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Europäische Reaktionen auf Ceuta Unsolidarisch und anmaßend

Kommentar von

Gunnar Hinck

Die Europäische Union steckt akut in der Krise. Aber nicht wegen des Wochenendes in Ceuta, sondern wegen ihres dreisten Verhaltens gegenüber Spaniens Regierung.

N ach letztem Stand sind rund 80 Menschen beim Versuch, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen, gestorben. Ertrunken am Nadelöhr zwischen Atlantik und Mittelmeer, wo die Strömung stark und gefährlich ist.

Aber Ursula von der Leyen interessiert sich nicht für die Toten. Das Erste, was ihr nach den dramatischen Nachrichten aus Ceuta einfiel, waren kalte, scharfe Worte: Der Ansturm meist junger marokkanischer Männer sei „inakzeptabel“. Und: Man könne nicht zulassen, dass „jemand in die EU kommt, ohne sich an unsere Regeln zu halten“. Man könnte ihr entgegnen: Wenn sich die EU mit Ceuta und Melilla zwei Außenposten an der afrikanischen Küste aus vorkolonialen Zeiten leistet und ein paar Hundert Meter weiter Massenarbeitslosigkeit und Elend herrschen, wird’s schwierig mit der Einhaltung von Regeln.

Italiens Außenminister Antonio Tajani verkündete, das Schengen-Abkommen mit Spanien faktisch auszusetzen. Dänemark, Finnland und Schweden forderten die EU auf, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen. Ein Blick in das Abkommen wäre hilfreich: Ein Mitgliedsland kann nicht einfach gegen seinen Willen ausgeschlossen werden.

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Und was in der derzeit hysterischen Diskussion unter den Tisch fällt, weil es nicht in die Drama-Erzählung passt: Ceuta ist zwar Teil der EU, aber nicht Mitglied des Schengenraums. Wer auf das spanische Festland übersetzen will, wird nochmal kontrolliert. Und, ja, die rund 60.000 Marokkaner, die Ceuta erreichten, sind in ihrer großen Mehrheit keine politischen Flüchtlinge gewesen, sondern Leute, die die Nase voll haben von der Perspektivlosigkeit in ihrem Land.

Billige Geländegewinne

Sie hätten nach den EU-Asylregeln – auch nach den früheren, weniger strengen Regeln – keine Chance auf ein Asylverfahren gehabt. Marokko ist nicht Syrien. Ach so: 48.000 von ihnen sind inzwischen wieder zurückgekehrt, nachdem sie erkannt hatten, dass die kleine Stadt Ceuta völlig überfordert war mit der Aufnahme.

Aber um nüchterne Tatsachen geht es derzeit nicht. Auf Kosten Spaniens geht es von der Leyen und jenen EU-RegierungschefInnen, die einen härteren Kurs wollen, darum, billige Geländegewinne in der Migrationspolitik zu erzielen. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez gilt vielen Amts­kol­le­g:in­nen in der EU als zu links, als zu „woke“, der es unverschämterweise geschafft hat, seit 2018 zu regieren, trotz diverser Krisen und Neuwahlen.

Lieber Marokko fragen

Bezeichnend ist der Brief, den 21 EU-RegierungschefInnen inklusive Friedrich Merz nun an Spanien gerichtet haben. In dem nennen sie die „Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten“ in Spanien als verdammenswerten Anreiz, sich auf den Weg nach Europa zu machen. Kürzlich hatte die Regierung Sánchez mehreren Hunderttausend Menschen im Land ohne Papiere die Möglichkeit gegeben, ihren Aufenthalt zu legalisieren. Dazu gehören übrigens die vielen Erntehelfer, die europäische Supermärkte mit Obst und Gemüse versorgen.

Statt an Sánchez sollte die EU lieber ein paar Fragen an das Regime in Marokko richten: Wie kann es sein, dass in diesem Land, das viel wirtschaftliches Potenzial hat und in dem kein Bürgerkrieg herrscht, so viel Armut herrscht? Das Regime baut Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge und richtet die nächste Fußball-WM mit aus, ist aber nicht in der Lage, seinen BürgerInnen eine Perspektive zu bieten.

Die EU steckt in der Krise. Aber nicht wegen des Wochenendes in Ceuta, sondern wegen ihres unsolidarischen und anmaßenden Verhaltens gegenüber ihrem Mitgliedsland Spanien.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gunnar Hinck

ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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41 Kommentare

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  • Was über Schengen im Artikel steht ist korrekt. Deswegen war die Hysterie tatsächlich vollkommen übertrieben. Aber das sind halt auch die Medien heutzutage.



