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Streitgespräch über Aufrüstung„Europa sollte stärker werden als Russland.“ – „Da widerspreche ich.“

Ist die Warnung vor einem Angriff auf Nato-Gebiet alarmistisch? Müssen wir so massiv aufrüsten? Ein Streitgespräch mit Carlo Masala und Max Mutschler.

taz: Herr Masala, Herr Mutschler, muss Deutschland aufrüsten?

Carlo Masala: Ja, die Bundeswehr wurde in den letzten 30 Jahren sträflich vernachlässigt. Waffen, die im Rahmen des Nato-integrierten Planungsprozesses angeschafft werden sollten, fehlen.

Max Mutschler: Die Bundeswehr wurde nicht kaputtgespart. Es ist dort viel Geld reingeflossen, auch wenn die Mittel ineffizient verwendet wurden. Wenn man bei den französischen Militärausgaben die Kosten für Nuklearwaffen abzieht, waren die Etats in etwa gleich. Und die französische Armee ist nicht zu schlecht ausgerüstet.

Masala: Das französische und auch das britische Militär sind ebenfalls kaputtgespart worden. Es gibt in der Bundeswehr Panzerbrigaden, die nicht genug Panzer haben. Deutschland muss deshalb aufrüsten. Oder besser: ausrüsten. Die Bundeswehr muss bekommen, was sie braucht.

Mutschler: Gut, Deutschland muss in bestimmten Bereichen Fähigkeitslücken füllen. Aber es muss nicht so massiv aufrüsten, wie es sich jetzt andeutet. Friedrich Merz will, dass Deutschland die größte konventionelle Armee in Europa hat.

Masala: Den Satz halte ich für falsch, schon weil unklar ist, wie man stärkste konventionelle Streitkräfte misst. Deutschland darf laut Zwei-plus-Vier-Vertrag höchstens 350.000 Soldaten haben. Was, wenn die polnische Armee größer ist? Und wie groß ist der Kampfwert eines Leopard-2-Kampfpanzers im Verhältnis zu den südkoreanischen Panzern, die die polnische Armee hat? Der Satz ruft nationale Rivalitäten auf und ist deshalb unglücklich. „Wir wollen die modernste Armee Europas haben“, wäre klüger gewesen.

taz: Deutschland investiert massiv in Rüstung und wird 2029 mehr als 150 Milliarden für Verteidigung ausgeben. Ist das zu viel?

Masala: Erstmal ist Verteidigungshaushalt nicht gleich Rüstung. Vier Fünftel flossen bislang in Personal und Materialerhaltung, nur ein kleiner Teil wurde für Waffenkäufe verwandt. Deutschland hat sich auf dem Nato-Gipfel vor zwei Jahren verpflichtet, 3,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt bis 2032 für Verteidigung auszugeben. Das ist der politische Fakt.

Mutschler: Das war ein Fehler. Es ist grundsätzlich besser zu fragen, was wir brauchen als sich an abstrakten Zahlen zu orientieren.

Im Interview: Max Mutschler

forscht am Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc) zu modernen Waffensystemen und Rüstungskontrolle. Er ist außerdem Vorsitzender der Fachgruppe Rüstungsexporte der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE).

Masala: Ja, die Fixierung auf das 2- oder 3,5-Prozent-Ziel ist kritikwürdig. Als die Nato-Staaten sich auf das 2-Prozent-Ziel verständigt hatten, tauchten in einigen Staaten die Pensionen von Soldaten im Verteidigungshaushalt auf. Insofern teile ich die Kritik an den Prozentzahlen.

taz: Verschwenden wir Geld?

Masala: Bei Rüstung ist Geldverschwendung immer ein Problem. Wir kreieren gerade mit Rheinmetall einen Rüstungsgiganten und entscheiden uns oft, deutsche Firmen zu beauftragen, obwohl Produkte auf dem internationalen Markt günstiger wären. Das kann man Verschwendung nennen. Auch Geld auf ein dysfunktionales Beschaffungssystem zu schmeißen, macht das System nicht funktional.

Im Interview: Carlo Masala

Carlo Masala (58) ist Professor für Sicherheits- und Verteidigungspolitik an der Universität der Bundeswehr in München.

Mutschler: Ja, es gibt viel zu wenig Anreize für die Industrie, Effizienzgewinne durch Kooperation zu erzielen. Da hapert es.

taz: Sehen Sie die Gefahr, dass in Deutschland mit der Aufrüstung der Militarismus wiederkehrt?

Masala: Das halte ich für totalen Quatsch. Wir bekommen ja noch nicht mal die Wiedereinführung der Wehrpflicht hin. Ich sehe keine Militarisierung der Gesellschaft, in dem Sinne, dass das Militärische hierzulande kulturprägend wird.

Mutschler: Das sehe ich auch nicht. Aber wenn es Frankreich oder Polen so wahrnehmen würden, wäre der Schaden schon da. Wir reden viel zu oft über Panzer, Flugzeuge und Milliarden fürs Militär. Aber wir müssen tatsächlich eher über politische Solidarität und Zusammenhalt in Europa sprechen.

Masala: In Polen können Sie mit antideutscher Stimmung innenpolitisch immer Punkte machen. Frankreich hat dagegen Angst, dass seine eigene Rüstungsindustrie von dem Kuchen nichts abbekommt.

Mutschler: Das ist der Punkt. Sobald es um die industriellen Interessen geht, ist es mit der europäischen Solidarität nicht mehr weit her. Das zu verändern, wäre für mich die eigentliche Zeitenwende. Wir müssen gar nicht von einer europäischen Armee reden. Aber es fehlt die Bereitschaft, wirtschaftlich auch mal die eigenen Interessen zurückzustellen.

taz: Die Aufrüstung wird von den Staaten in Europa als Mittel benutzt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Liegt darin ein Risiko?

Masala: Ich bin kein Ökonom, aber die Studien, die ich kenne, gehen von einem Wirtschaftswachstum von maximal 0,7 Prozent durch die Rüstungsindustrie aus. Da werden halt mal 5.000 Jobs in Niedersachsen gerettet, weil Rheinmetall Leute, die bei VW gearbeitet haben, übernimmt. Aber das hat Grenzen. Die meisten Rüstungsgüter werden als Einzelstücke gefertigt. Die Möglichkeiten, auf Masse zu gehen, sind begrenzt.

