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Konflikt am GolfIm Nahen Osten viel Neues

Der Irankrieg wird nicht nur die gesamte Region verändern, sondern auch die Weltordnung. Aber nicht so, wie es sich Trump und Netanjahu vorgestellt hatten.

Illustration: Katja Gendikova

E s gibt historische Momente, da begreifen wir, dass etwas Bedeutendes geschieht. Und doch werden wir Jahre später überrascht von Entwicklungen, die wir uns nicht annähernd hätten vorstellen können. Nehmen wir die Stationierung von US-Truppen in Saudi-Arabien 1991 zu Beginn der Operation „Desert Storm“ gegen den Irak und Präsident Saddam Hussein, die der frühere US-Präsident George Bush senior anordnete. Man konnte ahnen, dass dieser Krieg ein einschneidendes Ereignis darstellen würde.

Was aber in den folgenden Jahren geschah, stand jenseits unser aller Vorstellungskraft. Ein zu dieser Zeit vollkommen unbekannter Mann namens Osama bin Laden erließ aus Vergeltung eine Fatwa gegen die Amerikaner, die das Land der beiden islamischen Heiligtümer Mekka und Medina besetzt hielten. Diese Fatwa sollte als Legitimation dienen für die willkürliche Ermordung von Amerikanern und ihren Verbündeten – ob Kombattanten oder Zivilisten überall auf der Welt.

Niemand ahnte zur Zeit der US-Stationierung am Golf 1991, dass diese Truppen zehn Jahre später als Begründung für die Terroranschläge am 11. September herhalten müsste, als 19 Al-Qaida-Terroristen Zivilflugzeuge in das World Trade Center in New York und das Pentagon steuerten und Tausende ermordeten. Ähnlich verhält es sich heute. Wir spüren, dass sich am Golf etwas Großes tut. Und wieder könnte das Neue unsere Vorstellungskraft sprengen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Der Ausgangspunkt ist eine einfache Weisheit: Kriege enden nicht, wenn der militärische Schlagabtausch endet. So geschehen bei den Versailler Verträgen, die den Weg zu einem weiteren Weltkrieg ebneten, und so geschehen bei der Jalta-Konferenz, die letztendlich in den Kalten Krieg mündete. Das Ende von Kriegen kann eine neue Weltordnung schaffen. Das gilt umso mehr, wenn, wie im Falle des Irankriegs, einer Supermacht Einhalt geboten wird. Denn egal wie US-Präsident Donald Trump die Angelegenheit dreht und wendet.

Parallelen zur Suezkrise

Das sich abzeichnende Ergebnis steht in keinem Verhältnis zum menschlichen Leid, das weit über die Kriegsregion hinausreicht, sowie den finanziellen und militärischen Kosten. Möglicherweise ist ein Vergleich nicht zu weit hergeholt zwischen dem, was der Irankrieg für die USA darstellt, mit dem, was die Suezkrise 1956, als Großbritannien, Frankreich und Israel Ägypten angriffen, für das Vereinigte Königreich bedeutete: das Ende eines Empires. Damals besiegelte der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser das britische Empire, ebenfalls an einem für den internationalen Handel wichtigen Wasserweg.

Er verstaatlichte den Suezkanal, der sich bis dato unter kolonialer französischer und vor allem unter britischer Kontrolle befand, und deklarierte ihn fortan als ägyptisch. Die militärisch erfolgreichen ausländischen Truppen mussten sich nach einer massiven diplomatischen Intervention der USA und der Sowjetunion am Ende aus der Suezzone zurückziehen. Nasser ging als der politische Gewinner hervor und wurde weit über Ägypten hinaus als antikolonialer Held gefeiert.

Die britische Zeitung The Guardian zitiert in einem Vergleich zwischen der damaligen Suezkrise und der heutigen Situation den britischen Diplomaten und späteren Botschafter in Ägypten, Harold Beeley, der das „katastrophale Abenteuer“ als ein Zeichen sah, „dass Großbritannien nicht mehr seinen Willen durch militärische Aktionen durchsetzen kann“. Ähnlich könnte es den USA jetzt im Nahen Osten ergehen. Die Suezkrise wird von Historikern oft als der Endpunkt des britischen Empires bezeichnet.

„Kriege, vor allem schlecht kalkulierte Kriege, führen dazu, sich bereits anbahnende Änderungen zu beschleunigen“, schlussfolgert der Guardian. Angesichts der Krise um die Straße von Hormus ist abzusehen, dass sich die USA aus der Region auf absehbare Zeit zurückziehen werden. Eine der spannendsten Fragen ist, wie sich die reichen arabischen Golfstaaten in Zukunft positionieren werden. Sie haben Trump vor diesem Krieg gewarnt. Und sie haben erlebt, dass den USA die Sicherheit Israels wichtiger ist als die der Golfstaaten.

USA in Nahost zunehmend passé

Sie haben in diesem Krieg feststellen müssen, dass die US-Sicherheitsgarantien ihnen wenig geholfen haben und dass die US-Stützpunkte sie nicht geschützt, sondern im Gegenteil – verwundbarer gemacht haben. Welche Schlussfolgerungen werden sie daraus ziehen? Absehbar ist schon jetzt, dass die Golfstaaten nicht an einem Strang ziehen werden. Das zeigt allein der Austritt der Emirate aus der Opec. Ein Schritt, der auch der Enttäuschung Abu Dhabis geschuldet ist, dass die Nachbarstaaten sich nicht dem von den Emiraten geforderten härteren militärischen Kurs gegen Iran angeschlossen haben.

