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Pläne zur Zuckersteuer auf Getränke Steilvorlage für die Zuckerlobby

Kommentar von

Jost Maurin

Auch wenn Finanzminister Klingbeil teilweise zurückrudert: Die wohl geplante Ausdehnung der Zuckersteuer auf mehr Getränke würde nach hinten losgehen.

D as Bundesfinanzministerium hat dem sinnvollen Anliegen einer Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke einen Bärendienst erwiesen. Die von SPD-Chef Lars Klingbeil geleitete Behörde lieferte in einem Eckpunktepapier den Gegnern der Abgabe eine wahre Steilvorlage: Denn das Papier ist in sich nicht schlüssig, es verstößt gegen die Beschlusslage der Koalition und provoziert Widerspruch, der das gesamte Projekt gefährdet.

Das Kabinett hatte nur beschlossen, „eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke einzuführen“. Die Reformkommission zur gesetzlichen Krankenversicherung („Finanzkommission Gesundheit“) hatte genau das empfohlen. Also für Limonaden oder Softdrinks, von denen schon eine Flasche ein Vielfaches der empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten kann. Modellrechnungen prognostizieren bei Einführung einer solchen Steuer zum Beispiel pro Jahr mehrere tausend weniger neue Fälle von Typ-2-Diabetes.

Doch das Eckpunktepapier wollte etwa auch Fruchtnektar, Kaffee-, Milch- und pflanzliche Getreidedrinks mit der neuen Steuer belegen, wenn sie mindestens 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten.

100-prozentiger Fruchtsaft soll von der Zuckersteuer ausgenommen werden, weil er anders als Softdrinks wertvolle Nährstoffe wie Vitamine liefert. Wenn diese Säfte aber mit Wasser zu einer Schorle verdünnt werden, könnte die Steuer sie eventuell doch erfassen.

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Immerhin hat Klingbeil einen Tag nach Bekanntwerden des Papiers einen der Eckpunkte kassiert: Getränke mit Süßstoffen sollen doch nicht der Zuckersteuer unterliegen. Verbraucherschützer würden zwar auch gern Cola Zero und Co besteuert wissen, damit die Menschen sich nicht an sehr süße Getränke gewöhnen.

Eine Ausweitung bedroht die Kernidee

Doch dann würde eben eine Zuckersteuer für Produkte ohne Zucker fällig. Das lässt sich schwer kommunizieren – und wäre in einer Koalition mit der Union derzeit nicht durchsetzbar. In der Folge hat zum Beispiel Hessens CDU-Ministerpräsident Boris Rhein die Zuckersteuer insgesamt abgelehnt.

Mit solchen Reaktionen musste auch das Finanzministerium rechnen. Klingbeil kann sich nicht damit herausreden, dass das Eckpunktepapier „intern“ gewesen sei. Schließlich hat sein Ministerium es schon beispielsweise an das Agrarressort geschickt, das die Abgabe von Anfang an abgelehnt hatte. Deshalb ist diese Frage nicht ganz abwegig: Wollte das oft sehr wirtschaftsnahe Finanzministerium die Zuckersteuer durch eine absurde Vorlage sabotieren?

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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59 Kommentare

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  • Alex_der_Wunderer

    ZUCKERSTEUR ? Opa hätte jetzt wieder gesaaacht, als die Mauer zum Osten noch heile war : " Wat Jung, die Zuckersteuer willste nicht, geh doch rüber ! " - WIE Helmut Kohl dann die Mauer geöffnet hat, bekam Opachen fast ne'n Schlag und meine : Wat jetzt brauchst ja gar nicht rüber gehen, mein Jung "



    Dat war' n noch Zeiten, was - liebe Mitforisten.

  • DerBlondeHans

    Wann kommt die Kein-Zucker-Steuer, um damit den steuerflüchtigen Getränken wie Mineralwasser beizukommen?