Mutschler: Ich sehe das problematischer. Wenn die Rüstungsindustrie Schwächen in anderen Wirtschaftsbereichen ausgleichen muss, schaffen wir neue Abhängigkeiten. Wenn immer mehr Wertschöpfung an Waffenproduktion hängt, wird es schwierig, diese Bereiche wieder herunterzufahren – etwa um europäisch Waffen einzukaufen oder zu einem späteren Zeitpunkt abzurüsten. Dann werden wieder mehr Rüstungsgüter in zwielichtige Drittländer exportiert, um die produzierten Güter loszuwerden.

Masala: Sie übertreiben. Die Rüstungsindustrie ist volkswirtschaftlich betrachtet ein kleiner Teil der deutschen Industrie und wird es auch bleiben. Es gibt Ökonomen, die sagen, dass die russische Kriegswirtschaft einem Friedensschluss mit der Ukraine entgegenwirkt, weil da so viele Interessen drinstecken. Von so einem Zustand sind wir in Deutschland meilenweit entfernt.

taz: Der zentrale Grund für die Aufrüstung ist die Bedrohung aus Russland. Wie wahrscheinlich ist ein russischer Angriff auf Nato-Gebiet?

Mutschler: Russland ist eine sicherheitspolitische Bedrohung für Deutschland und die Nato. Aber sie ist geringer als es häufig behauptet wird. Es gibt in Russland Planspiele für Angriffe. In den meisten Szenarien, auch in dem, das Herr Masala in seinem Buch skizziert hat, gibt es einen Überraschungsangriff. Ich halte Angriffe auf Riga oder Vilnius nicht für unmöglich, aber für unwahrscheinlich; auch weil es den Überraschungseffekt nicht mehr gäbe. Wir müssen zwar Szenarien entwickeln, aber wir sollten sie nicht als Prognosen oder wahrscheinlich eintretenden Fall missverstehen. Es gibt keinen Grund für Alarmismus.

taz: Herr Masala, sind wir zu alarmistisch?

Masala: Der frühere Chef des Bundesnachrichtendiensts, Bruno Kahl, hat gesagt, dass es Hinweise gibt, dass Kreise in Moskau den militärischen Beistand der Nato, testen wollen. Das ist eine Bedrohung. Diese Bedrohung zu benennen, ist nicht alarmistisch, sondern realistisch. Das bedeutet nicht, dass Russland die baltischen Staaten erobern wird, dass Panzerdivisionen aus Belarus die polnische Grenze durchbrechen und Warschau erobern wollen. Das würde das russische Regime vielleicht gerne tun, aber es ist klug genug zu wissen, dass in einem solchen Fall die Nato wohl geschlossen reagieren wird. Realistischer sind militärische Provokationen, mit denen Moskau zeigen kann, dass die Nato nicht kollektiv antwortet. Wir müssen also die Abschreckung so erhöhen, dass selbst das aus der russischen Perspektive zu risikoreich ist.

Mutschler: So weit sind wir da nicht auseinander. Es gibt auf die Bedrohung aus Russland zwei Arten von Abschreckung. Wir drohen mit Vergeltung, mit Präzisionsschlägen ins russische Hinterland. Das ist deterrence by punishment. Diese Strategie ist riskant, weil sie im Zweifel zu einer maximalen Eskalation mit Atomwaffen führen könnte. Deshalb sollte die Nato mehr auf deterrence by denial setzen…

taz: Das heißt?

Mutschler: Wir lassen es militärisch nicht zu, dass der Gegner ein Gebiet überhaupt erst betreten kann. Wenn die Verteidiger gut vorbereitet sind, sind Angriffe auf größere Städte, die in kurzer Zeit erobert werden sollen, wenig erfolgversprechend. Die Nato stärkt derzeit mit der Baltic Defence Line und der Brigade Litauen der Bundeswehr richtigerweise genau diese Verteidigungsstrategie. Die Defensive ist im Vorteil. Deshalb ist die Gefahr eines russischen Angriffs auf das Baltikum relativ gering.

Masala: Wir brauchen beides, deterrence by punishment und deterrence by denial. Denn wir können nie davon ausgehen, dass eine Strategie allein funktioniert. Zur Abschreckung gehört die Fähigkeit zu Präzisionsschlägen vom europäischen Territorium aus tief in russisches Territorium hinein. Das muss mit einer defensiven Sprache einhergehen, damit die Gegenseite das nicht als Angriffsdrohung missversteht.

taz: Da ist „stärkste konventionelle Armee in Europa“ nicht die richtige Sprache…

Masala: Nein. Hinzu kommt aber ein Faktor, den wir einkalkulieren müssen: der Abzug der USA. Die Amerikaner ziehen bereits jetzt Fähigkeiten aus Europa ab. Das ist bis jetzt nicht dramatisch, kann sich aber noch steigern. Europa sollte mittelfristig auch ohne US-Fähigkeiten stärker werden als Russland. Das wird noch sehr teuer werden. Satelliten und Datenaufklärung sind kostspieliger als Panzer oder Fregatten.

Bevor wir Angebote zur Rüstungskontrolle machen können, brauchen wir den Aufbau eigener militärischer Stärke

Carlo Masala

Mutschler: Da widerspreche ich grundlegend. Die europäische Nato muss nicht stärker sein als Russland. Wenn das unser Ziel ist, produzieren wir Instabilität. Dann wird Russland versuchen, wiederum aufzurüsten. In diesem Wettlauf wird Russland unterliegen, weil es ökonomisch und technologisch nicht mithalten kann. Wenn Russland in diesem Wettlauf immer weiter zurückfällt, ist es denkbar, dass es gegen die konventionelle Überlegenheit der europäischen Nato stärker auf Chemiewaffen und taktische Atomwaffen setzt.

Masala: Die Russen haben ihre Kriterien für den Einsatz von Nuklearwaffen ohnehin schon extrem gesenkt. Seit dem Ukrainekrieg ist da kaum noch Luft nach unten.

Mutschler: Ein Grund mehr, warum es zu keinem heißen Krieg zwischen Nato und Russland kommen darf.

