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Nach Wahl in BerlinLinke sondiert mit sich alleine

Am Dienstag kommt die Linksfraktion in Berlin zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Unklar ist, ob alle gewählten Abgeordneten der neuen Fraktion angehören werden.

Es ist vielleicht der wichtigste Termin der laufenden Sondierungen, und er findet ganz ohne Beteiligung von SPD und Grünen statt. Am Dienstagnachmittag ist die Linksfraktion zu ihrer konstituierenden Sitzung im Abgeordnetenhaus zusammengekommen. Und dabei steht die Frage im Raum: Werden all ihre gewählten 45 Abgeordneten in die neue Fraktion aufgenommen oder werden einzelne von ihnen ausgeschlossen?

Konkret geht es dabei insbesondere um die Neuköllner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde. Sie gilt als die kompromissloseste antiisraelische Stimme unter den neu gewählten Abgeordneten. Vorgehalten wird ihr dabei, dass sie durch ihr Eintreten für eine Einstaatenlösung das Existenzrecht Israels infrage stellt. Im Mai dieses Jahres hatte Emde auf einer propalästinensischen Kundgebung gesagt: „Es gibt kein Existenzrecht für Staaten – Menschen haben ein Recht zu existieren.“

Die Linksfraktion will sich nun am Dienstag eine Satzung geben, die den Passus enthält: „Die Fraktionsmitglieder erkennen das politische Primat der Partei an und sichern zu, ihr politisches Handeln, insbesondere im Abgeordnetenhaus, an den demokratisch gefassten Beschlüssen der Partei auszurichten.“ Zu den Beschlüssen der Partei gehört das Eintreten für Israels Existenzrecht. Ob sich Emde daran gebunden fühlt, ist unklar. Über ihre Aufnahme in die Fraktion entscheiden die Abgeordneten schließlich mit einfacher Mehrheit.

Im Zuge der Vorabsondierungen, in denen sich die drei Parteien Ende vergangener Woche auf ein Papier zum Umgang mit Antisemitismus geeinigt hatten, sollen SPD und Grüne auf die Nichtaufnahme von Emde in die Linksfraktion gedrängt haben. Sollte die Linke Emde dennoch in die Fraktion aufnehmen, könnten die Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD daran scheitern.

Schwierige Gespräche

Die Gespräche der drei Parteien, die am Dienstag aussetzten, sind bislang nicht so vorangekommen, wie ursprünglich gedacht. Die Linke verschob am Dienstag ihren für Freitag geplanten Parteitag, der über das Sondierungspapier und den Eintritt in Koalitionsverhandlungen beraten sollte. Nicht mehr zu halten war die Vorgabe, dass den Abgeordneten die Sondierungsergebnisse 72 Stunden vorher vorliegen, denn mit Ergebnissen wird nicht vor Ende der Woche gerechnet. Der Parteitag soll nun, auch aufgrund der dann beginnenden Herbstferien, zwei Wochen später stattfinden.

Dem Vernehmen nach hakt es in den Gesprächen vor allem am Thema der Vergesellschaftung. Die Linkspartei hatte die Umsetzung des Volksentscheids zur Bedingung für eine Koalition gemacht, SPD-Chef Steffen Krach, der kein Amt in einem zukünftigen Senat anstrebt, hatte genau das im Wahlkampf ausgeschlossen. Auch das Thema Finanzen gestalten sich wohl schwierig. Der aktuelle Haushalt hat ein strukturelles Defizit von 5 Milliarden Euro. Die Finanzierung neuer Projekte, mit denen die Parteien eigene inhaltliche Schwerpunkte setzen können, steht damit vor einer großen Herausforderung.