Aber der Trend der Mehrheit der Golfstaaten wird sein, sich nicht vollkommen von den USA abzuwenden, aber ihre Sicherheitsstrategien mehr zu diversifizieren, also auch in Richtung China und Russland. Das wird nicht nur lukrative Waffengeschäfte betreffen, sondern es gilt auch für den diplomatischen Einfluss. Schon vor drei Jahren hat Saudi-Arabien mit chinesischer Vermittlung nach Jahren der Erzfeindschaft diplomatische Beziehungen mit Iran aufgenommen.

Diese Beziehungen sind zwar jetzt ein Scherbenhaufen, aber allein aus pragmatischen Gründen werden beide Länder ihren Konflikt auf kurz oder lang wieder beilegen müssen. Und China bietet sich hier erneut als Vermittler an. Es ist wahrscheinlich auch nur eine Frage der Zeit, bis die US-Stützpunkte am Golf hinterfragt werden. Ein kompletter Bruch mit den US-Sicherheitsgarantien ist nicht wahrscheinlich, wohl aber eine Art downgrading.

Schon jetzt hat die Türkei in Katar den Tareq-Bin-Zayed-Militärstützpunkt und weitere am Horn von Afrika am Tor zum Roten Meer. Wir werden wahrscheinlich einen Ausbau von weiteren Stützpunkten anderer Regionalmächte erleben. Diese Regionalmächte werden mehr zusammenzuarbeiten. Die Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und neuerdings auch Pakistan kooperieren schon jetzt und bilden ein neues Bündnis für eine regional gelenkte Sicherheitsarchitektur für die gesamte Nahostregion.

Der Traum von Großisrael

Es ist kein Zufall, dass Pakistan, Saudi-Arabien und Ägypten derzeit als Vermittler zwischen den USA und Iran aktiv geworden sind. Und dieses neue regionale Bündnis weiß auch, dass das vollkommene Ausklammern einer anderen Regionalmacht wie Iran gefährlich ist. Dieses Bündnis wird eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, die Beziehungen zwischen den Golfstaaten und Iran zu reparieren.

Es wird sich als ein Paradox der Geschichte erweisen, dass die USA und Israel in diesem Krieg versucht haben, mit Iran eine wichtige Regionalmacht auszuschalten, nur um damit ein neues Bündnis von Regionalmächten zu stärken, dessen Hauptziel es ist, die Region zu stabilisieren, das US-amerikanischen Sicherheitsmonopol langsam zu ersetzen und den israelischen Einfluss einzudämmen.

Das Problem dabei bleibt, dass das Vakuum, das durch die Schwächung der USA in der Region entsteht, sich kaum unter öffentlicher Kontrolle befindet, weil viele der Regionalmächte autokratisch beherrscht werden. Die Frage, was in den nächsten Jahren „von unten“ in den arabischen Ländern passiert und ob es erneut den Versuch eines weiteren Arabischen Frühling geben wird, bleibt eine der großen Unbekannten.

Der große Gegenspieler der Allianz aus Regionalmächten, die sich neu formiert, ist Israel. Regierungschef Benjamin Netanjahu und die rechte Mehrheit des Landes träumt von einem „Großisrael“. Und sie lassen dem Traum auch Taten folgen. Die israelische Armee hat den Gazastreifen zerstört und teilweise erobert. Die palästinensische Bevölkerung wird immer weiter in einen kleinen Teil des Küstenstreifens zusammengedrängt.

Im Westjordanland erlangt Israel über eine Kampagne aus Siedlergewalt, Landenteignung und Siedlungsbau in rasanter Geschwindigkeit immer mehr Kontrolle über das besetzte palästinensische Gebiet. Auf den Golanhöhen hat die israelische Armee nach dem Sturz Baschar al-Assads eine Pufferzone besetzt, die an einer Stelle bis zu 40 Kilometer vor die Stadtgrenze von Damaskus reicht. Und nun hält die Armee noch im Südlibanon 10 Prozent des libanesischen Staatsgebiets besetzt.

Das Ende bleibt offen

Doch es sei falsch, das Konzept von Großisrael als rein territorial zu verstehen, schreibt Daniel Levy, einer der israelischen Verhandlungsführer des Oslo-II-Abkommens von 1995 im Guardian. Es sollte vielmehr als geopolitisches und strategisches Vorhaben verstanden werden. Es gehe um „Netanjahus Wunschvorstellung von Israel als regionaler Supermacht“. Iran war das größte Hindernis, das Netanjahu mit Hilfe des US-Präsidenten durch diesen Krieg aus dem Weg räumen wollte.

Die geschwächten Golfstaaten würden dann weitere Normalisierungsabkommen mit Israel unterschreiben, in der Hoffnung, dass das für sie mehr Sicherheit schafft. All das ohne irgendwelche Zugeständnisse an die Palästinenser, so analysiert Levy. Dass die Golfstaaten als Antwort auf den amerikanisch-israelischen Angriff mit iranischen Drohnen und Raketen angegriffen wurden, war für Israel „keine bedauerliche Nebenwirkung, sondern im Design angelegt“.

Die Rechnung des israelischen Premierministers wird kaum aufgehen. Stattdessen schwindet der Einfluss des starken Partners USA in der Region noch schneller als bereits vor dem Krieg. Die Golfstaaten werden sich entsprechend neu orientieren. Sie müssen sich entscheiden, welchem der beiden sich aufbauenden Machtzentren sie sich anschließen: dem Bündnis der Regionalmächte Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan. Oder begeben sie sich in eine Abhängigkeit des geostrategischen Projekts Großisrael, wie das zurzeit noch die Arabischen Emirate tun?

