piwik no script img

Kabinett beschließt ZuckerabgabeWeniger „Durstlöscher“, mehr Gesundheit

Kommentar von

Jost Maurin

Wenn Getränke mit viel Zucker mehr kosten, werden sie weniger getrunken und die Gesundheit profitiert. Wer das bezweifelt, macht sich unglaubwürdig.

D er Beschluss der Bundesregierung für eine Abgabe auf mit Zucker gesüßte Getränke ist ein Schritt in die richtige Richtung. Falls Schwarz-Rot nun ein ambitioniertes Gesetz dazu beschließt, wird er die Gesundheit vieler Menschen verbessern. Modellrechnungen prognostizieren zum Beispiel mehrere Tausend weniger neue Fälle von Typ-2-Diabetes pro Jahr.

Limonaden werden oft als unproblematischer „Durstlöscher“ wahrgenommen, obwohl schon eine Flasche ein Vielfaches der empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten kann. So nehmen gerade Minderjährige unbewusst zu viel des sehr kalorienreichen Stoffes auf.

Umso hilfloser wirken die Einwände der Lebensmittelbranche. Sie behauptet auf Grundlage eines von ihr beauftragten Gutachtens immer noch, es sei nicht „wissenschaftlich belastbar“ belegt, dass eine Zuckersteuer die gewünschten Effekte bringen würde. Aber damit stehen die Zuckerprofiteure ziemlich allein. Die Weltgesundheitsorganisation, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Bundesärztekammer und viele andere Institutionen – sie alle haben sich positiv über eine Abgabe auf Süßgetränke geäußert.

Schließlich zeigen immer mehr Studien, dass solche Steuern den Anstieg von Übergewicht in der Bevölkerung bremsen. Mehr als 100 Länder haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Wenn mit Zucker gesüßte Limonaden teurer werden, dann werden sie auch weniger gekauft. Wenn der Staat wie in Großbritannien von den Herstellern auf höhere Zuckergehalte höhere Steuern verlangt, dann senkt die Industrie den Zuckeranteil. Die Konsumenten müssen dann auch kaum mehr bezahlen. Dass die Zuckerbranche diese Logik bezweifelt, erinnert an die Tabakindustrie, die durch Desinformationskampagnen strengere Regeln für die eindeutig gesundheitsschädliche Zigarette verhindern wollte.

Es stimmt auch nicht, dass die Getränkehersteller die Zuckerbelastung freiwillig genügend reduziert hätten. Das bundeseigene Max-Rubner-Institut für Lebensmittelforschung hat festgestellt: Zum Beispiel von 2018 zu 2024 gab es bei den gesüßten Erfrischungsgetränken insgesamt „keine statistisch signifikante Veränderung“.

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 360 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
Mehr zum Thema

45 Kommentare

 / 
  • Aber ginge das nicht zulasten der Armen, genau wie beim Rauchen??



    taz.de/Tabaksteuer...Aermeren/!6174989/

    Ist natürlich nur ein Spaß der Artikel hat völlig Recht.

    • @PartyChampignons:

      Es ist eben leichter, unten Geld zu holen als oben. Passt zu Familienversicherung, Ehegattensplitting und der Luftnummer "Reichensteuer".

  • Villeicht gehöre ich einer exotischen Minderheit an aber ich kann lesen was auf dem Etikett steht und ich kann selbstständig denken und handeln. Der rest sollte selbsterklärend sein, daher halte ich eine Zuckersteuer für unnötig. Man sollte die Menschen lieber zum selber denken animieren und nicht immer bevormunden. In meinen Augen ist das nur wieder ein versuch den Leuten mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Besonders unter dem Aspekt das es keine Zweckbindung für Steuern gibt und das Geld irgendwie versickern wird. Würde das Geld in die Krankenkassen fließen könnte man einen positiven nutzen ableiten, das wird aber nicht passieren.

  • Cem Özdemirs Idee für ein Kinder-Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel wäre eine perfekte Ergänzung zur Zuckerabgabe. Oder kann man Werbung dieser Art nicht auch mit einer Zusatzabgabe belegen?

