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Landtagswahlen im Osten Aus der Schockstarre

Der Siegeszug der AfD scheint insbesondere in Ostdeutschland kaum noch aufhaltbar zu sein. Aber es gibt auch die anderen – die nicht rechts wählen.

T urbulente Zeiten können zur Folge haben, dass die Zeit plötzlich seltsam fließt. Mal scheint sie zu kriechen, mal zu eilen. Heute ist nur noch schwer nachzuempfinden, wie groß der Furor war, als 2017 mit der Alternative für Deutschland erstmals seit der Wiedervereinigung eine rechte Partei ein zweistelliges Ergebnis bei einer Bundestagswahl einfuhr. „Zweistellig“, „Zeitenwende“, solche Wörter wurden in Talkshows, Zeitungsartikeln und Sachbüchern wiederholt – angesichts der 12,6 Prozent.

Zwar war die Partei im Osten schon längst stärker – in Sachsen-Anhalt kam sie 2016 auf 24 Prozent. Doch dass eine rechte Partei auf gesamtdeutscher Ebene politisch relevant wurde, galt vielen als bedeutendere Zäsur. Während sich die AfD in den Jahren danach weiter nach rechts entwickelte, verloren „zweistellige“ Ergebnisse an Schockeffekt. Bei der jüngsten Bundestagswahl 2025 wurde die Partei in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern stärkste Kraft.

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird sich dieser Trend laut aktuellen Umfragen fortsetzen. Mindestens in Sachsen-Anhalt ist nun eine einstellige Zahl relevant: der knappe Abstand zur absoluten Mehrheit. Dass eine rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland vielleicht schon bald mit absoluter parlamentarischer Mehrheit regieren könnte, ist nicht mehr leicht aus der Vorstellung zu verbannen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Zum Regieren könnten auch weniger als 50 Prozent ausreichen. Längst bauen CDU und BSW die „Brandmauer“ ab, blinken in Richtung Koalition oder setzen AfD-Politik gleich selbst um – in der immer vergeblicher wirkenden Hoffnung, ihr damit zuvorzukommen. Indes sind Empörung und Wut darüber einer Art Schockstarre gewichen. Großdemonstrationen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus, wie es sie das letzte Mal im Mai 2024 gab, bleiben bislang weitgehend aus.

Die niedrigsten Flüchtlingsquoten bundesweit

Proteste gegen rechte Demos wiederum fallen klein aus. Rekordwerte rechtsextremer Gewalt erzeugen keine wochenlangen Debatten. In Teilen des ländlichen Ostdeutschlands spielen Parteien abseits der AfD im Wahlkampf so gut wie keine Rolle mehr. Sachbücher ändern ihre Tonlage: Die Autorin Jana Hensel, die seit Jahrzehnten stets einfühlsam über Ostdeutschland schreibt und redet, beginnt ihr neues Buch „Es war einmal ein Land“ mit einer Art vorgezogenem Nachruf auf die Demokratie:

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

„Gut 25 Jahre nachdem Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen sind, um, nein, nicht für Bananen und Westautos zu demonstrieren, sondern vor allem für Meinungsfreiheit, freie Wahlen und Reisefreiheit, geht die Ära der Demokratie hier fürs Erste zu Ende.“ Zwar weist Hensel auch darauf hin, dass es sich beim aufsteigenden Rechtsradikalismus keineswegs um ein rein ostdeutsches, nicht einmal um ein rein deutsches Phänomen handle. Im Osten, so Hensel, gehe die Demokratie allerdings anders unter, „radikaler, als wir uns das vorstellen mochten“.

Wie kann man sich das vorstellen? Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt (SAH) oder Mecklenburg-Vorpommern (MV) regieren, würde das demokratische System vermutlich noch immer nicht direkt zusammenbrechen. Einen erheblichen Bruch werden Teile der dortigen Bevölkerung aber recht schnell spüren, vor allem Migrant*innen, queere Menschen, die Medien und die politische Opposition.

Ganze 43 Punkte des AfD-Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt drehen sich um die konkrete Organisation von Abschiebungen, die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und etliche weitere Antimigrationsmechanismen. Im mecklenburg-vorpommerischen Programm geht es unter dem Punkt „Ordnungsland MV“ fast ausschließlich um beziehungsweise gegen Geflüchtete und andere Migrant*innen. Mit 3,7 (SAH) und 3,3 Prozent (MV) haben die beiden Bundesländer aktuell einige der niedrigsten Anteile an Geflüchteten in ihrer jeweiligen Landesbevölkerung.

