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Berliner Jusos zu Rot-Grün-Rot„Ich halte diese Absage an Enteignungen für einen Fehler“

Die Berliner Juso-Vorsitzende Svenja Diedrich fordert ihren Parteichef dazu auf, den Wählerwillen umzusetzen. Das bedeutet Enteignung.

Pascal Maier

Interview von

Pascal Maier

taz: Frau Diedrich, wären Sie als Jungsozialistin angesichts des Wahlergebnisses nicht lieber Mitglied der Linken?

Svenja Diedrich: Die Zeiten sind gerade nicht leicht für die SPD. Ich bin aber auch treuer Fan vom 1. FC Nürnberg, der nur noch in der zweiten Liga spielt, und nicht vom FC Bayern München. Am Ende kommt es darauf an, wofür das eigene Herz schlägt und an welche Inhalte man glaubt: Ich persönlich glaube voll an die Sozialdemokratie.

Im Interview: Svenja Diedrich

ist seit September 2023 Co-Vorsitzende der Jusos Berlin. Die 31-jährige Wahl-Neuköllnerin hat einen Master in Medien und Politischer Kommunikation und kommt ursprünglich aus Nürnberg.

taz: Sie würden aber gerne mit dem FC Bayern München – also den Linken – koalieren?

Diedrich: Auf jeden Fall. Ich glaube, Rot-Grün-Rot wäre das Beste für diese Stadt. Wir als Jusos waren von der abgewählten schwarz-roten Regierung nie begeistert, für die wir jetzt die Quittung bekommen haben. Ich würde es schwierig finden, eine Kenia-Koalition aus drei Wahlverlierern zu bilden. Wir haben eine klare Wahlsiegerin mit Regierungsauftrag, und das ist die Linke.

taz: Ihr Spitzenkandidat Steffen Krach hat eine klare rote Linie gezogen: Keine Enteignungen mit der SPD. Wie geht das mit Ihren Überzeugungen als Jungsozialistin zusammen?

Diedrich: Ich halte diese Absage an Enteignungen für einen Fehler, und sie steht so auch nicht im SPD-Wahlprogramm. Die Linke hat nicht trotz, sondern gerade weil sie Vergesellschaftung zum Thema gemacht hat, die Wahl gewonnen: Wir können den Wählerwillen nicht einfach ignorieren. Der Wahlkampf ist jetzt vorbei und ich erwarte, dass von allen Seiten Kompromisse gemacht werden.

taz: Rote Linien zeichnen sich dadurch aus, dass sie kompromisslos sind …

Diedrich: Ich bin jetzt lange genug in der Politik, um zu wissen, dass sich rote Linien durchaus verschieben können. Wenn wir als SPD eine Wahl mit 12,1 Prozent verlieren, dann müssen wir uns fragen, welche Ansprüche wir noch stellen können.

taz: Trotzdem hat sich Ihre Juso-Co-Vorsitzende Kari Lenke für Krach an der Berliner SPD-Spitze ausgesprochen. Wie passt das zusammen?

Diedrich: Das passt insofern zusammen, dass wir an einen Kompromiss beim Thema Enteignung glauben. Steffen Krach hat letztes Jahr zusammen mit Bettina König in einer extrem schwierigen Lage den SPD-Vorsitz in Berlin übernommen. Er hat den Wahlkampf in einer ebenfalls schwierigen Situation für uns bestritten. Ich bin optimistisch, was seine Rolle in der Zukunft angeht.

taz: Der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, hat nach der Wahlniederlage Konsequenzen gezogen und tritt nicht mehr an. Warum übernimmt nicht Krach die Verantwortung für seine Niederlage?

Diedrich: Weil wir unsere Wahlniederlage nicht allein Steffen Krach zuschieben können. Niemand glaubt mehr, dass die SPD etwas verbessern kann. Und der Hauptgrund dafür ist, dass wir 2023 in eine Koalition mit der CDU gegangen sind, obwohl es eine linke Mehrheit gab. Dafür war Raed Saleh als Partei- und Fraktionsvorsitzender mitverantwortlich und eben nicht Steffen Krach. Deswegen finde ich es auch richtig, dass Raed Saleh jetzt die Verantwortung dafür übernommen hat.

taz: Steht Steffen Krach nicht auch für eine eher konservative Sozialdemokratie?