    • @VivaHamburgo:

      Sollten da die Eltern nicht Aufklärungsarbeit leisten und den Kindern erklären was gesund ist und was nicht? In der heutigen Zeit wird den Leuten viel zu viel Denkarbeit abgenommen.

      • @My2cents:

        Die Eltern werden mit Sicherheit nicht gegen die Profi-Werbung ankommen, die von der Industrie lanciert wird. Nicht umsonst wird diese Werbung mit Hilfe von Psychologen effektiv gestaltet - dagegen haben weder Erwachsene und schon gar nicht Kinder den Hauch einer Chance.

  • Ein kleiner und längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Diese zuckerhaltigen Getränke sind für Millionen von Kindern die Einstiegsdroge in eine gesundheitszerstörende Adipositaskarriere.



    Dringend notwendig sind auch Massnahmen gegen hochverarbeitete Lebensmittel. Diese sind auf ihre Suchtwirkung hin optimiert wie Zigaretten.



    Und so gehören Sie eigentlich auch behandelt. Werbung dafür muss verboten werden und auf jede Packung gehört ein Warnhinweis.



    Wir brauchen außerdem dringend ein Schulfach Gesundheit. Dort könnten Kinder zum Beispiel lernen und üben, wie man leckeres und gesundes Essen aus (preiswerten) Grundnahrungsmitteln selbst zubereitet. Die allerwenigsten lernen so etwas zu Hause.

    • @Der Anfang:

      Falls das Kabinett sich da wirklich etwas trauen sollte, bin ich gespannt, wie schnell Coca-Cola und Co. es davon überzeugen, dass es doch keine so gut Idee ist.

      Schulfach Gesundheit: Das müsste so organisiert sein, dass das Gelernte nicht beim Verlassen des Klassenraumes, spätestens nach dem nächsten Test wieder gelöscht wird.



      Zur Zeit ist es an vielen Schulen leichter, Zuckerbomben zu kaufen anstatt deren Schädlichkeit erklärt zu bekommen.

      Und über das größte Problem - die Eltern - habe ich bisher noch gar nichts gelesen.

      Auf die Gefahr hin, in die bewusste Ecke geschoben zu werden: Für viele adipöse Kinder und Jugendliche ist das Zuckerfest der Höhepunkt des Jahres.

    • @Der Anfang:

      Die Schule war nie eine Einrichtung für Kinder aus Schichten, die sich Hauslehrer und Privatunterricht leisten können. Als Folge von Reformation und Aufklärung sollten erstmals alle, nicht mehr nur eine privilegierte Elite, an quantitatives Denken und Verständnis und an die Geisteswelt der Bücher herangeführt werden.



      Das wurde naturgemäß von Anfang an unterlaufen und die Erziehung zum Gehorsam und der Unterordnung in den Vordergrund gestellt. Ideen wie Ihre, die als völlige Umgestaltung der Schule gerade groß in Mode sind und alles "schwere" und anspruchsvolle abschaffen wollen, reihen sich wunderbar in eben diese zweite Tradition.

  • Ich bin froh das diese Änderung endlich kommt und hoffe das auch Hersteller andere Lebensmittel irgendwann angefasst werden.



    Wir haben Diabetiker in der Familie und achten extrem auf die Inhaltsangaben. Da ist man schon immer wieder überrascht wo alles der Füllstoff Zucker reingepackt wird.

    • @Welt Bürger:

      Ganz genau. Dieses große Bruhaha um Zuckerlimos allein ist reine Ablenkung vom wirklichen Problem.

  • Das Problem ist die Gewöhnung an zu viel Süße in der Nahrung und die Annahme, dass z.B. Kindertee süß schmecken müsse, um den Kleinen etwas Gutes zu tun. Diese Annahme wird durch Werbung für süße Snacks befeuert, mit denen man sich angeblich den Tag versüßt. Dabei wird nicht erwähnt, dass ständiger Zuckerkonsum massiv die Gesundheit ruiniert: Angefangen bei Karies, über "Kofaktor" bei Entzündungen bis zur Verkürzung des Lebens.



    Die Zuckerlobby ist mächtig und darum tut das Gesetz not, allen Einwänden ggn. Süßsstoff zu Trotz. Es ist ein Anfang. Und nur Dauernörgler erwarten vom ersten Wurf einen perfekten Wurf. Denen rate ich, mal an ihren Erwartungen zu arbeiten, wenn sie Teil der Lösung sein wollen.