    Und mir ist schon klar, warum hier der Sanchez so beliebt ist. Aber ich finde es auch seltsam die Schuld bei der EU abzuladen.



    Es gibt ja jetzt schon Berichte was passiert ist. Und Flüchtlinge wurden durch falsche Posts und Berichte gezielt dahin gelenkt.



    Die EU sollte genauestens hier drauf schauen. Denn wie wir das sehen, kann Putin oder jeder andere solche Migrationswellen einfach durch Falschinformationen auslösen. Und dann reden wir wirklich schon von aktiver Destabilisierung und Einsatz als Waffe.

  • Vielen Dank für diesen Artikel.

    Gerade Italien sollte es besser wissen.

  • Nicht nur anmaßend, sondern auch einfach nur dumm.

    Ceuta ist nicht Teil des Schengenraumes, und selbst wenn es das wäre: von dort kommt man nicht aufs Festland, ohne dass die Papiere spätestens am Hafen kontrolliert werden. Und keiner ohne Papiere darf auf die Fähre nach Algeciras. Insofern sind sowohl die marokkanischen Teenager, die die Stadt gestürmt haben als auch die ehrlosen rechten Politiker Europas ziemlich dämlich.

  • Das Verhalten von der Leyens und der Unterzeichner:innen des Briefes ist beschämend und eine Verhöhnung europäischer und humanistischer Werte. Es ersaufen dutzende junger Menschen im Mittelmeer und die größte Sorge scheint zu sein, dass einige wenige derer, die es nach Ceuta geschafft habe, irgendwie auf das europäische Festland gelangen könnten.



    An der Entscheidung der spanischen Regierung, den Aufenthaltsstatus vieler, bei Leibe nicht aller, sogenannter „Illegaler“ zu legalisieren, ist nichts verdammenswertes zu finden. Im Gegenteil, gibt sie doch den Menschen Würde und Rechte zurück und schützt sie vor weiterer Ausbeutung und Versklavung.



    Absolut verachtenswert ist hingegen die Reaktion der Bundesregierung. Dobrindt fällt nichts besseres ein, als zu verkünden, er wolle die illegalen Grenzkontrollen verlängern. Merz bläst erneut ins Horn der Rechtsextremen, dass man sich fragen muss, ob es sich um schlechtes Kalkül oder Gesinnung ist.

  • "Die EU steckt in der Krise. Aber nicht wegen des Wochenendes in Ceuta, sondern wegen ihres unsolidarischen und anmaßenden Verhaltens gegenüber ihrem Mitgliedsland Spanien."



    Danke für den Kommentar, dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

  • Es war kein 2015 und Spanien hat die Gebiete unter Kontrolle.



    Dieser Kommentar trifft es, Regierungen machen Propaganda, führen Wahlkampf und schüren Panik und Ängste.



    -> Das stärkt Rechtsextreme und Neonazis.



    Die EU wirbt in Marokko gleichzeitig um Arbeitskräfte, die aber Sprachkenntnisse und Qualifikationen haben müssen. Diese Menschen braucht Marokko eigentlich selbst.



    Spanien verhält sich korrekt, wer dort Urlaub macht, hat viel mit Migranten aus Lateinamerika zu tun. Die werden inzwischen dringend gebraucht. Anders als andere EU-Staaten versteht das die spanische Regierung.

    • @Andreas_2020:

      "Dieser Kommentar trifft es, Regierungen machen Propaganda, führen Wahlkampf und schüren Panik und Ängste.

      -> Das stärkt Rechtsextreme und Neonazis."

      Richtig. Aber es wird wieder mit dem Finger auf "die Linken" (in diesem Fall auf Sanchez) gezeigt und behauptet, diese seien wegen ihrer Haltung in Sachen Migration am Rechtsruck schuld. Perfide.

  • Nach dem Schengenabkommen ist jedes Mitglied verpflichtet, die Außengrenzen zu schützen. Das ist Spanien nicht gelungen.

    • @DiMa:

      Dann ist Italien mit mehr als doppelt so vielen irregulär eintreffenden Migranten viel schlimmer. Wann setzt jemand mal das Schengen-Abkommen mit Italien aus und kontrolliert alle Reisenden von dort?

    • @DiMa:

      Ceuta ist nicht Mitlgied des Schengenraums. Die Grenzen des Schengenraums waren zu keinen Zeitpunkt gefährdet. Die meisten der 60.000 Menschen sind wieder zurück in Marokko. Es ist Spanien sehr wohl gelungen.



      Was wollen sie sagen?

    • @DiMa:

      "Schengenabkommen ist jedes Mitglied verpflichtet, die Außengrenzen zu schützen. Das ist Spanien nicht gelungen."



