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Hochfrequenzgeräte in AdelebsenJugendliche weggepiept

Der Bürgermeister von Adelebsen bei Göttingen wollte Jugendliche mit Ultraschall vertreiben. Nach einer Woche hat er die Geräte wieder abgeschaltet.

Tatort oder Spot zum Chillen: Von dieser Bank vor dem Rathaus in Adelebsen sollten Jugendliche vertrieben werden Foto: Amira Klute
Amira Klute

Aus Adelebsen

Amira Klute

Der Bürgermeister weiß noch genau, wann er den Ton zum ersten Mal gehört hat. Das war vor 33 Jahren. Er war 14 und mit seinen Eltern im Italienurlaub. Unter dem Balkon aus „Romeo und Julia“ in Verona hörte er plötzlich dieses Piepen. „Können wir mal weitergehen?“, fragte er die Eltern. Die wunderten sich. Sie hörten nichts.

Warum es damals da gepiept hat, weiß Holger Frase (SPD) nicht. Aber seither weiß er, dass es diesen Ton gibt, den junge Menschen hören und alte nicht. Er erzählt die Geschichte gerne, an einem Dienstag Ende März in seinem Büro im ersten Stock des Rathauses von Adelebsen im niedersächsischen Landkreis Göttingen.

Mitte März hat Holger Frase unter dem Vordach des Rathauses zwei Hochfrequenzgeräte anbringen lassen, die einen Ton produzieren, den vor allem Menschen unter 25 Jahre hören können. Um Jugendliche zu vertreiben. Das fanden nicht alle schlecht, aber viele. Das Fernsehen kam in einer Woche zweimal in den 3.500-Einwohner*innen-Ort. Jugendliche wegpiepen, und das mit einer Technik, die auch gegen Maulwürfe, Marder und andere Schädlinge eingesetzt wird?

Auf Social Media waren Menschen empört. „Menschenverachtend“ nannten die Grünen in Adelebsen die Geräte. Sogar die CDU kritisierte den Bürgermeister wegen seines Alleingangs. Nach einer Woche einigte Frase sich mit dem Gemeinderat darauf, die Geräte wieder abzustellen. „Freiwillig“, sagt er, „quasi als Entgegenkommen.“

Problem: Jugendliche chillen auf einer Bank

Die Geräte, zwei kleine graue Kästen, hängen aber immer noch vor dem Rathaus. „Sie sind aber nicht mehr am Strom“, sagt der Bürgermeister. Dann tippt er mit dem Fuß von außen gegen das Gebäude. „Sehen Sie?“ sagt er. An der Fassade ist ein kleines Stück Putz abgeplatzt. Davor steht eine Bank auf sehr sauberen Pflastersteinen. Der einzige Farbklecks ist eine pinke zerdrückte Energydrinkdose.

An dieser Bank vorm Rathaus, sagt der Bürgermeister, gibt es ein Problem mit Jugendlichen. Das sagt nicht nur er, sondern das erzählen auch andere im Ort, die Sozialarbeiterin aus dem Kinder- und Jugendbüro, ein Rentner im Eiscafé, eine junge Frau am Bahnhof und sogar die Grünen.

Das Problem: Seit rund zwei Jahren chillen Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren abends an der Bank vor dem Rathaus, hören nachts laut Musik, hinterlassen Pizzakartons und Schmierereien (darunter die Postleitzahl, aber auch Hakenkreuze), haben schon einen Blumenkübel umgestürzt, einen Fahnenmast rausgerissen und zweimal Bücher im Bücherschrank an der Rathausfassade angezündet. Einen politischen Hintergrund vermutet niemand. Es kursierten Namen, die niemand nennen will.

Unscheinbar, aber nervig für alle U-25: „Mosquito“-Gerät unter dem Vordach des Rathauses Foto: Amira Klute

Die Polizei konnte bisher keine Täter ermitteln. Eine Polizeisprecherin schreibt der taz, dass sie schon Medienanfragen erreicht haben. Man sei sensibilisiert, das Rathaus Adelebsen sei aus polizeilicher Sicht aber „nicht als auffällig anzusehen“.

