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„Haber-Verfahren“Wenn der Verfassungsschutz aussortiert

Kulturminister Weimer greift autoritär in den Kulturbetrieb ein. Sind nun andere Projekte dran? Beim Programm „Demokratie leben“ ist die Unruhe groß.

Abkürzung nach rechts: Viele Demokratieprojekte in Ostdeutschland sind nun akut gefährdet Foto: Stefan Trappe/imago

Zuletzt gab Höhr-Grenzhausen auf. Die Gemeinde hat etwa 14.000 Einwohner*innen, liegt unweit von Koblenz in Rheinland-Pfalz – dort, wo die AfD bei der vergangenen Bundestagswahl 26,1 Prozent der Stimmen holte, mehr als alle anderen, mitten im Westen. Und wo am Sonntag die Landtagswahl bevorsteht. „Ich bin echt verärgert“, sagt Marco Weißer, parteiloser Bürgermeister, der taz. Seit 2015 habe seine Gemeinde Geld aus dem Programm „Demokratie leben“ erhalten. Man habe damit Demokratieprojekte an Grundschulen, Zeitzeugenberichte aus Theresienstadt, aber auch ein Basketballturnier finanziert, auf dem Demokratie-Shirts gedruckt wurden. Nun aber müsse man aussteigen.

Die Mittel für die Projekte seien in diesem Jahr so spät freigegeben worden wie noch nie, im März erst, erzählt Weißer. Wegen monatelanger Verzögerung habe er kein Personal einstellen können. Vorher habe man „keinerlei verbindliche Informationen“ erhalten, wann und wie es weitergehe, schreibt er in einem Protestbrief ans Familienministerium. Bür­ge­r*in­nen reagierten mit Unverständnis. „Es verschärft sich die Politikverdrossenheit.“ Die Folge der hausgemachten Probleme bei den Demokratieprojekten, so Weißer: „Die AfD muss gar nichts machen, die sitzen in ihren Sesseln und reiben sich die Hände.“

Marco Weißer ist nicht als Einziger dieser Tage verbittert über das Programm „Demokratie leben“. Im Ministerium gehen derzeit Protestbriefe ein, von Bürgermeister*innen, Bundestagsabgeordneten oder kommunalen Ver­tre­te­r*in­nen – weil Fördergelder so spät ausgezahlt werden oder sich die geplante Neuaufstellung des Programms unsicher und bürokratisch gestaltet.

Mehr Islamismus, Antisemitismus, Linksextremismus

Seit dem Amtsantritt von Familienministerin Karin Prien (CDU) wird daran gearbeitet. Die inhaltliche Ausrichtung des Programms soll geändert werden: mehr Fokus auf Islamismus, Antisemitismus und Linksextremismus. In diesem Jahr werde dafür eine neue Förderrichtlinie vorgestellt, kündigte Priens Ministerium den Initiativen schon im Herbst an. Mehr Geld wird es hingegen nicht geben, vielmehr soll umgeschichtet werden. Die Befürchtung ist: Gerade Projekte gegen Rechtsextremismus und die Demokratieförderung im Osten Deutschlands könnten darunter leiden.

Zudem soll die Kontrolle der geförderten Projekte verstärkt werden – um „Extremismusvorwürfen gegen einzelne Träger“ zu begegnen, wie es auch schon im Herbst hieß. Die Sorge vieler zivilgesellschaftlicher Initiativen ist nun groß. Sie fürchten, dass sie bald das gleiche Schicksal treffen könnte wie jüngst drei linke Buchhandlungen, denen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den Preis des Buchhandels verweigerte – aufgrund von Hinweisen vom Verfassungsschutz.

Weimer hatte dafür im Stillen mehr als 100 Buchläden nach dem sogenannten Haber-Verfahren durchleuchten lassen, benannt nach der damaligen Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Emily Haber, die 2017 einen entsprechenden Erlass verfasste. Bevor Fördergelder an Organisationen vergeben werden, sollen Ministerien beim Verfassungsschutz nachfragen, ob dort Erkenntnisse über diese vorliegen. So soll verhindert werden, dass Gelder bei Extremisten landen.

