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Mecklenburg-Vorpommern Rot-Rot-Grün ist möglich

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Trotz der Stärke der AfD könnte ein Bündnis aus SPD, Linke und Grüne nach der Landtagswahl regieren. Das hat viel mit Manuela Schwesig zu tun.

W er hätte das gedacht: Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern dreht sich dort die politische Stimmung. Die AfD liegt in den Umfragen mit 36 Prozent der Wählerstimmen nach wie vor vorn, aber SPD und Grüne holen auf. Zwar im Mikrobereich mit einem oder zwei Prozentpunkten, trotzdem schält sich die Möglichkeit eines rot-rot-grünen Bündnisses heraus. SPD, Linke und Grüne hätten aktuell nur eine seidenpapierdünne Mehrheit, aber wer sagt denn, dass da nicht mehr geht? Nun sind Umfragen immer fehlerbehaftet, und bis zum Wahltag am 20. September kann noch viel passieren. Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) legt sich ziemlich ins Zeug und punktet durch einen engagierten Wahlkampf – der diese zarte Wechselstimmung anschiebt.

Schwesig will eine AfD-Regierung verhindern und Landeschefin bleiben

Schwesig will eine AfD-Regierung, wie sie in Sachsen-Anhalt droht, unbedingt verhindern. Und natürlich will sie Regierungschefin in Schwerin bleiben. Ein hehrer Anspruch, denn die SPD hat insgesamt gerade keinen guten Lauf. Im Bund richtet sie sich bei 12 Prozent ein, für die Fortsetzung eines Regierungsbündnisses in Mecklenburg-Vorpommern unter sozialdemokratischer Führung ist das alles andere als zuträglich. Es bleibt Schwesig gar nichts anderes übrig, als sich wegen der Sozialreformen mit Berlin anzulegen. Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss, beim Elterngeld, bei der Pflegereform – alles familienfeindlich und unsozial, kritisiert sie.

Dahinter steckt indes nicht nur Wahlkampftaktik. Die aktuellen sozialen Einschnitte treffen zu großen Teilen ihre eigene frühere Arbeit. Als Familienministerin im Kabinett Merkel III von 2013 bis 2017 hatte sie unter anderem dafür gesorgt, dass der Unterhaltsvorschuss für Kinder statt bis zum Alter von 12 auf 18 Jahre ausgeweitet wurde. Ein Erfolg. Es kann ihr also nicht gefallen, dass der Kanzler und seine Familienministerin Karin Prien daran jetzt geschraubt haben. Zumal Schwesig als Familienministerin immer versucht hat, tatsächlich das umzusetzen, was sie zuvor als Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern versprochen hatte.

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Als frühere Sozialministerin genoss Schwesig bei den Ostdeutschen im Norden einen guten Ruf, das haben die Leute bis heute nicht vergessen. Und Schwesig weiß, dass sie mit ihrem Einsatz für das Soziale die Menschen auf ihre Seite ziehen kann. Die Sozialkürzungen der Merz-Regierung treffen die Menschen in ihrem Land besonders hart: niedrige Löhne, fast jedes sechste Kind wächst in relativer Armut auf, der demografische Wandel macht sich insbesondere auf dem Land bemerkbar, das seit der Wende ohnehin mit dem Wegzug der gut ausgebildeten Jungen zu kämpfen hat. Hier trifft Schwesig offenbar den richtigen Ton, aktuell 29 Prozent Zuspruch spricht für sich.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Wegen ihrer sperrigen Rhetorik wurde Schwesig früher vielfach unterschätzt, auch in der eigenen Partei. Jetzt könnte es Schwesig sein, die die SPD und das Land vor der AfD rettet – zumindest in MeckPomm.

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Simone Schmollack

Simone Schmollack Ressortleiterin Meinung

Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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21 Kommentare

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  • Rot-Rot-Grün..



    Und der Igel von Christian Specht.



    Mir wär's recht.



    taz.de/Wahl-in-Berlin/!6197282/

  • Das wäre wirklich wünschenswert!



    Es ist notwendig, dass sich die demokratischen Parteien gegen die Rechtsextremen zusammenschließen.



    Ich wünsche Allen Mecklenburgerinnen und Mecklenburgern, dass sie sich und uns diesen Gefallen tun und bei der Wahl die richtigen statt den rechten Kreuzchen machen.