Noch befinden sie sich in der Warteschleife, sitzen es aus, um zu sehen, wie es mit den USA und Iran weitergeht und wie sich die Lage im Libanon, im Gazastreifen, im Westjordanland und in Syrien entwickeln wird. Und nicht zuletzt warten sie, ob sich die USA, deren Einfluss geringer, aber noch nicht verschwunden ist, für das neue Bündnis der Regionalmächte oder einmal mehr für Israel entscheidet.

Denn auch in den USA wachsen die Zweifel, ob man in diesem Krieg mit Israel tatsächlich auf die richtige Karte gesetzt hat. So ist im Moment eigentlich nur eines klar: Der neue Nahe Osten hat zu viele offene Enden, als dass man heute genau wissen kann, wie sie sich in Zukunft zusammenfügen werden.

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Karim El-Gawhary
Auslandskorrespondent Ägypten
Karim El-Gawhary arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über den Arabischen Frühling, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildug.. 2024 bekam er das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich verliehen. Er hat fünf Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015) Repression und Rebellion (Wien 2020)
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56 Kommentare

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  • working class united?



    "ob es erneut den Versuch eines weiteren Arabischen Frühling geben wird, bleibt eine der großen Unbekannten."!

    • @Land of plenty:

      Auf eine unterstützende USA lässt sich leider pfeifen, das hat die Vergangenheit gezeigt.



      Demokratie in den arabischen Staaten würde ja auch Israels Regionalmacht und die US-Öl-Freundschaft gefährden.

  • Netanyahus Handeln ist kriminell, schädlich und größenwahnsinnig. Er schadet Israel zuerst damit. Ich hoffe, dass sein Körper so lange durchhält, dass er nach der Wahl vor Gericht gestellt und abgeurteilt werden kann.



    Die USA unter dem businessgeldgierigen Trump haben sich da gut vorführen und instrumentisieren lassen. Aber in Europa hat es sogar Deutschland inzwischen geschnallt. Es wird noch Jahre dauern, aber auch Europa kann in der Region eigentlich konstruktiv wirken. Kurzfristig müssen wir freilich unsere Fossil-Abhängigkeit ganz schnell reduzieren. Was letztlich der Region dort auch guttut.

    • @Janix:

      Wie wäre es denn, wenn Europa erstmal in Europa konstruktiv wirken würde?

      Ist ja nicht so, dass im Nahen Osten zuwenig mitmischen.

      Oder dass sehr viele Regionen am europäischen Wesen genesen sind.

      Der soziale Abstieg in den Golfstaaten wird der Region guttun?



      Klingt spannend.



      Wo hätte um sich greifende Armut progressiv gemacht,



      Könnten Sie das begründen?

      • @rero:

        Ich tipp's mal an: Staaten mit Fossil-Rente oder anderen überproportionalen Rohstoffreichtum sind bis auf wenige Ausnahmen Autokratien, denn die Versuchung dieser staatlichen Tröge ist zu groß, um da jemals wieder abzutreten.



        Ergo sprechen einige vom Fluch des Öls.

        Dass Europa in der Region einiges versemmelt hat, von Sykes-Picot & Co. bis zur Installation von Staaten: ja. Muss aber nicht das nächste Mal auch so laufen. Die USA wäre der natürliche Dritte von außen, ist aber krass parteiisch und inzwischen auch offenbar käuflich.

        • @Janix:

          Warum sollen die Menschen im Nahen Ost ihr politisches Schicksal nicht selbst bestimmen dürfen?

          Womöglich finden Sie die hiesige Lebensart nicht mal erstrebenswert?

        • @Janix:

          Es wäre schön, wenn Bodenschätze globale Allmende wären.

  • Was hier völlig ausgespart wird: Der Klimawandel.



    Der wird vor allem den mittleren Osten bis Ende des Jahrhunders nahezu unbewohnbar machen.



    Also ist es eigentlich egal was da heute passiert... in 100 Jahren werden Menschen da nur noch unter Kuppeln leben können. Und die können sich nur die super reichen Länder leisten.

  • Ich glaube nicht dass es um ein Groß-Israel geht. Sondern es geht eher darum dass eine Gruppierung, die die Vernichtung Israels auf ihre Agenda stehen hat, selber vernichtet wird.

    • @Peter Schütt:

      Das funktioniert wie kommunizierende Röhren: je aggressiver Israel in seinem Umfeld auftritt, desto stärker befördert es auch den Hass in den Bevölkerungen seiner Nachbarn (v.a. wenn diese sich wie im Libanon durch den schiitischen Glauben besonders mit dem Iran verbunden fühlen) - und natürlich visa verse, versteht sich.



      In der weltweiten jüdischen Diaspora lösen die Ereignisse in Nahost noch dazu einen wahren Outburst an antisemitischen Ressentiments aus, unabhängig davon, wie auch immer Jüdinnen und Juden sich zu Israel positionieren.



      Aber wollen wir jetzt eine Diskussion darüber anfangen, was zuerst da war, das Huhn (Israels Aggressionen gegen seine Nachbarn und die Unterdrückung der Palästinenser) oder das Ei (Antizionismus und Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel)?



      Dazu müsste man sehr weit in die Geschichte zurückgehen - was in unseren Diskussionen hier im taz-Forum auch getan wurde - und könnte trotzdem nie zweifelsfrei feststellen, welche Seite tatsächlich Anspruch auf das ‚Heilige Land‘ erheben dürfte.



      Für das moderne Völkerrecht sind solche zweifelhaften national(istisch)en Anspruchs-Debatten (v.a. von nationalreligiöser jüdischer Seite ausgehend) ohnehin irrelevant.

    • @Peter Schütt:

      Glauben Sie, was Sie wollen. Doch die Sätze wie Handlungen weisen leider in die andere Richtung. Es ist Imperialismus ohne Grenzen, und das geht immer schief. Armes Israel.