Das Haber-Verfahren wird auch in Priens Ministerium angewandt. In einem internen Dokument von Ende Januar heißt es, dass die Träger des Programms „nach bekanntem ‚Haber-Verfahren‘“ überprüft würden. Und weiter: „Erstmalig werden aber jetzt alle neuen Partnerorganisationen in den Kommunen erfasst und in das Verfahren einbezogen; darüber hinaus anlassbezogene Prüfung.“

„Erkenntnisse vermerkt“, Förderung abgelehnt

In einem Interview mit der taz hatte Prien unterstrichen: „Öffentliches Geld dürfen nur Organisationen erhalten, die sich nicht gegen unsere Verfassung stellen.“ Dies werde „intern nach bekannten Standards“ geprüft. Prien betonte aber: Der Verfassungsschutz werde nicht flächendeckend, sondern nur „auf unsere Bitte hin anlassbezogen“ Fälle prüfen. In einem Brief an die Unions-Fraktion im vergangenen August schrieb Prien dagegen, dass bei „Demokratie leben“ eine „breit angelegte Verfassungsschutzprüfung im sogenannten Haber-Verfahren eingeleitet“ worden sei.

Wie viele Projekte seitdem überprüft wurden, ließ das Ministerium auf Nachfrage offen. Laut einer Antwort auf eine ältere Linken-Anfrage wurden aber zwischen 2004 und 2018 rund 50 Antragssteller aus dem Förderprogramm „Demokratie leben“ überprüft. Über alle Ministerien hinweg waren es in den Jahren 2020 bis 2024 aber 1.250 NGOs und 1.296 Einzelpersonen, die mit dem Haber-Verfahren überprüft wurden – die allermeisten im Auftrag des Innenministeriums, nur 12 Projekte und eine Person durch das Familienministerium. In 210 Fällen habe der Verfassungsschutz „Erkenntnisse“ vermerkt – die Förderung wird dann in der Regel abgelehnt.

Jüngst veröffentlichte die AfD einen Leitfaden, wie das Programm ausgebremst werden kann

Zuletzt berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass das Bundesinnenministerium von Alexander Dobrindt (CSU) bei anderen Ministerien dafür werbe, die Prüfung durch den Verfassungsschutz viel häufiger als bisher anzuwenden. Ein Sprecher Dobrindts weist das gegenüber der taz zurück: Das Ministerium verfolge keinen Plan zur „flächendeckenden Anwendung“ des Haber-Verfahrens. Eine diesbezügliche Aufforderung an andere Ministerien bestehe nicht. Das Verfahren stehe aber „regulär“ allen Ministerien zur Verfügung.

Die „Extremismusvorwürfe“ gegen Demokratieprojekte, denen Prien begegnen will, kommen indes zumeist von rechts außen. Zwar fordert auch die CSU einen „Neustart“. Vor allem aber wettern die AfD und Krawallportale wie Nius gegen das Programm. Die AfD veröffentlichte jüngst gar einen Leitfaden, wie das Programm im Kommunalen ausgebremst und umgesteuert werden kann. „Jetzt ist die Gelegenheit, den Sumpf auszutrocknen“, heißt es darin.

„Unbestimmte“ und „rechtsunsichere“ Auflagen

Auch ohne Haber-Verfahren sehen sich die Initiativen bei „Demokratie leben“ bereits einem Generalverdacht ausgesetzt. In neuen Bestimmungen für die aktuelle Förderperiode heißt es, die Projekte seien verpflichtet sicherzustellen, dass keine Unterstützung extremistischer Strukturen durch Fördermittel oder „immaterielle Leistungen“ stattfinde. Zu Letzterem gehöre auch die aktive Teilnahme von Personen an Veranstaltungen, die der Verfassungsschutz als Extremisten betrachtet.

„Was diese Auflagen meinen, bleibt völlig offen“, sagt Andrea Hübler, Geschäftsführerin der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Support, deren Projekt von „Demokratie leben“ gefördert wird. Können Sie nun noch Antifa-Aktivist*innen beraten, die von Neonazis überfallen wurden? Dürfen AfD-Leute auf Veranstaltungen geduldet werden, wenn ihre Partei als rechtsextrem eingestuft ist? Können im Rahmen anderer Projekte noch Rechtsextreme im Gefängnis beim Ausstieg begleitet werden?

Mit der „Extremismusklausel“, so Hübler, liefen die Demokratieprojekte jederzeit Gefahr, gegen die „völlig unbestimmten und rechtsunsicheren“ Auflagen zu verstoßen und ihre Mittel zu verlieren – so wie es zuletzt bei den linken Buchläden geschah. Und, so Hübler: „Wer soll das wie prüfen? Zivilgesellschaftliche Träger haben weder die Ressourcen, noch ist das ihre Aufgabe.“ Auch rechtlich wären diese Überprüfungen „hoch fragwürdig“ und politisch eine „fatale Entwicklung“. Gerade in diesen Zeiten, in denen Demokratieprojekte attackiert würden, bräuchten diese Rückhalt und kein „grenzenloses Misstrauen“, betont Hübler.