Weniger Mittel für Initiativen und Projekte

Nach den Vorstellungen der AfD sollte dieser Anteil gegen null tendieren. Die Möglichkeiten für radikalere Abschiebepolitik haben SPD, CDU, Grüne und FDP in den vergangenen Jahren schon geschaffen. In vielen Fällen muss die AfD im Osten kaum bis gar nicht an der Gesetzgebung schrauben, um ihre Träume von der „Remigration“ als glaubhaftes politisches Versprechen zu verkaufen. Was sie braucht, ist Personal. Deswegen dreht sich ein beträchtlicher Teil beider Wahlprogramme um die Aufstockung und Erweiterung der Befugnisse der Polizei und anderer Behörden.

Auch die Medienlandschaft dürfte in beiden Ländern nach einer AfD-Übernahme deutlich ärmer werden. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk radikal zu kürzen, ist erklärtes Ziel beider Landesparteien. In Mecklenburg-Vorpommern will die AfD den NDR-Staatsvertrag aufkündigen und plädiert stattdessen für einen nicht näher definierten „schlanken Grundfunk“. Dem alternativen Radio Corax will die sachsen-anhaltische AfD die Förderung entziehen. Demokratischen und linken Initiativen soll es nicht besser ergehen, allerdings bleibt die Partei hier schwammig:

„Die Altparteien fördern seit Jahrzehnten unter Schlagworten wie Demokratie und Toleranz ein Milieu linker Vereine und Initiativen“, heißt es im Schweriner Programm. Wer gemeint sein könnte, zeigt indes die CDU: Auf Initiative des CDU-geführten Bundesfamilienministeriums sollen schon bis Ende 2026 mehr als 200 Projekte des Programms „Demokratie leben!“ auslaufen und nicht weiter finanziert werden.

In Mecklenburg-Vorpommern stimmten CDU und AfD erst im Juni auf Kreisebene gemeinsam gegen eine weitere Kooperation mit „Demokratie leben!“. Für die verbleibenden ostdeutschen Beratungsstellen, für Aussteigerangebote, Jugendzentren und andere zivilgesellschaftliche Initiativen im Osten ist das ein klares Signal, wohin die Reise geht: Sie werden ihre Mittel in zunehmendem Maße aus Spenden akquirieren müssen.

Schlechte Zeiten für "pervers-linke Fanatiker"

Queeren Menschen droht die Partei unmissverständlich: Von „pervers-linken Fanatikern“ und „nicht-normalen Geschlechtsidentitäten“ spricht etwa die AfD Sachsen-Anhalt in Bezug auf alles abseits der Heterofamilie. „Gendersprache“ will die Partei, die sich sonst gern verbotsscheu gibt, in Mecklenburg-Vorpommern „unterbinden“, das Selbstbestimmungsgesetz „aufheben“. Die Partei folgt damit durchaus dem historischen Handbuch faschistischer Vorbilder.

Während auf der einen Seite als Feind markierte Menschen direkt des Landes verwiesen werden, soll sich die verbleibende politische Opposition schwerer betätigen können – parallel zu einer geschwächten demokratischen Kontrolle durch Journalist*innen. Wer sich dann noch gegen rechts engagiert, braucht von offizieller Seite keine Rückendeckung zu erwarten. Verschwunden sind diese Menschen deswegen aber nicht – und das Letzte, was sie gebrauchen können, ist die bundesdeutsche Schockstarre.

Noch wählt knapp die Hälfte der Menschen in den ostdeutschen Ländern nicht rechts. Politisch finstere Zeiten sind im Osten überdies nicht ohne Präzedenz. Auch in den 1990ern und 2000ern gab es in den neuen Bundesländern einen starken rechtsradikalen Drift, der für viele tödlich endete. Antifaschist*tinnen wussten sich allerdings zu suchen und zu finden. Orte wie das Zora in Halberstadt oder das Peter-Weiss-Haus in Rostock haben ungemütliche Zeiten überstanden – und existieren immer noch.