    • @Peter Schütt:

      Mit dem Glauben ist das so eine Sache.

      Tatsache ist, dass in der israelischen Regierung Minister sitzen, die der festen Meinung sind, dass Gott ihnen große Teile des nahen Ostens vermacht hat. Weit über die völkerrechtlichen Grenzen Israels hinaus. Und diese Leute wollen jetzt zugreifen.

    • @Peter Schütt:

      Wenn man unter Großisrael die Erweiterung Israels um Westbank, Gazastreifen und Golanhöhen versteht: natürlich geht es darum. Das wird doch deutlich genug gesagt.

  • Eine kluge Analyse zur geopolitischen Situation in Nahost.



    Allerdings würde ich bei weitem noch nicht den Schwanengesang anstimmen, was die US-Präsenz in der Region angeht. Der (von mir eigentlich erwartete) Aufstand der Schiiten im Libanon und im Irak gegen das amerikanische und israelische Bombardement im Iran ist ausgeblieben.



    Auch sehe ich nicht, dass sich die Golfstaaten von den USA distanzieren oder gar die Räumung der US-Basen fordern. Zu groß ist möglicherweise die Angst vor den Mullahs in Teheran (einerseits) und dem Wiedererstarken des IS (andererseits), als dass man auf den US-Schutz verzichten wollte.



    Die arabischen Golfstaaten haben ohnehin ein großes Interesse an normalisierten Beziehungen zu Israel. Mit dem Abraham-Abkommen wurden dazu schon während Trumps erster Amtszeit die ersten Schritte eingeleitet. All dies spielt Israel als Regionalmacht in die Hände.



    Gebiete im Libanon und Syrien lassen sich ohne weiteres für die grossisraelischen Ambitionen der israelischen Rechten okkupieren. Diese Staaten sind zu schwach, um sich dagegen zu wehren. Und sie stehen alleine da.



    Erst recht interessiert niemanden in den reichen Golfstaaten das Schicksal der Palästinenser.

    • @Abdurchdiemitte:

      "Auch sehe ich nicht, dass sich die Golfstaaten von den USA distanzieren oder gar die Räumung der US-Basen fordern."

      "Die arabischen Golfstaaten haben ohnehin ein großes Interesse an normalisierten Beziehungen zu Israel."

      Das sind Momentaufnahmen. Der Artikel beschäftigt sich mit langfristigen Entwicklungen. Aktuell sind die arabischen Golfstaaten noch stark vom Westen abhängig. Und sie sind nicht so dumm, es auf einen schnellen Bruch ankommen zu lassen. Die Herren denken langfristig und sind dabei, ihre Armeen auszubauen und ihre Wirtschaft weniger vom Öl abhängig zu machen. Das dauert.

      Und sie betreiben längst ihre eigene Politik. Auch gegenüber dem Iran. Da gab es auch eine Annäherung. Ein Zweck des aktuellen Krieges ist wohl auch, diese zu torpedieren. Allerdings wissen die Herren am Golf, wer den Krieg angefangen hat.

      Ein Aspekt wird übrigens auch meist ausgeblendet. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Menschen an Golf ihre (noch) US- und israelfreundlichen Regierungen davon jagen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Momentaufnahmen können auch in langfristige historische Entwicklungen einmünden oder aus ihnen resultieren. Die Beziehungen zwischen dem Iran und den arabischen Staaten waren nie ganz ohne Spannungen, schon wegen der schiitischen Bevölkerungen in einigen arabischen Ländern (im Irak sogar die Mehrheit). Fragile Regimes wie im Irak, aber auch die Golfstaaten werden daher wohl noch länger auf US-Militärpräsenz angewiesen sein.



        Was das Aufstands- resp. Revolutionspotential im arabischen Raum betrifft: wir haben in den Jahren nach 2010 ja gesehen, wie weit das trägt und es mehr zur politischen Destabilisierung und Etablierung autoritärer Regimes als zur Demokratisierung beigetragen hat. Darauf würde ich also nicht bauen hinsichtlich der Gestaltung der aussenpolitischen Beziehungen in Nahost.



        In den Golfstaaten müssten es ausserdem die zahlreichen, dort unter äußerst prekären Verhältnissen lebenden asiatischen Kontraktarbeiter sein, die ein nennenswertes Umsturzpotential darstellen, nicht die einheimische arabische Bevölkerung, die (noch) vom aus dem Öl resultierenden Boom profitiert.



        Ganz anders freilich sieht es in den arabischen Ländern nördlich der Golfstaaten aus.

        • @Abdurchdiemitte:

          "Fragile Regimes wie im Irak, aber auch die Golfstaaten werden daher wohl noch länger auf US-Militärpräsenz angewiesen sein."

          Die Idee, dass die Völker ihre Probleme untereinander lösen können, scheint vielen Menschen in der EU und den USA nicht zu kommen. Aber es geht auch ohne weiße Mächte, die einen guten Teil der Probleme durch ihre ständigen Einmischungen erst geschaffen haben.

          "In den Golfstaaten müssten es ausserdem die zahlreichen, dort unter äußerst prekären Verhältnissen lebenden asiatischen Kontraktarbeiter sein"

          An diese dachte ich...

  • Danke für die Einschätzung.



    Mir fehlt nur noch der Satz dass Kriege immer gut für diejenigen sind, die sie anzetteln. Die Kosten für Gesellschaft, Demokratie, Menschen und Dinge sind diesen Irren egal.

    Das bedeutet: Wir dürfen keine Verrückten an die Macht lassen und das widerum geht am besten dadurch, dass man Monopole verhindert, für Vielfalt und Bildung sorgt....