      Sie meinen die Außengrenze, außerhalb dessen Ceuta liegt?



      Die Grenze, über die von den vielen Menschen in Ceuta kein einziger gelangt ist?



      Entweder Sie haben seltsame Maßstäbe, oder wissen nicht so recht, wovon Sie reden...

    • @DiMa:

      Ich verweise auf den Beitrag von @Sam Spade von 02.067., 23:01 Uhr.

  • Spanien hat sich seit Monaten unsolidarisch verhalten. Aus spanischen Regierungskreisen wurde relativ offen kolportiert, Russland sei keine direkte Gefahr für Spanien und eine Erhöhung der Rüstungsausgaben wie bei den europäischen Partnern deshalb unnötig. Man zog es also vor populistische Kampagnen zu fahren und ruft jetzt nach Solidarität nach einem Realitätscheck?

  • Ceuta ist ein politisches Versagen mit Ansage. Europa reagiert erneut auf Tote an seinen Grenzen mit Abschottung und Grenzaufrüstung, statt die Ursachen anzugehen. Wo ist die Einsicht von 2015 geblieben, dass ohne die Bekämpfung von Fluchtursachen jede Migrationspolitik scheitern muss?



    Angesichts der immer gleichen Reaktionen stellt sich jedoch die Frage, ob dieses Scheitern tatsächlich nur Folge politischer Kurzsichtigkeit ist oder ob manche Akteure bewusst auf militärische Antworten statt auf nachhaltige Lösungen setzen.

    • @Yoriko N.:

      Wie soll Europa Marokko dazu zwingen, eine Politik zu machen, die weniger Jugendarbeitslosigkeit hervorbringt? Denn die ist die Ursache für diese Migration (nicht: Flucht, das ist rechtlich etwas anderes).

      Es gibt nämlich in Marokko keine breite politische Verfolgung zehntausender junger Männer.

  • Herr Sanchez wird sich dennoch die Frage stellen lassen müssen, ob und wenn ja, welche Signale Spanien gesendet hat, die offenbar dahingehend missverstanden wurden, in Ceuta sei Tag der offenen Tür. Man sieht, wie dynamisch das sein kann.

    "Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez gilt vielen Amts­kol­le­g:in­nen in der EU als zu links, als zu „woke“, der es unverschämterweise geschafft hat, seit 2018 zu regieren, trotz diverser Krisen und Neuwahlen."



    Mit Verlaub, nach der Beschreibung "nüchterner Tatsachen" klingt das aber auch nicht.

    • @Katharina Reichenhall:

      Gehen Sie ernsthaft davon aus, dass die Menschen, die in Marokko auf eine Gelegenheit warten, Armut und Unterdrückung zu entkommen, erst durch eine spanische Gesetzesänderung dort sind?

  • Es geht gar nicht darum, ob Ceuta eine Schengen-Aussengrenze hat oder nicht.



    Es geht darum, dass die Flüchtlinge nicht nach Festland-Spanien kommen, denn dann sind sie unberechtigt im Schengenraum.

  • Völlig richtig.

    Es fällt zunehmend schwer, die EU noch ernst zu nehmen, wenn die Chefin und die Mehrheit der Regierungschefs immer öfter populistische und menschenfeindliche Parolen in die Welt posaunen.

  • Während die EU über Migration streitet, verliert sie kontinuierlich und nahezu geräuschlos einen Teil ihrer Leistungsträger: Länder wie Norwegen, Schweiz, Großbritannien, Israel und die USA konkurrieren gezielt um hochqualifizierte Fachkräfte – gerade auch aus Deutschland. Diese stille und öffentlich kaum diskutierte Emigration könnte die Zukunft der EU ebenso nachhaltig prägen wie die Süd-Nord-Migration.

  • Mal abgesehen von der offensichtlich orchestrierten Aktion in Ceuta, frag ich mich ja, was die ganzen Rechtsextremen, Neofaschisten, etc. planen zu tun, wenn Millionen von Flüchtlingen aufgrund der eskalierenden Klimakatastrophe nach Norden fliehen. Von außen kommend, aber auch Binnenflüchtlinge aus Griechenland oder Italien z.B.

  • Hier gilt es auch ein Missverständnis auszuräumen. Entgegen vieler gegenteiliger Behauptungen ist Ceuta Teil des Schengenraums. Ceuta hat aufgrund seiner Lage aber Sonderregeln u.a. was die Weiterreise betrifft.

