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Staat, Klette und die KlimabewegungKartoffelbrei und Terrorismus

Stefan Reinecke

Kommentar von

Stefan Reinecke

Diese Woche fiel ein Urteil gegen das mutmaßliche RAF-Mitglied Daniela Klette. Politik und Justiz scheinen durchaus etwas dazugelernt zu haben – nur leider das Falsche.

D ie Bilder scheinen aus einer Zeitreise in die 70er Jahre zu stammen. Jubelnde Sympathisanten lassen die RAF-Genossin hochleben und rufen „Freiheit für Daniela“. Das Gericht tagte in einem für Millionen aufgerüsteten Hochsicherheitsbau. Der Richter beteuert, dies sei kein politischer Prozess. Aber wann gibt es in Verfahren wegen Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter schusssichere Scheiben?

Der Prozess gegen Daniela Klette ist so gelaufen, wie es zu befürchten war. Der Staat demonstriert Stärke, die Angeklagte kündigt an, dass man von ihr nichts Konkretes über die Dritte Generation der RAF erfahren wird. Hier die grimmige Justiz mit einem harten Urteil, dort die RAF-Omertá. Keine Bewegung. Alles wie immer.

Dabei gab es in der einstündigen Erklärung von Klette neben Selbstgerechtigkeit ein paar Zwischentöne. Die Auflösung der RAF 1998 sei „völlig richtig“ gewesen, die militante Linke habe „sicher auch viele Fehler gemacht“. Man hätte gern erfahren, welche sie meint.

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Viele RAF-Taten sind noch ungeklärt. Das wird so bleiben, weil die Ex-RAFler sich an ihr Schweigegelübde klammern. Das ist offenbar nötig, um angesichts ihres katastrophal gescheiterten Gewaltidealismus ein erträgliches Selbstbild zu retten. Ein kluger Weg wäre eine Wahrheitskommission gewesen – Aussage gegen Straffreiheit.

Die gibt es nicht, auch weil der Staat Jahrzehnte nach der Selbstauflösung der RAF nicht aufhören kann, immer weiter zu siegen, wie Antje Vollmer mal anmerkte. Der Generalbundesanwalt will noch einen Klette-Prozess, obwohl die Begründung windig klingt, die Taten mehr als 30 Jahre zurückliegen und es nicht um Morde geht. Auch hier: Alles wie immer.

Ohne Weitblick

Ist das nur abgelagerte Geschichte und ohne Echoräume im Heute? Wenn man sich die Praxis der Justiz in der Bundesrepublik anschaut, dann scheinen Politik und Rechtswesen aus der RAF durchaus etwas gelernt zu haben – und zwar das Falsche. Politische Prozesse werden nicht mit Weitblick geführt, sondern mit unversöhnlicher Entschlossenheit und bis an die Grenze des rechtlich Erlaubten.

In Potsdam wird Ende des Jahres AktivistInnen der Klimakleber-Organisation Letzte Generation der Prozess gemacht – wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Man kann die Aktionen der Gruppe – Kartoffelbrei auf ein Monet-Gemälde zu werfen oder die Startbahn des Berliner Flughafens zu blockieren – für dumm und schädlich halten. Aber Bildung einer kriminellen Vereinigung, bestraft mit bis zu fünf Jahren Haft?

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Die politische Stimmung für diese aberwitzig wirkende Konstruktion schuf unter anderem CSU-Mann Alexander Dobrindt mit dem Gerede von einer „Klima-RAF“. Das hat offenbar in den Köpfen mancher JuristInnen wirksam das Bewusstsein für den fundamentalen Unterschied zwischen politischer Kriminalität und robustem zivilem Ungehorsam verwischt. Kann es sein, dass der Staat mit dieser Methode jene Feinde mit erschafft, die er später verurteilen wird?

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Stefan Reinecke

Stefan Reinecke Korrespondent Parlamentsbüro

Stefan Reinecke arbeitet im Parlamentsbüro der taz mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.
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55 Kommentare

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  • Von unserer Regierung sollen Kinder & Jugendliche, die auf die Ignoranz der Regierung, aus ihreren berechtigten Ängsten bezüglich des Klimawandel heraus - Kartoffelbrei auf Glasscheiben, die vor Kunstobjekten stehen, kriminalisiert werden. Unfassbar ! Noch weniger sind Mitbürger zu verstehen, die nicht in der Lage sind, wissenschaftliche Analysen bezüglich der Ursachen, des von Menschen verursachten Klimawandel und den damit einhergehenden Klimakatastrophen zu verstehen. Hier ist unsere Bildungsministerin Frau Karin Prien gefordert für Aufklärung der uninformierten, in Mitverantwortung stehenden Mitbürger zu tragen, anstatt auch noch die Fördergelder für extrem wichtige Bildungsmaßnahmen, auch noch unnötig zu streichen.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Jeder ist frei in der Wahl seiner politische Ausdrucksformen. Wenn man sich aber ausgerechnet - und gezielt - solche aussucht, die strafbewehrte Normen verletzen, hat das halt Konsequenzen. Der Rechtsstaat würde seinen Sinn konterkarieren, wenn er dem aufmüpfigen Grundsatz "Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden!" durch Inkonsequenz Vorschub leistete. Selbstverständlich ist es Jedem unbenommen, den Regelbruch trotzdem moralisch gutzufinden. Aber das ändert nichts an der Systematik von rechtsbrecherischer Aktion und rechtsstaatlicher Reaktion.



      Wenn Sie Mitbürgern einerseits vorwerfen, dass sie den Kausalitätszusammenhang von Handlungen und negativen Folgen derselben ignorieren, können Sie schwerlich für Andere, die genau das auf ihre Weise auch tun, Freifahrtscheine beanspruchen: Die Folgen klimaschädlicher Lebensführung sind unvermeidlich. Der Job des Rechtsstaats ist, das möglichst auch für Verstöße gegen Regeln umzusetzen, die für Alle gelten. Genau dafür hält er das Gewaltmonopol.

      • @Normalo:

        @Normalo



        Dann sollte die Regierung UNSEREN Staates einmal ihr Gewaltmonopol einsetzen, um den Vertretern der Industrie-, Wirtschafts- & Kapitalstrukturen ihre Grenzen, bezüglich der fortschreitenen Umweltzerstörung, durch ihr klimaschädliches den Klimawandel beschleunigenen agieren, aus rein Profitorientierten handeln heraus, aufzuzeigen.



        Unsere Regierung hat auch die Aufgabe, uns Bürger zu schützen und unsere Gesundheit / unser Leben nicht fahrlässig zu verkaufen.

        • @Alex_der_Wunderer:

          Aha, auf einmal, wenn's nicht gegen die "Daniela" sondern gegen die Bösen geht, ist der Staat auf einmal nicht gewalttätig GENUG...

          Können wir vielleicht beim Thema bleiben?

          • @Normalo:

            @Normalo



            Es ging schon vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland, & seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland erst recht, immer nur um die wirklichen " Bösen ", um das Thema einmal klar zu definieren & deutlich zu kommunizieren.

      • @Normalo:

        @Normalo



        Die Regierung UNSERES Staates hat aber nun mal die Aufgabe uns Bürger zu schützen.



        Nicht nur Wirtschaftskriminelle - oder die Interessen von Industrie- Wirtschafts- & Kapitalstrukturen.



        Wenn unsere Regierungsform sich als Demokratie bezeichnet, muss von den uns legitimierten Politikern auch Demokratie für die Bevölkerung geliefert werden.



        Demokratie soll ja gerade der Macht der Stärkeren etwas entgegen setzen. Oder ist da Ihr Demokratieverständnis anders zu interpretieren ?



        Klar hat unser Staat das Gewaltmonopol, nur Kartoffelbrei auf Glasscheiben schmieren oder Demonstrationen - in eine kriminelle Richtung bringen zu wollen, ist absolut absurd.

        • @Alex_der_Wunderer:

          Demokratie bedeutet "Herrschaft des Volkes" - als Ganzes, nicht nur des Teils, der sich unterdrückt vorkommt. Fast immer wird die reine Demokratie durch Minderheitenschutz eingeschränkt, aber ihre wesentliche Basis bleibt das Mehrheitsprinzip - so unzufrieden man auch mit dem sein mag, was es an (Wahl-)Ergebnissen produziert.



          Was Demokratie definitiv nicht sein KANN, ist die Herrschaft irgendwelcher abstrakter Ideale über den Willen der Mehrheit, so schützend gemeint die auch sein mag. Denn Ideale können faktisch gar nicht herrschen. Das können nur Menschen, und die Geschichte hat uns Demokraten vorsichtig gegenüber solchen gemacht, wenn sie eine besondere Vertretungsbefugnis für irgendwelche Ideale reklamieren und auf deren Basis beanspruchen, der Mehrheit zu sagen, was sie richtig zu finden hat und was nicht.