Der Bürgermeister sagt, es gäbe Anwohner, die ihn montags anriefen, wenn es am Wochenende laut war. Sie gingen nicht zur Polizei, sondern zu ihm. Zwei An­woh­ne­r*in­nen waren wegen der Jugendlichen in der letzten Einwohnersprechstunde. Mit der taz will am Dienstag aber niemand sprechen.

Vor dem Adelebser Rathaus kommt die Sonne raus und wärmt die Bank. Ein Kirschbaum blüht. Man hört das Plätschern der Schwülme. Das ist ein kleiner Bach, der durch Adelebsen fließt. Drei Jugendliche fahren lautlos auf E-Rollern vorbei.

„Mosquito-Geräte“ sind 13 x 11 cm große Kästen, die einen hohen pulsierenden Ton im Ultraschallbereich produzieren, den nur wenige Menschen über 25 Jahre hören können. Das liegt daran, dass mit zunehmendem Alter die Hochtonschwerhörigkeit wächst. Die Geräte wurden 2005 in Großbritannien entwickelt. In Deutschland vertreibt sie die Rhine Consulting Group BV mit Sitz in den Niederlanden. Ziel ist „Flächen für Treffen für Jugendliche uninteressant zu machen“. Ihr Einsatz ist legal.

Adelebsen ist nicht der erste Ort in Deutschland, der die Geräte eingesetzt hat. Auffällig ist, dass in Deutschland vor allem kleine Gemeinden die Geräte installieren. Darunter sind etwa Friedrichshafen und Freiberg am Neckar. Das hat das ZDF Magazine Royale vor drei Jahren thematisiert und eine bundesweite Debatte ausgelöst. Heute macht der Hersteller keine Angaben mehr dazu, wer seine Kunden sind, sagt er auf taz-Anfrage.

In Niedersachsen wurde über die Geräte schon einmal Mitte der 2000er Jahre diskutiert. Nachdem Osnabrück und Dissen „Mosquitos“ einsetzen wollten, beauftragte das niedersächsische Sozialministerium ein Gutachten bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Das kam zu dem Schluss, dass die Geräte nicht gänzlich unbedenklich sind. Für ein Verbot reichte es nicht. An der Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert, sagt das Ministerium auf taz-Anfrage.

Eigentlich, erzählt der Bürgermeister, habe seine Tochter ihn auf die Idee mit den Piepsgeräten gebracht, weil sie ihm immer sage, wenn er die Batterien am Marderschreck in der Garage tauschen muss. Praktisch, oder? Dem NDR hat er die Geschichte auch schon erzählt.

Man habe vorher einiges anderes versucht, sagt er auch. Das WLAN abgestellt, die Jugendlichen kamen trotzdem. Nachts die Bank reingeholt, sie schleppten eine andere an.

Ich glaube fest daran, wenn das jetzt nicht so hochgekocht worden wäre, dann hätte das schon bewirkt, dass wir in zwei, drei Monaten vielleicht die Dinger hätten automatisch abschalten können, weil einfach nichts mehr passiert

Holger Frase, Bürgermeister von Adelebsen

Nach dem ersten Versuch der Jugendlichen, das Rathaus anzuzünden – er meint den Bücherschrank – sei es dann ein leichter Schritt gewesen, „Jugendschreck“ zu googlen. Er sei sofort fündig geworden.

Er findet die Idee immer noch gut. „Ich glaube fest daran, wenn das jetzt nicht so hochgekocht worden wäre, dann hätte das schon bewirkt, dass wir in zwei, drei Monaten vielleicht die Dinger hätten automatisch abschalten können, weil einfach nichts mehr passiert.“ Seit die Geräte abgestellt sind, habe es aber auch nichts mehr gegeben.

Piepsgeräte des Bürgermeisters „unmöglich“

Gegenüber vom Rathaus sitzt Gerd Schäfer, 67, vor dem Eiscafé. Er ist 2022 aus Kassel hergezogen und findet die Piepsgeräte des Bürgermeisters „unmöglich“. Man dürfe Jugendlichen nicht das Gefühl geben, nicht willkommen zu sein. „Das Problem sitzt im Rathaus und nicht davor“, sagt er.

