piwik no script img

Plastiksteuer Union nimmt Gesundheit nicht so wichtig

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Plastik ist überall: Wir atmen, trinken und essen es, es lagert sich im Körper ab und macht krank. Eine Plastiksteuer lehnt die Union trotzdem ab.

D ie Legitimität des Staates liegt darin, seine Ein­woh­ne­r:in­nen zu schützen: vor militärischen Angriffen, vor rechtlicher Willkür, vorm Verhungern und Verelenden – und auch vor gesundheitlichen Schäden. Die Aufgabe einer Regierung ist, für all dies zu sorgen. So die Theorie.

In der Praxis sieht das oft anders aus, Gegenbeispiele gibt es genug. Ein jüngstes Beispiel: Der Unionsfraktionsvorsitzende Thorsten Frei ließ bei Welt TV verlauten, die Union trage den aktuellen Gesetzentwurf zur Plastiksteuer nicht mit. Den hatte der Bundesumweltminister Carsten Schneider, SPD, vor zwei Wochen vorgelegt. Dem Papier zufolge sollen ab Juli 2027 pro Tonne Kunststoffverpackungen 550 Euro Steuern anfallen. Das soll neues Geld in die Staatskasse spülen und für weniger Verbrauch von Plastik sorgen. Plastik ist überall, wir atmen es ein, nehmen es mit Wasser und Nahrung und über die Haut auf. Es reichert sich in unseren Körpern an, im Blut, in den Organen, im Gehirn. Immer mehr medizinische Studien weisen auf die gesundheitlichen Folgen hin, von Hormonstörungen und Unfruchtbarkeit bis hin zu Demenz und Krebs.

Natürlich bietet Plastik auch hygienische und damit gesundheitliche Vorteile – und bisweilen ist eine Plastikverpackung alternativlos, vor allem im medizinischen Bereich. Dennoch: Je mehr Plastik sich im Umlauf befindet, desto mehr landet in unseren Körpern. Eine Metastudie aus dem Jahr 2014 kam zu dem Schluss, dass sich bis 2040 die Freisetzung von Mikroplastik mehr als verdoppeln könnte. Das zeigt, wie dringend es eine Plastiksteuer braucht, um die Verwendung zumindest etwas einzudämmen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Union begründet ihre Ablehnung des aktuellen Gesetzentwurfs stattdessen mit hohen Kosten für die Industrie sowie mit einem Bürokratieaufwand, der das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht rechtfertigen würde. Sagen wir es doch deutlich: Den Uni­ons­po­li­ti­ke­r:in­nen ist der Gesundheitsschutz schlicht weniger wert als die Interessen von Unternehmen.

Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
Mehr zum Thema

52 Kommentare

  • Andreas Flaig

    Wir haben schon soviel Mikroplastik im Körper... jetzt auch noch Steuern dafür bezahlen??

    • Perkele

      @Andreas Flaig:

      Nö! Für die Plastikteilchen die Du schon im Körper hast wird nix fällig. Aber für den Nachschub sollen Steuern erhoben werden - was diesen Nachschub hoffentlich mindert....

      • Alex_der_Wunderer

        @Perkele:

        @ Perkele



        Aber in Rechnung stellen dürfen wir doch die Lagerhaltung der ungewollten Micro Plastikteilchen schon noch , oder ?

      • Andreas Flaig

        @Perkele:

        Danke für die Aufklärung, ich hab's eher ironisch gemeint.

        • Perkele

          @Andreas Flaig:

          Da gibt's nix zu Danken. ICH habe nicht aufgepasst und das ist meine Schusseligkeit. Sorry.

          • Andreas Flaig

            @Perkele:

            Kein Stress alles in Butter!

  • Sole Mio

    Die Plastiksteuer würde für die Umwelt nicht viel bringen. Lediglich vieles verteuern.

    Es müssten beispielsw. diverse Vorschriften überdacht werden.

    Im Einzelhandel werden Bockwürste, Wiener, Frankfurter… extra in Papier mit aufgeklebter Plastikfolie geklebt und dann nochmals in eine Papiertüte gesteckt. Muss das wirklich sein?

    Ich brauche im Normalfall keine Getränke in Plastikflaschen. Schon gar nicht in Einwegflaschen. Wieviele Millionen davon fallen täglich an?

    Und liest man mal nach, wie das „Recycling“ tatsächlich von statten geht und wie hoch die reelle Quote ist. Dann schüttelt man mit dem Kopf. Denn vieles ist nicht recycelbar.

    Sinn würde es machen, die Verpackung nach ihrer Recyclingfähigkeit zu besteuern. Oder lediglich noch Verpackungen zu erlauben die wirklich recycelt werden können!

    Das beste Mittel wäre, das sich jeder überlegt, wie er Plastik vermeiden kann.

    Wir sind zu Hause wieder komplett auf Glasflaschen umgestiegen. Ich sehe viele die sich die 6er Packung mit 1,5l Einwegflaschen kaufen, haben wir früher auch. Zu zweit sparen wir nun locker 1.000 solcher Flaschen jährlich ein.

    Es wäre nicht so schwer, man muss nur mitdenken. Stopp Bullshit!

    • Wirrwicht

      @Sole Mio:

      Wie werden die Glasflaschen nach Hause transportiert?

  • Querbeet

    Zuckersteuer, 400 Mio € p.a.,



    1.000 neue Beschäftige. Wenn das nix ist!

  • Querbeet

    Ach ja, es gäbe so viel Fehlverhalten, das man besteuern könnte. Da.müsste man mal eine Kommission dransetzen.



    Welche Möglichkeiten man da liegen lässt!

    • Alex_der_Wunderer

      @Querbeet:

      @ Querbeet



      👍👍& 👍👍&👍👍

  • Tom Farmer

    Mal die Begründung zum Gesetzestext lesen wäre hilfreich. Dort steht, dass es allein um Steuereinnahmen geht. Man rechnet sogar mit steigenden jährlichen Einnahmen, da man mit steigenden Mengen rechnet. Kurzum, das wirkt allein inflationssteigernd und wird an uns Bürger durchgereicht. Gesundheitsschutz war und ist kein Thema.



    Wenn man das gewollt hätte, helfen nur Verbote. Keine Scheindiskussionen à la "danke für nix" und die Regierung schlecht reden. Manno, die brauchen Kohle, so schwer zu verstehen? Lasst euch also nicht ablenken in den Argumenten!

  • Jürgen Meyer

    Wir haben bereits zwei solcher Abgaben: Auf Kunststoff-Verpackungen die DSD-Abgabe (Grüner Punkt) und auf Einwegprodukte die Abgabe für den Einweg-Kunststoff-Fonds. Nun noch eine dritte Abgabe für dasselbe?

    • Desti

      @Jürgen Meyer:

      Abgaben sind zweckgebunden.

      Steuern, egal, wie die Parteien sie bezeichnen oder begründen, verschwinden im allgemeinen Haushalt.

  • Nachtsonne

    Gerne auch eine Plastiksteuer. Aber bitte unter der Vorausetzung eine Entlastung des Steuerzahlers an anderer Stelle einschließlich der Kosten für den zusaetzlichen Verwaltungsaufwand.

  • Günter Witte

    Im Koalitionsvertrag der Schwarz/Roten Regierung war vereinbart das es keine Steuerhöhungen geben soll, dazu zählen sicherlich auch neue Steuern. Jetzt soll hier die Union zum x mal nachgeben, während die SPD bei jeder anderen vereinbarten Sache plötzlich wieder eine andere Meinung hat. Oder es liegt daran das Klingbeil als Finanzminister genauso fähig ist wie als Parteichef ...

    • Perkele

      @Günter Witte:

      Ja so ist es richtig: Wir wollen Bürokratieabbau und deswegen wird ein DRINGEND notwendiges Gesetz nicht verabschiedet. Warum? Weil es Verabredungen gibt, die (echt bürokratisch) allemal über den Interessen der Menschen und der Umwelt stehen. Und klar, die SPD ist Schuld - schade dass man die GRÜNEN hier nicht verantwortlich machen kann, gell?

      • MK

        @Perkele:

        Was soll im Interesse der Bevölkerung sein?



        Die Plastiksteuer ist zu niedrig um eine Lenkungsfunktion zu haben.



        Im Einzelfall werden Hersteller und Handel die Plastiksteuer nutzen, um darüber hinausgehende Preiserhöhungen zu verargumentieren.



        Aus der Erfahrung der Zuckersteuer wird das Finanzministerium zur Umsetzung 1000+ zusätzliche Planstellen einfordern.