  • Ja, wegen der 5 % Hürde wäre ja auch mal an ein Thema für ein Wahlbündnis aller antifaschistischen 3 Sozialdemokratischen Parteine anzudenken, ich fürchte die SPD wird sich zieren, aber eigentlich sollte so etwas normal sein, die Wählerinnen würden es sicherlich honorieren. Es müsste sich um ein konkretes Projekt für Vielfalt und Demokratie handeln, das alle 3 Parteien eint und Ausstrahlung erzeugen könnte. vielleicht auch was mit Sozila-ökologischer Vielfalt für nachhaltige Zukunft, statt Industrielle zerstörung der Landschaft...? Gegen Putin kann mensch ja immerhin Abwehrwaffen bauen, also Friedensfähig statt Kriegstüchtig werden zu müssen. Meerwasser entsaltzen und aus Natrium Ionen Speicher für ÖPNV-W Projekte + Moorvernässung +..etc.

  • taz: *Rot-Rot-Grün ist möglich*

    Schlecht wäre das sicherlich nicht - und vielleicht kehrt die SPD ja dann sogar zu ihren sozialen Wurzeln zurück.

  • Ja, gerade auch damit, denn Manuela Schwesig hat zumindest teilweise auch darüber gesprochen, dass es ein Fehler war, vielleicht müsste das nun gegen Katharina Reiches Fossile Wende mal mit Debatten mit den Grünen noch ausgeweitet werden, denn ich denke Frau Schwesig ist lernfähig, zumindest bezüglich der Schwarzen reaktionären sollte sie da einiges schnell lernen müssen. Putin afin, oder Putin fürchtend, das ist ja im Osten immer die Frage, die hat aber auch noch längere Wurzeln, die Angst vor der Rache der Russen, die haben viele Deutsche noch von ihren NS Vorfahren mitbekommen, Sowieso ist gerade da Trump mdie NS braunen Erbschaften wieder mächtig anfacht, die Zeit sich erneut aufklärend und selbstreflexiv antifa mit diesen ganzen Untiefen auseinander zu setzen. Die Sozen müssen dringend sich wieder ihres Antifa Erbes erinnern, auch da Merz dem Trump so sehr in den A . kriechen möchte, wie es Manuela Schwesig mit Putin vorgeworfen wird,was absurd ist! Die Sozen hätten bessere Karten, wenn sie sich mehr an Spaniens Sozialdemokraten orientieren täten, Manuele Schwesig könnte hier ne Tür öffnen, wenn sie mutig ist. Reiche Steuerhinterziehung eintreiben wäre erst ein Anfang!

  • Rot Rot Grün setzt natürlich voraus, dass die Grünen über die 5% kommen. Ich bezweifele das. Eher wird es Rot Rot geduldet von der Union.

    • @Der Cleo Patra:

      ""Auch Sie sind gemeint --""-



      ==



      Zusammen für die demokratische Mehrheit



      =



      Bei der kommenden Wahl geht es um die Frage, ob die demokratischen Parteien überhaupt noch eine Mehrheit im Schweriner Landtag haben.



      =



      Wenn Bündnisgrüne knapp an der 5%-Hürde scheitern, könnten die entscheidenden Sitze für eine konstruktive Landespolitik fehlen. Die Folge wäre eine Alleinregierung von Verfassungsfeinden oder aber eine instabile Minderheitenregierung, die nicht die Kraft hätte, das Land voranzubringen.



      =



      Wir kämpfen für diese demokratische Mehrheit und dafür, dass Umwelt- und Klimaschutz, sowie Sozialer Zusammenhalt weiterhin mit einer starken Stimme im Landtag vertreten sein sind.



      =



      Wir werden das Zünglein an der Waage sein. Die demokratische Mehrheit in diesem Land steht und fällt mit uns Bündnisgrünen. Wenn wir wieder in den Landtag einziehen, ziehen Faschisten nicht in die Staatskanzlei.



      =



      Viele Prozent für Grün heißt 0% AfD in der Regierung.“



      =

  • So oder so: Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in einer desolaten Lage. Daran wird kein wie auch immer ausfallendes Wahlergebnis etwas ändern.

  • Obwohl ich aus unterschiedlichen Gründen schon länger nicht mehr SPD wähle, halte ich Frau Schwesing für eine starke Frau und Politikerin.