          Und zuletzt: "Absurd" ist offenbar AUCH nur ein relativer Begriff. Einigen (wenigen) mag es vielleicht NICHT absurd erscheinen, wenn manche Menschen das gezielte Begehen von Straftaten als ihren Beitrag zu einem zivilisierten(?), demokratischen Diskurs betrachten. Aber dass das dann halt strafbar ist, sollte wirklich niemanden verwundern.

  • "Politische Prozesse werden nicht mit Weitblick geführt, sondern mit unversöhnlicher Entschlossenheit und bis an die Grenze des rechtlich Erlaubten." Und warum sollte sich ein demokratischer Staat nicht mit aller Entschlossenheit und dauerhaft gegen schwerkriminelle Terroristen, Mörder und deren Unterstützer wehren, die versucht haben/versuchen, demokratische Regeln außer Kraft zu setzen, Menschen ermordet und gewaltsame Überfälle verübt haben.

    • @Die_gute_Mitte:

      @Die_gute_Mitte



      Gut erkannt haben Sie die " Weitsicht " unserer Politiker - immerhin - Sie sehen ja heute - wohin uns die " Weitsicht " der Regierenden hingeführt hat - oder sind Sie solidarisch mit 🙈🙉🙊...

    • @Die_gute_Mitte:

      'Ein kluger Weg wäre eine Wahrheitskommission gewesen – Aussage gegen Straffreiheit.' steht da z.B. im Text.

      • @Grauton:

        Das ist eine Behauptung, keine Antwort auf die Frage "Warum sollte man das machen?". Mir erschließt sich - auch nach dem Text - nicht, was daran so klug sein sollte, dass man dafür die rechtsstaatliche Reaktion auf solche schweren Straftaten außer Kraft setzt. Dafür ist die RAF ehrlich gesagt nicht wichtig genug.

  • Dass die Medien Prozesse gern politisieren, heißt nicht, dass die Justiz da mitspielen sollte. Dieser Kommentar ist so ein wenig von dem Gedanken getragen, dass politische Straftäter eine Sonderbehandlung im positiven Sinne "verdienen" (wenn sie denn politisch in die richtige Richtung über die Stränge schlagen). Da das aber nicht ausgesprochen wird, liefert er aber nicht wirklich einen Grund dafür. Strafrecht hat hart aber fair zu sein. Anders ist ein so tiefer Eingriff in die Bürgerrechte nicht zu legitimieren - z. B. gegenüber Bankräubern, die sich vielleicht auch einreden, im Kampf gegen das "Schweinesystem" zu stehen, aber nicht so ein Brimborium darum machen. Ein gewisses Maß an Inkonsequenz wohnt so oder so jedem von Menschen geschaffenen System inne. Das heißt aber nicht, dass man das institutionalisieren und von Justitia erwarten solle, dann doch - im vermeintlich "richtigen" Moment - unter ihrer Augenbinde hervorzulinsen und das Schwert gegen einen Stuhlkreis und Früchtetee einzutauschen.

    • @Normalo:

      @Normalo



      Fein wäre es doch, eine positive, gewaltfreie Regierung zu haben, die im Sinne ihrer Bevölkerung / Wähler agieren würde, oder finden Sie nicht ?



      Vermutlich gäbe es dann viel, viel weniger Gewalt, n den Familien & auch auf den Straßen.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Ich kann ehrlich gesagt nur ahnen, worauf Sie immer mit Ihrer "gewalttätigen Regierung" hinauswollen und was Sie in diesem Zusamenhang mit "im Sinne Ihrer Bevölkerung" meinen: Ich höre immer nur "härteres Durchgreifen" als Forderung - natürlich je nach politischem Hintergrund gegen unterschiedliche Dinge und Leute. Nur wenn es um die höchst eigenen Anliegen und sozialschädlichen Neigungen geht, die genau NICHT repräsentativ für die Gesamtheit der Bevölkerung sind (und ja, da gehört auch vermeintlich "dem Interesse der Bevölkerung dienende" Übergriffigkeit zu), kommt plötzlich Sehnsucht nach dem harmlosen Nachtwächterstaat auf...



        Unser Staat hat richtigerweise das Gewaltmonopol im Land und wie es das einsetzt, wird von demokratischen Prozessen gesteuert. Dass die niemandem die Möglichkeit geben, seine höchstpersönliche Meinung zum offiziellen Staatsziel zu erheben, sondern auch der selbsterklärt kompetenste Durchblicker immer nur eine Stimme hat, liegt in der Natur dieses Konzeptes. Und ja, der Staat soll und darf auch von seinem Gewaltmonopol Gebrauch machen, wenn jemand das partout nicht einsehen möchte.