    Und die Zuckerlobby hat die Süßstoffe immer schlecht geredet. Da könnte in der Bevölkerung mehr Bewusstsein entstanden sein, hoffe ich ...

  • Sehr gut! An alle Zweifler: Zuckerersatzstoffe sind nachweislich deutlich weniger schädlich als Zucker. Recherchiert selber über den wissenschaftlichen Stand, wenn ihr es nicht glaubt statt hier zu kommentieren.

    • @GrundgesetzFanboy:

      Ich schreibe das hier im Auftrag meiner Frau, die als Kardiologin darauf hinweisen möchte, das Zuckerersatzstoffe gerade für Diabetiker und Menschen mit Herz Kreislauf Schwäche hohe Gesundheitsgefährdungen bergen.

      Forschungen u.a. des Deutschen Herzzentrum der Charité in Berlin haben erwiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zuckerersatzstoffen und kardiovaskulären Ereignissen gibt.

      Der Zuckerersatzstoff Xylit wird oft in Lightprodukten verwendet. Wie Studien aufzeigten erhöhte sich das Risiko für schwere kardinale Ereignisse bei Patienten die hohe Xylit Werte im Blut aufwiesen um 60%, was zu einem signifikanteren Anstieg von Herz- und Schlaganfällen führte als bei denjenigen mit einer niedrigen Xylit-Konzentration im Blut. Auch bei herzgesunden Menschen konnte nachgewiesen werden, dass Xylit prothrombotisch ist.

      Gleiches gilt für den Zuckeraustauschstoff Erythrit der u.a in Softdrinks enthalten ist. Auch Erythrit ist stark gerinungsfördernd. Beide Stoffe wirken sich auf die Blutplättchen aus und machen sie reaktiver, das fördert die Entstehung von Blutgerinnseln die wiederum Herzkranzgefäße verschließen.

      Die WHO empfiehlt keine Süßstoffe zu verwenden.

    • @GrundgesetzFanboy:

      Woraus schließen Sie so absolut, dass die Kommentierenden nicht recherchiert haben und so zu ihrer Einschätzung gelangt sind?

    • @GrundgesetzFanboy:

      Sie zu gebrauchen wird dennoch nicht angeraten, oder?



      Weil sie an süßen Geschmack gewöhnen, weil sie in der Regel das Insulin beeinflussen, ...

  • Typisch hier tut man so, als wenn das Rad neu erfunden werden muss!

    Eine Zuckersteuer ist zu begrüßen, aber typisch nicht intelligent genug, denn es geht an den Problem vorbei. Asien war schon immer viel weiter als wir, dort wird alles mit Stevia ( Süsskraut ) gesüßt, Stevia ist natürlich und es hat keinerlei Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, es verursacht auch keine Karies. Wieso bei uns Stevia nicht in großen Umfang aus der gesundheitlichen Perspektive heraus eingesetzt wird ist klar es geht um viel Geld, Zuckerbarone und die Lebensmittelindustrie haben bis jetzt was dagegen gehabt.

    Zucker ist in über der Hälfte aller verarbeiteten Lebensmittel enthalten, da er als günstiger Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel, Volumen- und Bräunungsmittel dient. Die Lebensmittelindustrie nutzt ihn oft in herzhaften Produkten (Tiefkühlpizza, Saucen) und überdeckt hohe Anteile in Produkten für Kinder durch "versteckte" Bezeichnungen.

    • @taz.manien:

      Ihre Vorstellung greift etwas zu kurz:



      1. die eigentliche Antwort geben Sie selbst. Der Zucker ist billig.



      2. Nein, mit Stevia wird nicht alles gut. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bereits der bloße süße Geschmack bereits Auswirkungen auf die Insulinsekretion und die Aktivierung von Hormonen, die das Hungergefühl stärken, hat.



      cfcdn.aerzteblatt....f/115/49/a2294.pdf

      Wir müssen also weg vom süßen Geschmack. Bloßes Bashen von einzelnen Marktakteuren greift zu kurz.

