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Kiezkantinen in Berlin Her mit dem veganen Essen

Gastkommentar von

Friederike Schmitz

Die Linkspartei in Berlin will 20 Kiezkantinen mit staatlich gefördertem Essen aufbauen. Das wäre öffentliche Daseinsvorsorge und Einsatz für Klimaschutz.

E rnährung ist politisch: Sie betrifft Gesundheit, Klimaschutz und diverse Gerechtigkeitsfragen vom Umgang mit Tieren bis zur steigenden Ernährungsarmut. Doch viele Po­li­ti­ke­r:in­nen meiden das Thema. Das ist auch ein Erfolg der Rechten, die daraus einen Kulturkampf machen: Wenn Weidel schreit, sie lasse sich ihr Schnitzel nicht wegnehmen oder Söder gegen ein Fleischverbot kämpft, das niemand fordert, soll Essen als Ausdruck individueller Freiheit erscheinen.

Aber das ist ein Mythos. Was wir essen, bestimmen nicht allein persönliche Vorlieben. Zugang, Angebot, Preise prägen unsere Entscheidungen – die Forschung spricht von „Ernährungsumgebungen“. Politik gestaltet sie längst – und könnte sie so umgestalten, dass gutes Essen für alle leichter wird.

Friederike Schmitz

ist Fachreferentin bei der Organisation Faba Konzepte, die sich für ein pflanzenbasiertes Ernährungssystem einsetzt. Ihr Buch „Anders satt: Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt“ erschien 2022 im Ventil Verlag.

Ein besonders spannender Vorschlag kommt von der Berliner Linkspartei im aktuellen Wahlkampf: Sie will 20 Kiezkantinen aufbauen, die staatlich geförderte Mahlzeiten servieren. Das würde Ernährung teilweise entprivatisieren und als öffentliche Daseinsvorsorge behandeln. Kiezkantinen könnten Ernährungsarmut und Einsamkeit bekämpfen sowie Gesundheit, Klimaschutz und Gerechtigkeit stärken.

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Entscheidend ist allerdings ihre Ausgestaltung. In den Kantinen Tierprodukte anzubieten und damit zusätzlich zu subventionieren, wäre kontraproduktiv. Im aktuellen Konzept steht als Ziel „pflanzenbasiert“, es ist von einer Mindestquote pflanzlicher Lebensmittel die Rede. Bei einer Pilot-Kiezkantine im August in Kreuzberg kam das vegetarisch-vegane Angebot gut an.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Noch besser wäre ein komplett pflanzliches Angebot. Angesichts der tierproduktlastigen Durchschnittsernährung braucht es den Ausgleich mit gesundem Gemüse und Hülsenfrüchten. Ob und wie die Kiezkantinen Realität werden, zeigt sich erst nach der Wahl am 20. September. Gelingt das Projekt, könnte es über Berlin hinaus strahlen: Die Probleme, auf die es antwortet, gibt es überall.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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75 Kommentare

 / 
  • FancyBeard

    Warum sollte man dafür Geld ausgeben? Es braucht ja nicht nur die Kantinen, sondern auch noch einen entsprechenden Verwaltungsapparat dahinter. Wenn eine Branche boomt respektive immer wieder neue Geschäfte eröffnet und versucht Kunden zu gewinnen, dann doch die Gastro. Meistens sind heute schon die vegetarischen Gerichte billiger als die Fleischlichen. Da muss nicht auch noch der Staat als selbstsubventionierter Mitbewerber auftreten.

  • Comerade Aardvark

    Man kann auch einfach vegan machen, ohne es groß zu thematisieren. Das ist, wenn man keine absurd hochverarbeiteten Ersatzprodukte einsetzt, relativ günstig und kann durchaus auch schmecken.

  • Nansen

    Ich finde die Idee gut.



    Diejenigen , die sich aufgrund ihrer schwierigen finanziellen Lage nie eine Restaurantbesuch leisten können, haben zwei Sachen auf einen Schlag:



    1. (Hoffentlich) Gute, gesunde, günstige warme Mahlzeit und



    2. Gesellschaft beim Essen, soziale Kontakte und Gemeinschaft.

    Was gibt es da zu meckern?

    • ToMuch

      @Nansen:

      Dass die, die sich keinen Restaurant-Besuch leisten können, nicht entscheiden DÜRFEN, ob sie vegan, vegetarisch oder mit Fleisch essen. Sie können nur vegan wählen.

      Also wie wenn ich dem Ibdschlosen Wasser kaufe, statt Geld zu geben, nicht dass der sich ungesunde Cola oder noch ungesünderen Alkohol kauft.

      Und dafür dann Steuergelder…

    • Encantado

      @Nansen:

      "Was gibt es da zu meckern?"



      Ganz kurz: Bevormundung auf Steuerkosten.



      Das kann man jetzt so oder so bewerten und gewichten, aber es völlig zu negieren, ist unredlich.

  • Barbara Falk

    Wenn man in einer beliebigen deutschen Großstadt in Kantinen essen möchte, muss ein nur ein bißchen recherchieren und telefonieren und findet mit Sicherheit gleich mehrere. Unis, Fachhochschulen, Firmen, Behörden, sehr oft kann man dort als Gast essen, z.T. sogar zu denselben Konditionen wie die Kernklientel. Habe noch keine Kantine erlebt, in der das Essen ausgeeangen wäre. Die sind alle an mehr Auslastung interessiert.



    Ein öffentliches Angebot muss sich außerdem an der Nachfrage orientieren, bei rein veganen Kantinen ist die Nichtauslastung vorprogrammiert.



    Und, schlechte Nachricht für Bedürftige: selbst das günstigste Kantinengericht ist günstiger, wenn man es selber kocht.



    Also: Eine teure populistische Schnapsidee.

  • Thomas Müller

    Ich glaube so lange Fleisch, vegetarisch und vegan dasselbe kosten, werden sich viele denkfrei für ersteres entscheiden. Beim selben Preis wirkt Fleisch einfach hochwertiger als Käse oder Grünzeug. Aber mein Eindruck kann täuschen..

  • Jochen Laun

    Mal abgesehen von der Frage, ob öffentliche finanzierte Kantinen sinnvoll sind und ob sie gegebenenfalls ausschließlich veganes Essen anbieten sollen: Wer beklagt, dass die Rechten mit Ernährungsfragen Kulturkampf betreiben, sollte es selbst lieber bleiben lassen.

  • Spumante Bistro

    Liebe Friederike, die Kohlrouladen im Februar waren vegetarisch/vegan. Es wurde kein Fleisch subventioniert.



    Wenn man es gut macht, bemerken die meisten die Abwesenheit von Fleisch noch nicht mal. LG, die Köchinnen

    • mokka flo

      @Spumante Bistro:

      Ich stimme Ihrer Aussage "Wenn man es gut macht..." voll und ganz zu! So ist es!

  • Marcelo

    Das in sämtlichen Städten und Dörfer die große Mehrheit von veganen Restaurants und Geschäfte nach einer Zeit schließen muss weil der benötigte Umsatz fehlt sagt schon alles

    • mokka flo

      @Marcelo:

      Was alles sagt es denn, Mercelo?

      • Marcelo

        @mokka flo:

        nochmal meine Aussage lesen, ich habe ihre Frage bereits geantwortet

      • ToMuch

        @mokka flo:

        Das das Klientel nicht bereit ist für Gemüse etc. zu zahlen.

        Bei uns in der Nachbarstadt ebenfalls:

        Erst komplett vegan, dann teilweise vegetarisch (man will ja niemanden ausschließen) dann teilweise auch mit Tier (dann kann die komplette Familie zum Essen kommen). Zum Schluss insolvent. Ganz, nicht nur teilweise.

  • hinnerk untiedt

    In Braunschweigs Westlichem Ringgebiet gibt es eine Initiative, die - ohne jede Förderung - jeden 1. Dienstag im Monat zu kostenlosem, veganen Essen einlädt. Über freiwillige Kleinspenden finanziert treffen sich bis zu 40 Personen von 17 bis 84 Jahren, darunter einige mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen zur Nachbarschaftsküche in der AWO Frankfurter Straße. Die letzten Male gab es "Omas Lieblingsessen". Weil gesundes Essen für WRG-Solidarisch immer auch leckeres Essen ist, wurde nach Lieblingsrezepten gefragt. Senior*innen und Enkel*innen wurden befragt, welches Gericht ihrer Oma sie sich wünschen würden. Das schlichte, wie überraschende Ergebnis lautete: Eier mit Senfsoße. Die heutige Enkelgeneration ernährt sich zunehmend vegan, weshalb es zwei Variationen gab: vegane Senfsoße einmal mit Eiern von glücklichen Hühnern, zum anderen mit Kohlrabi-Möhren-Gemüse. Dazu gespendete Kartoffeln von der SoLaWi und Rote-Bete-Apfel-Salat. Im Folgemonat wurde Himmel und Erde zubereitet. Die Menschen treffen sich zum miteinander Reden, zum Schnippeln, Kochen, Essen und Abwaschen. Jede*r bringt sich nach persönlicher Neigung und Befähigung ein; ist hintersatt und weniger einsam.

    • Nudel

      @hinnerk untiedt:

      Tolles Projekt! Nachhaltig in jeder Hinsicht!

  • Dietrich Schneider

    Natürlich sollte ein staatliches Angebot gesund und so wenig wie möglich klimaschädlich sein - also kann es nur vegan sein. Andere Fragen stellen sich aber im Blick auf Mitnahmeeffekte. Die Imbissbetriebe, die vom Verkauf ihrer Produkte leben müssen, werden auch nicht begeistert sein.

  • Karl Heinz

    In meiner „Ernährungsumgebung“ kostet z.Z. 1kg regionaler Bio-Mangold 7,99€.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Karl Heinz:

      Was soll uns das jetzt sagen?

      • AliceMirrow

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Tja, was wird er sich wohl gedacht haben...



        Bio muss man sich halt auch leisten können und wollen

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @AliceMirrow:

          Das ist ein Klischee. Meist ist es nicht signifikant teurer.

          • AliceMirrow

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Ich bin auch für so viel reginales Bio, wie möglich. Aber die Preise sind definitv kein Klischee

  • Bürger L.

    Also ich bin ja dafür, dass bei dem ausschließlich veganen Essen auch darauf geachtet wird, dass Salzfrei gekocht wird und dass die Lebensmittel nur aus zertifiziertem ökologischen Anbau stammen, wobei darauf zu achten ist, dass die Landwirtschaftlichen Betriebe wegen der Lieferwege nicht weiter als 10 km von den Kiezkantinen entfernt sind.

    Aber mal ernsthaft - So wird das nichts.



    Ich ernähre mich nicht vegan, finde das aber okay und achte darauf, dass mein Essen möglichst, etwas höheren ökologischen Standards entspricht.



    Wenn aber jede gute Idee - und das sind die Kiezkantinen - von Interessengruppen - sicher wohlmeinend - mit Maximalansprüchen ausgebremst werden, nutzt das nicht den bedürftigen Menschen, sondern den konservativen und rechts-nationalen Kräften, die sich dadurch in ihren Vorurteilen bestätigt sehen.

    Das Angebot sollte sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, die Zielgruppe für die geplanten Kiezkantinen sind.



    Ein Veganes und ein Fleischhaltiges Angebot zur Auswahl wäre daher m.E. für den Anfang der richtigere Weg.

  • Maxdax

    Kiezkantinen, tolle Idee!



    Aber dann eine inhaltliche Ausrichtung für Alle und nicht für ein paar, die das Leben Ihrer Blase kennen.

  • DerLurch

    Entprivatisierung von Ernährung kannte ich so nicht, aber eine gute Sache. Gutes Essen, nachhaltig und staatlich subventioniert. Top. Würde ich direkt hingehen.

  • Oma

    Staatlich subventioniertes Essen bedeutet, dass es so konkurrenzlos günstig ist, dass sich Koch und Betreiber nicht sonderlich um Qualität bemühen müssen. Guten Appetit!

    • mokka flo

      @Oma:

      Ist das in unumgängliches Faktum, Oma?