        Sinnvoll davon sind nur die 1000+ Planstellen, aber nicht im Finanzministerium sondern bei Fraunhofer o.ä. die sich Plastikalternativen und deren Industrialisierung beschäftigen.

        • Perkele

          @MK:

          Dann muss die Plastiksteuer eben kräftig erhöht werden. Doch es ist allemal ein Anfang und jede Minderung dieses Drecks ist im Interesse der Menschen, das kann doch wohl ernsthaft nicht bestritten werden!

          • Günter Witte

            @Perkele:

            Das einzige was sich ändert ist das alle (verpackten) Produkte teurer werden weil der Handel die Erhöhung einfach weiter gibt. Also, als Ergebnis, das Leben wird für jeden teurer und die Müllberge wachsen weiter.

  • Mendou

    Die deutsche Linke hat die universelle Lösung für alle Probleme gefunden, eine extra Steuer! Aber gut, was bei Alkohol, Tabak und Autos funktioniert, wird zweifellos auch bei Zucker und Plastik wirken! Als nächstes kommt hoffentlich eine AfD, Social Media oder Telefonieren in der Bahn Steuer!

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Mendou:

      Eine AfD Steuer könnte man nach dem Schaden berechnen, den ihre Vorgänger angerichtet haben 😁

      Aber im Ernst. Nicht alle Linken wollen alles über Steuern regeln. Das ist hauptsächlich der links blinkende Teil des Bürgertums, weil auch dort hauptsächlich mit dem Kontoauszug gedacht wird.

    • Troll Eulenspiegel

      @Mendou:

      Die universelle Lösung für alle Probleme liegt in der Reduzierung und der Boykottierung des Konsums, nicht in der Versteuerung.

  • Philippo1000

    Danke für diesen Artikel!



    Die Idee der Plastikbesteuerung ist richtig,



    die Unionsargumentation als Belastung der Industrie kurzsichtig.



    Es ist ja nicht so, als gäbe es keine Alternativen zu Plastik.



    Betrachtet man den Joghurtbecher, ist ein Glas, das auch noch Mehrweg ist, z.B. eine gute, bestehende Alternative.



    Vor 1,2 Jahren wurden auch Äpfel in einer Schale, die nicht aus Plastik, sondern Papier aus Gras war, im normalen Supermarkt verkauft.



    Eine Idee, die in der Uni geboren wurde und zu den wenigen zählt, die umgesetzt wurden.



    Es gibt also nicht nur vorhandene Alternativen, sondern auch die Innovationskraft.



    Zu Plastik wird oft gegriffen, weil es " einfach billig" ist.



    Das ähnelt allerdings dem Problem des "billigen Atomstroms".



    Der Müll wird nicht einkalkuliert.



    Dafür soll dann nicht der Hersteller, sondern die Allgemeinheit zahlen.



    An dieser Stelle sollten sich vielleicht such mal Jene am Kopf kratzen, die meinen, "die Armen" würden wieder besonders belastet.



    Das Geld, dass Für Entsorgung und schon der Sammlung von Müll in der Natur ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle.



    Außerdem sind Menschen, die wenig Geld haben, nicht automatisch ökologische Analphabeten.

    • Theo Weyers

      @Philippo1000:

      Mit der Plastikbesteuerung erzwingt man potentiell umweltschädlichere und unsinnige Alternativen.



      Plastik ist ein Oberbegriff für Polyemere. Für Joghurtbecher wird überwiegend Polypropylen verwendet. Es gibt diverse Möglichkeiten diese nicht aus Erdöl, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen. Diese einfache Gleichsetzung Plastik = Böse ist wissenschaftlich einfach nur Unsinn.



      Glas ist potentiell ressourcenintensiver als Plastik. So ein Joghurtbecher aus Polypropylen wiegt ein paar Gramm, ein vergleichbares Glas eher 100g. Der Ressourcenverbrauch und Energieverbrauch für die Herstellung ist somit offensichtlich deutlich geringer. Das verdoppelt zudem leicht das Gewicht des Joghurts in seiner Verpackung mit Folgen wie erhöhtem Energieverbrauch für Transport und anderen Effekten wie Reifenabrieb. Bei Mehrweg muss das leere Glas zusätzlich wieder zurück gefahren und gereinigt werden. Pappe hat ein ähnliches Problem.