Diedrich: Ich glaube nicht, dass Steffen Krach so konservativ ist, wie er manchmal rüberkommt. Wenn er von einer starken Wirtschaft spricht, finde ich das auch links – die Wirtschaft ist in Deutschland nicht sozial organisiert. Aber als Arbeiter:innen-Partei müssen wir uns darum kümmern, dass die Leute gute Arbeit finden und das gehört eben auch zu einer starken Wirtschaft.

taz: Gibt es beim Thema Antisemitismus eine rote Linie, die Sie selbst vor eine Koalition mit den Linken ziehen würden?

Diedrich: Ja, nicht nur bei den Linken. Jüdinnen und Juden müssen sich in Berlin und ganz Deutschland sicher fühlen, und Menschen, die das gefährden, haben in einer möglichen Koalition keinen Platz. Ich glaube aber, Antisemitismus gibt es auch in jeder anderen Partei. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich dagegen zu stellen.

taz: Bei welcher anderen Partei kann ein Künstler „Yalla, yalla, Intifada“ skandieren?

Diedrich: Bei keiner anderen, aber Antisemitismus kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Wir dürfen es uns als Gesellschaft auch nicht zu einfach machen und sagen: „Die sind Antisemiten, und wir sind alle toll.“

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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51 Kommentare

 / 
  • Pico

    Die "öffentliche Hand" ist ja nicht der bessere Vermieter. Jahrzehnte lang hatten die doch einen großen Wohnungsbestand, aber eben auch einen Sanierungsrückstand. Dann wurde billig verscherbelt. Und nun machen Konzernen eben das was der Markt hergibt. Und wenn man weiß, dass dahinter Pensionskassen aus Norwegen, USA etc. sich befinden, wir doch allzu gerne mit diesen Ländern Geschäfte machen, bekommt die Geschichte auch noch eine soziale Note.

  • Querbeet

    So einfach kann man es sich machen.

  • Bambuspanda

    Da scheinen wenigstens die Jusos innerhalb ihrer Partei noch zukunftsorientiert zu sein.

    Es ist klar das die alten Herren der alten Volksparteien CDSU und SPD die Götterdämmerung heran schweben sehen und mehr und mehr in den Panikmodus geraten.

    Über die AfD brauchten sie sich lange Zeit keine großen Sorgen zu machen, bis es dann zu spät war.



    Dann rechtfertigten sie ihr Dasein nur noch damit, dass einzig sie nur "Demokratie" und Land noch retten könnten.

    Und nun fliegt wie aus den Nichts, noch die schon immer gefürchtete Linke wie Phönix aus der Asche empor, die den Nationalisten ein völlig anderes Zukunftsprojekt entgegenstellt, eines dessen sich diese ehmaligen alten Volksparteien nie angenommen haben - ein gerechteres Miteinander in diesem Land.

    Klar das da Panik aufzieht wenn man die letzte "Trumpfkarte" verloren hat, des "Nur wir können Demokratie und Freiheit noch retten" - wohl vergessend, dass zur "Freiheit" zu allererst ein würdevolles Dasein gehört, was sich als mehr als ein Dach über den Kopf und gerade noch das nötigste zum Leben definiert.

    Wenigstens haben diese ewig Gestrigen bemerkt, dass Kommunis/Sozialismus als Schreckgespenst nichts mehr taugen...

  • Ricky-13

    taz: *Frau Diedrich, wären Sie als Jungsozialistin angesichts des Wahlergebnisses nicht lieber Mitglied der Linken?*

    Frau Diedrich hofft wohl immer noch, dass das leckgeschlagene (S)PD-Rettungsboot es bis zur nächsten Küste schafft. Und Steffen Krach sollte zur CDU hinüberwechseln, denn da ist er sicherlich besser aufgehoben.

    Die CDU wird sich mit Merz jetzt allerdings selbst demontieren und große Teile der (S)PD haben auch immer noch das 'Schröder-Virus' in sich. Die soziale SPD von Willy Brandt ist schon lange tot und wird auch nicht mehr auferstehen. Wer noch sozial denken kann, der wählt 'Die Linke' (egal ob nun Bundestagswahl oder Landtagswahl).