Elif Eralp kritisierte am Rande der Sitzung eines Einmischung von Bundeskanzler Friedrich Merz in die Berliner Sondierungen. Merz hatte am Montag in Richtung von SPD und Grünen gefordert, die Gespräche mit „dieser linksradikalen Partei“ zu beenden. Eralp sagte dazu: „Das halte ich für nicht akzeptabel.“

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47 Kommentare

  • Gideon ,

    Vielen Dank für eure Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen. Die Moderation

  • Günter Witte

    Würde es sehr schade finden wenn es nicht zu einer RRG Regierung unter Führung der Linken kommt, weil dann könnten sie nicht scheitern. Sollte es jetzt zu einer Regierung unter Leitung der CDU kommen könnten die Linke sich in der Opferrolle inszenieren und würden bei den nächsten Wahlen noch stärker. Berlin ist eh schon am As...., da kommt es auf eine Linke Regierung auch nicht mehr an.

  • Eichhörnchen99

    Zur Demokratie gehört auch ein geregelter, friedlicher und demokratischer Machtwechsel. Was Grüne und SPD hier machen, ist letztlich nichts anderes als trumpistisches Blockieren des demokratischen Prozesses mit populistischen Mitteln – nur eben im Gewand eines um Antisemitismus besorgten bürgerlichen Milieus. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Bürger:innen Berlins gewählt haben – demokratisch. Die Grünen und die SPD haben dieser Wahl Genüge zu tragen und nichts anderem. Hier wird im heuchlerischen Gewand der achsodemokratischen Mitte der demokratische Prozess ausgehöhlt. Im strengen völkerrechtlichen Sinne ist der Satz, an dem man sich künstlich aufhängt, korrekt: Den klassischen Fachbegriff eines „Existenzrechts der Staaten“ in diesem Wortlaut kennt das positive Völkerrecht nicht.

    • Moby Dick

      @Eichhörnchen99:

      Die Bürger Berlins haben gewählt. Grüne und SPD haben zusammen mehr Stimmen als die Linke.

    • Encantado

      @Eichhörnchen99:

      "...trumpistisches Blockieren des demokratischen Prozesses mit populistischen Mitteln..."



      Geht's auch ne Nummer kleiner? Man mag von den erhobenen Vorwürfen halten was man will, aber meines Wissens ist das Eingehen einer Koalition immer noch freiwillig.



      Das mit trump'schen Methoden gleichzusetzen, ist jenseits normaler Maßstäbe.

    • A.W.

      @Eichhörnchen99:

      Sehr gut 👍

    • Müller Christian

      @Eichhörnchen99:

      Ob man die Gründe als richtig oder falsch findet, keine Partei ist verpflichtet mit einer anderen in die Koalition zu gehen. Nennt sich Demokratie.

    • Walterismus

      @Eichhörnchen99:

      Nein die Grünen und SPD haben ihren Wählern Rechnung zu tragen und nicht der Linken, weil diese gewonnen hat.

      Sonst muss in Sachsen Anhalt die AfD regieren, weil alle Parteien der Wahl Genügen tragen müssen. Andernfalls würde auch hier ihr vorgeschobener demokratischer Prozess ausgehölt werden...

  • Kohlrabi

    Es ist ja gut möglich, dass es SPD und Grünen schwer fällt in eine Koalition zu gehen, wo der Dritte im Bunde genauso stark ist wie SPD und Grüne zusammen. Es kann auch gut sein, dass zwischen SPD und Linken tatsächlich keine Einigung in der Vergesellschaftungsfrage drin ist (wobei hier der Faktor Zeit eigentlich Kompromisse möglich machen sollte).

    Aber jetzt jenseits der stadtpolitischen Themen irgendwelche Bekenntnisdebatten weiterzuführen, wirft m.E. kein gutes Licht auf SPD und Grüne. Dann sollen sie eben klar sagen: O.K., mit der CDU können wir unsere Ziele besser durchsetzen. Dann isses eben so.

    Und von Vanessa Emdes Ansichten mag man halten was man will. Aber sie ist nicht auf einem hinteren Listenplatz ins AgH gewählt worden, sondern hat sicher an vielen Wahlkampfständen gestanden und überzeugend ein Direktmandat geholt. Ist doch klar, dass man die nicht vor Beginn der Legislatur aus der Fraktion auschließt. Seit wann ist es politische Praxis, dass solche Forderungen Teil von Sondierungsgesprächen sind?

