Waffenexporte nehmen zu: Deutschland zieht an China vorbei
Die deutsche Waffenindustrie liefert am meisten innerhalb von Europa. Das Sipri-Institut erklärt Europas Aufrüstung nicht nur mit dem Ukraine-Krieg.
Foto: Stefan Puchner/dpa
Die deutsche Waffenindustrie geht voran: Auf der Liste der größten Exporteure ist Deutschland seit 2021 um einen Rang auf Platz vier vorgerückt und hat damit China überholt, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag berichtete.
Der globale Umfang an Lieferungen schwerer Waffen legte laut von Sipri ausgewerteten Daten in den vergangenen fünf Jahren um 9,2 Prozent zu, verglichen mit dem Zeitraum von 2016 bis 2020. Die deutschen Exporte wuchsen demnach um 15 Prozent.
Fast ein Viertel der deutschen Großwaffen (24 Prozent) seien als Militärhilfe in die Ukraine gegangen, weitere 17 Prozent in andere europäische Länder. Insgesamt war Europa also mit 41 Prozent wichtigste deutsche Export-Region. Auf dem zweiten Platz der Abnehmer deutscher Waffen steht der Nahe Osten mit 33 Prozent.
Der Anteil der deutschen Waffenindustrie an den globalen Lieferungen lag Sipri zufolge im Zeitraum von 2021 bis 2025 bei 5,7 Prozent. Größter Waffenexporteur weltweit bleiben die USA, vor Frankreich und Russland – das trotz eines Exportrückgangs um 64 Prozent in den vergangenen fünf Jahren also weiter drittgrößter Exporteur ist.
914 Prozent mehr Waffenimporte nach Deutschland
Der US-amerikanische Anteil am globalen Markt wuchs seit 2021 auf 42 Prozent, nach 36 Prozent zwischen 2016 und 2020. Und zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ging laut Sipri der größte US-Exportanteil (38 Prozent) nach Europa, nicht mehr in den Nahen Osten (33 Prozent).
Nicht nur für Deutschland, auch weltweit war die Ukraine der größte Waffen-Abnehmer der vergangenen fünf Jahre. 9,7 Prozent aller Lieferungen gingen in das 2022 von Russland überfallene Land.
Das übrige Europa trug in der Folge ebenfalls zum Wachstum des globalen Waffenhandels bei. „Lieferungen an die Ukraine seit 2022 sind der offensichtlichste Faktor“, meint Mathew George, Direktor des Waffenlieferungsprogramms an dem Stockholmer Institut. Die wahrgenommene wachsende Bedrohung durch Russland hätte aber in den meisten Ländern Europas zu mehr Waffenimporten geführt.
Sipri nennt zudem die entstandene Unsicherheit über die Verlässlichkeit der USA als Nato-Bündnispartner als Grund für die europäische Aufrüstung. Die europäischen Nato-Mitglieder hätten ihre Waffenimporte im Vergleich zum Zeitraum 2016 bis 2020 um 143 Prozent gesteigert. Deutschland fällt etwas aus dem Rahmen: Hier waren es sogar 914 Prozent.
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