    Leider denken viele Bürger anscheinend aber überhaupt nicht mehr nach und wählen sogar schon das Gestern. Ein bedrohliches Gestern was sich jetzt frech als Alternative anbietet.

  • the real günni

    wann wird endlich mit dem mythos aufgeräumt, ´yalla yalla intifada´ sei ein tabu oder antisemitisch? das unterdrückte palästinensische volk hat nach internationalem völkerrecht das recht, sich gegen die unterdrückung zu wehren, auch militärisch. intifada heißt erstmal nur aufstand, nicht ´selbstmordattentäter gegen zivilisten´.



    rauf und runter müessen jetzt alle medial nachbeten, dass der ruf nach ´intifada´ ein absolutes no-go ist? wollten die medienvertreter stattdessen nicht mal über die politik der israelischen regierung sprechen? da gibt ess ragebait ohne ende, für medienhäuser ein wahres schlaraffenland. also, bitte!

    • Encantado

      @the real günni:

      "intifada heißt erstmal nur aufstand, nicht ´selbstmordattentäter gegen zivilisten´."



      Was es theoretisch eigentlich heißt, muss gegen die Faktenlage abgeglichen werden.



      Können wir dann wieder zum Thema Enteignungen zurückkommen, statt einmal mehr auf diese Stichwörter anzuspringen?

  • Warim Wilke

    Kritik an der Linkspartei ist selbstredend statthaft, Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem von der Die Linke nicht freizusprschen ist. Aber die momentan stattfindene Dämonisierung einer als Organisation fest auf dem Boden von Grundgesetz und Ethik stehenden Partei ist ekelhaft, die Gründe dafür allzu offensichtlich. Die größten Krakeler (Springer, AfD etc.) instrumentalisieren jüdisches Leid auf perfide Weise für eigene Zwecke.

    Dass sich die Jusos für eine Zusammenarbeit mit den Linken aussprechen ist auch deshalb richtig, die Alten SPD'ler dagegen sollten sich kurz erinnern, wie durch eine ähnlich gelagerte Kampagne von rechts vor nicht allzu langer Zeit "ihre" Frauke Brosius-Gersdorf abgesägt wurde.

    • Abdurchdiemitte

      @Warim Wilke:

      Wichtiger und richtiger Hinweis auf die Kampagne gegen Frau Brosius-Gersdorf. Danke.



      Ja, es bleibt zu wünschen, dass die Genoss*innen von der SPD das beherzigen und sich dieser Berliner Hetzkampagne nicht länger anschließen.



      Hetzen - das können die Rechten noch allemal besser. Wie seinerzeit auch schon Herbert Wehner und Willy Brandt festgestellt haben.



      Der Treppenwitz schlechthin ist dabei, dass selbst die in der Tradition des NS stehende AfD in diesen ‚sauberen‘ Chor mit einstimmt. Aber für die war Hitler schließlich auch ein Sozialist.



      Irritierend finde ich auch, dass selbst ein Herr Schuster vom ZdJ dabei assistiert.

  • Reisehank

    Es wäre schön, wenn die Enteignungsbefürworter sich einmal mit drei Dingen beschäftigen würden: Grundrechenarten, Immobilienmarkt, Dreisatz.



    Dann würden sie schnell herausfinden, dass die Enteignung der Vonovia bei gleichzeitiger Durchsetzung des angestrebten, niedrigen Mietniveaus jährliche Kosten von hunderten Millionen EUR bedeuten würden. Wiederum schuldenfinanziert. Geld, das an anderer Stelle fehlen würde. Selbst wenn die Entschädigungssumme "nur" bei 35 mrd läge.

    • Nansen

      @Reisehank:

      Wenn Sie schon dabei sind, kluge Ratschläge zu verteilen, dann verteilen Sie die bitte umgehend an diese seltsamen Ökonomen, die wohl auch keine Ahnung von "Grundrechenarten, Immobilienmarkt, Dreisatz" haben dürften:



      taz.de/Neue-Studie...ekonomen/!6216095/



      😉

  • Bolzkopf

    Ich würde das aktuelle Verhalten der Politik schlicht als Büttelgehorsam einordnen.