Masala: Natürlich nicht. Deswegen brauchen wir glaubhafte Abschreckung.

Mutschler: Um abzuschrecken, muss die europäische Nato aber nicht stärker sein. Sie sollte es auch nicht. Es reicht, über ausgeglichene Fähigkeiten zu verfügen. Sicherheit entsteht nur, wenn auch die russische Seite annehmen kann, dass ein stabiles Machtgleichgewicht existiert.

Masala: Als langfristige Perspektive teile ich das. Es geht primär darum, zu verhindern, dass es zu einem Konflikt kommt. Aber: Was, wenn die Abschreckung versagt? Dann muss man diesen militärischen Konflikt erfolgreich führen können.

taz: In den 80er Jahren hat die Nato mit dem Doppelbeschluss Aufrüstung mit Abrüstungsangeboten verbunden. Kann man davon etwas lernen?

Masala: Derzeit nicht. Es ist falsche Zeit dafür. Bevor wir Angebote zur Rüstungskontrolle oder zur Abrüstung machen können, brauchen wir den Aufbau eigener militärische Stärke.

Mutschler: Die Lage ist anders an in den 80er Jahren. Aber wir sollten trotzdem versuchen, einen Rüstungswettlauf abzubremsen und besonders gefährliche Waffensysteme, gerade im Bereich Mittelstreckenwaffen, eindämmen. Wir sollten das auch tun, um die Absichten Russlands zu testen.

Rüstungsrauch

Europa rüstet auf, wir schauen hin: Wie wehrfähig ist Europa? Und wie wehrfähig muss eine Gesellschaft überhaupt sein? Wer profitiert am Ende vom Aufrüstungs-Boom und wer verliert? Die taz sucht anlässlich des Nato-Gipfels in Ankara im Juli 2026 nach Antworten.

taz: Die USA werden keine Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland stationieren. Entsteht damit bei Mittelstreckenwaffen ein Übergewicht der russischen Seite?

Mutschler: Wir sind im Bereich Mittelstreckenwaffen auch ohne die Stationierung von US-Systemen nicht schutzlos. Die Briten verfügen über seegestützte Tomahawk. Die Franzosen haben ähnliche Systeme. Wir haben den Taurus, der, von Flugzeugen abgefeuert, Mittelstreckenreichweite haben kann. Wir sind jetzt schon in der Lage, hochwertige Ziele in Russland zu bedrohen.

Masala: Nur falls man die russische Luftverteidigung überwindet. Landbasierte Raketen sind problemloser einsatzfähig. Und die fehlen uns.

Die fehlende Rüstungskontrolle ist die größte Leerstelle in der Sicherheitspolitik

Max Mutschler

Mutschler: Mein Argument ist: Es gibt eine Fähigkeitslücke, aber sie ist kleiner als sie manchmal gemacht wird. Wir sollten nicht einseitig auf Mittelstreckenwaffen verzichten, aber die Bereitschaft erkennen lassen, dass wir Rüstungskontrolle wollen.

taz: Wann könnte Rüstungskontrolle realistisch sein?

Mutschler: Die Zeit für Rüstungskontrolle kommt, wenn der Krieg in der Ukraine vorbei ist.

Masala: Einverstanden. Rüstungskontrolle sollte Teil eines möglichen Abkommens sein.

Mutschler: Das Problem ist, dass sich darüber niemand Gedanken macht. Die Bundesregierung tut nichts. In der neuen Militärstrategie fehlt Rüstungskontrolle als Instrument. Das ist ein Fehler.

Masala: Auch einverstanden. Man muss jetzt an Konzepten arbeiten, die man vielleicht in fünf Jahren braucht. Wir rüsten jetzt auf, aber es ist in unserem eigenen Interesse eine Stabilisierung auf einem gewissen Niveau zu erreichen. Wir sollten nachdenken, wie wir einen Rüstungswettlauf verhindern, wenn wir militärisch stark genug sind, um einen Angriff der Russischen Föderation abzuschrecken. Danach – und erst danach – kommt der nächste Schritt. Ich bin ein Fan der Strategie des Gradualismus, die die amerikanische Administration nach der Kubakrise praktiziert hat.

taz: Das heißt?

Masala: Angebote in kleinen Schritten. Wenn die scheitern, tut uns das nicht weh. Wenn sie erfolgreich sind, können wir weiter gehen. Darüber sollte man jetzt schon nachdenken.

taz: Gibt es Initiativen in diese Richtung?

Mutschler: Ich sehe keine einzige. Die fehlende Rüstungskontrolle ist die größte Leerstelle in der Sicherheitspolitik. Man könnte bei den konventionellen Streitkräften Europas über Obergrenzen für bestimmte Waffensysteme nachdenken, angefangen bei den gefährlichsten Waffen. Das sind Deep-Precision-Strike-Systeme, die auch atomar bestückbar sein können. Niemand möchte einen Atomkrieg in Europa. Dieses gemeinsame Interesse könnte man auch in die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs integrieren.

Masala: Die Rüstungskontrolle liegt sowohl im konventionellen Bereich als auch bei atomaren Waffen in Trümmern. Das Problem im aktuellen nuklearen Wettlauf ist, dass China die Anzahl seiner Nuklearsprengköpfe vergrößert. Die Amerikaner sagen, dass sie zu Abrüstungsgesprächen bereit seien, aber die Chinesen dabei haben wollen. Doch China hat immer noch viel weniger Atomwaffen als Russland und die USA und will deswegen keine Abrüstungsverhandlungen führen. Deshalb ist die Lage blockiert.

taz: Herr Mutschler, die Ukraine scheint mit ihren weitreichenden Angriffen den Druck so zu erhöhen, dass Russland ein Interesse bekommen könnte, zu verhandeln. War Deutschland zu zögerlich, was die Lieferung weitreichender Waffen angeht?

Mutschler: Die Sorge war, dass der Krieg mit der Lieferung dieser Waffen noch weiter eskaliert und Deutschland aktive Kriegspartei wird. Schwer zu sagen, ob es so gekommen wäre. Wohl eher nicht. Russland hat bei den anderen Rüstungslieferungen viel gedroht, aber nur mit kleinen Drohnen und Sabotage reagiert. Damit konnten wir umgehen. Deshalb: Ja, es wäre besser gewesen, wenn wir bei Waffenlieferungen an die Ukraine weniger zögerlich gewesen wären.