Politisch finstere Zeiten sind im Osten nicht ohne Präzedenz. Auch in den 1990ern und 2000ern gab es einen starken rechtsradikalen Drift, der für viele tödlich endete

Aber sie stehen jetzt schon unter Druck. Selbst ohne Regierungsbeteiligung sendet die AfD deutliche Signale an alle tatsächlichen und potenziellen Gegner – zum Beispiel mittels Portalen zur Denunziation politisch missliebiger Lehrer*innen. Zudem treiben neonazistische Gruppen im Umfeld der AfD und außerhalb verstärkt ihr Unwesen: Laut Opferberatungsstellen befindet sich die rechtsextreme Gewalt in Ostdeutschland seit Jahren auf hohem Niveau und ist in letzter Zeit deutlich gestiegen.

Bis bei den AfD-Wählern der Groschen fällt

Ein Trend, der sich nach rechten Wahlerfolgen erfahrungsgemäß fortsetzt. Es muss aber gar nicht zur Gewalt kommen: Wenn im Ort vom Erzieher bis zur Polizistin die entscheidenden Positionen rechts wählen, denken und sprechen, kann ein Widerwort dazu führen, dass Bleiben keine Option mehr ist. Solche Dynamiken halten die Opposition klein und stumm. In Bezug auf die bereits überzeugte AfD-Wählerschaft bleibt indes wenig mehr übrig als hoffen.

Hoffen, dass die Ostversteher*innen vielleicht doch recht behalten mögen mit ihrer These, so viele in dieser Wählerschaft seien keine überzeugten Extremisten, sondern „nur“ unzufrieden. Hoffen, dass Soziolog*innen wie Steffen Mau recht behalten mögen mit ihrer vielfach wiederholten These, der Rechtsextremismus erwachse zu großen Teilen aus ökonomischen Unsicherheiten. Gegen die fortdauernde ostdeutsche Benachteiligung, gegen Inflation, Landflucht und Fachkräftemangel hat die AfD nämlich nach wie vor wenig anzubieten, und noch weniger davon scheint umsetzbar.

Mit dem Finger auf „die Altparteien“ oder Migrant*innen zu zeigen, wird nicht mehr funktionieren, wenn die Partei in Regierungsverantwortung gerät. Wie arbeitgeberfreundlich und neoliberal ihr Programm abseits von Reiz- und Kulturkampfthemen ist, werden dann viele zu spüren bekommen. Ob bei ihnen dann ein Groschen fallen wird, bleibt ungewiss. Bis er fällt, könnte Zeit vergehen. Zeit, die sich für die einen kurz anfühlen könnte, für andere sehr lang.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Konstantin Nowotny

Konstantin Nowotny Autor

Seit 2013 freier Journalist, seit 2022 bei der taz. IJP-Fellow (Tel Aviv, 2021). DAAD-Stipendiat (New York City, 2016/17). Themen u.a.: Pop & Punk, Kapitalismus & Kultur, Rechte & Linke. Berlin/Leipzig
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13 Kommentare

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  • Okay

    Sind die Ossis doof oder die Wessis?

    Wenn wir mehr als 30 Jahre zurückblicken und fragen, warum viele Ostdeutsche in den Westen wollten, dann waren es – salopp gesagt – die D-Mark, Reisefreiheit, Konsum und das eigene Auto.

    Doch die erste Euphorie war schnell vorbei. Die 100 D-Mark Begrüßungsgeld waren vielleicht ebenso rasch für Cola und Süßigkeiten ausgegeben. Danach musste man sich im neuen System selbst zurechtfinden: Arbeit, Wohnung, Versicherungen, Behörden – plötzlich war vieles Privatsache.

    In der DDR hatte die SED zwar vieles organisiert und kontrolliert. Nach der Wiedervereinigung fiel vieles davon weg.

    Vielleicht kann man es sich so vorstellen: Jemand kommt aus einem Erziehungsheim, die Tür geht auf – und draußen kümmert sich niemand darum, wie er zurechtkommt.

    Vielleicht liegt darin ein Teil der Erklärung für die Enttäuschung: Die „Freiheit“ war da. Aber viele waren mit dieser „Freiheit“ plötzlich überfordert.

  • uwe

    "Noch wählt knapp die Hälfte der Menschen in den ostdeutschen Ländern nicht rechts."

    Ist das so? D.h. die CDU ist links?

    Ich verstehe nicht, warum sich alle Parteien seit Jahren hinter der sog. Brandmauer ducken anstatt sich mit den Punkten auseinanderzusetzen, die offenkundig einen großen Teil der Bevölkerung AfD wählen lassen.

    Mag bequem sein. Aber absehbar nicht erfolgreich.