      • Hugo

        @Theo Weyers:

        Fürs Erste würds reichen, wenn des jetzige System soweit funktionieren würde, daß ein Joghurtbecher incl. Deckel wieder ein Joghurtbecher incl. Deckel wird. Beim Mehrwegglas ist des zu weit über 90% gegeben (die Etiketten und die Deckelbeschichtungen sind Einweg).

        • Comerade Aardvark

          @Hugo:

          Ja, das wäre schön! Aber sehr aufwändig, da das Recycling-Granulat geringere Qualität hat als frisches... unterm Strich ist Glas wahrscheinlich doch besser, auch inklusive aller Systemkosten.

  • Bolzkopf

    Mit der Gesundheit nicht,



    mit der Ehrlichkeit nicht,



    mit dem Wählervertrauen nicht,



    mit der Steuergerechtigkeit nicht.

    also was soll's ?

  • Theo Weyers

    „Die Abgabe soll ab Mitte 2027 erhoben werden und 550 Euro je Tonne Kunststoff betragen. Für einen zwei Gramm schweren Joghurtbecher mit Kartonmantel wären das 0,11 Cent pro Becher, für einen Margarinebecher 0,99 Cent, für eine eingeschweißte Gurke 0,17 Cent.“



    Wohlgemerkt Cent, nicht Euro. Die Abgabe ist so gering, dass es wenig Sinn machen würde, irgendwas zu ändern. Der Aufwand zur korrekten Besteuerung dürfte gleichzeitig immens sein. Das Argument der CDU zu Bürokratieaufwand und fehlendem Kosten-Nutzen-Verhältnis ist somit nachvollziehbar.



    Was sollte auch die Alternative sein? Beschichtete Pappe? Lässt sich gar nicht mehr recyclen. Glas? Extrem energieaufwändig beim Recycling und Transport.

    • Drehrummbumm

      @Theo Weyers:

      Dennoch ist Glas die bessere Alternative und Wahl, da dieses eben nicht riesige Müllberge verursacht und auch nicht in Mensch wie Tier in gesundheitlich bedenklichen Mengen zu finden ist.

    • Bolzkopf

      @Theo Weyers:

      Plastik lässt sich auch nicht mehr recyclen. z.B. wegen der Weichmacher. Kein Stück.

      Es landet nach wie vor in China, Indien, Pakistan, Mexico ... überall dort wie niemand hinschaut.

      Und wir Verbraucher zahlen uns dumm und dusselig für das "Recycling" ...

      • Comerade Aardvark

        @Bolzkopf:

        Es ist richtig, dass das DSD nicht so funktioniert wie es sollte und die sog. Recyclingquote geschönt ist - aber ganz so apokalyptisch wie sie es schildern, ist es nicht.



        Die Verunreinigungen des recycling-granulats vermindert die Nutzbarkeit, diese ist aber noch gegeben. Ein Beispiel: weltweit sind Eierverpackungen aus transparentem Kunststoff üblich. Erstellt man diese aus 100% Recyclat, so werden sie milchig (nicht so schlimm) und man benötigt etwas mehr Wandstärke, um die gleiche Stabilität des Produktes zu erzielen (schon eher ungünstig). Von Energieverbrauch her sind diese Verpackungen übrigens manchmal (je nach Energiequelle) "besser" als die in Deutschland üblichen aus Zellstoff, wobei aber bei Zellstoff eine recyclingquote von 100% im Ausgangsmaterial leichter zu halten ist.

      • Theo Weyers

        @Bolzkopf:

        Das ist technisch falsch. Plastik ist nur ein Oberbegriff für verschiedene Polymere. Verpackungen wie Joghurtbecher sind meistens aus Polypropylen, was sich hervorragend recyeln lässt.

        Das Problem ist, dass man den Plastikmüll lieber in andere Länder exportiert, wo er in die Umwelt gekippt wird, anstelle ihn in Europa zu recyclen oder zumindest zu verbrennen, was beim Gewicht eines Joghurtbechers auch keine nennenswerte Menge CO2 verursacht.

        • Herma Huhn

          @Theo Weyers:

          Das Problem ist, dass jeder Hersteller seine eigene Mixtur von Superplastik auf den Markt wirft und die RecycleFirmen keine Chance haben, die verschiedenen Sorten auseinanderzuhalten. PET Flaschen, die dank Flaschenpfand sortenrein gesammelt werden, sind prima in der Wiederverwertung. Gelbe Säcke, die mit zehn verschiedenen nicht gekennzeichneten Plastikvarianten gefüllt sind, sind anders als termisch nicht mehr verwertbar, es sei denn, Sie setzen jemanden dran, der die Jogurtbecher von Hand aus dem Müll raussucht.