  • Querbeet

    Hm. Warum eigentlich nur auf Getränke? Und warum besteuert man nicht das Rohprodukt Zucker? Wenn man schon meint, es wäre nötig.

  • Querbeet

    Ich liebe paternalistische Erziehungssteuern.



    Treffen wird sie mal wieder vorrangig den ärmeren Teil der Bevölkerung.

  • Deep South

    "Doch das Eckpunktepapier wollte etwa auch Fruchtnektar, Kaffee-, Milch- und pflanzliche Getreidedrinks mit der neuen Steuer belegen.....Wenn diese Säfte aber mit Wasser zu einer Schorle verdünnt werden, könnte die Steuer sie eventuell doch erfassen."

    Ja weils hier von vorn herein nur um Steuereinnahmen ging und nicht um die -sicher sinnnvolle Besteuerung- gesindheitschädlicher Produkte. Die Zuckersteuer hat man rausgeholt, just als man die Finanzierungslücken bei den gesetzlichen Krankenkassen festgfestellt hat. Und das obwohl som eine Steuer im Vorfeld der Koalition ausgeschlossen wurde. Auf einem Unions-Parteitag aus dem Frühjahr sogar ganz explizit.



    Es gibt sicher gute Gründe für eine Zuckersteuer und wenn man dafür gesunde Produkte, Obst/Gemüse/zuckerfreie Getränke/etc. günstiger machen würde, würd ich mich gar nicht aufregen. Aber wie dreist hier versucht wird, irgendwo her Kohle aufzutreiben und dabei den Gesundheitsschutz vorzuschieben, ist schon beachtlich. Und ebenso, wieviel Menschen das nicht sehen wollen. Da macht macht man lieber ne wilde Verschwörungstheorie einer klammheimlichen Selbstsabotage auf. Kannste dir nicht ausdenken.

    • rero

      @Deep South:

      Das ist ja meist der Punkt: Statt Ungesundes teurer zu machen, könnte man auch Gesundes billiger machen.

      Man generiert nur dann nicht mehr Einnahmen.

      Letzteres mögen aber alle, die regieren.

      Der Lobbyismus sorgt dann dafür, dass es absurd wird.

      Das Argument, dass wohl Zuckeraustauschstoffe auch nicht alle gesund sind, ist ja nicht völlig von der Hand zu weisen.

      Nur begibt man sich so der Lenkungswirkung.

      Letztendlich ist die politische Position „Wir machen es, weil mir dadurch das Haushaltsloch kleiner machen können.“ ethisch in Ordnung, finde ich.

      Nur darf man sich dann halt nicht im Lobbyismus verheddern.

      „Kannste dir nicht ausdenken.“ trifft es.

      Wäre ein Thema, was man in einer Volksabstimmung zur Wahl stellen sollte.

      Eine Regierung kann hier nur zweiter Sieger sein.

      Merz persönlich wird es egal sein, ob Süßstoff nun mitgesteuert wird oder nicht.

  • Andreas Flaig

    de.wikipedia.org/w...steuer?wprov=sfla1

    Sehr interessant wie das Thema weltweit behandelt wird.

    • Alex_der_Wunderer

      @Andreas Flaig:

      @ Andrea Flaig



      Perfekter Link 👍👍

  • Troll Eulenspiegel

    Ist noch keinem in den Sinn gekommen, einfach zuckerlose Produkte anzubieten? Kein Zucker im Keks, keiner in der Limo? Auch nicht als Ersatzstoff?

    Mineralwasser ist auch ein Kassenschlager geworden.

    • Machiavelli

      @Troll Eulenspiegel:

      Sie brauchen oft Zucker als Bindestoff und auch bei der Haltabarkeit hilft es. Eine Limo ohne Zucker gibt es schon nennt sich Saft.

  • MK

    Ich halte den letzen Satz für sehr weit hergezogen. Man sollte sich eher an Hanlons Rasiermesser erinnern:



    „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend zu erklären ist“.

