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Widerstand gegen EU-HandelsvertragUnverantwortlicher Protest gegen das Mercosur-Abkommen

Kommentar von

Jost Maurin

Spätestens seit der US-Intervention in Venezuela ist klar: Die EU muss ihre Position auch durch den Handelsvertrag stärken. Die Einwände sind schwach.

Vor allem Brasilien als Verbündeten erhalten: Ursula von der Leyen und Brasiliens Präsident Lula da Silva im Juni 2023 Foto: Andre Borges/epa

M ittlerweile ist der Widerstand gegen das Handelsabkommen der EU mit vier Staaten der südamerikanischen Mercosur-Gruppe unverantwortlich. Spätestens seit US-Präsident Donald Trump in Venezuela besonders unverfroren das Völkerrecht gebrochen hat und erneut mit der Annexion Grönlands gedroht hat, ist klar: Die Europäische Union muss stärker werden, um sich im Zweifel auch in Konkurrenz zu den USA durchzusetzen. Dazu kann das Mercosur-Abkommen beitragen.

Wenn die EU ihren Handel mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ausbaut, bindet sie diese Staaten enger an sich. Das könnte Abhängigkeiten der Europäer von China und den Vereinigten Staaten reduzieren. Die EU muss sich vor allem Brasilien als Verbündeten auf der Weltbühne erhalten. Würden die Europäer das Abkommen nach mehr als 25 Jahren Verhandlung nun scheitern lassen, wäre das ein Affront gegen die südamerikanischen Partner.

Nicht zuletzt braucht die EU den Vertrag auch, um sich wirtschaftlich zu behaupten. Die deutsche Wirtschaft zum Beispiel stagniert seit Jahren, die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Trumps willkürliche Zölle haben gezeigt, wie verwundbar die vom Export abhängige Industrie ist. Da kann es sich die EU nicht leisten, auf ein Abkommen zu verzichten, das wegen des Abbaus von Zöllen für die Industrie ihr Bruttoinlandsprodukt Modellrechnungen zufolge steigern würde.

Am lautesten protestieren einige Bauern gegen das Abkommen. Tatsächlich schadet es der Landwirtschaft der EU kaum. In wenigen Bereichen wie Geflügelfleisch würde es die Erzeugung lediglich minimal senken, wie Wissenschaftler kalkuliert haben. Das ist ein sehr kleiner Preis im Vergleich zum politischen und gesamtwirtschaftlichen Nutzen.

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Kaum Gefahr für den Regenwald

Es stimmt, dass die EU wegen des Mercosur-Abkommens mehr Pestizide exportieren könnte, die hierzulande wegen Gesundheitsrisiken untersagt sind. Aber dieses Problem sollten die Europäer besser durch ein Verbot solcher Ausfuhren lösen, statt das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Falsch ist, dass das Abkommen nur Konzernen nützen würde. Die Mehrheit der deutschen Exporteure sind kleine Unternehmen. Und auch die Auswirkungen auf den brasilianischen Regenwald oder Indigene werden gering sein, da die Mercosur-Staaten ihre Produktion von Rindfleisch und Ölsaaten wie Soja infolge des Vertrags ebenfalls nur in sehr überschaubarem Ausmaß erhöhen werden.

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Redakteur für Wirtschaft und Umwelt
Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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49 Kommentare

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  • In allen Sparten wird in Deutschland über die zu starke Abhängigkeit vom Ausland gejammert, gleichzeitig versucht man aber mit allen Mittel jetzt auch noch unsere Nahrungssicherheit zu vernichten. Die Landwirte leiden jetzt schon gewaltig unter dem ruinösen Preiskampf der Handelsriesen, durch Mercosur gibt man jetzt diesen noch mehr Macht die Erzeugerpreise immer weiter zu drücken.



    Mein Tipp an die Landwirte, verkauft alles, macht euch ein schönes Leben mit dem Geld, eure Arbeit ist (nicht) mehr gefragt und das Essen liefert ja das Ausland !!

  • Danke für diesen positiven Artikel.



    Dass der Vertrag nun ratifiziert wird, halte ich für ein gutes Zeichen.



    Nach Zeiten der Globalisierungskritik ist gesellschaftlich noch nicht so ganz deutlich geworden, ob Protektionismus wie trump ihn praktiziert, die bessere Alternative ist.



    Den europäischen Wirtschaftsverbund finde ich grundsätzlich gut.



    Leider gibt es intern zunehmend antieuropäische Strömungen, die gemeinsame Entscheidungen erschweren.



    Doch wäre es besser, wenn sich z.B. Tschechien, Ungarn oder die Slowakei wieder an Russland orientieren?



    Wenn wir demokratische Werte für wichtig halten, sollten wir die Zusammenarbeit mit den Ländern stärken, die diese Idee teilen.



    Auf VertragspartnerInnen kann auch positiv eingewirkt werden.



    Dem Projekt Europa schlossen sich auch , nach und nach, ehemals undemokratische Staaten an.



    Ich glaube weiter an die Demokratie. Allerdings ist sie keine Selbstverständlichkeit mehr.



    Wir müssen etwas dafür tun, sie zu erhalten. Wenn Alle gut leben können ist das eine Stärkung des Systems.



    In einem anderen taz Artikel wurde sehr klar über die Grenzen der Zollfreiheit berichtet, auch dafür vielen Dank!

  • Weshalb sollte die Arbeitslosigkeit im Inland sinken, wenn in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay produziert wird? Weshalb wird nicht die inländische Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion gestärkt? Waren das nicht alles Gründe für die Abholzung des Regenwaldes, ökologische Belastungen und die Unterdückung Indigener?

    • @Niemals:

      Es ist ja auch umgekehrt so dass wir Produkte zu guten Konditionen nach Südamerika verkaufen können. zB Maschinen oder Konsumgüter. Da wir zB Rohstoffe, die wir nicht haben, einkaufen müssen, müssen wir im Gegenzug andere Produkte in andere Regionen verkaufen. Sonst funktioniert es nicht.

  • Wieviel Prozent Zustimmung hätte Ursula von der Leyen bei einer Direktwahl aller EU Bürger? In wessen Auftrag handelt sie?

    • @Richie:

      Wer muss das Abkommen ratifizieren?

  • Angesichts der Titelschlagzeile "Unverantwortlicher Protest gegen das Mercosur-Abkommen" wähnt man, einen Artikel im Postillon zu lesen!



    Aber nein, keine Satire, sondern die bittere Wahrheit, denn die taz begrüßt mit wehenden Fahnen den Neoliberalismus in der Landwirtschaft, der in Brasilien die Regenwälder durch riesige Soja-Produzentenm bedoht.



    Realität ist: Einige der weltweit größten Sojabohnenhändler bereiten sich darauf vor, ihre Vereinbarung zur Eindämmung der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes zu brechen, um Steuervorteile im wichtigsten Agrarstaat Brasiliens zu sichern. Dies berichteten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen vor einigen Tagen gegenüber Reuters.

    Als Sahnehaube fürs Abkommen, dann auch noch angebliche geostrategische Interessen der EU.



    Früher hätte der Drucker

  • Als Reaktion auf Trumps einmaligen Eingriff in Venezuela ist es unverantwortlicher Protest, wenn legitime Vorbehalte gegen ein Handelsabkommen beibehalten werden - ein Handelsabkommen das definitiv ein Mehr an CO2 erzeugen wird UND die Brandrodung des Amazonas bestimmt nicht mindert (#Rindfleisch).



    Wenn aber die CO2-Steuer verschoben wird, indem die geplante Einführung des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr von 2027 auf 2028 verlegt wurde, dann ist das laut taz auch unverantwortlich bezüglich des Klimas...



    Ich halte fest: mehr CO2 Ausstoß ist unverantwortlich, außer es geht gegen Trump.



    Putin bombt seit 4 Jahren die Ukraine in Schutt und Asche, hat längst über 1 Millionen Tote Soldaten auf eigener Seite wie der der Ukraine zu verantworten, dazu unzählige tote Zivilisten - wieso gab es in 4 Jahren noch keinen Artikel der sagt 'mehr CO2-Ausstoß ist vollkommen okay, so lange es gegen Putin geht'?



    China hat hunderttausende Uiguren in Lager gesteckt. Wo ist der Artikel der darauf pocht, dass wir weiter Verbrenner fahren statt Stromer aus China?



    Die Obsession mit Trump nimmt hier langsam absurde Züge an.

  • Erstaunlich dass Greenpeace in der taz als unverantwortlich bezeichnet wird:



    www.greenpeace.de/...-mercosur-abkommen

  • Das Mercosur-Abkommen ist ein weiterer Pflock, der eingeschlagen wird, um die die kapitalistische Weltordnung unverbrüchlich abzusichern. Freihandel ist ein Freibrief für Investoren und Spekulanten, die sich so weitere Räume für legale, halblegale und illegale Abenteurer eröffnen können. Für die einzelnen Staaten, ihren Gesellschaften und ihren Teilen, wie lokale Gemeinden, Indigene usw. wird es damit noch schwerer eigene Wege zu gehen und mit alternativen Wirtschafts- und Lebensformen zu experimentieren. Überall drückt der Markt, erhalten ökonomischen Interessen Vorrang und übernehmen die Investoren die Kontrolle. Wer auch nur ein bisschen an demokratische Mitbestimmung glaubt, kann solche Freihandelsabkommen nicht akzeptieren. Zustimmung von grünen oder linken Parteien kommt einer Selbstaufgabe gleich. Daran ändert sich nichts dadurch, wenn manche Nationalisten Freihandelsabkommen ablehnen. Schon morgen kann der Freihandel Einfallstor für ihre Großmachtpläne sein.

    • @DemokratischeZelleEins:

      Forschungsergebnis einer deutschen Uni:

      Im Nationalwald von Tapajós (FLONA do Tapajós), der als Naturschutzgebiet im Vergleich zu anderen Regionen des brasilianischen Amazonasgebiets und seiner Pufferzone einen besonders hohen Schutzstatus genießt kam es trotz seiner besonderen Merkmale – scheinbar unabhängig von staatlichen Institutionen – zu Landkonflikten, der Aneignung riesiger Flächen tropischen Regenwaldes durch private Akteure, die auch vor Betrug nicht zurückschrecken. Dem Prif Blog zufolge sind hier kriminelle Banden involviert.

    • @DemokratischeZelleEins:

      "Schon morgen kann..."



      Jost Maurin argumentiert mit den Fakten, Sie argumentieren theoretisch, um nicht ideologisch zu sagen. Mögen Sie die Fakten bitte anerkennen, oder soll man Ihnen nicht mit denselben kommen?

      • @MeinerHeiner:

        Dann legen Sie mir alle Ihre Fakten in 1200 Zeichen dar, die Herr Maurin nicht bietet. Der schreibt nämlich im Konjunktiv II, dem Modus für irreale Wünsche.

        Wenn Sie den Unterschied zwischen Fakten und irreale Wünschen nicht kennen, wie wollen Sie dann noch marktliberale Ideologie erkennen? Wenn Sie (oder Herr Maurin) den Gesamttext des Abkommens mit allen Anhängen und allen Texten, auf die darin verwiesen wird, kennen, deren Auswirkungen verstehen und alle Folgen richtig einschätzen könnten, würden Sie (oder Herr Maurin) dann noch nicht ein Spitzenamt für Weltwirtschaftspolitik bekleiden? Wünschen Sie sich vielleicht in ihren Träumen, die sind aber nicht real.

        • @DemokratischeZelleEins:

          Sie behaupten und geben dabei zu, das Abkommen – wie ich – nicht gelesen zu haben: Handelsabkommen seien grundsätzlich Mist, die Folgen seien immer katastrophal, weil sie vom falschen Geist getragen seien. Maurin sagt: schaut es euch im Kontext an; die Vorteile überwiegen. Es gibt Fehlannahmen in der Debatte einerseits und belastbare Folgenabschätzungen andererseits, die Maurin, ganz ohne Konjunktiv, in Abschnitt drei, vier und sechs anspricht. Ich verlass' mich da auf die Expert:innen – wissend, dass die nur ihre jeweilige begrenzte Expertise beigeben.

      • @MeinerHeiner:

        Genau genommen verleiht Herr Maurin seine Hoffnungen Ausdruck. Weiter unten habe ich näher geschrieben, für wie wahrscheinlich ich es halte, dass diese eintreten.

  • Europa, Deutschland braucht neue Handelspartner, punkt. China erpresst uns mit seltenen Erden, Trump erschlägt uns mit Zöllen. Mercosur eröffnet Europa und Deutschland neue Möglichkeiten, das EU-Mercosur-Abkommen enthält mehrere Schutzklauseln für die europäische Landwirtschaft.

    Für sensible Produkte wie Rindfleisch (99.000 Tonnen jährlich bei reduziertem Zoll), Geflügel, Zucker und Ethanol gibt es feste, begrenzte Kontingente. Diese decken nur einen kleinen Teil der EU-Produktion ab (z. B. weniger als 2% beim Rindfleisch) und verhindern eine Marktflut.

    Es kann nicht sein, dass die Bauern alles blockieren, 2024 lag der Anteil der Landwirtschaft am deutschen BIP bei 0,83%, in Frankreich zwischen 1,49 bis 1,9%.

    • @Ignis Ferrum:

      Dass rohstoffreiche 'Entwicklungs-' oder Schwellenländer den rechen Norden durch dreiste Nichtherausgabe ihrer Rohstoffe "erpressen" ist eine interessante These.



      Oder anders formuliert:



      dieses Denken steckt knietief im hässlichen alten(?) Kolonialismus europäischen Großmachtanspruchs fest.



      Seltene Erden gibt es übrigens auch in Europa, sie werden hier nur nicht gefördert, weil es angenehmer ist die erheblichen Umweltlasten in den Ländern des globalen Südens entstehen zu lassen (und dann womöglich noch mit erhobenem Zeigefinger auf die bösen Umweltsünden 'der Chinesen' zu zeigen ...).

      • @Anne in Pink:

        Die VR China zu einem armen, schwachen „Entwicklungsland“ umzudeuten, ist nun aber auch abenteuerlich!



        Richtig ist, dass die EU Partner außerhalb Europas braucht, mit denen wir Handel treiben, Verträge schließen (und einhalten), und letztlich Begegnungen ermöglichen können.



        Gefahr für den Weltfrieden entsteht dadurch, dass einzelne Staaten glauben, ganz alleine handeln und bestehen zu können (wobei das für die USA und die VR China in einem Krieg in der Umgebung vielleicht sogar kurzfristig stimmt).



        Koloniales Denken ist, den Südamerikanern und anderen Nicht-Europäern nicht zuzutrauen, die Umwelt im jeweils eigenen Land zu schützen und Verträge auszuhandeln. Der Protest in Europa bemängelt doch, dass die südamerikanischen Staaten, die den Vertrag so wollen, ihre eigenen Interessen nicht schützen, sondern von der EU erpresst worden seien! Wenn das kein altes koloniales Denken ist, dann weiß ich auch nicht!

  • Zähneknirschend, denn CO2-mieses Rindfleisch bzw. Tierfutter gehört nicht verbilligt, sondern auf angemessen hohes Preisniveau.



    Gilt umgekehrt auch für Verbrennerautos etc.



    Transport soll seine Kosten stets auch zahlen.



    Auch noch mal prüfen, ob sich nicht Konzerne eine bevorzugte Rechtsposition damit erwirken könnten (ich kenne jetzt den letzten Stand nicht).

    Politisch hingegen eine Partnerschaft mit klarem Sinn. Gerade derzeit.

  • Dieser Artikel ist nach dem Motto: der Feind meines Feindes ist mein Freund ! Lasst doch die paar Landwirte jammern nur weil sie weniger verdienen, nur das große Ganze zählt. Nur lässt sich diese "Logik" dann auf alle Branchen, Gruppen übertragen. Ein, zwei Prozent weniger Lohn für alle wäre auch eine gute Sache für unseren Außenhandel, ein, zwei Prozent weniger Sozialkosten könnte auch unseren Exportmarkt stärken.



    Das man hier die eigene Landwirtschaft für den Export opfern möchte ist die eine Seite, wie passt das aber mit den Forderungen an die Deutsche Landwirtschaft zusammen nur noch strengstens Biologisch zu wirtschaften, gleichzeitig aber Werbung für Produkte macht die mit chemischen Mittel erzeugt werden die (selbst) bei uns seit Jahrzehnten verboten sind. Lassen wir dann in Zukunft auch Autos ohne Bremsen und Licht auf unseren Straßen zu wenn es der Wirtschaft hilft ??

    • @Günter Witte:

      Ein Handelsabkommen ist nun einmal ein Kompromiss. Auch die Südamerikaner müssen einen Preis zahlen, wahrscheinlich bei der weniger produktiven Industrie. Du hast eine Erwartungshaltung dass wir dort alle unsere Standards und Wünsche durchsetzen könnten. Die Zeiten sind vorbei.

      • @Nordlicht12:

        Entweder man hat Standards oder nicht. Man kann nicht Deutsche/Europäische Landwirte mit immer mehr, immer strengeren Auflagen drangsalieren und gleichzeitig bei Produkten aus Südamerika auf alles verzichten.

  • Der die meisten Leserbriefe ignorieren zwei Knackpunkte: Erstens die eingebaute Lizenz für private Schiedsgerichte, in denen Privatfirmen ohne Berufungsinstanz gegen staatliches Handeln Milliardenklagen starten dürfen. Zweitens der neokoloniale Anspruch, von Europa aus den Regenwald überwachen zu wollen, während Südamerika durch den Vertrag keinerlei Handhabe bekommt, gegen Europas Klimasünden vorzugehen.

  • Ich finde dieses Abkommen, mit genannten Ländern, sehr fragwürdig. Lebensmittel die im eigenen Land hergestellt werden, über 1000 km zu importieren ist das nachhaltig.?Was hat uns EU in jüngster Zeit beschert, Pestizide ohne Ende und jetzt noch das Abkommen, habe mir im Fernsehen einen Bericht über Rinderhaltung in diesen Staaten angeschaut...Brandrodung inklusive. Ich kann keinen Sinn in den Verträgen sehen. Und von wem abhängig ist doch egal, abhängig ist abhängig. Das sieht man beim Gas. Und von Waren abhängig zu sein, die wir selber produzieren können, finde ich nur peinlich. Man sollte lieber Biolandwirtschaft voran treiben ,das wäre mal eine Maßnahme. Aber es geht ja ja nur noch um Macht und Kapital, nicht um Umwelt und die Menschen die darin leben. Ich bin gegen die Einmischung "der Mächte" überall auf der Welt. Man sollte sich um das eigene Land / Kontinent kümmern, da gibt es genug zu tun. Ich bin nicht generell gegen Handelsabkommen, aber grundsätzlich für weitestgehend autarke Lebensmittelversorgung, bei den Lebensmitteln die wir selber herstellen können, denn in diesen Krisenzeiten ist das meiner Meinung nach unabdingbar. Dipl. Agra Ing. ich weiß was geht .

    • @Ina ECKSTEIN:

      Das sehe ich ähnlich wie Ina.

  • Ich stimme dem Artikel komplett zu. Wenn man sich den Vertrag anschaut, dann ist er noch immer sehr vorteilhaft für die EU. Wir können froh sein, wir stark der zu unseren Gunsten verhandelt wurde. Und irgendwann ist auch mal Schluss, dass hier jeder Landesfürst seine Pfründe sichern will. Wir leben in einer Gemeinschaft und sind Kompromisse an der Tagesordnung. Und ja die EU muss sich behaupten. Nächster Schritt: Vereinigte Staaten von Europa 🇪🇺🇪🇺🇪🇺. Europäische Verfassung. Europäische Armee. USE Präsident. USE Steuern und eigener Haushalt. Vollwertiges EU Parlament. Außen und Sicherheitspolitik wird alleinige USE-Aufgabe.

    • @Pransito87:

      "Vereinigte Staaten von Europa"

      Solange die EU ein Dinosaurier ist, der die Bürokratie zum Ideal hat, lehne ich das ab. Die ersten Ziele müssen lauten:







      Einfacher und schneller. Kein Vetorecht mehr. Kurze Verfahren. Eine Kommunikationssprache (Englisch). Vereinheitlichungen. u.ä..







      Dann können schrittweise Bereiche zentralisiert werden, z.B. gemeinsame Armee.

      • @Black & White:

        In spätestens 5 Jahren hat jeder einen Simultanübersetzer im Ohr. Auch ein fremdsprachiger Präsident wäre dann kein Problem mehr. Sprache wird unser kleinstes Problem.

        Der zentrale Brocken ist Identität. Angesichts der Demographie gibt es da hohe Hürden. Bei uns sind schon 40% der Wähler Ü60 und in den anderen Mitgliedsstaaten wird es nicht besser.

      • @Black & White:

        "Eine Kommunikationssprache (Englisch)."

        Warum eine Sprache importieren? Gibt es in der EU nicht genug Sprachen zur Auswahl?

  • Mir scheint der Kommentar stark von Illusionen geprägt.

    "Wenn die EU ihren Handel mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ausbaut, bindet sie diese Staaten enger an sich."

    Diese "Bindung" wird nicht sehr groß sein. Schon allein weil Milei mit an Bord ist. Dieser hat Argentinien so von den USA abhängig gemacht, dass er praktisch Trumps Handpuppe ist.



    Und natürlich wird auch Brasilien weiter eine eigenständige Politik machen und sich an niemanden binden.

    "Die deutsche Wirtschaft zum Beispiel stagniert seit Jahren, die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Trumps willkürliche Zölle haben gezeigt, wie verwundbar die vom Export abhängige Industrie ist."

    Da liegt eigentlich das Kernproblem. Die vom Export abhängige deutsche Wirtschaft. Statt diese Abhängigkeit zu reduzieren, will man das Modell irgendwie am Leben erhalten. Auch mit Mercosur wird das langfristig nicht funktionieren. Die Welt wird sich weiter verändern. Dagegen hilft dann auch ein aus der Zeit gefallenes Abkommen nicht.

    " Die Mehrheit der deutschen Exporteure sind kleine Unternehmen."

    Kleine Unternehmen exportieren kaum. Wir reden schon von Firmen mit deutlich über 100 Mitarbeitern.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Kleine Ergänzung.



      Man will das Abkommen wohl jetzt gegen Frankreich durchdrücken. Denkt jemand an die Folgen für die EU? Nächstes Jahr sind dort Wahlen, die extrem wichtig für die EU sind...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Da mache ich mir weniger Sorgen. Die Franzosen werden den € nicht aufgeben können ohne in die Staatspleite zu rauschen und damit wohl auch nicht aus der EU austreten. Da mache ich mir mehr Sorgen um die Geberländer wie die Niederlande oder Nordeuropa.

        „Die Abhängigkeit zu reduzieren“ ist eine Verklausulierung für Industriesterben. Kann man machen. Dienstleistungssektor ausbauen, Industriebetriebe abwandern lassen. Haben die Briten ja auch gemacht. Ich sehe hierzulande allerdings ein riesen Problem mit diesem Ansatz. Die deutsche Identität ist eng mit dem Land der Dichter und Denker und der Ingenieure und Tüftler verknüpft. Wer die Axt an die Identität legt wird abgewählt, eventuell dauerhaft.

        • @Nordlicht12:

          "Die Franzosen werden den € nicht aufgeben können ohne in die Staatspleite zu rauschen und damit wohl auch nicht aus der EU austreten."

          Der intelligentere Teil der Nationalisten will die EU nicht mehr abschaffen. Die wollen sie übernehmen und zu einem rechten Projekt umgestalten.

          "Dienstleistungssektor ausbauen, Industriebetriebe abwandern lassen. Haben die Briten ja auch gemacht."

          --> massive Wohlstandseinbußen für große Teile der Bevölkerung --> Brexit --> der radikale Nationalist Nigel Farage hat beste Chancen neuer PM zu werden

          So demontiert man liberale Demokratien. In den USA hat eine solche Politik zu Trump geführt.

          Es ist nun mal so, dass ein Land mit ein paar dutzend Millionen Einwohner nicht von Dienstleistungen leben kann. Es müssen auch Waren hergestellt werden. Und nebenbei ist es auch nicht besonders nett, wenn man z.B. Umweltprobleme, die die Industrie so mit sich bringt, ins Ausland verlagert.

  • "Nicht zuletzt braucht die EU den Vertrag auch, um sich wirtschaftlich zu behaupten. "



    Ja, das ist sicherlich richtig.



    Fragt sich nur wie sich dieses 'Behaupten' des Militärmolochs 'EU-NATO' global ausprägen wird.



    Die militärischen Gesamtausgaben aller NATO-Staaten und ihrer 'allies' werden sich sukzessive der Summe von 3.000Mrd. annähern.



    Ein ultimativer Alptraum für den Rest des Globus.



    Venezuela war vermutlich nur ein erster kleiner Aufschlag einer Phase verschärfter kolonialer Realisationen. GB ist sichtlich mit an Bord, EU hat gerade mal ein kleines 'Du Du Du' herausgebracht (= heimliches Einverständnis),



    Mal schaun, wie sich das Mercosur Ding dann da einordnen wird.



    Die Leinwand das Dramas ist ja mittlerweile die in hybride Kriege übergeschwappte Blockkonkurrenz der 2 bis 3 kapitalistischen internationalen Konkurrenzen.



    Europa ist und bleibt dabei abseits der Sonntagsreden ein Kontinent von Krieg, Destruktion und Ausbeutung.



    Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die real existierende v.d.Leyen/Meloni-EU in irgendeiner Weise die Welt besser zu machen gewillt ist?



    Zeit die Illusionen abzulegen und einen klaren Blick auf die leider sehr traurigen Realitäten zu suchen.

    • @Anne in Pink:

      Der erste, auch nicht sonderlich kleine "Aufschlag einer Phase verschärfter kolonialer Realisationen" ist doch wohl ganz klar Russlands imperialistischer Unterwerfungskrieg gegen die Ukraine. Das macht die aktuelle Agenda der Trump-Regierung zwar nicht besser, sollte hier jedoch nicht unerwähnt bleiben.

      • @O sancta simplicitas:

        "Der erste..."



        Da blenden sie mal ganz nonchalant einige Jahrhunderte des europäischen Kolonialismus mit seinen zahlreichen Genoziden aus, ignorieren auch einige Dutzend militärisch unterlegte Regime-Change Operationen der USA im 20. Jhd., (meist incl. der Installation rechter Diktaturen) usw.

        Dass auch Russland, bzw. der sich ggf. entwickelnde 'Block' um Russland und China herum, dem Prinzip internationaler kapitalistischer Konkurrenzen folgt, sollte nicht dazu führen die Entwicklungen im 'eigenen' imperialen Machtblock schön zu reden.



        Der systematische Aufbau von stabilen Feindbildern im je anderen Block macht im Übrigen die Lage nicht besser, sondern verschlechtert diese noch zusätzlich und erhöht die Akzeptanz für den alten europäischen Weg des destruktiven Militarismus, der vor allem auch in den klassisch militaristischen 'Täterstaaten' Deutschland und Japan wieder mit alter Wucht aufzuflammen droht.



        Statt immer tiefer in die Logik des Krieges einzutauchen gilt es Wege zu finden, die aus dieser heraus führen!

    • @Anne in Pink:

      Wo bitte war die NATO oder die EU an Venezuela beteiligt? Wo ist Europa aktuell an "Krieg, Destruktion und Ausbeutung" beteilgt? Und wo drohen aktuell NATO-Intervention, die für den Rest des Globus einen "ultimativen Alptraum"?



      Vielleicht sollten Sie mit dem geforderten "klaren Blick auf die Realitäten" zunächst mal bei sich selbst anfangen.

      • @Schalamow:

        Schönreden hilft da wenig.



        Beispielhaft einfach mal die beteiligten Staaten der 'Koalition der Willigen' beim völkerrechtswidrigen unprovozierten Angriffskrieg gegen den Irak, systematische Folter inclusive, anschauen (übrigens incl. Ukraine)?



        'NATO-Block' ist nicht reduzierbar auf die Fälle wo der Militärmoloch insgesamt formaler Akteur ist, sondern muss auch die Aktionen der Einzelstaaten beinhalten, deren Potential ja zu guten Teilen aus der 'Power' ihrer NATO-Mitgliedschaft resultiert.



        Insofern:



        ja via USA war der NATO-Machtblock direkter Akteur in Venezuela, das lächerliche ' Du Du Du' der anderen NATO-Staaten (Ausnahme Spanien) sprach darüberhinaus Bände im Hinblick auf ein stilles Einvernehmen (Drecksarbeit erledigen, usw. ...).



        Oder mal auf die Lage in Libyen schauen (völkerrechtswidriges Überdehnen von Res.1973, danach failed state mit Folterlagern, Menschenhandel und heimlicher Frontex-Anbindung)?



        Und nein: den 'eigenen' Militärmoloch zu kritisieren bedeutet nicht, dass die 'anderen Blöcke' die 'Guten' seien.



        Internat. kapitalistische Konkurrenz gebiert zwnagsläufig periodisch Kriege (erst 'nur' hybrid, dann ggf. militärisch).

  • Nervosität führt zu mehr transatlantischen Handel



    Also mehr Umweltzerstörung



    Und das alles um ein Zeichen gegen Trump zu setzen?

  • Hat jemand mal das komplette Vertragswerk gelesen und auch verstanden? Bisher waren diese sog. Handelsverträge ja vor allem dafür, privaten Unternehmen völlige Freiheit zu geben und Schutz vor jeglicher Regulierung. Und auch dieses Abkommen, wiederholt noch einmal viele Bestimmungen die sich eigentlich als Fehler herausgestellt haben, wie das Verbot von Kopierschutz-System zu umgehen, welches in Deutschland dazu geführt hat, dass man nicht mehr auf einen YouTube-Downloader verlinken darf. Ich glaube nicht, dass dies ein Vertrag auf Augenhöhe ist. Und es sind nicht nur Landwirte, sondern auch Gewerkschafter und Umweltschützer die diese Verträge kritisieren. Und selbst wenn sie aktuell keinen Schaden anrichten, geht es ja auch um die zukünftige Entwicklung und was passiert, wenn ein Staat mehr Umweltschutz und mehr Arbeiterrechte gegen EU-Unternehmen durchsetzen möchte.

  • Danke wenigstens mal ein vernünftiger Kommentar in der taz zum Mercosur Abkommen. Ansonsten fragt man sich in welchem Traumschloss und Elfenbeinturm Grossteile der taz Redaktion (und der deutschen und europäischen ökologischen Linken) leben.

  • "Und auch die Auswirkungen auf den brasilianischen Regenwald oder Indigene werden gering sein, da die Mercosur-Staaten ihre Produktion von Rindfleisch und Ölsaaten wie Soja infolge des Vertrags ebenfalls nur in sehr überschaubarem Ausmaß erhöhen werden." Wer glaubt denn so etwas?



    Der Handel wird vereinfacht. Das bedutete schon immer mehr Handelsmengen. Damit wird noch mehr Regenwald gerodet für Soja und Weideland. Aber auch Bodenschätze werden mit Unterdrückung der indigenen auch gerade ohne Lieferkettengesetz ausgebeutet, das im besonderen für die Kleinbetriebe aufgehoben wurde. Und alles nur damit wir im aktuellen globalem Wirtschaftskrieg bestehen können, damit wir ein paar Jahre später bei immer häufigeren Katastrophen dann trotz lukrativen Handelsabkommen ins Gras oder in Europa ins Eis beissen. Die nordamerikanischen Indigenen hatten uns schon vor "Jahrhunderten" davor gewarnt.



    Also bitte nicht schönreden, nur weil es so aussieht als würde Europa zwischen den Wirtschaftsmächten zerrieben.

    • @RosaProsa:

      Meinungsvielfalt statt widerspruchslose Einheitsmeinung...

  • Welche Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat es, täglich multitonnenweise Waren und Tiere über die Meere zu befördern, die es in der Zielregion zur Genüge schon gibt oder wo nur eine hineingedichteter Bedarf besteht?

  • Eigentlich haben wir jetzt das bekommen, was gerade linke Gruppen immer gefordert haben: Ein Vertragswerk für beide Seiten auf Augenhöhe. Das heißt aber eben auch, die Zeiten, wo die Europäer anderen Staaten ihre Vorstellungen von Umwelt-, Sozial- und Menschenrechten quasi verpflichtend in Verträgen hätten vorschreiben können, sind vorbei. Bleibt zu hoffen, dass wir in der entstandenen neuen Weltgemengelage wenigstens noch hierzulande die erworbenen Standards einigermaßen halten können. Sicher ist auch das keineswegs.

    • @vieldenker:

      Schön wär’s – aber in der Praxis sieht es düster aus. Wenn Verträge wirklich auf ‚Augenhöhe‘ abgeschlossen werden, verlieren wir den Hebel, um unsere Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards außenpolitisch durchzusetzen. Gleichzeitig stehen wir hierzulande unter enormem wirtschaftlichem Druck: Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreise, Globalisierung. Das bedeutet, dass Unternehmen zunehmend an internationalen Normen ausgerichtet arbeiten, statt an unseren eigenen strikten Regeln – und der Gesetzgeber wird sich schwer tun, Schritt zu halten. Die ‚erworbenen Standards‘ könnten also schneller bröckeln, als man ‚Vertragswerk auf Augenhöhe‘ sagen kann