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Demo der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“, November 2025: Suraj Mailitafi hält das Megafon, dahinter Lorenz' engste Freunde Foto: Leon Enrique Montero

Tödliche Polizeischüsse auf Lorenz A.„Es war eine Frage der Zeit, bis einer von uns so stirbt“

Schüsse aus einer Dienstwaffe töteten Lorenz A. aus Oldenburg. Für seine Freunde ist sein Tod die Konsequenz des Rassismus, den auch sie von der Polizei kennen.

Aus Oldenburg

Aljoscha Hoepfner

M it dem Megafon in der Hand stellt sich Suraj Mailitafi auf den Parkplatz vor der Polizeiwache in der Oldenburger Innenstadt. Vor ihm ist der Demozug aus Richtung der Fußgängerzone zum Stehen gekommen. Es ist Anfang November und wie in diesem Jahr schon so oft, protestieren in Oldenburg rund 500 Menschen gegen rassistische Polizeigewalt. Auf ihren Schildern stehen Sprüche wie „Stop Racial Profiling“, „Bin ich der nächste?“ und „Wer schützt uns vor den Beschützern?“. Eine Handvoll Po­li­zis­t:in­nen vor der Wache beobachten das Geschehen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.

Einer ihrer Kollegen hatte in der Nacht auf Ostersonntag 2025, nur wenige Straßen entfernt, den 21-jährigen Lorenz A. mit mehreren Schüssen von hinten getötet. A. hatte nach einer Auseinandersetzung vor einer Bar fliehen wollen, so die Auffassung der Staatsanwaltschaft. Dabei habe der Polizist „irrtümlich“ angenommen, dass A. ihn mit einem Messer angreife. Die Behörde hat im November Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Laut NDR ist eine Überlastung des Gerichts für die Verzögerung verantwortlich.

Der antirassistische Aktivist Mailitafi ist Sprecher der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“. Dass die Staatsanwaltschaft die tödlichen Schüsse einen „Irrtum“ nennt und den Polizisten nicht wegen Totschlags anklagt, ist laut Initiative Ausdruck mangelnder Verantwortungsübernahme in Fällen von „tödlicher und rassistischer Polizeigewalt“.

Vorwurf: Eingriff in die Pressefreiheit

Bei dem Fotojournalisten Leon Enrique Montero, der für die taz zu diesem Text fotografiert hat, hat die Polizei Hannover in der vorvergangenen Woche eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurden Speichermedien, Telefone und Computer beschlagnahmt und Montero selbst erkennungdienstlich behandelt. Nach Angaben der Polizei steht die Maßnahme im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung zwischen linken De­mons­tran­t:in­nen und Personen aus dem rechten Spektrum am Rande der Demonstration „Gerechtigkeit für Lorenz“ am 8. November. „Wir verlangen, dass unser freier Fotograf sein Arbeitsmaterial sofort zurückbekommt“, sagt taz-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann. „Es kann nicht sein, dass die Polizei ihn an seiner Berufsausübung hindert. Aus unserer Sicht ist das ein erheblicher Eingriff in die Pressefreiheit“

Mailitafi hebt das Megafon: „Für wen?“ – „Lorenz!“, ruft die Menge in Richtung der Polizist:innen. Noch einmal hallt es durch die Straße: „Für wen?“ – „Lorenz!“ Und dann noch mal und noch mal, in einer Mischung aus Trauer und Wut.

In der ersten Reihe des Demozugs stehen Lorenz’ engste Freunde. Viele von ihnen tragen unter ihren Jacken auch heute das T-Shirt mit seinem Gesicht auf der Brust und seinem Namen auf dem Rücken. Zusammen mit erfahrenen Ak­ti­vis­t:in­nen wie Mailitafi haben sie sich in der Initiative zusammengetan. Dass das bereits am Tag von Lorenz’ Tod geschah, hat einen Grund: Rassismus durch die Polizei erleben sie schon lange.

Bereits Monate vor Lorenz’ Tod hatten einige von ihnen Mailitafi angesprochen und ihm von Racial Profiling und Schikane durch die Polizei berichtet. Ständig würden die Be­am­t:in­nen sie ohne erkennbaren Grund, offenbar nur wegen ihres Aussehens, kontrollieren. „Wir hatten uns darauf verständigt, dass sie sich bei mir melden können, falls etwas passieren sollte und sie Unterstützung brauchen, um öffentlich darauf aufmerksam zu machen“, erinnert sich Mailitafi an das Treffen. Einige Monate vergingen, dann bekam er am Ostersonntag einen Anruf.

Immer wieder die gleiche Erfahrung

Auf dem Wohnzimmertisch bei Ben steht eine kleine Schüssel mit Keksen. Simon und Julian haben auf Sitzkissen und Sofa Platz genommen, Ben holt noch ein Glas Wasser, bevor er sich auf einen Stuhl dazu setzt. Ihre echten Namen wollen die drei Freunde von Lorenz nicht in der Zeitung lesen. Aber sie wollen von ihren Erfahrungen mit der Oldenburger Polizei berichten. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis einer von uns durch die Polizei stirbt“, sagt Ben, der als erstes das Wort ergreift. In ihren Augen war die Tötung ihres Freundes ein Höhepunkt von jahrelang erlebtem Rassismus.

Die Freunde denken nicht, dass der Polizist Lorenz in rassistischer Absicht erschossen hat. In ihrer Erfahrung nimmt die Polizei Schwarze und People of Color aber als bedrohlicher wahr, geht respektloser mit ihnen um und greift schneller zu Gewalt. „Es ist ganz klar eine Struktur dahinter“, meint Simon. Sie sind sich sicher, dass der Polizist nicht geschossen hätte, wenn Lorenz weiß gewesen wäre.

Bei Ben haben die Kontrollen angefangen, als er 15 Jahre war, erzählt er: „Ab da war das so, dass ich auf dem Fahrrad oder E-Roller immer wieder aus dem Verkehr rausgezogen und auf Drogen kontrolliert wurde.“ Einmal habe die Polizei ihn auf dem Schulweg angehalten und einen Urintest verlangt: „Es war früh morgens, ich hab's versucht, aber es ging nicht.“ Statt in die Schule musste er dann mit auf die Wache kommen. Seinen „blonden, blauäugigen Kollegen“ hätten die Polizisten damals nicht angehalten. Wie oft Ben in seinem Leben schon von der Polizei kontrolliert wurde, kann er nicht mehr sagen. Inzwischen hat er aufgegeben zu fragen, warum es ausgerechnet immer ihn trifft: „Das bringt nichts. Ich weiß ja, warum.“ In Bens nüchterner Stimme liegt für einen Moment die Erschöpfung der jahrelangen immer gleichen Erfahrung.

Er und Simon waren manchmal zusammen mit Lorenz in der Stadt unterwegs. Ben erinnert sich, wie die Polizei sie einmal angehalten hat, offenbar in der Annahme sie wären flüchtige Tatverdächtige: „Dann hat Lorenz die Polizei gefragt, wie die Täterbeschreibung ist.“ Weder die Kleidung von Ben noch von Lorenz passten zu der Beschreibung. Das einzig Auffällige an ihnen war, dass sie Schwarz sind. Simon, der auch dabei war, wurde nicht kontrolliert. Er ist weiß. „Es gibt etliche solcher Stories. Lorenz und ich werden von der Polizei angehalten, Simon wird einfach ignoriert“, sagt Ben.

Alltägliche Gewalt

„Ich wurde mit niemandem so oft kontrolliert wie mit Lorenz“, erinnert sich Simon an die Zeit, als er gerade seinen Führerschein gemacht hat. Da ist er oft zusammen mit Lorenz rumgefahren. In zwei Jahren seien es 40 bis 50 Kontrollen gewesen, schätzt er. Ohne Lorenz sei er nur zwei- oder dreimal angehalten worden. Auch als er neulich mit Ben und Julian unterwegs war, seien wieder nur die beiden angehalten worden – obwohl Simon in Sichtweite der Polizisten an den Straßenrand gepinkelt hat. Das finden die Freunde noch immer so absurd, dass sie trotz allem schmunzeln müssen.