      • @Ringsle:

        Vielen Dank für den Link, ich habe den Artikel sehr aufmerksam gelesen, in diesen Artikel geht es um künstlichen Süßstoff der das Darmmikrobiom verändert sprich die Darmflora und daraus resutierend eine Insulin Toleranz verursacht!

        Studien deuten darauf hin, dass Stevia die Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiom) verändern kann. Während einige Hinweise auf mögliche Störungen des bakteriellen Gleichgewichts bei hoher Aufnahme hinweisen, zeigen andere Untersuchungen neutrale oder teils positive, probiotische Effekte. Die Auswirkungen sind noch nicht abschließend geklärt.

        Da Stevia eine Pflanze ist gehe ich schon im Vorfeld davon aus das es definitiv besser ist als ein künstlich erzeugter Stoff! Wie immer macht die Menge das Gift, wenn man unbedingt süß genießen möchte, dann setze ich definitiv auf die Natur, zumal Stevia keine Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel hat und auch Karies verursachen kann!

        • @taz.manien:

          "Wie immer macht die Menge das Gift, wenn man unbedingt süß genießen möchte, dann setze ich definitiv auf die Natur"

          Dann bleiben sie lieber beim Haushaltszucker z. B. braunen Rohrzucker oder süssen mit Honig.

          Stevia basiert auf pflanzlicher Basis, wie Xylit (E 967) auch, wird aber stark verarbeitet zu Steviolglykosid (E 960). Die Pflanze selbst ist in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen.

          Stevia ist möglicherweise die bessere Alternative zu künstlichen Süßstoffen wie Aspartam (E 951) oder Sucralose (E 955), aber die Langzeitauswirkungen sind hier bisher nicht hinlänglich erforscht. Als gesündere Alternative zu Haushaltszucker kann sie daher definitiv nicht bezeichnet werden.

          Studien legen jedoch nahe das Zuckeraustauschstoffe wie auch Süßstoffe negative Auswirkungen auf die Darmflora, das Herz Kreislauf System und auf die Gehirnaktivitäten (Hypothalamus) haben.

          Die Risiken von Haushaltszucker sind hingegen gut erforscht und für jeden nachvollziehbar. Nach diesen Faktoren sollte der Konsum ausgerichtet werden und nicht zwanghaft nach vermeintlich gesünderen Alternativen gesucht werden, seien sie künstlich oder pflanzlich.

          • @Sam Spade:

            Sie haben bestimmt von Lobbyismus der im Hintergrund läuft noch nichts gehört, könnte ich Wetten! Wer Glauben Sie lobbyiert fortwährend gegen die Zulassung von Stevia als Lebensmittel auf EU Ebene, ich brauche das hoffentlich nicht weiter auszuführen! Es geht mir nur die alternative aufzuzeigen, die den wenigsten Schaden verursacht wenn überhaupt, deswegen schrieb ich, die Menge Macht das Gift! Der Überkonsum von Stevia ist genauso ungesund wie der Überkonsum von Wasser, richtig gelesen, man kann sich selbst auch mit den Überkonsum von Trinkwasser vergiften.

  • Ist es nicht witzig? Auf derselben Seite steht direkt daneben der Kommentar von Prof. Engelmann (!6174989). Alle dort genannten Argumente gelten hier hier ganz genauso, oder genauer noch weit mehr. Tabak kostet in jeder Form mehr oder weniger genau dasselbe. Die Getränke der Ärmsten, die außer Wasser und Zucker nur noch ein wenig künstliches Aroma und Farbstoff enthalten, werden massiv verteuert. Bei genau demselben Zuckergehalt macht der Aufschlag bei den angesagten Flaschen mit Ökolabel der typischen Tazleser relativ weit weniger aus. Da wo es richtig demonstrativ teuer wird, Status anzeigt und derselbe Zucker einfach nur anders heißt, Dattelsirup oder Frucht"konzentrat" oder so, bleibt es vermutlich gleich ganz steuerfrei.



    Und mit dem vorgeschobenen Gesundheitsargument fühlen sich die bevormundenden Nutznießer wohl auch noch richtig gut dabei.