  • HRMe

    Im anderen taz-Artikel ("SPD und Grüne setzen Sondierungen aus") wird ja ganz deutlich, worum es der SPD geht: "Auch Noch-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, die Teil der Sondierungsgespräche ist, hatte sich zuletzt gegen ein Linksbündnis ausgesprochen. Am Dienstag erklärte sie derweil ihre Bereitschaft, auch weiterhin als Wirtschaftssenatorin zur Verfügung zu stehen." Frau Giffey (ehem. Dr. Giffey) will weiterhin Senatorin bleiben und das geht halt wohl nur mit der Union. So könnte sie weitermachen und die SPD ihre Talfahrt fortsetzen.

  • Klabauta

    Für SPD und Grüne ist es schlicht leichter, den Antisemitismus einer einzelnen Abgeordneten als Grund anzuführen, die Sondierungen zu stoppen, als jener Mehrheit, die beim Volksentscheid 2021 für die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen in Berlin stimmte zu erklären, warum sie gegen eine Vergesellschaftung sind und dass sie deshalb eine Koalition mit der Linken scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

  • Pico

    Vereinbart wurde, dass jede Fraktion entscheidet wie damit umgegangen werden soll. Die Linke hat von ihren Abgeordneten ein Bekenntnis eingefordert und dies zu 100% bekommen. Die Grünen und auch die SPD haben kein Recht darauf mehr zu fordern. Das macht Die Linke umgekehrt ja auch nicht. Wer bremst ist klar: Die Grünen und die SPD.

    • Günter Witte

      @Pico :

      Kennen Sie den genauen Wortlaut dieser Vereinbarung ? dann bitte verlinken.

    • Chaos-NRW

      @Pico :

      Nicht wirklich die Realität, was Sie da beschreiben. Es gab einen gemeinsamen Erklärungstext, die Linkspartei lässt einen abgeänderten Text unterschreiben. Es war vereinbart, dass Frau Emde nicht Teil der Fraktion werden soll, Frau Emde ist Teil der Fraktion. Wer sich nicht an die Vereinbarungen hält, ist die Linkspartei. Wie kann man sich da wundern, dass SPD und Grüne dann zurückziehen?

  • Sonntagssegler

    Es gibt in der Tat überhaupt kein Existenzrecht für Staaten.



    Es gibt dafür einfach keine "rechtliche" Grundlage.



    Staaten existieren, weil sie sich konstituieren und danach behaupten, das es sie gäbe.

    "Real" werden Staaten dadurch , das andere Staaten sie als existent anerkennen. Gerade deshalb ist es ja auch bei einigen Staaten (z.B. Taiwan) so extrem wichtig, wer da wen anerkennt und wer nicht.

    Ein Existenzrecht für einen bestimmten Staat in einer bestimmten Größe gibt es aber nicht.

    Man hat in der UNO versucht so etwas wie eine internationale Statik zu erzeugen, was dann faktisch die Existenz der aktuell bestehenden Staaten festschreiben würde.



    Wie gut das läuft, kann man hinterfragen aber immerhin scheinen Eroberungskriege für einige Zeit seltener geworden zu sein.

    • Machiavelli

      @Sonntagssegler:

      Die rechtliche Grundlage für die Existenz Israels ist die Aufnahme in die UN. So gesehen gibt es durchaus ein Existenzrecht für Staaten.

  • Flotte

    Sieht fast so aus, als möchte die Linke nicht regieren. Bei den leeren Töpfen in Berlin sogar nachvollziehbar. Wer möchte schon kürzen müssen. Habe die Linke diesmal gewählt. Das war es dann wieder

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Flotte:

      Es ist nicht die Linke, die sich hier zickig gibt. Es sind Grüne und SPD, die sich alle Mühe geben, eine Alternative zum Rechtsdrall in D zu verhindern.

      • Chaos-NRW

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Linkspartei hat die Vereinbarungen nicht eingehalten, SPD und Grüne, soweit bekannt, dagegen schon. Da kann der Vorwurf schlecht an SPD und Grüne gehen.

  • Hierjetzt

    Was genau sollte das Problem an einem Staat sein, in dem alle gleichberechtigt leben, Israels und Palästinenser? Muss man jede israelische Regierung wirklich feiern, egal was sie tut?