    Alte, langweilige Rezepte, klar. Aber wie wäre es mal mit einer konsequenten Umsetzung?!! Politik FÜR die Bürger statt ständig Rechtsradikale und Konzerne zu fördern...

    • @realnessuno:

      Das Konzept mag alt sein, die Umsetzung wäre aber revolutionär.



      .



      Immerhin hat es das in den USA seit der Gründung nicht gegeben.



      .



      Es war schon immer ein politisches System von der Elite für die Elite.



      .



      Der Frust darüber war ironischerweise einer der Gründe für die Wahl Trumps.

    • @realnessuno:

      ... und damit sollten wir in D sofort beginnen.

  • Sollte nach dem (eigentlich Halb-)Satz ‚ Denn egal wie US-Präsident Donald Trump die Angelegenheit dreht und wendet.‘ nicht ein Punkt, sondern vielleicht noch über eine Art Resultat berichtet werden?

    • @EffeJoSiebenZwo:

      Sorry, war auf dem Holzweg: der ganze Rest beschäftigt sich ja mit den bereits eingetretenen und erwarteten Folgen. Habe mich durch die folgende Zwischenüberschrift verwirren lassen.

  • Die Ausweitung der israelischen Einflußspäre ist sicherlich im Sinne der Politik Netanjahus. Aber wenn man von den Regionalmächten Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien spricht, und der Ausdehnung des türkischen Einflusses durch Stützpunkte am Eungang des Roten Meeres, dann sollte man doch auch nicht vergessen dass diese Länder mal zum Ottomanischen Reich, also zur Türkei, gehört haben. Es geht also nicht nur um die Zusammenarbeit von Regionalmächten, sondern auch um die Ausweitung des Einflusses der Türkei - das ist Erdogan durchaus zuzutrauen. Eine Wiederherstellung des alten Reiches vielleicht?

    • @Gerald Müller:

      Das kann sein. Möglicherweise spielt die ‚osmanische Karte‘ für die geostrategische Überlegungen Erdogans in der Region eine größere Rolle. Allerdings nicht in Form einer Rekonstitution des alten osmanischen Reiches, der geopolitische Einfluss über Militärbasen reicht völlig aus.



      Es dürfte auch noch spannend werden, ob und wann die türkischen Interessen mit denen der anderen regionalen Player kollidieren, insbesondere mit denen Israels und des Iran. Zwischen dem Iran und der Türkei knistert es ja schon jetzt deutlich wegen der Demütigung Armeniens im Berg-Karabach-Konflikt sowie der türkischen Militärpräsenz in dem an den Iran angrenzenden Aserbaidschan.

    • @Gerald Müller:

      Das alte Reich war ein Vielvölkerstaat, kein türkischer Nationalstaat. Die türkische Republik war bewusst eine Neugründung und keine Fortführung eines Osmanischen Rest-Reichs.



      Es heißt übrigens im Deutschen "Osmanisch", nicht "Ottomanisch".

  • 》Das Ende von Kriegen kann eine neue Weltordnung schaffen《



    .



    Vielleicht sollten Sie Ihre Analyse unerwünschter Ergebnisse von Kriegen auch in einem kleineren Maßstab anwenden, wie es Golda Meir, von 1969 bis '74 israelische Premierministerin (davor 10 Jahre Außenministerin) in diesem Video www.instagram.com/...h=bDdxNHNxaWlhcjdy vorgedacht hat: statt eine Groß-Israel Ideologie für die Besetzung der Golanhöhen, des Westjordanlandes und Gazas als ursächlich anzusehen, auch erwähnen, dass von arabischen Staaten begonnene Kriege dazu geführt haben: Hussein (Jordanien) hat als Ergebnis 1967 die Westbank verloren, Assad die Golanhöhen und der "weit über Ägypten hinaus als antikolonialer Held gefeiert"e Nasser den Sinai und Gaza - alle diese Gebiete vor diesen Kriegen nicht unter israelischer Kontrolle.



    .



    Meirs abschließende Frage an die Befürworter einer Rückkehr zu den Grenzen von 1967, "good people": "Wenn die Grenzen von 1967 so heilig seien - warum habe es dann 1967 [überhaupt] einen Krieg gegeben?" könnte bei der Betrachtung des Nahostkonflikts den Blick auch auf (groß-? pan-?)arabische Vorstellungen und muslimische Ansprüche auf Vorherrschaft öffnen.

    • @ke1ner:

      Warum zitieren Sie ohne Quellenangabe?



      Warum es 1967 einen Krieg gab? Das hätte Golda Meir wahrscheinlich selbst beantworten können. Der Krieg wurde von Israel begonnen.

      • @Francesco:

        + @O.F. Zur angebl. fehlenden Quellenangabe: das Video, aus dem ich zitiere, ist in dem Kommentar verlinkt.



        .



        Die Behauptung, Israel habe den Sechstagekrieg begonnen ist formalistischer Unsinn.



        .



        》Unmittelbare Auslöser des Krieges waren die ägyptische Sperrung derStraße von Tiranfür die israelische Schifffahrt am 22. Mai, der vom ägyptischen PräsidentenNassererzwungene Abzug derUNEF-Truppen vomSinaiund einägyptischerAufmarsch von 1.000 Panzern und fast 100.000 Soldaten an den Grenzen Israels.



        .



        Die Kampfhandlungen begannen am 5. Juni mit einemPräventivschlagderisraelischen Luftstreitkräftegegen ägyptische Luftwaffenbasen, der einem befürchteten Angriff der arabischen Staaten zuvorkommen sollte《 de.wikipedia.org/wiki/Sechstagekrieg



        .