  • doda

    Vielleicht wäre es gut, mal klarer zwischen Enteignung (Artikel 14 GG) und Vergesellschaftung (Artikel 15 GG) zu unterscheiden.

    Ich hätte von der SPD eigentlich erwartet, dass die wissen, worüber sie reden.

    Aber vielleicht ist das Ganze ja auch eine absichtliche Verwechslung, damit man irgendwann sagen kann, dass man nie gegen die geplante Vergesellschaftung war?

    • N Gogol

      @doda:

      Nun ja. Das Durcheinander hat aber System. Die Initiative «Deutsche Wohnen & Co enteignen» hat ja eigentlich auch den falschen Namen, oder? Ich finde es zunehmend verstörend, dass man nicht gerade als Linke deutlicher kommuniziert, dass Verstaatlichung, Enteignung und Vergesellschfatung ganz verschiedene Dinge sind. Auch wird m.E. nicht deutlich genug, ob man nun Wohnungen wirklich vergesellschaften oder nicht doch verstaatlichen will. Verstaatlichung jedenfalls ist ein Irrweg, den eine demokratische Linke nicht gehen kann. Ein liberaler Sozialismus sollte sich m.E. dafür einsetzen, dass weder Staat noch Markt zu viel Macht bekommen können.

    • Chaos-NRW

      @doda:

      Für den Eigentümer macht das allerdings auch keinen Unterschied, er hat am Ende sein Eigentum nicht mehr. Insofern kann man Enteignung praktisch als Oberbegriff nehmen.

  • Chaos-NRW

    Nur zur Erinnerung, was den Wählerwillen bezüglich Enteignungen angeht. Die Parteien, die Enteignungen vor der Wahl abgelehnt haben, haben mehr stimmen bekommen, als die Parteien, die diese befürwortet haben.

    • Querbeet

      @Chaos-NRW:

      Soso. Der Wählerwille. Was macht man mit dem Wählerwillen in Sachsen-Anhalt? Man hofft, seine Umsetzung durch eine Allparteienkoalition zu vermeiden.

    • -_JK_-

      @Chaos-NRW:

      Das ist eine unterkomplexe Betrachtung des Wählerwillens, der nicht allein aus der Frage "Enteignungen ja oder nein" besteht. Was Frau Diedrich hier meint, ist dass die Linke durch dieses zentrale Wahlkampfthema vermutlich massiv Stimmen dazugewonnen hat und sich dem entgegenzustellen ein strategischer Fehler sein könnte.

      Nur zur Erinnerung, was den Wählerwillen bezüglich Enteignungen angeht: Dazu gab es bereits einen eindeutigen Volksentscheid

      • Encantado

        @-_JK_-:

        "Das ist eine unterkomplexe Betrachtung des Wählerwillens, der nicht allein aus der Frage "Enteignungen ja oder nein" besteht. Was Frau Diedrich hier meint, ist dass die Linke durch dieses zentrale Wahlkampfthema vermutlich massiv Stimmen dazugewonnen hat"



        Zuerst die Reduzierung des Wählerwillens auf das Thema Enteignen als unterkomplex bezeichnen, und dann in den Raum stellen, dass die Linke durch das Thema Enteignen angeblich massiv Stimmen gewonnen hat.



        Was denn nun? Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt?

    • Schmetterling

      @Chaos-NRW:

      Dass CDU und AgD in Berlin eine Mehrheit haben ist irgendwie an mir vorbeigegangen.

      • Zippism

        @Schmetterling:

        Schaut man sich die Positionen und Wahlprogramme der Parteien an, stehen CDU, AfD und FDP einer Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände ausdrücklich ablehnend gegenüber. Linke, Grüne und BSW befürworten sie. Die SPD hat sich dazu im Wahlprogramm nicht eindeutig positioniert. Damit gibt es jedenfalls keine Grundlage für die Behauptung, der Wähler habe bei der Abgeordnetenhauswahl eine Mehrheit für Enteignungen ausgesprochen.

        • Schmetterling

          @Zippism:

          Nun, damit hat sich - dank der "Position" der SPD - auch nicht die Mehrheit *gegen* Enteignungen ausgesprochen.

