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Schwulenverband der Union zum Fall Spahn„Die Debatte ist nicht nur schwarz und weiß“

Sönke Siegmann, der Vorsitzende des Verbands der Lesben und Schwulen in der Union, fordert eine Diskussion über altruistische Leihmutterschaft.

Cem-Odos Güler

Interview von

Cem-Odos Güler

taz: Jens Spahn ist als Unionsfraktionsvorsitzender zurückgetreten, weil er über eine Leihmutterschaft Vater geworden ist. War dieser Schritt notwendig?

Sönke Siegmann: Ja, letztlich war es konsequent. Er war politisch gegen Leihmutterschaften, hat sich privat aber anders entschieden. Das kann ich menschlich verstehen, politisch ist es falsch.

Im Interview: Sönke Siegmann

Jahrgang 1977, Vorsitzender des Verbands der Lesben und Schwulen in der Union. Er vertritt die CDU im Kreistag von Osnabrück und arbeitet als kaufmännischer Angestellter.

taz: Was hätte er anders machen müssen?

Siegmann: Ich hätte erwartet, dass er spätestens dann, als die CDU im Februar auf ihrem Bundesparteitag über Leihmutterschaft diskutiert hat, aufgestanden wäre und seine geänderte Meinung eingebracht hätte. Er hätte sagen können, dass es zu diesem Thema unterschiedliche Sichtweisen geben kann und dass sich bei ihm da etwas verändert hat. Das hat er nicht getan.

taz: Spahn hat seinen Rücktritt vor allem so dargestellt, als ginge es ihm um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und nicht um Doppelstandards. Finden Sie es richtig, dass er sein Bundestagsmandat behält?

Siegmann: Einen Rücktritt muss jeder mit sich selber vereinbaren. Es gibt keine perfekten Menschen, perfekte Politiker damit auch nicht. Das ist seine Entscheidung. Mir steht es nicht zu, das zu beurteilen.

taz: Wie stehen Sie zur Liberalisierung der Leihmutterschaft?

Siegmann: Die kommerzielle Leihmutterschaft ist für mich und die LSU insgesamt ausgeschlossen, das steht so auch in unserem Grundsatzprogramm. Daran ist erst einmal nicht zu rütteln. Aber wir müssen einen Weg finden, uns mit allen Lebensrealitäten zu beschäftigen.

taz: Was meinen Sie damit?

Siegmann: Wenn ein Paar, egal ob gleichgeschlechtlich oder nicht, eine Freundin hat, die sagt: Ich habe euch lieb und ich freue mich, wenn ihr ein Kind bekommt, und würde es für euch austragen, warum dann das nicht auch ermöglichen.

taz: Sie befürworten also eine enge Form der sogenannten altruistischen Leihmutterschaft, also das Austragen fremder Kinder ohne eine Aufwandsentschädigung?

Siegmann: Ja. Die Debatte ist nicht nur schwarz und weiß. Über alle Möglichkeiten kann und muss diskutiert werden können – unabhängig vom persönlichen Standpunkt. Das betrifft auch Familienmodelle mit mehreren Eltern.

taz:also etwa, wenn schwule Paare mit einer gemeinsamen Freundin oder einem befreundeten lesbischen Paar Eltern werden wollen …

Siegmann: Genau. Wenn wir politisch erreichen wollen, dass mehr gleichgeschlechtliche Paare Kinder haben, ist auch noch über das Adoptionsrecht zu sprechen. Manche werden mit 70 Bundeskanzler und andere sind mit 36 zu alt für eine Adoption, da muss man auch dringend wieder über die Sache reden.

taz: Wie haben Sie die Debatte über Leihmutterschaft damals auf dem CDU-Bundesparteitag wahrgenommen?

Siegmann: Der Parteitag hat ja nur noch mal bestätigt, was ohnehin schon der Stand war. Ich würde mir dennoch immer wünschen, dass wir solche Themen weiterhin sachlich diskutieren. Es geht ja nicht nur um Leihmutterschaft; wenn ein lesbisches Paar ein Kind bekommt, muss die nicht gebärende Partnerin immer adoptieren. Ich finde das falsch.

taz: Was schlagen Sie vor?

Siegmann: Das Abstammungsrecht ändern. Eltern sind Eltern, unabhängig davon, welches Geschlecht sie haben und ob Sie verheiratet sind. Ich würde mir wünschen, dass wir darüber diskutieren und die Emotionen etwas herausnehmen. Hier geht es darum, ohne Schaum vor dem Mund über die Sachthemen zu sprechen.

taz: Würden Sie sagen, dass die Vehemenz, mit der die Vorwürfe gegen Jens Spahn vorgetragen wurden, auch etwas mit Homophobie zu tun hatten?