Unruhe herrscht auch über die neue Förderrichtlinie für „Demokratie leben“, die gerade erarbeitet wird und ab 2027 gelten soll. Priens Staatssekretär hatte in einem internen Schreiben erklärt, dass damit künftig Projekte vor Ort gestärkt werden sollen, genau wie solche in „Regelstrukturen“, also etwa in Schulen, Sportvereinen oder der Polizei. In einer internen „Vorhabenplanung“ des Ministeriums ist die Rede von Schwerpunkten bei Projekten im digitalen Raum, der Islamismus- und Antisemitismusprävention sowie der Demokratiebildung in der Arbeits- und Unternehmenswelt.

Ende für die Amadeu Antonio Stiftung?

Nichts findet sich in dem Papier zum bisherigen Einsatz gegen Rassismus oder LGBTIQ*-Feindlichkeit. Ob und wie Projekte in diesem Bereich erhalten bleiben – auch das lässt das Ministerium auf Nachfrage offen. Ebenso, ob die geplante Förderung von Projekten im Lokalen jetzt ein Ende der bundesweit aktiven Träger wie des Zentralrats der Juden, der Amadeu Antonio Stiftung oder des Bundesverbands der Opferberatungen bedeutet.

„Es herrscht massive Verunsicherung“, sagt Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung. Langfristig und überregional aufgebaute Projekte drohe das Ende, zivilgesellschaftliche Projekte würden zurückgedrängt. „Wenn das so weitergeht, heißt es bald nicht mehr ‚Demokratie leben‘, sondern ‚Demokratie sterben‘“, sagt Reinfrank.

Durch die Mehrheitsverhältnisse in sächsischen Kommunen droht vielen Projekten dort das Aus

Hinzu kommt, dass sich die AfD eine weitere Neuregelung im Programm zunutze macht: Seit Jahresbeginn müssen Kommunalparlamente einer Förderung durch „Demokratie leben“ zustimmen, im Rahmen der sogenannten „Partnerschaften für Demokratie“. Parlamente, welche die AfD inzwischen dominiert, könnten Projekten nun einen Riegel vorschieben – wie es zuletzt etwa in Bitterfeld-Wolfen passierte.

„Das Ministerium hat keine Antwort auf diese AfD-Blockaden in Ostdeutschland“, kritisiert Timo Reinfrank. Auch Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) hatte zuletzt mit einem Schreiben an Prien protestiert: Durch die Mehrheitsverhältnisse in sächsischen Kommunen drohe vielen Projekten das Aus. Priens Ministerium passte daraufhin die Auflagen an. Nun braucht es keinen Beschluss eines Kommunalparlaments, wenn ein Bundesland an der Finanzierung beteiligt ist – wie das in Sachsen etwa der Fall ist.

Für manche kommt der Schritt zu spät

Köpping sagte der taz, sie sei „sehr froh“, dass der Bund die Vorgaben „entschärft“ habe. „Die neuen Regelungen hätten den Fortbestand der Partnerschaften für Demokratie ernsthaft gefährdet.“ Diese Partnerschaften aber leisteten einen wichtigen Beitrag für ein respektvolles demokratisches Miteinander. Und Köpping betont: Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bund, Land und Kommunen sei wichtig.

Für manche aber kommt der Schritt zu spät. Im Thüringischen Greiz wurde schon zu Jahresbeginn die dortige „Partnerschaft für Demokratie“ beendet – mit Verweis auf gestiegene Bürokratie und Planungsunsicherheiten. Im sächsischen Bautzen und im sachsen-anhaltischen Salzwedel wurde das Projekt im vergangenen Jahr ebenso beendet.