        Ein vom Völkerrecht gedeckter Präventivschlag vor einem unmittelbar bevorstehender Angriff - unlängst, in Bezug auf den Irankrieg (z. Vergl.), wurde lediglich noch diskutiert, ob ein Angriff des Irans wirklich unmittelbar bevorstand (Vernichtungsankündigungen, Proxy-Milizen, Atomwaffen!), um die Frage der Konformität mit dem Völkerrecht zu klären, aber nicht, ob er für diesem Fall rechtmäßig sei: dann ist es Selbstverteidigung.

        • @ke1ner:

          Und wer von 1967 redet sollte 1956 nicht verschweigen. Damals ging der Angriff ganz offensichtlich von Israel aus, im Bündnis mit Frankreich und Großbritannien.

        • @ke1ner:

          OK, mir war nicht klar, dass Sie aus dem Video zitieren. Quellen gibt man normalerweise direkt beim Zitat an.

        • @ke1ner:

          Ich würde doch dazu raten, ab und an zu einem seriösen Historiker zu greifen, statt sich auf Instagram zu informieren. Dass Ägypten tatsächlich plante, Israel anzugreifen, kann heute als widerlegt gelten - umstritten ist lediglich, ob Israel das wusste oder irrtümlich von einer Bedrohung ausgegangen ist. Und weil Sie das Thema ansprechen: dass ein iranischer Angriff auf Israel unmittelbar bevorstand, glaubt man vermutlich nicht einmal in Israel - das ist, ebenso wie das Atomprogramm, ein Vorwand, um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf einen regionalen Konkurrenten zu verkaufen.

          • @O.F.:

            》Ich würde doch dazu raten, ab und an zu einem seriösen Historiker zu greifen, statt sich auf Instagram zu informieren《



            .



            Ein O-Ton von Golda Meir ist - auch auf Instagram - eine Primärquelle.



            .



            Während Sie zwar wiederholt "Historiker" bemühen - aber konkret keine*n namhaft machen, geschweige denn mit Quellenangabe zitieren.



            .



            Und auch sonst niewanden.

            • @ke1ner:

              Eine Quelle, die wiederum der Quellenkritik bedarf (Meir ist offenkundig keine neutrale Beobachterin) und genau die kann das Zitatenbingo in sozialen Medien nicht leisten. Dass Ägypten keinen Angriff geplant hat, vertreten klassisch Avi Shlaim und John Quigley, und es gegenwärtig die Mehrheitsmeinung unter seriösen Wissenschaftlern. Eine Fülle entsprechender Studien finden Sie einfach mit einem elektronischen Bibliothekskatalog Ihrer Wahl.

            • @ke1ner:

              @O.F. es würde mich aber sehr interessieren, wenn Sie Quellen, Bestätigungen für Ihre Thesen - insbesondere die, der Sechtstagekrieg sei kein Präventivkrieg gewesen! - beibringen könnten!

              • @ke1ner:

                Die These, der Sechstage-Krieg wäre ein Präventivkrieg basiert auf der Annahme, dass ein ägyptischer Angriff unmittelbar bevorstand – was, wie ich mehrfach erklärt habe, heute nur von einer absoluten Minderheit von Historikern vertreten wird, d.h. eigentlich müssten Sie belegen, wieso Sie die opinio communis bezweifeln, nicht umgekehrt. Aber um nicht pedantisch zu sein, hier zwei Titel (mit dem OPAC finden Sie leicht einen ganzen Stapel Literatur):



                John Quigley, The Six-Day War and Israeli Self-Defense, Cambridge 2013



                Oder, etwas vorsichtiger argumentierend:



                Moshe Gat: The Arab–Israeli Conflict, 1956–1975, Routledge 2018.

                • @O.F.:

                  Hier api.pageplace.de/p...6596_A31721819.pdf habe ich (auf die Schnelle) einen Preview zu Moshe Gat gefunden - dort aber heißt es:



                  .



                  》In our opinion, Nasser was



                  not dragged into this war, nor slipped toward it reluctantly, as some authors claim, but was in fact very calculated upon entering into it.《



                  .



                  Und: 》On 22 May, Nasser announced his intention to close the Straits of Tiran to



                  Israeli shipping. Israel left no doubt as to how it would react if Nasser made good



                  his threat and closed the Straits to Israeli ships. Closing the Straits, it stated,



                  amounted to a casus belli. Undeterred, on the night of 22–23 May, Nasser declared



                  the Gulf of Aqaba closed to Israeli shipping and to all ships carrying ‘strategic



                  material’ to Israel, pushing the region one step closer to war.《



                  .



                  Inwiefern fassen Sie das als Bestätigung Ihrer Ausführungen auf?

                  • @ke1ner:

                    Das Zitat widerlegt meine Aussage nicht: die nämlich, dass Ägypten keinen Angriff auf Israel geplant hat. Gats These ist, kurz gefasst, dass auf ägyptischer Seite zwar potentielle militärische Pläne gab, aber keinen politischen Willen zur Umsetzung. Und Provokationen im Vorfeld ändern auch nichts daran, dass Israel Ägypten angegriffen hat, nicht umgekehrt. Ich rate also dazu, das Buch ganz zu lesen und weniger selektiv mit Fakten bzw. Zitaten umzugehen.

                • @O.F.:

                  Noch etwas, auch wieder auf die Schnelle: hier in der LTO www.lto.de/recht/h...me-blockadebrecher wird die Rechtmäßigkeit der Blockade der Straße von Hormus durch die USA diskutiert (grob: selbst wenn der Angriff auf den Iran völkerrechtswidrig gewesen sei, handle es sich dennoch um eine legale Kriegshandlung).