Als Schäfer seinen Kaffee ausgetrunken hat, kommt er mit seinem Hund das Stück mit über die Straße zum Rathaus. Er will das eigentliche Problem Adelebsens zeigen. Vor dem Rathaus deutet er auf den Boden. Da wächst ein Grashalm zwischen Gehewegplatten. „Das meine ich. Hier macht keiner richtig sauber“.

In Adelebsen sind die Menschen im Durchschnitt 47,8 Jahre alt. Der Anteil der unter 18-Jährigen liegt bei 15,3 Prozent. Das ist nicht viel älter als der Bundesdurchschnitt. Es ist auch kein ausgestorbener Ort. Es gibt mehrere Sportvereine, ein Eiscafé, eine Pizzeria, einen Supermarkt, und mit Bus und Bahn kommt man tagsüber sogar zweimal die Stunde weg.

Donald van der Laan, Geschäftsführer der niederländischen Firma, die die Piepsgeräte in Deutschland vertreibt, freut sich über den Anruf der taz. „Auch negative Berichte sind nicht negativ geschäftsmäßig“, sagt er. Wer in Deutschland seine Kunden sind, will er nicht sagen.

Vor drei Jahren hat er es dem ZDF Magazin Royale noch erzählt, aber die Kunden hätten nicht so gute Erfahrungen gemacht. Nur so viel: Die Hälfte der Geräte landen bei kleineren Gemeinden, der Rest bei Privatpersonen. Aus Großstädten kämen nur selten Anfragen.

Rotterdam testet im öffentlichen Raum

In den Niederlanden ist das anders. Rotterdam testet gerade Piepsgeräte im öffentlichen Raum, die An­woh­ne­r:in­nen per Smartphone anschalten können, wenn Jugendliche ihnen zu laut sind. Praktisch, oder?

Was Adelebsen fehlt, ist ein Ort, wo Jugendliche abends einfach sein können, ohne sich anmelden oder etwas bezahlen zu müssen.

Andrea Ströbele, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat

In deutschen Großstädten sind es nicht nur Jugendliche, die im öffentlichen Raum stören. Gegen erwachsene Obdachlose setzen unter anderem Leipzig oder Stuttgart schon länger klassische Musik ein.

Und im kleinen Adelebsen, was macht man jetzt mit dem Problem mit den Jugendlichen am Rathaus, wenn nicht wegpiepen?

Andrea Ströbele, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat, fordert mehr Geld für Jugendarbeit und ein Jugendzentrum für Adelebsen. „Was Adelebsen fehlt, ist ein Ort, wo Jugendliche abends einfach sein können, ohne sich anmelden oder etwas bezahlen zu müssen“, sagt Ströbele. Es sei aber auch wichtig, vorher mal mit den Jugendlichen zu sprechen.

Daniela Brill, eine der Sozialarbeiterinnen aus dem Kinder- und Jugendbüro, das Basteltreffen und Freizeitfahrten anbietet, sagt, sie sähen ein, dass ihre Angebote die Jugendlichen von der Bank nicht so richtig abholten. Sie wünschen sich einen zusätzlichen männlichen Sozialarbeiter.

Die Jugendlichen, die am Dienstag durch Adelebsen laufen, tragen Noise-Canceling-Kopfhörer. Außer Fabio, 16, Shari, 19, und Dominik, 18. Sie stehen an einem Wäldchen am Bahnhof und rauchen. Sie haben die Piepsgeräte nicht selbst gehört, weil sie über die Osterferien weg waren.

Fabio sagt, wo sie gerne in Adelebsen rumhängen: „Rewe Parkplatz, Rathaus, überall, wo man sitzen kann.“ Ein Jugendraum, denken sie, würde kaputtgemacht werden. Wobei es im Nachbarort Barterode funktioniere. Da hatten sich Jugendliche aber selbst für den Raum eingesetzt.

Der Bürgermeister hat sich mit dem Gemeinderat darauf geeinigt, die Geräte abzustellen, wenn Adelebsen sich dafür eine halbe Stelle mehr für Jugendarbeit leistet. Ob die Stelle kommt, entscheidet der Rat am 5. Juni. Solange will Bürgermeister Frase die ausgeschalteten Geräte noch hängen lassen. „Ich möchte einfach nicht, dass mein Rathaus in Flammen steht“, sagt er.