    • Offebacher

      @MK:

      Vielen Dank für diesen Satz, den muss ich mir merken.

    • rero

      @MK:

      Den Satz kannte ich noch nicht.

      Danke!

    • Hugo

      @MK:

      Jost Maurin hat da wohl auf das Modell von Ockham gesetzt *lol*. Bin da auf dessen Seite, des riecht schon stark nach abgesprochen.

  • DerzuWirDuEs

    Vielleicht war es nicht die Sabotage, sondern mehr der Zuckerlobby die Angst zu nehmen, was das Finanzministerium damit bezwecken wollte.



    Werden alle Getränke besteuert, werden alle gleichermaßen teurer und der Kunde greift dann doch zur Zuckerlimo 🤷🏼‍♀️

  • Dirk Christoph Lubien

    Ach schön, der Staat belohnt also finanziell, auf potenziell krebserregende Zucke-Ersatzstoffe zu setzen. Naja, wenn irgendwem an der Gesundheit insbesondere auch weniger finanzstarker bevölkerungsteile gelegen wäre, würde man ja auch auf preiswerte Schwimmbäder setzen.

    • Glimmlampe

      @Dirk Christoph Lubien:

      Sorry, aber das immer der Unfug eingezogen werden muss...



      Ja, Süßstoffe können potentiell krebserregend sein .. nur sind die Grenzwerte so dass man dazu regelmäßig täglich irgendwas um die 30 Dosen trinken müsste. Und dann erreicht man nur den Grenzwert, der ist aber um einen Faktor 100 (oder wars 1000?) niedriger als tatsächlich kritische Werte.



      Zucker steht aber auch in Zusammenhang mit Krebs, das vergessen die Süßstoff Verteufler dann wieder

  • echt jetzt

    Das hat System: Tabaksteuer auf E-Liquids für E-Zigaretten ist genauso sinnfrei. Zumal die nicht an Jugendliche verkauft werden dürfen. Da greift nicht mal das Thema Jugendschutz.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @echt jetzt:

      Wieso soll das sinnfrei sein? das Zeug ist auch gesundheitsschädlich und belastet die Kassen. Stinken tut es auch genau so.

      • Comerade Aardvark

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Nein, stinknnixht genau so, sondern anders. Insgesamt weniger schlimm als früher der Rauch...

    • DerzuWirDuEs

      @echt jetzt:

      Versteh deinen Einwand nicht. Man könnte das ganze auch Nikotinsteuer nennen 🤷🏼‍♀️ aber in dem Fall macht es doch deutlich mehr Sinn 🤔

  • FtznFrtz

    Natürlich komplett widersinnig, es sei denn man sucht irgendeinen Steuertatbestand. Genauso könnte man das Atmen oder die Benutzung der Toilette besteuern. Die Steuerungswirkung jedenfalls ist völlig obsolet.

    • sociajizzm

      @FtznFrtz:

      GB zeigt eine solche Steuer senkt den Zuckergehalt der Geräte.

      Eine hohe Tabaksteuer reduziert Anzahl neuer Konsument:innen.

      Steuern haben eben auch eine lenkede Wirkung. Heißt ja auch Steuer, nicht Teuer.

    • Janix

      @FtznFrtz:

      Ohne O2 geht's gar nicht. Ohne Toilette lieber nicht.



      Ohne Zuckerzusatz schon.



      Wir haben derzeit in so viel derart viel Zucker dabei (ist billig), dass eine Steuer hier auch steuern sollte und könnte.



      Wo Rauchen und Alkohol hinuntergehen, ist Zucker/Süßstoff (plus Beweungsarmut) leider das nächste Thema. Auch in anderen Ländern bereits zu sehen.