    • @Normalo:

      Sie bringen es hervorragend auf den Punkt.

      • @rero:

        @rero



        So ?



        Wohl eher auf den Nullpunkt...

  • "Kann es sein, dass der Staat mit dieser Methode jene Feinde mit erschafft, die er später verurteilen wird?" In den 70zigern war das so, gewiss. Aber heute? Es gibt keine Klima-RAF und es wird auch keine geben. Clandestine Strukturen tragen immer auch schon die Unterwanderung und den Verrat in sich und neue Technologien machen solche Strukturen ohnehin hinfällig. Außerdem hat wenigstens eine Seite hinzugelernt, nämlich die des Protestes. Konsequente Transparenz und Öffentlichkeit haben wesentlich mehr Kraft als Verschwörung. Und Empathie, auch mit den Umweltfrevlern, ebenfalls.

  • "Aber wann gibt es in Verfahren wegen Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter schusssichere Scheiben?"

    Ungefähr seit der Zeit, in der die Leutchen mit dieser Feldpostnummer die "Big Raushole" versuchten.

    Und "politischer Prozess"?

    Ich gehe davon aus, dass in einem Staat, den Frau Klette nicht ablehnt (wenn es denn einen solchen überhaupt gibt), sie ebenfalls wegen ganz ordinären Raub angeklagt werden würde.

  • Freiheit ist in einer Rechtsgemeinschaft immer konditioniert. Selbstprivilegien welche die Rechte anderer verletzen und sich über die gleiche Freiheit der anderen stellen sind autoritär und daher nicht aus Sicht der Verhältnismäßigkeit zu betrachten.

    Würde eine Gruppe "besorgter Bürger" ein Asylantenheim unter dem Vorwand blockieren das der Staat untätig sei und dazu noch das Gebäude beschädigen, so würde die Reaktion des Autors wahrscheinlich anders ausfallen und von "robusten zivilen Ungehorsam" wäre wohl nicht mehr die Rede. Der Sachverhalt wäre aber der gleiche wie bei den Klimaklebern.

    In diesem Sinne ist das Strafrecht entpolitisiert. Allenfalls werden politische Motive bei der Strafbemessung berücksichtigt, aber nicht in Hinblick auf die Bezugstat.

    Ob Klimakleber oder "besorgte Bürger", wer organisiert und systematisch Straftaten begeht fällt nunmal in den Bereich der Vorfeldkriminalisierung und dieser wird von § 129 StGB abgedeckt.

    • @Sam Spade:

      Absolute Zustimmung.

    • @Sam Spade:

      Das Motiv und der Sinn und Zweck einer Organisation ist ausschlaggebend.



      .



      Sind die Straftaten das eigentliche Ziel, ist es eine kriminelle Organisation.



      .



      Auch in dem von Ihnen genannten Beispiel wäre es Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, ev Volksverhetzung. Aber eben keine Gründung einer kriminellen Organisation.



      .



      Sonst wären ja auch die Proteste gegen Atomstrom bei denen der Transport des Mülls blockiert wurde, FEMEN, die Bauernproteste usw. alles "kriminelle Organisationen" gewesen.



      .



      § 129 StGB bezieht sich darüber hinaus explizit nur auf schwerwiegende Straftaten.



      .



      Schwere Körperverletzung, Raub, Brandstiftung, ...



      .



      Das beschmieren einer Glasscheibe mit Kartoffelbrei fällt nicht darunter.

      • @sociajizzm:

        Doch, die Vereinigung muss Straftaten begehen wollen, „die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren bedroht sind“ (so der Wortlaut von § 129 StGB). Dafür genügen auch Sachbeschädigungen (§ 303 StGB -> max. 2 Jahre) und Nötigungen (§ 240 Abs. 1 StGB -> max. 3 Jahre).

      • @sociajizzm:

        " Sonst wären ja auch die Proteste gegen Atomstrom bei denen der Transport des Mülls blockiert wurde, FEMEN, die Bauernproteste usw. alles "kriminelle Organisationen" gewesen."



        Nein, da fehlt jeweils etwas maßgebliches, nämlich die Organisationsstruktur. Das maßgebliche für eine kriminelle Organisation sind nämlich auch gefestigte organisatorische Strukturen, wie sie bei der Letzten Generation vorlagen, bei den anderen genannten Fällen jeweils nicht.