    • @Axel Berger:

      Dass die "Zuckerlobby" eine andere Meinung hat, sollte niemenden überraschen und dürfte kaum von Relevanz sein. Die Kritik an der Zuckersteuer liegt darin, dass sie im Zuge einer Gesundheitsreform und fehlendem Geld in den Kassen vorgeschlagen wird, mit dem Argument den Menschen so zu mehr Gesundheit zu verhelfen. Obwohl man in Wirklichkeit nur mehr Geld in den Kassen braucht.



      Aber es trifft eben dann auch nur diejenigen, denen es im Geldbeutel weh tut. Genau wie beim Rauchen und allen anderen Konsumgütern. Wer genügend hat, der wird sich auch weiter ungesund ernähren, wenn er will.



      Wenn es wirklich um die allgemeine Gesundheit ginge, könnte man auch einfach bzw. im gleichen Atemzug die Mehrwertsteuer für gesunde Lebensmittel senken. Komischweise lese ich das in den einschlägigen Artikeln hier nirgendwo.

  • Danke für diese klare Positionierung!



    Es ist erholsam, dass nicht gleich jede staatliche Initiative schlecht geredet wird.



    Menschen weniger Zucker schmackhaft zu machen finde ich auch sinnvoll.



    Wenn dabei außerdem Geld für das Gesundheitssystem herausspringt, ist es ein doppelter Gewinn für die Gesellschaft.

  • Limonaden kann man hierzulande locker mit weiteren 3 Teilen Wasser verdünnen, so übersüß sind sie häufig.



    Schade nur, dass das gewonnene Geld für ähnlich ungesunden Benzinverbrauch vergeudet wird.

    • @Janix:

      Zu 1: Das wird einem zeitgemäß geprägten Geschmack nicht reichen.



      Zu 2: Wofür wohl sonst......

  • Wo ist hier die Erfolgsstory? Zucker wird gegen Aspartam ausgetauscht. Da wird nichts gesenkt sondern ausgetauscht. Ungesund gegen ungesund ergibt nicht gleich gesund.

    Die Einführung einer für sich stehenden Zuckersteuer ist kein Konzept für mehr Gesundheit sondern für soziale Ungerechtigkeit.

    Eine begleitende wie vorbeugende Maßnahme wäre die Steuern auf gesunde Lebensmittel wie Gemüse oder Mineralwasser abzuschaffen. Davon würden besonders sozial schwächere profitieren.

    An dieser Stelle bringe ich einen Einwand meiner Frau ein, die als Kardiologin darauf hinweist, das zum einen Zucker nicht gleich Zucker ist und das zum anderen ein erhöhter Zuckerkonsum ein gruppenbezogenes aber kein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt.

    Im Gegensatz zum Salz und Alkoholkonsum. Die beiden Haupttreiber für Bluthochdruck und Verursacher der meisten Herz-Kreislaufkrankheiten in Bezug auf Ernährung.

    Wer von Prävention spricht, muss daher nicht nur den Fokus auf Cola & Co sondern auch auf Bier und Kartoffelchips richten, ansonsten wird es unglaubwürdig.

    Und für den Autor sei angemerkt, Übergewicht per se ist kein Maßstab für eine ungesunde Lebensweise im Gegensatz zur Fettleibigkeit.

    • @Sam Spade:

      Stimme absolut zu das im gleichen Moment die Steuern auf Gemüse, Hafer und Co. runter müssten um sie als die billigere bessere alternative zu geben. Damit eben endlich das Umdenken bei den Leuten passiert uns sie wieder Gesund einkaufen

      • @Welt Bürger:

        Ein schönes Wunschdenken. Willkommen in der Essensdiktatur. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn sich manche Menschen gesünder ernähren würden bzw könnten. Aber ob eine Hafermilch wirklich schmackhafter ist als ein gesüßter Früchtetee? Und bevor ich mir so etwas ekelhaftes wie Hafer- oder KoKosmilch eingieße, verzichte ich lieber ganz oder trinke zur Not halt ein Glas Wasser.



        Aber gehen Sie doch mal in den Pausenverkauf einer Schule. Cola, Eistee, Donuts, Nussecken oder Schokoriegel. Und der Anbieter bei uns am Gymnasium ist eine Eltern- Schülerinitiative. Meine Schwester kriegt fast täglich einen Schreikrampf, wenn sie die Dosen mit Apfelstückchen oder Snack-Tomaten unangetastet mittags wieder aus den Ranzen holt, und leeres Papier von Schokoriegel oder Gummibärchentüten. 5. und 9. Klasse. Da macht man als Elternteil gar nichts mehr.