    • Biker-Ffm

      @Oma:

      Bei uns nennt sich das Stadtteil Küche, ist noch im entstehen und da kochen freiwillige die Spass dran haben, Mahlzeit 😁

  • Oma

    Erinnert sich noch jemand an den Veggie Day? Ich würde mit so einem Vorschlag erst nach der Wahl um die Ecke kommen.

  • Offebacher

    20 Kiezkantinen mit staatlich gefördertem (sprich subventioniertem) Essen. Wenn die Stadt Berlin dafür Geld hat, warum nicht? Reichen dann aber 20 Kantinen und wie werden die im Stadtgebiet verteilt, dass jede Berlinerin, die will und jeder Berliner, der will, da zum Essen gehen hin kann. Schließlich bezahlen das auch die Berliner Steuerzahler. Gibt es schon eine Karte, wo die Kantinen dann gebaut oder eingerichtet werden sollen? Und dürfen Touristen da auch hingehen oder sind Zugangsbeschränkungen geplant?



    Ach ja, und bei Ernährung entprivatisieren, rollen sich mir die Fußnägel hoch. Ich möchte selbst entscheiden, was ich koche und brate, ob ich in ein Restaurant zum Essen gehe, oder wenn es soweit ist und die Idee der Kiezkantine auch nach Offenbach kommt, dorthin gehe.

    • Linke Socke

      @Offebacher:

      "Schließlich bezahlen das auch die Berliner Steuerzahler."



      Vor allem zahlen das die Steuerzahler der Geberländer; warum sollen die für eine kostenlose erziehungsbasierte Ernährung der Berliner aufkommen?

      • snowgoose

        @Linke Socke:

        Wenn ich das schon höre: „Geberländer“!



        Wie wär‘s, wenn sich mal jeder in der Bundesrepublik von Kleinstaaterei abwenden und sich seinwn Armen zuwenden würde?

        • Encantado

          @snowgoose:

          "Wie wär‘s, wenn sich mal jeder in der Bundesrepublik von Kleinstaaterei abwenden und sich seinen Armen zuwenden würde?"



          'Seinen Armen'? Sie meinen, jedes Bundesland für sich? Also eben das, was Linke Socke vorgeschlagen hat?

        • xia

          @snowgoose:

          "Wie wär‘s, wenn sich mal jeder in der Bundesrepublik von Kleinstaaterei abwenden und sich seinwn Armen zuwenden würde?" Das wäre ein Traum. Aber wird leider Utopie bleiben, so lange die Entscheidenden nicht selbst davon betroffen sind.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Offebacher:

      Hier werden Sie geholfen:

      dielinke.berlin/kiezkantinen/

    • Herbert Müller

      @Offebacher:

      Eine Kantine ist nie privat. Eine öffentliche schon gar nicht. Und egal wo du außerhalb essen gehst: dir wird gewissermaßen immer "vorgeschrieben" was es zu essen gibt.

      Für die meisten Veganer*innen gibt es in vielen öffentlichen Kantinen nichts bis wenig. Für viele muslimische und jüdische Menschen ist die Auswahl auch begrenzt. Aber kaum geht es darum vegane Optionen einzuführen, schreien gerade diejenigen am lautesten, welche grundsätzlich eh "alles essen" und angeblich auch nur noch "ganz wenig" Fleisch.

      Gerade in einer veganen Kantine - oder wenigstens eine Kantine mit vollwertigen veganen Angeboten, würde die wenigsten Menschen ausschließen.

      Davon unabhängig muß der Konsum tierlicher "Produkte" so oder so massiv reduziert werden - ob es gefällt oder nicht.

      Anders können wir künftig gar nicht 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten ernähren, die Klimakatastrophe und das Massensterben stoppen.

  • Axotono

    Was bitte ist dieser Kommentar anderes als Kulturkampf? Zumal einer, der ein Selbstläufer für die AfD ist? Wenn man nur Politik für die urbanen Eliten fordert (was anderes meint 'pflanzenbasiert' ja nicht), muss man sich nicht wundern. Kiezkantinen sind ein super Konzept, das bitte durchgesetzt werden sollte. Aber lasst die Leute verdammt nochmal dort essen was sie wollen.