      • Wirrwicht

        @Janix:

        Wobei Zucker in Getränken schon witzig ist, um den Gehalt zu senken kann einfach mit Wasser aufgefüllt werden, billiger geht es für die Unternehmen eigentlich nicht. Das wäre bei Schokolade z.b. schon anders, wenn die Masse konstant bleiben soll.

      • FtznFrtz

        @Janix:

        Schon klar, ich bin ja auch dafür, stark zuckerhaltige Getränke höher zu besteuern, aber 4,5 Gramm ist doch eine arg niedrige Grenze, es riecht nach Säckel vollmachen.



        Zum Vergleich: die originale Coca Cola hat 27 Gramm, da macht die Besteuerung durchaus Sinn.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @FtznFrtz:

      Atmen kann man nicht vermeiden. Den Gang zur Toilette auch nicht wirklich.

      Zucker kann man vermeiden.

      • FtznFrtz

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Dosis macht wie immer das Gift, wenn Sie so total denken können Sie eigentlich alles ausßer Wasser besteuern. Die Grenze von 4,5 Gramm ist zu niedrig.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @FtznFrtz:

          Was hat das mit der Dosis zu tun? Wenig Zuckerkonsum = wenig Steuer.

          Und besteuert wird alles Mögliche. Überall auf der Welt. Also warum nicht Zucker?

          Und warum soll die Grenze von 4,5g zu niedrig sein? Liegt zufällig das eigene Lieblingsgetränk leicht drüber?

          Richtig wäre es Zucker direkt zu besteuern. Dann würde man alles erwischen, wo er drin ist.

          Und um Irrtümern vorzubeugen. Ich esse gern Süßes.

          • FtznFrtz

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Nur noch mal so zur Erinnerung, der Körper braucht auch Kohlenhydrate, diese sind ein wichtiger Bestandteil der Ernährung, im Gegensatz zu Alkohol oder Nikotin.



            Mein Lieblingsgetränk, das ich aber in Maßen zu mir nehme ist Bier, sauungesund aber lecker. Da würde ich noch einige Preisstufen mitgehen.



            Es geht ja um den übermäßigen Konsum von Zucker, nicht um Nocarb in allen Lebenslagen. Wenn also nur noch ein Bruchteil des heutigen Zuckers in Cola, Limo usw. wären sehen ich keinen anderen Grund, das Zeug zu besteuern außer den Haushalt.

            • sàmi2

              @FtznFrtz:

              Sie würden aber doch sicher zustimmen, dass zur Deckung des Bedarfs an Kohlenhydraten der Konsum von Zucker nicht erforderlich ist. Also muss die Steuer nicht den steuerfreien Konsum irgendeiner Mindestmenge zugesetzten Zuckers ermöglichen. Um die Steuerungswirkung zu erreichen, dass möglichst wenig Zucker konsumiert wird, finde ich die direkte Besteuerung von Zucker genau richtig. Er wird ja auch u.a. deshalb überall zugesetzt, weil er so wenig kostet. Und wenn damit Geld eingenommen wird, kann man damit von mir aus Sport, Ernährungskurse, Psychoedukation etc. fördern. Ich sehe es eher so wie der Autor. Wenn Klingbeil wirklich Geld einnehmen wollte, hätte er es so eingefädelt, dass es klappt. Er will die Steuer(ung) nicht, weil er mit Leuten gesprochen hat, deren Geschäftsmodell Zucker braucht.

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @FtznFrtz:

              "Wenn also nur noch ein Bruchteil des heutigen Zuckers in Cola, Limo usw. wären..."

              Ist aber nicht so.

              Kohlenhydrate kann man übrigens auch anders zu sich nehmen. Hat man bis zur Entdeckung des Zuckers auch gemacht.



              Heute haben wir das Problem, dass die Industrie das billige Zeug überall in großen Mengen reinschüttet. Auch da wo man es nicht vermutet. Appelle bringen offenbar nichts. Also geht das Gesetz nicht weit genug. Es kann nur ein erster Schritt sein.