    • Agarack

      @Hierjetzt:

      "Was genau sollte das Problem an einem Staat sein, in dem alle gleichberechtigt leben, Israels und Palästinenser?"



      Das Problem ist, dass ein solcher Staat nicht demokratisch sein könnte und gleichzeitig eine jüdische Bevölkerungsmehrheit (und somit den Schutz von Jüd*innen) gewährleisten könnte. Stand jetzt, mit vollem "Rückkehrrecht" hätten muslimisch-arabische Palästinenser*innen in so einem Staat die Mehrheit. Da aber viele Israelis innerhalb der letzten 80 Jahre aus genau solchen Staaten (mit muslimisch-arabischer Bevölkerungsmehrheit) geflohen sind, haben sehr wenige von diesen Lust, den einzigen jüdischen Staat in einen solchen Staat umzuwandeln, weil sie dann Verfolgung fürchten. Gleichzeitig wollen aber auch Palästinenser*innen überwiegend nicht in einem solchen Staat leben, weil sie lieber einen Staat hätten, in dem Sie die Belange einer großen jüdischen Bevölkerungsgruppe nicht berücksichtigen müssen - und, nicht zu vergessen, weil einige von ihnen die Existenz von Jüd*innen in der ganzen Region beenden wollen (insb. die Hamas). Deshalb wollen weder Israelis noch Palästinenser*innen einen solchen Staat - das geben auch alle Umfragen her.

    • blutorange

      @Hierjetzt:

      In einem Staat Israel könnten natürlich alle friedlich und gleichberechtigt leben. Oder es könnten 2 Staaten friedlich nebeneinander existieren. Das Problem ist, dass keine Seite zu Zugeständnissen bereit ist. Alle wollen alles für sich. Die Stimmen, die für Einigung sind, hört man nicht. Vielleicht waren die mal lauter, kann ich nicht beurteilen. Nicht erst seit dieser Regierung scheint es keinen Ausweg aus dem Konflikt zu geben.



      Klar ist jedenfalls, dass es sich nicht um eine einseitige Aggression handelt.



      Es ist auf jeden Fall auch ein Problem, dass Deutschland auch eine rechtsextremistische israelische Regierung unterstützen und nicht kritisieren will. Aber das ist nicht der Grund, warum es keine Einigung gibt. Niemand kann doch diesen Konflikt lösen, wenn die Akteure selbst das nicht wollen.

    • *Sabine*

      @Hierjetzt:

      "Was genau sollte das Problem an einem Staat sein, in dem alle gleichberechtigt leben, Israels und Palästinenser?"

      Ich gehe davon aus, dass Ihnen die Verfolgungsgeschichte jüdischer und/oder israelischer Menschen bekannt ist. Es gibt keinen Staat, kein Land auf dieser Welt, in dem jüdische und/oder israelische Menschen frei von Verfolgung und Bedrohung leben können, obwohl formal gleichberechtigt. Nicht einmal in Deutschland. Das könnten sie auch in einem Staat nicht, in dem sie angeblich die gleichen Rechte wie pro-palästinensische Bürger:innen m/w/d hätten, sobald diese die Mehrheit stellen. Ich kann den jahrtausende alten Judenhass wirklich nicht verstehen oder nachvollziehen, aber für viele/die meisten (?) Menschen auf dieser Welt scheint Judenhass Sinn zu ergeben.

      Meiner Meinung nach muss! es, wenn auch nur ein einziges Land, auf dieser Welt geben, in dem jüdische Menschen halbwegs sicher leben können. Wir wissen und sehen alle, was mit jüdischen Menschen passiert, wenn sie in einem Staat in der Minderheit sind.

  • So,so

    Es ist eindeutig, dass die spd nur zum Schein mit der Linken Koalitionsgespärche führt. Sie will deren Erfolg auf JEDEN Fall verhindern.



    Leider, leider also zurück in die Arme des politischen Gegners (?) €du.



    Ob auch die Grünen da mitkommen?



    Mietende weiter der Fussabtreter der Konzern-Politik in Berlin.



    Verheerend.

  • Martin Rees

    "Im Mai dieses Jahres hatte Emde auf einer propalästinensischen Kundgebung gesagt: „Es gibt kein Existenzrecht für Staaten – Menschen haben ein Recht zu existieren.“..."



    Mal halblang machen.



    Was ist hier substanziell und was ist Interpretation?



    Erklärungen liefert Frau Emde an besten selbst.



    In tagesspiegel.de 2004



    "Gustav Heinemann hatte schon Recht, als er vor drei Jahrzehnten einem FernsehInterviewer kühl beschied: „Ich liebe nicht den Staat, ich liebe meine Frau.“ Denn er sagte es damals gegen einen Patriotismus, der allzu oft mit Revisionismus verbunden war."



    Die Theorie der Nationalstaaten und ihre Berechtigung stellen nicht zuletzt die Philosophen im Hintergrund der Tech-Bros im Silicon Valley herausfordernd mit ihrer Disruption zur Disposition.



    "Der neue Reaktionär



    Curtis Yarvin und die Versuchung der smarten Tyrannei



    Curtis Yarvin träumt vom Ende der Demokratie und einem amerikanischen Autokraten. Seine autoritären Ideen treffen den Nerv einer erschöpften Zeit und begeistern rechte Eliten wie Tech-Milliardär Peter Thiel oder US-Vizepräsident J.D. Vance."



    deutschlandfunk.de



    "Der Bürger? Kein Mitbestimmer mehr, sondern Kunde mit Kündigungsrecht."



    Er bevorzugt „CEO-Monarch“!

  • Okay

    Der Spiegel: „Die Berliner Linke nimmt Vanessa Emde in ihre Fraktion im Abgeordnetenhaus auf. Die radikale Politikerin hat bei der konstituierenden Sitzung zwar eine Erklärung gegen Judenhass unterzeichnet. Doch Grüne und SPD reagieren skeptisch.“



    Das ist Deutschland: Rechtsextreme, deren Bestrebungen vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft werden, sitzen in Parlamenten und besetzen zunehmend wichtige Positionen. Darüber regt man sich offenbar nur bedingt auf. Wer hingegen Kritik an Israel übt, wird schnell als Israel-Hasser, Antisemit oder Hamas-Freund abgestempelt.



    Die Rede des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels liegt gerade einmal zwei Tage zurück. Doch ihre Kritik scheint bereits in der Mülltonne gelandet zu sein. Stattdessen wird wieder Israel diskutiert und Antisemitismus beschworen – als hätte es diese Rede nie gegeben.

    • A.W.

      @Okay:

      Sehr gut 👍

  • Oma

    Beim Staffing für ein Projekt mit einem Mitarbeiter um die Ecke zu kommen, gegen den andere beteiligte Parteien aufgrund früherer Vorkommnisse heftige Bedenken haben, ist schon ziemlich merkwürdig. Hat die Linke eine so dünne Personaldecke, dass niemand anderes möglich war? Hat sich Emde von ihren früheren Aussagen glaubwürdig distanziert? Eine Unterschrift unter ein Papier allein ist ein bisschen dürftig, Papier ist geduldig.

    • Comerade Aardvark

      @Oma:

      Frau Ende ist direkt gewählte Abgeordnete, die Leute in ihrem Wahlkreis werden schon wissen, warum. Da kommt niemand anderes in Frage. Sie hat auch das Papier zum Antisemitismus unterzeichnet (was ich ihr nicht abnehme, aber egal - mich vertritt die ja nicht), also gab es keinen formalen Grund, sie nicht in die Fraktion aufzunehmen. Sofern sie auf die letzte Bank gesetzt wird.und beim ersten Skandal wieder rausfliegt, hätte man als SPD und Grüne es dabei belassen können. Aber anscheinend will man gerade keine Regierung ohne CDU?

    • O.F.

      @Oma:

      Emde ist keine Mitarbeiterin in einem Projekt, sondern eine gewählte Abgeordnete, die nicht einfach ausgetauscht werden kann (was ist das denn für ein Demokratie-Verständnis?).