    Die Identitätsprüfung für den Zugang zum spanischen Festland hat jedoch nichts mit dem individuellen Grundrecht auf Asyl zu tun. Ceuta ist EU Aussengrenze und jeder Flüchtling hat bei Einreise das Recht um Asyl zu ersuchen. Marokko gilt zwar als sicheres Herkunftsland, dieses entbindet jedoch nicht von den Verpflichtungen gemäß Genfer Flüchtlingskonvention. Jeder Flüchtling hat danach einen Anspruch auf individuelle Prüfung und sei es im Schnellverfahren.

    Auf Seiten deutscher Medien/Politik ist in diesem Zusammenhang oftmals von illegaler Migration die Rede. In Bezug auf Flüchtlinge ist diese Bezeichnung schlichtweg falsch. Asylsuchende sind laut Genfer Konvention von den Einreisebestimmungen der Länder und somit auch der EU ausgenommen.

    Illegale Migration in Bezug auf Asyl gibt es daher nicht, auch ist es unerheblich auf welchem Wege die Einreise zustande kam.

    Beim spanischen Urteil ging es rein um das Aufenthaltsrecht, das hat mit dem Recht auf Asyl nichts zu tun.

    • @Sam Spade:

      Danke. Das musste mal gesagt werden.

    • @Sam Spade:

      Danke. Hier zeigt sich brennglasartig -



      daß und wie - gern vorweg unsere Politikaster



      Von Dob🐂t bis La Tuffa PanzerUschi vd Lie-ing - immer schamloser mit Recht&Gesetz



      Fußball spielen! Woll

      Quo vadis Rechtsstaat? - Quo vadis EU?

      unterm——die Antworten —-



      Sollten wir besser nicht - Dob🐂t🫵



      Einem Diplom-Soziologen - Von 1996 bis 2001 war er kaufmännischer Leiter und von 2001 bis 2005 Geschäftsführer und stiller Gesellschafter des mittelständischen Maschinenbauunternehmens Holzner & Sanamij GmbH (heute Holzner Druckbehälter GmbH) in Peißenberg.…“



      & einer - wie PanzerUschi -



      Aus Burgdorf nach Brüssel weggelobten



      Fachärztin überlassen. Newahr



      Nö. Normal nicht •



      (Die Reihe läßt sich mühelos fortsetzen🧐🙀;((

      de.wikipedia.org/w...Alexander_Dobrindt



      &



      de.wikipedia.org/w...sula_von_der_Leyen

  • Die Reaktionen sind absolut albern. Niemand konnte von Ceuta irgendwohin, wenn er nicht an der gefährlichsten Stelle die 22 km zur iberischen Halbinsel schwimmen wollte.



    Nach den neuen Asylregeln hätte Spanien, da es sich um ein Grenzgebiet handelt, theoretisch sogar alle 45.000 inhaftierten können - wenn es den jemals in Spanien so viele freie Gefängnisplätze gegeben hätte. Mir tun die Menschen leid. Sie tragen so viel Hoffnung in ihren Gesichtern. Aber es ist doch nur eine endlose Lebenszeitverschwendung, dort im Niemandsland auszuharren - ein lost place.

  • Guter Kommentar. Die Linke Europas (einschliesslich der SPD) muss sich geschlossen hinter Sanchez, dem Präsidenten der "Sozialistischen Internanale" und gegen diesen Angriff der Internationalen Rechten stellen. Solidaritätsdemos vor spanischen Botschaften und Konsulaten wäre eine Form der Mobilisierung.

  • Ich schäme mich für die Festung Europa.

  • Carlo Masala vertritt die Auffassung, dass es sich um einen hybriden Angriff gehandelt haben könnte, um die EU zu spalten. Zumindest Letzteres ist gelungen.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Ich möchte gerne noch einmal auf die Rückmeldungen zu meinem Kommentar antworten: Egal ob es sich tatsächlich um eine hybride Aktion gehandelt hat oder nicht und ob man Spaniens Umgang mit Geflüchteten allgemein und Ceuta im Besonderen begrüßt oder nicht: Spanien wurde in dieser Frage vom Rest der EU isoliert. Es ist sogar von einem zeitweisen Ausschluss des Landes aus dem Schengen-Raum die Rede. Es haben auch nur 22 von 27 EU-Staaten den Brief unterzeichnet; Irland, Frankreich, Luxemburg und Portugal tragen diesen Brief nicht mit. Ich sehe das schon als eine Spaltung (neben anderen "Spaltpilzen" in der EU).

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Die EU gespalten?



      Ich sehe nach dem Vorfall eine geeinte EU. 21 Regierungen (=78%) haben den Protestbrief an Spanien unterschrieben. Das ist eine satte Mehrheit.



      Sollte es tatsächlich ein hybrider Angriff von außen gewesen sein, ist er grandios gescheitert.



      Wo der Artikel recht hat, ist, dass durch dieses Intermezzo ohne Aussicht auf Erfolg die EU ein weiteres Stückchen nach rechts rutscht.



      Und Spanien steht bald allein auf weiter Flur. Auch Frankreich hat wenig Lust auf weiterziehende Migranten an ihrer Westgrenze und auch in Deutschland hat sich die Westgrenze zum neuen Hotspot entwickelt, während aus Polen fast gar nichts mehr kommt.



      Eine harte Grenze an den Pyrenäen ist zeitnah ein sehr denkbares Szenario, vor allem wenn jene im Artikel angesprochenen "Erntehelfer" auf die Idee kommen sollten, den Plantagen, auf denen sie oft für 1 bis 2€ die Stunde arbeiten, den Rücken zu kehren um mit den neuen legalen Aufenthaltstiteln zumindest ungestört bis an die französische Grenze zu reisen...

      • @Astrid Sehnefeld:

        Ja, 22 einig gegen Recht und Freiheit...

        Und warum setzen Sie Erntehelfer in Anführungszeichen?

        • @Klabauta:

          Weil die im Text so genannt werden. Zitierregel.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Von Spaltung kann keine Rede sein, wenn sich 22 EU Staaten in der Sache einig sind. Gelungen ist die öffentliche Demaskierung dieser Staaten und damit der EU.

      Das hohe Gut der Menschenrechte mit der die EU im Ausland hausieren geht und sich besonders gegenüber Ländern des Globalen Südens als Lehrmeister aufspielt ist mit dieser Erklärung endgültig ad absurdum geführt worden.

      Weniger Merz /Meloni und mehr Sanchez bedürfte es um den Wertekanon der EU auch wieder in der Praxis zu etablieren und das Ansehen der EU wieder herzustellen.

      • @Sam Spade:

        Dabei wurde der EU 2012 der Friedensnobelpreis verliehen. Damals hat das Nobelpreiskomitee wohl übersehen, dass zwar die Länder Europas keine Kriege mehr gegeneinander zu führen gelernt haben, dass seit dem ersten Dubliner Abkommen aber gleichzeitig eine Abschottung nach außen quasi mit im Programm steht.

      • @Sam Spade:

        Das hohe Gut der Menschenrechte wurde schon immer nur für die eigene Bevölkerung angewendet.



        Das war noch nie anders. Wir haben noch jede Katastrophe und jeden Krieg weltweit geschehen lassen, außer wir versprachen uns von einem Eingreifen geopolitische oder wirtschaftliche Vorteile.



        Da muss man sich schon mal ehrlich machen. Das ist kein neuer Trend.



        Oder wann bitte hat Deutschland, die EU oder die NATO jemals selbstlos und ohne eigene Interessen gehandelt?



        Eben.



        Für die Menschenrechte gilt wie für alles: keine Suppe wird so heiß gegessen wie sie gekocht wird.



        Für unsere eigene Bevölkerung gelten die Menschenrechte universell, für andere je nach Situation.

        • @Astrid Sehnefeld:

          "Oder wann bitte hat Deutschland, die EU oder die NATO jemals selbstlos und ohne eigene Interessen gehandelt?"

          Deutschland zuletzt (sind wirklich schon wieder 11 Jahre seitdem vergangen?) 2015, als es die Geflüchteten an unserer Grenze nicht abgewiesen hat. Menschlichkeit ist möglich.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Wer nur einen Hammer hat, sieht überall Nägel...

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Zumindest Letzteres? Wenn das also gelungen ist (mE stimmt das auch), dann verlangt die Logik dieses Satzes (…, um zu …), dass es auch einen hybriden Angriff gegeben hat.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Was genau ist eigentlich ein hybrider Angriff?

      • @Francesco:

        Lieber Francesco, ich antworte Dir sehr gerne: Ein "hybrider Angriff" ist eine Form der Kriegsführung unterhalb einer Kriegsschwelle, z. B. mittels Sabotageakten, Angriffen auf die Cybertechnik, gezielter Verbreitung von Falschinformationen. Hybride Angriffe können im Rahmen eines Krieges, aber auch außerhalb davon erfolgen.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Das sehe ich anders, da die Spaltung unter den Mitgliedern bereits vor Ceuta vorlag, nur brauchte es einen Aufhänger für diese medienwirksame politische Blamage, welche an den fachlich unzureichenden Aussagen der Fachpolitiker zu erkennen ist. Es wird immer deutlicher mit welcher Unproffessionalität agiert wird. Das liegt wohl am sog. Kündigungsschutz bedingt durch die Amtszeit.