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Trotz Chaos im Finanzministerium Die Zuckersteuer für Erfrischungsgetränke muss kommen

Kommentar von

Jost Maurin

Die Abgabe kann Diabetes verhindern und Übergewicht bremsen. Dafür braucht es keinen Streit über Süßstoffe, sondern endlich einen Gesetzentwurf.

D ie Zuckersteuer auf gesüßte Erfrischungsgetränke muss kommen. Daran hat auch das Chaos nichts geändert, das SPD-Chef Lars Klingbeils Finanzministerium kürzlich produziert hat: Erst forderte es, die Abgabe auch auf Getränke mit künstlichem Süßstoff zu erheben, dann kassierte Klingbeil das wieder. Zu Recht: Dieser Vorschlag ging über den Grundsatzbeschluss des Kabinetts zu der Steuer hinaus, und er lässt sich wissenschaftlich nicht so gut begründen.

Es gibt aber hinreichend Modellrechnungen, dass eine Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke zum Beispiel mehrere tausend neue Fälle von Typ-2-Diabetes pro Jahr verhindern könnte. Cola und Co stehen im Fokus, weil sie viel Zucker und Energie, aber kaum essenzielle Nährstoffe liefern. Anders als etwa Milch oder Fruchtsäfte haben sie ernährungsphysiologisch wenig zu bieten.

Von zugesetztem Zucker nehmen die Menschen im Schnitt mehr zu sich, als es der Gesundheit guttut. Gerade Minderjährige konsumieren über Erfrischungsgetränke aber leicht große Mengen Zucker. Limonaden werden oft als unproblematischer „Durstlöscher“ wahrgenommen, obwohl schon eine Flasche ein Vielfaches der empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten kann. So nehmen viele Menschen unbewusst zu viel des sehr kalorienreichen Stoffes auf. Solche Produkte sättigen schlecht, und sie sind schnell zu konsumieren.

Höhere Preise, niedrigere Nachfrage

Immer mehr Studien zeigen, dass solche Steuern den Anstieg von Übergewicht in der Bevölkerung bremsen. Mehr als 100 Länder haben diesen Weg bereits eingeschlagen.

Wenn mit Zucker gesüßte Limonaden teurer werden, dann werden sie auch weniger gekauft. Wenn der Staat wie in Großbritannien von den Herstellern auf höhere Zuckergehalte höhere Steuern verlangt, dann senkt die Industrie den Zuckeranteil. Die Konsumenten müssen dann auch kaum mehr bezahlen.

Aus diesen Gründen sollte die schwarz-rote Koalition endlich einen gemeinsamen Entwurf für eine Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke vorlegen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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16 Kommentare

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  • Martin Rees

    "Anders als etwa Milch oder Fruchtsäfte haben sie ernährungsphysiologisch wenig zu bieten."



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    Eigentlich ist Milch als Getränk kein Standard der Ernährung ausgewachsener Säugetiere, hier bildet der Mensch eine Ausnahme und mitigiert durch fortgesetzten Konsum die einsetzende Intoleranz gegenüber Laktose.



    "Erwachsene brauchen Milch nicht für ihre Gesundheit, wenn sie sich ansonsten ausgewogen ernähren"



    Bei ndr.de 2025



    Es gibt gute Gründe, den Cappuccino vor zwölf zu trinken, wenn die Laktose dafür ausreicht.



    /



    Fruchtsäfte enthalten viel Fructose, auch hier ist die Wirkung bekannt.



    "Insulinresistenz & Diabetes: Hohe Mengen Fructose können über diese Beeinträchtigung des Leberstoffwechsels zu einer Insulinresistenz beitragen."



    www.barmherzige-mu...nserem-teller.html



    /



    Solange das Marketing und die Reklame nicht adressiert werden im Problem-Kontext, freut sich in erster Linie die Steuerverwaltung auf der Einnahmenseite.

  • uwe

    "Zuckersteuer muss kommen"



    Nur zum Verständnis - die muss kommen weil

    a) wg. Einnahmen



    b) wg. Gesundheit

    a) verstehe ich ja noch. Bei b) fände ich Aufklärung gut und Entscheidung durch den mündigen Bürger besser.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @uwe:

      b) funktioniert seit Jahrzehnten super 😁

      • Biker-Ffm

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Freiheit zur Entscheidung bedeutet auch die Freiheit mich für das falsche entscheiden zu dürfen.



        Bei der Legalisierung von Cannabis hat die linke ja dir auch kein Problem. Und niemand wird bestreiten das Cannabis nicht unbedingt zu den gesündesten Konsumgütern gehört.



        PS: ich bin für die Freigabe von Cannabis.

  • Axel Schäfer

    Das mit dem alkoholfreien Bier was auch im Gespräch gewesen sein soll hatte ich auch nicht verstanden. Allerdings stellt sich ja auch die Frage, ob jetzt z.b. Fruchtsäfte mit hohem natürlichen Zuckergehalt nicht auch besteuert werden sollten, denn für den (kommenden) Diabetiker ist egal ob jemand den Zucker da rein mischt oder ob der ohnehin drin ist.

  • Martin Sauer

    Bundeskanzler Merz hat seinerzeit bei Miosga audrücklich betont, mit ihm gäbe es eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke und keine Steuer. Eine Abgabe wäre an die Krankenkassen weitergeleitet worden. Die zahlen ja schliesslich für die ärztliche Versorgung Zb. von Diabetikern. Und jetzt wird es doch eine Steuer und geht in den allgemeinen Steuerhaushalt ein. Genauso wie Tabak- und Alkoholsteuer. Herr Klingbeil und Herr Merz interesiert die Gesundheit der meschen überhaupt nicht, trotz 500 Milliarden Neuverschuldung Entschuldigung Sondervermögen, reichen die Steuereinnahmen immer noch nicht. Und 2027 folgen noch die Bitcoin und Plastiksteuer.