        • @Agarack:

          Wollen Sie sagen, die Bauernproteste waren die zufällige Ausfahrt und Straßenblockade durch hunderte von Traktoren ohne jede "gefestigte organisatorische Struktur", die das Ganze organisiert hat? Und waren das keine Nötigungen? Kein "gefährlicher Eingriff" in den Straßenverkehr, wenn Gülle auf der Fahrbahn zu Unfällen mit Verletzten führte, wie in Brandenburg? Nicht irgendwie als Aufforderung zu Straftaten zu verstehendes Aufstellen von Galgen mit daran hängenden grünen, roten und gelben Puppen, nur weil man die Ampelkoalition doof findet?







          Mal ganz abseits gesetzlicher Haarspalterei, hatten die Bauernproteste deutlich mehr an krimineller Aktivität entwickelt als blockierte Kreuzungen von ein paar Leuten, die sich ohne jede Machtmittel wie Traktoren und ohne egoistischen Eigennutz aber hohem eigenen Risiko auf die Straße geklebt haben.







          Aus meiner Sicht ziemlich dämlich und nervig, aber nicht kriminell im terroristischen Sinne, was auch immer Gerichte am Ende entscheiden.

          • @Sisone:

            Welche Bauernorganisation war es denn konkret, die zu dem Zweck gegründet wurde, diese Straftaten zu begehen und die aus Ihrer Sicht dementsprechend eine kriminelle Vereinigung darstellt?

            • @Agarack:

              Das Zitat auf das ich mich bezogen habe:



              "... Das maßgebliche für eine kriminelle Organisation sind nämlich auch gefestigte organisatorische Strukturen, wie sie bei der Letzten Generation vorlagen, bei den anderen genannten Fällen jeweils nicht..."

              Der DBV (Deutscher Bauernverband), der zu den Protesten aufgerufen hat, ist ganz sicher eine gefestigte organisatorische Struktur. Natürlich nicht zum Zweck gegründet, Straftaten zu begehen. Genauso wenig war es das Gründungsziel der "letzten Generation" war, kriminell zu werden.







              Der DBV versteht sich als politische Interessenvertretung der Bauern und ist mit Ihrer Protestform genauso über das Ziel hinausgeschossen, wie die letzte Generation, die sich mit dem Ziel der politischen Aufmerksamkeit für die Klimaziele und damit verbundenen Forderungen gegründet hat.



              Der Protest ist bei beiden Gruppen mit Blockaden ähnlich abgelaufen, allerdings deutlich gravierender in Umfang und Auswirkungen durch bundesweite Straßensperren mit Traktoren seitens der Bauern.







              Warum also sind die Proteste der Bauern rechtlich irgendwie akzeptabel und die der letzten Generation gleich terroristisch?

      • @sociajizzm:

        Aus dem Anwendungsbereich von § 129 StGB fallen alle Straftbestände bei denen die gesetzliche Höchststrafe unter zwei Jahren liegt.

        Einmal über den Strafrahmen informieren für beispielsweise Nötigung, gemeinschädliche Sachbeschädigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr oder auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

        Wenn der Zweck die systematische Begehung von organisierten Straftaten ist um das Ziel, die kommunikative Vermittlung von politischen Botschaften zu erreichen, dann dürften die Voraussetzungen wohl erfüllt sein. Diskussionswürdig wäre allenfalls die Frage, ob der Zweck nicht von untergeordneter Bedeutung ist. Das wiederum ist Auslegungssache.

      • @sociajizzm:

        "Das Motiv und der Sinn und Zweck einer Organisation ist ausschlaggebend."

        Nein sind sie nicht. Vor dem Gesetz wird zum Glück nicht nach Gesinnung geurteilt, sondern nach dem Recht.

        "Sind die Straftaten das eigentliche Ziel, ist es eine kriminelle Organisation."

        Auch das ist falsch. Jeder kann behaupten, dass er nur für die gute Sache agiert. Viele Mafiosi fahren Almosenstrategien. Al Capone hat Armenküchen finanziert, Escobar wird in SA von Vielen als Volksheld gefeiert.

        Zu "§ 129 StGB":

        "Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Vereinigung gründet oder sich an einer Vereinigung als Mitglied beteiligt, deren Zweck oder Tätigkeit auf die Begehung von Straftaten gerichtet ist, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren bedroht sind."