    • PartyChampignons

      @Axotono:

      " Aber lasst die Leute verdammt nochmal dort essen was sie wollen."



      Diese Aussage hat die gleiche Qualität wie " die nehmen uns unser Schnitzel weg", nämlich garkeine......jeder ist nach wie vor frei dort zu essen wo er möchte und was er möchte, ob diese Kantinen nun kommen oder nicht

    • DerLurch

      @Axotono:

      Ist einfach eine Kostenfrage. Fleisch ist einfach teuer. Und man kann ja auch dort essen, wenn man eben nicht zur "Elite" zählt. Wer nicht will, der hat schon.

  • White_Chocobo

    Wieso soll Ernährung hier keinen Kulturkampf darstellen? Es nur ein anderer Kulturkampf, denn schließlich plädiert die Autorin dafür, den Leuten gerade keine (!) Auswahl anzubieten, sondern das staatlich geförderte Angebot vegan zu gestalten, d.h. eben auch, dass diejenigen, die auf das Angebot angewiesen sind, nehmen müssen, was die (hier) links-grüne Ideologie ihnen geben möchte, egal was die Menschen selbst möchten. Das ist auch nichts anderes, wie wenn die Fleischfranktion schreit, sie lassen sich ihr Schnitzel nicht verbieten, mit dem Unterschied, dass Veganer:innen ihren privilegierten Lebensstil als moralisch richtig wähnen (wofür man ja durch sein kann).

    Das ist eben auch das, was Veganer:innen ebenso schlecht aushalten können wie die Fleischdogmatiker:innen. Ambivalenz und Vielfalt.

    • AturOfficial

      @White_Chocobo:

      Bruder in Indien leben sie seit 3000 Jahren Veggie, was ist daran priviligiert? Wenn man für fast nichts Essen bekommt dann sollte man sich nicht darüber aufregen was für eine Art von Essen es ist, so wie beim Obdachlosenheim ja auch

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @AturOfficial:

        Also bestimmen, was die Armen essen? Warum sollten die auch einen eigenen Willen haben?

        • DerLurch

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Dann lieber die 2,99€ Nackensteaks aus der Massentierhaltung an die Armen verfüttern. Billige Nahrung für die Bedürftigen. Oder für den gleichen Preis hochwertiges essen, nur ohne totes Schwein. Finde ich jetzt unproblematisch

          • warum_denkt_keiner_nach?

            @DerLurch:

            Ich auch. Allerdings ging es vorher drum, dass sie gefälligst nehmen sollen, was sie kriegen.

      • Biker-Ffm

        @AturOfficial:

        Ach ja, wer nix zahlen (kann) hat'Maul zu halten? Prima könnte von der AFD kommen!

  • Theo Weyers

    Die kleinen Imbissbesitzer werden sich sicherlich freuen, wenn sie zukünftig mit staatlich subventionierten Kantinen konkurrieren dürfen.

    Ob eine Umsetzung von für alle offenen, subventionierten Kantinen überhaupt möglich ist vor dem Hintergrund des Beihilfenrechts, ist eine andere interessante Frage.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Theo Weyers:

      Die Kantinen sind vor allem für Menschen gedacht, die sich die Imbisse nicht leisten können. Es ist sinnvoll, sich das Konzept anzuschauen...

    • rero

      @Theo Weyers:

      Wirklich eine interessante Frage.

      Wenn es schlecht läuft, ist das wieder eine linke Luftnummer.

  • Walterismus

    Gut angefangen und dann mit nahezu rein veganer Ernährung falsch abgebogen. Wenn die Intention ist die Ernährung zu entprivatisieren und eine Daseinsvorsorge zu schaffen, dann ist es eine gute Idee, aber Sie wird dann schlecht, wenn man das mit einer veganen Ernährung verbinden will und somit die Menschen versucht so in eine Richtung zu drängen.

  • MK

    „Das würde Ernährung teilweise entprivatisieren (…). Im aktuellen Konzept steht als Ziel nun „pflanzenbasiert.“

    Um das in Söders Worten einzuordnen: Das ist ein „Elfmeter ohne Torwart für die AfD“.