Siegmann: Ich bin mir sicher, dass es noch immer Menschen gibt, die sich da auch von Homophobie treiben lassen. Die grundlegende Kritik hat aber damit nichts zu tun, sondern mit dem politischen Sachverhalt. Man kann nicht das eine sagen, sich selbst dann aber anders verhalten. Man ist dann einfach nicht mehr glaubwürdig, und Glaubwürdigkeit ist das Fundament der politischen Arbeit.

taz: Sie denken, wenn eine Heterofrau so gehandelt hätte wie Jens Spahn, wäre der Aufschrei innerhalb der Union ähnlich groß gewesen?

Siegmann: Wenn sie in gleicher Position gestanden hätte, ja.

taz: Ihr Verband bekennt sich zum christlichen Menschenbild und auch zur Bewahrung der Schöpfung. Steht das nicht im Widerspruch zu Leihmutterschaft und Ihrem Aktivismus insgesamt?

Siegmann: Nein. Die Mehrheit dieses Verbandes, den ich repräsentiere, spricht sich deutlich gegen kommerzielle Leihmutterschaften aus. Aber mir geht es darum, das Thema in allen Facetten ehrlich zu diskutieren. Da, wo Menschen zusammenleben, sich lieben und in gemeinsamer Verantwortung handeln, können Entscheidungen nicht gegen das christliche Menschenbild sein. So sehe ich das.

taz: Gibt es in der Union noch Vorbehalte gegen Schwule, Lesben, trans und intersexuelle Menschen?

Siegmann: Selbstverständlich. Vorbehalte gibt es doch in allen Teilen der Gesellschaft. Nur Aufklärung ist die Lösung – unter anderem darum gibt es ja regelmäßig CSDs im Land. Denn da geht man doch nicht hin, weil es so nett ist oder weil man da Party machen kann. Wir gehen dahin, damit wir sichtbar sind, unsere politischen Forderungen hörbar werden und wir weiter diese Vorbehalte abbauen.

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37 Kommentare

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  • Es wird einer Frau durch ihr Selbstbestimmungsrecht zugestanden einen Menschen mit 12 Wochen zu töten, aber ein Kind des Geldes wegen selbstbestimmt auszutragen wird kritisiert?

  • "Eltern sind Eltern". Hier fällt der Wunsch auf, Begriffe umzudeuten, um eine alternative Realität zu erzwingen, die dem eigenen Egoismus entgegenkommt.



    Klingt so, als möchte man die Mutter, die bei der Entstehung des Kindes notwenig ist, biografisch entfernen, um die Illusion der konservativen bürgerlichen Kleinfamilie aus Vater-Vater-Kind voll auszuleben. Ich halte nichts davon, Kindern vorzulügen, dass es egal ist, wer das Elternteil ist. Es gibt viele Berichte von ehemaligen Adoptivkindern, die zeigen, dass es nicht "egal" ist. Viele beschäftigen sich erst nach dem Ableben der Adoptiveltern mit der eigenen Herkunft, weil der Satz "Wir sind deine Eltern" so eine moralische Last hat, dass berechtigte Fragen aus Rücksicht auf die Gefühle der Adoptiveltern lange verdrängt werden.

    (Vom Thema neokoloniale Gewalt in Fällen, wo die Eizellspende aus der Ukraine stammt und das Kind im Dunkeln über die Herkunft/ Umstände gelassen wird, ganz zu schweigen.)

    Im akt. gesetzlichen Rahmen ist es möglich, ein Kind zu viert / dritt aufzuziehen- aber worauf man hinauszuwollen scheint, ist eben nicht die Patchwork-Konstellation inklusive Kindesmutter, sondern die klassische Kleinfamilie.

  • Von der Ampel wurde eine Kommission eingesetzt, die Vorgaben für Leihmutterschaften erarbeitet hat. Dank FDP ist es mit dem Ende der Ampel zu keinem Beschluss mehr gekommen und die nachfolgende CxU-geführte Regierung hat inklusive Spahn das teuer erarbeitete Ergebnis der Kommission unter den Teppich gekehrt.

    Anstatt von vielen Seiten nun das Rad erneut zu erfinden, sollten sich die Verfechter vielleicht erst einmal mit dem Ergebnis dieser Kommission auseinander setzen und die Regierung zur Stellungnahme dazu bringen.