Masala: Ich teile, was der ehemalige Nato-Militärchef Rob Bauer gesagt hat: Wenn wir früher viel mehr geliefert hätten, sähe die militärische Situation möglicherweise anders und besser für die Ukraine aus.

Mutschler: Aber die weniger risikoreiche Alternative fruchtet jetzt auch. Statt Taurus-Marschflugkörper zu liefern, hat Deutschland die Ukraine beim Aufbau eigener Fähigkeiten bei weitreichenden Waffen mit Geld und Material unterstützt. Jetzt sehen wir das Ergebnis dieser Politik. Die Angriffe tief in Russland haben einen Effekt auf den Krieg in der Ukraine.

taz: Müsste Deutschland jetzt mehr Waffen an die Ukraine liefern?

Masala: Da fragt sich: Welche? Wir haben ja schon in fast allen Waffenkategorien Rüstungsgüter in die Ukraine exportiert. Was die Ukrainer weiterhin dringend brauchen, ist Munition. Wir vergessen oft, dass dieser Krieg an der Front noch immer massiv von Artillerie unterstützt wird.

Mutschler: Wichtig wäre, dass wir nicht mehr sagen: Entweder wir unterstützen die Ukraine militärisch oder wir bemühen uns um Verhandlungen. Wir müssen beides machen. Auch da kann man ja fragen, ob intensivere Diplomatie früher etwas ausrichten hätte können.

Masala: Es gab genügend diplomatische Versuche. Was immer übersehen wird ist: Russland wiederholt andauernd, dass es nicht mit der EU verhandeln wird. Denn Wladimir Putin glaubt noch immer, dass Russland den Krieg noch gewinnen kann. So lange hilft nur der militärische und ökonomische Druck. Die Alternative zum Kämpfen muss besser sein als weiter zu kämpfen. Das gilt für Russland, das gilt für die Ukraine auch.

Mutschler: Stimmt. Aber an dieser besseren Alternative muss von beiden Enden her gearbeitet werden: mit militärischem Druck und Diplomatie.

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40 Kommentare

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  • "Deutschland darf laut Zwei-plus-Vier-Vertrag höchstens 350.000 Soldaten haben."



    Welch altmodische Sichtweise! Ob man mit 350.000 Soldaten (oder im Zweifel auch deutlich weniger) die stärkste Armee Europas stellen kann oder nicht, hängt maximal von der Ausrüstung dieser Armee insbesondere mit Drohnen ab. Soviel sollte eigentlich aus der Ukraine bis hierhin durchgesickert sein.



    Davon abgesehen ist es ja natürlich spaßig, mal wieder auf des Fettnapf-Kanzlers Wortwahl herumzureiten (hat bei Kohl übrigens auch wunderbar geklappt. Der war ja in den 80ern ganz schnell weg vom Fenster mit seinen vielverhöhnten verbalen Ausrutschern...). Aber das mit der stärksten Armee war wohl keine Einladung zum innereuropäischen Wettrüsten sondern eine Übernahme von Verantwortung. Deutschland hat heute bei weitem NICHT die stärkste (bzw. am wenigsten schwache) Armee Europas, und das ist, gemessen an seiner Bevölkerungsgröße und wirtschaftlichen Fähigkeiten, schlicht kein adäquater Beitrag zur gemeinschaftlichen Verteidigung. Das ändern zu wollen und sich entsprechende Ziele zu setzen, ist kein Großmannstum sondern schlicht Anerkenntnis des quantitativen Aspekts von Bündnis- und Beistandspflicht.

  • Arbeitet Herr Prof. Dr. Masala nicht eigentlich im Bereich der Ausbildung, an der Uni München, für Soldaten ?



    Ist dieser Mann, ebenso wie Frau Dr. Major, ehemals 2020 - 2025 Leiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik und steht diese Stiftung nicht in der Kritik, laut Lobbypedia besonders Regierungsnah zu sein. Seit 2025 fungiert Frau Dr. Major als Senior Vive Präsident für Transatlantische Sicherheitsinitativen des German Mashall Fund.



    Sind diese beiden Koryphäen nicht ständig in Talkshows unterwegs, so könnte fast der Eindruck entstehen, sie hätten eine gewisse Sympathie für unsere Rüstungsindustrie. Ohne Zweifel verfügen Fachleute, wie Prof. Dr. Masala und auch Frau Dr. Major über viel strategisches Fachwissen, aus meiner Sicht kann diese Position, durchaus in die eine oder andere Richtung genutzt werden.



    Aber Karriere und endlich auch mal wichtig sein, hat ja auch auf manche Menschen bisweilen etwas daraus verlockendes....

    • @Alex_der_Wunderer:

      ".... besonders Regierungsnah""(???????)



      =



      ist absolut kein Kriterium und ein no go in der Beurteilung der Aussagen von Major oder Masala. Major war nie Leiterin von SWP sondern Major war Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung SWP in Berlin.



      www.swp-berlin.org...sicherheitspolitik



      =



      ""Masala ist Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München und beklagt den Rückzug der deutschen Politikwissenschaft aus der Öffentlichkeit. Sie ist zunehmend inhaltsleer und habe der Gesellschaft kaum mehr relevante Antworten und Deutungsangebote für drängende Fragen der Zeit anzubieten.



      Trotzdem ""regierungsnah""lediglich eine Standortbestimmung sein könnte - was ist an der grundsätzlichen Gesellschaftskritik Masalas mit der er den Nagel punktgenau auf den Kopf trifft regierungsnah?



      =



      Es hat tiefer liegende Gründe warum Sicherheitspolitik im Gegensatz zu allen anderen EU - Ländern in Deutschland regelmässig ein Eiertanz der Nichtwissenden ist. Aber es gibt keinen Grund das nicht zu ändern.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Ganz schön viele Worte für reines ad-personam-Geunke. Das Herr Masala für Einsparungen im Rüstungsbereich nicht viel übrig hat, war wohl auch der taz-Redaktion vorher bekannt. Deshalb ist das auch kein Einzel-Interview, und Herrn Masala wurde mit Herrn Mutschler eine fundierte Meinung mit erwiesen anderer ideologischer Ausgangsposition gegenübergesetzt.