  • Walter Bald

    Wer den Status Quo nicht will,



    der wählt ihn nicht.

  • Ingo Bernable

    "hat die AfD nämlich nach wie vor wenig anzubieten"



    Aber was spricht für die Vermutung, dass die davon Frustrierten ihr Kreuz deshalb wieder im demokratischen Spektrum und nicht konsequenterweise bei noch extremeren Kräften machen würden?

    "und noch weniger davon scheint umsetzbar."



    Wie schnell Dinge die gestern noch völlig unrealistisch erschienen heute schon administrativer Alltag werden können, kann man doch regelmäßig in den USA beobachten wo ICE-Truppen auf Menschenjagd gehen, das Militär gezielte Tötungen von vorgeblichen Drogenschmugglern vornimmt und Bundestruppen in demokratischen Städten gegen imaginierten Antifa-Terror eingesetzt werden.

  • Martin Sauer

    Ja, und wenn die AfD mit 43 % in Sachsen Anhalt nicht regiert, sondern die 22 % CDU sich zum Sieger erkärt und die Koalitionsverhandlungen durfüher, kommt die AfD trotzdem fast auf das Doppelte Wahlergebnis.

    Bemerkenswer finde ich vom 24. - 25.8 hat das ZDF eine Umfrage durchführen lassen und vom 25. - 28. die ARD. Zwei Umfragen des ÖRR in 4 Tagen. Aber auch MDR/WDR haben schon Umfragen in Sachsen Anhalt durchführen lassen. und die Grünen bekomen im Gegesatz zu füheren bei den ÖRR Umfragen 5 - 6 %. Ja das hieße die AfD könnte nicht regieren und den MDR Staatsvertrag nicht kündigen, "Nachtigall ick hör dir trappsen".

  • Wunderwelt

    Das Seltsamste am afd Hype ist, daß eine große Mehrheit (ca. 90%), auch der meisten afd Sympathisanten die Demokratie für die beste Staatsform halten.

    Wer also afd wählt, tut dies in den meisten Fällen gegen seine Grundüberzeugung.

    Wie kann das sein.?

    Nun..in Zeiten von Social Media, Echokammern, Fake News..und dem Trend sich (nur) dort zu informieren, wo die eigene Meinung bestätigt wird, findet eine Machtverschiebung in Richtung der Bevölkerung statt.







    Und im Prinzip ist das ja auch eine gute Sache.

    Allerdings ist dadurch das Modell der repräsentativen Demokratie heraus gefordert. Weswegen derzeit auch etablierte Politiker, bis hin zum Kanzler, in Populismus verfallen..und dem Wahlvolk erzählen was es hören will.



    Am ungeniertesten lügt dabei die afd. Was den Hype zu einem großen Teil erklärt..







    Wenn wir also die Demokratie stärken wollen, müssen wir nach A auch B sagen.



    Wenn sich die Menschen ermächtigt fühlen und in dem Glauben es besser zu wissen/können, dann müssen wir sie auch in die Pflicht nehmen.



    Dann braucht es einen neuen gesellschaftlichen Diskurs und die Möglichkeit auch im Einzelnen mehr Mit-zu-bestimmen.

    -> Laßt uns mehr direkte Demokratie wagen..

    • Astrid Sehnefeld

      @Wunderwelt:

      "Das Seltsamste am afd Hype ist, daß eine große Mehrheit (ca. 90%), auch der meisten afd Sympathisanten die Demokratie für die beste Staatsform halten.



      Wer also afd wählt, tut dies in den meisten Fällen gegen seine Grundüberzeugung.



      Wie kann das sein.?"



      Es wird gern von links erzählt, dass die AfD die Demokratie abschaffen will.



      Tatsächlich gibt es keine Anhaltspunkte dafür.



      Österreich hat mehrere FPÖ Perioden hinter sich - die Demokratie wurde nicht abgeschafft.



      Ungarn, Polen, USA - ein Abschaffung des Wahlrechts wurde nirgends angestrebt.



      Rechts weiß sehr genau was geht und was nicht.



      Links hingegen ist aktuell planlos - weil links gern ehrliche Antworten geben will.



      Rechts hingegen sagt "alles wird gut" - Klima, Migration, Wirtschaft.



      Links ist zu moralisch, zu verbissen, zu utopisch. Da soll gleichzeitig das Klima gerettet werden, der Hunger besiegt, Krankheiten ausgemerzt und am besten noch ein lebenswertes Leben für alle auf der Welt geschaffen werden.