      • Fran Zose

        @Schmetterling:

        Was anscheinend in jedem Fall an Ihnen vorbeigegangen ist, ist die Tatsache, dass sich die SPD im Wahlkampf ebenfalls gegen Enteignungen ausgesprochen hat.

      • Chaos-NRW

        @Schmetterling:

        An Ihnen vorbeigegangen zu sein scheint, dass der SPD-Spitzenkandidat sich vor der Wahl eindeutig gegen Einteignungen ausgesprochen hat. Lediglich Linke und Grüne waren dafür.

        • Schmetterling

          @Chaos-NRW:

          Grüne + Linke sind 40% der Stimmen, AfD + CDU 35,1. Die SPD sagt mal so, mal so. Macht vielleicht nicht die Absolute Mehrheit für Enteignungen, aber relativ gesehen mehr als dagegen.

  • Worgt Michael

    Bei den Jusos bin ich skeptisch.



    Die SPD- Karriere verläuft diagonal.



    Vom Joso ( unten ganz links) dann steil nach oben und rechts zum Seeheimer.



    Jedenfalls bei der Parteiführung - siehe O. SCHOLZ , ein klassisches Beispiel .

    • Querbeet

      @Worgt Michael:

      Mit dem Alter wird man weiser.

  • Astrid Sehnefeld

    "Ich würde es schwierig finden, eine Kenia-Koalition aus drei Wahlverlierern zu bilden. Wir haben eine klare Wahlsiegerin mit Regierungsauftrag, und das ist die Linke."



    😂 Komisch, nach der Berlin-Wahl 2023 gab's solche Töne nicht zu hören, da hieß es, es sei auch eine Koalition jenseits des Wahlgewinners CDU möglich und das der Regierungsauftrag nicht automatisch an die stärkste Fraktion geht...



    /



    "Wir können den Wählerwillen nicht einfach ignorieren."



    Noch so eine undurchdachte Floskel - im Grundgesetz steht es genau andersrum, (Artikel 38) dass weder der Wählerwille, noch Parteien oder Fraktionen einem Abgeordneten vorschreiben können, wie er abzustimmen hat. Nennt sich Prinzip des freien Mandats.



    Die AfD argumentiert auch immer mit dem Wählerwillen... - taktisch wenig klug wenn die Jusos nun ins selbe Horn blasen, bietet dem Gegner wieder eine offene Flanke - können sich AfD und BSW in Sachsen-Anhalt direkt darauf berufen, 'wir machen nur, was in Berlin auch gemacht wird - den Wählerwillen umsetzen'...

    • Katharina Reichenhall

      @Astrid Sehnefeld:

      Fast noch witziger finde ich, dass die Dame zwar davon verspricht, dass man keine Koalition aus drei Wahlverlierern bilden sollte, aber wenn zwei von drei Wahlverlierer bei der neuen Regierung mitmachen, scheint das kein Problem zu sein.

    • Schmetterling

      @Astrid Sehnefeld:

      Weil den Wählerwillen ignorieren ja so prima funktioniert. Kann die CDU ein Lied von singen. Aber nichtmehr mehrstimmig

    • nappy

      @Astrid Sehnefeld:

      "Nennt sich Prinzip des freien Mandats"



      ---



      Soweit die Theorie.

    • -_JK_-

      @Astrid Sehnefeld:

      Ich sehe diesen Satz als ein Eingeständnis des Fehlers von 2023 und der Forderung diesen nicht zu wiederholen (weil es die SPD endgültig in den Abgrund führen würde).

      §38 GG bezieht sich auf das Abstimmungsverhalten einzelner Abgeordneter und hat mit möglichen Koalitionsgesprächen nichts zu tun.

      Wenn AfD und BSW so argumentieren, haben/hätten sie damit traurigerweise recht. Der Fehler liegt hier eindeutig darin, dass die AfD überhaupt zur Wahl stand anstatt verboten worden zu sein. Dieses Kind ist bereits in den Brunnen gefallen.

  • Bauer Gerry

    Die SPD hat es vor 22 Jahren maßgeblich vermasselt. Man kann nur hoffen, dass dieser historische Fehler endlich im Sinne der Bewohner Berlins revidiert wird. Andernfalls profitiert davon bei nächsten Wahlen wohl weiter die AgD.