    Vor allen Dingen scheint sie eine Eigenschaft zu haben, die vielen "Spitzen-SPD`ler*innen" irgendwann abhanden gekommen ist.



    Sie ist SOZIALDEMOKRATIN.

    Am Kommentar von Simone Schmollak gefällt mir, dass er mal den oft ängstlichen Blick von der AFD abwendet und stattdessen auf die Möglichkeiten positiver Entwicklungen hinweist.

    Eine Mehrheit von Rot/Rot/Grün könnte so eine zukunftsweisende



    Perspektive sein - nicht nur in Meck-Pom.



    Das würde allerdings voraussetzen, dass sich noch mehr SPD`ler*innen und Grüne darauf besinnen, woher sie eigentlich kommen.

  • rot-rot-grün auf den ersten Blick symphatisch, aber kaum bekannt sein dürfte in Berlin, dass die linke Bildungsministerin Simone Oldenburg regide und autoritär regiert, was sich in einer Gesetztreform zur Notengebug spiegelt: eine schlechte Note in Mathe lässt sich nicht mehr ausgleichen, was die Chance auf einen Platz am Gymnasium massiv reduziert. Der Elternwille, ein Kind aufs Gymnasium zu schicken wurde ausgehebelt. Ab der neunten Klasse kann nicht mehr ans Gymnasium gewechselt werden, etc.



    Hinter dieser autoritären ilberalen Gesetzesverschärfung spiegelt sich die regide DDR-Schulkultur, die "nützliche Fächer" fördert und das gesamt Schulwesen in MVP bis heute prägt.

    Die Bildungspolitik der Linken in MVP ist nicht liberal, sondern maximal autoritär, was sich in der „Abi-Wutrede“ einer Schülerin am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow spiegelt, wo Schüler massenhaft das Abitur nicht bestanden.



    Vollkommen unvorstellbar für die Bildungsministerin, dass Schule und vor allen die Schulbürokratie an dieser Schule vollkommen versagte.



    Die Bildungspolitik der Linken IN MVP steht gegen eine demokratische Schulkultur und interne Kritikfähigkeit von Schule und Schulbürokratie selbst.

    • @Lindenberg:

      Als liberal-konservativer Wähler bin ich mehrere Brandmauern entfernt eine Linke Politikerin zu verteidigen.

      Dennoch finde ich das von ihnen kritisierte Vorgehen vollkommen iO.



      Es war vieles im ehemaligen Arbeiter und Bauernstaat abzulehnen, aber die stärkere Fokussierung auf Leistungserbringung in den Schulen gerade in Mint Fächern war beeindruckend.



      Auch dieser immer genannte Elternwolle bei der Wahl der Schulform ist abzulehnen.



      Das gibt es im übrigen auch in westlichen Bundesländern zB in Bayern.



      Dies ist auch der Grund weshalb Sachsen, Thüringen und Bayern das Bundesländer Ranking mit großem Vorsprung anführen.

      Alleine die Vorstellung man könnte eine schlechte mathematische Leistung durch irgendein mehr oder weniger wichtiges Fach ausgleichen können ist angsterregend.

    • @Lindenberg:

      "Bildungspolitik der Linken in MVP ist nicht liberal, sondern maximal autoritär"



      Ja. Und? Ist das jetzt überraschend? In der DDR war das ganze System so aufgebaut. Studiermöglichkeit für jede/n? Wohl kaum. Wer als politisch unzuverlässig galt oder sich nicht zum Sozialismus bekannte war schon mal raus.



      Und Wunschstudienplatz? Die Studienplätze wurden streng nach dem vermuteten Bedarf der Wirtschaft und des Staates vergeben.

  • Und das entspricht dann dem Wählerwillen???

    • @ToMuch:

      Was ist denn DER Wählerwille? Gibt es so etwas überhaupt?



      Es gibt individuelle Wahlentscheidungen. Aus dem Ergebnis wird dann hinterher etwas gebastelt... oder war es jemals anders oder wie könnte es denn anders sein?

    • @ToMuch:

      Der Wählerwille wird total überschätzt. Er ist nur dann von Belang, wenn er zu den eigenen Zielen und Wünschen passt.

    • @ToMuch:

      Wenn's eine Mehrheit dafür gibt, was soll denn sonst dem Wählerwillen entsprechen?