    Es reicht nicht, die Forderungen der Autorin mit wenigen Worten zu rechtfertigen. Die wichtigste Frage ist: wie sieht ein gelungenes Change Management aus, so dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugt wird, warum es richtig ist etwas urprivates wie Ernährung und diesen Hebel zu nutzen, um die Ernährung umzugestalten. Dazu müsste die Autorin antworten liefern.



    Denn so bleibt aus dem Artikel hängen: die Autorin will ihr Schnitzel nehmen.



    In einer Demokratie wird das aber nur gemeinsam mit der Mehrheit und nicht gegen die Mehrheit funktionieren.

    • the real günni

      @MK:

      ich galube, sie ziehen das thema zu gross auf. es ist ein relativ kleines projekt für einen armen nicht so grossen teil der bevölkerung, eine gute idee, die im pilot gut ankam. die breite mehrheit muss jetzt nicht zum veganismus konvertiert werden, aber je mehr gute angebote es geben wird, desto mehr leute werden ganz von allein auf fleisch verzichten wollen.

    • sociajizzm

      @MK:

      Wenn etwas nicht angeboten wird ist es nicht das selbe, wie wenn etwas genommen wird.



      .



      Es geht um staatlich gefördertes preiswertes Essen. Wer unbedingt Fleisch will bekommt das anderswo.



      .



      Gerichte mit Fleisch zu fördern, wäre wie staatliche Subventionen für Gasheizung, Ölheizung oder Verbrenner Auto.

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @MK:

      Wäre doch alles kein Problem, wenn die Kiezküchen nicht nur vegane Gerichte anbieten, sondern auch ein fleischhaltiges. Geht in der TAZ Kantine ja auch, alle wären zufrieden und niemand fühlt sich ausgeschlossen bzw. es muss niemanden geben, der sich moralisch überlegen fühlt.

  • rero

    Bei 20 "Kiezkantinen" für 97 Ortsteile von Berlin ist absehbar, dass die Linke nur ihr Wahlklientel in den Innenstadtbezirken bedienen wird.

    Wenn das Angebot sich wirklich an alle richten und Einsamkeit verhindern soll, wird es bestimmt nichts werden, wenn man das Angebot nur nach einem geringen Prozentsatz der potentiellen Kundschaft ausrichtet.

    Schade, die Idee hätte Potenzial.

    • Nansen

      @rero:

      Im Grunewald und auf Stralau woll'n se bestimmt keine Armenküchen haben. 😁

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @rero:

      Muss finanziert werden. 97 wäre unrealistisch.

  • Axel Schäfer

    In meiner nächsten sehr kleinen Großstadt bekomme ich alles auch in vegan, ob Fastfood wie Döner oder Burger, bis hin zum Mittagstisch, auch zu vernünftigen Preisen also nicht teurer als fleischhaltig. Selbst das Balkanrestaurant wo wir gern mal hingehen hat jetzt vegane Gerichte auf der Karte.



    Aber in ländlichen Gemeinden ist damit meist Essig und gerade da würde man was günstiges auch für die vielen Senioren benötigen, was dann vielleicht auch über Anreize für die lokalen Menübringdienste laufen könnte. Die liefern bei uns sehr gute Qualität, also wirklich wie selbst gekocht aber eher selten was veganes dabei, wenn dann vegetarisch. Wenn man da was zuschießt und das vegane Gericht dann 1€ billiger wäre würden bestimmt viele Senioren zugreifen. In den KiTas funktioniert das schon ganz gut, wenn ich da mal die angeschlagenen Essenspläne sehe, dann ist dort täglich die Auswahl zwischen vegan und nicht vegan gegeben.



    Auf der anderen Seite muss man auch mal die Dogmatik im weglassen, denn bei uns gibt es viele kleine landwirtschaftliche Flächen auf denen kein Ackerbau möglich ist, da kann man maximal Gras/Heu ernten und Tiere weiden lassen.