        Und natürlich gehts hier auch nicht um den Kartoffelbrei. Da waren Hunderte Verkehrsblockaden, Aktionen auf Flughäfen und Manipulation von Pipelines. Es ist genauso populistisch, die harmloseste Aktion als Aufhänger zu nutzen, wie die LG in die Nähe von Terroristen zu stecken.



        Für mich wird sie allerseits in jeder Hinsicht überbewertet und natürlich sind das keine Schwerkriminellen.

  • Klette ist eine ganz gewöhnliche Kriminelle, die ihre Taten politisch- moralisch unterfüttert. Und als solche behandelt worden. Die Verharmlosung durch den Bezug zur Letzten Generation u.A. ist perfide und steht in der Tradition der Verklärung der RAF durch das saturierte linke Bildungsbürgertum.

    • @mumba:

      "Verklärung der RAF durch das saturierte linke Bildungsbürgertum"?



      Wer schreibt oder denkt denn einen solchen Unsinn? Offensichtlich jemand, der sich an die Zeit der ersten beiden RAF-Generationen und deren Anschläge und Morde nicht erinnern kann.

    • @mumba:

      Exakt DAS!

    • @mumba:

      Dann sollten doch endlich auch die Cum-ex-Verfahren von diesem Gericht beurteilt werden?

      • @Sonnenhaus:

        Wieviel Whataboutism passt unter diesen Artikel in die Kommentare? Antwort Sonnenhaus: „JA!“

    • @mumba:

      "Ein kluger Weg wäre eine Wahrheitskommission gewesen – Aussage gegen Straffreiheit." - und da fehlen noch ein paar Informationen über die damaligen Vorgänge bei der RAF-Auflösung - man hätte RAF-Aufklärung haben und gleichzeitig den Abgang der Beteiligten in den Untergrund verhindern können - was die "Bandenkriminalität" zur Finanzierung dieser Art des Überlebens überflüssig gemacht hätte. Ist alles lange her, aber über die Fehler der Behörden und Gerichte wird gern und viel geschwiegen. Deshalb wird es auch immer noch mehr davon geben, z. B. im Vorgehen gegen Klimaaktivisten, die dann auch als gewöhnliche Kriminelle aus den Prozessen herausgehen, während wirkliche Demokratiefeinde bestätigt und ermutigt werden.

      • @Christine_Winterabend:

        "man hätte RAF-Aufklärung haben ... können". Hätte man das wirklich?

        "RAF-Aufklärung" hätte aus meiner Sicht zwingend die Nennung der Mörder von Braunmühls und Rohweders bedeuten müssen, und zwar ohne wenn und aber. Mord ist Mord!

        Glauben Sie wirklich, die RAFler und ihr Umfeld wären damals dazu bereit gewesen, wo man sich doch seit über 50 Jahren nicht dazu "durchringen" kann, zu sagen, wer Schleyer erschossen hat?

        Es wäre schön, wenn ich mich da irre, weil es ein Zeichen der Einsicht und der Vernunft auf Seiten der Täter gewesen wäre, und ich lasse mich da gerne von Ihnen korrigieren.

        Aber angesichts der Tatsache, dass Frau Klette über Jahrzehnte von ihrer "Szene" geschützt worden ist, und ihre zwei Spießgesellen sich dieser falsch verstandenen "Solidarität" noch heute erfreuen, habe ich da meine Zweifel.

        • @ PeWi:

          Moment mal, ich habe den Artikel zitiert. Aber, soweit ich weiß, sind entsprechende Angebote damals wirklich ausgeschlagen worden, was mit zu der heutigen Situation geführt hat. Dazu hätte ich gern mehr Informationen gehabt.



          Mein Beitrag war eine Antwort auf @mumbas Persönlichkeitseinschätzung von Klette, von der ich bezweifle, dass sie sich auf Wissen irgendwelcher Art gründet. Was ich glaube, steht hier überhaupt nicht zur Debatte, und ich werde mich auch nicht dafür entschuldigen, dass ich ein Gedächtnis habe.

          • @Christine_Winterabend:

            Wo habe ich von Ihnen eine Entschuldigung verlangt? Nirgendwo, und so etwas stünde mir auch gar nicht zu. Sollte dieser Eindruck bei Ihnen entstanden sein, bitte ich um Entschuldigung, denn das war nicht meine Absicht.

            Mehr Informationen wären gut, eventuell könnte die Redaktion da etwas beitragen.

