stuttgart 21 - und habe gelernt, Experten und Gutachten zu misstrauen. Ohne Schaum vor dem Mund.



    Das Gutachten zur Nicht-Rettung des Wales ist nicht gerade das Beste, wenn der ungefähre Satz drin steht "Zum genauen Gesundheitszustand des Wales können wir nach wie vor nichts sagen" - einfach weil man sich nicht rantraut an das Tier. 17 Tage lang.



    Wer den ersten Tag des neuen Rettungsteams gestern im Livestream verfolgt hat, wie die mit dem Tier umgegangen sind, wie das reagiert hat auf die Menschen, der kann verstehen, dass Experten nicht gleich Experten sind.



    Sea Shepard Deutschland wird von seinem Gründer Paul Watson massiv für die Untätigkeit kritisiert. Sea Shepard D hat gestern sogar kritisiert, dass es kein neues Gutachten gibt, bevor die neue Rettung gestartet wird. Was ist nur aus Sea Shepard geworden....Greenpeace D keinen Deut besser.



    Wir zerstören und plündern die Ozeane und damit unsere Lebensgrundlage und die von Lebewesen wie dieser Buckelwal. Ein altruistisches Lebewesen, das anderen Lebewesen - Robben, Grauwalbabys - hilft. Dieser Wal hat ein Recht auf Leben, wie der Mensch.

    • @sujall:

      "Das Gutachten zur Nicht-Rettung des Wales ist nicht gerade das Beste,"

      Was genau qualifiziert Sie, die Qualität des Gutachtens überhaupt beurteilen zu können?

      "Wer den ersten Tag des neuen Rettungsteams gestern im Livestream verfolgt hat, wie die mit dem Tier umgegangen sind, wie das reagiert hat auf die Menschen, der kann verstehen, dass Experten nicht gleich Experten sind."

      Ja, das muss man einsehen. Der wahre Experte sitzt auf dem Schreibtischstuhl und verfolgt den Livestream.

    • @sujall:

      Grundsätzlich ja, und da können wir bei Seenetzen und anderem Plastik, Meerestemperatur, ... sicher an ganz vielem anpacken.

      Der Wal ist (wie der Mensch) dabei letztlich sterblich, da können wir fordern, was wir wollen. Betrachten wir vielleicht am besten weiterhin ganzheitlich unsere Biosphäre und lassen uns nicht mit wal-kürlichen Symbolaktionen aufwallen und für anderes ruhigstellen.

  • Ja und Nein!



    Das Thema habe ich nur am Rande verfolgt,



    es scheint aber auch noch Anderes zu passieren und das Sommerloch ist fern.



    Die Anfeindungen gegen Expert*Innen finde ich unterirdisch!



    Der Vergleich zu Corona liegt wirklich nahe.



    Andererseits ist meine Umweltsozialisation eng mit den Walen verknüpft.



    Schließlich waren die Greenpeace Aktivist*Innen die Helden meiner Jugend.



    Dass Menschen Sympathien für den Wal hegen ist sympathisch und zeigt, dass sie auch sozial sind und letztlich auch Umweltfreund*Innen.



    Wo sich diese positiven Aspekte derart verheddert haben, weiß ich nicht zu sagen.



    Ich wünsche dem Wal und den Wähler*Innen jedenfalls viel Glück.



    Persönlich wünsche ich mir, dass die berechtigte Sympathie mit der maritimen Verwandtschaft ein Grund ist, insgesamt pfleglicher mit der Umwelt umzugehen.



    Der Frühling zeigt so viele Schöne Aspekte der Natur, da muss doch irgendwann der Groschen fallen, dass das mit Beton und Schottergärten nicht funktioniert...

  • Miese Walpropaganda!