    • @Sam Spade:

      Ruhigq Blur. Die Alkoholsteuer soll jaauch angehoben werden, hoffentlich landet das Geld dann auch im Gesundheitssystem. Ebenso müsste da auch die höhere Tabaksteuer landen, schließlich müssen im Gesundheitswesen die Leiden durch Alkohol und Tabakkonsum gelindert werden. Da stellt sich nur die Frage wie man den höheren nun legalen Cannabis Konsum besteuert. Dieser wurde ja gerade durch die Ampel angekurbelt. Wie kommt man da an lenkende und lindernde Abgaben?

  • Ich befürchte, daß die neuen Limos zwar weniger Zucker, aber dafür jede Menge künstliche Zuckerersatzstoffe enthalten und ebenso süß sind. Das verringert unmittelbar den Zuckerkonsum, verändert jedoch nicht die Sucht nach Zucker/Süßem bzw das Geschmacksempfinden, was an anderer Stelle nicht zu einem geringeren Zuckerverzehr führt.



    Ob der mengenweise Verzehr künstlicher Ersatzstoffe "gesünder" ist, bleibt fraglich.

    Die Lösung wäre eine Abgabe auf alle süßen Getränke, egal womit gesüßt.

    Wäre aber eine Umsatzeinbuße auch bei der Chemischen Industrie...

    honni soit qui mal y pense 😎

  • Die Lösung aller Probleme

    Man verteuert das Leben

    • @Todesfister:

      @Todesfinster



      Ihre Grundidee klingt auf den ersten Blick ganz plausibel, nur - wir könnten auch ersteinmall eine Luxussteuer einführen, Trüffel, Champagner, Kaviar, Autos der Luxusklasse ab 100.000 Euro, Motoryachten mit einer Luxussteuer von 40 % besteuern und wir könnten uns so viele Steuern des täglichen Bedarf der Bevölkerung sparen.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Strafsteuer für influencer , wegen der Schäden an der jugend



        Steuern auf jachten, wegen Umwelt



        Privatjet Kilometer Abgabe, wegen Umwelt



        Auto steuern ab 500 Ps , wegen Umwelt



        Straf steuern für PKW über 1500 kg, wegen Schäden an der Strasse

        Wenn man Champagner heute noch besteuert zur Finanzierung der Marine, sollte man tropenfrüchte besteuern wegen co2

  • Leider werden den Limonaden dann Zuckerersatzstoffe zugesetzt, von denen eben auch nicht klar ist, ob sie gesundheitsschädlich sind. Und geschmacklich ist es eben auch ein Unterschied.



    Desweiteren gibt es viel zu viele Lebensmittel mit reichlich Zucker, die nicht besteuert werden, z.B. Pudding, Joghurt etc.

  • Die Zuckersteuer begrüße ich sehr! War gerade in Norwegen. Dort sind Getränke, auch von bekannten Herstellern, nur halb so süß... wegen einer Art Zuckersteuer.



    Wenn die Einnahmen noch in weitere Präventionsmaßnahmen fließen, umso besser!

    • @Nudel:

      Ich hoffe, es hat ihnen in Norwegen gefallen und sie haben beim "Genuss" ihrer Softdrinks einmal einen Blick auf die Zutatenliste geworfen. Dann hätten sie gemerkt, das der Zucker durch Süßstoffe ersetzt wurde. Das die Softdrinks jetzt weniger süß schmecken dürfte eher der Einbildung geschuldet sein, sie schmecken jetzt halt anders.

      In Ländern wie Großbritannien ist der Konsum von Softdrinks seit Einführung der Zuckersteuer übrigens um über 10% gestiegen. Süßstoffe stehen nicht nur im Verdacht den Hunger zu steigern sondern auch das Verlangen nach süssem. Ob sie gesundheitlich überhaupt dem Zucker vorzuziehen sind ist in der Medizin noch umstritten.