Elisabeth Kaiser, Ostbeauftragte der Bundesregierung und Sozialdemokratin, kritisiert, dass die neuen Auflagen des Familienministeriums die Träger „verunsichert“ hätten. Der Bürokratieaufwand habe sich „deutlich erhöht“. Dabei müsse die Bundesregierung hinter den demokratisch Engagierten stehen. „Menschen, die sich in dem Bereich engagieren, brauchen eine verlässliche Perspektive, ansonsten geben sie auf“, sagte Kaiser der taz. „Und sind diese Strukturen erst einmal weg, lassen sie sich nur schwer wieder aufbauen.“

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26 Kommentare

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  • Gibt es auch nur irgendeine quantitative Studie die irgendeinen Erfolg dieses Programms belegt oder ist das eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Soziologie und Politikwissenschaftsstudenten mit den richtigen Politischen Ansichten? Vorallem NGOs die vorallem vom Staat leben sind keine NGOs sondern staatliche Vorfeldorganisationen. Das Geld wäre besser in mehr Lehrer und bessere Schulen investiert.

  • Wer für Friedrich Merz stimmt, der kriegt immer ordentlich was ab. Wenn ein neoliberaler Polit-Rentner das Rennen macht, dann wird geholzt.



    Und Feinde sind dann überall, Mirganten, die über Zeune klettern, die aus sicheren Staaten hier einsickern.



    Merz beherrscht die rechtsextreme Orgel weitaus besser als das liberal-demokratische Klavier.



    Und nun kommt das überall klein-klein auch an.



    Aufgewacht wird jetzt.



    Vielleicht ist das gut, vielleicht aber die Vorlage für die noch extremere Rassisten-Ausbeuterpartei, die AfD. Deren Plan, ohne Migranten die deutsche Bevölkerung bis zum Umkippen arbeiten zu lassen, ist eigentlich so krass, dass es einem Stiche im Herzen verursacht, zu sehen, wer die AfD so wählt. Das sind nämlich die Menschen, die im großen Ausbeutungsplan vorkommen, denen die AfD Stolz und eine 50-Stunden-Woche verpassen will.



    Natürlich nach dem man die DM eingeführt hat, die Grenzen geschlossen und merkwürdige Pakte mit Russland geschlossen hat.

    =Die CDU spielt mit den Inhalten schon mal, so quasi als Vorgeschmak, warum nicht bis 70 arbeiten? Warum nicht weniger Rente kriegen?



    Natürlich muss man dann die Feinde rechtzeitig bekämpfen: Islamisten Kommunisten - Rechte?

  • Den neuen Fokus auf Islamismus und Antisemitismus kann ich - ehrlich gesagt - nachvollziehen. Das sind ganz klar ungute gesellschaftliche Tendenzen der letzten Jahre, die uns allen Sorgen machen sollten. Ich verstehe das als zusätzlichen Fokus. Dass Aufmerksamkeit gegen Rechtsextremismus weiterhin geboten ist, streitet ja niemand ab.

    Dass ein Demokratieprojekt vom Verfassungsschutz aussortiert werden könnte, klingt für mich absurd. Sind es nicht gerade die Organisationen, die solche Projekte machen, die unsere demokratische Verfassung besonders hochhalten? Die sollten eine Überprüfung durch das "Haber-Verfahren" doch mit Bestnote bestehen!

  • Auch die frühere Kulturminister Claudia Roth hatte das Haber-Verfahren angewendet. Damals gab es aber keine so große Aufregung darüber.

  • Mal abseits der Aufregung sollte man sich auch einmal überlegen, ob der Druck von "Demokratie-Shirts" (was auch immer das sein soll) auf einem Basketballturnier einen nennenswerten positiven Effekt hat, und wenn ja welchen überhaupt. Und ob solche Aktionen zwingend einer Förderung aus aller Geldbeutel braucht.



    Für die Identifikation mit der Demokratie bei Schülern ist es ganz entscheidend, wie sie den Schulalltag erleben, ob es gerecht zugeht, ob sie sich frei und anerkannt fühlen dürfen, ob Störer und Mobber durchkommen oder ihr Handeln Konsequenzen hat. Das T-Shirt ist dann im besten Falle eine nette Randerscheinung, im schlechtesten blanker Hohn.



    Das heißt nicht, dass geförderte Freizeitaktivitäten nicht sinnvoll sein können. Doch wenn automatisch ein Heiligenschein dazugemalt wird, nur weil als Slogan irgendwas mit Demokratie drübersteht, können einem schon Zweifel kommen.

    • @Frauke Z:

      Ohne den Slogan würde der Bund die T-Shirts nicht sponsorn. Dann hätte man das Logo eines lokalen Unternehmers drauf.

  • '„Es verschärft sich die Politikverdrossenheit.“'

    Das ist bei mir etwas anders: seit einiger Zeit stelle ich eine verschärfte PolitikerInnenverdrossenheit fest!

  • Dass ausgerechnet Prien, liberales Aushängeschild der CDU und Schlauschwätzerin für Demokratie und Menschenrechte, jetzt den Rechten den roten Teppich ausrollt (Ost) und Antifaschisten bekämpft (Ost und West) ist nicht verwunderlich, sondern Teil ihrer Agenda: Links quatschen und rechts umso leichter und konsequenter handeln.

  • Die finatielle Unterstützung von Projekten zur Demokratieförderung ist super wichtig.

    Dazu braucht es NGOs. Keine Frage.

    Das Einstiegsbeispiel der Autoren lässt mich aber ratlos zurück.

    Ohne Bundesmittel kann eine Kleinstadt kein Demokratieprojekt an Grundschulen durchführen oder T-Shirts für ein Basketballturnier bedrucken?

    Projekte gehören heute zum Standard an Grundschulen.

    Welche Projekte führen die LuL stattdessen duch?

    Das Bedrucken von T-Shirts lässt sich nicht durch einen lokalen Sponsor teilfinanzieren?

    Engagement für die Gemeinschaft war mal eine bürgerliche und linke Tugend.

    Wird Demokratieförderung bereits von Kommunalpolitikern nur als Dienstleistung gegen Bundesmittel verstanden, wird mir angst und bange.

    Das kann nur in Politikverdrossenheit münden.

    Da reiben sich die AfDler auch die Hände, wenn die Mittel fließen.

    Ist ja alles nur gekauft.

    • @rero:

      Da machen Sie einen guten Punkt. Wenn Demokratie auf kommunaler Ebene nicht mehr gelebt wird und einachste Dinge wie das Drucken von T-Shirts nicht mehr aus der Kommune heraus entstehen, dann sind T-Shirts aus der Bundesdruckerei der falsche Weg. Dann haben Kommunalpolitiker das Netzwerk zu lokalen Demokratie-Sponsoren verschlissen lassen.

    • @rero:

      "Die finatielle Unterstützung von Projekten zur Demokratieförderung ist super wichtig. Dazu braucht es NGOs. Keine Frage."

      Das kann man durchaus hinterfragen. Welche Wirkung hat denn "Demokratie leben!"? Hat man schon einen AfD-Wähler gefunden der sich wegen dieser Projekte doch wieder für die SPD entschieden hat? Ist der Mitteleinsatz zweckmäßig und angemessen, gibt es überhaupt irgendeine Form von Erfolgskontrolle? Was können NGOs bewirken, das der Schulunterricht nicht kann?

  • Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass der Verfassungsschutz bei der AfD auch "aussortiert", dem rot-grünen Mainstream missliebige Meinungen sanktioniert und der Nachrichtendienst damit immer mehr zum parteipolitischen Exekutor mutiert, was höchst bedenklich sein dürfte für das gesellschaftliche Vertrauen in diese Behörde.

    Dr. Benedikt Vallendar, Bonn

    • @Dr. Benedikt Vallendar:

      Das ist ein sehr schwammiges Statement. Von welchen "dem rot-grünen Mainstream missliebigen Meinungen" sprechen Sie denn genau? Und bitte nennen Sie Fallbeispiele, in denen der Nachrichtendienst dann zu unrecht tätig wurde. Andernfalls bleibt Ihr Kommentar pure Behauptung.

  • Naja, entweder lässt man es mit der Prüfung durch den Verfassungsschutz, aber dann müssen alle Projekte unterstützt werden. Egal ob rechts oder links...oder man prüft eben nach.



    Wie groß wäre denn der Aufschrei der Kulturszene, man hätte einem rechten Buchladen den Preis verwehrt?

    • @Hennes:

      Es gibt rechte Buchläden?

      • @Kaboom:

        Rechtsextreme Literatur gibt es (leider) nur allzu viel. Und wo anders soll man die kaufen als in Buchläden, die damit sympathisieren?

  • Gesellschaftliche Beteiligung oder Projekte aus der Gesellschaft waren den herrschenden schon immer ein Dorn im Auge. Auch in der Demokratie

  • Hier wird eine Selbstverständlichkeit kritisiert. Natürlich muss vorher geklärt werden, ob Extremisten gefördert werden. Und wen fragt man da wohl? Den Verfassungsschutz selbstverständlich.



    Das dies mit Fingerspitzengefühl passiert, ist ebenso selbstverständlich.

  • Mir scheint, das sind zwei unterschiedlich zu bewertende Sachen.

    Das Haber-Verfahren ist unsäglich und eines Rechtsstaates unwürdig. Ein intransparente und wahrscheinlich weitgehend inkompetente Behörde darf ohne Begründung und ohne Möglichkeit eines Rechtsmittels den Daumen heben oder senken.

    Die Einbindung der Kommunalparlamente scheint mir dagegen ein sinnvolles demokratisches Korrektiv zu sein, um zu verhindern, dass gewohnheitsmäßig "von oben" geförderte Strukturen völlig losgelöst agieren und zunehmend ihrem Eigeninteresse dienen. Wie die Kommunalparlamente zusammengesetzt sind, ist da erstmal zweitrangig. Es muss gleiche Regeln für alle geben. (Ob ein Gemeinderat mit einfacher Mehrheit gleich alles blockieren kann, wäre noch 'ne andere Frage.)

  • Werden wir bald schon einmal erlebte, aber überwunden geglaubte Zeiten wieder erleben? Es ist wohl nicht mehr weit bis zur Bücherverbrennung. Wenn erst Buchläden kriminalisiert werden, fallen die nächsten Schritte wohl nicht mehr schwer. Umso leichter, wenn die Bewertung von staatlicher Seite aus geht. Unter Mitwirkung von einem Herrn Dobrinth ist das leicht möglich. Bestes Beispiel sind die Änderungen im Bereich Migration. Aktuell wird zusätzlich der Bereich Vertreibung mit Unterstützung der csdU- Politik auf "Linie" gebracht.

  • „Jetzt ist die Gelegenheit, den Sumpf auszutrocknen“

    Diesen Satz muss man nicht zwischen den Zeilen lesen.



    Das rechtsgerichtete Potenzial, das sich da zusammenbraut, ist der amtierenden Regierung anzulasten, die sich längst geoutet hat – von Abwiegeln und Verharmlosen bis hin zu offensichtlicher Zusammenarbeit.

    Zusammenhalt und das Sich-nicht-einschüchtern-Lassen sind jetzt das letzte Mittel, um der Entwicklung lautstark und mit Protesten entgegenzutreten. Wenn wir jetzt nicht mit Demonstrationen und Kundgebungen reagieren, könnte es gefährlich für die Demokratie in Deutschland werden. Jetzt ein Vorbild für Europa sein – Kampf den Demokratiefeinden!

    • @Andreas Flaig:

      Ich glaube, "Kampf den Demokratiefeinden!" ist genau das, was Weimer, Prien etc. gerade umzusetzen versuchen.

      Da stehen Sie dann mit beiden wohl auf der gleichen Demo.

      Mir persönlich stehen ja immer die Nackenhaare hoch, wenn jemand meint, Deutschland oder Deutsche müssten Vorbild für Europa, die Welt, ... sein.

      Nationalchauvinismus ist nicht mein Ding.

      Das deutsche Wesen hatte in der Vergangenheit mir zu wenig zum Genesen beigetragen.

      Ich finde ja Mittelmaß voll ok.

  • Die Maßstäbe die beim "Rechtsextremismus" angelegt worden sind, werden nun auch beginnend bei "Linksextremismus" angelegt. Das ist doch ein guter Schritt iSd Demokratie Leben.

  • Was die CDU mit dem Förderprogramm Demokratie Leben! macht, ist nur leicht verkleidete Anti-DEI-Politik à la Trump. Damit wird nicht nur ein zentrales Förderprogramm weit nach rechts gerückt, sondern auch die demokratie- und menschenwürdeorientierte Zivilgesellschaft frontal angegriffen.



    Und ganz wichtig: ganz ähnlich wie beim Fördermittelskandal im Land Berlin verweist auch die Bundes-SPD auf einen zu wahrenden "Koalitionsfrieden" und trägt diesen Angriff mit, statt als regierungsbeteiligte Partei klare Kante gegen den Kulturkampf von rechts zu beziehen. Euch kann man wirklich nur noch ewige 4,5% an den Hals wünschen.

  • Das Haber-Verfahren ist gesetz- und verfassungswidrig.



    Erstens gibt es dafür keine gesetzliche Grundlage. Zweitens kann die bloße Tatsache, dass beim Verfassungsschutz über jemanden Erkenntnisse vorliegen, immer nur Anlass zu weiteren Nachforschungen sein, aber nicht Grundlage für Entscheidungen.