          Der Export dient angeblich genau dieser Sortierung, wird dann aber halt doch nicht immer vorgenommen.

          • Theo Weyers

            @Herma Huhn:

            Die Verpackungen sind normalerweise eine reine Sorte. Die steht sogar drauf, z.b. PP für Polypropylen. Es gibt Verfahren um unterschiedliche Kunststoffe automatisiert zu trennen.

            „49Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle aus der Gelben Tonne bzw. dem Gelben Sack (inklusive lokal spezifischer Sammelsysteme) werden recycelt. “



            www.nabu.de/umwelt...cycling/21113.html

            Selbst wenn man die Verpackungen verbrennt, kann das durchaus umweltfreundlicher sein. Bei einem Joghurtbecher mit einem Gewicht von 2g enstehen bei der Verbrennung ca. 4g CO2. Verfüllt man den Joghurt beispielsweise in ein Glas, das 100g wiegt, muss man diese 100g durch die Gegend fahren, hat zusätzlich einen Energieverbrauch für die Reinigung und muss hin und wieder neues Glas herstellen was extrem energieaufwändig ist. Es kann sein, dass Glas am Ende umweltfreundlicher ist, es kann auch sein, dass es die Umwelt tatsächlich mehr belastet. Das sollte man genauer betrachten und nicht einfach Plastik=böse per Gesetz festlegen.

  • Christoph

    Warum geht es hierzulande immer nur mit Steuern?



    Man könnte auch einfach den Einsatz von Plastik in vielen Bereichen schlicht verbieten. Es riecht so immer danach, als wollte sich der Staat vor allem bereichern.



    Der Gesundheitseffekt schein nur vorgeschoben.



    Wenn es der Politik um unsere Gesundheit ginge, würde ein Verbot angestrebt werden.



    Und alle würden es akzeptieren

    • Herma Huhn

      @ Christoph:

      Weil bei einem Plastikverbot die Industrie noch viel lauter jammern würde und tausend Ausnahmen verlangen würden, weil hier an dieser Stelle ist doch ausnahmsweise Plastik doch irgendwie besser als kein Plastik.



      Das kann die Politik gar nicht allein entscheiden, wo ein Plastikverbot angemessen wäre und wo eine Ausnahme tatsächlich sinnvoll ist.

    • Alex_der_Wunderer

      @ Christoph:

      @ Christoph



      Wann kommt endlich die Steuer für Navi, PC, Laptops, Smartphone & Co ?, irgendwie pennen unsere Parlamentarier doch scheinbar nur noch in ihrem Bundetag, wa

  • Astrid Sehnefeld

    "Plastik ist überall: Wir atmen, trinken und essen es, es lagert sich im Körper ab und macht krank. Eine Plastiksteuer lehnt die Union trotzdem ab"



    Und das ist richtig so!



    Jedes Jahr gelangen 8 bis 14 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere - der WWF schätzt sogar bis zu 20 Millionen Tonnen.



    Der direkte Anteil Europas am Eintrag von Plastikmüll in die Weltmeere ist mit unter 1 % (geschätzt 0,3-0,8 %) sehr gering.



    Auch Nordamerika (5%), Südamerika (6%) und Afrika (8%) tragen wenig zur Plastikverschmutzung bei.



    Der Elefant im Raum heißt Asien!



    Asien und insbesondere die Flussmündungen Südostasiens sind für 80% der Plastikeintragungen in die Weltmeere verantwortlich.



    Müllentsorgung, Kanalisationsnetze und Deponiesysteme sind in europäischen Ländern im globalen Vergleich hervorragend ausgebaut und reguliert.



    Es macht keinen Sinn Europäer noch stärker zu gängeln. Stattdessen muss massiv Druck auf die asiatischen Staaten ausgeübt werden.



    Unsere Kinder müssen sich mittlerweile mit Papierstrohhalmen abquälen, während anderswo auf der Welt nicht mal eine Müllabfuhr existiert.



    Investitionen in Müllentsorgung, Recycling und Kanalisation für Entwicklungsländer wäre hundertmal effektiver.