                  .



                  Übertragen auf die Sperrung der Straße von Tiran durch Nasser würde sich also die Frage stellen, ob es sich nicht dabei schon um eine vom Völkerrecht nicht gedeckte Kriegshandlung gehandelt hat.



                  .



                  Die Argumentation könnte dann vielleicht so weiter gehen: rechtmäßig, da sich Ägypten schon im Krieg mit Israel befand.



                  .



                  Was dann zum einen den Sechstagekrieg nicht mehr als isolierten Krieg ansähe, und z. a. die Frage aufwürfe, inwiefern der arabische (u.a. Ägypten) Angriffskrieg gegen Israel 1948 völkerrechtskonform gewesen sein soll.



                  .



                  Wie wan's dreht oder wendet: Ägypten hat entweder mit der Sperrung der Straße von Tiran (Kriegshandlung) einen Krieg begonnen (völkerrechtswidrig) oder einen (auch völkerrechtswidrigen) Krieg fortgesetzt, Israel hat unter beiden Annahmen reagiert.



                  .



                  Einwände?

                  • @ke1ner:

                    Ja, Sie werfen hier einiges durcheinander. Um die Rechtmäßigkeit der Hormuz-Blockaden ging es hier gar nicht, sondern um den diesen vorangehenden Überfall auf Iran. Als Blaupause für den Sechstagekrieg eignet sich das aufgrund der umgekehrten Reihenfolge der Ereignisse ohnehin nicht. Ein cadus belli ist uebrigens etwas anderes als ein Angriff. Das Faktum, das Israel Ägypten Angegriffen und damit den Krieg begonnen hat, können Sie nicht weginterpretieren (sogar die israelische Propaganda leugnet das nicht, sondern bedient die historisch nicht haltbare Präventivskriegsthese). Israel was hier also klar der Aggressor - und auch an den früheren Konflikten vor und nach der Staatsgründung nicht unbeteiligt. Der ständigen Weisswäscherei liegt ein unangenehm rassistischer Blick auf die arabische Bevölkerung Palästinas zugrunde, der man offenkundig keine Rechte am eigenen Land zugestehen mag.

                • @O.F.:

                  Vielen Dank!

    • @ke1ner:

      1967 hat es einen Krieg gegeben, weil Israel ihn begonnen hat. Das ist aber eigentlich Grundwissen...

      • @O.F.:

        Auslöser des 6- Tage Krieges waren die ägyptische Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt, der vom ägyptischen Präsidenten Nasser erzwungene Abzug der UNEF-Truppen vom Sinai und ein ägyptischer Aufmarsch von 1.000 Panzern und fast 100.000 Soldaten an den Grenzen Israels.



        =



        Die Kampfhandlungen begannen mit einem Präventivschlag der israelischen Luftstreitkräfte.



        =



        Von der Sowjetunion wurde 1966 der „Schild-und-Schwert-Plan“ für einen Krieg Ägyptens gegen Israel entworfen, der die Weiten der Sinaiwüste ausnutzen sollte. Die Israelis wussten von diesem Plan. Die Sowjetunion unterstützte die arabische Position und war wegen falscher Geheimdienstinformationen für eine weitere Eskalation verantwortlich.



        =



        Hussein I. strebte 1972 eine Vereinigung Jordaniens mit den verlorenen Gebieten Westjordanland und Ostjerusalem als Vereinigtes Arabisches Königreich an, welches von der PLO und den meisten arabischen Staaten abgelehnt wurde. 9 Tage nach Israels Sieg beschloss das israelische Kabinett, Syrien und Ägypten ein Friedensangebot zu unterbreiten.



        =



        Die Arabischen Liga antwortete:



        NO peace with Israel.



        NO recognition of Israel.



        NO negotiations with Israel.

      • @O.F.:

        Formal vielleicht richtig, allerdings hätte Israel nur ein paar Tage abwarten müssen, um sich dann einem Einmarsch ägyptischer Truppen gegenüber zu stehen, die bereits zu Tausenden aufmarschiert waren. Daher der israelische Präventivschlag. Für mich läuft das unter Notwehr.

        • @AndreasM:

          Dass Ägypten einen Angriff plante, ist reine Spekulation.

        • @AndreasM:

          Nun ist es unter Historikern (zurückhaltend formuliert) höchst umstritten, ob Ägypten tatsächlich einen Angriff auf Israel geplant hat. Die Präventivschlagsthese ist ein durchschaubarer Versuch, Israel von der Verantwortung für den NO-Konflikt freizusprechen (und nicht der einzige).

          • @O.F.:

            Einerseits sei es umstritten, andererseits ein durchschaubarer Versuch, das ist in sich unschlüssig.

            Zudem hat es Nasser doch eindeutig formuliert. Wenn Sie hier gerne die Äußerungen Israelischer Politiker zur Begründung Ihrer Vorwürfe heranziehen, müssten Sie dessen Aussage ja ebenso Gewicht beimessen.

            "Our basic objective will be the destruction of Israel. The Arab people want to fight.“

            7. Statement by President Nasser to Arab Trade Unionists, 26 May 1967

            • @BluesBrothers:

              Ich bin davon ausgegangen, dass die Litotes im ersten Satz selbst für eine Forendiskussion offensichtlich genug war. Im übrigen folgt daraus, dass man manche Politiker in manchen Situationen beim Wort nehmen muss, nicht, dass das immer so ist. Wenn jemand einmal die Wahrheit sagt, impliziert das noch nicht, dass es keine Lüge gibt.