  • Ich würde mir was die Definition von Eltern angeht auch wünschen, dass Väter, die die Vaterschaft von Anfang an ablehnen, nicht als Vater geführt werden müssen. Ich würde sehr gerne diese rechtliche Bindung zu meinem, mir unbekannten, biologischen Vater beenden. Aber es gibt dafür aktuell kein rechtliches Mittel.

    Ein Kind kennt nur die Familie, in der es großgezogen wird. Sehnsucht entsteht daher, dass einem Kind immer eingeredet wird, es müsse etwas vermissen, dass es überhaupt nicht kennt. Das kann befreiend sein, zu realisieren, dass das nie der eigene Wunsch war, sondern einem angedichtet wurde. Ich hatte eine Mutter, keine anderen Eltern. Und das ist auch richtig so. Ich habe Liebe und Fürsorge erfahren. Ob es jetzt ein Elter oder mehrere sind, was zählt ist die emotionale Bindung.

  • „Da, wo Menschen zusammenleben, sich lieben und in gemeinsamer Verantwortung handeln, können Entscheidungen nicht gegen das christliche Menschenbild sein."



    Welch ein Satz.



    Habe immer gedacht, dass zum christlichen Menschenbild auch Demut gehört.

  • Was ich schade finde und auch in den Kommentaren in anderen Bereichen vermisst habe, ist dass niemand an die Kinder denkt. Ein Kind wird - voraussichtlich - immer Sehnsucht nach der Mutter empfinden und versuchen, herauszufinden wer sie ist. Das Kind wird empfinden, dass der egoistische Wunsch zweier Menschen keine Rücksicht auf das Kind genommen hat.

    • @Ingrid Schleyer:

      Das ist vielleicht eine etwas "matrizentristische" Sichtweise. Schließlich wird das Kind von Beginn an, diese "üblen Egoisten" als (hoffentlich liebevolle) Eltern und Hauptbezugspersonen kennengelernt haben. Die haben dieselben natürlichen Instinkte wie andere Menschen auch, die ihre Kinder lieben und und sich für sie zerreißen würden - nur eben im Zweifel nicht die Möglichkeit, sie mit den eigenen biologischen Mitteln in die Welt zu setzen. Ich verstehe die klischeehafte Herabqualifizierung zu schlechten Charakteren an der Stelle nicht.



      Im Fall heterosexueller "Zieheltern", die das "Material" für die von der Leihmutter ausgetragene Zygote selbst geliefert haben, würde es sich bei den Beiden sogar noch um die genetischen Eltern handeln. Sehr viel passender geht es dann kaum noch.



      Ich will ja nicht abstreiten, dass es eine Bindung auch an die körperliche Mutter gibt. Aber ist sie so absolut, dass man dem Kind sagen müsste, dass es lieber gar nicht erst auf der Welt sein sollte, als ohne diese zu leben? Zweifele ich schon sehr.



      Oder was wäre Ihre Lösung? Kindersorge für die Spahns dieser Welt und andere biologisch Kinderlose nur mit "ménage-à-trois" in der Folge?

    • @Ingrid Schleyer:

      Sie verallgemeinern und deswegen liegen sie falsch.

  • Interessante Kommentare hier.



    Die Rückkehr der Blut- und Bodenmutter mit irgendwelchen natürlichen Instinkten oder Rechten. Offensichtlich unfähig zu eigenen Entscheidungen oder durch böse Mächte gezwungen Kinder am laufenden Band zu gebären.



    Wo sind die freizügigen liberalen Geister hin, die Patchworkfamilien, oder reine Frauenehen als Familienbild der Zukunft ansonsten propagieren?

    • @Herbarius Zunichten:

      "Die Rückkehr der Blut- und Bodenmutter..."

      Bemühen Sie immer Vergleiche mit dem Nationalsozialismus, wenn jemand eine andere Meinung vertritt?



      Ich denke, wenn irgendwo eine qualitativ hochstehende Diskussion zu diesem Thema stattfindet, dann in der taz - auch dan den Moderistas

  • Vollkommen undiskutabel die ganze angedachte, menschenverachtende Diskussion.



    Was kommt als nächstes, die gesetzliche, angeordnete Trennung durch die Regierung von Ehepaaren von ihren Partnern, gegen den Willen der Ehepaare ?



    Wer hier meint, Überlegungen bezüglich über die Köpfe von neuem Leben hinweg machen zu dürfen, steht doch wohl schon mit einem Bein im Knast.

  • Ich lese hier nur von Frauen und Männern, die unbedingt ein Kind wollen.



    Aber keine einzige Zeile darüber, was es eigentlich für ein Baby bedeutet, nach der Geburt von der Frau getrenntzu werden, die es geboren hat. Ich glaube nicht, dass dieser Aspekt völlig bedeutungslos ist, oder ?



    Vielleicht kann da ja eine kundige Forist:in Auskunft geben.

    Ich bin sehr enttäuscht, dasss dieser Frage hier gar kein Platz eingeräumt wird. Aber vielleicht ist das ein Symbol dafür, dass esnur darum geht, die eigenen Wünsche erfüllt zu bekommen -koste es, was ess wolle. Traurig, traurig...

  • „ Wenn wir politisch erreichen wollen, dass mehr gleichgeschlechtliche Paare Kinder haben…“

    Warum sollten „wir“ das tun? Es ist völlig in Ordnung, dass gleichgeschlechtliche Paare gleichgestellt sind. Aber eine politische Förderung deren Kinderwünsche? Um zu zeigen, was heutzutage alles geht?

    So ist auch die Forderung, dass in einer lesbischen Partnerschaft, noch nicht mal Ehe, beide Frauen automatisch als Eltern gelten sollen, etwas kritisch. Solange die Frauen zusammen sind, kein Problem. Aber wenn sie sich trennen, wird eigentlich klar, das die nicht gebärende Frau zu dem Kind nicht beigetragen hat. Soll sie dann Jahre später immer angeben, sie sei Elter? Soll das Kind ein Recht auf Umgang haben, auch wenn die sich vielleicht kaum gekannt haben?

    • @fly:

      "Aber eine politische Förderung deren Kinderwünsche? Um zu zeigen, was heutzutage alles geht?"



      Nö, eigentlich geht es darum, dass Kinderkriegen GENERELL ein menschliches Grundbedürfnis ist UND wir zu niedrige Geburtenraten und zu viele kinderlose Paare haben. Es wird ja auch Hetero-Elternschaft gefördert, Fortpfanzungsmedizin von der Kasse bezahlt etc.. Schwule Paare brauchen halt eine andere Sorte Hilfe.

  • Schön, dass zwei Männer darüber diskutieren, wie sich Frauen zu verhalten haben. Schon peinlich, oder?

    • @FraMa:

      Hat sich nichts geändert.

  • Leihmutterschaft - was für eine Fehlbegrifflichkeit ❗️



    Ein weiblicher Körper wird für die Austragung / Fabrikation / Herstellung eines Menschen mißbraucht ❗️



    Wenn wir in diesem Zusammenhang von Selbstbestimmung sprechen wollen, dann doch wohl um die Selbstbestimmung und die Menschenwürde und die Rechte von diesen produzieren Babys und neuem Menschenleben ❗️



    Ein Embryo nimmt zwischen der 20. und 28. Woche die Stimme und den Geruch der Mutter wahr um sich nach der Geburt auf der Welt zurechtfinden und um Sicherheit zu empfinden.



    Was denken eigentlich Richterinnen was für eine Geburt für ein Baby an Stress bedeutet.



    Dann - kaum auf der Welt, will man durch Gesetzgebung dem neuen Menschen diese Sicherheit, die ein Mensch für seine Entwicklung braucht und die Essential ist, wegnehmen - ich glaube es hackt ❗️

    • @Alex_der_Wunderer:

      Danke für diesen Kommentar. Genauso ist ist!

    • @Alex_der_Wunderer:

      "Ein weiblicher Körper wird für die Austragung / Fabrikation / Herstellung eines Menschen mißbraucht ❗️"



      Meinen Sie, die Einordnung als "bestimmungsgemäßer Gebrauch" oder "Missbrauch" stünde primär Ihnen oder der Staategewalt zu, oder hat nicht vielleicht die Eigentümerin des Körpers auch ein gewisses Mitspracherecht?



      Im geltenden Abtreibungsrecht geht man davon aus, dass



      das Selbstbestimmungsrecht der Mutter mindestestens schwer genug wiegt, dass man ihr erst ab der 13 Woche überhaupt gänzlich verbieten darf, das werdende Kind zu töten. Die Menschen, denen das zu wenig Schutz für das Kind ist, dürften hierzulande in der Minderheit sein - auch gegenüber jenen, denen dieser Schutz zu Lasten der Selbstbestimmung der Mutter noch zu weit geht.