Die Kontrollen gehören für Ben und Julian zum Alltag. Im Straßenverkehr, beim Feiern in der Stadt, auf dem McDonald’s-Parkplatz oder wenn sie einfach zufällig an der Polizei vorbeilaufen – überall wurden sie schon ohne für sie ersichtlichen Grund kontrolliert. Beim Auflisten ihrer Erfahrungen fallen sie sich mehrmals ins Wort, wenn sie sich an die nächste Geschichte erinnern. Auch von Polizeigewalt berichten beide.

Auf dem Schild der Citywache in Oldenburg kleben Sticker mit Lorenz' Gesicht, wie sie inzwischen überall in der Stadt sind Foto: Leon Enrique Montero

Julian zeigt ein Handyvideo, das er am Wochenende aufgenommen hat. Auf der Aufnahme ist zu sehen, wie ein Freund von ihm nach einer größeren Auseinandersetzung bei einer Party in den Weser-Ems-Hallen, dem örtlichen Messegelände, von einem Security-Mitarbeiter festgehalten wird. Den Auslöser hat Julian nicht mitbekommen. Er geht in seine Richtung, um nach dem Rechten zu schauen. „Dann hat ein Polizist mich aus dem Nichts auf den Boden geschubst und mich mit seinem Knie auf meiner Brust festgehalten“, beschreibt er das weitere verwackelte Geschehen. Warum der Polizist ihn festhielt, weiß er bis heute nicht, erklärt Julian. Er durfte anschließend direkt wieder gehen. Von solchen Vorfällen können laut Ben die meisten seiner Freunde erzählen.

Er und der Großteil der Freundesgruppe sind Anfang 20. Julian ist etwas jünger und im Gespräch anfangs zurückhaltend. Er macht erst seit Kurzem negative Erfahrungen mit der Polizei: „Ich finde das richtig schade, dass man bei der Polizei so raussteht, wenn man Schwarz ist.“

Zwei verschiedene Welten

„An der Stelle, wo Lorenz erschossen wurde, haben wir in den Wochen danach getrauert, Wache gehalten“, erzählt Simon. Die Polizei sei ständig an ihnen vorbeigefahren, habe sie mehrmals angesprochen. Die Freunde sehen das als gezielte Provokation.

Colin (Name geändert), ebenfalls ein Freund von Lorenz und auch Schwarz, berichtet der taz, dass er einige Wochen nach Lorenz’ Tod auf dem Fahrrad von der Polizei angehalten worden sei. Auf seinem Handy hat er einen Sticker mit Lorenz’ Gesicht, wie sie inzwischen überall in der Stadt zu sehen sind. Der Polizist habe den Sticker gesehen und dann gesagt, Colin müsse sich keine Sorgen um seine Sicherheit machen, solange er kein Pfefferspray dabeihabe. Eine offensichtliche Anspielung darauf, dass Lorenz A. Pfefferspray eingesetzt haben soll, bevor der Polizist ihn von hinten erschoss.

Ich weiß, immer wenn die Polizei da ist, ist es gefährlich für mich

Ben, Freund von Lorenz A.

Ben spricht von zwei verschiedenen Welten: „Die Leute denken, der Polizist, das ist mein Nachbar, bei uns ist der immer nett und korrekt. Ja, aber nicht zu jedem.“ Sicher fühlt er sich nicht, wenn er die Polizei sieht: „Ich weiß, immer wenn die Polizei da ist, ist es gefährlich für mich.“

Die Erfahrungen der Freunde decken sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Racial Profiling. „Eine Erhebung des Sachverständigenrat für Integration und Migration aus dem Jahr 2023 hat ergeben, dass Personen, die aufgrund von äußerlichen Merkmalen als ausländisch wahrgenommen werden, doppelt so häufig von der Polizei kontrolliert werden wie Personen, die nicht so wahrgenommen werden“, erklärt Vanessa Eileen Thompson. Die Sozialwissenschaftlerin beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Rassismus und Polizeigewalt in Deutschland und ist unter anderem Sprecherin einer unabhängigen Kommission zur Aufklärung des Todes von Oury Jalloh im Dessauer Polizeigewahrsam 2005. Nach langjähriger Tätigkeit in Frankfurt ist sie heute Professorin für Black Studies an der Queens University in Kanada.

Auch die MIDIS-Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte, die marginalisierte Personen aller Mitgliedsstaaten zu ihren Diskriminierungserfahrungen befragt hat, und der Afrozensus, eine von der Organisation Each One Teach One initiierte Studie zur Lebensrealität von Schwarzen Menschen in Deutschland, belegten: „Rassifizierte Menschen in Deutschland sind ständig von Polizeikontrollen betroffen“, sagt Thompson. Da Fälle von Racial Profiling nicht systematisch erfasst werden, gibt es jedoch keine genauen Zahlen.

Für die Betroffenen sind die Auswirkungen gravierend: Manche meiden den Ort der Kontrolle, andere entwickeln Angstzustände oder Depressionen. „Es handelt sich um eine systematische Form der Entmenschlichung“, erklärt Thompson. Sie betont zudem: „Viele Fälle von polizeilicher tödlicher Gewalt nahmen mit Racial Profiling ihren Anfang.“ Die Kampagne „Death in Custody“ von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland zählt zwischen 1990 und 2024 266 Todesfälle von „rassistisch unterdrückten Personen in Haft, Gewahrsam oder durch Polizeigewalt“. Aufseiten der Polizei spricht Thompson von einer „systematischen Verleugnung des strukturellen Problems“.

Verlorenes Vertrauen

Marion (Name geändert) sitzt auf einer Bank neben dem Friedhof, auf dem Lorenz im Mai vergangenen Jahres beigesetzt wurde. Sie ist eine Freundin der Familie, kannte Lorenz seit vielen Jahren. Auch sie engagiert sich nun in der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“: „Ich sehe mich als Mutter von einem Schwarzen Kind in der Verantwortung, unsere Gesellschaft daran zu erinnern, dass es Rassismus im Alltag gibt und dass diese Kinder in besonderer Form davon betroffen sind.“ Mit zunehmendem Alter hat sie festgestellt, wie sich der Umgang mit ihrem Sohn durch die Polizei verändert hat: „Das hat mir als Mutter gezeigt, dass Racial Profiling eine Rolle spielt und dass mein Sohn anders behandelt wird als seine weißen Freunde.“

„Für wen?“-„Lorenz!“, ruft die Menge in Richtung der Polizist*innen, in einer Mischung aus Trauer und Wut Foto: Leon Enrique Montero

Wie viele andere Eltern Schwarzer Kinder sagt auch Marion, dass es genauso gut ihr Kind hätte treffen können: „Dass es früher oder später in Oldenburg dazu kommt, dass die Polizei einen Schwarzen erschießt, das war für uns nicht die große Überraschung.“ Aus Angst sei schlicht Realität geworden. Nach den jahrelangen Rassismuserfahrungen ihres Sohnes und seiner Freunde hat sie endgültig den Glauben an die Polizei verloren: „Das Vertrauen ist mit Lorenz gestorben.“

Hinter den massiven Säulen vor den Eingangstüren des ehemaligen Oldenburgischen Staatsministeriums liegt im ersten Stock das Büro von Andreas Sagehorn. Er ist Präsident der Polizeidirektion Oldenburg und möchte das verlorengegangene Vertrauen durch Dialog zurückgewinnen. Racial Profiling sei ein „wiederkehrender Vorwurf, den wir sehr ernst nehmen“, erklärt er im Gespräch, zu dem er von seinem Pressesprecher begleitet wird. Den „subjektiven Wahrnehmungen“ der Personen, die der taz von Rassismus durch die Oldenburger Polizei berichtet haben, könne er aber nichts entgegnen, da er keine Kenntnisse der konkreten Fälle habe.