          • Sonderzeichen

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Ja, über eine allgemeine Zuckersteuer sollte man tatsächlich nachdenken.



            Bei vielen Produkten stört es mich wirklich, dass dort immer mehr Zucker reingepanscht wird.



            Vor 2 Jahren konnte ich noch Ketchup mit 8g Zucker kaufen. Heute finde ich nichts mehr unter 14-15g Zuckeranteil in der Rezeptur. Zumindest nicht in einem durchschnittlichen Supermarkt. Warum?



            Zucker ist halt (zu) billig. Und macht süchtig.



            Doppelplus für die Lebensmittelindustrie.



            Die Menschen macht es krank.

  • Sonntagssegler

    Bei genauem Hinsehen fällt auf, das die Regierung als Erstes die Einnahmen aus der Zuckersteuer verplant hat.



    Damit steht dann auch nicht die Gesundheitsförderung im Vordergrund.

    • EffeJoSiebenZwo

      @Sonntagssegler:

      Diese Steuer wird wie jede andere Steuer Teil der Staatseinnahmen , die in Gänze zur Finanzierung der Staatsausgaben verwendet wird, und das im Rahmen der Finanz-/Haushaltsplanung. Da wird nichts ‚als Erstes‘ verplant. Es geht halt als zusätzliche Mittel in die Planung mit ein.

      Steuern haben idR immer zwei Wirkungen: eine fiskalische (also die Einnahmen) und die Steuerungswirkung. Welche von beiden Seiten dem Staat wichtiger ist, darüber lässt natürlich trefflich streiten.

    • rero

      @Sonntagssegler:

      Der Lobbyismus tut dann sein Übriges.

    • Janix

      @Sonntagssegler:

      Wenn die Steuer greift, sind die Einnahmen geringer.

      Der CDU musste über ihre ungesunde Steuer-Verstopfung irgendwie rüber geholfen werden. Die Steuer ist eigentlich auch so fällig, UK zeigt es.

  • Metallkopf

    Wie kann man so eine einfache Nummer eigentlich vergeigen? Man kann natürlich auch dagegen sein, aber warum nicht einfach alles an Geträbken, was hinzugefügten Zucker (Saccharose, Fructose, Glukose, Maltose; Laktose) oder zugesetzte, zuckerhaltige Stoffe (Agavendicksaft, Maissirup, etc.) enthält, fällt drunter. Ausnahmen (auch in der Verwendung als Mischzusatz): Fruchtsaft und Konzentrat, auch in Mischung mit Wasser, Milch, Getreidedrinks. Fertig ist die Laube.

    Einfacher Merksatz: "Kippt ein Panscher Zucker rein, fährt der Staat die Steuer ein."

    Und ansonsten: Lasst die Verbraucher sich doch selbst schützen. Die Menschen sind - entgegen anderslautenden Gerüchten - überwiegend keine Idioten. Wer täglich 1,5l Cola und mehr trinkt, und das auch seinen Kindern gestattet, hat ohnehin andere Probleme, als die Zuckersteuer. Diese Menschen wird man im Übrigen auch nicht mit der Zuckersteuer davon abbringen, sich schlecht zu ernähren, die teuren Pfanddosen im Gebüsch zu entsorgen, oder sich sonstwie unklug zu verhalten.

    • DerzuWirDuEs

      @Metallkopf:

      Dann heißt es irgendwann "Siehst du Helmut, die geben ihr Geld wieder nur für Limo aus."

      • Metallkopf

        @DerzuWirDuEs:

        Wenn dem aber nunmal statistisch signifikant so ist, dann ist diese Aussage vielleicht keine Diskriminierung sondern eine Tatsachenfeststellung.

        Nicht jedes selbstschädigende Verhalten bestimmter Bevölkerungsgruppen ist vom Kapitalismus erzwungen.