      Und jetzt kommen Sie und erklären völlig selbstverständlich, dass die Bindung des Embryos an die austragende Mutter viel zu wichtig sei, als dass diese die Entscheidung treffen dürfe, ein Kind für ein anderes Elternpaar auszutragen?



      So einfach KANN es nicht sein.

      • @Normalo:

        @ Normalo



        Doch, mit klarem Menschenverstand ist es alles ganz einfach ❗️



        Eine Abtreibung eines Zellklumpen / Embryo in der jetzt geltenden Frist, ist völlig ok. Einem Neugeborenen seine gesunde, psychische Lebensgrundlage zu entziehen, ist es dagegen auf keinen Fall ❗️

  • Den Ansatz, die altruistische Leihmutterschaft zu ermöglichen, finde ich gut. Ich würde mir aber auch eine gewisse Nähe der Mutter zum Kind wünschen, also z.B. aus Deutschland oder vielleicht neutraler aus 1000 km Umkreis zum Wohnort, damit theoretisch auch ein Umgang zur tatsächlichen Mutter noch realistisch möglich ist, wenn das Kind dies später wünschen sollte.



    Wenn hingegen altruistische Leihmutterschaft mit Indien, Tansania und Ecuador möglich ist, fürchte ich, ehrlich gesagt, auch Missbrauch und Schwarzzahlungen.

  • Leider wird hier vom Interviewten ganz deutlich der Standpunkt des male chauvinism vertreten. Die Frau ist hier bloße "Austrägerin". Da fehlt ein grundsätzliches Verständnis dafür, was eine Schwangerschaft für eine Frau bedeutet. Und konsequenterweise wird dann auch ausgeblendet, was das für das Kind bedeutet, das sich seine Situation nicht ausgesucht hat, aber später tausendfach jahrzehntelang erklären muss, selbst wenn es eine ganz andere Haltung zum Thema entwickelt.

  • Ob eine Leihmutterschaft ein ethisches/ moralisches Problem ist oder nicht, mag jeder Mensch zunächst für sich entscheiden.

    Darum geht es hier aber nicht.

    Hier hat ein Politiker, der vehement gegen die Leihmutterschaft ist und stetig öffentlich dagegen positioniert, sein vieles Geld dafür genutzt, sich eine Leihmutter im Ausland zu beschaffen. Weil es hierzulande verboten ist und er mit seiner Partei dagegen ist. Es geht um die Doppelmoral und den Eindruck, dass man als Politiker tun und lassen kann was man will und dass man als Mensch mit Geld, tun und lassen kann, was man will.

    Dessen Partei ist ja auch gegen solch hilfreiche Dinge, wie "Babyklappen".

    Adoption, Adoptionspflege, Pflegekind... ja, es gibt genug "arme Würmchen", die eine Familie suchen. Denn die Heime laufen über und bei aller Liebe und Empathie in solchen... es bleiben Heime.

  • Die Debatte ist nicht nur nicht schwarz-weiß, es fehlen auch wichtige Fragen, die ich bis jetzt noch nirgends gestellt gefunden habe.

    DISKUSSION



    Leihmutterschaft ist in Deutschland und vielen EU-Ländern veboten, in einige Bananenrepubliken aber erlaubt. Aber was heißt das konkret? Die Frau, die ihren Körper - vermutlich aus finanzieller Not heraus - verkauft, macht sich strafbar. Aber die, die ihren Körper kaufen, nicht? Ernsthaft? Also nicht Spahn hat sich strafbar gemacht?

    Warum sehe ich hier keine Diskussion der Medien, dass wenn schon strafbar, dass dann ja wohl vor allem auch die eigentlichen Täter (in diesem Falle Spahn und sein Partner) kriminell sind.

    In Deutschland macht man sich in der Regel auch strafbar wenn man zu einer Straftat aufruft, oder gar bezahlt dafür. Nur, dass hier die Frau in einer Bananenrepublik lebt, in der es nicht strafbar ist, sollte Spahn nicht enkriminalisieren.

    Finde ich. Wenn schon strafbar, dann für alle. Und dann könnte man bei der Gerichtsverhandlung gegen Spahn auch gleich seine anderen Verbrechen behandeln. Das spart Bürokratie.