  • Klar kann und sollte man den Hype um „Timmy“ kritisieren, aber deshalb so abfällig über das Tier zu sprechen, wie es einige hier tun, wirkt verroht. Ebenso daneben ist die plumpe Rhetorik der selbsternannten Walrettungsunternehmerin und Ex-Pferdesportlerin mit Platitüden wie: „Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie“ oder „Besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende“ – für den Fall, dass der Wal bei der „Rettung“ stirbt. Dann sei das eben Natur, meint sie, und bewertet deren „Gesetze“ offenbar positiv. Umso unverständlicher, warum sie genau dagegen handelt und den natürlichen Sterbeprozess stört. Das erklärt sich wohl durch eine Haltung, die in ihrer anmaßenden Aussage deutlich wird: „Dieser Zustand ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich.“ Für ganz Deutschland? Geht's noch? Was mich betrifft: Ja, es ist schwer anzusehen. Aber den unausweichlichen, auch schmerzvollen Tod zu akzeptieren, gehört zum Respekt vor dem Leben. Wir erleben hier eine symbolische Handlung, die die Tabuisierung des Todes zeigt. Mit Tierliebe hat das nur vordergründig zu tun, hilft dem Wal nicht und könnte ihm sogar zusätzliches Leid zufügen.

    • @Peta Parka:

      Es gibt noch viele Menschen, die gerne mal Nachrichten über etwas Positives hören würden.



      Im Allgemeinen wächst der Pessimismusknochen im Gehirn leider krebsgeschwulstartig, daher greifen viele nach dem letzten Optimismusstrohhalm.

  • Ein gezieltes Einschläfern des Wals wäre die beste Lösung, vor allem für ihn.

    • @Der Cleo Patra:

      Klar. Geht nur nicht. Darüber wurde breit diskutiert

  • The world is burning und wir reden über einen Fisch.

    • @Friedel Castrop:

      Das ist defintiv sachlich falsch!

      • @Stinepizza :

        Das ist richtig.

      • @Stinepizza :

        Belegt aber die Richtigkeit der Pisastudie.

    • @Friedel Castrop:

      Der Wal ist zwar ein aquatisches (neues Wort, das ich heute gelernt habe) Säugetier - aber ansonsten gebe ich Ihnen recht.

  • Mit dem Rest der Biosphäre sich eins fühlen wäre schon weise, denn u.a. ohne den Rest könnten Menschen gar nicht leben.

    Ob mensch sich da ausgerechnet einen verpeilten/kranken Wal herauspicken sollte, für demonstrative Empathie-Bekundung, während der Rest weiterhin in der Klimaerwärmung etc. leidet, weiß ich freilich nicht so recht. Dann lieber damit einen russischen Erdölexporthafen blockieren o.ä.

  • Ich wünsche "Timmy" alles Gute, aber ich glaube nicht an einen Erfolg dieses Unternehmens. Im tieferen Wasser der Nordsee oder gar des Atlantiks kann er still ertrinken, und man muss ihm nicht mehr beim Sterben zusehen. Denn das ist wohl das eigentliche Problem. Da ist der Wal wirklich einer von uns, und uns kann man ja auch nicht in Frieden sterben lassen.

    • @Stinepizza :

      Wenn er im Atlantik stirbt, dann geht er wieder ein in den großen Kreislauf ein. Das ist in Ordnung. Sterben in einer 50 Zentimeter hohen Brackwasser-Pfütze mit anschließender Verwertung als Biodiesel und Enden als Skelett im Museum, ist nicht in Ordnung.

      • @sujall:

        Warum? Letzteres, meine ich? Bei den aufwallenden Emotionen und den dadurch zu erwartenden Besucherströmen kann ein klammes Naturkundemuseum mit dem Skelett über Jahre seinen Etat aufbessern. Und das Andenken an „Timmy“ würde auch bewahrt.

      • @sujall:

        Hmm. Der Unterschied ist primär, dass ersteres passiert. ohne dass die Öffentlichkeit dabei ist. Gibt's sonst noch substantielle Unterschiede?

        • @Kaboom:

          Ja die gibt es. Mit dem toten Wal kann eine NGO, die schon lange auf sein Ableben drängt tolle Bilder machen und zu spenden für sich selbst aufrufen