      Das KÖNNTE man zum Anlass nehmen, sich mal mit den jeweiligen Argumenten (soweit die Herren sich nicht erstaunlicherweise doch einig waren) auseinanderzusetzen. Aber das Spielchen "Sag mir wer Du bist, und ich sag Dir, ob Deine Meinung per se falsch oder richtig ist." scheint wohl bei Manchen zu tief verankert zu sein...

      • @Normalo:

        @Normalo



        Ich pflege keine Meinungen, sondern auf Fakten & Erfahrungen basierende Überzeugungen.

        • @Alex_der_Wunderer:

          Ihr Posting lässt nur begrenzt darauf schließen, dass das so ist. Vielmehr scheinen Sie außer der Vita des Interviewpartners (und irgendeiner anderen Person, die in dem Interview nicht mal erwähnt wird, geschweigfe denn teilnimmt) nicht viel mitgenommen zu haben.



          Und von der Hybris, seine "Überzeugungen" - wo auch immer man sie her hat - als etwas anderes (wohl gewichtigeres) als eine "Meinung" qualifizieren zu wollen, will ich gar nicht anfangen. Wer meint, im Besitz der einzigen und echten Wahrheit zu einem Thema zu sein, liegt fast immer allenfalls durch Zufall richtig - zum Beispiel, weil er sich rational überprüfbaren Argumenten a priori verschließt, bloß weil sie aus einer "falsch gepolten" Quelle stammen.

          • @Normalo:

            @ Normalo



            Sie sind doch sonst, so scheint es, ein schlauer Kopf, dann setzen Sie sich doch einmal über die von mir erwähnte Dame in Kenntnis.



            Zudem, warum laufen unser Bundeskanzler und seine Konsorten von den Unionsparteien, eigentlich noch ohne Fußfessel durch unseren Bundestag ? Haben Sie vielleicht eine Erklärung dafür, wie so etwas es sein ? Falsche Zusagen bezüglich unseres Finanzhaushalt - " die Schuldenbremse bleibt " waren die Worte von Friedrich Merz und Carsten Linnemann. Ein eklatanten Wortbruch wurde kurz nach der Wahl begangen.



            Zudem, welche Ursachen sind denn überhaupt ursächlich für so eine abstruse Diskussion über Sicherheitsfragen & Aufrüstung, ist es nur die tagtäglich auf's neue zu erkennene Unfähigkeit von Diplomatie und Souveränität gegenüber anderen Staatsoberhäuptern ? Hat sich da etwa ein hoch gestapelter, aus der letzten Hinterbank der Parlamentarier, zum Kanzlerkandidat, zur Wahl aufstellen lassen ?



            Hier dürfte die Immunität ausser Kraft gesetzt werden müssen, oder sollen / müssen wir als Bevölkerung zusehen wie unser schönes Land ruiniert, ramponiert & mit Vollgas von unfähigen Dilettanten aus den Unionsparteien gegen die Wand gefahren wird ?

  • So geht‘s auch!



    Zwei Kompetente werden interviewt, können zivilisiert miteinander umgehen und nebenbei noch Wissen transportieren.



    So sollten Fragestellungen häufiger bearbeitet werden - gut gemacht, taz!



    In den letzten Tagen sind positive Beispiele für Rüstungszusammenarbeit entstanden. Dass Kanada, Norwegen und Deutschland U-Boote bauen, die dann in allen drei Ländern repariert werden können, ist ein enormer Fortschritt.



    Dass die in Deutschland stationierten Awacs nun durch ein kanadisches Flugzeug ersetzt werden sollen, mit Überwachungstechnik aus Schweden, ist ein weiterer positiver Aspekt der Zusammenarbeit,



    Es ist zielführend, die Technik besser zu vernetzen. Dass damit auch den wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder Rechnung getragen wird, verbessert die Zusammenarbeit noch.



    Pistorius kann einen Erfolg für sich verbuchen, aber es ist außerdem der Startschuss für intensivere Zusammenarbeit insgesamt.



    Das hatte sich trump natürlich anders vorgestellt, er wollte natürlich, dass Alle in den USA einkaufen.



    Viel Zukunftsweisender ist es allerdings Gemeinschaft ohne trump zu denken.



    Angesichts seiner Nichtbeachtung hat der mal wieder einen Krieg begonnen - falsches Pferd !

  • Krieg wird in nicht allzu ferner Zukunft robotisch geführt, was Diskussionen über Truppenstärken obsolet macht. So ist beispielsweise die Front der Ukraine trotz ihrer personellen Unterlegenheit erstaunlich stabil. Für Russland macht es deswegen kaum noch einen Unterschied, ob NATO-Staaten direkt in den Konflikt involviert sind und Truppen in die Ukraine schicken, oder nur alle verfügbaren Drohnen und sonstigen Kampfroboter an die Ukraine liefern. Damit ist jedoch die Abschreckung der NATO vor direkten Angriffen auf ihr Territorium infrage gestellt.

    Außerdem ist eine kollektive Antwort der NATO keineswegs eine Gewissheit, wenn es zu Drohnenschlägen auf kritische Infrastruktur kommt, die Russland gegebenenfalls verleugnen, oder als Fehlfunktionen ukrainischer Langstreckendrohnen darstellen kann. Deutschland würde vielleicht für sich allein den Spannungsfall ausrufen, welcher drastische Auswirkungen auf den Alltag in Deutschland hätte, ohne in Russland viel zu bewirken.

    • @economista:

      "Krieg wird in nicht allzu ferner Zukunft robotisch geführt, was Diskussionen über Truppenstärken obsolet macht."

      Was soll an einem Krieg von KI gesteuerten Robotern beruhigend sein? Mal abgesehen davon, dass die Roboter trotz Hype immer noch in den Kinderschuhen stecken. Wenn sie die gegnerischen Roboter ausgeschaltet haben, fallen sie über die Menschen her...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Im Grunde ist es eine perverse Debatte, die wir hier über zukünftige Kriegstechnologien führen, aber @conomistas Ausführungen dazu kann ich zustimmen.