    • PartyChampignons

      @Astrid Sehnefeld:

      Asien ist ein großes Problem das ist richtig, sie blenden dabei aber völlig aus, dass jedes Jahr riesige Mengen des Europäischen Plastikmülls nach Asien exportiert werden, angeblich zum recycling, was aber erwiesenermaßen oft nicht der Fall ist. Außerdem lassen wir so ziemlich alles für den alltäglichen Gebrauch in China produzieren , was natürlich ebenfalls Müll erzeugt, der aber eigentlich auf unsere Kappe geht. Hier vom tollen Europa mit seiner vorbildlichen Müllentsorgung zu reden ist also nur eine Halbwahrheit, da wir unseren Müll einfach outsourcen....

      • Astrid Sehnefeld

        @PartyChampignons:

        Drum schrieb ich ja, wir müssten in Müllentsorgung, Recycling und Kanalisation in Asien investieren.



        Genauso wie man in 'saubere' Bergwerke in Afrika investieren müsste, um die Rohstoffe für e-Autos 'sauber' gewinnen zu können, damit die Dinger in der Gesamtrechnung auch sauberer werden als Verbrenner.



        Von mir kann auch ein Exportverbot für Plastikmüll her, damit das Zeug hier ordentlich aufgearbeitet wird.



        Nur wie gesagt, eine weitere Gängelung der Bürger ist sinnfrei.



        Plastik ist nicht das Problem - der Umgang mit Plastik außerhalb Europas und im speziellen in Asien, DASS ist das Problem.

  • Deep South

    Ich wäre prinzipiell dafür, alternative Verpackungen zu fördern und weg von zuviel Plastik zu kommen. Nur scheint die einzige Idee, die Manche haben, eine neue Steuer zu sein. Überall, bei jedem Thema.



    Wenn man ehrlich ist gehts bei Steuern meist darum: "Das soll neues Geld in die Staatskasse spülen". Am Ende zahlts immer der Verbraucher und weh tuts nur denen, die wenig haben. Und das ist eben auch, wie Politik von Vielen wahrgenommen wird.



    Bei Lebensmitteln könnte man auch die gesunden weniger besteuern und so günstiger machen. Man könnte im Einzelhandel vorschreiben, dass Papiertüten und Mehrwegbeutel günstiger sind als Plastiktüten. Spült aber eben kein Geld in die Staatskasse.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Deep South:

      An einigen Stellen könnte man Plastik auch einfach verbieten. Mir erschießt sich z.B. nicht, warum es erlaubt ist, dass ein großer Einzelhändler zwei Bio (!) Zucchini mit einer Banderole mit Kunststoffanteil zusammen schürt. Das ist völliger Unfug. Überhaupt ist es nicht selten so, dass gerade Bio in Plastik verpackt wird.

      • Deep South

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Seh ich auch so. Eingeschweißte Bananen oder Gurken gabs früher auch nicht. Wenns vornehmlich um Plastikbeschränkungen gehen würde, wäre sowas längst wieder weg.

    • Orten

      @Deep South:

      Ihr Vorschlag würde bedeuten, daß die Einnahmen des Staates sinken. Da sollten Sie aber auch Vorschläge machen, wo genau so viel Geld eingespart werden kann.



      Eine Marktwirtschaft ist nun mal auf Wachstum ausgelegt. Alles muß immer mehr und teurer werden, sonst funktioniert das System nicht mehr. Daß dies ein Irrweg ist, haben Viele noch nicht verstanden.



      Steuern zu erheben, kann eine lenkende Wirkung haben. Wenn Plastikverpackungen im Vergleich zu Alternativen teuer sind, wird sich die Marktwirtschaft umstellen.



      Ich würde sogar soweit gehen eine 500-1000% Steuer (das müssten Fachleute mal durchrechnen, wann der gewünschte Effekt eintritt) auf alle neu produzierten oder eingeführten Rohstoffe zu erheben. Das würde einen Boom bei Recycling und Reparaturen auslösen, und Innovationen zum Rohstoffsparen freisetzen.



      Im Zuge dessen würden dann auch Lebensmittel, die mit weniger Materialeinsatz hergestellt werden günstiger sein, als welche mit hohem Maschineneinsatz und weiten Transportwegen. Maschinen und LKWs müssen schliesslich auch mit Rohstoffen produziert werden. Oder man baut diese extrem Rohstoffarm oder leicht recyclebar.