    Ein Teil der Historie:

    Der weitreichendste Schritt war der Verkauf der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) im Mai 2004.

    Der Beschluss erfolgte unter dem damaligen rot-roten Senat (Senat Wowereit II) aus SPD und PDS. Zu den Hauptakteuren zählte der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD).

    Es wurden rund 65.000 Wohnungen für 405 Millionen Euro (plus Übernahme von Altschulden) an ein privates Konsortium aus Goldman Sachs und Cerberus verkauft. Diese Bestände landeten später größtenteils bei privaten Wohnungskonzernen wie der Deutschen Wohnen

    • Karla Columna

      @Bauer Gerry:

      Genau. und damals war die Linke als PDS mit in der Regierung. Sie hätte alles dafür tun können, diese Privatisierung zu verhindern.. Nun sollen diese Wohnungen zurückgekauft werden. Durchgerechnet ist es nicht richtig bislang. Neuen Wohnraum schafft das auch nicht, dafür enorme Schulden. Das ist doch ein Irrsinn.

    • Felicitas Seidler

      @Bauer Gerry:

      Der Verkauf der GSW-Wohnungen 2004 durch Rot-Rot war ein Riesenfehler, das wissen mittlerweile alle. Ich bin aber immer wieder erstaunt, dass die Vorgeschichte dazu meist unerwähnt bleibt, denn er war kein freiwilliges Projekt. Er war die direkte Folge des Berliner Bankenskandals, den die vorherige CDU/SPD-Regierung verursacht hatte. Weil der Bund Berlin daraufhin jede Finanzhilfe verweigerte und den Verkauf des landeseigenen Tafelsilbers erzwang, saß der Senat in der Klemme. Wer heute den Verkauf kritisiert, muss auch die Ursache dafür nennen, denke ich.

      • Schmetterling

        @Felicitas Seidler:

        Danke für den Kommentar.

      • Comerade Aardvark

        @Felicitas Seidler:

        Das ist genau richtig. Wowereit & Co. handelten damals faktisch unter Zwang. Allerdings muss man zum Bankenskandal noch sagen, dass der Senat diesen nicht UNMITTELBAR zu verantworten hatte - begünstigt allerdings schon.

    • Reisehank

      @Bauer Gerry:

      Ja, lustig, dass die Linke nicht hören will, dass sie das mitgetragen hat. Die Wasserbetriebe wurden auch von SPD und Linken privatisiert und dann von SPD und CDU (!) rekommunalisiert!

    • DiMa

      @Bauer Gerry:

      Ja, der Verkauf damals mag ein Fehler gewesen sein. Nur ist das kein Grund, jetzt einen weiteren Fehler zu begehen.

      Politische Fehler der Vergangenheit lassen sich halt nur selten revidieren.

    • Takker

      @Bauer Gerry:

      Dieses wird gerne vergessen. Wie hieß es doch, das Tafelsilber verkaufen. Danke für diesen Hinweis.

    • Hildebrand Felixflash

      @Bauer Gerry:

      👍

  • DiMa

    "fordert ihren Parteichef dazu auf, den Wählerwillen umzusetzen."

    Die Reichweite dieses Satzes sollte sie sich nochmal verinnerlichen. Schaut man sich die Partei- und Wahlprogramme und Aussagen der Parteien an, sind die Enteignungsgegner (einschl. der SPD) deutlich in der Mehrheit. Den Wählerwillen umzusetzen bedeutet dann, in dieser Sache standhaft zu bleiben.

    • Residente

      @DiMa:

      Der "Wählerwille" innerhalb der Berliner SPD hat auf dem letzten Landesparteitag einen Beschluss für die Vergesellschaftung ergeben.



      parteitag.spd.berl...marktes-in-berlin/



      Herr Kraft und die SPD-Führung haben diesen Willen ihrer eigenen Delegierten ignoriert, wen sollte es wundern, wenn sie sich sogar aus diesem Berliner Wahlergebnis einen Auftrag für Schwarz-grün-rot zusammenfantasieren.

      • DiMa

        @Residente:

        Ja, nur was kommt am Ende beim Wähler an und was löst die Wahlentscheidung aus?