            Aber bis dahin bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass ich starke Zweifel habe, dass die RAFler bereit gewesen wären und sind (?), hier dem "System", das sie doch so vehement ablehnen, mit Informationen über ihren Verbrechen entgegenzukommen.

            "Wahrheitskomissionen", die nur die Täter vor Strafe bewahren, die dann nicht mehr als ein "Würden-wir-heute-nicht-mehr-so-machen-Geständnis" zuliefern haben, während man ansonsten in Kritik an tatsächlich oder gefühlt übergriffigen Maßnahmen des Staates schwelgt, können es nicht sein.

            Die RAFler waren die Täter, nicht Polizei und Gerichte. Da habe ich nun wieder ein Gedächtnis.

            • @ PeWi:

              Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Gedächtnis. Ich wiederum kann mich nicht erinnern behauptet zu haben, dass die Polizei oder die Gerichte die Täter gewesen wären.

  • "Kann es sein, dass der Staat mit dieser Methode jene Feinde mit erschafft, die er später verurteilen wird?"



    Sehr schlaue These zum Ende.



    Gut möglich das es so ist - oder noch so kommt, auch wenn der Klimabewegung aktuell ziemlich der Wind fehlt...



    Wobei ich die Einordnung als "robuster ziviler Ungehorsam" für ein bewusstes Herunterspielen halte, weil es ist schon ein deutlicher Unterschied, ob ich Castorzüge blockiere, was das öffentliche Leben unberührt lässt, oder über Monate den Feierabendverkehr in Berlin lahmlege und Tausenden täglich den Feierabend versaue oder mit Fahrradfahrten auf Startbahnen Zehntausenden den teuren Jahresurlaub vermiese, weil dass das öffentliche Leben massiv stört.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Die gestressten Leistungsträger könnten ja in ihrem Urlaub ebenfalls eine Radtour machen!

      • @Rufus:

        @Rufus



        Gute Überlegung - mit der Radtour jetze, aber was viele Leutz unter Urlaub machen, beigebracht bekommen haben, hat soviel mit Urlaub zu tun, wie ein Schweinebraten mit Vegetariern...😉

      • @Rufus:

        Genau DIESE Überheblichkeit macht die Aktivisten so unbeliebt.



        Danke für ihren Kommentar, wirklich.



        Familien kämpfen das ganze Jahr mit Kosten, Alltag und Stress, wollen einmal im Jahr 14 Tage am Strand liegen und abschalten - und genau DAS zerstören die Aktivisten.



        Und dann noch süffisant, "sollen sie halt mit dem Fahrrad in Urlaub..."



        Dass da 85% die LG zum 🤮 gefunden haben ist logisch.



        Wieso wurde sich nicht täglich vor die Parkplätze des RWE Vorstands geklebt?



        Oder vor die Zufahrt des Bundestags?



        Die richtigen Adressaten. Stattdessen Selbstdarstellung auf der Kreuzung. Bravo.

      • @Rufus:

        Nicht nur "gestresste Leistungsträger" machen Urlaub. Da gibt es auch ganz normale, "kleine" Leute (zu denen ich gehöre, deshalb erlaube ich mir diese Bezeichnung), die Jahre auf einen Urlaub sparen.

      • @Rufus:

        Oder gelangweilte Aktivisten bauen unter Aufsicht Kugelschreiber zusammen…..

  • Hier stand nicht die RAF-Mitgliedschaft zur Anklage, sondern stinknormale Bandenkriminalität. Und das ist auch gut so.

    • @PeterArt:

      Ja, das ist absolut gut so, nur der falsche Ort mit der historischen Terror-Schere der Justitz im Kopf. Schade eigentlich. Aber in der Justitz arbeiten ganz normale Menschen, die täglich ihre Fehler auf Kosten anderer machen.

      • @Sonnenhaus:

        Nein. Die Einzigen, die aus diesem Prozess eine politischen machen wollten waren die Angeklagte und ihre Sympathisant:innen. Das Gericht hat wieder und wieder klargestellt, dass es hier allein um bewaffneten Raub, gefährliche Körperverletzung und versuchten Mord geht.

  • Das copyright am "Gerede" über die Entstehung einer Klima RAF hat nicht der CSU-Politiker Alexander Dobrindt, sondern der Klimaaktivist Tadzio Müller, der vorher im Spiegel mit einer grünen RAF geliebäugelt hatte. Wieso das im Artikel unter den Tisch fällt, verstehe ich nicht. Dobrindt hat im übrigen die Klimaaktivisten nicht mit der RAF verglichen, er hat vor der Entstehung einer neuen RAF gewarnt.