      • Deep South

        @Orten:

        Die Steuereinnahmen steigen seit etlichen Jahren und gleichzeitig wird immer mehr Geld für Verwaltung ausgegeben. Die Frage ist, gehts hier um Plastikvermeidung, um Gesundheitsförderung oder darum, den Wasserkopf stetig zu erweitern? Da muss man gar nicht die Systemfrage stellen, um zu erkennen, wie vorgeschoben so manche Begründung für Steuern ist.

      • Walterismus

        @Orten:

        Also sollen immer weiter Steuern erhoben werden, bis der Steuerzahler selber nichts mehr hat, damit der Staat stabile Steuereinnahmen hat?



        Der Staat verzeichnet jedes Jahr Rekordsteuereinnahmen, also von Sinken kann keine Rede sein.

        Der Staat kann auch mal etwas zurück geben. Deep South hat Recht, der Staat könnte es auch mal umgekehrt machen und Lenkungswirkung durch Steuersenkung verursachen. Dadurch hätten die Menschen mehr in der Tasche und die Lenkungswirkung wäre da.

        Der Staat muss endlich seine Ausgaben in den Griff bekommen und andere Ideen als Steuern und Abgaben entwickeln. Das ist der Brandbeschleuniger der die Menschen zur AfD treibt.

    • Herma Huhn

      @Deep South:

      Das Problem mit anderen Ideen ist, dass sie unglaublich schwierig umzusetzen sind.



      Die Plastiktüten im Einzelhandel machen vielleicht ein Prozent des Plastikmülls aus. Vermeidbarer sind zum Beispiel Plastikverpackungen für Dreierpacks, oder doppelte Umverpackungen, Einzelportionen und so weiter.



      Zum einen haben Sie recht, dass eine solche Steuer besonders die günstigen Lebensmittel treffen würde. Zum anderen ist aber ja das Ziel, die unnötigen Verpackungen zu reduzieren, da ist ja gerade bei günstigen Produkten die Motivation auch am höchsten, eine neue Steuer zu vermeiden. Das Geld in der Staatskasse käme am Ende also doch nichtvon denen, die am wenigsten haben, sondern von denen, die es am wenigsten juckt.



      Wenn der Staat dagegen aktiv eine andere Verpackung fördert,statt Plastik zu besteuern, kann das auch sehr nach hinten losgehen, weil dann vielleicht, um die Förderung abzusahnen Dinge verpackt werden, die vorher ohne Verpackung auskamen. Alles schon gesehen.

      • Deep South

        @Herma Huhn:

        Na ich glaub schon, dass ein Prozent weniger Plastikmüll etwas ausmachen würde. Und natürlich muss das in ein Konzept eingearbeitet sein. Man hat bei Umverpackungen, Einwegbesteck, Kaffebechern, etc. Veränderungen durchsetzen können. In Tübingen muss jedes Fastfood/To g eine Gebühr auf seine Produkte aufschöagen , es sei denn, es werden Mehrwegverpackungen angeboten. Es gibt immer Wege, ohne den Menschen zwangsläufig in die Taschen zu greifen.

      • Walterismus

        @Herma Huhn:

        "Wenn der Staat dagegen aktiv eine andere Verpackung fördert,statt Plastik zu besteuern, kann das auch sehr nach hinten losgehen, weil dann vielleicht, um die Förderung abzusahnen Dinge verpackt werden, die vorher ohne Verpackung auskamen. Alles schon gesehen."

        Das macht keinen Sinn, denn trotz Förderung würde so etwas für die Unternehmen Kosten verursachen ohne Mehrwert, denn eine etwaige Förderung würde würde nicht die gesamten Kosten abdecken. Nein das macht wirtschaftlich keinen Sinn.

        • Herma Huhn

          @Walterismus:

          Wenn auf der Verpackung dann werbewirksame Sprüche angebracht werden können, werden es Marketingleute schaffen der dank Förderung fast kostenlosen Verpackung einen Mehrwert zu attestieren.



          Im Marketing passiert vieles, was wirtschaftlich keinen Sinn ergibt. Ich würde also nicht drauf wetten, dass es nicht so rum kommen würde. Es werden jetzt schon Zahnpastatuben in Pappschachteln gesteckt.

  • Vic Merz

    Ah, da hat die 'Union' Gründe (Lobby)...



    Ein Schelm wer da ... !