Für Reformen wie eine unabhängige Beschwerde- und Ermittlungsstelle oder Kontrollquittungen, eine Bescheinigung über einen tatsächlichen Grund der Kontrolle, sieht er keinen Bedarf. Das System funktioniere gut, wie es ist. Verständnis für die Bestürzung und die Wut nach der Tötung von Lorenz A habe er zwar, aber: „Schwierigkeiten habe ich mit dem immer wiederkehrenden Vorwurf des strukturellen Rassismus. Ich bin überzeugt, dass wir den in der Polizei nicht haben.“

„Es muss sich etwas verändern“

Auch die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) wies nach der Tötung von Lorenz A. Vorwürfe von strukturellem Rassismus in der Polizei „mit aller Überzeugung zurück“. Das bekräftigte sie nochmals, auch nachdem in der niedersächsischen Polizei im September gleich zwei Chatgruppen mit rassistischen Inhalten aufflogen, von denen sich eine an der Polizeiakademie Oldenburg gründete. Beide untermauern ihren Befund mit einem Hinweis auf die 2024 erschienene Studie zu Diskriminierungsrisiken in der niedersächsischen Polizei. Tatsächlich kommt diese Studie jedoch zu dem Schluss, dass es sehr wohl mehrere fest in der Polizei verankerte Arbeitsroutinen gibt, etwa die „Lagebeurteilung unter Nutzung ethnischer Kategorien“, die Diskriminierung begünstigen können.

Es muss sich etwas verändern. Es darf nicht sein, dass dafür erst Leute sterben müssen

Simon, Freund von Lorenz A.

„Es ist ein institutionelles Problem“, sagt Astrid Jacobsen über Racial Profiling. Sie ist Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen und Mitautorin der Studie. Die Be­am­t:in­nen müssen selbst entscheiden, wen sie kontrollieren: „Sie greifen dabei auf persönliche und kollektive polizeiliche Erfahrungen zurück, die Gefahr laufen, zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu werden.“ Auch wenn sie keine rassistische Einstellung haben, können die Po­li­zis­t:in­nen deshalb rassistisch handeln.

Auch auf Grundlage dieser Erkenntnisse fordern die Grünen in Niedersachsen Reformen wie eine verbindliche Datenerhebung zu Racial Profiling, unabhängige Polizeibeauftragte und Kontrollquittungen. „Schon in meiner Jugend habe ich erlebt, wie ich – oder vor allem meine männlichen Freunde – ohne ersichtlichen Grund herausgegriffen und kontrolliert wurden“, erzählt die Oldenburger Landtagsabgeordnete Lena Nzume. In Reaktion auf die Tötung von Lorenz A. hat die Partei auf ihrem Bundesparteitag im November einen Beschluss zur Überwindung von „institutionellem Rassismus in Sicherheitsbehörden“ verabschiedet. Ob sie ihre Forderungen umsetzten können, ist fraglich.

Zuletzt hat sich der niedersächsische Polizeipräsident trotz einer entsprechenden Vereinbarung im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen gegen die Einführung einer Kennzeichnungspflicht ausgesprochen. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte im Dezember im Bundestag anlässlich der geplanten Modernisierung des Bundspolizeigesetzes nochmals sein Vertrauen in die Polizei. Racial Profiling und Polizeigewalt bezeichnete er als „Polemik“. Für ihn gebe es „nur eine einzige Perspektive: Wir stehen auf der Seite der Polizistinnen und Polizisten, nicht auf der Seite der Kriminellen“. Eine von seinem Ministerium geförderte und diesen Februar veröffentlichte Studie kommt dagegen zu dem Schluss, dass Racial Profiling als Form von institutionellem Rassismus ein verbreitetes Problem darstellt und in der Polizei erheblicher reformbedarf besteht.

Durch die Terrassentür von Bens Wohnzimmer bricht inzwischen die Dämmerung herein. Nachdem er, Simon und Julian über eine Stunde von ihren persönlichen Erfahrungen berichtet haben, kommen sie zum Abschluss noch auf die Politik zu sprechen. Aussagen, wie die des Innenministers, bestärken bei ihnen das Gefühl, dass die Politik die Tötung ihres Freundes und den Rassismus in der Polizei nicht ernstnimmt. Dabei betont Ben, dass alle Schwarzen und PoC betroffen sind und ihre Erfahrungen nichts Besonderes seien, nur weil sie Lorenz kannten. Sie kämpfen deshalb selbst für eine Reform des Systems. „Es muss sich etwas verändern“, sagt Simon. „Es darf nicht sein, dass dafür erst Leute sterben müssen.“

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78 Kommentare

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  • Ich finde das gut geschildert, wie die Initiative Gerechtigkeit für Lorenz A. entsteht und sich bewegt. Da ist die Migrationsgesellschaft, die postmigrantische. Da sind die jungen Menschen schon weiter als die Behörden und die Polizei.



    Das können wir auch im Zug: eben fragen: Warum haben Sie jetzt den Passagier kontrolliert und mich nicht?



    Der Film von Hubertus Koch "Lorenz und die Einzelfälle" behandelt nur die letzten tödlichen Polizeieinsätze seit 2020 nur in Norddeutschland. www.youtube.com/watch?v=rU7hcUhJXio

  • Präsident der Polizeidirektion Oldenburg:



    „Schwierigkeiten habe ich mit dem immer wiederkehrenden Vorwurf des strukturellen Rassismus. Ich bin überzeugt, dass wir den in der Polizei nicht haben.“

    Wissenschaftliche Studien zum Thema Rassismus bei der Polizei:



    "Ähm, hmm, naja - streng genommen ... irgendwie schon!" *hüstel*

    Präsident der Polizeidirektion Oldenburg:



    "Aber nicht bei uns! Und wenn, dann sind es Einzelfälle!"

    • @Anders Heister:

      @ Anders Heister



      Aufgrund dieses unbeschreiblichen Vorfall gab es schon eine öffentliche Podiumsdiskussion / Anhörung mit dem zuständigen Polizeipräsidenten in Oldenburg, da viele Bürger und gerade auch dadurch besorgte Eltern von Jugendlichen sich fragen, was hier in Oldenburg teilweise für



      " überambitionierte " junge Mitarbeiter aus dem Polizeidienst in der Stadt unterwegs sind. Viele Eltern mögen ihre heranwachsenen Jugendlichen nicht mehr zum Ausgehen am Abend in die Stadt lassen.



      Es ist nur noch Ungeheuerlich. Was für Vorgesetzte hat dieser junge Polizeibeamte, der die Todesschüsse auf Lorenz abgegeben hat ?

  • Es sind doch zwei Themen in dem Artikel: Der Tod von Lorenz und die anlasslose Kontrolle von POC.

    Zum ersten Thema ein Zitat aus dem Artikel: "Die Freunde denken nicht, dass der Polizist Lorenz in rassistischer Absicht erschossen hat. "

    Wenn nicht einmal die Freunde das denken - die näher dran sind -, wüsste ich nicht, warum jemand anders dies tun sollte, der weiter weg ist.

    Das Thema der anlasslosen Kontrollen steht hier in keinem Zusammenhang, da Lorenz nicht "anlasslos" verfolgt wurde - möglicherweise aber fahrlässig oder vorsätzlich getötet.

    Ich bin mir nicht sicher, ob der Artikel nicht stärker wäre, wenn man ihn von der Tötung von Lorenz getrennt hätte- so führt es nur zu "Streit" in der Kommentarspalte, da viele aneinander vorbei schreiben.

    • @Strolch:

      Sorry, aber die beiden Themen haben unmittelbar miteinander zu tun.



      Die Aussage von Astrid Jacobsen erklärt das nachvollziehbar.

    • @Strolch:

      Ist es guter Stil, ein Zitat zu verkürzen, wenn der darauf folgende Satz das Wort "aber" enthält?