    • *Sabine*

      @Oma:

      "Hat die Linke eine so dünne Personaldecke, dass niemand anderes möglich war?"

      Ich gehe davon aus, dass Frau Emde die Mehrheitsmeinung in Die Linke vertritt und sicherlich auch die ihrer Wähler. Immerhin wurde sie von anderen Mitgliedern der Partei in die Fraktion gewählt, sie scheint somit (zu meinem Bedauern) keine Außenseiterposition zu vertreten.

  • Dietmar Rauter

    Das ist typisches Parteigehader und wird weder den Grünen noch der SPD beim Buhlen um mehr Wählerstimmen helfen: Im Gegenteil. Wenn sie mit der CDU etwas werden wollen, dann schaden sie der Demokratie: Sie paktieren mit einem 'Partner' ,der eindeutig abgewählt wurde, noch weniger Ideen hat und sie gemeinsam unglaubwürdig macht. Sie geben dem Krakeele der Verlierenden, aber auch vielen Medien nach. Grüne quo vadis ? Populismus pur ?

  • the real günni

    jetzt solle sich mal bitte auch nur eine person vor die kameras stellen und erklären, was genau das existenzrecht von staaten sein soll.



    diesen begriff oder bestand gibt es juristisch gar nicht. das ist eine komplette nebelkerze.



    vanessa emde hat mit ihrer aussage völlig recht. dann hat sie sich klar gegen antisemitismus ausgesprochen. zudem wird die einstaatenlösung international schon lange diskutiert und bedeutet auch auf keinen fall die vertreibung oder auslöschung (!) der israelis, sondern alle menschen leben zusammen in einem staat mit den gleichen rechten. mich wundert, dass selbst höherrangige politiker diese aussagen skandalisieren. ist das ignoranz oder kalkül? vielleicht sind die anderen politiker einfach einem amt auf landesebene nicht gewachsen.

    • *Sabine*

      @the real günni:

      "... dann hat sie sich klar gegen antisemitismus ausgesprochen."

      Da sie sich mit Personen umgibt, die Jihia Sinwar verehren, halte ich ihre Aussage nicht für glaubwürdig. Aber: Es gibt ja - nicht nur unter Linken oder in Die Linke - zwei Bevölkerungsgruppen, von denen die eine den 07.10. als legitime Widerstandshandlung betrachten und die andere Personengruppe, für die der 07.10. ein Verbrechen, ein Pogrom war. Die Anhänger der ersten Personengruppe sehen sich selbst, wenn ich es richtig weiß, nicht als Antisemiten, sind es für mich aber durchaus.

    • Encantado

      @the real günni:

      "...wird die einstaatenlösung international schon lange diskutiert und bedeutet auch auf keinen fall die vertreibung oder auslöschung (!) der israelis..."



      Das wiederum hängt stark an, wen man da so fragt. Ich behaupte, die Hamas hat da eine recht eindeutige Position zu, die von Ihrer Aussage abweicht.

  • Martin Sauer

    Frau Emde gehört jetzt in die Fraktin der Linke, und damit hat die Linke eine Vereinbarung gebrochen. Wenn Grüne und SPD trotzdem an die Tröge gehen wird ihnen das bundesweit schaden. Im April sind in NRW Landtagswahlen . Und da ist die SPD in ihrer "Herzkammer" in Umfragen teilweise auf 12 % runter. Die AfD steht mit 22 % an zweiter Stelle, und haben sich vereifacht. Die AfD wird das dann in NRW ausnutzen und vor einem "Linksruck" warnen.

    • Eichhörnchen99

      @Martin Sauer:

      Um welche Vereinbarung handelt es sich? Personalfragen der Fraktionen sind nach wie vor Sache der Partei selbst. Frau Emde hat die Erklärung unterschrieben und sich damit so positioniert, wie es Grüne und SPD zur Bedingung gemacht haben.

    • *Sabine*

      @Martin Sauer:

      "Frau Emde gehört jetzt in die Fraktin der Linke, und damit hat die Linke eine Vereinbarung gebrochen."