        Ich finde, man muss den Mutschlers und Masalas mehr zuhören, um die Entwicklungen auf diesem Gebiet zu verstehen und mitreden zu können. Auch wenn sich der Pazifist in mir massiv gegen diese militärische Logik sträubt.



        Vorerst - ich muss es gestehen - bin ich froh über die ‚kill zone‘, die mit Hilfe der Drohnentechnologie an der Front geschaffen wurde und die die Russen daran hindert, weiter in die Ukraine vorzudringen. Und ich freue mich über die Zerstörung der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer, dem Abschneiden der Krim von der russischen Energieversorgung und brennende Ölraffinerien weit im russischen Hinterland.



        Jede russische Niederlage bringt - so die Hoffnung - beide Länder einem Waffenstillstand und schließlich dem Frieden immer näher.

  • Natürlich muss Europa (EU+GB) wirtschaftlich und militärisch stärker werden als Russland. Schließlich hat die EU zusammen mit GB mehr Einwohner als die USA und Russland zusammen.

    • @Aurego:

      Stimmt, da hätte ich gar nicht mehr dran gedacht :D



      Aber ob wir deswegen unbedingt stärker werden müssen...



      Mit dem Ziel der Glaubhaften Abschreckung genügt es gleich stark zu sein. Mehr kostet nur mehr, bringt aber nicht wirklich mehr. Der Verteidiger ist sowieso im Vorteil. Und im schlimmsten Fall haben wir die größeren Produktionskapazitäten verfügbar.

      • @Sonderzeichen:

        In der Ukraine musste Russland feststellen, dass "gleichstark" nicht unbedingt von außen gleich stark aussehen muss. Jede "sparsame" Abschreckungsstrategie basiert auf der Annahme, dass sich Putins militärische Ratgeber das auch für die Zukunft zu Herzen nehmen. Die Erfahrung zeigt aber, dass in totalitären Systemen die Ratgeber immer mindestens eine Gratwanderung machen müssen zwischen dem, was ihnen schmerzliche Erfahrungen vielleicht sagen könnten, und dem, was die jeweiligen Potentaten hören wollen. Der Ukrainekrieg könnte bereits ein Beispiel dafür sein, wie sich das auswirkt.

        Auf dem Papier gibt es mehrere Einfallstore, an denen man ein russische Überlegeneheit jederzeit "erdichten" kann: Zum Einen ist da die Einbildung eines Überraschungseffektes - man stellt einfach die Friedenstauben, die einen Angriff für völlig ausgeschlossen halten, als repräsentativ für die strategische Abwhrbereitschaft des Gegners dar. Dann sind da die größeren Reserven an Menschen und schwerem Material. Und zum Dritten wäre da die russische "Entschlossenheit" beim Einsatz dieser Ressourcen (=Bereitschaft zum massenhaften Verheizen) im Vergleich zu westlichen Streikräften.

        • @Normalo:

          Verzeihung aber: was ist jetzt eigentlich ihre Aussage?



          Von meiner Seite dazu vielleicht noch folgendes: man kann heutzutage, mit einer vernünftigen Aufklärung, die Schlagkraft genauso wie die Ansammlungen gegnerischer Truppen gut und praktisch live einschätzen.



          Ein Angreifer braucht klassisch eine 3:1 Übermacht um erfolgreiche Angriffe führen zu können. Wenn man also in etwa auf Par ist, dann ist das für die Verteidigung ausreichend.



          Punktuell kann das immer mal anders aussehen, je nachdem wo Schwerpunkte gesetzt werden. Aber wir würden unsere Truppen sicherlich nicht zu 90% im Landesinneren und zu 10% an den Grenzen stationieren, denn das wäre dumm. Und wir sind nicht dumm. Die Truppen und das Gerät wird dort stationiert und so aufgeteilt, wo und wie es sinnvoll und effektiv ist.



          Deutliche Übermacht benötigt man nur für Attacken.

        • @Normalo:

          Wenn selbst nationalistische russische Militärblogger hämisch ihren Finger in die Schwachstellen der russischen Kriegsführung legen und monieren, dass der Kremlherr von seinen Ratgebern offensichtlich falsch über die militärischen ‚Fortschritte‘ und die tatsächen Verluste dieser ‚Spezialoperation‘ informiert wird. wie soll man da glauben, dass selbst ein Putin in seinem ‚Bunker‘ von der einsetzenden Unruhe in der Bevölkerung Russlands nichts wissen sollte?



          Putins Herrschaft steht auf sehr tönernen Füßen, sofern die Stimmung in Russland eindeutig gegen ihn und SEINEN Krieg kippt. Das scheint momentan ja auch die Strategie der Ukraine zu sein, indem man die Ökonomie Russlands mit präzisen Drohnenangriffen empfindlich schwächt, ohne dabei in einen blindwütigen Luftterror gegen die Zivilbevölkerung zu verfallen, wie es umgekehrt die russische Seite macht.



          Ich meine, das ist ein zentrales Argument, warum der Kreml nicht gegen die NATO losschlagen wird, nicht einmal gegen die baltischen Staaten.



          Und auch der Erratismus des US-Präsidenten hat die NATO eher gestärkt, auch wenn das jetzt paradox klingen sollte. In der Sache bin ich daher eher bei Mutschler als bei Masala.

          • @Abdurchdiemitte:

            Ich glaube, an der kremlskeptischen Meinung irgendwelcher Blogger, interessiert den heutigen Herrn Putin nur noch, warum die noch nicht für ihren majestätsbeleidigenden Blödsinn im Gulag gelandet sind. Nach der "Wahrheit"fragt er die Leute, die ihm sagen, was er hören möchte.



            Die tönernen Füße mögen vielleicht stimmen, aber nicht so, wie Sie es beschreiben. In Russland kommt die Gefahr für den jeweils Herrschenden traditionell nicht vom Volk. Man darf sich durch das singuläre Ereignis der Oktoberrevolution nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass es in Russland eigentlich noch nie eine nennenswerte Kultur der Zivilcourage - insbesondere gegenüber den jeweils Herrschenden - gab. Wenn ein Machthaber abgeräumt wird, dann in der Regel durch den nächsten Machthaber. Ob Putin die, die da in Frage kommen, immer noch so eng an sich gebunden hat, dass sie sich das nicht trauen, ist an der Angriffsstrategie der Ukraine (so effektiv die auch sein mag) nicht abzulesen.