    • fly

      @Axel Schäfer:

      In dem Fall könnte eher gelten, was in der Kita funktioniert, funktioniert nicht bei den Senioren. Die Letzteren sind oft so fest geprägt, dass eher noch ein Frikadelle separat zum bestellten vegetarischen Essen dazu geholt wird. Zumal die großen Anbieter wirtschaftlich arbeiten - sollte es Nachfrage nach veganem Essen geben, würde es vermehrt angeboten. Senioren die sich Menüs bringen lassen (oder müssen, also meist Ü80), sollen ruhig "gut bürgerlich" bekommen. Selbst das pürrierte Essen für Senioren mit Schluckstörung wird oft mit Fleisch angeboten (Pürrierte Rostbratwurst mit Kartoffeln und Erbsen).

  • Herbarius Zunichten

    "Ernährung entprivatisieren"



    Es gibt Begriffe die machen mir Angst.

    • Deep South

      @Herbarius Zunichten:

      Angst macht mir das nicht. Aber es zeigt doch deutlich, dass man autoritäres Gedankengut auch da findet, wo man es eher weniger vermuten würde.

    • Herbert Müller

      @Herbarius Zunichten:

      Ist es privat andere auszubeuten und zu töten? Ist es privat, mehr landwirtschaftliche Flächen zu beanspruchen, als einen global überhaupt zustehen würde? Ist es privat die Klimakatastrophe und das Artensterben anzuheizen? Ist es privat andere für den eigenen Fleischkonsum verhungern zu lassen?

      • Desti

        @Herbert Müller:

        Wenn ich ihren Kommentar lese und vor die Wahl gestellt werden würde, in die vegane Kiezkantine zu gehen, um moralisch gut dazustehen (keine ausbeuterische Mörderin zu sein) oder beim lokalen Fußballverein (hasse Fußball) einmal die Woche um ein Lagerfeuer zu sitzen und Pulled Pork oder eine Bratwurst (mag ich beides nicht) zu essen und ich einfach sein kann, wie ich bin, weiß ich ziemlich genau, wo ich hingehen würde. :-)

        • Herbert Müller

          @Desti:

          Wenn es um den "Verzicht" auf Fleisch geht - also letztendlich um dem "Verzicht" auf Tierquälerei, Umweltzerstörung und Gewalt - gleichen die Reaktionen vieler Fleischkonsument*innen denen bockiger Kinder, die nicht auf Süßigkeiten verzichten wollen.

          • Desti

            @Herbert Müller:

            Irgendwie habe ich bei Ihrem Kommentar Verständnisprobleme. Wo geht es denn in meinem Kommentar um Fleischverzicht?

            • Herbert Müller

              @Desti:

              Möglicherweise habe ich ihren Kommentar auch Missverstanden. Dann lang das Problem bei mir. In dem Fall bitte ich um Entschuldigung und dann sind Sie natürlich nicht gemeint.

  • Astrid Sehnefeld

    "Doch viele Po­li­ti­ke­r:in­nen meiden das Thema. Das ist auch ein Erfolg der Rechten, die daraus einen Kulturkampf machen"



    Und links macht aus Essen keinen Kulturkampf?



    Links plädiert beim Essen für vegane Ernährung der Gesundheit wegen - bei der Legalisierung von Cannabis hingegen war die Gesundheit egal.



    Das ist doch auch Kulturkampf pur 🤷



    JEDE Partei macht Kulturkampf für die Vorlieben ihrer Wählerschaft - und das ist gut so.



    Vegane VoKü's für Berlin? Gute Idee.



    Brätl und Rostbratwurst für Thüringen? Gute Idee.



    Jeder soll nach seiner Fasson selig werden - Friedrich II

    • LuckyLulu

      @Astrid Sehnefeld:

      Essen ist ein riesig emotionales Thema, nebenbei jene alltägliche Wahlfreiheit die fast jede*r noch bezahlen kann.



      Kinder testen am Esstisch ihre Grenzen, Jugendliche differenzieren sich über eigene Diäten von Elternhaus und innerhalb ihrer sonstige sozialen Bezüge. Extreme polarisieren und bekommen entsprechend viel mediale Aufmerksamkeit Veganismus, Proteinjünger, Kalorien minimierte Kost sind Prominente Beispiele, auch der Artikel hier. In fragmentierten postmodernen Gesellschaft sind Nahrungspräferenzen hochgradig identitär besetzt.