      Bringt auch wieder eine soziale Komponente ins Spiel. Coca Cola Classic, Green Cola, Urge und Solo dominieren im wohlhabenden Norwegen den Markt. Alle mit 100% Zucker. Bei den Briten läuft es genau anders herum.

      Für Deutschland empfinde ich die Einführung der Zuckersteuer auf Softdrinks nicht als Erfolgsstory, solange Bier in den Supermärkten noch für ein Euro die Flasche angeboten wird. Für mich falsche Prioritätensetzung, da der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkoholkonsum um ein vielfaches höher liegt, als beim Zucker.

  • Und die böse Industrie wird den Zuckeranteil durch Zuckerersatzstoffe ersetzen, dann muss keine Zuckersteuer gezahlt werden, der Konsum bleibt hoch ( Hauptsache: süß), ob das dann gesünder ist, wage ich zu bezweifeln. Immerhin regen die Süßstoffe den Appetit an, was nicht auf eine Gewichtsreduktion hoffen läßt.

    • @mumba:

      Die 2018 in Großbritannien eingeführte Zuckersteuer (Soft Drinks Industry Levy) hat den Zuckerkonsum durch Getränke signifikant gesenkt.

      Der Zuckergehalt in Softdrinks sank um knapp ein Drittel, während die tägliche Zuckeraufnahme aus diesen Getränken bei Kindern und Erwachsenen deutlich zurückging. Viele Hersteller reduzierten den Zuckergehalt in ihren Produkten, um der Steuer zu entgehen.

      Wirkung und Ergebnisse seit 2018: Rückgang des Zuckergehalts: Hersteller haben den Zuckergehalt in Softdrinks um ca. 29 % bis über 30 % gesenkt, indem sie Rezepturen anpassten.

      Reduzierter Konsum: Studien zeigten, dass die tägliche Zuckeraufnahme aus Softdrinks bei Minderjährigen fast halbiert wurde (von 22 g auf 12 g). Bei Erwachsenen sank die Aufnahme von 15,3 g auf 10,0 g.



      Gesundheitliche Effekte: Analysen deuten auf einen Rückgang von Übergewicht und weniger Zahnbehandlungen (Karies) bei Kindern hin.

      Verlagerung auf zuckerfreie Alternativen: Der Verkauf von stark zuckerhaltigen Getränken (über 8 g Zucker/100 ml) ging stark zurück, während der Konsum zuckerarmer Produkte zunahm. Aufgrund des Erfolgs wird die Steuer ab 2026/2028 auf stark gezuckerte Milchmixgetränke ausgeweitet.

  • Das Ding ist halt, dass dann einfach ein Teil des Zuckers durch Süßstoffe ersetzt wird. Führt zu einer Reduktion von Karies, was ja schon mal toll ist, aber es gibt immer noch keinen wissenschaftlichen Konsens, was gesundheitliche Auswirkungen von Zuckerersatzstoffen angeht, und die Getränke werden nicht weniger süß, eher im Gegenteil…

  • Ähnlich wie die Tabaksteuer dürfte die Zuckersteuer die Armen stärker treffen als die Reichen. Ungerecht!!! So steht es zumindest aktuell in einem anderen taz Beitrag.

    Mir ist ein Staat hoch unsymphatisch, der mit tausenderlei Sondersteuern das private Verhalten erwachsener Bürger in ihm liebsame Richtungen drängen will.

    • @Querbeet:

      Die einzige Lösung der Regierung

      Man nehme noch mehr Geld von den Armen

  • Ernährung sollte ohnehin von marktwirtschaftlichen Einflüssen befreit werden. Firmen wie Nestlé schädigen bewusst die Gesundheit der Konsumenten während sie die Produzenten ausbeuten.

    • @Okti:

      @Okti: Wollen Sie ernsthaft staatliche Lebensmittelproduktion, staatliche Supermärkte, Metzger und Bäcker? Staatliche Landwirte? Wurde schon sehr oft ausprobiert mit mässigem Erfolg für Verbraucher und Umwelt. .

      • @ImNetz:

        Verstaatlichung ist eine der Möglichkeiten, aber sicher nicht die einzige.

        Aber mal abgesehen davon, denke ich nicht, dass es viel Sinn macht Sachen abzulehnen nur weil irgendwelche Diktaturen sie nach ihrem Gusto verdreht haben.