    Und eine 100 g Tafel Kindeschokolade hat 53,3 g Zucker. Da kommt keine Steuer drauf, obwohl die Regierung ja an das Wohl von Kindern denkt.

  • the real günni

    ich verzweifle manchmal an deutschland. die wissenschaft sagt: ja. 100 andere länder zeigen: es klappt.



    nicht, dass man mal gute ideen von vornherein schon mal umsetzen könnte, selbst beim hinterherrennen wird noch gehadert. deutschland: vierte welt land.

  • Flemming

    Bemerkenswert ist der Rückzieher der SPD, mal wieder schießt die Regierung sich selbst ins Knie. Warum tun sie das?



    Der Druck aus den eigenen Reihen der SPD, eingeleitet vom Gesundheitssprecher Herrn Dr Pantazis, verkündet von Herrn Kliengenbeil sägt am Ast auf dem sie alle sitzen. Der Wähler mag das nicht!



    Aus gesundheitlicher Sicht ist das eine Katastrophe, Zuckerersatzstoffe bitten eine Fülle von Nebenwirkungen wie Allergien aber auch Übergewicht. Es wäre so richtig gewesen.

    • MK

      @Flemming:

      Mag sein. Aber eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke ist Unfug. Dann muss man es anders nennen! Es wurde aber von Anfang an von einer Zuckersteuer gesprochen und nicht von einer Limonadensteuer, Süßgetränkesteuer o.ä.

  • nutzer

    "Es gibt aber hinreichend Modellrechnungen...."



    Wie berechnet man so etwas seriös? Solch eine Berechnung erinnert mich an mein Studium, wo wir den monetären Wert eines Spaziergangs ausgerechnet haben.... Gagaismus mit eingepreist... :)



    Der Vergleich mit dem Benzinpreis erscheint mir wesentlich stichhaltiger, da führen gestiegene Tankkosten ebenfalls nicht zu einer adäquaten Abnahme der getankten Menge, sprich weniger Fahrten. Solch einen Effekt wird es bei den zuckerhaltigen Getränken ebenfalls geben.



    Die Umrechnung in Anzahl der daraus resultierenden Erkrankungen ist in meinen Augen eine rein theoretische Berechnung.



    Solche Berechnungen haben evtl. eine Berechtigung als relative Größe im Vergleich mit einer anderen berechneten Größe.



    Eine Überschrift, wie hier, eine Zuckersteuer könne Anzahl X an Erkrankungen vermeiden ist irreal, solche Berechnungen sind nie reale Zahlen. Da wird`s wieder Gaga...



    Will man Erkrankungen verringern, muß man die Menge an zugesetztem Zucker gesetzlich regeln.



    Wenn allerdings zuckerfreie Getränke (die ja in Wirklichkeit ) Zuckerersatzstoffe enthalten, ausklammert, tauscht man den Teufel mit dem Belzebub, die verursachen andere Krankheiten...

    • MK

      @nutzer:

      Eine Rechnung ist erstmal mit vielen Annahmen und die Realität wird später anderes sein. Aber mit halbwegs guten Annahmen, ist aus Ergebnis hintenreichend genau (z.B. steckt hier eine Preiselastizität auf Limonaden dahinter und das kann man ausreichend genau abschätzen).



      Bei den Spritpreisen gibt es offenbar eine Preiselastizität nahe Null. Die meisten Fahrten geschehen nun mal nicht aus Jux und Tollerei und durch die tägliche Arbeitsverweigerung von Bahn und ÖPNV-Betreibern eine hochqualitative Leistung abzuliefern ist der Öffentliche Verkehr auch keine Alternative.

    • Axel Schäfer

      @nutzer:

      Wenn es wie jetzt beim Tanken viel teurer wird kann man unnötige Fahrten einschränken, wer auf das Auto angewiesen ist und sich kein E-Auto leisten kann, dem bleibt ja nicht viel mehr als die Preise hinzunehmen. Wenn die gezuckerte Cola teurer wird kann ich auf die zuckerfreie zurückgreifen oder Wasser trinken. Die Wahl hat man beim Tanken nicht.

    • Holger Decloux

      @nutzer:

      Ihnen ist sicher entgangen, dass es relevante Erkenntnisse aus anderen Ländern gibt, sonst hätten Sie wohl kaum diesen Unsinn gepostet

    • Cededa Trpimirović

      @nutzer:

      In Großbritannien wurde doch schon vorgemacht, dass die Hersteller die Zuckermenge verringern, um die Steuern geringer zu halten. Also funktioniert es doch, nur nicht über die Konsumenten. Das Ziel wird aber ähnlich sein.

    • Perkele

      @nutzer:

      Oder anders formuliuert: lassen wir alles so wie's ist und scheren uns nicht um die Gesundheit von Kindern, gell?

  • mokka flo

    Ich möchte wirklich gerne wissen, was diese "Regierung" davon abhält, die Zuckersteuer einzuführen. Vor Jahen habe ich von einem süd-ameriaknischen Staat gelesen, dass mit 1cent Steuer die Zucker-Krankheitsfälle sehr stark zurückgegangen sind.



    Also, woran hängt's? Angst vor Absatzverlust? Das wäre eine sehr einseitige Sicht.