      Leider schließen damit sowohl Fleisch- wie Pflanzenfetischisten an ihren Tafeln Austausch über die eigene Blase hinweg aus. Passt für Splittergruppen & Traditionslisten soweit Linke gesellschaftliche Relevanz wollen - Finger weg!

      Die Behauptung Veganes sei gesünder oder prinzipiell öko führen Chips, Softdrinks etc. schnell ins Absurde.

      Für Kantinen mit sozial-partizipativen Anspruch müssen deshalb Erstens, Menüs eine Auswahl bieten, die Menschen als Individuen auch dann noch ernst nimmt, wenn sie arm sind.



      Außerdem braucht es Zweitens, gesunde Menüs die unseren Bedarf an Makro und Mikronährstoffen, Vitaminen und Mineralien decken.

    • sociajizzm

      @Astrid Sehnefeld:

      Bei der Legalisierung von Cannabis ging es auch um Gesundheitsaspekte. War eines der stärksten Argumente dafür.



      .



      Menschen gewichten Argumente in Abhängigkeit von der eigenen Überzeugung. Ihr Kommentar ist ein prima Beispiel dafür. Sie sind gegen die Legalisierung, also kann es nur "ideologische Gründe" für diese geben, keine rationalen.



      .



      Und "ist besser für das Klima" oder "besser für die Gesundheit" sind nun Mal sachliche Argumente bei Ernährung. "Niemand nimmt mir mein Schnitzel" ist gar kein Argument sondern plumpe Propaganda.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Astrid Sehnefeld:

      "Links plädiert beim Essen für vegane Ernährung der Gesundheit wegen..."

      Das stimmt einfach nicht. Nur eine kleine Gruppe, die sich selbst als links einordnet, fordert so etwas. Die Mehrheit der Linken ist einfach für eine ausgewogene Ernährung.

    • Chris McZott

      @Astrid Sehnefeld:

      Kulturkampf ist negativ besetzt. Das macht also per Definition immer nur die Gegenseite.

    • Katharina Reichenhall

      @Astrid Sehnefeld:

      Das finde ich auch immer lustig. Alles mögliche politisieren, aber die Rechten machen daraus einen Kulturkampf. Das ist irgendwie eine verquere Logik.

    • PartyChampignons

      @Astrid Sehnefeld:

      Nein falsch, bei der Legalisierung von Cannabis war Gesundheit ein sehr großes Thema, da durch die Legalisierung gesundheitsschädliche Streckstoffe vermieden werden, man nicht in Kontakt mit anderen Drogen bei zwielichtigen Dealern gerät und Aufklärung ein großes Thema ist, wozu jeder Cannbisclub verpflichtet ist und das auch ernst nimmt soweit ich das bisher selber mitbekommen habe. Das Verbotsmodell ist für die Gesundheit vieler Menschen viel schädlicher. Außerdem geht es hier nicht um die Legalisierung von Cannabis sondern um Ernährung. Und das vegetarische/vegane Ernährung gesünder und besser für die Umwelt ist, ist kein Kulturkampf, sondern wissenschaftlich erwiesene Tatsache.

      • Šarru-kīnu

        @PartyChampignons:

        Vegane Ernährung ist gesünder? Das können Sie wirklich beweisen mit echten wissenschaftlichen Studien? Das Veganer tendenziell gesünder leben, hat ja nur wenig mit der Ernährung zu tun. Eine ausgewogene Mischkost ist der rein veganen Ernährung jedenfalls in den Studien noch voraus.

        • PartyChampignons

          @Šarru-kīnu:

          Gerne auch mal diesen Artikel als Beispiel

          www.aok.de/pk/maga...vegane-ernaehrung/

          Und ich esse selber ab und an gerne mal Fleisch, bin also bei weitem kein Missionar für Vegetarismus/Veganismus, aber die Vorteile liegen einfach auf der Hand, sowohl für Mensch, als auch für Tier und die Natur, mit Kulturkampf hat das meiner Meinung nach einfach nichts zu tun.

        • PartyChampignons

          @Šarru-kīnu:

          Gesünder als Fleischkonsum meine ich.....