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37 Kommentare

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  • Brennende Bücher oder auch nur Vermüllung des Rathauses muss sich keine Gemeinde gefallen lassen.



    Daher stellt sich die Frage: Hohes Piepsen oder Kameraüberwachung, ggf. mit KI-Auswertung made in China?



    Ich hätte da eine ganz klare Präferenz.

  • Das "normale" Verhalten ALLER hat sich ziemlich gewandelt, - damit natürlich auch das vieler Jugendlicher. Der Bücherschrank in unserem Ort wurde bereits zweimal abgefackelt, - beim zweiten Mal das öffentliche WC- Häuschen gleich mit, - indem man Bücher und einen Weihnachtsbaum in einer Klosettschüssel entzündete. Keine öffentliche Toilette mehr, seither. Überwachungskameras nähe Bücherschrank "dürften nicht, aus rechtlichen Gründen". Das zu Zeiten, da man beim Passieren von parkenden Autos gefilmt wird.



    Der Franz-von-Assi-Statue auf dem Kirchplatz hat man nun einen Hitler-Bart gemalt, sehr haltbar, mit Marker. Franziskus hat dabei noch Glück gehabt: vor wenigen Jahren hatte man ihn sogar enthauptet. Vielleicht wäre kopflos ihm aber lieber gewesen, als diesen Bart tragen zu müssen ...



    Wir haben in einem bestimmten Alter auch herumgehangen, waren laut und provokant. Der Grad der angerichteten Zerstörungen ist aber wohl heutzutage höher. Allerdings nicht nur von Jugendlichen verursacht.

    • @Woodbine:

      @Woodbine



      Es gibt schon seit den 70er Jahen [ Westdeutschland ], Städte und auch - man lese & staune - auch kleinere Gemeinden ein Angebot von Abenteuerspielplätzen, Jugend Zentrum , Jugendtreffs mit pädagogischen Personal welche auch Stundenweise von Ehrenamtlichen unterstützt werden, mit Praktikanten in Sozialpädagogische Ausbildung betreut werden und den Jugendlichen Ansprechpartner sind und für Inspiration, Betreuung und Sozialisierung sorgen. Da braucht es natürlich fähige Kommunalpolitiker die ihrer Aufgabe gewachsen sind.

    • @Woodbine:

      Es ist eine Folge der Vernachlässigung der Kinder und Jugend. Jugendzentren, Sportmöglichkeiten, Streetworker - alles fällt dem Sparzwang zum Opfer. Die Kommunen geben das knappe Geld sehr oft lieber für repräsentative Zwecke aus (von denen gerne die lokale Elite profitiert) anstatt für wirksame Jugendarbeit - darin kann man sich nicht so gut in Szene setzen....

  • Die Leute vergessen immer wie sie selber damals in dem Alter waren. Man ist da zu Alt für den Spielplatz und zu Jung und Geldlos um Auszugehen. Und weit weg kommst auch nicht, weil du höchstens ein Fahrrad hast. Und dann bist auch noch am Pupertieren. Ganz schlimme Zeit, für einen selbst und auch für alle anderen.

    Mein Lösungsvorschlag wäre: einfach akzeptieren das die da sind.



    Jugendeinrichtungen und die Einrichtung anderer Treffpunkte können die Frequenz speziell an dem Ort mindern, aber treffen werden die sich weiter irgendwo und Schei*e bauen die die auch weiter. Ist halt das Alter...

    Wenn ich an die Bushaltestelle denke die wir damals gern genommen haben. Man sah das schlimm aus. Allein die Spucke überall, ich weiß nicht warum, aber wir haben den ganzen Tag immer alles vollgerotzt aus irgendnen Grund.

    • @Rikard Dobos:

      Das für normal zu halten scheint mir aber auch etwas seltsam zu sein. Und wenn ich das richtig verstanden hab, handelt es sich immer nur um Jungen? Mädchen sind da nicht dabei?



      Klingt nicht gesund, solches Verhalten damals wie heute weiter zu bagatellisieren.



      Erwachsen wird man nicht durch ungehemmten zerstörerischen Unsinn anstellen.

  • Skandal Skandal.