              • @O.F.:

                Nein, der Einwand von @BluesBrothers, der von ihm richtig herausgearbeitete Widerspruch lässt sich nicht mit Hinweis auf "die Litotes" de.wikipedia.org/wiki/Litotes , 'die für so eine Forendiskussion eigentlich reichen sollten', entkräften (ich kann auch nicht erkennen, dass Sie dieses Stilmittel verwendet hätten).



                .



                "Im übrigen folgt daraus, dass man manche Politiker in manchen Situationen beim Wort nehmen muss, nicht, dass das immer so ist. Wenn jemand einmal die Wahrheit sagt, impliziert das noch nicht, dass es keine Lüge gibt" ist bestenfalls trivial und soll hier offenbar kaschieren, dass Sie dem angeführten Nasser-Zitat 》"Our basic objective will be the destruction of Israel. The Arab people want to fight.“



                .



                7. Statement by President Nasser to Arab Trade Unionists, 26 May 1967《 ohne weitere Begründung keine Bedeutung beimessen wollen (die Vermutung liegt nahe: es passt schlicht nicht in Ihre Sicht der Dinge und soll deshalb unter den Tisch fallen).

          • @O.F.:

            "NO-Konflikt Politik - durch Israel""- auf ein Friedensangebot Israels antwortete die arabische Liga mit den berühmt - berüchtigten 3 NEINS.



            =



            Berühmt - berüchtigt des wegen weil die arabische Liga & PLO die Integration von Gaza und Westjordanland in ein arabisches Staatsgebilde ablehnte welches nun die Grundlage war für die nun folgenden weiteren Kriege und Terroranschläge ohne Ende gegen Israel.

            • @zartbitter:

              Sie blenden sowohl die durchaus sowohl die durchaus eskalierende Rolle Israels im NO-Konflikt als auch die Friedensangebote von arabischer Seite aus, um so ein einseitiges Opfernarrativ zu konstruieren, das historisch nicht haltbar und unterschwellig rassistisch ist, weil es in Arabern keine Menschen mit Rechten und eigenen historischen Erfahrungen sehen will, so dern nur fanatisierte Wilde. Woher der Drang kommt, einen Staat bedingslos weisszuwaschen, der seit Jahrzehnten eine katastrophale Menschenrechtsbilanz hat, illegal Land besetzt und in Gaza vermutlich gerade einen Völkermord begangen hat, verstehe ich nicht ganz.

              • @O.F.:

                》Sie blenden [...] die Friedensangebote von arabischer Seite aus《 - wo lässt sich dazu Näheres finden (wann, von wem, Inhalte)?

                • @ke1ner:

                  Nun bin ich mir sicher, dass Ihnen die arabische Friedensinitiative vom 2002 (die auch der Iran unterstützt hat) nicht unbekannt ist - und natürlich haben arabische Staaten vor und nach der Gründung Israels auch nach diplomatischen Lösungen gesucht. Das (ebenso wie eskalierendes Verhalten seitens Israel beständig zu ignorieren), ist doch ein bisschen zu einfach...

  • Und die deutsche Politik reagiert wie immer in den letzten Jahren: dumm und überheblich.



    Man sollte jetzt Brücken zum Iran aufbauen, statt Sanktionen zu verhängen. Ein Wandel findet dort nicht durch äußeren Druck statt - das haben die letzten Jahrzehnte gezeigt.



    Es ist angebracht, eine neutrale Position einzunehmen, statt völkerrechtswidrige Kriege zu unterstützen. Auch deswegen, damit wir in der neuen Weltordnung, die sich anbahnt eine Position einnehmen können, die uns wirtschaftlich nützt und unser Ansehen stärkt.



    Wer nur nach dem Völkerrecht ruft, wenn es ihm nützt, es aber ansonsten ignoriert, ist kein Partner für Länder in Afrika, Südamerika und Asien.

    Hier sind dringend Korrekturen in der deutschen Außenpolitik nötig!

  • "Sie haben in diesem Krieg feststellen müssen, dass die US-Sicherheitsgarantien ihnen wenig geholfen haben und dass die US-Stützpunkte sie nicht geschützt, sondern im Gegenteil – verwundbarer gemacht haben."

    Natürlich. Und es wäre schön, wenn unsere Transatlantiker, die über Drohungen Trumps mit Truppenabzug in Angststarre verfallen, mal darüber nachdenken...

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      "Unsere Transatlantiker" werden daraus die selben Lehren ziehen wie die Golfstaaten.

      Und dieselben Probleme haben.

      Die unzuverlässigen USA lassen sich nicht ad hoc ersetzen.

      Schreibt auch Herr El- Gawhary.

  • „Kriege, vor allem schlecht kalkulierte Kriege, führen dazu, sich bereits anbahnende Änderungen zu beschleunigen“, schlussfolgert der Guardian. Angesichts der Krise um die Straße von Hormus ist abzusehen, dass sich die USA aus der Region auf absehbare Zeit zurückziehen werden.



    ----



    Da o.a. & vieles mehr im Essay scheint sehr einleuchtend! Wenigstens den Menschen, die noch selbst denken!



    Ob das aber Nr. 46/47 & seine Gang so sehen, oder ob die NUR ihren eigenen kurzfristigen Vorteil sehen, bliebt wohl offen!



    Btw. Doch langfristiges außenpolitisches "denken", oder doch besser "denken überhaupt", ist von den momentanen "Spitzen" dort wohl nicht zu erwarten!



    Innenpolitische Ziele scheinen da Vorrang zu haben, doch ob eine "Autokratie" in U-SA für die Nation & weltweit positiv ist, wage ich zu bezweifeln!



    Ps. Der Vergleich mit dem Empire ist mMn. sehr treffend. Auch wenn niemend in DC. solch Gedanken im Moment zu denken scheint! :-(