      Die Quadratur des Kreises.



      Das rafft jeder, dass das nicht geht.



      Rechts sagt: "du darfst behalten was dir gehört und so weitermachen wie bisher."



      Das wollen die Leute hören.



      Einfache Antworten.



      Darauf hat links keinen Konter.

    • Ingo Bernable

      @Wunderwelt:

      Die entscheidende Frage ist eben auch wie konkret man den Begriff der Demokratie konkret füllt und wenn sie diesen Leuten die sich selbst als überzeugte Demokraten sehen mal etwas genauer zuhören, wird sehr oft sehr schnell klar, dass das was da vertreten wird eher eine Art vulgäres Zerrbild von Demokratie ist. Man imaginiert sich einen homogenen und eindeutigen "Volkswillen" anstelle einer heterogenen Gesellschaft in der es selbstverständlich gegensätzliche und dennoch gleichermaßen legitime Interessen gibt, den garantierten Schutz von Minderheiten erkennt man ebenso wenig an wie in der Verfassung definierte Grenzen legislativen und exekutiven Handels. Der Wille der Mehrheit gilt unbeschränkt und absolut.



      Letztlich ist das eine sehr ähnliche Denke wie jene "Volonté générale" mit der nach der französischen Revolution der große Terror im Namen der Demokratie legitimiert wurde: Wer sich politisch gegen die Mehrheit stellte war ein Feind des Volkes der nicht nur mit Argumenten sondern mit allen Mitteln zu bekämpfen war weil er seinen "Privatwillen" über den mehrheitlich bestimmten Gemeinwillen stellte. Und das beste Mittel das man gegen solche "Volksverräter" fand war die Guillotine.

  • oricello

    Ich glaube, dass der Groschen erst fallen wird, wenn es die ersten schweren Progrome gegen Minderheiten gibt. Wenn Menschen misshandelt oder getötet werden, wenn die Kinder der Wähler:innen grausame Dinge tun und es dann heißen wird, das haben wir nicht gewusst oder gewollt. Der Groschen wird erst fallen, wenn es Opfer gibt.

    Ich glaube, das Rad lässt sich nicht mehr zurück drehen. Ein Freund sagte neulich zu mir, jedes Land bekommt die Regierung, die es verdient. Ich fand das sehr hart, weil das Land politisch und sozial gespalten ist und nicht einheitlich rechts. Ich habe hingegen den Eindruck, dass wir in die absolute Regierungsunfähigkeit hineinrutschen, weil die Politik der letzten 30 Jahre nicht genug getan hat, das Land zu einen und zu verbinden. Es ging viel zu viel um den Markt und nicht um die Menschen.

    • Sole Mio

      @oricello:

      Ich bin sicher kein Befürworter der blauen, setzte mich lieber kritisch mit den anderen Parteien auseinander, jedoch ist:

      „Wenn Menschen misshandelt oder getötet werden, wenn die Kinder der Wähler:innen grausame Dinge tun“

      Schon harter Tobak. Die Kinder der AFDler:innen sollen quasi „abgerichtet“, oder gar von Natur aus böse sein. Es geht hier um ein Bundesland und nicht um die Republik.



      Kritik ja, aber bitte nicht hysterisch werden. Das hilft keinem!

  • Walter Bald

    Alle definieren sich über ihre



    Position zur AfD.

  • Šarru-kīnu

    Wir standen hier in den 90ern allein gegen den rechten Abschaum und werden auch diesmal allein kämpfen. Leider sind die Auswärtigen, die unsere Allies sein sollten wenig hilfreich bis kontraproduktiv. War auch schon damals so.



    Gehe dann mal aufs Stadtfest wo die Gruppen junger Männer ganz in Schwarz jetzt wieder zum Stadtbild gehören. Die Modemarken haben sich seit damals leicht geändert, aber das Gefühl der Angst am Abend auf der Straße ist immer noch gleich. Damals haben die Spießer hier nur zugeschaut wie wir gejagt wurden und auch diesmal wird es hässlich werden. Wir lassen uns aber unsere Heimat auch von dieser Seite nicht nehmen. Wer supporten will ohne moralischen Zeigefinger ist herzlich willkommen.

  • Il_Leopardo

    Die Menschen wollen betrogen sein.

    Das wäre doch ein schönes Motto für die möglicherweise rechts-populistische Regierung.