      "Die Freunde denken nicht, dass der Polizist Lorenz in rassistischer Absicht erschossen hat. In ihrer Erfahrung nimmt die Polizei Schwarze und People of Color aber als bedrohlicher wahr, geht respektloser mit ihnen um und greift schneller zu Gewalt. „Es ist ganz klar eine Struktur dahinter“, meint Simon. Sie sind sich sicher, dass der Polizist nicht geschossen hätte, wenn Lorenz weiß gewesen wäre."

      • @Anders Heister:

        "Die Freunde denken nicht [...]" und "Sie sind sich sicher [...]" ist aber auch kein guter Stil, wenn es sich leicht feststellen läßt, daß keineswegs überwiegend PoC von der Polizei erschossen werden. Wenn Sie die Statistik anschauen, wird ihnen als Gemeinsamkeit eher "Bewaffnet mit [...]" auffallen.

    • @Strolch:

      Ich würd mir nicht anmaßen, den Fall des Todes von Lorenz A. hier zu bewerten, da ist für mich viel zu viel unklar. Fakt ist nur, dass es Ziel sein muss, solche Situationen zu lösen, ohne dass ein Mensch stirbt. Bodycams müssen für mich verpflichtend her. Und dass es Rassismus innerhalb der Polizei gibt, steht auch nicht im Zweifel.



      Aber ob der Polizist im konkretene Fall jetzt aus Rassismus, aus Inkompetenz oder Notwehr heraus geschossen hat ist, für alle hier nur aus dem Bauchgefühl heraus einschätzbar.



      Ich zumindest würde generell wirklich lieber mit Fakten informiert werden.

    • @Strolch:

      Über diese Aussage stolperte ich ebenfalls und hielt sie für einen Formulierungsfehler, da die Aussage so gar nicht in den Kontext passt. Wenn ich mir die, teils giftigen Kommentare, hier durchlese, denke ich, dass dieser Hinweis von den Befürwortern der Rassismusthese ebenso als inhaltlicher Fehler gewertet wurde. Es wäre doch gut, wenn Aljoscha Hoepfner hier noch Klarheit/Korrektur schaffen würde.

  • Ich sehe die Problematik bei Schüssen in den rücken...



    Die Polizei war vor Ort weil Lorenz Ärger gemacht hat, aber nichts was zwingend zu Schiesserei führen muss

  • Ich bin etwas dunkler als ein durchschnittlicher Deutscher und gehe oft als Südeuropäer durch. In jungen Jahren war ich selbst mit blonder Familie der Über-Kontrollierte am Flughafen. Einmal noch kurz vorm Einsteigen ins Flugzeug am Gate. Erzähl mir keiner Racial Profiling gibt es nicht.

  • Ich kann nur dazu raten, die Ermittlungen abzuwarten, bevor man sich über Sachverhalte echauffiert, von denen man denkt, dass sie so geschehen sind, wie sie ungeprüft geäußert werden.

    Es hilft niemanden, wenn man einen tief-rassistischen Polizeistaat herbeiredet, in dem wir faktisch nicht leben, genau wie es nicht hilft, die Existenz rassistisch eingestellter Polizisten per se auszuschließen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Jeder Fall ist individuell aufzuklären. Dazu bedarf es Sachlichkeit und Professionalität. Das erwarte ich von den rechtsstaatlichen Institutionen. Von einer Gruppe, die sich „Gerechtigkeit für Lorenz“ nennt, erwarte ich das nicht. Allerdings sollte man auch nicht die Standpunkte einer solchen Gruppe ungefilterte übernehmen. Zumindest nicht, wenn man für sich in Anspruch nimmt, möglichst objektiv an die Sache heranzugehen.

    Und ja, auch Schüsse in den Rücken KÖNNEN möglicherweise gerechtfertigt sein, wahrscheinlich nicht aus Selbstschutz, aber zum Schutz anderer, eine Kernaufgabe der Polizei. Aber um das beurteilen zu können, bedarf es eben Ermittlungsarbeit.

    • @Katharina Reichenhall:

      Schön und gut.



      Aber so objektiv wie Sie sich hier geben ermittelt die Polizei leider nicht wenn es gegen Kollegen geht.



      Außerdem sind die Ermittlungen abgeschlossen, Anklage ist erhoben. Was gibt es da abzuwarten?



      Und fünf Schüsse in den Rücken klingen alles andere als "fahrlässig".

    • @Katharina Reichenhall:

      Sie haben tatsächlich recht. Die Rechtmäßigkeit des polizeilichen Schusswaffengebrauchs ergibt sich insbesondere aus den Bestimmungen der (Landes-)Polizeigesetze. Grundsätzlich darf/muss die Schusswaffe zur Vereitelung eines Angriffs bzw. einer Flucht eingesetzt werden. Die Voraussetzungen, insb. der Verhältnismäßigkeit sind zu beachten. Die Rechtmäßigkeit von Schüssen in den Rücken sind in Einklang mit den gesetzlichen Regelungen selbstverständlich denkbar. Den Hobbyjuristen,die sich hier polizeifeindlich aus ihren Fenstern lehnen, fehlt es gänzlich an juristischen Kenntnissen. Aber auch das ist Demokratie, wenn Leute sich zu etwas äußern von denen sie keine Ahnung haben, aber dafür viel Meinung loswerden möchten. Die Entscheidungskompetenzen sind im Rechtsstaats Gott sei Dank klar geregelt, und können den empörten Pöbel in aller Ruhe ignorieren.

    • @Katharina Reichenhall:

      Gekonnt abwiegelnd - Stacheldraht in Schmierseife verpackt. But.



      Wenn selbst die StA bei fünf in Worten 5 Schüssen/Treffern in den Rücken wg Fahrlässiger Tötung Anklage erhebt - ist es mit weiterer Ermittlungsarbeit aber nur sehr schwer was her.



      (Btw weiß ja nicht obse schon mal versucht haben mit ner Pistole 🔫 ein Silouette & die gar in Bewegung - hier gar 🏃‍♂️ - zu treffen?



      Ich schonn. Lang her - aber der Spruch ist mir in Erinnerung geblieben “Pistole? - da wirfste besser damit!“ / & das ist keineswegs lustig gemeint!) & die mit Verlaub Trefferquote im vorliegenden Fall - mit mehr als auffällig!)

      • @Lowandorder:

        "die mit Verlaub Trefferquote im vorliegenden Fall - mit mehr als auffällig!" - Finden Sie wirklich?

        "Drei der fünf Kugeln trafen A. von hinten in Kopf, Oberkörper und Hüfte. Ein vierter Schuss streifte seinen Oberschenkel. Er starb kurz darauf im Krankenhaus."



        taz.de/Fall-Lorenz-A/!6127100/

        Hört sich nicht nach gezielter Hinrichtung an. Der Kopftreffer war wohl eher Zufall als Absicht.

        "Btw weiß ja nicht obse schon mal versucht haben mit ner Pistole 🔫 ein Silouette & die gar in Bewegung - hier gar 🏃‍♂️ - zu treffen?"

        Kommt auf die Distanz und Laufrichtung an. Wenn Lorenz in gerader Linie vor dem Polizist weggelaufen ist...auf 5 bis 20m. 5 Schuss davon 3 Treffer wären dann keine Meisterleistung,

        Letztlich ist eben doch der genaue Ablauf zu klären - Wurde er in der Drehung getroffen? Wo wollte er eigentlich hinlaufen? Waren Kollegen in Gefahr?

      • @Lowandorder:

        Naja, was heißt "Gekonnt abwiegelnd"?



        Ich versuche, Sachlichkeit in das Thema zu bringen.

        Ich meine mich zu erinnern, dass Sie in der Justiz tätig sind/waren. Da müssten Ihnen doch der Aufruf zur Sachlichkeit zusagen, zumal wir, also ich und wahrscheinlich auch Sie und alle anderen hier, in den Ermittlungen weder involviert noch Prozessbeobachter sind.