    Sowas gab's schon als ich noch Jugendlicher war. Da haben sie das vor den Nachclub gebaut, weil die Jugendlichen dort dann davor standen um zu rauchen und zu saufen und so laut waren, dass der Club hätte geschlossen werden müssen wegen der Ruhestörung der Anwohner.

  • Als ich noch Jugendliche war (haha, in den 70gern) , da bin ich gern und oft ins örtliche Jugendzentrum gegangen, eigentlich so ziemlich alle Jugendlichen. Da gab es preiswert Getränke, coole Disko, Filme und interessante Veranstaltungen, alles für wenig Geld. Ich frage mich, was die Jugendlichen heute machen sollen ohne viel Geld auszugeben oder zu Hause zu hocken. Was bleibt da anderes, als anderen auf den Wecker zu gehen?

    • @SabineMia:

      Wir sind nach dem Haus der Jugend "zum Neubau" gegangen, eine Ansammlung neuer Häuser mit Bänken und haben da abgehangen und die Anwohner genervt.

    • @SabineMia:

      Liebe Sabine! Das ist in der heutigen Gesellschaft zu einer Traumvorstellung geworden. Das Geld wird anderswo verpulvert und kaum in die Jugendarbeit gesteckt. Man nimmt Kinder und Jugendliche nicht ernst, betrachtet sie als lästig und nur die Umsätze am Kiosk oder in der Disko sind interessant im Zusammenhang mit jungen Menschen. In unserer kleinen Stadt fährt der Bürgermeister einen fetten Dienstwagen und hat gleich 2 !!! Chauffeure - da geht die Knete hin.....

  • Die ideale Lösung wäre doch, das ganze so zu konfigurieren, dass ab einer gewissen Laustärke die Geräte aktiviert werden für ca. 20 Minuten. Dann wird sich relativ schnell einpendeln, dass man den Ort weiter aufsuchen kann, aber nicht zu laut wird.

    • @Dr. McSchreck:

      Ich fürchte, brennende Bücherregale werden von Ihrem Vorschlag nicht reguliert.

      • @o_aus_h:

        Das war auch nicht der Sinn der Sache. Sonst kann man sich das Gerät auch ganz sparen.

        Den Bücherschrank muss man dann ggf. in einem Bereich aufstellen, der ohnehin kameraüberwacht wird.

  • In meiner Jugend gab es einige Jugendräume bei uns in den Dörfern und in der Stadt. Wir sind fast nie hingegangen: dreckig, kaputt, zugemüllt und die Leute die da rumhingen waren oft unterste Schublade.....also raus in den Park, auf den Dorfplatz auf eine Bank, in einen Hochstand, an den See, an den Fluss, eigentlich egal. Wenn jemand einen Pieper angebracht hätte, ja dann hätten wir uns halt einen neuen Ort gesucht, so gesehen hätte der Pieper also wahrscheinlich funktioniert, zumal wir damals keine Geräuschunterdrückenden Kopfhörer hatten. Also natürlich nur, wenn der Pieper nicht in Sicht- und Reichweite gewesen wäre, denn sonst hätten wir den wohl einfach kaputt gemacht

  • Eine "Vergrämungsattacke" 2011in Sinsheim hat heute anekdotische Bedeutung, die Geräte waren ein Novum und blieben es auch.



    "Die Beschallung mit Störgeräuschen, der sich die Anhänger von Borussia Dortmund während des Auswärtsspiels bei 1899 Hoffenheim (0:1) am Samstag ausgesetzt sahen, hat ein juristisches Nachspiel. Die Heidelberger Polizei hat Ermittlungen gegen 1899 aufgenommen, bestätigte Polizeisprecher Harald Kurzer: "Bei uns ist heute eine Anzeige von einem Fan aus Pforzheim eingegangen. Wir prüfen den Verdacht der Körperverletzung." Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet, dass einige BVB-Fans Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt haben."



    Bei n-tv.de zu dem Vorfall



    Damals - live dabei - war mir das eher marginal erschienen, aber es geht nicht nur um Schall, es geht um Haltung, Respekt, Lösungen, auch heutzutage.



    Nicht alle technischen Lösungen sind in der Zivilgesellschaft als Konfliktlösung akzeptabel.