        Ich fürchte, wenn im unteren Einkommensdezil die Konsumquote schon aktuell deutlich über 100% liegt, wird die Zuckersteuer das nur noch weiter hochtreiben.

        Prinzipiell spricht nichts gegen eine Zuckersteuer. Aber sie dürfte gerade Arme Bevölkerungsschichten überproporzional treffen und die Reichen oder die Mittelschicht kaum tangieren. Amaranth-Anita, Dinkel-Daniela und Mangold-Moni achten heute schon auf eine zuckerärmere Ernährung ihrer Familien.

        • Sonderzeichen

          @Metallkopf:

          Doch, gerade die Ärmeren kann man mit höheren Preisen von Produkten weg bewegen.



          Das ist ja gerade eines der großen Probleme: Zucker ist billig. Mit Cola, Energy & Co. werden unfassbare Gewinne eingefahren. Dabei kostet das in der Produktion praktisch nichts.



          Wenn ich heute mit irgendeinem Produkt einfach nur Kohle machen will, dann bringe ich einen Energydrink raus. Das ist eine Gelddruckmaschine.



          Deswegen ist die Steuer schon sinnvoll.



          Grüße vom Sellerie-Sepp

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Ich kann nicht nachvollziehen, warum eine Zuckersteuer nicht auf alles erhoben wird, wo Zucker drin ist. Oder wesentlich unbürokratischer auf den Zucker selbst. Damit wäre alles erschlagen.

    • Desti

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Wenn auf alles eine Zuckersteuer erhoben wird, würden die Preise auf weiter Front steigen. Es gebe dann keinen Grund mehr auf zuckerfreie Alternativen umzusteigen und das ist doch angeblich Sinn und Zweck der Debatte oder?



      In diesem Fall würde nur offensichtlich werden, dass es nur darum geht, Haushaltslöcher zu stopfen.

      Ging es wirklich um die Gesundheit der Menschen, könnte der Staat ja einfach bei der Prävention ansetzen: wie bei kostenlosen Schulessen inklusive Frühstück, etc.

    • Bernd Bergstrom

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      das ist auch mein Vorschlag

  • Herma Huhn

    Wie man es kommunizieren wollte, dass alkoholfreies Bier stärker besteuert wird als alkoholhaltiges Bier ist mir auch nicht in den Kopf gegangen.



    Aber warum es falsch sein soll, gezuckerte Milchmixgetränke mit der Steuer zu belegen, geht ebenso an meinem Verstand vorbei. Da werden zahlreiche ebenfalls als tägliches Getränk angepriesen und gekauft. Und die enthalten teilweise mehr Zucker als die verteufelten Softdrinks. Aber weil Milch dabei ist, sollen sie von der Steuer ausgenommen werden? Warum?



    Ebensowenig verstehe ich die Aufregung über die Besteuerung der Hafermilch. Auch hier gibt es unterschiedlich süße Varianten. Vielen Verbrauchern ist nicht klar, dass Hafermilch deutlich mehr Zucker enthält, als Kuhmilch und andere Milchalternativen. Und dann gibt es auch noch gesüßte Varianten, die eben nicht nur aufgrund des Hafers Kohlehydrate enthalten. Hier steuerlich zwischen besonders süßen und mäßig süßen Drinks zu unterscheiden wäre durchaus im Sinne der Zuckersteuer.

    • Metallkopf

      @Herma Huhn:

      Es geht um die Getränke, in denen _nur_ Milch beigefügt wurde, aber sonst kein Zucker. Milch enthält natürlich auch Milchzucker.

      Aber es wäre schön, vor allem die Getränke zu besteuern, in die noch zusätzlich Zucker reingerührt wird.

      Ob das letztlich am Markt zu einem Umdenken und geänderten Verbraucherverhalten führen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Der ernährungsbewusste Mensch haut sich ohnehin nur in Maßen stark zuckerhaltige Lebensmittel rein. Der nicht ernährungsbewusste Mensch zahlt künftig die Zuckersteuer und reduziert damit weiter seine finanziellen Spielräume.

