Merkel-Klatscher an falscher Stelle: Das kann die ARD besser
Jetzt also auch noch das Erste. Es sendete zwar einen echten Fernsehausschnitt, aber an einer zeitlich falschen Stelle. Das ist unverantwortlich.
J etzt muss der Applaus mal ausbleiben. Die ARD zeigte am Sonntag im „Bericht aus Berlin“ einen Zusammenschnitt zur Wiederwahl von Friedrich Merz als CDU-Vorsitzender auf dem Parteitag am vergangenen Wochenende. Eine klare Sache. Und Angela Merkel applaudierte ihm zur Wiederwahl. Oder? ODER?!
Wie sich herausstellte, klatschte Merkel zwar – aber nicht bei der finalen Abstimmung. Zu diesem Zeitpunkt war sie nämlich gar nicht mehr im Saal. Trotzdem setzte die ARD die Bilder genau dort ein. Das ist problematisch, weil hier Realität verschoben wird. Verstärkt wurde das zudem durch die Offstimme: „Die CDU hat beschlossen: Egal, was vorher war, jetzt zeigen wir Geschlossenheit.“ Da drängt sich die Frage auf: Stand die These von der demonstrativen Einigkeit am Anfang – und wurden die Bilder dafür passend gemacht?
Journalismus muss vom Material ausgehen, nicht von einer gewünschten Erzählung. Alles andere ist Inszenierung. Sehr ungünstig ist auch, dass dieser grobe Fehler ausgerechnet jetzt passiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter besonderer Beobachtung. Vor Kurzem zeigte das ZDF-„heute journal“ fehlerhafte Videoausschnitte, einen im falschen Kontext und einen KI-generierten. Die Kommunikation dazu seitens des ZDF war zäh. Transparenz sieht anders aus.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Und nun das. Der Schnitzer irritiert auch, weil der Beitrag zwar direkt nach der Sendung aus der Mediathek entfernt, bei der Berichtigung aber vergessen wurde. So lief er in einer Wiederholung am selben Abend erneut in der alten Fassung. Das ist nicht nur eine kleine Schludrigkeit, sondern eine große Unverantwortlichkeit, die sich die öffentlich-rechtlichen Sender nicht leisten können, gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in den ÖRR ohnehin sinkt. Seine Wiederherstellung ist kein Selbstläufer, und die Sender müssen eine transparente Fehlerkultur ausbauen. Sonst kommt der Applaus bald noch lauter und deutlicher von rechts – dafür, dass sich der ÖRR immer weiter selbst schwächt.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert