Kabinett beschließt Zuckerabgabe: Weniger „Durstlöscher“, mehr Gesundheit
Wenn Getränke mit viel Zucker mehr kosten, werden sie weniger getrunken und die Gesundheit profitiert. Wer das bezweifelt, macht sich unglaubwürdig.
D er Beschluss der Bundesregierung für eine Abgabe auf mit Zucker gesüßte Getränke ist ein Schritt in die richtige Richtung. Falls Schwarz-Rot nun ein ambitioniertes Gesetz dazu beschließt, wird er die Gesundheit vieler Menschen verbessern. Modellrechnungen prognostizieren zum Beispiel mehrere Tausend weniger neue Fälle von Typ-2-Diabetes pro Jahr.
Limonaden werden oft als unproblematischer „Durstlöscher“ wahrgenommen, obwohl schon eine Flasche ein Vielfaches der empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten kann. So nehmen gerade Minderjährige unbewusst zu viel des sehr kalorienreichen Stoffes auf.
Umso hilfloser wirken die Einwände der Lebensmittelbranche. Sie behauptet auf Grundlage eines von ihr beauftragten Gutachtens immer noch, es sei nicht „wissenschaftlich belastbar“ belegt, dass eine Zuckersteuer die gewünschten Effekte bringen würde. Aber damit stehen die Zuckerprofiteure ziemlich allein. Die Weltgesundheitsorganisation, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Bundesärztekammer und viele andere Institutionen – sie alle haben sich positiv über eine Abgabe auf Süßgetränke geäußert.
Schließlich zeigen immer mehr Studien, dass solche Steuern den Anstieg von Übergewicht in der Bevölkerung bremsen. Mehr als 100 Länder haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Wenn mit Zucker gesüßte Limonaden teurer werden, dann werden sie auch weniger gekauft. Wenn der Staat wie in Großbritannien von den Herstellern auf höhere Zuckergehalte höhere Steuern verlangt, dann senkt die Industrie den Zuckeranteil. Die Konsumenten müssen dann auch kaum mehr bezahlen. Dass die Zuckerbranche diese Logik bezweifelt, erinnert an die Tabakindustrie, die durch Desinformationskampagnen strengere Regeln für die eindeutig gesundheitsschädliche Zigarette verhindern wollte.
Es stimmt auch nicht, dass die Getränkehersteller die Zuckerbelastung freiwillig genügend reduziert hätten. Das bundeseigene Max-Rubner-Institut für Lebensmittelforschung hat festgestellt: Zum Beispiel von 2018 zu 2024 gab es bei den gesüßten Erfrischungsgetränken insgesamt „keine statistisch signifikante Veränderung“.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert