Pro-Palästina-Demo in Connewitz: Aufgeheizte Stimmung, keine Festnahmen
Im Leipziger Süden trafen am Samstag mehrere Proteste aufeinander. Es ging auch um das antifaschistische Selbstverständnis des Stadtteils.
Tausende Menschen haben am Samstag im Leipziger Südstadtteil Connewitz demonstriert. Ausgangspunkt war die Ankündigung der Gruppe Lotta Antifascista, am 17. Januar mit einer Demonstration unter dem Motto „Antifa means: Free Palestine“ durch Connewitz ziehen zu wollen.
Geplant war ein Demonstrationszug vor das bekannte soziokulturelle Zentrum Conne Island und dem Büro linXXnet der Leipziger Linken-Politikerin Juliane Nagel. Dem Aufruf schlossen sich unter anderem die Gruppen Migrantifa Leipzig und Handala an. Letztere organisierte als eingetragener Verein bis vor Kurzem antiisraelische Demonstrationen in Leipzig. Im Dezember hatte sich Handala formal aufgelöst, ist unter diesem Namen aber weiter in den sozialen Medien aktiv. Vor seiner Auflösung wurde der Verein Handala vom sächsischen Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestuft.
Zahlreiche weitere Gruppen und Organisationen aus dem propalästinensischen Spektrum mobilisierten in den vergangenen Tagen bundesweit zur Teilnahme. Auch mehrere Gegenproteste hatten sich bis zum Samstag angekündigt. Ein Zusammenschluss von SPD, Grünen, FDP und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft rief zur Kundgebung „Leipzig gegen jeden Antisemitismus“ auf. Auch mehrere proisraelische Kundgebungen, unter anderem unter dem Motto „Enough is enough, kein Frieden mit Antisemit*innen“, wurden angemeldet. Zudem kündigten Protagonisten aus dem rechtsextremen Umfeld, unter anderem der Kleinpartei Freie Sachsen, einen „Besuch“ in Connewitz an.
Kurz zuvor wichen die Veranstalter*innen der propalästinensischen Demonstration von ihrer ursprünglich geplanten Route ab. Stattdessen sollte eine Kundgebung mit anschließendem Marsch in die Leipziger Innenstadt folgen. Laut Polizei geschah dies „auf Wunsch der Anmelderin“. Handala sprach von einem „Verbot“.
Proisraelischer Protest und „zionistische Schläger“
Gegen 13 Uhr versammelten sich an einer zentralen Straßenkreuzung im Stadtteil, dem „Connewitzer Kreuz“, auf beiden Seiten des Protests mehrere Hundert Menschen. Die Polizei ging am Nachmittag von insgesamt 3.500 Teilnehmer*innen aus, wobei sie 1.500 dem propalästinensischen Protest zuordnete. Ein geplanter Demozug der Freien Sachsen kam aufgrund niedriger Teilnehmerzahlen nicht zustande.
Um 15 Uhr setzte sich der propalästinensische Demonstrationszug wie geplant in Bewegung, begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot. Dabei wurden Sprechchöre wie „Antideutsche sind keine Linken“ und „Yallah, yallah, Intifada“ gerufen. Der Sender MDR meldete einen tätlichen Angriff seitens der propalästinensischen Protestierenden auf eines seiner Kamerateams.
Connewitz ist in- und außerhalb von Leipzig für seine linke und alternative Subkultur bekannt. Bei der jüngsten Landtagswahl in Sachsen errang die Linke hier mit der Kandidatin Juliane Nagel eins von zwei Direktmandaten, die ihr den Einzug ins Landesparlament sicherten. Innerhalb der Szene gilt der Stadtteil als historisch wichtiger Ort für die prozionistische Strömung der sogenannten Antideutschen. Insbesondere im Conne Island finden proisraelische und antisemitismuskritische Veranstaltungen statt. Auch Juliane Nagel hat sich mehrfach gegen Antisemitismus positioniert und mit Israel solidarisiert.
Einzelne Provokationen, keine Festnahmen
Laut eigenen Aussagen richtete sich der Protest von Handala und Lotta Antifascista gegen „zionistische Schlägerbanden“ im Stadtviertel. In der Vergangenheit sei es vermehrt zu Angriffen auf propalästinensische Menschen gekommen. Genannt wird hierbei unter anderem ein Vorfall aus dem Oktober 2024, bei dem Vermummte einen Infostand der „Students for Palestine“ in Leipzig attackiert hatten.
Zuletzt kam es in Leipzig auch zu einem gewalttätigen Vorfall mit mutmaßlich antiisraelischem Hintergrund. Vergangenen Mittwoch wurde im Leipziger Westen ein koscheres Café von Kindern und Jugendlichen angegriffen, wobei auch eine Israelfahne entwendet wurde.
Trotz teilweise aufgeheizter Stimmung und verbalen Provokationen verlief der angemeldete Teil der Demonstration weitgehend ohne Zwischenfälle. Die Polizei spricht von einigen Verstößen gegen das Vermummungsverbot, meldete bis zum Abend aber keine Festnahmen.
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