            Und nein, das Bild der Nato ist im Gegenteil durch Trumps Kapriolen stark geschwächt, und muss ihren notgeborenen Ohne-USA-Zusammenhalt erst militärisch unterfüttern. Nur wenn das fruchtet, steht sie wieder "unangreifbar" da.

  • "Die Sorge war, dass der Krieg mit der Lieferung dieser Waffen noch weiter eskaliert und Deutschland aktive Kriegspartei wird."

    Diese Sorge war von Anfang an rechtlich gesehen Quatsch. Ein Staat kann so viele Waffen an einen kriegführenden Staat liefern, wie er will, er wird dadurch einfach nicht zur Kriegspartei. Ansonsten wären Nordkorea und vor allem China ja schon längst Kriegspartei, und niemand behauptet das, schon gar nicht Russland.

    • @Suryo:

      Das ist keine rechtliche Frage.

    • @Suryo:

      Du glaubst also, ein Krieg sei ein rechtliches Problem?



      Wenn dich irgendwer als "Kriegspartei" identifiziert, wird er wohl kaum durch alle Instanzen, womöglich bis zum Bundesverfassungsgericht, klagen, bevor er losschlägt.

      • @Tiene Wiecherts:

        Russland sieht sich doch sowieso schon längst im Krieg mit uns und greift uns jeden Tag an.

        Der Aggressor ist und bleibt Russland.

        Was wären wir eigentlich für Deutsche, wenn wir einem von einem faschistischen Terrorstaat angegriffenen Land nicht beiständen?

        • @Suryo:

          "Russland sieht sich doch sowieso schon längst im Krieg mit uns und greift uns jeden Tag an."

          Das ist aber noch ein kalter Krieg. Was ein heißer Krieg ist können Sie in Kiew sehen.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Der Punkt ist, dass Russland Krieg als Kontinuum und sich bereits im Krieg mit uns begreift. Es braucht keinen Rekurs auf das Völkerrecht zu nehmen - das tat es beim Angriff auf die Ukraine schließlich auch nicht. Niemand hat je ernsthaft darüber diskutiert, ob Russland für den Krieg irgendwelche juristischen Rechtfertigungen hat - auch Russland selbst nicht.

  • Schön, dass 2 Militärexperten diskutieren, aber haben wir nicht alle im Hinterkopf gehofft, dass die Bundeswehr eine sinnvolle Militärstrategie HAT? Die sehe ich (noch) nicht.



    Das ist brandgefährlich.

    • @So,so:

      Hat sie wurde intern vor einigen Wochen vorgestellt. hartpunkt hat da eine Zusammenfassung.

    • @So,so:

      Wer hat das denn im Hinterkopf?

      Wussten und wollten es nicht alle, dass die Bundeswehr quasi handlungsunfähig ist?

  • "Wenn man bei den französischen Militärausgaben die Kosten für Nuklearwaffen abzieht, waren die Etats in etwa gleich. Und die französische Armee ist nicht zu schlecht ausgerüstet."

    Ähnliche Argumente hörte man schon öfter. Wieso ist das kein Thema? Welchen Sinn macht es, Etats zu erhöhen, wenn man weiß, dass massiv Geld versickert? Sollte man nicht erstmal herausfinden, was eigentlich das Problem ist, und es beseitigen?



    Habe irgendwo gelesen, dass das Beschaffungsamt mit 13.000 Mitarbeitern Ursache der Probleme ist. Vielleicht muss da mal eine Unternehmensberatung durchjagen?

    • @Kaboom:

      "Vielleicht muss da mal eine Unternehmensberatung durchjagen?"

      Hat vdL gemacht. Eine die gleichzeitig für Rüstungskonzerne arbeitet.

      Ein großes Problem ist tatsächlich, dass die meisten verantwortlichen glauben, dass die BW ihre Aufgaben besser erfüllen kann, wenn man nur immer mehr Geld in den Ofen schaufelt. So wird das nichts. Dazu kommt, dass man wie zu Willis Zeiten weltweit agieren will. Das verpulvert zusätzlich Geld.

    • @Kaboom:

      Beim Staat versickert doch überall Geld, da sich das ganze immer mehr zum Selbstbedienungsladen gemausert hat. Kaum Kostenüberwachung. Da helfen auch Ausschreibungen nichts. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin voll bei Ihnen. Ich sehe nur das Problem nicht nur bei Militärausgaben, sondern insgesamt in den Ausgaben des Staates. Daher wäre ich auch für rigeroses Sparen.

      Beim Militär muss ich allerdings sagen: Es gab schon zu meiner Zeit des Wehrdienstes vor ca. 25 Jahren nicht genug Material. Das wird sich kaum gebessert haben (vielleicht in den letzten vier Jahren).

      • @Strolch:

        Das ist ein interessantes Thema, nicht nur in diesem konkreten Fall, seh ich genauso.



        Ich würde wirklich gerne sehen, wenn sich die verschiedenen Ebenen (Bund, Länder etc.), Ämter und Behörden ein Controlling zulegten.

        Naja, naive Träume vermutlich :-)

        • @Kaboom:

          Der Controller existiert bereits, heißt Bundes-/Landesrechnungshof, schreibt sich die Finger wund, was alles schief läuft, und nichts ändert sich.



          Wie sollte es auch: Das meiste Geld gibt die - zum allergrößten Teil NICHT demokratisch abwählbare - Exekutive aus. Die arbeitet mit anderer Leute Geld, und ihre einzige Form der "Rechenschaftslegung" denen gegenüber ist, mehr zu verlangen (bzw. in deren Namen Schulden zu machen), wenn das Geld weg ist. Denn wenn das passiert, war ja offenkundig das Budget zu klein. Eine Vergleichbarkeit durch Wettbewerb gibt es nicht, und die Jobs und Renten sind sicher. Viel Geld auszugeben ist im Gegenteil tendenziell sandkastenvergrößernd und damit karriereförderlich. Das wahre Klassenziel heißt "Planstellenvermehrung".