        Und nein, ich habe noch nie mit einer scharfen Waffe auf irgendwas oder irgendwen geschossen. Außer mal als Kind auf einem Kinderschützenfest mit einem Luftgewehr auf einen Pappvogel.

  • "bestärken bei ihnen das Gefühl, dass die Politik die Tötung ihres Freundes und den Rassismus in der Polizei nicht ernstnimmt"

    Das ist noch zu blauäugig. Dieser wird nicht nur nicht "ernst genommen". Diese Zustände, die zu so etwas führen, werden von Herren wie Dobrindt bewusst aufrecht erhalten und befördert.



    Genau zu so etwas führt auch deren Rhetorik gegenüber Zugewanderten.

  • Der Tod von Lorenz A ist für mich kein Beispiel von Racial Profiling.



    Das wäre für mich gegeben, wenn die Polizei sich gezielt Lorenz als Opfer ausgesucht hätte.



    Hier ging aber eindeutig die Aktion initial von Lorenz aus und die Polizei wurde zur Hilfe gerufen weil andere Passanten angegriffen und verletzt wurden. Lorenz hätte die Situation zu jeder Zeit entschärfen können, wenn er sich den Polizisten ergeben hätte. Niemand hätte dann geschossen.



    Ich bin mir sicher, dass die Hautfarbe beim Schuss keine Rolle gespielt hat.

    • @Thomas2023:

      @Thomas2023



      Woher haben Sie die Informationen - welche anderen Passanten wurden angegriffen ?



      Vor dem Club hat Lorenz sich gegen den Security / Türsteher mit einem Spray zur Wehr gesetzt und wollte dann vor diesen Leuten fliehen. Der Presse konnte man entnehmen, einige Umherstehende Personen haben etwas von dem Spray eingeatmet, es war von leichten



      " Verletzungen " die Rede. Als Lorenz sich weiterer Gewalt von den Türstehern durch weglaufen entziehen wollte, wurde Lorenz von den Security Leuten durch die Innenstadt gehetzt. Zudem, wer hat die Polizei gerufen ? Der Security Dienst, weil sie einem sportlichen, trainierten Handballer, der schneller laufen konnte als sie und sie ihm sportlich nicht gewachsen waren ?

    • @Thomas2023:

      Angegriffen/ in den Rücken geschossen. Klingt super plausibel. Hätte die Polizei sicher auch bei einem Weißen gemacht...



      Nicht.

      • @spaltarsch:

        Da die Polizisten wussten, dass er bewaffnet war, passt Racial Profiling nicht mehr so richtig.

        Es gibt andere Fälle, wo auch "Weiße" wegen einer Anscheinsgefahr getötet worden sind.

        Deshalb wird das Gerichtsverfahren spannend.

        • @rero:

          @rero



          Bewaffnet ?



          Ein Messer / Taschenmesser tragen viele Jungs und Männer in der Hosentasche.

    • @Thomas2023:

      Schon erschütternd - wiese & @Nachtsonne sich um Kopf & Kragen schwadronieren •

    • @Thomas2023:

      "Hier ging aber eindeutig die Aktion initial von Lorenz aus ..." So ist es wohl. Auf den Punkt gebracht.

      • @Nachtsonne:

        Wie kommen Sie nur zu der Annahme ?



        Sowohl Lorenz, als auch der Betreiber des Club, als auch die Leute vom Securitydienst / Türsteher gehörten unterschiedlichsten Ethnien an. Zudem, inwieweit haben Sie Kenntnisse über die Bekanntschaft zwischen den ganzen Beteiligten, Besitzer des Club, Polizei, Security Service / Türsteher & Lorenz ?



        Warum wollte Lorenz unbedingt in den Club ? Es gibt auch andere Gründe als nur zum Party machen einen Club aufsuchen zu wollen. Eine Verabredung, jemanden zu helfen pp.



        Warum hetzten die Security Leute Lorenz durch die Innenstadt ? Lorenz wollte sich der Eskalation doch duch weglaufen entziehen. Warum hat Lorenz nicht bei der ersten Polizeistreife Schutz vor seinen Verfolgern gesucht ? Hatte Lorenz schon so " gute " Erfahrungen mit der örtlichen Polizei gemacht ? Die erste Steife hat Lorenz dann durch Verfolgung, laut Zeugenaussage, direkt in die Arme der zweiten Polizeistreife getrieben.

    • @Thomas2023:

      Wenn jemand ein Messer hat, ziehe ich mir Schutzkleidung an und nutze eine Stangenwaffe mit Reichweite zum Entwaffnen. Hat Jahrhundertelang so funktioniert.

      Aber nee, ist klar, besser direkt erschießen! Kommentare wie ihrer machen mir Angst. Was für Mitmenschen habe ich, die sowas in Kauf nehmen?

      • @Schatten:

        Dass der Nachtwächter (die Polizei) mit einer Stangenwaffe, also einem Spieß oder einer Pike bewaffnet war, ist lange her.



        Die Polizei wird zur Zeit mit Schutzkleidung ausgerüstet.



        Stangenwaffen werden sie wohl nicht bekommen.

      • @Schatten:

        Jetzt mal ehrlich, sollte es nicht reichen, wenn ein Polizist jemanden auffordert sich zu ergeben? Ich bin noch so erzogen worden, dass Polizisten Respektspersonen sind denen man Folge zu leisten hat.



        Deshalb machen Kommentare wie Ihrer Angst, die darauf abzielen den Respekt und die Autorität der Polizei zu schmälern.



        Wegen solcher Kommentare haben Polizisten in ähnlichen Situationen gezögert und wurden deshalb zum Opfer von Gewalt. Wir müssen Polizisten den Rücken stärken und Gewalt gegen Polizisten scharf verurteilen.



        Oder finden Sie es in Ordnung, dass Lorenz den Polizisten angegriffen hat??



        Im Nachhinein hätte man es natürlich anders lösen können, aber in solchen Situationen muss ein Polizist kurzfristig handeln und sich und vor allem auch andere schützen. Was wäre gewesen wenn er nicht geschossen hätte und es hätte sich an der nächsten Ecke ein Passant in den Weg gestellt und wäre angegriffen worden? Da hätte auch jeder den Polizisten verantwortlich gemacht.

        • @Thomas2023:

          Ich bin erzogen worden, dass man nach dem Krieg extra darauf geachtet hat, die Polizei in möglichst wenig militaristische Uniformen zu stecken, in Kleidung die möglichst wenig Bezug zu faschistischen Uniformen haben sollte.

          Wie ist es heute?: Kurzgeschorene Haare, soldatische Statur, preußischblauer Kampfanzug. Vor solchen Menschen habe ich keinen Respekt. Vor solchen Menschen habe ich Angst!

          Im Nachhinein kann man gar nichts mehr lösen, wenn man jemanden erschießt. Ansonsten gehört Umgang mit Gewalt - auch ausdrücklich die Ausübung von Gewalt - zu den Aufgaben eines Polizisten. Wenn jemand meint, man müsse "Polizisten mehr vor Gewalt schützen", dann hat er ihre Aufgabe nicht verstanden!

          Was richtig gewesen wäre, habe ich schon gesagt. Messer sind kurz. Stangen sind lang. Hau ihm auf die Finger und er lässt das Messer fallen. Nicht so schwer. Schutzkleidung kann vollständig vor Stichwaffen schützen. Keine neue Erfindung. Sich vor dem Einsatz umzuziehen bekommt die Feuerwehr auch hin. Geübt verzögert das die Einsätze nicht.

      • @Schatten:

        "Wenn jemand ein Messer hat, ziehe ich mir Schutzkleidung an und nutze eine Stangenwaffe mit Reichweite zum Entwaffnen". Das klingt gut, nur haben Polizisten außerhalb des Vatikans selten Hellebarden dabei.

