Sexistischer Waschzettel : Viel Baumwolle, noch mehr Sexismus
Der Pflegehinweis in einer neuen Markenhose empfiehlt: „Give it to your mom. It's her job.“ Geht's noch?
Foto: akg-images/picture alliance
M ein vierjähriger Sohn konfrontiert mich immer wieder mit gängigen Klischees: Rennautos, Feuerwehrkostüm, keine Mädchen zum Geburtstag. Dabei versuchen mein Mann und ich anderes vorzuleben: Er, Sozialarbeiter in Teilzeit, Hobbykoch, und ich, vollzeitarbeitend, verantwortlich für Finanz- und Versicherungsfragen, teilten uns die Elternzeit mehr als paritätisch: ich sechs Monate, er acht.
Zu unseren ersten Wünschen für unseren Sohn zählte eine Puppe und auch, wenn wir ihn nicht in „Mädchenkleidung“ angezogen haben, so doch ohne Dino- und Automuster, farbenfroh. Für einen Jungen. Seit der Krabbelgruppe begegnen uns aber die üblichen Stereotype: „Die flirten ja richtig, dabei hat sie (6 Monate) ja schon einen Freund.“ Und die pink-weiß-gestreifte Hose wurde schnell kategorisiert mit: „Das ist doch ausgewaschenes Rot.“ Ich hielt es nicht mehr aus.
Konterte, seine Geschlechtsmerkmale seien männlich, aber ob er ein Junge sei, wüssten wir ja noch gar nicht. So weit, so schlagfertig. Als nun neulich mein Mann die neue Markenhose wusch, sprang ihm der Waschzettel ins Auge: Give it to your mom – it’s her job! Das sind: 80 Prozent Baumwolle, 20 Prozent Polyester und 100 Prozent Sexismus. Keep away from fire? Fällt uns schwer und liegt nur am Preis. Designed in Denmark eben.
Spätestens in der Krippe hat unser Sohn verstanden, dass Jungen Autos lieben und auch mal ruppig sein dürfen oder müssen? Nur manchmal, da wird die Puppe im Buggy geschoben, wird der Erdbeerschlafanzug übergestreift, werden die rosa Gummistiefel selbstbewusst getragen. Wir wünschen uns mehr dieser vermeintlich mutigen Entscheidungen für unseren Sohn! Wir wünschen uns, dass dies zukünftig keinen Artikel mehr wert ist!
Und ganz zart wächst die Hoffnung, dass es tatsächlich Wirklichkeit werden könnte. Denn unter den heutigen Teenagern ist LGBTQI+ keine sperrige Abkürzung, kommt eine Geschlechtsangleichung tatsächlich im Freundeskreis vor, ist die beste Freundin eben lesbisch. Was soll’s? Also wacht auf, Modelabels dieser Welt!
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