      • Herma Huhn

        @Metallkopf:

        Pure Kuhmilch enthält circa 4,5% Zucker.



        Wie wollen sie mit der Beimischung von Milch zu einem Zuckergehalt über dieser Grenze gelangen, wenn nicht das ursprüngliche Getränk ebenfalls so viel Zucker enthalten hat?



        Die Ausnahme von Milchgetränken von der Zuckersteuer führt nur dazu, dass Softdrinks Milchbestandteile zugefügt werden, um den Zucker nicht reduzieren zu müssen. (Es gab schon mal eine Fanta mit diesem Rezept)



        Und das Umdenken muss gar nicht zuerst beim Verbraucher geschehen. Wenn Hersteller den Zucker reduzieren, um billiger verkaufen zu können, führt das automatisch zu einer Verbesserung (Solange nicht durch Süßstoff einfach ersetzt wird, das ist eine weitere Geschichte, für die der Platz hier nicht reicht)

        • Metallkopf

          @Herma Huhn:

          Eine Limo mit Milchzucker wäre ja eine tolle Erfindung, wenn am Ende nur 4,5% (Milch-)Zucker drin sind.

          Die von Ihnen angesprochene Fanta enthält aber eben keine "Milch", sondern eben verarbeitete Milchbestandteile. Was passiert, wenn Sie Kohlensäure und Milch mischen, wissen Sie vielleicht.

          Was ich meinte, ist ein Getränk, welchem ausschließlich Milch hinzugefügt wird. Da dann wegen der 4,5% Zucker die Steuer zu erheben, erscheint irgendwie bekloppt.

          • Herma Huhn

            @Metallkopf:

            Wenn Sie einem Getränk ein anderes Getränk mit 4,5% Zucker hinzufügen und das Mischgetränk dann 4,5% Zucker enthält, dann hatte auch das ursprüngliche Getränk schon 4,5% Zucker.



            Sie können mit Beimischung von Milch ein Zuckerfreies Getränk nicht über 4,5% Zucker bringen. Deswegen ist es unsinnig, Getränke mit Milchbeimischung von dieser Steuer auszunehmen. Der Zucker kommt überwiegend nicht aus der Milch.

        • Janix

          @Herma Huhn:

          Nebenpunkt: War die Molke-Fanta nicht deswegen, weil man das eben da hatte? Rivella ist auch noch molkebasiert, meine ich.

          Und am besten viel Wasser und wenig Süße, aus welcher Quelle auch immer. Wenn's für Hersteller spürbar wird, geht es, siehe UK, am schnellsten.

  • Thomas Schnitzer

    Ach, nein, echt? Natürlich geht das nach hinten los.

    Wenn Hafermilch und alkoholfreies Bier aufgrund des Zuckers darin besteuert werden geht etwas genauso schief, wie bei zuckerfreien Getränken,

  • Janix

    Süßstoffe werden teils sehr kritisch gesehen. Das ist schon bedenkenswert.



    Doch mit Hochzuckerplörre beginnen ist wohl sinnvoll - damit wieder häufiger ein bisschen Zucker auch reicht beim Produzenten. Teils ist das Zeugs ja so übersüßt, dass der Durst quasi unverändert bleibt. Billiger Zucker statt echter Frucht, nu ja.



    Leitungswasser in der Karaffe wäre auch so ein Punkt, meinetwegen mit "Korkgeld" fürs Café.

    • Glimmlampe

      @Janix:

      Süßstoffe werden vor allem deshalb kritisch gesehen weil die ja böse "Chemie" sind, im Gegensatz zu "natürlichem" Zucker.



      Das ist vor allem dem geschuldet dass es eine breite Bildungslücke bzgl Chemie und Lebensmitteln gibt, gefördert durch Lifestyle Ernährungsempfehlungen a la Brigitte und Co.