      • @Schatten:

        Die Polizisten, die alarmiert wurden, liefen mWn gerade Streife. Es waren nur wenige Augenblicke von der Alarmierung der Beamten bis zum Aufeinandertreffen mit dem Flüchtigen in einer Seitenstraße, der gerade nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit Sicherheitspersonal Reizgas vor einer Diskothek versprüht hatte und in einer dunklen Straße auf die Beamten zurannte. Da war keine Zeit, irgendwelche gesonderte "Schutzkleidung" anzuziehen und eine "Stangenwaffe" herzuzaubern.

        Die Polizisten konnten davon ausgehen, dass vom dem Flüchtigen im konkreten Moment eine Gefahr für sich und andere Menschen in der Stadt ausging (aggressives Verhalten des Flüchtigen, Reizgas und gemeldet Messer dabei), zumal er im Vorbeirennen auch die Polizisten mit Reizgas besprühte. Dass in Sekundenbruchteilen in einer dunklen Straße so eine Situation eskaliert, erscheint mir nachvollziehbar.

  • Es ist wirklich schlimm, diese Zustände werden seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) angeprangert und es ändert sich nichts. Im Gegenteil, gefühlt wird es schlimmer.



    Regelmäßig sprechen Innenpolitiker die Polizeien bereits vor der Aufarbeiteung von jeglicher Verantwortung frei. Man fragt sich, ob sie wirklich einen Rechtsstaat wollen.

    Und an die Fraktion "er war Polizeibekannt", "hat vorher XY getan" , usw:



    Das sind Dinge die in einem Verfahren Berücksichtigung finden, aber NICHTS DAVOn rechtfertigt Schüsse in den Rücken / Hinterkopf. Sowas klingt dann eher nach Hintichtung.

  • Die Rassismus Studie des Innenministerium gelangt nur schleppend in die Öffentlichkeit (spon berichtet).



    Dobrindt will die Öffentlichkeit nicht teilhaben lassen.

  • Irgendwie ist das komisch.



    Mein Vater hat mir schon öfter davon berichtet, dass es sehr auffällig gewesen sei dass Menschen die "anders aussehen" häufig kontrolliert wurden und auch durchaus öfter mal "mitgenommen worden" sind - und manchmal recht zerschunden wieder auftauchten.

    Aber ich dachte ach quatsch. Das ist doch lange vorbei.

    Ach so, sollte ich vielleicht erwähnen: Mein Vater ist 1932 geboren und diese Schilderungen sind seine Kindheitserinnerungen ...

  • "Alles nur Einzelfälle"



    Unser Sohn (weiß) wurde als Jugendlicher so gut wie nie kontrolliert.



    Unser "Ziehsohn" (schwarz) in ca. 10 Jahren mindestens einmal im Monat, manchmal wöchentlich.



    Racial Profiling gibt es also nicht in Frankreich.



    Heute ist das alles anders, das war ja vor 20 Jahren...

    • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Ich wurde in 64 Jahren im Deutschland dreimal von der Polizei nach meinem Ausweis gefragt, bei Verkehrskontrollen. Dad ist die Quote meines Kollegen aus Eritrea in 3 Wochen.

  • Interessant, wie unterschiedlich Medien (und damit meine ich nicht die BILD) über diesen Fall berichten. Beim NDR heißt es unter anderem: "Nachdem Lorenz A. der Zugang zur Diskothek in der Mottenstraße verwehrt worden sei, habe er Reizstoff in Richtung zweier Security-Mitarbeiter gesprüht. Mehrere Menschen hätten dadurch leichte Verletzungen erlitten. Lorenz A. sei geflüchtet und von mehreren Personen verfolgt worden. Als er ihnen mit einem Messer gedroht habe, hätten sie die Verfolgung abgebrochen...". Die TAZ schreibt lediglich von einer "Auseinandersetzung". Außerdem: "Einem Bericht des "Spiegel" zufolge liefen gegen Lorenz A. im Vorfeld Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte, Raub und Nötigung...". Davon lese ich hier nichts. Ich möchte damit auf keinen Fall irgendetwas relativieren, trotzdem sollte man, sollten die von mir genannten Punkte zutreffen, dies ebenfalls in der Berichterstattung erwähnen.

    • @MarsiFuckinMoto:

      Das zum Geschehen hat die taz auch berichtet, bereits nach den Vorkommnisssen.



      Zu den Vorstrafen: bestehen Sie auch darauf, dass jedesmal wenn Uli Hoeneß sich über Wirtschaft, Finanzen oder den Staat äußerst seine Vorstrafe erwähnt wird?

    • @MarsiFuckinMoto:

      Aus dem Nachbarartikel mal kurz zur Erleuchtung, was Raub und Körperverletzung sein kann:







      "Der Detektiv war ein großer, breiter Mann, sie (Ladendiebin, eine Dose Whisky-Cola) war eine kleine Frau. Trotzdem zählte der Schlag (er hatte sie am Arm gepackt, sie ihm daraufhin auf den Arm gehauen) als Körperverletzung und in Verbindung mit dem Diebstahl der Getränkedose stellte das Ganze strafrechtlich gesehen einen sogenannten räuberischen Diebstahl dar."

      Wie das bei Herrn A. war, weiß ich nicht - aber bei einer rassistischen Polizei ist es nicht unmöglich, dass die auch aus einer eher harmlosen Sache das meiste an Straftat herausholen?

      • @ANonnyMouse:

        Die Polizei wurde aber erst gerufen, als er das Pfefferspray schon eingesetzt hatte und das Messer gezogen, so dass die Verfolger ihn lieber nicht weiter verfolgen wollten.

        Wieso man mit einem Messer in den Club geht, wäre die zweite Frage und sich dann wundert, wenn man nicht rein kommt.

    • @MarsiFuckinMoto:

      " Ich möchte damit auf keinen Fall irgendetwas relativieren".



      Dann lassen Sie es doch einfach.

    • @MarsiFuckinMoto:

      Dies hier ist der ungefähr 37. Artikel zu dem Fall in der taz, und hier steht nicht das damalige Geschehen im Vordergrund. In taz-Artikeln, die sich mit den vermutlichen Abläufen der betreffenden Nacht beschäftigen, wird das durchaus erwähnt. Also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, um hier der taz tendenziöse Berichterstattung zu unterstellen. Und Relativieren wollen Sie natürlich auch gar nicht, in dem Sie für das damalige Geschehen vermutlich recht irrelevante Dinge über den Verstorbenen hier einwerfen. Niemand hat die Absicht, einen Roten Hering auszulegen.

    • @MarsiFuckinMoto:

      Bewertung der Lage durch Staatsanwaltschaft:

      Die Anklage wirft dem Polizisten vor, dass er trotz des Fehlens einer tatsächlichen Notwehrlage geschossen habe und erkennen hätte müssen, dass Lorenz A. lediglich fliehen wollte; daraus ergibt sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Sie bewertet, dass Lorenz A. vor den Schüssen nicht mehr unmittelbar gefährlich war, und hat deshalb gegen den Beamten Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.



      Sie bewertet, dass Lorenz A. vor den Schüssen nicht mehr unmittelbar gefährlich war, und hat deshalb gegen den Beamten Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

      Er wurde er von hinten mit 5 Schüssen getroffen, was nun zur Einschätzung der Staatsanwaltschaft führt.

      Während man Lorenz A. sicherlich ebenfalls anklagen könnte, aufgrund der Beschreibung der Staatsanwaltschaft des vorherigen Geschehens, erübrigt sich dieses aber vermutlich.

      • @KlausT15:

        @ Klsus T15



        👍👍

      • @KlausT15:

        Alles richtig, der Artikel dreht sich aber nicht allein um die Schüsse, sondern auch um die Kontrollen. Und jemand, der der Polizei schon mal häufiger negativ aufgefallen ist, der wird auch häufiger kontrolliert. Egal wie er aussieht - das gilt für den Erschossenen hier auch.