    Die Zahl der Plätze m. Überwachung nimmt derzeit zu.



    "Stadtbild“-Debatte



    Merz entfacht Streit über KI-Überwachung in Innenstädten



    Kanzler Merz hat mit seinen Äußerungen zum Stadtbild eine Sicherheitsdebatte ausgelöst: Die Union fordert mehr KI-Kameras..."



    handelsblatt.com

  • Wie wäre es mit einer Überwachungskamera? So lange, bis die Täter ermittelt sind.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Eine Überwachungskamera im frei zugänglichen öffentlichen Raum - nachdem bis jetzt "nur" Sachbeschädigung verübt wurde. 🤣

      • @FriedrichHecker:

        Was ist daran so lustig? Hier gibt es reelle Straftaten. Mit richterlicher Erlaubnis muss man da eine Kamera anbringen können. Und natürlich muss die wieder weg, wenn die Täter ermittelt sind. Videos anderer Menschen sind natürlich auch zu löschen.

        Sollten das die Gesetze nicht hergeben, müssen sie geändert werden. Ich bin absolut dagegen, überall Kameras aufzuhängen, aber in solchen Fällen, mit einem konkreten Zweck, sind sie notwendig.

  • An diese Geräte muss man glauben, sonst funktionieren sie nicht.

    • @FraMa:

      Wie sagt man da als reifere Jugend: Lol.

  • Würden wir da vorbeikommen, eine Anzeige wegen Körperverletzung wäre diesem merkwürdigen Meister der Bürger ääh Bürgermeister wohl mindestens sicher.



    Hat wohl 'nen🎵🎶🎶🎶 🐦🎶🎶

  • "Seit rund zwei Jahren chillen Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren abends an der Bank vor dem Rathaus, hören nachts laut Musik, hinterlassen Pizzakartons und Schmierereien (darunter die Postleitzahl, aber auch Hakenkreuze), haben schon einen Blumenkübel umgestürzt, einen Fahnenmast rausgerissen und zweimal Bücher im Bücherschrank an der Rathausfassade angezündet." Na, wenn Frau Klute das unter "chillen" versteht, dann ist ja alles in Ordnung. Also weitermachen wie gehabt...den öffentlichen Raum verschmutzen und zerstören.

  • tja, früher gab´s zumindest im Westen ab und an solche -selbst dekorierten- Jugendräume bei Kirchens. Eine säkulare, krchensteuersparende Gesellschaft hat für so etwas anscheinend leider kein Geld.

    • @Martin L.:

      Solche gabs im Osten auch. Ohne Kirche allerdings, nur die Gemeinde gab ihren Segen.



      Hat sogar in dem mir bekannten Fall auf kleinem Dorf gut funktioniert. Allerdings nur solange die Jugendlichen, die die Räume renoviert und instangehalten haben, selbst dabei waren.



      Die "next generation", vermutlich nur zwei oder drei Jahrgänge jünger, fand das Erbe ihrer Vorgänger nicht zwingend erhaltenswert.



      Und das wars dann...

  • Ich lese gerade: "Gegen erwachsene Obdachlose setzen unter anderem Leipzig oder Stuttgart schon länger klassische Musik ein."



    Richtet sich das tatsächlich gegen Obdachlose? Weil Obdachlose Mozart, Bach, Beethoven und Vivaldi nicht mögen? Wer sagt das?



    Ich dachte immer, das werde gemacht, weil Menschen beim Hören klassischer Musik weniger aggressiv seien. In U-Bahnhöfen wirkt es nach meinem Eindruck jedenfalls ganz gut.

    • @Aurego:

      Das richtet sich gegen alle Menschen die auf dem Gelände nicht erwünscht sind. Entlarvend ist die Lautstärke. Denn wäre es gedacht als Verbesserung des Aufenthaltes würde die Musik in einer angenehmen Lautstärke gespielt und auch wechseln. Darum wird die einseitige Beschallung auch nur ausserhalb der Verkaufsbereiche durchgeführt. Andernfalls gäbe es massive Beschwerden der Pächter. Menschenverachtend einfach, denn die zu vertreibernden brauchen keine klassische Musik, sondern soziale Unterstützung.