        • Residente

          @DiMa:

          Genau dieses unseriöse, unentschlossene Lavieren und das mangelnde Demokratieverständnis der Parteiführung kommen beim Wähler an und lösen aus, dass die SPD ein Drittel ihrer Stimmen verloren hat. Die Linke, als einzige Partei, die aktiv für die Umsetzung des Volksentscheids arbeitet hat ihre Stimmenanteile mehr als verdoppelt. Ich denke, diese Wahl, in Kombination mit dem Volksentscheid, hat sehr deutlich gezeigt, dass die Mehrheit der Berlinerinnen für die Vergesellschaftung ist. SPD und CDU können jetzt natürlich versuchen die Grünen zu überzeugen diese eine weitere Legislatur zu blockieren aber das würde die Initiative DWenteignen nicht durchgehen lassen. Ein verbindlicher Volksentscheid ist bereits in Arbeit und würde SPD, CDU und Grüne dann zwingen den Mehrheitswillen umzusetzen.

          • DiMa

            @Residente:

            Das ist doch kein SPD-Thema.

            Und eine Volksentscheid ist ein Volksebtscheid, Wahlen sind Wahlen. Nicht mehr und nicht weniger.

  • Martin L.

    65000(!) Sozialwohnungen aus dem Berliner Besitz an Investoren verkauft, d a s hat 2004 die PDS/Linke unter Wowereit mitbeschlossen! Also - was denn nun genau? Diese festival-mäßige Geschichtslosigkeit irritiert schon ein bisserl...

    • Karla Columna

      @Martin L.:

      genau. Damals wurde die Privatisierung alsAllheilmittel gepriesen, jetzt die Enteignung/Vergesellschaftung.

    • HorstHorst

      @Martin L.:

      Man sollte aber auch nicht vergessen, warum das überhaupt als nötig erachtet wurde.



      - Berliner Bankenskandal



      - Kosten der Vereinigung zweier Hauptstädte, die Berlin praktisch alleine finanzieren durfte. ( Dank an Kohl)



      - Wegfall der Förderung für Berlin für die Insellage. Die war ja im quasi deindustrialisierten Berlin auch nicht mehr nötig.



      Klar war der Verkauf der Wohnungen aus heutiger Sicht eine schlechte Idee. Aber wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, hat man halt nicht mehr so viele Optionen. Man könnte auch sagen, die CDU/Kohl haben Berlin in eine Zwangslage gebracht, um hinterher mit dem Finger draufzuzeigen.

      • Strolch

        @HorstHorst:

        Rot-grün hat von 1998 bis 2005 regiert! Kohl hin oder her, das hätte doch der Bund gerade rücken können. Zudem hätten die Berliner die Wohnungen günstig kaufen können. Doch nein. Damals gab es soviele Artikel mit dem Tenor: Ich bin doch nicht blöd und kaufe, Mieten ist viel billiger. Nicht zu vergessen, in der Zeit gab es viel Leerstand in Berlin. Daher ja, die Linken haben es billig verkauft und enteignen jetzt teuer zurück. Die Linken sind der Traum aller Immobilienspekulanten.

      • FancyBeard

        @HorstHorst:

        Ich sehe das ähnlich, wer heute, über 20 Jahre später, mit dem Finger auf die damaligen Akteure zeigt soll auch mal aufarbeiten, welche Alternativen damals bestanden. Zusätzlich waren die Wertsteigerungen der damals veräußerten Immobilien, u.a. als Folge einer damals für unmöglich gehaötenen Nullzinspolitik der EZB, die bis heute anhalten, in der Höhe nicht absehbar.

        • Strolch

          @FancyBeard:

          Stimmt. Das war nicht absehbar. Marktteilnehmer gehen ins Risiko und kaufen die Immobilien. Und wenn es zur Wertsteigerung kommt, will man sie wieder wegnehmen. Wenn es keine Wertsteigerung gegeben hätte, hätte man nur gesagt, selber Schuld. Marktwirtschaft lebt davon, dass jemand etwas riskiert und Geld verdient oder verliert. Wenn im Falle des Gewinns, die Sachen weggenommen werden, entsteht kein Vertrauen.