Pferdedressur ist Tierquälerei: Die pure Unterwerfung

Dressurreiten darf nicht länger olympisch sein. Die Pferde werden zu Figuren gezwungen, die nichts mit ihren natürlichen Bewegungen gemein haben.

Podest Siegerinnen Dressur Olympia

Wunderbar dressiert stehen sie da, die Siegerinnen bei Olympia Foto: dpa

Das deutsche Dressurteam gewinnt in Tokio zum vierzehnten Mal in der olympischen Geschichte Gold – und alle jubeln. „Deutsche Dressur-Stars im Olympia-Finale unschlagbar“, heißt es in der „Sportschau“und wenn es nach der FAZ geht, hätte „das Dreigestirn“ einen „rauschenden Applaus“ verdient.

Applaus wofür? Für die furchtbarste Tierquälerei? Für die vollkommenste Unterwerfung der Pferde? Zur Erinnerung: Bei den Dressurpferden handelt es sich nicht um Roboterpferde. Es sind lebendige Tiere, die Gefühle und einen eigenen Willen haben. Pferde biegen ihren Hals nicht freiwillig so stark nach unten, dass ihre Nüstern fast den Brustkorb berühren und sie nur noch den Boden sehen können. Denn das ist nicht nur schmerzhaft, sondern für Fluchttiere auch psychisch belastend.

Pferde treten in der freien Wildbahn auch weder trabähnlich auf der Stelle noch galoppieren sie mit gekreuzten Beinen seitwärts über die Wiese. Diese Kunststücke haben – wie es der Name schon sagt – rein gar nichts mit den natürlichen Bewegungsabläufen eines Pferdes zu tun.

2,19 Millionen Menschen haben sich am Dienstag den Auftritt des deutschen Dressurteams in der ARD angesehen – kein anderer Wettbewerb erreichte an diesem Tag eine so hohe Einschaltquote. Hatten Sie, liebe Zu­schaue­r*in­nen und Kolleg*innen, alle Tomaten auf den Augen?

Sieger im Verdrängen

Oder haben die lyrischen Beschreibungen des ARD-Kommentators Carsten Sostmeier Sie hypnotisiert? Oder, und das wäre die traurigste aller Erklärungen, ist Ihre Freude über Goldmedaillen so groß, dass Sie das Leid der Tiere einfach verdrängen? Sostmeier zufolge ist Dressurreiten „nicht das Hineinpressen eines Pferdes in eine Schablone, sondern das behutsame Entwickeln seiner Talente zu einer edlen Silhouette“. Um so einen Satz zu formulieren, muss man schon Olympiasieger im Verdrängen sein.

Wenn das Olympische Komitee neue Sportarten wie Surfen oder Skateboarden aufnimmt, um junge Menschen für die Spiele zu begeistern, dann sollte es sich auch von Disziplinen wie Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten verabschieden. Pferdesport ist seit 1912 – da ging die „Titanic“ unter – Bestandteil der Olympischen Spiele.

Statt die Disziplinen zu streichen, kann man natürlich auch einfach die Pferde weglassen. Die Rei­te­r*in­nen könnten sich als Pferd verkleiden und selbst Traversalen, Piaffen und Galopppirouetten vorführen. Wer die ganze Kür über sein Schlüsselbein mit dem Kinn berührt, bekommt einen Extrapunkt.

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Jahrgang 1994, ist Volontärin bei der taz. Studiert nebenbei den Master of Science Journalismus an der Uni Leipzig

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