      Hierzu gibt es unterschiedliche Behauptungen. Vielleicht erfahren wir noch, ob eine/r m/w/d der Beteiligten die Unwahrheit sagt oder es "einfach", was ich zu Gunsten der Politiker annehme, ein Missverständnis war. Wenn etwas nicht schriftlich niedergelegt ist oder im genehmigten Protokoll steht (Protokolle müssen üblicherweise von allen Beteiligten genehmigt werden), eröffnen sich im nachhinein weitreichende "Interpretationsspielräume".

      "Wenn Grüne und SPD trotzdem an die Tröge gehen wird ihnen das bundesweit schaden."

      Das ist zwar auch mein "Gefühl", aber sicher bin ich mir nicht. "Wir" Bürger:innen m/w/d setzen nun mal unterschiedliche Prioritäten.

  • rero

    Ist schon schräg.

    Wegen eines Themas, das mit der Berliner Landespolitik eigentlich nichts zu tun hat, zerlegt sich eine Partei möglicherweise selbst und begibt sich eventuell der Chance zu regieren.

    Muss man erstmal hinkriegen.

    • JC Kay

      @rero:

      Na ja. Für einige in der Linkspartei ist der Hass auf Israel wichtiger, als konservative Politik zugunsten der Stadt Berlin. 🤷‍♂️

      • Eichhörnchen99

        @JC Kay:

        „Hass auf Israel“ – mal bei der Sache bleiben wäre auch den Positionen gegen die Linkspartei zuträglich. Hier regt man sich über eine Personalie auf, wegen eines Satzes, der de facto nicht falsch ist. Es wurde eine Erklärung verfasst und unterzeichnet. Die einzigen Akteure, die sich hier undemokratisch verhalten, sind diejenigen Parteien, denen – um es auf Deutsch zu sagen – der Arsch auf Grundeis geht, weil sie dermaßen abgeloost haben. Wer eine gesunde Demokratie will, muss auch lernen zu verlieren. Das, was hier passiert, ist Erpressung auf dem Rücken jüdischer Menschen.

    • Hierjetzt

      @rero:

      Das ist eine Kampagne, schon gemerkt? Schlimm ist, wie die PDL über jedes Stöckchen springt.

    • MednaGora

      @rero:

      Antisemitismus soll nichts mit Berliner Landespolitik zu tun haben?



      Auch ne irgendwie schräge Auffassung.

    • the real günni

      @rero:

      wegen eines themas...wird eine partei in einer beispiellosen aktion von politik und medien diffamiert und diskriminiert, wie ich es noch nicht erlebt habe. schamlos. demokratiegefährdend. abartig.

    • HRMe

      @rero:

      Man kann es ja auch andersrum sehen: Wegen eines Themas, das mit der Berliner Landespolitik nichts zu tun hat, blockieren SPD und Grüne die Option, neue Perspektiven in der Landespolitik auszuprobieren und damit eine echte Alternative zu AfD und Union anzubieten. Was ist denn die unechte Alternative von SPD und Grünen? Mit dem Wahlverlierer CDU weiterzuwursteln, bis die AfD auch in Berlin stärkste Partei ist und/oder die SPD allmählich unter 5 % verschwindet.



      Im Übrigen gibt es kein universelles, völkerrechtlich fixiertes Existenzrecht von Staaten, wohl aber den Schutz von deren Souveränität. Dazu auch: progressivestimme....agen-und-gedanken/

      • Walterismus

        @HRMe:

        Würden Sie auch so argumentieren wenn die CDU mit der AfD zusammen geht? Wegen eines Themas hält die CDU noch die Brandmauer auf Landesebene obwohl die Themen mit Landespolitik wenig zu tun haben.

        Ich kann Doppelmoral echt nicht mehr sehen.

        • HRMe

          @Walterismus:

          "Wegen eines Themas, das mit der Berliner Landespolitik eigentlich nichts zu tun hat," war ein Zitat aus dem Kommentar, auf den ich geantwortet habe. War nicht als solches gekennzeichnet (sorry!), da ich dachte, wer darauf antwortet, liest auch die Nachricht, auf die Bezug genommen wird...