  • Bei diesem Bürgermeister piepst aber ganz gewaltig im Oberstübchen!

    • @Il_Leopardo:

      Auf eine Art und Weise? "Nein" - es hat einmal 30 (!) Veranstaltungen - ehrenamtlicher Tätigkeit - gekostet, bis das JUZ, welches mich immer wieder einsetzte - nach 8 Jahren (!) - 5 dringend notwendige Investitionen im Volumen von 80.000 DM bis 120.000 DM tätigen "durfte".

      Erst als "ich" dem CSU-Landratsfürsten auf die Füße trat, weil ich ihn genauso behandelte wie alle anderen auch - kein Bandl - kein Einlass... wurde nach kurzer Diskussion der "Investitionsstau" plötzlich aufgelöst. Ging doch!

      *

      Wir reden - in diesem Artikel -von einer halben (!) Stelle für die Jugendarbeit - und von einem Begegnungsraum...

  • Das Problem ist ja wohl, nicht wo sie sich treffen. Sondern was sie machen bzw hinterlassen. Und was dann anschließend passiert. Da leider die direkten real sozialen Ansprachen oft nicht mehr funktionieren, Eltern und beruflich damit beschäftigte Erwachsene beim Hinweis auf Fehlverhalten statt auf den Nachwuchs einzuwirken, zu oft mehr „Toleranz“ und Engagement von anderen einfordern. Wir haben in dem Alter wahrlich auch mehr als genug Unsinn angestellt, aber es war immer klar, dass unsere Grenzüberschreitungen eben ohne wenn und aber Folgen haben. Heute wäre es sicher undenkbar, dass „die Ortsjugend“ kollektiv vor die Frage gestellt würde, entweder den Bücherschrank wieder instand zu setzen, oder eben den Ort nicht mehr nutzen zu können. Aus unserer „Peer - Group sind so manche mehrmals zu Aufräum- und Ausbesserungsmassnahmen angetreten, weil der eigene Gruppendruck einfach „automatisch die Richtigen“ getroffen hat - auch ohne irgendwelche Namen an offizielle Stellen weiter zu geben. Und relativ schnell ist es dann einfach nicht mehr „cool“ über die Stränge zu schlagen.

    • @vieldenker:

      Anscheinend gab es aber nicht einmal direkte soziale Ansprachen. Da wurde ohne Warnung gefeuert. Und zwar auf ein Viertel der Bevölkerung.

  • "Ein Jugendraum, denken sie, würde kaputtgemacht werden. "



    Ist das ihr Vorhaben? Woher kommt diese negative Einstellung? Zuviel Tagesschau konsumiert?

    • @dkolfib:

      Vielleicht hat man ja nach den ersten "Flurschäden" eine "Zielgruppenansprache" durchgeführt und entsprechend zu verstehendes Feedback erhalten...

  • Die spinnen doch ziemlich, oder? Dem Rentner ist es zu schmutzig, dem Bürgermeister zu unruhig und die Sozialarbeiter sind einfach unfähig mit ihren Bastelkursen für Jugendliche. Wenn wundert es da noch, dass die Jugend eine Sitzbank kapert um zu feiern und sich entwickln zu können. Spart doch an der den unwichtigen Stellen in der Kommune, aber nicht an Eurer Zukunft - Euren Jugendlichen.



    Geht es eigentlich noch?

    • @Sonnenhaus:

      "Wenn wundert es da noch, dass die Jugend eine Sitzbank kapert um zu feiern und sich entwickeln zu können."



      und



      "Seit rund zwei Jahren chillen Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren abends an der Bank vor dem Rathaus, hören nachts laut Musik, hinterlassen Pizzakartons und Schmierereien (darunter die Postleitzahl, aber auch Hakenkreuze), haben schon einen Blumenkübel umgestürzt, einen Fahnenmast rausgerissen und zweimal Bücher im Bücherschrank an der Rathausfassade angezündet."

      Finde den Fehler.

    • @Sonnenhaus:

      Die bieten die Bastelkurse eher ned abends ab 6 an und haben mit ihren anderen Aufgaben und zu begleitenden Kindern und Jugendlichen wohl auch ihre Stunden bis dahin voll.