      Sowohl Zucker als auch Süssstoffe stehen in Verbindung mit Krebs, allerdings sind zumindest beim bösen Süßstoff die Grenzwerte so hoch, das man um die 30 Dosen Zero Cola täglich trinken müsste um die zu erreichen. Und die haben noch einen Sicherheitsfaktor (100 oder 1000, bin mir nicht mehr sicher) bis zu den in Studien problematischen Dosen.



      Heißt natürlich wiederum nicht das man deshalb nur noch Zero Kram in sich rein kippen sollte, nur die Panik davor ist eben nicht gerechtfertigt

  • Martin Rees

    "Mit solchen Reaktionen musste auch das Finanzministerium rechnen. Klingbeil kann sich nicht damit herausreden, dass das Eckpunktepapier „intern“ gewesen sei."



    Durchgestochen? Hatten wir bei der Ampel schon, so etwas führt gelegentlich auf einen politischen Hohlweg und für Gesetzesvorhaben zu sog. Deonymen.



    Damals bei der Ministerin von der Leyen witzelten viele über die "Berateraffäre", jetzt wären Experte:innen mit klugen Sachargumenten an dieser Stelle wohl hilfreich gewesen, die solche Eigentore dann durch gekonntes Stellungsspiel verhindern.

  • Frauke Z

    Süßstoffe auch zu erfassen, hat mich überzeugt.



    Wenn es um Gesundheit geht, sind Zuckeraustauschstoffe schädlicher als Zucker selbst.



    Wenn die Folge einer Zuckersteuer also ist, dass in Zukunft alle möglichen Saft-Misch-Getränke mit künstlicher Süße angeboten werden, ist es besser ohne die Steuer.

    • wortwart

      @Frauke Z:

      "Wenn es um Gesundheit geht, sind Zuckeraustauschstoffe schädlicher als Zucker selbst":

      Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass zu viel Zucker für den Menschen langfristige Schäden verursacht. Bei Süßungsmitteln -- von denen es ja auch viele verschiedene gibt -- ist das Bild keineswegs klar, eindeutige Beweise für eine Gesundheitsschädigung fehlen. Das schöne Glas Naturhonig vom Imker fühlt sich vielleicht gesünder an als die (mehr oder weniger) künstlichen Süßstoffe, aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist es das leider nicht.

      Siehe auch: www.zdf.de/video/s...-x-suessstoffe-100

      • Metallkopf

        @wortwart:

        Ist eigentlich Isomalt auch betroffen. Liegt in der sichersten Kategorie von Nahrungsmittelzutaten und hat knapp die Hälfte der Süßkraft von Saccharose, ist zahnfreundlich, Diabetikergeeignet und hat als einzige Nebenwirkung eine gewisse abführende Wirkung bei übermäßigem Verzehr.

      • Frauke Z

        @wortwart:

        Es geht nicht hauptsächlich um die direkte Wirkung der Süßstoffe, sondern darum, dass den Appetit anregen.



        Also indirekt zu höheren Zuckerspiegeln im Blut, gern über steuerfreien Honig oder einfach viele Kohlehydrate.



        (Übrigens schön zusammengefasst von von Hirschhausen: "Die Stoffe kommen aus der Schweinemast. Und jetzt die Überraschung: Es wirkt auch beim Menschen!")

        • Sonderzeichen

          @Frauke Z:

          Rein vom Gesundheitsaspekt bin ich schon bei Ihnen: da müssen Süßstoffe sicherlich auch stärker reguliert werden.



          Aber das sollte man klar von der jetzigen Zuckersteuer trennen, sonst mischt man zig Sachen zusammen die auf ganz unterschiedliche weise wirken.



          Süßstoffe dann bitte über Lebensmittelzusatzverordnung (oder wie auch immer das heißt) abdecken. Das sind ja keine Nahrungsmittel, das sind ja Hilfs- und Zusatzstoffe.