    • @Jalella:

      Das stimmt überhaupt nicht. Das Embryonenschutzgesetz sagt in §1 Abs 3:



      Nicht bestraft werden



      in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1, 2 und 6 die Frau, von der die Eizelle oder der Embryo stammt, sowie die Frau, auf die die Eizelle übertragen wird oder der Embryo übertragen werden soll.

      Auch die, die "ihren Körper kaufen" nicht (Also Spahn und Ehegatte). Bestraft werden Ärzte, die den Eingriff vornehmen und Vermittler, die dafür eine Provision kassieren.

  • Interessant, dass hier zwei Männer darüber reden, was Frauen mit ihren Reproduktionsorganen tun sollen.

    • @Kommen Tier:

      Ja. Alter Wein in neuen Schläuchen, diesmal in der Regenbogenedition.

  • ...mir fällt zum thema cdu nichts mehr ein, was hier veröffentlicht werden sollte. Der Diskurs Merkel-Merz war schon immer und wenn wenn Mensch sich die Historie anschaut, dann muss (im Nachgang) Merkel noch ein Orden... Merz? Spahn? All dass hat genau einen Gewinner. So langsam (...auf der Basis, dass es wahrscheinlich nicht besser wird) frag ich mich, ob Mensch vielleicht wirklich sich lieber eine AI als Legislative zulegt. Spart Unsummen und die Wahrscheinlichkeit belogen u/o betrogen zu werden sinkt auf's erträgliche..

  • "Ich habe euch lieb und ich freue mich, wenn ihr ein Kind bekommt, und würde es für euch austragen... "

    Mag sein, dass der Mann in völlig anderen Sphären verkehrt, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Frauen in nennenswerter Zahl einfach so fremde Kinder austragen wollen.

    Für viel wahrscheinlicher halte ich es, dass wenn das legalisiert wäre, die Bezahlung dann unter der Hand passieren würde, verbunden mit erheblichen Schwierigkeiten und Risiken für alle Beteiligten.

  • Es geht nicht um die Diskussion Leihmutterschaft, sondern um die DIskussion CDU, Spahn und deren Politik. Dem Kind und der Mutter wird es hoffentlich gut gehen, das ist eine getrennte Diskussion und meinetwegen auch den beiden männlichen Eltern als Eltern. Falls die Mutter aber eines Tages das Kind doch wieder zurückhaben will, ich meine sie als leibliche NMutter wird ein Recht darauf haben und auf Alimente dann.



    Leihmutterschaft ist keine einfache und leicht zu nehmende Konstruktion

  • Warum stehen in der CDU Menschen wie Herr Siegmann in der 6. Reihe und Leute wie Herr Spahn in der ersten?

  • "Ich habe euch lieb und ich freue mich, wenn ihr ein Kind bekommt, und würde es für euch austragen ... "



    Einverstanden, aber nur, wenn diese Frau auch zu diesem Kind steht, d.h. zur Mutterschaft. Ansonsten stellt sie doch nur wieder ihre Gebärmutter zur Verfügung.

    • @Il_Leopardo:

      Was Sie beschreiben ist ein anderes Modell, nämlich das der Regenbogenfamilie. Altruistische Leihmutterschaft heißt wirklich, das Kind auszutragen und dann der anderen Familie zu überlassen. Ich weiß nicht, warum die LSU das diskutiert, es ist eine extrem seltene Konstellation. Weibliche Angehörige (Schwester oder Mutter) tun dies manchmal für ihre ungewollt kinderlosen Nächsten.

    • @Il_Leopardo:

      Lnd wie will man dann ausschließen, daß diese vermeintlich altruistische Luebe nicht mit monetären Zuwendungen gefördert wurde?

      • @Don Geraldo:

        Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass es den Staat einen feuchten Kehricht angeht...

        Grundgesetz:



        (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.



        (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

        Von Kontrolle ist da nicht die Rede.

      • @Don Geraldo:

        "Zur Mutterschaft stehen" heißt für mich, dass sie sich die Elternschaft mit dem Mann, den Männern teilt. Und dafür müssen ihr selbstverständlich Geldmittel zur Verfügung gestellt werden - wie jeder Mutter.

        • @Il_Leopardo:

          Wieso müssen der Mutter dann selbstverständlich Geldmittel zur Verfügung gestellt werden? Also außer einem Drittel der staatlichen Leistungen wie etwa Kindergeld?

          Was ist außerdem schlimm daran wenn diese Frau einfach nur selbstbestimmt „ihre Gebärmutter zur Verfügung stellt“ weil sie sich gerade eben nicht um dieses Kind kümmern möchte?