          Zugegeben: In große Konzerne arbeiten einzelne Bereiche auch nach dem System. Aber bei denen kommt eben dann doch irgendwann der ganz dicke Rotstift durchgewalzt, wenn man es übertreibt.



          Ein Weg, diese Dynamik zu bremsen oder gar ins Gegenteil zu drehen, wäre dem Rechnungshof die Möglichkeit zu geben, die Privatisierung von ineffizienten Bereichen anzuordnen. Aber auch das hätte Grenzen - gerade bei äußerer und innerer Sicherheit.

  • Spannend. Nicht völlig, aber weitgehend faktenfrei diskutiert. Irgendjemand hat gewarnt, dass Russland eine Bedrohung ist, also ist die Aufrüstung gerechtfertigt. Welche Argumente für diese Bedrohung sprechen, obwohl wir weder Rohstoffe haben noch eine erstrebenswerte geografische Position auf dem Globus, bleibt im Dunkeln. Russland ist längst mit uns im Krieg. Aber eben effizient und weit ungefährlicher für Russland als es ein echter militärischer Angriff wäre: Desinformationskampagnen, Trollfabriken und Cyber Attacken sind zielgenau und effizient. Bin gespannt, welches Schlachtschiff, welcher Panzer, oder welche Mittelstreckenrakete die Attacken abwehren wird. Aber immer schön milliardenteuerer Scheiß, das freut die Rüstungsindustrie.

    Dabei ist Herr Masala ja kein dummer Mensch, wenn man ihn so gelegentlich in Interviews sieht. Aber auch hier wieder so wenig Argumente wie immer. Und dass das Beschaffungswesen völlig korrupt ist, ist ihm auch egal. Ist halt so. Wie wäre es mit dem Ansatz, dass Verteidigung kritische Infrastruktur ist und in staatlichen Hand gehört? Was, wenn die Milliardengewinne der Rüstungsfirmen plötzlich in unsere Taschen fließen? Krasse Idee, oder?

    • @Jalella:

      @Jalella



      👍👍 & 👍👍



      Genau, aber erstmal fließen über Jahrzehnte unsere Steuergelder, die Steuergelder unserer Kinder und unserer Enkel in die langfristigen und kostspieligen Verträge, die unsere Regierung mit der Rüstungsindustrie schon längst abgeschlossen hat. Nennt sich übrigens nicht Diebstahl, NEIN, läuft alles ganz Legal & Legetimiert ab. Goil oder & dann gibt's tatsächlich noch so ein paar Träumer, die stehen Spalier & sparen nicht mit Applaus zu dieser Farce oder ist es doch eher eine Tragödie des Ausdrucks der Dummerhaftigkeit.

    • @Jalella:

      "..Was, wenn die Milliardengewinne der Rüstungsfirmen plötzlich in unsere Taschen fließen? Krasse Idee, oder?..."



      Das ist oft die weitverbreitete Auffassung bei Salonlinken: Die Gewinne fließen dem Staat zu und damit uns allen. Was dabei regelmäßig ausgeblendet wird, ist, wie es zu den Gewinnen kommt. Ich kann die Kuh jetzt melken, wenn ich aber nicht in der Lage bin, ein innovatives Umfeld zu schaffen und neue, ebenso begehrte Produkte zu entwickeln, wird die Kuh schnell keine Milch mehr geben. Und der Staat kann viel, Innovation und Produktentwicklung ist aber mit Sicherheit nicht seine Stärke.

    • @Jalella:

      Geographisch ist Deutschland hoch interessant. Viele logistisch relevanten europäischen Nord-Süd- und Ost-West-Achsen laufen durch Deutschland. Im Prinzip kontrolliert Deutschland die Logistik Europas. Hat seinen Grund, warum bei uns so viele LKW auf den Autobahnen unterwegs sind.

    • @Jalella:

      Spannend. Nicht völlig, aber weitgehend faktenfrei kommentiert.

      Desinformationskampagnen, Trollfabriken und Cyberattacken dienen dazu, uns politisch zu schwächen, damit wir z. B. gerade nicht stark aufrüsten und dann im Falle eines militärischen Angriffes weniger Widerstand leisten können. Es ist gerade militärische Schwäche, die Russland dazu animiert, anzugreifen.

      Russland sagt sich nicht "Oh, schau, Deutschland hat so eine schlecht ausgerüstete Bundeswehr, das ist für uns keine Bedrohung, also lassen wir es in Ruhe."

      Nein, Russland sagt sich "Oh, schau, Deutschland hat so eine schlecht ausgerüstete Bundeswehr. Das wird eine leichte Beute."

    • @Jalella:

      Ich glaube, sowohl bei den Rohstoffen als auch bei der "erstrebenswerten geografischen Position" irren Sie sich ein wenig. Gerade die geographische Position (gemäßigtes Klima, keine Tropenkrankheiten, ausreichendes Nahrungsangebot, wenige Erdbeben etc.) hat zur Stärke Europas geführt.



      Bei den Rohstoffen ist es z. T. so, dass wir unser Potential nicht voll ausschöpfen, weil es billiger ist, Rohstoffe aus Ländern zu beziehen, die weniger Arbeitsrecht und geringere Umweltauflagen haben und wo kaum protestiert wird, wenn man Kupfererz im Tagebau fördert.



      Langfristig wird es jedoch auf eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft (Recycling etc.) hinauslaufen.

      • @Aurego:

        Ausreichendes Nahrungsmittelangebot gibt es in Europa erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts.

        • @Francesco:

          Nein, das gab es schon im Römischen Reich.

    • @Jalella:

      Was, wenn die Milliardengewinne der Rüstungsfirmen plötzlich in unsere Taschen fließen? Krasse Idee, oder?

      Da habe ich echt kein Vertrauen in den Staat. Da sitzen dann 1000 Beamte, die nur Bedenken tragen, aber nichts versuchen. Nein, das wäre der falsche Weg.

      Dem Beschaffungswesen auf die Finger zu schauen (nicht nur bei der BW), da rennen Sie bei mir allerdings offene Türen ein.