        Das heißt nicht, dass andere nicht zu Unrecht häufiger kontrolliert werden, aber dieser junge Mann hat offensichtlich genug Anlass geboten.

  • Sorry, aber Meinungen die das toxisch männliche Verhalten von Lorenz A. nicht thematisieren sind auch rassistisch.

    • @Tim Hartmann:

      Komplett falsch.



      "Toxisch männliches Verhalten" hat NICHTS damit zu tun, ob ein Mensch fünf Mal in den Rücken geschossen wird.



      Wenn Sie jetzt eine "Stadtbild" Debatte aufmachen wollen, gute Nacht.

  • Nur fürs Protokoll: "fahrlässige Tötung" ist es wenn jemand mit dem Auto besoffen in der Gegend herum fährt und dabei aus Versehen jemanden überfährt, der dabei stirbt. Als Polizist im Einsatz von hinten (!) jemanden mit mehreren Schüssen in den Rücken zu töten ist entweder Totschlag oder Mord.

    Da die Anklage aber auf "fahrlässige Tötung" lautete, ist klar, dass hier rassistische Morde nicht nur der Polizei angelastet werden müssen, sondern auch, dass sie Unterstützung in unserem Justizsystem finden.

    Ich möchte nochmal daran erinnern, dass in Hessen die PolizistInnen des NSU2.0 Komplexes noch nicht mal angeklagt wurden und soweit ich weiß, weiterhin in "Beamtenwürden" sind.

    Das Problem des strukturellen Rassismus ist weit größer in Deutschland als die meisten sich eingestehen wollen. Und wir müssen dazu auch nicht warten, bis die AfD an die Regierung kommt. Eine cdU/csU-Regierung reicht völlig. Dazu sollte man nicht vergessen, dass die entsprechenden Menschen schon lange in den Behörden und Ämtern sitzen. Richter, Staatsanwälte, Polizisten, Soldaten, Beamte und Angestellte in städtischen Behörden, die über Wohnraumvergabe, Anerkennenung von Asylverfahren etc. entscheiden.

    • @Jalella:

      "Als Polizist im Einsatz von hinten (!) jemanden mit mehreren Schüssen in den Rücken zu töten ist entweder Totschlag oder Mord." Nein, es kommt auf die Umstände an.

      Beispiel: Jemand mit Messer oder Pistole steht vor einer anderen Person. Der Polizist steht hinter dem jemandem. Um die bedrohte Person zu schützen schießt der Polizist dem jemandem in den Rücken. Eindeutig kein Mord oder Totschlag.

      Anderes Beispiel: Jemand mit Messer oder Pistole läuft weg, was eine Gefahr für andere darstellt, auch wenn er in dme Moment niemand konkret bedroht. Polizist schießt in den Rücken. Auch hier kein Mord oder Totschlag. Wenn aus meiner Sicht nicht mehr so eindeutig denn, hätte der Polizist ihn nicht noch weiter verfolgen können und dann stellen? Mit Stellen meine ich nicht jemanden mit Messer angreifen sondern Pistole aus der Ferne halten.

      In diesem Fall gingen die Polizisten wohl von Vorhandensein eines Messer aus. (Ob er eines dabei hatte ist wahrscheinlich zweitrangig). Es geht darum ob von der Polizei verhältnismäßig reagiert wurde. Daher passt auch nur "fahrlässige Tötung" anstatt Mord oder Totschlag.

      Bin aber nur Laie, aber meine Argumentation scheint mir sehr logisch zu sein.

      • @Eulennest:

        Bitte informieren Sie sich genauer über diesen kpnkreten Fall! Andere Menschen waren zu diesem Zeitpunkt nicht gefährdet.

      • @Eulennest:

        "Jemand mit Messer oder Pistole steht vor einer anderen Person. Der Polizist steht hinter dem jemandem. Um die bedrohte Person zu schützen schießt der Polizist dem jemandem in den Rücken."

        Wer kennt sie nicht, die Polizisten mit Röntgenblick?

        • @Ajuga:

          Was solle diese polemische Antwort? Gehe doch mal auch nur einen Schritt zur Seite und dann auf eine Person zu und schon kannst du sehen was sich vor dieser befindet.

    • @Jalella:

      "Als Polizist im Einsatz von hinten (!) jemanden mit mehreren Schüssen in den Rücken zu töten ist entweder Totschlag oder Mord."



      Na, dann ist es ja gut, dass Sie mit Ihrem (mutmaßlichen) juristischen Laienwissen klüger sind als die Staatsanwaltschaft, die sich da bestimmt nicht so gut auskennt wie Sie.

      Nur mal als kleine Denkaufgabe für Sie: Können Sie sich, mit etwas Mühe, Szenarien vorstellen, in denen man zur Verteidigung anderer Menschen auf jemanden von hinten (!) schießen kann? Und, wenn wir schon dabei sind: Worauf beruht Ihre Unterstellung einer vorsätzlichen Tötung (also sprich, eines mindestens bedingten Tötungsvorsatz der Marke: "Ich schieße jetzt auf ihn, um ihn zu verletzen, und wenn er dabei stirbt, dann hat er halt Pech")? Ist es wirklich undenkbar, dass die Staatsanwaltschaft einfach davon ausgeht, dass der Schütze in diesem Fall einem Irrtum über die Situation unterlag, und dabei in seiner Einschätzung allzu leichtfertig zum sog. "finalen Rettungsschuss" griff, woraus sich in der Summe eine fahrlässige Tötung ergibt?

  • Der Tod des 21-jährigen Lorenz A. an Ostern 2025 in Oldenburg ist das tragische Mahnmal eines tief sitzenden strukturellen Problems. Dass ein junger Mann in der Fußgängerzone von drei Polizeikugeln – von hinten in Rücken und Kopf – getötet wird, lässt sich nicht mit „Gefahrenabwehr“ rechtfertigen. Es ist das bittere Resultat einer Routine, in der schwarze Körper schneller als Bedrohung markiert werden. Racial Profiling tötet, bevor die erste Kugel fällt.



    ​Den geistigen Nährboden liefert eine AfD, die rassistische Ressentiments zum Geschäftsmodell erhoben hat. Wer Menschen pauschal als „Messermänner“ delegitimiert, vergiftet das Klima so weit, dass bei Kontrollen nur noch das Feindbild gesehen wird. Die AfD normalisiert den Hass, den Beamte in Stresssituationen internalisieren.



    ​Die Anklage wegen fahrlässiger Tötung ist nur ein schwacher Trost. Wir brauchen eine radikale Fehlerkultur statt Ausflüchten. Wer heute wegsieht, wenn die AfD hetzt und die Polizei unverhältnismäßig zuschlägt, macht sich mitschuldig an der nächsten Tragödie auf unseren Straßen.

    • @amigo:

      "Dass ein junger Mann in der Fußgängerzone von drei Polizeikugeln – von hinten in Rücken und Kopf – getötet wird, lässt sich nicht mit „Gefahrenabwehr“ rechtfertigen."



      Doch, prinzipiell schon. die Frage wird sein, ob es in DIESEM Fall mit Gefahrenabwehr gerechtfertigt sein kann!

      Prinzipielle gerechtfertigte Gefahrenabwehr:



      Beispiel: Jemand mit Messer oder Pistole steht vor einer anderen Person. Polizist steht hinter dem jemandem und schießt um die Person zu schützen.

      Beispiel: Jemand mit Messer oder Pistole läuft weg, was keine Bedrohung für eine konkrete Person darstellt, aber für die Allgemeinheit, der Polizist kommt nicht hinterher und die Person hört nicht auf "stehen bleiben".

