Die Verständnisfrage: Mein Hund geht vor
Warum lassen HalterInnen ihre Hunde trotz Verboten von der Leine, fragt ein Leser. Weil sie sich dann freuen, antwortet eine Hundebesitzerin.
Foto: Nikita Teryoshin
In der Verständnisfrage geht es jede Woche um eine Gruppe, für deren Verhalten der Fragestellenden das Verständnis fehlt. Wir suchen eine Person, die antwortet.
Matthias, 66, Reedereikaufmann aus Ahrensburg, fragt:
Liebe HundebesitzerInnen, warum lasst ihr eure Hunde unangeleint in Gebieten laufen, wo es definitiv verboten ist?
Sarah, 36, selbstständige Recruiterin, antwortet:
Molly ist meine vierbeinige beste Freundin und lebt seit Oktober 2021 bei mir. Ich habe sie geholt, weil ich schon immer einen Hund haben wollte. Sie ist ein mittelgroßer rumänischer Schäferhundmischling und während der Pandemie bei mir eingezogen. Davor hat sie in einem Tierheim gelebt. Da zu Pandemiezeiten weniger Menschen unterwegs waren, ist sie nach kurzer Zeit bereits frei herumgelaufen – auch mitten in Frankfurt.
Sie läuft sehr gut an der Leine und reagiert auch auf meine Rückrufe. Es war mir wichtig, mit ihr gut zu trainieren, bevor sie im Wald oder auf Grünflächen frei laufen durfte. Ich lasse Molly öfter an Orten von der Leine los, an denen es eigentlich verboten ist. Aber nur in Situationen, in denen ich selbst beurteilen kann, ob ich jemanden damit in Gefahr bringe oder nicht.
Dafür trage ich dann auch die Konsequenzen. Wenn ich mal erwischt werden sollte, würde ich auch eine Strafe vom Ordnungsamt bezahlen. Außerdem achte ich darauf, dass keine spielenden Kinder oder Spielplätze in der Nähe sind.
Molly ist erst zweieinhalb Jahre alt und es gewohnt, sich frei zu bewegen. Das möchte ich ihr nicht nehmen. Wenn ich sie von der Leine lasse, dann rennt sie im Kreis, hüpft über die Wiese und freut sich. Das ist ein schöner Moment. Sie ist eher zurückhaltend und läuft selten zu fremden Menschen.
Trotzdem sprechen mich regelmäßig JoggerInnen an und sagen, dass es verboten sei, sie in an bestimmten Stellen frei herumlaufen zu lassen. Ich entschuldige mich dann und nehme sie an die Leine. Das mache ich auch, wenn ich sehe, dass es im Wald voller wird.
Menschen, die keine Hunde haben, sind ihnen gegenüber manchmal nicht wohlgesinnt. Noch schlimmer ist, dass bei uns im Wald regelmäßig Giftköder ausgelegt werden. Beim Gassigehen spüre ich oft eine gewisse Grundaggression gegenüber HundebesitzerInnen. Das finde ich sehr schade.
Denn es geht mir nicht darum, auf Biegen und Brechen meinen Willen durchzusetzen. Ich verstehe auch, dass es für Leute, die Angst oder Respekt vor Hunden haben, stressig ist, wenn die Tiere ohne Leine unterwegs sind. Besonders wenn mehrere Hunde miteinander spielen, kann es mal chaotischer werden. Trotzdem möchte ich Molly regelmäßig von der Leine lassen, denn ehrlich gesagt bedeutet mir mein Hund mehr als fremde Menschen im Wald.
Häh? Haben Sie manchmal auch diese Momente, wo Sie sich fragen: Warum, um alles in der Welt, sind andere Leute so? Wir helfen bei der Antwort. Wenn Sie eine Gruppe Menschen besser verstehen wollen, dann schicken Sie Ihre Frage an verstaendnis@taz.de.
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