  • Mit der absurden Gleichsetzung von Klimaaktivisten und der RAF wird ein geschichtsvergessener Diskurs bedient, der den Blick auf die wahre Gefahr verstellt. Der aktuelle Prozess gegen die Ex-Terroristin Daniela Klette führt uns die historische Realität der RAF drastisch vor Augen: brutale Raubüberfälle, schwerste Waffenfunde und jahrzehntelanger, bewaffneter Untergrund. Wer angesichts dessen friedlichen, wenn auch störenden zivilen Ungehorsam für den Klimaschutz in die Nähe des Linksterrorismus rückt, verharmlost die Morde der RAF und betreibt bewusste politische Hetze.



    ​Gleichzeitig erleben wir ein fatales Staatsversagen auf dem rechten Auge. Während friedliche Aktivisten kriminalisiert werden, sitzen Verfassungsfeinde in den Parlamenten. Wo bleiben eigentlich die bundesweiten Fahndungsplakate gegen die Köpfe der rechtsextremen Netzwerke? Warum gibt es keine Großfahndung nach den Strukturen einer „Braunen Armee Fraktion“, die längst den Umsturz plant? Diese Asymmetrie schützt die Falschen.

    • @amigo:

      Volle Zustimmung.

  • "Aber wann gibt es in Verfahren wegen Überfällen auf Supermärkte und Geldtransporter schusssichere Scheiben?"

    Wir leben in Zeiten, wo jeder Weihnachtsmarkt Betonsperren haben muss und Kinder in der Grundschule Amokübungen machen.

    Da erscheinen schusssichere Glasscheiben im Prozesse gegen gewaltbereite Teorristin nicht absurd.

    Selbst wenn es nur um bewaffnete Banküberfälle und Bombenanschläge geht.

    ( Habe ich wirklich "nur" geschrieben?)

    Genug Sympathisanten hat sie ja.

    Außerdem könnte es zu Tötungsversuchen als solidarische Handlungen kommen.

    Würde man der Justiz ebenfalls vorwerfen.

    Und die " unverständliche Entschlossenheit" macht man an den Sicherheitsmaßnahmen fest?

    Überzeugt mich nicht so.

    Ich finde ja nicht, dass man immer alles in einen Topf schmeißen muss.

    Aber Assoziationen drängen sich mir auf:

    War es auch unversöhnliche Entschlossenheit des Staates, als Frauen mit über 90 Jahren verurteilt wurden für Taten, die sie mit rund 20 Jahren bis 1945 begangen hatten und für deren Strafbarkeit extra Gesetze geändert werden mussten?

    Ich frage nur mal so.

    • @rero:

      Sie wollen hier ernsthaft den Massenmord durch Nazideutsche bagatellisieren?

      • @amigo:

        Ist etwas dünn als Gegenargument.

        Den Massenmord durch Nazideutschland habe ich nicht zum Thema.

        Es geht um die juristische Ahndung von Verbrechen und unterschiedliche Maßstäbe, die an die Arbeit der Justiz bei deren Ahndung angelegt werden.

        Es gibt gute Gründe, Leute, die im KZ nur Büroarbeit ohne Entscheidungsbefugnis gemacht haben, nach rund 70 Jahren zu verurteilen.

        Nur kann ich dann nicht mit "Schwamm drüber!" um die Ecke kommen, wenn es um politisch motivierte Verbrechen geht, deren Verjährung noch nicht eingetreten ist bzw. noch geprüft wird und wo die Täterin deutlich aktiver beteiligt war als durch Büroarbeit.

      • @amigo:

        Look, “Hab ich wirklich “nur“ geschrieben?…“



        Sie merken auch diesmal zum xten -



        Weiß er nicht immer was er da grad aufs Papier hustet, Newahr



        Bei seiner KZ/Nazi-Suade fiel mir allerdings echt der Kinnladen runter •

  • Wer die Klimaaktivisten als Klima-RAF bezeichnet, verniedlicht die Taten der RAF im nachhinein.



    Mich erinnert das an die Gleichsetzung der Naziverbrechen mit zum Beispiel kolonialen Verbrechen oder Völkermorden.



    Nein, der Holocaust war beispiellos.



    Und ebenso wenig darf man die RAF-Terroristen mit kartoffelbreiwerfenden Aktivisten gleichzusetzen.