      • @Eulennest:

        @ Eulennest



        Ein Messer in der Hosentasche ist kein Straftatbestand & vor der Polizei weglaufen auch nicht. Wir leben hier in Deutschland NOCH in einem Rechtsstaat und wenn Jungpolizisten vom Land meinen, in die Großstadt kommen zu dürfen, um hier Nachts Jagd in unseren Innenstädten auf Jugendliche machen zu dürfen, muss knallhart durchgegriffen werden, und zwar mit dem ganzem Strafmaß was unser Strafgesetzbuch hergibt.

      • @Eulennest:

        Warum kommen Sie immer mit Beispielen die hier nicht zutreffen? Lorenz A. war allein und hat niemanden (mehr) bedroht. Die Bedrohungslage war vorbei. Es gab keinen Grund mehr zu schießen, die Polizei war zudem in Überzahl. Ich bin für den ständigen Einsatz von Bodycams. Und sollten diese 'gerade nicht funktionieren' oder 'ausversehen ausgeschaltet worden sein, sollte immer der Polizist in der Beweispflicht sein.

  • Die Pressefreiheit so anzugreifen! Macht mich sehr wütend. Riecht nach Einschüchterungsversuch. Denkt die Polizei in Oldenburg, dass sie über dem Gesetz steht?

  • Dobrindt: „nur eine einzige Perspektive: Wir stehen auf der Seite der Polizistinnen und Polizisten, nicht auf der Seite der Kriminellen“. - Eine erschütternde Wortmeldung (juristisch, politisch und intellektuell, ethisch sowieso): Als ob die Polizei es nur mit Kriminellen zu tun hätte (die ja ohnehin nur Verdächtige sind) und nicht meistens mit Unschuldigen. Als ob er als Minister nicht auf der Seite des Rechts stehen müsste. Als ob die Kennzeichnung als "kriminell" alles legitimieren würde.

    • @My Sharona:

      Genau so ist es, für mich hört es sich so an, als ob alle die sich über Ra­cial Pro­fi­ling beschwerden, nach Dobrindts Ansicht kriminell sind.

  • Man kann die Forderung gar nicht oft genug wiederholen: Eine unabhängige, wissenschaftliche Untersuchung der Polizei und der Justiz auf rassistische Tendenzen ist ZWINGEND notwendig. Ist das Ergebnis positiv, dann ist es allerhöchste Zeit, dass die Politik endlich eingreift. Ist es negativ - um so besser. Doch ein Rechtsbrecher wie Dobrindt wird -wie seine Vorgänger- alles daransetzen eine solche Untersuchung zu verhindern - er weiß offenbar schon jetzt, was dabei herauskommen würde. Doch Dobrindt ist nicht allein, vor allem seine rechtsorientierten Parteifreunde stehen hinter ihm. Und die anderen Parteien? Die halten sich allesamt bedeckt - es könnte ja Stimmen kosten.



    Ich empfinde tiefe Scham für unsere Republik.

  • Abwarten was bei dem Verfahren herauskommt - falls es überhaupt eröffnet wird. Vielleicht hätte man erwähnen sollen, dass Lorenz A. der Polizei bekannt. Das erklärt dann auch, warum er öfter kontrolliert wurde als unauffällige Mitbürger.

    • @Nachtsonne:

      Wusste der schießende Polizist, dass es sich um den polizeibekannten Lorenz A. handelt? Eher unwahrscheinlich.

    • @Nachtsonne:

      Viele Freunde und Bekannte von mir sind Schwarze. Die werden definitiv öfter Kontrolliert.

    • @Nachtsonne:

      Nein, das war nicht der Grund für die andauernden Kontrollen, das bezeugen die Aussagen der anderen deutlich. Es ist Rassismus pur, no less.

      • @Perkele:

        Und die Aussagen der Freunde betrachten Sie als neutrale Informationsquelle? Ich weiß nicht, ob es Rassismus war, aber ich weiß, dass Sie es auch nicht wissen können.

    • @Nachtsonne:

      Und jeder Polizist in Oldenburg kannte Lorenz' Gesicht und wusste somit, dass dieser Mensch jederzeit und überall ohne Grund Kontrolliert werden sollte? Das halte ich für sehr unwahrscheinlich, somit erklärt eine vorherige Auffälligkeit noch lange nicht die Schikane, der Lorenz und viele weitere ausgesetzt waren und sind. Außerdem ist meines Wissens nach nicht bekannt, warum Lorenz bei der Polizei bekannt war. Vielleicht hatte er mal einen Joint dabei oder es war eine andere Kleinigkeit, die so gut wie jeder schonmal verbrochen hat und ungestraft davon gekommen ist, während man bei Leuten wie Lorenz nur auf eine Gelegenheit wartet, ihn zu belangen.

    • @Nachtsonne:

      Komisch, dass jemand, der so misstrauisch beäugt wird und so oft kontrolliert, der Polizei "bekannt" ist.

    • @Nachtsonne:

      Das erklärt dann wahrscheinlich auch, warum er von hinten erschossen wurde?

      • @Bubak:

        Der Polizist stand unter dem Einfluss von Reizgas und konnte nicht richtig sehen, gleichzeitig ist er davon ausgegangen angegriffen zu werden. Ich sage nicht, dass der Polizist sich nicht strafbar gemacht hat. Aber zu sagen er "wurde von hinten erschossen" vermittelt einen falschen Eindruck der Situation.

        • @Nachtsonne:

          @Nachtsonne



          Der junge Mann, Lorenz A. wurde von hinten beim weglaufen erschossen.



          Da gibt es nichts zu " vermitteln ".

        • @Nachtsonne:

          Das Reizgas wurde gegen die Securityleute der Disco gesprüht, nicht gegen die Polizisten.

        • @Nachtsonne:

          "und konnte nicht richtig sehen"

          Der beste Zeitpunkt für den Einsatz einer Schusswaffe.



          .



          Dafür, dass er nicht sehen konnte war er aber verdammt treffsicher.



          .



          Die Aussage er sei von einem Angriff ausgegangen, ist eine typische Schutzbehauptung.



          .



          Er hat mit Sicherheit mitbekommen, dass der Tatverdächtige bereits an ihm vorbeigerannt war und in die andere Richtung lief.



          .



          Wäre er wirklich so stark von Reizgas beeinflusst, dass er das nicht erkennen konnte, wäre er auch nicht in der Lage gewesen zu zielen und zu schießen.



          .



          Solche offensichtlichen Falschbehauptungen, wie in diesem Fall sind es die jede Menge Vertrauen kosten.

          • @sociajizzm:

            @sociajizzm



            Genauso falsch wie die erste Berichterstattung in den Medien, über einen angeblichen Messerangriff gegenüber dem Polisten, die dann ja wieder zurückgenommen wurde.



            Ein Messer wurde erst später im Krankenhaus, bei der Untersuchung von Lorenz A. in der Hosentasche von Lorenz A. gefunden.

    • @Nachtsonne:

      Ach was! Vagel Bülow

      “…dass Lorenz A. der Polizei bekannt.“



      Genau das nennt sich ein circulus vitiosus oder self-fulfilling prophecie.



      “Das erklärt dann auch, warum er öfter kontrolliert wurde als unauffällige Mitbürger.“



      Das erklärt gar nichts - nur für sojet wie ehna:



      “Selber Schuld!“ 👎

    • @Nachtsonne:

      Vielleicht war Lorenz der Polizei auch bekannt, weil er öfter kontrolliert wurde?



      Vielleicht war Lorenz kein unauffälliger Mitbürger, weil man als schwarze Person kein unauffälliger Mitbürger für die Polizei sein kann?



      Vielleicht wird in dem Artikel mehrfach beschrieben wie die weiße Person viel weniger kontrolliert wird, obwohl die Person auffälliges Verhalten zeigt?



      Vielleicht hatte Seehofer aber auch Recht und die Polizei kann nicht rassistisch sein, da es ja verboten ist.



      Vielleicht aber auch nicht und du solltest den Artikel nochmal lesen und dich mit strukturellen Rassismus auseinandersetzen.

  • Erschütternd.



    Die Rot-grüne Landesregierung muss handeln.